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Full text of "Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft"

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Zeitschrift 



der 



Deutschen geologischen Gesellschaft. 



XVIII. Band. 

1866. 



Mit sechszehn Tafeln. 



Berlin, 1866. 

Bei Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung). 

Behren -Strasse No. 7. 



Inhalt. 



Seite 

A. Verhandlungen der Gesellschaft .... 1. 177. 377. 649 

B. Briefliche Mittheilungen 

der Herren Arlt und Weiss 400 

der Herren v. Helmersen, Websky und v. Unger . . . 653 

C. Aufsätze. 

C. Rammelsberg. lieber das Buntkupfererz von Ramos in Mexiko 

und die Constitution dieses Minerals überhaupt . . . . 19 

— Ueber den Castillit, ein neues Mineral aus Mexiko . "23 

A. v. Koenen. Ueber einige Aufschlüsse im Diluvium südlich 

und östlich von Berlin "25 

C. Rammelsberg Ueber den Xonaltit, ein neues wasserhaltiges 

Kalksilikat, und den Bustamit aus Mexiko 33 

C. Schlüter. Die Schichten des Teutoburger Waldes bei Alten- 
beken 35 

Herm. Credner. Geognostische Skizzen aus Virginia, Nord- 
amerika 77 

F. M. Stapff. Ueber die Entstehung der Seeerze (Hierzu 

Tafel I.) 86 

G. Berendt. Marine Diluvial-Fauna in West-Preussen . . . 174 
C. Rammelsberg. Ueber die chemische Natur der Feldspathe, 

mit Rücksicht auf die neueren Vorstellungen in der Chemie 200 
L. Zei'schner. Ueber die rothen und bunten Thone und die 

ihnen untergeordneten Glieder im südwestlichen Polen . 232 
C. Rammelsberg. Ueber den Enargit aus Mexiko und einen 

neuen Fundort des Berthierits 241 

Ed. v. Eichwald. Ueber die Neocomschichten Russlands. 

(Hierzu Tafel II.) 245 

A. Kunth. Ueber die von Gerhard Rohlfs auf der Reise von 
Tripoli nach Ghadames im Mai und Juni 1865 gefunde- 
nen Versteinerungen. (Hierzu Tafel III.) 2S1 

A. v. Koenen. Ueber das Alter der Tertiärschichten bei Bünde 

in Westphalen 287 

A. Sadebeck. Ein Beitrag zur Kenntniss des baltischen Jura 292 
Gümbel. Ueber das Vorkommen hohler Kalkgeschiebe in Bayern 299 
K. v. Seebach. Die Zoanthoria perforata der palaeozoischen 

Periode. (Hierzu Tafel IV.) 304 

H. Laspeyres. Beiträge zur Kenntniss der vulkanischen Ge- 

steine des Niederrheins 311 

U. Schloenbach Ueber die Brachiopoden aus dem unteren 

Gault (Aptien) von Ahaus in Westphalen 364 



IV 



Seite 

A. Richte«. Aus dem thüringischen Schiefergebirge. (Hierzu 

Tafel V u. VI.) 409 

Heinrich Eck. Ueber die Reichensteiner Quarzzwillinge . . 426 

Ferd. Roemer. Ueber die Auffindung devonischer Kalkstein- 
schichten bei Siewierz im Königreiche Polen 433 

Wilhelm Bölsche. Die Korallen des norddeutschen Jura- und 

Kreide-Gebirges. (Hierzu Tafel VII, VIII, IX.) ... 439 

G. vom Rath. Mineralogisch - geognostische Fragmente aus 

Italien. (Hierzu Tafel X, XI, XII.) 487 

v. Seebach. Vorläufige Mittheilung über die typischen Ver- 
schiedenheiten im Bau der Vulkane und über deren Ur- 
sache 643 

Heinrich Eck. Notiz über die Auffindung von Conchylien im 
mittleren Muschelkalke (der Anhydritgruppe v. Alb.) bei 
Rüdersdorf 059 

Ferd. Roemer. Neuere Beobachtungen über das Vorkommen 
mariner Conchylien in dem oberschlesisch-polnischen Stein- 
kohlengebirge .... 663 

— Geognostische Beobachtungen im Polnischen Mittelgebirge. 

(Hierzu Tafel XIII ) 667 

C. Rammelsberg. Ueber die Bestimmung des Schwefeleisens in 

Meteoriten 691 

A. v. Groddeck. Ueber die Erzgänge des nordwestlichen Ober- 
harzes. (Hierzu Tafel XIV, XV, XVI.) 693 

Behm. Ueber die Bildung des unteren Oderthaies .... 777 

C. Rammelsberg. Analyse der Glimmer von Utö und Easton 
und Bemerkungen über die Zusammensetzung der Kali- 
glimmer überhaupt 807 



Zeitschrift 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft. 

1. Heft (November, December 1865, Januar 1866). 

A. Verhandlungen der Gesellschaft. 



1. Protokoll der November -Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 1. November 1865. 

Vorsitzender : Herr G. Rose. 

Das Protokoll der August- Sitzung wurde verlesen und 
genehmigt. 

Herr Beyrich berichtete über die Verhandlungen der Ge- 
sellschaft während der allgemeinen Versammlung derselben in 
Hannover und lenkte darauf die Theilnahme der Versammlung 
auf den seit der letzten hiesigen Sitzung erfolgten Tod zweier 
ausgezeichneter Männer: 

Dr. Christian P ander in St. Petersburg und Dr. Fr. 

v. Hagenow in Greifswald. 
Vielen der hiesigen Geologen ist das Bild des liebens- 
würdigen russischen Gelehrten, den wir mit Stolz als Deut- 
schen auch uns zurechnen können, durch seinen letzten länge- 
ren Aufenthalt in Berlin noch in lebhafter Erinnerung, und wir 
betrauern mit seinen heimischen Freunden den Verlust des 
verdienstvollen Mannes, den auch wir seiner Herzlichkeit, 
Biederkeit und Bescheidenheit wegen hochschätzen lernten. 
P ander wurde am 12. Juli 1794 in Riga geboren, bezog 1812 
die Universität Dorpat und setzte später seit 1814 seine Stu- 
dien in Berlin und Göttingen fort. Er erwarb sich zuerst einen 
Namen in der Wissenschaft durch Arbeiten im Gebiete der 
Anatomie. Unter Anregung und Leitung von Döllinger in 
Würzburg begann er 1816 die für die Kenntniss der Entwicke- 
lung des thierischen Körpers später so einflussreich gewordenen 
Untersuchungen über die Entwicklung des Hühnchens im Ei, 

Z-eits. d. d. geol. Ges. XVIII. 1. 1 



2 



führte dann mit d'Alton eine grössere Reise aus durch Frank- 
reich, Spanien, Holland und England, als deren Frucht haupt- 
sächlich das schöne Werk über die Skelete der verschiedenen 
Säugethierfamilien hervorging. In's Vaterland zurückgekehrt, 
nahm P arder als Naturforscher Theil an der Gesandtehafts- 
reise, welche im Jahre 1820 unter Leitung des Barons Meyen- 
dorff nach Buchara ging. Im Jahre 1822 zum Adjunkt und 
1823 zum ordentlichen Mitglied der Kais. Akademie der Wissen- 
schaften ernannt, begann er seine Studien der Geognosie und 
Paläontologie zuzuwenden. Durch seine „Beiträge zur Geo- 
gnosie des russischen Reichs" (1831) wurde er der Begründer 
der Kenntuiss der silurischen Formationen Russlands. Im Jahre 
1827 zog er sich nach Lievland zurück und fand hier Veran- 
lassung, seine Aufmerksamkeit dem Vorkommen der merkwür- 
digen devonischen Fischreste zuzuwenden, die er zuerst für 
Ueberbleibsel untergegangener Arten von Knorpelfischen er- 
klärte. Sein in späterer Zeit bearbeitetes grosses Werk über 
die fossilen Fische der Silur- und Devon-Formationen ist eine 
Zierde der paläontologischen Litteratur. Im Jahre 1842 zu- 
rückgekehrt nach St. Petersburg, führte er verschiedene geolo- 
gische Untersuchungsreisen in Lievland und Esthland, in Cen- 
tralrussland und am Ural aus, deren Hauptzweck war, den paläon- 
tologischen Charakter der alten Formationen genau kennen zu 
lernen und nach sicherster Feststellung des Horizontes , den 
die Kohlenlager Russlands einnehmen, diejenigen Punkte zu 
bestimmen, an denen Versuchsbaue auf Steinkohlen anzulegen 
wären. Die Bearbeitung des ungemein reichhaltigen und schö- 
nen Materials von Versteinerungen, welches er bei diesen 
Untersuchungen aufgesammelt hatte, beschäftigte ihn in den 
letzten Lebensjahren. Es wird Ehrenaufgabe und Pflicht der 
russischen Regierung sein, dafür zu sorgen, dass die weit vor- 
geschrittenen Arbeiten des verstorbenen Gelehrten der Wissen- 
schaft nicht vorenthalten bleiben. 

Friedrich v. Hagenow hat unserer Gesellschaft seit ihrer 
Gründung als Mitglied angehört. Wem es vergönnt war, ihm 
im Leben näher zu treten, betrauert auch ihn als biederen 
und herzlich ergebenen Freund. Das Studium der Geschichte 
und Natur seiner engeren Heimath, Neuvorpommern und Rü- 
gen, hatte er sich zur Aufgabe seines Lebens gemacht. Er 
entwarf die ersten, guten, topographischen Karten seiner Hei- 



3 



math und ist in weiteren Kreisen durch seine Alterthumsfor- 
schungen bekannt geworden. Für die Geognosie erwarb er 
sich ein bleibendes Verdienst durch seine Arbeiten über den 
paläontologischen Inhalt der weissen Kreide Rügens, dessen 
ausserordentlichen Reichthum er zuerst an's Licht zog. In feiner 
und scharfsinnniger Beobachtung und Unterscheidung des be- 
handelten Materials sind seine Arbeiten musterhaft. Das 
schwere Geschick, zu erblinden, trübte seine letzten Lebens- 
jahre. 

Der Gesellschaft sind als Mitglieder beigetreten : 

Herr v. Helmersen, Generallieutenant im k. k. russ. 
Berg-Ingenieur-Corps in Petersburg, 

vorgeschlagen durch die Herren Tamnau, Beyrich 
und G. Rose. 
Herr Dr. phil. v. Korff in Warschau, 

vorgeschlagen durch die Herren Beyrich, Sade- 
beck und G. Rose. 
Herr Ewald Becker aus Breslau, zur Zeit in Berlin, 
vorgeschlagen durch die Herren F. Roemer , vom 
Rath und Beyrich. 
Herr Dr. phil. Wittenburg in Berlin, 

vorgeschlagen durch die Herren Sadebeck, Beyrich 
und G. Rose. 
Herr Dr. phil. Laspeyres, zur Zeit in Berlin, 
; vorgeschlagen durch die Herren v. Dechen, vom 
Rath und Beyrich. 
Für die Bibliothek sind eingegangen: 
A. Als Geschenke. 
, Julius Haast: Report on the geological exploration of the 
west coast. Christchurch 1865. — Report on the geological for- 
mation of the Timaru district in reference to obtaining a suppig 
of water. Christchurch 1865. — Geschenke des Verfassers. 

H. Fischer: Weitere Mittheilungen über angebliche Ein- 
schlüsse von Gneiss u. s. w. in Phonolith und anderen Fels- 
arten. Freiburg 1865. — Geschenk des Verfassers. 

H. Eck: lieber die Formationen des bunten Sandsteins 
und des Muschelkalks in Oberschlesien und ihre Versteinerun- 
gen. Berlin 1865. — Geschenk des Verfassers. 

U. Schlönbach: Beiträge zur Paläontologie der Jura- und 
Kreideformation im nordwestlichen Deutschland. Erstes Stück. 

1* 



4 



Ueber neue und weniger bekannte jurassische Ammoniten. 
Cassel 1865. — Sep. 

H. Credner: Geognostische Karte der Umgegend von Han- 
nover. Hannover 1865. — Geschenk des Verfassers. 

Paläontologie von Neu-Seeland. Beiträge zur Kenntniss 
der fossilen Flora und Fauna der Provinzen Auckland und 
Nelson von Unger, Zittel, Suess, Karrer, Stoliczka, Stäche, 
Jaeger, redigirt von F. v. Hochstetter, Hörnes und Fr. von 
Hauer. — - Novara- Expedition. Geologischer Theil. Band I. 
2. Abtheilung. — Geschenk des Herrn F. v. Hochstetter. 

Gümbel: Ueber das Knochenbett (Bonebed) und die Pflan- 
zen-Schichten in der rhätischen Stufe Frankens. — Sep. 

G. Rose: Ueber die Krystallform des Albits von dem 
Roc-tourne und von Bonhomme in Savoyen und des Albits 
im Allgemeinen. — Sep. 

E. Beyrich: Ueber einige Trias - Ammoniten aus Asien. 
Auszug aus dem Monatsbericht der Königl. Akademie der 
Wissenschaften zu Berlin. 

Ed. Suess: Ueber die Cephalopoden-Sippe Aeanthoteuthis 
R. Wagn. — Ueber Ammoniten. — Sep. 

F. Stoliczka: Eine Revision der Gastropoden der Gosau- 
schichten in den Ostalpen. — Sep. 

A. E. Reuss: Zwei neue Anthozoen aus den Hallstädter 
Schichten. — Sep. 

B. Studer: Beiträge zur Geognosie der Berneraipen. — 
Geologisches aus dem Emmenthal. — Sep. 

Statistics of the foreign and domestic commerce of the united 
states. Communicated by the secretary of the treasury. Was- 
hington 1864. 

A magyarhoni földtani tärsulat Munkälatai. Szerkeszte Szabö 
Jözsef mäsod titkär. II Kötet bevegezve 1863. Pest. 
B. Im Austausch. 

Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien. 
1865. Bd. 15 N. 2 u. 3. — Verhandlungen derselben vom 
18. Juli, 8. August, 12. September 1865. 

Zweiundvierzigster Jahresbericht der schlesischen Gesell- 
schaft für vaterländische Cultur für das Jahr 1864. Breslau 
1865. — Abhandlungen: philos.-histor. Abtheil. 1864, Heft IL; 
Abtheil, für Naturwissenschaften und Medicin 1864. Breslau 
1864. 



5 



Schriften der Königl. physikalisch - ökonomischen Gesell- 
schaft zu Königsberg. 6. Jahrg. 1865. Abtheil. 1. 

Zeitschrift des Architekten- und Ingenieur- Vereins für das 
Königreich Hannover. 1865. Bd. 11. Heft 2 und 3. 

Fünfzigster Jahresbericht der naturforschenden Gesellschaft 
in Emden (1864). Emden 1865. 

Mittheilungen der naturforschenden Gesellschaft in Bern 
aus dem Jahre 1864. N. 553—579. 

Sechster Jahresbericht des naturhistorischen Vereins in 
Passau über die Jahre 1863 und 1864. Passau 1865. 

Mittheilungen aus dem Osterlande. Bd.. 17. Heft 1 u. 2. 
Altenburg 1865. 

Verhandlungen der schweizerischen naturforschenden Ge- 
sellschaft zu Zürich am 22 — 24. August 1864. 48. Versamm- 
lung. 1864. 

Jahresbericht der naturforschenden Gesellschaft Graubün- 
dens. Neue Folge. Jahrg. X. Chur 1865. 

Verhandlungen des botanischen Vereins für die Provinz 
Brandenburg und angrenzenden Länder. Berlin 1864. 

Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft in 
Wien. 8. Jahrg. 1864. Heft 1. 

Petermann's Mittheilungen aus Justus Perthes' geogra- 
phischer Anstalt. 1865. No. 4, 6, 7, 8. Gotha. 

Siebenter Jahresbericht der Gesellschaft von Freunden der 
Naturwissenschaften in Gera. 1864. 

Sitzungsberichte der Königl. Bayerischen Akademie der 
Wissenschaften zu München. 1865. I. Heft 3 u. 4. 

Sitzungsberichte der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften 
in Wien. Bd. 50, Heft 1—5, t u. 2. Abtheil. 1864. — Bd. 51, 
Heft 1 u. 2, 1. u. 2. Abtheil. 1855. 

Memoires de la societe de physique et d'histoire naturelle de 
Geneve. 1865. Tome 18. Part. I. 

Annales des mines. Sixieme serie. Tome VII. Livr. II, III. 
Paris 1865. 

Bulletin de la societe imperiale des naturalistes de Moscou. 
1865. N. 7, IL 

Atti della societa italiana di scienze naturali. Vol. VI, 
fasc. V. — Vol. VIII, fasc. I, II. Milano 1865. 

The quarterly journal of the geological society of London. 
Vol. 21, Part. 3. N. 83. 1865. 



6 

Proceedings of the American philosophical society. Philadel- 
phia 1840. Vol. I. N. 1, 11, 12. Vol. IX. N. 71, 72. 

List of the members of the American philosophical society. 
Philadelphia. 

Catalogue of the American philosophical society. Part I. 
Philadelphia 1863. 

Transactions of ihe American philosophical society. Phila- 
delphia 1865. Vol. 13. Neiv Series. Part I. 

Proceedings of the Academy of natural sciences of Philadel- 
phia. 1864. N. 1—5. 

Smithsonian contributions to knowledge. Vol. 14. Washing- 
ton 1865. 

Smithsonian miscellaneous collections. N. 177, 183. Was- 
hington 1864. 

Annal report of the board of regents of the Smithsonian 
institution. Washington 1864. 

The American journal of science and arts. Vol. 37 N. 109 — 111. 
Vol. 38 N. 112—114. Vol. 39 N. 115—117. Newhaven 18£f. 

Proceedings of the Boston society of natural history. Vol. II. 
1845—48. — Vol. III. 1848—51. — Vol. IV. 1851—54. — 
Vol. V. 1854—56. — Vol. VI. 1856—59. — Vol. VII. 1859—61. 
— Vol. VIII. 1861—62. — Vol. IX. Bogen 21—25. 

Journal of the Boston society of natural history. Part I. 
N. 1—4. 1834—37. — P. II. N. 1-4. 1838—39. — P. III. 
N. 1—4. 1840. — P. IV. N. 3, 4. 1843—44. — P. V. N. 1. 
1845. — P. VI. N. 1—4. 1850—57. 

Results of meteorological observations, made under the direction 
of the united states patent office and the Smithsonian institution. 
Vol. II. Part I. Washington 1864. 

Report of the Superintendent of the coast survey, showing the 
progress of the survey during the year 1862. Washington 1864. 

Journal of the Portland society of natural history. 1864. 
Vol. I, N. 1. 

Proceedings of the Portland society of natural history. 1862. 
Vol. I. Part 1. 

Annais of the Lyceum of natural history of New York. 
1864. Vol. VIII. N. 1, 2, 3. 

Charter, Constitution and by laws of the Lyceum of natural 
history in the city of New York with a list of the members etc. 
1864. 



7 



Ausserdem wurde vorgelegt: 
C. Fühlrott: Der fossile Mensch aus dem Neanderthale 
und sein Verhältniss zum Alter des Menschengeschlechts. Duis- 
burg 1865 , welche Abhandlung von der Verlagsbuchhandlung 
von W. Falk und Volmer in Leipzig eingesendet worden war. 

Mit dem Bemerken, dass mit der heutigen Sitzung ein 
neues Geschäftsjahr beginne, forderte der Vorsitzende unter 
Abstattung eines Dankes für das demselben von der Gesell- 
schaft geschenkte Vertrauen zur Neuwahl des Vorstandes auf. 
Auf Vorschlag eines Mitgliedes erwählte die Gesellschaft durch 
Acclamation den früheren Vorstand wieder. An die Stelle des 
Herrn Roth, der die Wiederwahl ablehnen zu müssen erklärte, 
wurde Herr Eck zum Schriftführer gewählt, so dass der Vor- 
stand besteht aus den Herren: 

G. Rose, Vorsitzender, 

Ewald und Rammelsberg, Stellvertreter desselben, 

Beyrich, v. Bennigsen -Förder, Wedding, Eck, Schrift- 
führer, 

Tamnau, Schatzmeister, 

Lottner, Archivar. 
Herr v. Seebach legte einige neue organische Reste aus 
der mitteldeutschen Trias vor, und zwar einen Ganoiden aus 
dem bunten Sandstein von Bernburg, welchen er dem Herrn 
Beckmann verdankt, und für welchen er den Namen Semiono- 
tus gibber vorschlug. Ferner aus der Sammlung des verstor- 
benen Berger in Coburg eine Halobia, welche nach der An- 
sicht des Redners aus den obersten Schichten des unteren 
Muschelkalks (nach C. v. Fritsch dagegen aus derjenigen 
Schicht, welche im oberen Muschelkalk die Terebratelschicht 
der Thonplatten bedeckt) herstammt und mit dem Namen Ha- 
lobia Bergeri belegt wurde; endlich eine Pinna, welche der- 
selbe Pinna triasina benannte. 

Herr Lutter zeigte einige für Rüdersdorf neue Erfunde 
aus dem dortigen Schaumkalk vor, ein Exemplar der Delphi- 
nula infrastriata Stromb. und Cidarisreste, nämlich Stacheln, 
Asseln und Stücke aus dem Zahnapparat, von denen die erste- 
ren mit denjenigen Stacheln des Muschelkalks übereinstimmen, 
welche mit den Namen C. grandaeva und subnodosa belegt 
worden sind. 

Herr Sadebeck sprach über Kalkführung des Eulengebirgs- 



8 



gneisses. Dieser Gneiss ist im Allgemeinen sehr arm an Kalk. 
In der Litteratur findet sich nur eine Notiz in Karsten's Ar- 
chiv Bd. III. von Zobel und v. Carnall, dass zwischen Lan- 
genbielau und Peterswaldau sich ein Kalklager befände. Redner 
legte Handstücke dieses weissen, grobkrystallinischen Kalk- 
steins vor, welcher in Lagern im Gneisse regelmässig einge- 
schichtet vorkommt; die Lager erreichen mitunter eine sehr 
bedeutende Mächtigkeit. Besonders hervorzuheben ist, dass 
in dem Kalk keine Mineralien gefunden werden. 

Derselbe Kalkstein tritt in gleichfalls regelmässigen, jedoch 
weniger mächtigen Lagern bei Steinkunzendorf in der Silber- 
koppe auf, hier aber nicht im typischen Gneisse, sondern in 
einem Hornblendeschiefer, bestehend aus Hornblende und einem 
gestreiften Feldspath. 

Am Fusse desselben Berges kommt ein dichter, bläulicher 
Kalkstein vor mit Beimengungen einer mehr oder minder ver- 
witterten Serpentin - artigen Masse. Ueber die Art des Vor- 
kommens konnten wegen der Unzugänglichkeit des Bruches 
keine Beobachtungen angestellt werden. 

Ferner legte der Redner Granit aus Striegau in Schlesien 
vor, in welchem sich sehr schöne Octaeder von violblauem 
Flussspath befinden. 

Herr G. Rose legte Modelle der in einer früheren Sitzung 
besprochenen, durch einander gewachsenen Albitkrystalle vom 
Roc-tourne und von Bonhomme in Savoyen vor, welche auf 
seine Veranlassung in der Mineralienhandlung des Herrn Dr. 
Kbantz in Bonn angefertigt worden waren. 

Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

G. Rose. Beyrich. Eck. 



2. Protokoll der December - Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 6. December 1865. 
Vorsitzender: Herr G. Rose. 

Das Protokoll der November-Sitzung wurde verlesen und 
genehmigt. 



9 



Der Gesellschaft ist als Mitglied beigetreten: 
Herr Bergreferendar Jung in Bonn, 

vorgeschlagen durch die Herren Weddisg, Stein 
und Eck. 

Für die Bibliothek sind eingegangen: 

A. Als Geschenke: 

Berg- und Hüttenkalender für das Jahr 1866. 11. Jahr- 
gang. Essen. Verlag von G. D. Badeker. 

Beyrich: Ueber eine Kohlenkalkfauna von Timor. (Aus 
den Abhandlungen der Königl. Akademie der Wissenschaften 
zu Berlin 1864.) Berlin 1865. 

Belazione fatta dal professore Giovanni Omboni sulle con- 
dizione geologiclie delle ferrovie progettate per arrivare a Coira 
passando per lo Spluga, il Settimo e il Lueomagno. 

M. Sars : Om de i Norge forekommende fossile dyrelevninger 
fra quartaerperioden. Christiania 1865. 

G. O. Sars: Norges ferskvandskrebsdyr. Forste afsnit Bran- 
chiopoda. I. Cladocera Ctenopoda. Christiania 1865. 

Det Kongelige Norske Frederiks Universitets Aarsberetning 
fort Aaret 1863. Christiania 1865. 

Gaver til det Kgl. Xorske Universitet i Christiania. 

Th. Kjerulf: Veiviser ved geologiske excursioner i Christiania 
omegn med et farvetrykt kart og flere traesnit. Christiania 1865. 

Jul. Haast: Report on the headicaters of the river Wai- 
taki. Christchurch. 

B. Im Austausch : 

Achtzehnter Bericht des naturhistorischen Vereins in Augs- 
burg. 1865. 

Verhandlungen des naturforschenden Vereins in Brünn. 
Bd. III. 1864. Brünn 1865. 

Sitzungsberichte der Königl. Bayer. Akademie der Wissen- 
schaften zu München. 1865. II. Heft 1, 2. 

Notizblatt des Vereins für Erdkunde und verwandte Wissen- 
schaften zu Darmstadt und des mittelrheinischen geologischen 
Vereins. Herausgegeben von Ewald. III. Folge. Heft 3, 
N. 25—36. Darmstadt 1864. 

Geologische Specialkarte des Grossherzogthums Hessen 
und der angrenzenden Landesgebiete. Herausgegeben vom 
mittelrheinischen geologischen Verein. Sektion Darmstadt, von 
Ludwig. Darmstadt 1864. 



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Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt von 
Petermann. 1865. IX. 

Berichte über die Verhandlungen der naturforschenden 
Gesellschaft zu Freiburg i. B. Bd. III. Heft 1—4. 1863—1865. 

Societe des sciences naturelles du gr and- ducke de Luxem- 
bourg. T. VIII. 1865. 

Memoires de Vacademie imperiale des sciences de St. Peters- 
bourg. Serie VII. Tome V. N. 1. Tome VII. N. 1 — 9. Tome 
VIII. N. 1—16. 

Bulletin de Vacademie imperiale des sciences de St. Peters- 
bourg. Tome VII. N. 3—6. Tome VIII. N. 1—6. 

Herr Roth berichtete über den Inhalt der noch an ihn 
eingegangenen Bücher, namentlich über die Arbeiten von: 
Kjerülf, Wegweiser zu geognostischen Excursionen in der 
Umgegend vpn Christiania; Fr. Schmidt, recherches sur les phe- 
nomenes produits par la periode des glaces en EslJionie et ä Vile 
oVOesel in den Bulletins de Vacademie imperiale des sciences de 
St. Petersbourg. T. VIII. N. 4; de Volborth, sur le Baerocri- 
nus, une nouvelle espece de crino'ide, trouvee en Esthonie, daselbst 
T. VIII. N. 3 ; v. Helmersen, le puit artesien a St. Petersbourg, 
daselbst; Semionof et v. Möller, sur les couches devoniennes supe- 
rieures de la Bussie centrale, daselbst T. VII. N. 3; H. Struve, 
über den Salzgehalt der Ostsee in den Memoires de Vacademie 
imperiale des sciences de St. Petersbourg. VII. Ser. T. VIII. 
N. 6. 

Herr G. Rose erinnerte an den Verlust, den die Gesell- 
schaft durch den Tod ihres Mitgliedes, Professor Dr. Barth, 
erlitten hat, und berichtete darauf nach einer brieflichen Mit- 
theilung des Herrn Websky über die Auffindung des Ferguso- 
nits, Xenotims und Monazits in Schlesien (cf. diese Zeitschrift 
Bd. XVII. S. 566). 

Herr Serlo sprach über die Vermuthung, mit den Stein- 
salzablagerungen in Lothringen, wie bei der in Stassfurt, Kali- 
salze aufzufinden. Schon im Anfang dieses Jahrhunderts führte 
man Bergbau auf Steinsalz in Lothringen in der Nähe von 
Vic, der aber durch Ersaufen der Grubenbaue zum Erliegen 
kam. Seit 1826 hatte man einige Meilen von Vic entfernt bei 
Dieuze von Neuem Steinsalz aufgeschlossen, dasselbe in elf 
verschiedenen, von Mergeln getrennten Lagern angetroffen und 
bis zum vorigen Jahre Bergbau darauf geführt, der aber 



11 



gleichfalls wegen Ersaufens eingestellt ist, so dass der vor- 
handene Schacht zur Zeit als Soolschacht dient. Seit einem 
Jahrzehnt sind nun aber in der Nähe von Nancy (Meurthe- 
Departement) bedeutende Salzablagerungen bekannt gewor- 
den, die offenbar mit denen von Dieuze zusammenhängen, 
wenn auch die hier gefundenen elf Lager mit denen von 
Dieuze nicht vollständig identisch sind; es sind mehrfache Con- 
cessionen ertheilt, in denen theils durch Bohrlöcher, theils 
durch Schächte die Lagerstätten aufgeschlossen sind. Die wich- 
tigste von allen ist die Concession von St. Nicolas-Varange- 
ville, wo man die ganze Lagerstätte mit einem Schachte durch- 
teuft hat und in dem elften Lager ausgedehnten Bau führt. 
Die ganze Ablagerung liegt im Muschelkalk, also in einem 
weit höherem geogn ostischen Horizont, wie die von Stassfurt, 
sie hat aber dadurch mit der letzteren grosse Aehnlichkeit, 
dass das Steinsalz mit harten Anhydritschnüren reichlich durch- 
zogen ist, obwohl das. Salz an und für sich chemisch reiner, 
reicher an Chlornatrium ist, als das zu Stassfurt. In den 
oberen Teufen des Schachtes hatte man rothe Salze ange- 
troffen, die man als Kalisalze ansprechen zu müssen meinte. 
Herr Bergrath Bischof zu Stassfurt hat sich einer eingehenden 
Untersuchung der Salzlagerstätte überhaupt, besonders der ro- 
then Salze unterzogen, er hat aber in den letzteren den Car- 
nallit nicht auffinden können, sondern bezeichnet die rotheu 
Salze als Polyhalit, zugleich aber leugnet er die Möglichkeit 
nicht, dass, wenn in Lothringen die Steinsalzablagerung noch 
in tieferem Niveau aufgefunden würde, sich wohl die Kalisalze 
noch in den oberen Regionen derselben würden entdecken lassen. 

Herr Beyrich sprach über die Ammoniten des alpinen 
Muschelkalks von Reutte (vgl. hierüber die Monatsberichte der 
Berliner Akademie der Wissenschaften vom December 1865). 

Herr Ram3.ielseerg legte hierauf ein neues Mineral „Kaimt" 
von der Zusammensetzung KCl -f- 2MgS -j- 6aq. von Stass- 
furt vor (vgl. diese Zeitschrift Bd. XVII. S. 649) und berichtete 
nach einem Briefe des Herrn Fotjqtje an Herrn St. Claire- 
Deyille über den letzten Ausbruch des Aetna (siehe diese 
Zeitschrift Bd. XVII. S. 606). 

Herr Weddlxg sprach über das Vorkommen und die Zu- 
sammensetzung der bisher bei Baux in Frankreich, Antrim in 
Irland und in der Wochein in Oesterreich entdeckten Bauxite 



12 



und die Uebergänge zu denselben in manchen Brauneisenerzen 
Schlesiens. 

Derselbe legte sodann im Anschluss an die in einer frühe- 
ren Sitzung vorgezeigten Bessemer-Stahlstücke ein Stück weis- 
sen Eisens vor, in welchem die Hohlräume dieselbe eigenthüm- 
liche, melonenartige Streifung wie bei jenen erkennen lassen. 

Herr Laspeyres legte Hohlgeschiebe aus dem Oberroth- 
liegenden von Heddesheim nordöstlich von Kreuznach vor, 
die aus devonischem dolomitischen Kalkstein des Hunsrücks 
gebildet sind , verglich dieselben mit den Lauretta-Geschieben 
aus dem Leithakalke und schloss daran seine Ansicht über die 
Entstehung dieser und ähnlicher Gebilde, (vgl. diese Zeitschr. 
Bd. XVII. pag. 609.) 

Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

G. Rose. Beyrich. Eck. 



3. Protokoll der Januar-Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 3. Januar 1866. 
Vorsitzender: Herr G. Rose. 

Das Protokoll der December-Sitzung wurde verlesen und 
genehmigt. 

Der Gesellschaft sind als Mitglieder beigetreten: 

Herr Bergreferendar Fickler in Neu-Haldensleben bei 
Magdeburg, vorgeschlagen durch die Herren Bey- 
rich, Stein und Eck. 
Herr Dr. Benecke, Docent an der Universität in Hei- 
delberg, vorgeschlagen durch die Herren Beyrich, 
Ewald und G. Rose. 
Für die Bibliothek sind eingegangen: 

A. Als Geschenke: 
v. Hermersen. Das Donezer Steinkohlengebirge und des- 
sen industrielle Zukunft. — Sep. aus dem Bulletin de Vacade- 
mie imperiale des sciences de St. Petersbourg. Tome VI. — 
Geschenk des Verfassers. 



13 



v. Helmersen. Ueber die geologischen und physikalischen 
Verhältnisse St. Petersburgs. — Geschenk des Verfassers. 

J. v. Liebig. Induction und Deduction. München 1865. 
— Geschenk der Königl. Bayerischen Academie der Wissen- 
schaften. 

C. Nägeli. Entstehung und Begriff der naturhistorischen 
Art. München 1865. 2. Aufl. — Geschenk der K. Bayerisch. 
Akademie der Wissenschaften. 

Das Kohlengebiet in den nordöstlichen Alpen. Bericht 
über die lokalisirten Aufnahmen der 1. Section der k. k. geo- 
logischen Reichsanstalt in den Sommern 18-f-f-, von M. V. Li- 
pold und D. Stur. — Sep. aus dem Jahrb. der k. k. geolo- 
gischen Reichsanstalt. Bd. 15. Wien 1865. 

Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, von 
Giebel und Siewert. Jahrg. 1865. Bd. 25. Berlin. 

Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem 
preuss. Staate. Bd. 13. Lief. 2 und 3. Berlin 1865. 
B. Im Austausch : 

Sitzungsberichte der k. k. geologischen Reichsanstalt vom 
14. und 21. November und 5. December 1865. — Sep. aus 
dem Jahrb. der k. k. geologischen Reichsanstalt. Bd. 15. 
Wien 1865. 

Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. Bd. 15. 
Heft 3. Wien 1865. 

Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland, von A. 
Erman. Bd. 24. Heft 3. Berlin 1865. 

Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt von 
Petermann. 1865. X. XI. Ergänzungsheft 16 und 17. Gotha 
1865. 

Bulletin de la societe Vaudoise des sciences naturelles. Tome 
VIII. Bull. N. 53. Lausanne 1865. 

Herr Roth legte die von Herrn Peck in Görlitz am Nord- 
ostfuss des Steinberges bei Lauban aufgefundenen Graptolithen 
vor. Die dunkelfarbigen, z. Th. mit zersetzten Kiesen erfüll- 
ten, oft Kieselschiefer führenden Schiefer, welche nach Herrn 
.Geinitz' Bestimmung (Jahrb. Min. 1865. 459.) die Arten 
Monograpsus sagittarius His., M. colonus Barr., M. Sedgwicki 
Portl. und M. priodon Bronn enthalten, sind unter 15 — 18 Fuss 
Diluvium in einem Einschnitt entblösst worden. Das Vorkom- 
men von Graptolithen am Bansberg bei Horscha und bei Lau- 



14 



ban lässt in Verbindung mit $em Vorkommen von Herzogs- 
walde auf eine bedeutende Verbreitung des Silurs in Nieder- 
schlesien schliessen. 

Herr F. Roemer sprach zunächst über das Grauwacken- 
gebirge an der Ostseite des Altvatergebirges. Die ersten orga- 
nischen Reste , welche in demselben aufgefunden wurden \ wa- 
ren die von Göppert bei Leobschütz entdeckten Pflanzenreste, 
durch welche ein Theil des Grauwackengebirges dem Kohlen- 
gebirge zugewiesen wurde; eine Deutung, welche später durch 
die zuerst von Herrn v. Gellhorn bei Jägerndorf, nachher 
theils durch den Redner, theils durch die österreichischen Geo- 
logen in weiter Verbreitung aufgefundene Posidonomya Bechen 
völlig unzweifelhaft wurde. Ausserdem waren nur noch bei 
Engelsberg von Scharenberg animalische Versteinerungen auf- 
gefunden worden , welche indess , obwohl von Scharenberg 
selbst für silurisch gedeutet, wegen der Unvollkommenheit der 
Erhaltung ein Anhalten zu einer sicheren Altersbestimmung 
nicht gewährten. Wichtiger sind die in neuester Zeit durch 
Herrn Halfar am Dürrberge bei Würbenthai in Quarzitschich- 
ten, welche Gneus zum unmittelbaren Liegenden haben, aufge- 
fundenen Versteinerungen, unter denen Grammy sia Hamiltonensis 
und Homalonotus crassicauda die einschliessenden Schichten für 
unterdevonisch , gleichaltrig mit der Grauwacke von Coblenz, 
erweisen. Einen weiteren Anhalt für die Gliederung des Grau- 
wackengebirges gewähren ferner diejenigen Versteinerungen, 
welche ebenfalls durch Herrn Halfar bei Bennisch aufgefun- 
den wurden in Kalksteinen mit sehr kleinen, eingesprengten 
Magneteisensteinoctaedern, welche sich in Begleitung von Kalk- 
diabasen und Schalsteinen von Sternberg in Mähren über Spa- 
chendorf und Bennisch bis nach Zossen unweit Jägerndorf ver- 
folgen lassen. Heliolites porosa und die Goniatiten unter den 
Versteinerungen veranlassen den Redner, der in Rede stehen- 
den Schichtenfolge ein oberdevonisches Alter beizulegen, und 
er hält es für wahrscheinlich , dass die zwischen den unterde- 
vonischen und oberdevonischen Gesteinen auftretenden Schiefer 
und Grauwacken , aus denen auch die von Scharenberg bei 
Engelsberg aufgefundenen Versteinerungen stammen, als mittel- 
devonische Ablagerungen sich erweisen werden. 

Derselbe legte ein unter eigenthümlichen Umständen in 
einem Gesteinsstück erhaltenes Skelet einer Fledermaus vor, 



15 



welches für die Bildungsart des oberschlesischen Galmeis von 
Interesse ist. Auf einem handgrossen Stücke von gelblich- 
grauem, dichten Dolomit liegen grössere und kleinere, eckige 
Stücke desselben Dolomits, welche mit einer etwa 1 Linie 
dicken Rinde von gelblich durchscheinendem, feinfaserig krystal- 
linischem Galmei (Zn C) überzogen und durch diese Rinde zu- 
gleich unter sich und mit der Unterlage verkittet sind. Zwi- 
schen diesen eckigen Stücken von Dolomit liegen nun die 
Reste der fraglichen Fledermaus. Namentlich die Knochen der 
Vorderextremitäten und des Schädels sind erkennbar. Die dün- 
nen langen Fingerknochen ragen zum Theil frei vor, zum Theil 
sind sie mit einer Rinde von Galmei überzogen und wie über- 
zuckert. Der Schädel ist ebenfalls zum Theil mit Galmei über- 
zogen. Am Grunde des Schädels hat sich noch ein dicker 
Büschel von fuchsbraunen Haaren, der ebenfalls zum Theil 
mit einer Galmei- Rinde bedeckt ist, erhalten. Grösse und Form 
des Schädels passen zu Vespertilio murinus L. In jedem Falle 
liegen hier die Reste einer noch lebenden Fledermaus-Art vor. 
Das Interesse des Fundes liegt in dem Umstände; dass der- 
selbe ein wenigstens zum Theil sehr jugendliches Bildungsalter 
des Galmeis beweist; denn eine in die Gesteinsklüfte gerathene 
Fledermaus der Jetztzeit ist hier vom Galmei überzogen wor- 
den. Da die ganze Erscheinungsweise des fraglichen Gesteins- 
stückes ganz derjenigen gleicht, wie sie in Oberschlesien die 
gewöhnliche ist, so hat jedenfalls ein grosser Theil des ober- 
schlesischen Galmeis die gleiche jugendliche Entstehung mit 
diesem Stücke gemein. Das bemerkenswerthe Stück wurde 
auf der dem Herrn Commerzien-Rath v. Kramsta gehörigen 
Galmei-Grube bei Jaworznow im krakauer Gebiete durch Herrn 
Berginspektor v. Lilienhof entdeckt und von demselben in 
dankbar anerkannter Liberalität dem mineralogischen Museum 
der königlichen Universität zu Breslau übergeben. 

Endlich zeigte derselbe eine fossile Spinne aus dem ober- 
schlesischen Steinkohlengebirge vor, welche von Herrn v. Schwe- 
rin in Kattowitz in den Schieferthonen des Myslowitzer Waldes 
entdeckt worden ist. Dieselbe gehört den echten Spinnen mit 
ungegliedertem Hinterleibe an und ähnelt im Habitus am mei- 
sten der lebenden Gattung Lykosa, weshalb dieselbe von dem 
Redner mit dem Namen Protolykosa anthracophila belegt wor- 
den ist. Leider sind die Augen nicht deutlich erhalten. Sie 



16 



ist die älteste fossile Spinne, da bis jetzt nur aus den juras- 
sischen lithographischen Schiefern von Solenhofen echte Spin- 
nen bekannt geworden waren. Ausserdem hatte nur Lhwyd 
eine Abbildung eines von ihm zu den Spinnen gerechneten aeht- 
beinigen Thieres gegeben , welche von Parkinson mit der Be- 
merkung reproducirt wurde, dass dieselbe möglicherweise aus 
dem Kohlengebirge von Coalbrookdale herstammen könne. 
Neuerdings ist in England Aehnliches nicht gefunden worden. 
Dagegen befindet sich nachREUSS in dem Museum der böhmischen 
Gesellschaft zu Prag eine Spinne aus dem böhmischen Kohlen- 
gebirge, welche indess nur 4 Beine zeigt. Ausserdem wurde 
aus älteren Formationen nur noch ein Scorpion von Sternberg 
bei Prag aufgefunden und in den Schriften der böhmischen 
Gesellschaft beschrieben. 

Herr Beyrich legte, hinweisend auf das durch Herrn F. 
Roemer bekannt gemachte Vorkommen von Buccinum reticu- 
latum und Cardium edule in dem Diiuvium bei Bromberg, eine 
Reihe Conchylien vor, welche von Herrn Berendt an verschie- 
denen Punkten in dem Diluvium des Weichselthaies gesammelt 
worden sind, und unter welchen Buccinum reticulatum, Cardium 
edule, Teilina baltica, ein Cerithium und Venusfragmente her- 
vorzuheben sind. Das Vorkommen bei Bromberg ist von allen 
bis jetzt das westlichste. Der Redner wies darauf hin , dass 
diese Erfunde das Vorhandensein eines grossen Wasserbeckens 
mit Salzgehalt in der Diluvialzeit für die erwähnten Gegenden 
ausser Zweifel stellen , und dass es vor Allem darauf ankom- 
men werde, das Verhältniss dieser marine Conchylien einschlies- 
senden Diluvialablagerungen zu denen mit Süsswasserconchylien 
in der Umgegend von Berlin und Magdeburg festzustellen. 

Derselbe sprach ferner über eine Reihe von Versteinerun- 
gen, welche von den Herren Heine und Stein in dem Krebs- 
bachthale bei Mägdesprung (an einem Punkte, etwa eine halbe 
Stunde aufwärts von Selkethale) aufgefunden worden sind und 
den Eindruck einer devonischen Fauna machen. Der Redner 
führte aus, dass sich in der bezeichneten Gegeud des Harzes 
das Vorkommen von Graptolithen auf den Distrikt östlich von 
Harzgerode und auf einen Punkt im Selkethale ostwärts des 
Mägdesprunger Kalkzuges beschränke; dass ferner die Platten- 
schiefer (harten Grauwackenschiefer) der Gegend von Mägde- 
sprung, welche durch ihre Pflanzenreste A. Roemer veranlass- 



17 



teil, die Gesteine nordwestlich des Selkethales als den Culm- 
schichten zugehörig zu deuten, als Unterlage der Kalkstein-füh- 
renden Grauwaekenschiefer aufzufassen seien , welche durch 
die von Bischof in dem Kalkstein aufgefundenen Versteine- 
rungen sich als silurisch erwiesen ; und dass den letzteren die- 
jenigen Schichten folgen, welche nach den vorgelegten Ver- 
steinerungen als devonisch anzusprechen seien, und welche mit 
den devonischen Ablagerungen von Elbingerode in Zusammen- 
hang stehen könnten. Die vorgelegten Versteinerungen be- 
stehen aus einem vollständigen Trilobiten der Gattung Pleu- 
racanthus, welche bis jetzt niemals in silurischen, sondern nur 
in unter- und mitteldevonischen Schichten am Rhein und in 
den Sandsteinen vom Kahleberg im Harz aufgefunden wurde; 
einem Spirifer, dem Sp. speciosus ähnlich, welcher aus unter- 
und mitteldevonischen Schichten bekannt ist; ferner Ortiiis um- 
braculum, einer Leptaena und einem Chonetes. Dieser Altersbe- 
stimmung der in Rede stehenden Schichten würde nur die An- 
gabe von Bischof, dass im Krebsbachthale auch Graptolithen 
vorgekommen seien, entgegenstehen; doch glaubt der Redner 
bei der schlechten Erhaltung aller Versteinerungen annehmen 
zu können, dass vielleicht ein Tentaculit oder platt gedrückter 
Orthoceratit von Bischof als Graptolith gedeutet worden sei. 

Herr Rammelsberg sprach über ein mexicanisches, in Be- 
gleitung von Bustamit und Apophyllit vorkommendes Mineral, 
welches demselben durch Herrn Krantz in Bonn zugegangen 
war. Dasselbe ist grau, sehr zähe, besitzt keine Spaltbarkeit, 
hat ein specifisches Gewicht von 2,7, wird von Salzsäure zer- 
setzt und ist vor dem Löthfohr unschmelzbar. Die chemische 
Untersuchung würde zu der Formel 4CaSi + a( l« führen; allein 
von den 48 pCt. abgeschiedener Kieselerde sind nur 41 Theile 
in kochender Natronlauge auflösbar, die übrigen 7 Theile be- 
stehen zu yö wahrscheinlich aus Quarz. Es wäre daher mög- 
lich, dass das Mineral als ein verkieseltes Kalksilikat, vielleicht 
als ein Umwandlungsprodukt aus Bustamit unter Wegführung 
des Mangangehalts und Vergrösserung des Kalkgehalts dessel- 
ben gedeutet werden müsste. Der Redner belegte dasselbe 
nach seinem Fundorte mit dem Namen Xonaltit und behielt 
sich weitere Untersuchungen und Mittheilungen über dasselbe 
noch vor. 

Zeits. d.d. geol Ges. XVIII. 1 . 2 



18 



Derselbe sprach ferner über die Zusammensetzung des 
Buntkupfererzes von Ramos in Mexiko und die Constitution 
dieses Minerals überhaupt und endlich über den Castillit, ein 
neues Mineral aus Mexiko, worüber die entsprechenden Auf- 
sätze im 18. Bande dieser Zeitschrift pag. 19 und 29 zu 
vergleichen sind. 

Hierauf ward die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

G. Rose. Beyrich. Eck. 



19 



B. Aufsätze. 



1. lieber das Buntkupfererz von Ramos in Mexiko und 
die Constitution dieses Minerals überhaupt. 

Von Herrn G. Rammelsberg in Berlin. 

Eine kleine Probe von derbem Buntkupfererz von Ramos 
in Mexiko, vom Geh. Bergrath Burkart mitgetheilt, ganz ho- 
mogen, nur mit kleinen Quarzkrystallen verwachsen, schön 
bunt angelaufen, zeigte ein spec. Gewicht == 5,030 und ver- 
lor beim Erhitzen in Wasserstoffgas 2,54 pCt. Die Analyse 
ergab 

Schwefel 25,27 
Kupfer 61,66 
Eisen 11,80 
Blei und 



Spur Silber 



1,90 



100,63. 

Demnach hat das Buntkupfererz von Ramos, abgesehen 
von dem kleinen Bleigehalt, dieselbe Mischung, wie die Ab- 
änderungen von Ross-Island, Toscana, Chile, Bristol, West- 
moreland, vom weissen Meere etc. 

Es giebt diese Untersuchung mir Anlass, über die che- 
mische Natur des Buntkupfererzes überhaupt und der ihm ähn- 
lichen Verbindungen einige Bemerkungen zu machen. 

Aus den Analysen krystallisirter Abänderungen folgt, 
dass sie aus 3 At. Schwefel, 3 At. Kupfer und 1 At. Eisen 
bestehen. Ob man sie als 

Cu 2 S + CuS + Fe S = Cu 2 S + 2j^ J S 

oder als 

3Cu*S + Fe 2 S 3 
sich zu denken habe, ist schwer zu sagen. In allen diesen 
Buntkupfererzen beträgt der Kupfergehalt 56 — 58 pCt. 

2* 



20 



Nun liegen aber 10 Analysen von Buntkupfererzen vor 
von den verschiedensten Fundorten , in denen 60 — 63 pCt. 
Kupfer enthalten ist, und selbst 5 Analysen, welche nahe 
70 pCt. Kupfer gegeben haben. Alle diese kupferreicheren 
Abänderungen sind freilich derb, wenigstens ist keine deutlich 
krystallisirte darunter, und es ist daher immer angenommen 
worden, sie seien Gemenge von Buntkupfererz und Kupfer- 
glanz. 

Dieser an und für sich so wahrscheinlichen Ansicht stehen 
indessen so entscheidende Gründe entgegen, dass man sie bei 
genauerer Prüfung unmöglich aufrecht erhalten kann. 

Zunächst wäre es doch sehr sonderbar, dass solche Ge- 
menge ganz gleicher Art an den verschiedensten Fundorten 
wiederkehren, und dass sie sich nur auf zwei höhere Kupfer- 
gehalte beschränken sollten. Kann man glauben, dass die 
Erze von Connecticut, aus Irland, vom weissen Meere und aus 
Mexiko, alle gleich zusammengesetzt, Gemenge seien? Warum 
hat das Erz von Sangerhausen genau die Zusammensetzung 
desjenigen von Lauterberg 1 )? 

Berechnet man die Atomzusammensetzung der zuverläs- 
sigeren Analysen, so findet man: 





Fe 


Cu 


S 


1) Condurra-Grube. Plattner. 


1 


3,38 


3,33 


2) Redruth. Chodnew. 


1 


3,4 


3,15 


3) ? Varrentrapp. 


1 


3,45 


3,2 


4) Martanberg. Plattner. 


1 


2,9 


2,6 


5) Ross-Island. Phillips. 


1 


3,8 


2,97 


6) Ramos, Mexiko, Rammelsberg. 


1 


4,6 


3,7 


7) Connecticut. Bodemann. 


1 


4,8 


3,9 


8) Woitzkische Grube. Plattner. 


1 


4,8 


3,8 


9) Eisleben. Plattner. 


1 


8,2 


5,2 


10) Lauterberg. Rammelsberg. 


1 


8,8 


5,46 


11) Sangerhausen. Plattner. 


1 


9,8 


6,2 



1) Eine Analyse des letzteren in meinem Laboratorium hat ergeben: 
Schwefel '23,75 
Kupfer 68,73 
Eisen 7,63 
100,11 

Verlust in Wasserstoff 2,77 pCt. 



21 



Genau genommen, entspricht keine Analyse der bisher an- 
genommenen Zusammensetzung, d. h. dem Atomverhältniss 
1:3:3 recht befriedigend. Lässt man dies aber für die Abän- 
derungen 1 — 4 (wobei die krystallisirten 1 — 3) gelten, so 
scheint 

Atomverh. 









Fe 


: Cu 


: S 


6 


= 9 Cu 2 S -f- 


2 Fe 2 S 3 


= 1 : 


4,5 


:3,75 


7.8 


= 5 Cu 2 S + 


Fe 2 S 3 


= 1 


5 


: 4 


9 


= 8 Cu 2 S + 


Fe 2 S 3 


= 1 


8 


:5,5 


10 


= 9 Cu 2 S + 


Fe 2 S 3 


*= 1 • 


9 


: 6 


11 


k 10Cu 2 S + 


Fe 2 S 3 


±t= 1 


10 


:6,5. 



Alle Buntkupfererze stellen sich als isomorphe Mischungen der 
beiden Sulfurete dar. 

Mit mindestens gleichem Reöht lassen sich aber die Bunt- 
kupfererze auch als Verbindungen 

mOu*S + n p C e "js 

auffassen, und dann wird auch Phillips' Analyse von Nr. 5 
einer Deutung fähig, weil, ihre Richtigkeit vorausgesetzt, das 
Buntkupfererz von Ross- Island gar kein Fe 2 S 3 enthalten 
kann. 

Atomverh. 
Fe : Cu : S 

1:3 i 3 

1:3 : 2,75 
: 1:4 :3 
1 : 4,5 : 3,5 

1:5 :4 

1:8 : 5,5 

1:9 : 6 

1 : 10 : 6,5. 

Diese Formeln gestatten auch einige andere ähnliche Mi- 
schungen dem Buntkupfererz anzureihen, nämlich 



1-3 = Cu 2 S + 2 | S = 

4 - 5Cu 2 S + 3£p" } S = 
5-2 Cu 2 S + 3 FeS = 
6 = 4Cu 2 S + 3lpe | S = 

7.8- Cu«S + |Fe} S = 
9 = '7Cu 2 S + 4|^ | S - 

10 = 2Cu 2 S + f ^ } S = 

11 = 9Cu 2 S + 4 1 ^ } S = 



22 



1) Barnhardtit aus Nord-Carolina, 

2) Homichlin von Plauen. 

Ätomverh. 
Fe : Cu : S 

1 = Cu 2 S + 4f^ | S = 1 : 2 :2,5 

2 = Cu 2 S + 3 f ^ J S - 1 : 1,5 : 2. 

In allen diesen Mischungen ist das zweite Glied selbst 
wieder eine solche, und zwar entweder 

CuS + FeS — Kupferkies, oder 
CuS + 2 FeS = Cuban (Breithaupt) ; 
denn ohne Zweifel sind dies die einfachsten Formeln für diese 
Mineralien, nicht weniger wahrscheinlich als die gewöhnlichen, 
welche das als Mineral nicht bekannte Fe*S* enthalten. 



23 



2. Heber den Castillit, ein neues Mineral aus Mexiko. 

Von Herrn G. Rammelsberg in Berlin. 

Als silberhaltiges Buntkupfererz von Guanasevi in Mexiko 
erhielt ich von Herrn Geh. Bergrath Burkart in Bonn ein Stück 
eines Erzes, welches demselben vom Prof. de Castillo in 
Mexiko zugekommen war. Es ist derb, aber deutlich blättrig 
und seiner ganzen Masse nach bunt angelaufen. Sein spec. 
Gew. ist nach zwei Bestimmungen = 5,186 und 5,241. Vor 
dem Löthrohr schmilzt es ziemlich schwer und verwandelt sich 
in eine strengflüssige Schlacke, welche durch Kupfer stellen- 
weise roth gefärbt ist. In Salpetersäure löst es sich unter 
Abscheidung von Schwefel und schwefelsaurem Bleioxyd zu 
einer blauen Flüssigkeit auf. 

In Wasserstoffgas schwach geglüht, giebt es etwas Schwefel 
und eine Spur Schwefelwasserstoff, aber kein Wasser. Der 
Verlust war in einem Versuche = 1,85 pCt. und der Rückstand 
ungeschmolzen. 

Das Mineral ist jedoch kein Buntkupfererz, weil es ausser 
Kupfer und Eisen noch Zink, Blei und Silber enthält. 

Eine Zerlegung durch Chlor gab: 
Schwefel 25,65 



Die Atoftie der Metalle und des Schwefels verhalten sich 



Kupfer 



Silber 
Blei 
Zink 
Eisen 



41,11 
4,64 
10,04 
12,09 
6,49 
100,02 




24 



bezeichnen. Die Vertheilung des Schwefels ist dann 



Kupier 


27,70 + Schwefel 


7,00 


Silber 


4,64 


» 


0,69 


Kupfer 


13,41 


n 


6,76 


Blei 


10,04 


t) 


1,55 


Zink 


12,09 




5,95 


Eisen 


6,49 


n 


3,71 








25,66 



Um zu erfahren, ob das Erz trotz seines homogenen An- 
sehens nicht doch ein Gemenge wäre, wurden Proben von 
einzelnen Stellen untersucht; es wurde ferner das Pulver ge- 
schlämmt und der leichteste und schwerste Theil für sich ge- 
prüft, allein es waren immer nur geringe Differenzen im Ge- 
halt von Kupfer (42,35 - 42,71 — 43,35 pCt.), Eisen (6,30 
— 6,55 — 6,92 — 7,06 pCt.) und Blei und Silber (zusammen 
13,76 — 15,18 pCt.), welche sich dabei ergaben. 

Da es mithin ein neues Mineral zu sein scheint, so schlage 
ich vor, es nach seinem Entdecker Castillit zu nennen. 

Man bemerkt leicht, dass es eine isomorphe Mischung ist. 
ganz analog dem krystallisirten Buntkupfererz 

Cu*S + 2°" | S. 

Der Schwefelgehalt dieses Erzes erlaubt nicht, in dem- 
selben bloss Cu 2 S anzunehmen; denn dann würde die höhere 
Schwefelungsstufe des Eisens nicht Fe 2 S 3 , sondern FeS 2 sein, 
was wenigstens als beigemengt nicht vorhanden ist. 



25 



3, Ucber einige Aufschlüsse im Diluvium südlich und 
östlich von Berlin. 

Von Herrn A. v. Koenen in Berlin. 

Nachdem im vergangenen Frühjahre die neuen Eisenbahn- 
linien von Berlin nach Cüstrin und nach Görlitz in Angriff 
genommen waren , unternahm ich es , die durch die be- 
treffenden Erdarbeiten aufgedeckten Erdschichten zu untersu- 
chen. Aeltere , sekundäre oder tertiäre Schichten sind zwar 
an keinem von mir besuchten Punkte entblösst worden, son- 
dern ich habe nur eine Anzahl Profile im Diluvium gefunden; 
da aber gerade diese geeignet sind, Klarheit über die Glie- 
derung der Diluvialschichten zu verbreiten , so scheint es mir 
nicht unangemessen das Ergebniss zu veröffentlichen. 

Wie dies auch schon Berendt in seiner sehr sorgfältigen 
Arbeit „über die Diluvialablagerungen der Mark Brandenburg" 
besonders für die Gegend von Potsdam dargethan hat, so fin- 
den sich auch östlich und südlich von Berlin im Diluvium drei 
Thonschichten, welche durch Sandschichten getrennt sind und 
noch über einer mächtigen Schicht sehr feinen Sandes liegen. 
Die unterste Thonschicht, der geschiebefreie oder Glindower 
„Diluvial-Thon" ist blaugrau bis schwarz, meist frei von allen 
Geschieben, und führt nur sehr selten kleine Kreide- und Feuer- 
steinbrocken. Die beiden oberen, meist sehr sandigen und 
Geschiebe enthaltenden Thonschichten, den unteren und oberen 
Sandmergel Berendt's, führe ich als unteren und oberen Ge- 
schiebethon an, da dieser Name älter ist und mir weit be- 
zeichnender scheint. 

Der Decksand, welchen Berendt als oberstes Glied zum 
Diluvium rechnet, gehört unzweifelhaft, wie dies auch Beyrioh 
und Andere schon ausgesprochen haben, dem Alluvium an und 
verdankt seine Ablagerung derselben Zeit und denselben Agen- 
den wie der Wiesenthon. 

Der ganz feine, plastische Sand, den Berendt mit dem 



26 



Namen Schlepp bezeichnet, wird südlich und östlich von Ber 
lin allgemein Schluff genannt. So viel zur Erläuterung der 
im Folgenden gebrauchten Bezeichnungen. 

Auf der Bahnstrecke von Berlin nach Görlitz findet sich 
bis Spremberg kein auch nur einigermaassen bedeutender Ein- 
schnitt, und da ich bis hinter Königs-Wusterhausen nichts als 
Moorwiesen und Alluvialsand zu Gesicht bekam, gab ich eine 
weitere Verfolgung der Bahnlinie auf, und besichtigte zunächst 
die nördlich von Königs-Wusterhausen, westlich von der Bahn, 
gelegenen Thongruben. Die nördlichste derselben, östlich von 
dem Dorfe Hohen -Löhne gelegen, gewinnt den oberen Ge- 
schiebethon , der hier über 20 Fuss mächtig ansteht und nach 
Süden auszugehen scheint. Von den übrigen Thongruben wa- 
ren nur zwei im Betriebe, und zeigten somit frische Profile. 
Beide Gruben bauen auf dem wellig gelagerten, gegen 40 Fuss 
mächtigen, geschiebefreien Thon, der hier nicht selten Kreide- 
und Feuersteinbrocken bis zu Bohnengrösse einschliesst. Dar- 
über liegt bis über 20 Fuss magerer brauner unterer Ge- 
schiebethon, und zu oberst einige Fuss Sand, Kies oder leh- 
miger Sand. 

Auf dem geschiebefreien Thon bauen ferner die verschie- 
denen Thongruben, die sich von Motzen nacji Nordosten ca. 
j Meile weit hinziehen; die südlichste davon, die Meinicke'- 
sche, hat 18 bis 20 Fuss Thon, der bald sehr fett und schwarz, 
bald mehr schluffartig und grau ist. Darunter liegt ganz feiner 
Sand, dessen oberste Schicht durch Eisenocker röthlich gefärbt 
ist, ohne indessen eine harte „Eisenschicht" zu bilden. Unter 
einem anscheinend ungeschichteten, groben Sande von geringer, 
sehr verschiedener Mächtigkeit liegen folgende Schichten : 



feiner, roth gestreifter Sand ...... 8 Fuss 

brauner, magerer, unterer Geschiebethon . 5 ,, 

feiner Sand ! „ 

blaugrauer Diluvialthon 1^ ?? 

brauner Schluff 2 ,, 

blauer Diluvialthon 18 — 20 ,, 

feiner Sand. 



Die nach Norden dicht daneben liegende Krause'sche Thon- 
grube hat bis 30 Fuss Diluvialthon, darüber ca. 12 Fuss Sand 
und lehmigen Sand. Die Thongrube von Braun, die nördlich- 
ste noch im Betriebe befindliche, führt bis 40 Fuss geschiebe- 



27 



freien Thon, und darüber ausser braunem Schluff nur ca. 6 Fuss 
Sand. In allen diesen Thongruben fällt der Thon nach Westen 
zu mehr oder weniger stark ein, und geht nach Osten hin aus. 

Von den Ziegeleithongruben an der südwestlichen Seite 
des Motzener See's, südlich Calinichen , erreicht nur die von 
Ernst, von den im Betriebe befindlichen die nördlichste, den 
geschiebefreien Thon, und zeigt folgende Schichten: 

Sand, zum Theil lehmig 9 Fuss 

Kies 1 ,, 

graubrauner unterer Geschiebethon .... 8 — 10 ,, 

brauner Schluff. 10 „ 

blauer Diluvialthon (nach Angabe der Arbeiter 18 — 24 ,,) 
Die beiden anderen, südlicheren Thongruben zeigen ziem- 
lich übereinstimmend: 

Sand, unten kiesig 4 — 5 Fuss 

graubrauner unterer Geschiebethon .... 8 — 10 „ 
schwärzlicher unterer Geschiebethon .... 6 ,, 

Unter diesem folgten, nach Angabe der Arbeiter, noch ca. 
18 Fuss schwarzer Geschiebethon, der aber nach unten immer 
magerer wurde; hierunter liegt ein fester bläulicher Thon, 
vermuthlich „Geschiebefreier w , welcher |- Meile südlich viel- 
fach aufgeschlossen ist. Es bauen dort auf dem Diluvial- 
thon eine ganze Reihe von Thongruben, elf an der Zahl, die 
sich von Töpchin nach Zehrensdorf hinziehen. Der Thon ist 
dort ca. 18 bis 20 Fuss mächtig, und wird an den zur Zeit 
aufgedeckten Stellen nur von Schluff und Sand überlagert; 
ersterer findet sich aber auch häufig eingelagert. So besteht 
der obere Theil des Thonlagers in der Thongrube von Krause 
aus vielen dünnen, abwechselnden Schichten von blauem, schluff- 
artigem Thon und braunem, thonigem Schluff; darüber liegen 
ca. 20 Fuss feiner Sand, der, besonders unten, mit vielen 
braunen Schiuffschichten abwechselt. 

Derselbe Diluvialthon ist auch 1 Meile weiter westlich, 
1 Meile südlich von Zossen, in der Thongrube am Nordende 
des Dorfes Clausdorf aufgeschlossen, wo er, unten von blauer 
Farbe, nach oben zu braun wird; darüber liegt, zum Theil 
durch Sandnester davon getrennt, bis zu 5 Fuss brauner un- 
terer Geschiebethon. Dies ist die Ausbeute einiger Wanderun- 
gen durch jene Gegenden; von Versteinerungen, Paludinen 
u. s. w. habe ich nirgends etwas gefunden. 



28 



Die» Berlin-Cüstrin er .Eisenbahn geht von Cüstrin bis nahe 
zum Dorfe Gusow (nördlich von Seelow) durch das Alluvium 
des Oderthaies; es liegt hier zu oberst ein blauer oder brauner 
fetter Thon von gewöhnlich 3 bis 4 Fuss Mächtigkeit, dessen 
Liegendes, ein grober Sand, aber an einzelnen Stellen selbst 
bei 6 Fuss Tiefe nicht erreicht wurde, während er wiederum 
gelegentlich ganz zu Tage tritt. Dieser Sand schliesst übrigens 
in einer Seitenentnahme zwischen Cüstrin und dem Dorfe Gor- 
gast, in einer Tiefe von ca. 5 Fuss eine etwa 4 Zoll starke 
Schicht halb vermoderter Zweige und Blattreste ein. 

Ferner sind mit einem Bohrloche an „dem Strom", südöst- 
lich Gorgast folgende Schichten durchbohrt worden: 
blauer Thon ... 6 Fuss 
grauer thoniger Sand 2 ,, 
grauer Sand 2 „ 

Torf ...... 2 „ 

mooriger Thon . . 1 ,, 
grauer Sand 9 ,, 

Gleich westlich von dem Dorfe Werbig sind zu dem ho- 
hen Damme, der die Bahn allmälig aus der Oder-Niederung 
auf das Diluvial - Plateau führt, bedeutende Seitenentnahmen 
gemacht worden, und ist einerseits der grobe Sand in bedeu- 
tenderer Mächtigkeit aufgeschlossen, und sind andrerseits ein 
Paar Hügel abgetragen worden , welche durch die horizontale 
Lagerung ihrer sehr zahlreichen, abwechselnden Lehm - und 
Sand- Schichten als Alluvium charakterisirt werden. Von hier 
bis nahe an die Taubertbrücke, j- Meile östlich von Alt-Rosen- 
thal, waren bei meiner letzten Anwesenheit die Erdarbeiten 
noch nicht in Angriff genommen. Dort aber zeigten Einschnitte 
und Seitenentnahmen folgende Profile: 

brauner oberer Geschiebethon . . . .11 Fuss 

gelber Schluff 2j „ 

feiner Sand mit Schiuffstreifen .... 8 „ 
graubrauner unterer Geschiebethon stand 6 „ 
mächtig und noch in der Sohle an. In der Baugrube der Tau- 
bertbrücke war gebohrt worden um den Baugrund zu unter- 
suchen, wie überall auf dieser Strecke, und hatte man folgende 
Schichten durchbohrt 
1 — 3 Fuss Moorerde, 

15 ,, grauer lehmiger Sand, 

22 „ graublauer Thon, der vor Ort noch anstand. ■ 



29 



Von diesem hat mir Herr v. Schlicht gütigst eine Probe 
geschlemmt und untersucht, aber nichts von Foraminiferen ge- 
funden, so dass wir hier verrnuthlich geschiebefreien Thon vor 
uns haben; es lägen somit alle drei Thonschichten des Dilu- 
viums hier übereinander. 

Auf der westlichen Seite des Taubert sah ich in der süd- 



lichen Seitenentnahme 

Dammerde 1 Fuss 

rothbrauner oberer Geschiebethon 1 ,, 

grauer Mergel \~ 

weisser Sand 5 

brauner unterer Geschiebethon . 8 ,, 
stand noch in der Sohle an. 

In der nördlichen Seitenentnahme dagegen: 

lehmiger Sand .2 Fuss 

Sand mit eisenschüssigen Streifen . . . 5 ,, 
brauner unterer Geschiebethon 3 ,, 

Schluff und Sand wechselnd 10 ,, 



Von hier bis Alt-Rosenthal fehlten noch die Aufschlüsse; 
bei Alt-RosenthaKselbst waren mehrere Sanddünen abgetragen. 
Von da bis Trebnitz war im Bahneinschnitt nur Sand zu sehen, 
der oben mitunter grau und thonig war, bei 5 bis 6 Fuss Tiefe 
häufig dicke, harte, eisenschüssige Streifen, und bei 7 bis 12 Fuss 
Tiefe mehrfach verästelte Arragonitröhren enthielt. Der obere 
Geschiebethon fehlt hier und noch weiterhin; der untere Ge- 
schiebenthon tritt | Meile östlich von Obersdorf wieder in den 

4 

Bereich des Einschnittes; ich fand dort: 

# grauen thonigen Sand bis 10 Fuss 

graubraunen unteren Geschiebethon . ca. 4 ,, 
feinen Sand mit Arragonitröhren 6 ,, 

und noch in der Sohle anstehend. 
Ferner dicht vor Obersdorf: 

grauen thonigen Sand mit Roststreifen . 4 — 6 Fuss 
braunen unteren Geschiebethon . . . 5 — 10 „ 

bis zur Sohle feinen Sand, der sich nach Westen zu stark 

heraushob. 

Bei Obersdorf selbst steht Geschiebethon, verrnuthlich un- 
terer, 5 bis 10 Fuss stark, darunter feiner Sand. Eine Achtel 
Meile westlich von Obersdorf ist ein Einschnitt, in dem bis zu 
30 Fuss Sand mit Arragonitröhren ansteht, darunter graubrauner 



30 



unterer Geschiebethon, der nach dem Südost- Abhang des Hü- 
gels zu sich steil heraushebt, und fast zu Tage tritt, ohne dass 
sein Liegendes hervorträte. 

Brauner, unten schwärzlicher, unterer Geschiebethon war 
ferner ~ Meile westlich von Obersdorf bei einem Durchlass 
für einen Bach aufgeschlossen. 

Eine Achtel Meile weiter nach Westen findet sich ein Ein- 
schnitt in den unteren Geschiebethon, welcher oben, 10 bis 
15 Fuss, von graubrauner Farbe, unten, 3 Fuss stark und noch 
in der Sohle anstehend, schwärzlich ist; beide Schichten sind 
durch eine sehr stark wellige Linie getrennt. 

Eine Achtel Meile östlich des Weges von Dahmsdorf nach 
Müncheberg findet sich dann wieder: 

graubrauner unterer Geschiebethon 2 — 4 Fuss 

desgl. sehr sandiger 6 ,, 

kiesiger Sand ....... 10 ,, 

Auf beiden Seiten der Chaussee von Müncheberg nach 
Buckow habe ich dagegen nur rothbraunen oberen Geschiebe- 
thon gesehen. • 

Eine Achtel Meile weiter westlich waren zur Zeit die 
nächsten Aufschlüsse, welche, ebenso wie alle übrigen bis zum 
rothen Luch, nur mehr oder weniger groben Kies zeigten. Eine 
wahre Anhäufung von Geschieben fand sich in einem Hügel, 
-j- Meile östlich von dem rothen Luch. 

4 

Am rothen Luch selbst sind, um den hohen, j Meile lan- 
gen Damm aufzuschütten, bedeutende Abtragungen gemacht 
worden. Auf der östlichen Seite war folgendes Profil zu sehen : 



kiesiger Sand 15 Fuss 

graubrauner unterer Geschiebethon 12 ,, 

feiner weisser Sand 8 „ 

gelber Schlaff 2 „ 



noch in der Sohle anstehend. Der Geschiebethon keilte sich 

nach Süden hinaus. 

Auf der Westseite des rothen Luchs fand sich folgendes Profil : 
rothbrauner (zersetzter) unterer Geschiebethon 4 Fuss 

graubrauner fester unterer Geschiebethon . 8 ,, 



magerer desgl. . 5 „ 

feiner Sand 3 ,, 

gelber Schluff . . ' . . 1— 2 „ 

schwachkiesiger Sand stand 12 — 15 „ 

und noch in der Sohle an. 



31 



Die Sandmassen der anstossenden Hügel überlagern un- 
zweifelhaft den Geschiebethon, der hier die ol»erste Schicht 
war. Der nächste Aufschluss, eine kleine Achtel Meile weiter 
westlich, zeigte nur Sand; weiterhin war die Bahn erst südlich 
von Eggersdorf wieder in Angriff genommen, indessen war aus 
einigen Mergelgruben ersichtlich, dass ca. f- Meilen östlich von 
Garzau der obere Geschiebethon sich wieder auf den Sand auf- 
legt, und ihn bis gerade südlich von Garzau bedeckt. 

Von Eggersdorf bis zum Bahnhofe Bollensdorf habe ich 
in den Bahneinschnitten nur Sand und lehmigen Sand gesehen, 
doch waren auch bei meinem ersten Besuche schon die Bö- 
schangen an einigen Stellen mit Dammerde überw r orfen. Auf 
dem Bahnhofe Bollensdorf waren durch die 4 bis 6 Fuss tie- 
fen Gräben verworrene Schichten, anscheinend alluviale, auf- 
gedeckt. Eine sechzehntel Meile weiter westlich fand sich wie- 
der brauner oberer Geschiebethon, ebenso vom Zechen-Graben 
an etwa Meile weit, soweit die Arbeiten eben fortgeschrit- 
ten waren, doch scheint der obere Geschiebethon das ganze 
Plateau bis westlich von Lichtenberg ohne Ausnahme zu be- 
decken, und nur in den Wasserrissen und an den Rändern zu 
fehlen. 

Man sieht aus diesen Aufschlüssen jedenfalls, dass auf 
den beiden Seiten des rothen Luchs , und zwischen Obersdorf 
und Alt-Rosenthal, also da, wo Sand in grösseren Partieen auf 
dieser Linie zu Tage tritt, der obere Geschiebethon fehlt, und 
in der That liegt die Hauptmasse des märkischen Sandes sei- 
nem Alter nach zwischen dem oberen und dem unteren Ge- 
schiebethon. 

Erwähnen möchte ich hierbei noch einen blauen Thon mit 
vielen Kreidegeschieben, der, angeblich über 20 Fuss mächtig, 
in der Ziegeleithongrube bei Bollensdorf ansteht, und durch 
seine intensiv hellblaue Farbe und das ungewöhnliche Vorherr- 
schen von Kreidegeschieben sich von allen sonstigen Geschiebe- 
thonen unterscheidet; da ausserdem sonstige Aufschlüsse (Ueber- 
lagerung u. s. w.) fehlen, so lässt sich über das Alter dieses 
Thones nichts weiter sagen. 

Was nun Unterscheidungsmerkmale des oberen Geschiebe- 
thones von dem unteren betrifft, so kann ich Herrn Berendt 
nur beipflichten, wenn er sagt, dass petrographisch beide sich 
gleichen. Eine andere Thatsache aber, die mir auch Berendt 



32 



nach seinen Erfahrungen bestätigt, ist, dass der obere Ge- 
schiebethon an keinem der erwähnten Punkte eine schwärzliche 
Farbe hat, wohl aber der untere, besonders wo er vor Ein- 
wirkung der Atmosphärilien geschützt ist; aber auch sonst 
hat dieser meist eine mehr graubraune, jener eine mehr röth- 
lichbraune Farbe.*) 

Der geschiebefreie Thon geht in der Gegend von Zossen 
und Königs -Wusterhausen häufig in der Farbe und petrogra- 
phisch von blauschwarzem fettem Thon in braunen Schluff 
über; eigenthümlich ist aber noch, dass er überall fehlt, wo 
das Braunkohlengebirge sich der Tagesoberfläche nähert, so 
bei Storkow, Fürstenwalde, Müncheberg u. s. w., sowie in der 
Gegend von Calbe, Egeln, Magdeburg, während ich ihn j Meile 
nördlich von Gardelegen in einer Thongrube an der Chaussee 
wieder getroffen habe. 

Schliesslich möchte ich noch einige Aufschlüsse anführen, 
die ich im verflossenen Jahre in Westpreussen, im Kreise Flatow 
sah , und die dasselbe Resultat geben wie die aufgeführten. 
Auf dem Wirthschaftshofe des Rittergutes Dobbrin wurde ein 
Brunnen gemacht von 50 Fuss Tiefe, und dann weiter gebohrt. 
Es fanden sich: 

röthlichbrauner oberer Geschiebethon 40 Fuss 

feiner weisser Sand 10 ,, 

schwärzlicher unterer Geschiebethon 50 ,, 
zu unterst sehr sandig, und kaum ohne Verrohrung stehend; 
dann folgte blaugrauer thoniger Schluff (geschiebefreier Thon ?), 
der viel Wasser enthielt und vollkommen schwimmend war. 

Ferner überdeckt auf der Feldmark des Rittergutes Sypniewo 
der obere Geschiebethon vielfach den Kies und Sand, der sonst 
in dieser Gegend vorherrschend zu Tage tritt, aber auch das 
Liegende desselben, schwärzlicher unterer Geschiebethon, war 
mehrfach durch Brunnen und Bohrlöcher angetroffen. Ein sol- 
ches, dicht neben der Brennerei des Gutes angesetzt, durch- 
bohrte den schwarzen unteren Geschiebethon in einer Mächtigkeit 
von nahe 80 Fuss; dann folgte beiläufig 78 Fuss zäher Braun- 
kohlenthon von gelber, rother, blauer, grünlicher und schwarzer 
Farbe, hierunter Kohlenbestege und weisser Glimmersand. 



"*) Wir haben hiermit jedenfalls eine interessante Analogie mit dem 
französischen Diluvhim rouge. (oder D. des plateanx) und Dihivium gris 



33 



4. lieber den Xonaltit, ein neues wasserhaltiges Kalk- 
silikat, und den Bustaniit aus Mexiko. 

Von Herrn C. Rammelsberg in Berlin. 

Herr Dr. Kräntz theilte mir dieses neue Mineral mit, wel- 
ches einerseits mit Apophyllit, andererseits mit Bustamit ver- 
wachsen ist, und von Tetela de Xonalta (Real de minas) in 
Mexiko stammt. Es bildet theils weisse, theils blaugraue La- 
gen in concentrischer Anordnung, ist feinsplittrig oder dicht 
und zeichnet sich durch grosse Härte und Zähigkeit aus. Es 
erinnert an den Okenit, von dem es sich nur quantitativ unter- 
scheidet. 

Beim Erhitzen giebt es Wasser; vor dem Löthrohr ist es 
unschmelzbar. 

Sein spec. Gewicht = 2,710 (weisse Abänderung) und 
2,718 (graue) liegt, gleichwie seine Zusammensetzung, zwischen 
dem des Wollastonits (2,85) und des Okenits (2,3). 

Von Chlorwasserstoffsäure wird es zersetzt; die pulverig- 
abgeschiedene Kieselsäure ist aber in alkalischen Carbonaten 
nicht vollständig löslich. 

1. 2. 
Weisse Graue 
Abänderung, 
a. b. 

50,25 
43,92 

2,28 

0,19 
4,07 

99,94 98^8" 100,71. 
Der Sauerstoff des Wassers, der Basen und der Säure ist in 
la = 3,30:13,15:26,43 
lb = 3,34:13,3 -.25,55 
2 = 3,62:13,15:26,80 
= 1:4:8; es ist also 

4CaSi + aq. 

Zeils. d. d. gcol.Ges. XVIII. 1 . 3 



Kieselsäure 
Kalk 

Manganoxydul 
Eisenoxydul 
Magnesia 
Wasser 



49,58 47,91 

43,56 43,65 

iSl ^ 

— 0,74 

3,70 3,76 



34 



Berechnet: 4Si = 120.= 49,80 
4Ca = 112 = 46,47 
aq = 9 = 3,73 
241 100. 

Der Okenit enthält bei gleicher Menge Kalk doppelt so- 
viel Säure und achtmal soviel Wasser. 

Manche Partien enthalten etwas kohlensauren Kalk, so 
das Material zur Analyse lb; dieselbe wurde mittelst Salz- 
säure gemacht. Von den 48,73 pCt. abgeschiedener Kieselsäure 
lösten sich 41 in kohlensaurer Natronlauge; die übrigen 7,73, 
hart und knirschend , ergaben bei besonderer Untersuchung 
6,91 Kieselsäure, als Rest Mangan und Kalk. Sie waren also 
nicht unzersetztes Mineral, sondern scheinen etwas Quarz zu 
enthalten. Als aber 8,09 Grm. des Minerals in Stücken fünf 
Wochen in Chlorwasserstoffsäure gelegen hatten und die zer- 
reibliche Masse mit einer Auflösung von kohlensaurem Natron 
gekocht wurde, blieben nur 3,4 pCt. zurück, worin 0,13 Kalk, 
das Uebrige Kieselsäure. Wären die 3 pCt. als beigemengter 
Quarz anzusehen, so würde das Kalksilikat — Ca' Si 9 sein, 
was nicht wahrscheinlich ist. Sie geiferen also wohl dem Sili- 
kat selbst an, und dies ist CaSi. 

Das neue Mineral, welches vielleicht aus dem Bustamit 
durch den Einfluss kalk- und kiesel säurehaltiger Wasser ent- 
standen ist, schlage ich vor, nach seinem Fundort Xonaltit 
zu nennen. 

Der begleitende Bustamit ist strahlig und graugrün 
gefärbt; die einzelnen Individuen zeigen die Augitstruktur. Von 
Säuren wird er schwer angegriffen, enthält aber eine Spur 
kohlensauren Kalk. 

Sauerstoff 

Kieselsäure 47,35 25,25 
Manganoxydul 42,08 9,62 \ -, 9 o ß 
Kalk 9,60 2,74/ 

Wasser 0,72 " 

99,75, 

Er ist hiernach f- Mn } .. 

f Ca \ Si ' 

während die früher von Dumas und von Ebelmen untersuchten 
Proben von demselben Fundort etwa 2 At. Manganoxydul ge- 
gen 1 At. Kalk enthalten. 



35 



5. Die Schichten des Teutoburger Waldes bei 
Altenbeken. 

Von Herrn Schlüter in Bonn. 

Die mit dem Bau der Buke-Kreinser — Paderborn und 
Braunschweig verbindenden — Eisenbahn erfolgte Durchtunne- 
lung, des Teutoburger Waldes bietet Veranlassung, nochmals 
auf die diesen Höhenzug zusammensetzenden Schichten zurück- 
zukommen. 

Der südliche Theil des Teutoburger Waldes, namentlich 
in den jüngeren Gebirgsgliedern , ist durch seine Armuth an 
fossilen Resten seit lange so übel berüchtigt, dass sich selbst 
an jene grossartige Arbeit von geognostischer Seite keine über- 
grosse Hoffnungen knüpften.. Gleichwohl haben sich einige 
neue Daten ergeben, welche für die Geschichte des in Rede 
stehenden Distriktes von Interesse sind und eine weitere Glie- 
derung des Gebirges und nähere Parallelisirung einzelner 
Schichten ermöglichen. 

Das Resultat der Untersuchung hätte vielleicht ein noch 
günstigeres sein können, wenn es möglich gewesen wäre, bei 
Durchörterung der Schichten selbst gegenwärtig zu sein. Da 
beim Besuche des Tunnels die Ausmauerung jedoch schon 
vollendet war, so blieben für die Beobachtung nur die Einschnitte 
an beidenEndendes Tunnels, an der östlichen und westlichen Seite 
der Wasserscheide; ferner, nachdem man sich über die Gesteins- 
beschaffenheit der verschiedenen Schichten orientirt hatte, die 
grossen Halden, und ausserdem noch Steinbrüche und einzelne 
in der Nähe liegende Grubenbaue. Das weitaus mächtigste 
Gebilde, der Pläner, wird vom Tunnel nicht berührt, gleichwohl 
in seiner ganzen Mächtigkeit von der Eisenbahn durchschnitten 
und ist deshalb von Paderborn bis Altenbeken in erwünschter 
Weise aufgedeckt. 

Paderborn liegt an dem orographisch bemerkenswerthen 
Punkte, wo die aus dem Diluvialschutt der Ebene aufsteigen- 

3* 



36 



den Höhenzüge, der Haardstrang, mit östlichem Streichen aus 
der Gegend von Dortmund und Unna kommend, und der nord- 
wärts streichende Teutoburger Wald sich unmerklich verbinden. 

Zwar nicht der eigentliche Rücken, wohl aber das He- 
bungsgebiet des Gebirges erstreckt sich bis in die Stadt Pader- 
born hinein, indem der aus der Stadt hervorströmende Pader- 
fluss, welcher bei seinem Austritte schon der Ebene angehört, 
mit 330 Fuss Seehöhe 80 Fuss tiefer liegt als das in entge- 
gengesetzter Richtung liegende Stadtthor, über welches hinaus 
das Gebirge zu mehr als 1300 Fuss aufsteigt. Das zu be- 
trachtende Gebiet erstreckt sich mithin östlich von Altenbeken 
bis Langeland-Reelsen und westlich bis Paderborn. 

Was die Lagerungsverhältnisse dieses Distrikts im Grossen 
angeht, so bildet die Trias — hier die älteste Formation — 
eine Mulde , deren Ostflügel sich fast ~ Meile ostwärts vom 
Rücken des Teutoburger Waldes erstreckt. Der Westflügel, 
zum Theil verdeckt, reicht fast bis senkrecht unter den von 
Kreidesandstein gebildeten Hauptkamm des Gebirges, ist aber 
hier nicht abgeschnitten, sondern bildet die Ostseite eines Sat- 
tels, welcher westlich in nicht näher gekannter Weise sich 
gänzlich unter das Kreidegebirge einsenkt. Ein kleiner Sattel 
theilt diese Mulde in zwei Hälften, so dass in der Mitte der 
Keuper, von der dünnen Decke des eingelagerten Lias befreit, 
zu Tage tritt. Die westliche dieser beiden Specialmulden ge- 
hört noch vollkommen dem Teutoburger Walde an, und wir 
werden noch näher auf dieselbe zurückkommen müssen. 

So besteht also die Ostseite des Gebirges aus Trias- und 
Jura-Schichten, der ganze Westabfall ist dagegen aus Kreide- 
gebilden zusammengesetzt, deren Schichten in regelmässiger 
Folge unter geringem und geringerem Neigungswinkel (13, 9, 
5 Grad) der Ebene zufallen. Der Sandsteinrücken des Gebir- 
ges streicht südwestlich ohne einen Einschnitt. Er hat über 
dem Tunnel eine Höhe von 1192 Fuss. Der ihn überlagernde 
Pläner ist durch ein Querthal, eine Erosion der Beke, durch- 
brochen. Wo dieses Thal beginnt, liegt das Dorf Altenbeken, 
und an diesem Punkte musste das Gebirge durch einen Tun- 
nel geöffnet werden, nachdem bis hierher die Eisenbahn dem 
Laufe der Beke folgen konnte. 



37 

Der bunte Sandstein 

bildet das älteste Glied in der Reihe der Sedimente, welche 
an der Zusammensetzung des Teutoburger Waldes sich bethei- 
ligen. Zwar tritt er in diesem Gebirgszuge selbst nicht zu 
Tage, doch bleibt er im Tunnel der Eisenbahn, welcher 
888 Fuss hoch liegt, nnr etwa 15 Fuss unter der Sohle von 
Muschelkalk bedeckt zurück. Dagegen tritt er östlich, zwi- 
schen Reelsen und Schöneberg zu Tage. Wahrscheinlich ist 
er auch in seinem jüngsten Gliede, dem Roth, entwickelt, da 
dieses Gebilde wenig südlich zwischen Driburg und Reelsen in 
erheblicher Mächtigkeit als ein braunrother, selten grünlich- 
grauer, rasch zerbröckelnder Schieferletten den Wellenkalk 
unterteuft. 

Mus chelkalk. 

Von dem 5160 Fuss langen Tunnel stehen 110 Ruthen 
im Sandstein des Gault und Hils, der Rest im Muschelkalk. 
Keuper und Lias, welche an der Ostseite den Muschelkalk 
überlagern, sind an der Westseite nicht vorhanden; ' der Hils 
liegt hier unmittelbar auf dem Muschelkalk. Da beim Besuche 
des Tunnels die Ausmauerung schon vollendet war, so liess 
sich nur auf den aufgestürzten Halden eine oberflächliche 
Kenntniss über das Auftreten des Muschelkalks im Tunnel ge- 
winnen. Hiernach erscheint er in derselben Entwickelung, wie 
er bis Warburg hin bekannt ist. Unten der Wellenkalk, 
wechselnd mit Dolomitbänken, vorzüglich schöne Exemplare 
von Bhizocorallium Jenense Zekk. umschliessend. Einzelne 
Schichtenflächen sind reichlich besetzt mit Myophoria orbicularis 
Br. Zuweilen zeigt sich auch Myophoria curmrostris Schloth., 
Lima lineata Goldf. , Entrochus dubtus Goldf. u. s. w. Am 
Tage ist diese Bildung gut zu beobachten an den Gehängen 
des Driburger Thaies. 

Der Schaumkalk hat sich vielleicht nur zufällig der 
Beobachtung entzogen, da er bei Scherfede mit grossem Reich- 
thum an Petrefakten ansteht. 

Mergel und Dolomite, mit grauweissem und gelbgrauem 
körnigen Gyps in reichlicher Menge gefördert, gehören der 
Anhydrit-Gruppe an. 

Der Hauptmuschelkalk oder Kalk von Friedrichshall 



. 38 

zeigt hier wie überall den ooli thischen Muschelkalk, 
(durch einen zerklüfteten, dickschichtigen Kalk weithin in obe- 
ren und unteren geschieden), die Trochiten kalke, gänzlich 
aus Stielgliedern des Encrinus liliiformis bestehend, und die 
Terebratelbänke, in gleicher Weise aus Terebratula vulgaris 
gebildet. 

Bemerkenswerth ist das Vorkommen des Ceratites semi- 
partitus im Trochitenkalk. Es' fanden sich mehrere Exemplare. 
Höher oder tiefer habe ich diese Art nicht gesehen. Ceratites 
nodosus erscheint, wie auch v. Seebach (die Conchylienfauna 
der Weimarischen Trias, 1862, p. 101) bemerkt, noch nicht 
in dieser Tiefe. 

Das jüngste Gebilde des Muschelkalks sind die Thon- 
platten. Im Gestein des Tunnels wurde fast nur Ceratites 
nodosus, aber in zahlreichen Exemplaren, bemerkt. Sonst sind 
diese Schichten über Tage gewöhnlich reich an fossilen Resten. 
Einen klassischen Fundpunkt bildet das obere Gehänge des 
Diemelthaies bei Dalheim zwischen Liebenau und Warburg. 

Von fremdartigen Einschlüssen im Muschelkalk ist das 
Vorkommen von Bleiglanz zu erwähnen. In früheren Zeiten 
haben sich daran grosse Hoffnungen geknüpft. Zu verschie- 
denen Zeiten und an verschiedenen Orten (Neuenherse, Sande- 
beck) eröffnete Grubenbaue haben vergeblich grosse Summen 
verschlungen (J. H. S. Lasger, Beitrag zu einer mineralog. 
Gesch. der Höchst. Paderborn und Hildesheim, 1789, p. 15 f.). 

Die Grenze zwischen den Thonplatten und der 

Lettenkohlen gruppe 

ist schwierig zu ziehen. Hier ist das östliche Mundloch des 
Tunnels angesetzt. Unmittelbar daneben fand sich im Stosse 
des Einschnittes die bräunliche Schale der Lingula Zenkeri 
Alb., welche in Schwaben auf die Lettenkohle beschränkt ist 
{Ueberbl. üb. d. Trias von F. v. Alberti, 1864, p. 161) und 
Myophoria Goldfussi Alb. , welche nach C. v. Seebach (1. c. 
p. 59) nur der Lettenkohle und dem Keuperdolomit angehört. 

Diesen grauen Thonen der Lettenkohle schliesst sich eine 
Folge von grauen und gelblichen, bald körnigen, bald dichten 
Dolomitbänken an, getrennt durch dünne thonige oder merge- 
lige Zwischenschichten. Dieses System bildet die untere Ab- 
theilung der Gruppe. Oben lagern wie in Thüringen die Let- 



39 



tenkohlensande. Beide sind getrennt durch ein Eisensteinflötz 
von nur geringem Gehalt. Im Sandstein fanden sich Ccdamites 
arenaceus Brong. und Equisetum columnare Brong., welche gegen- 
wärtig für eine Art gehalten werden (v. Alberti 1. c. p. 40; 
v. Ettingshausen, Sitzungsber. d. Wiener Ak. 1852, p. 648). 

Ob im Innern des Tunnels am Westflügel des Muschel- 
kalksattels auch Lettenkohle durchfahren sei, könnte aus dem 
Umstände geschlossen werden, dass gar nicht selten auf den 
Halden der Westseite Stücke mit Lingula Zenkeri und Estheria 
minuta Jon. und in einem festeren Gesteine Zähne von Notlio- 
saurus Cuvieri (Quenst. Petrefaktenk. p. 133 t. 8 f. 26, Epoch. 
p. 499; v. Alberti 1. c. p. 220 zieht die Art zu Nothosaurus 
mirabilis, ~w eiche dem ganzen Muschelkalk und der Lettenkohle 
gemeinschaftlich ist) gefunden werden. Da zwischendurch, 
obwohl weniger häufig, sich auch Lias-Stücke finden, welche 
sicher von der Ostseite stammen, so sind möglicher Weise 
auch jene verschleppt worden. 

Da ich die letzten 18 Fuss im Tunnel den unteren 
Thonen der Lettenkohle zuzurechnen geneigt bin, so erreicht 
diese ohne die 13 Fuss des Equisetensandsteins eine Mächtig- 
keit von 130 Fuss. Der sich anschliessende 

Keuper 

ist in seinen bunten Mergeln nur 65 Fuss mächtig. Im Profile 
des Einschnittes folgen sofort Lias-Thon und Mergel mit Am- 
monites angulatus. Es fehlen also der obere Keuper und der 
unterste Lias. Beide finden sich 2000 Schritte ostsüdöstlich. 
Hier lehnt sich nordwestlich vor Reelsen ein Vorhügel an den 
Hauptkamm des Teutoburger Waldes. Am Gipfel dieser Er- 
hebung stehen Steinbrüche in den Schichten des oberen Mu- 
schelkalks in Betrieb, während der Fuss des Hügels, von der 
Altenbeken und Bad Driburg berührenden Eisenbahn durch- 
schnitten, dem oberen Keuper und dem unteren Lias angehört. 
Den bunten Mergeln ist hier eine mächtige Folge von hellen, 
lockeren Mergelsandsteinen aufgelagert, welche in Folge zahl- 
reicher Glimmerblättchen sich dünnschiefrig absondern. Leider 
verhinderte die Ueberdeckung der Böschungen mit Dammerde 
das Aufsuchen der Versteinerungen des 



40 



Bonebed. 

Da wir es nur mit einer Fortsetzung der Mulde von Willebad- 
essen zu thun haben, so werden sie auch hier nicht fehlen. 
Bei Neuenheerse wurden z. B. beim Wärterhäuschen No. 35 aufge- 
lesen (nur in Bezug auf den Jura von Qüenstedt p. 31 — 36): 
Cardium cloacinum, t. 1 f. 37, sehr häufig; Natica sp., t. 1 f. 17; 
Termatosaurus Albertii, t. 2 f. 4 — 8 ; Hyb'odus minor, t. 2 f. 18 — 20, 
sehr häufig; Ceratodus cloacinus, t. 2 f. 27; Sargodon tomictfs, 
t. 2 f. 36 — 38; Saurichthys acuminatus, t. 2 f. 42 — 51, häufig; 
Fischschuppen: Gyrolepis und Lepidotus, t. 2 f. 52 — 60; Kopro- 
lithen, längliche cylindrische und gestreckte eiförmige Gestal- 
ten von spröder Substanz, t. 2 f. 21 u. s. w. Im 

Lias 

fehlen Sandsteine gänzlich. Dunkle Schiefer und Kalkbänke 
überdecken die hellen Mergelsandsteine des Keupers. Die 
ganze Folge im Einschnitt bei Reelsen gehört dem ' 

Lias mit Ammonit es planorbis 

an. Von oben nach unten folgen hier: 

1) 4 Fuss kalkige Bänke, an den Verwitterungsflächen 
rostig, sandig, schon ganz an das Aussehen der hier fehlenden 
Bänke der Riesen- Arieten erinnernd. Oben scheint sich Am- 
monites angulatus einzustellen. 

2) 6 Fuss blaue, dünne, zerbröckelnde Schiefer, 

3) 6 Zoll dunkle Kalkbank, 

4) 3 Fuss Oelschiefer, 

5) 4 Fuss vier, durch schieferige Zwischenmittel getrennte 
Kalkbänke, dunkel, fest, an der Luft heller werdend, reich an 
fossilen Resten, 

6) 2 Fuss Oelschiefer, 

7) 3 Fuss bläuliche Mergel, 

8) 7 Zoll Kalkbank, 

9) 1 Fuss lockere Schiefer, 

10) 14 Zoll sandige Schiefer mit glatten, plattgedrückten 
Ammoniten und Zweischalern, 

11) 3 Fuss dunkle, bituminöse Schiefer, 

12) 9 Zoll feste, bläuliche Kalkbank, ferner 4 Zoll rostige 
Schicht, obere Keupersandmergel. 



41 



An fossilen Resten sind hervorzuheben: 

Ammonites planorbis Sow., t. 448 (Amm. psilonotus 
laevis Quenst. Ceph., t. 3 f. 18) liegt in bester Erhaltung und 
grosser Zahl vorzugsweise in den Bänken No. 5. In den 
Schiefern sind die Stücke völlig flach gedrückt. Diese glei- 
chen den Exemplaren von Watchet in Sommersetshire, doch 
mangelt ihnen das Farbenspiel. 

Ammonites Johnstoni Sow., t. 449 (Amm. psilonotus 
plicatus Qüenst. Jura p. 40; Amm. torus d'Orb. t. 53; Chapuis, 
nouv. rech, sur les foss. des terr. de la prov. de Luxembourg 
t. 3 f. 2) ist bei Weitem seltener als der vorige. 

Ammonites laqueolus Schlönb., Palaeontogr. Tom. XIII. 
p. 151 t. 26 f. 1, selten. 

Ammonites angulatus zeigte sich ganz oben in ein 
Paar Exemplaren. 

Einen grossen Nautilus (ohne Schale) weiss ich bis jetzt 
nicht von Nautilus striatus Sow. t, 182 (Nautilus aratus Sohloth. 
Qüenst. Ceph. t. 2 f. 14) zu unterscheiden. 

Modiola Hillana Sow. t. 212 f. 2 (?). 

Lima succincta Schloth. (Lima Hermanni Golde, t. 100 
f. 5; cf. Oppel, Juraf.p.100) häufig, in der Grösse, wie Goldfuss 
sie abbildet. 

Lima punctata Sow. t. 113, f. 1, 2 (NB. die Nummern 
von Tafel 113 und 114 sind verdruckt, vergl. den Text p. 25) 
Zieten t. 51 f. 3, häufig. 

Lima pectinoid es Sow. t. 114; Zieten t. 69 f. 2. 

Ino ceramus cf. Weissmanni Oppel, Juraf. p. 101. 

Avicula sp. 

Pecten cf. Trigeri Oppel, Juraf. p. 103. 

Pecten Hehli d'Orb., Prodr. 7, 130 (Pecten glaber Hehl, 
Ziet. t. 53 f. 1). 

Ostrea sublamellosa Dunker, Palaeont. t. 5 f. 27 — 30 
(Ostrea irregularis Quenst., Jura p. 45 t. 3 f. 15; Chapuis et 
Dewalque 1. c. p. 220 t. 32 f. 3). Die Art gleicht mitunter einer 
jungen Gryphaea arcuata mit breiter Anwachsstelle. Diese stellte 
Goldfuss t. 99 f. 5 als Ostrea irregularis dar. Aufgewachsen 
ahmt sie zuweilen alle Windungen und Rippen des Ammonites 
Johnstoni nach. Häufiger als hier tritt sie im Lias mit Ammo- 
nites angulatus auf. 

Ter ebratula perforata Piette (Ter ebratula psilonoti 



42 



Quenst., Jura t. 4 f. 21; Oppel, Zeitsch. d. deutsch, geol. Ges. 
Bd. XIII. S. 531 ; Terq. e. Piette in Mem. soc. geol. 1865, 
p. 115), selten; die Darstellung bei Quenstedt stimmt gut. 
Bisher wurde die Art aus der Zone des Amm. angulatus citirt. 

Pentacrinus psilonoti Quenst., Jura p. 50 t. 5 f. 7. 
Sehr häufig. 

Cidaris psilonoti Quenst. Jura p. 51 t. 5 f. 12. Sehr 
häufig, doch wie in Schwaben nur Stacheln und einzelne 
Asseln. Beide, wie auch der Pentacrinus, bedecken oft die 
ausgewaschenen Kluftflächen. Westlich von Germete ist diese 
unterste Stufe des Lias in gleicher Weise entwickelt. ; 

Kehren wir in den Tunneleinschnitt zurück, so giebt die 
Fortsetzung des Profiles zunächst die 

Schichten mijt Ammonit es angulatus. 

Es sind dunkele Thone und sandige Schiefer, in denen 
zahlreiche verkieste Exemplare dieses Ammoniten liegen. Feste 
Kalkbänke sind selten. 

Auch diese Zone findet sich selbstständig in den beiden 
südlichen Mulden von Willebadessen und Germete und auch in 
dem Lias von Dalheim östlich von Warburg. 

Was sonst an fossilen Resten vorkommt, scheint kaum 
auf die Zone beschränkt zu sein, vielleicht mit Ausnahme von 
Unicardium cardioides (Corbula cardioides Phill., Ziet. t. 63 
f. 5; Quenst., Jura t. 3 f. 21). 

So häufig Ammonites angulatus auch am Teutoburger Walde 
gefunden wird, so hat sich doch nur die typische Form gezeigt 
(Quenst. Cephal., t. 4 f. 2). Im Alter verlieren sich die schar- 
fen Rippen auf den Seiten und dann entsteht, was d'Orbigny 
t. 93 als Ammonites Moreanus darstellt. Den Ammonites Char- 
massei d'Orb. t. 91 mit schon in der Jugend runden, dichoto- 
men Rippen halte ich für eine gute Art. Oppel, Juraform. p. 75 
vereint ihn auch mit Ammonites angulatus. In den festen, blauen 
Kalken südlich von Stuttgart findet er sich häufig fussgross; 
am Teutoburger Walde wurde nie etwas Aehnliches bemerkt. 

Uebrigens haben die prächtigen, verkiesten Stücke von 
Neuenheerse mehrfach zu Missdeutungen Veranlassung gegeben ; 
so wurden sie einmal für Amm. Parkinsoni des braunen Jura 
angesprochen und ein andermal für Amm. interruptus des Gault 
gehalten. 



43 



Schichten mit Ammoni tes ob liqueco Status. 

Zwischen den Schichten mit Amm. angulatus und den 
Arcuaten-Kalken finden sich dunkele Thone und Schiefer, wel- 
che in grosser Menge einen kleinen, durchschnittlich nur 25 Mm. 
grossen Ammoniten einbetten. Aus der Willebadessener Mulde 
ist dieser Ammonit als Amm. Bronni Roem. aufgeführt. Wenn 
diese Bestimmung sich auch nach Vergleich mit Originalexem- 
plaren von Diebrock als entschieden unhaltbar herausstellte, 
so war es gleichwohl nicht möglich , die Form mit einer be- 
kannten Art zu identificiren. Nun hatte Herr Professor Oppel 
die Gefälligkeit mitzutheilen, dass er den Amm. obliqueco Status 
Ziet. bei Kaltenthal unweit Stuttgart, d. h. an der Stelle, von 
wo Zieten die Art beschrieben hat, aufgefunden habe, und dass 
das westphälische Vorkommen völlig mit dem Kaltenthaler über- 
einstimme. Dies hätte sich nach Zieten's Darstellung nicht 
vermuthen lassen. Zieten's Exemplar, 80 Mm. gross, hat 
zahlreiche, aulfallend stark nach rückwärts gebogene Rippen 
und einen von zwei tiefen Furchen eingefassten Kiel. Unsere 
Stücke sind in der Jugend glatt und stellen dann wohl dar, 
was Qüenstedt (Jura p. 71, t. 8 f. 7) Ammonites miserabilis 
nennt, doch lässt er ihn unmittelbar über Arcuaten-Kalken lie- 
gen. Erst allmälig entwickeln sich Kiel und Rippen, und zu- 
gleich wird die Mundöffnung gegen den Rücken zu breiter. 
Der Kiel im Gegensatz zum scharfen Kiel des Amm. geometri- 
cus stumpf. Die Rippen, 22 auf dem Umgang, sind kurz, fast 
gerade und oft kaum merklich rückwärts gebogen, nur an we- 
nigen Exemplaren auf den Rücken fortsetzend und dann der 
Mündung zugeneigt. Von den Kiel einschliessenden Furchen 
ist nur selten eine Andeutung wahrzunehmen, und entwickeln 
sich diese jedenfalls ungleich. Einzelne Stücke mit 10 Mm. 
breitem Rücken, bei denen die Mundhöhe 7 Mm. beträgt und 
die Rippen 6 Mm. Länge haben, tragen noch keine Spur von 
Furchen, bei anderen Exemplaren dagegen bemerkt man sie 
schon in jüngerem Alter.*) Doch sagt Oppel:' „der Ammonit 

*) Ammonites geomelricus hat keine Furchen, seine Mundöffnung ist 
oben und unten gleich breit, aber höher als breit, wie Stücke zeigen, 
welche ich dem Herrn Senator H. Roemkr in Hildesheim verdanke , der 
sie an derselben Stelle aufhob, von wo A. Roemer seinen identischen 
Ammonites Natrix von Schloth. beschrieb. — Eine gute Abbildung ver- 
öffentlicht in diesem Augenblicke Schlönbach in Palaeontogr. tom. XIII, 
t. 26 f. 3. 



44 



erhält im ausgewachsenen Zustande eine noch ausgeprägtere 
Form. Die Rippen" neigen sich dann sogar etwas nach rück- 
wärts ,* und der Kiel auf dem Rücken wird zuletzt von zwei 
Seitenfurchen begleitet, welche dem Ammoniten in der Jugend 
fehlen." 

Qüenstedt hielt den Ammonites obliqueco Status Ziet. anfangs 
(Flötzgebirge Würtembergs p. 132) für einen kranken gekiel- 
ten Arieten, dann vermuthete er darin einen Krüppel von Amm. 
Walcotti Sow., Cephal. p. 79), und endlich glaubte er (Jura 
p. 173) den gesunden Amm. obliqueco Status in den Amaltheen- 
thonen von Grosseisslingen gefunden zu haben. Was er aber 
als solchen t. 22 f. 30 zeichnet, ist ganz etwas Anderes. Man 
sieht, wie schwierig die Deutung war. 

Ammonites obliqueco Status ist vertikal auf ein sehr enges 
Lager beschränkt. Im Bett des Amm. angulatus fehlt er noch 
entschieden, und in den höheren eigentlichen Arcuaten-Bänken 
habe ich ihn nie bemerkt. 

An anderen fossilen Resten fanden sich zwei Exemplare 
von Amm. angulatus und ausser Bruchstücken von Pecten, Lima 
u. s. w. eine Gryphaea, welche sich mit der der folgenden 
Schicht angehörigen Gryphaea arcuata nicht vereinen lässt. Sie 
ist in allen Grössen fast *eben so lang wie breit, wenig gerun- 
zelt, mit schwach angedeuteter Furche. Vielleicht liegt vor, was 
Senft Gryphaea ?iucleiformis nennt (Zeitsch. d. deutsch, geol. 
Ges. Bd. X. S. 349). 

Sodann Pentacrinus cf. angulatus Oppel, Juraf. p. 7. Win- 
zige, längsgestreifte Cidariten - Stacheln und der Arm einer 
Ophiure , welcher vielleicht zu Ophioderma Gaveyi Wpjght 
(Annais a. mag. of nat. hist. 1854, p. 25, t. 13 f. 1) gehört, 
die zwar auch demLowerLias entstammt, jedoch einem etwas 
höheren Niveau angehört, indem sie mit Amm. planicosta das- 
selbe Lager theilt. 

In neuerer Zeit ist man in Norddeutschland auf eine 
Zone im Gebiete der Arietenschichten aufmerksam geworden, 
welche man mit dem Bett des von Oppel für Süddeutschland 
über den Amm. Bucklandi gelegten Amm. geometricus Opp. iden- 
tificirt. (Oppel, Juraf. p. 14; U. Sohlönbaoh, über den Eisen- 
stein des mittl. Lias, Zeitsch. d. deutsch, geol. Ges. 1863, 
Bd. XV. S. 500; R. Wagner, Verh. des naturh. Ver. der preuss. 
Rheinl. und Westph. 1864, Jahrg. 21, S. 15 und früher ibid. 



45 



Jahrg. 17, 1860, S. 161.) Doch scheinen in der Sache wenig- 
stens noch starke Zweifel obzuwalten. C. v. Seebach (der 
hannoversche Jura, 1864, p. 15) versichert ausdrücklich, eine 
Auflagerung des Amm. geometricus auf den Schichten mit Amm. 
Bucklandi sei nicht beobachtet und daher die Möglichkeit einer 
lokalen Stellvertretung nicht ausgeschlossen. Weiter fand U. 
SchlöjNBACH neuerdings den Amm. geometricus in der Hilsmulde 
unmittelbar über den Amm. angulatus gelagert; die Bucklandi- 
Bänke fehlen dort (Zeitsch. d. deutsch, geol. Ges. Bd. XV. 
S. 657). Und neuerlich schreibt er (Neues Jahrb. f. Min., Geol. 
u. Pal.. ; 1864, p. 214): „es ist mir zweifelhaft geworden, ob 
eine Ueberlagerung der Zone des Amm. Bucklandi durch die 
Gesteine, welche durch Amm. geometricus charakterisirt werden, 
für Norddeutschland faktisch nachweisbar ist." 

Nach allem diesem erscheint es räthlich, nochmals auf die 
Verhältnisse im Altenbekener Tunneleinschnitte zurückzukom- 
men, um so mehr, als auch hier bei minder vollständigem 
Aufschlüsse eine Ueberlagerung des mit Amm. geometricus viel- 
leicht mitunter verwechselten Amm. obliqueco Status über die 
Schichten der Riesen-Arieten leicht als erwiesen hätte angese- 
hen werden können. 

Der Einschnitt steht an der Südwestseite der Muldenwan- - 
dung jener westlichen Specialmulde, von der oben die Rede 
war. Jederseits des Muldentiefsten treten also dieselben Schich- 
ten wieder hervor. Scheinbar ist dieses nicht der Fall, indem 
die Lagerung der Schichten mit Amm. angulatus, mit Amm. 
obliqueco Status und den Riesen-Arieten in ungestörter Aufein- 
anderfolge sich zeigt, dann eine Gebirgsstörung eintritt, welche 
die festen, dicken Bänke der Riesen-Arieten zerreisst und ver- 
wirft. So sieht man hier nicht den Ostflügel dieser charakte- 
ristischen Bänke. Die weiter folgenden Thone und Mergel — 
der Ostflügel der Schichten mit Amm. angulatus und oblique- 
costatus — zeigen aber keine Schichtung, und ohne vollstän- 
digen Aufschluss würde man sie dem Westflügel der Riesen- 
Arietenbänke mit nordöstlichem Fallen regelmässig aufgelagert 
wähnen. 

Mit dieser Betrachtung ist es auch erst verständlich, dass 
im ganzen Einschnitte nur ein östliches Fallen bemerkt wird, 
während nur 800 Lachter weiter aufwärts in den Eisenstein- 
gruben sämmtliche Schichten mit 30 bis 60 Grad nach Westen 



46 



einfallen. Hier haben wir den Ostfiügel der Mulde, dessen 
Schichten sich allmälig mehr aufheben. Der ganze Westflügel 
ist ein Raub der Denudation geworden , welche hier seitlich 
wirkte, während am Südrande der Mulde ihre Wirkung von 
oben nach unten ging, die jüngeren Schichten zerstörend und 
nur die tiefsten zurücklassend, so dass es auch vergeblich wäre, 
hier den jüngeren Eisenstein noch aufsuchen zu wollen. Die 
Muldenlinie streicht h. 2, die Grenze des Hilssandsteins ver- 
läuft etwa h. 11, so dass die Mulde sich allmälig unter den 
Hils einschiebt und dieser sich auf den Ostflügel der Lias- 
Schichten legt, wodurch eine scheinbare Concordanz der La- 
gerung hervorgerufen wird. 

Schichten mit Ammonit es Gmündensis. 

Die oben schon erwähnten dicken Bänke eines rauhen, 
dunkelen, mitunter etwas sandigthonigen Kalksteins mit mer- 
geligen Zwischenlagen gehören mit ihren zahllosen Exemplaren 
der typischen Gryphaea arcuata dem Arcuaten-Kalk an. 

Das an zweiter Stelle häufigste Fossil ist Avicula inaequi- 
valvis Sow. t. 244 f. 2 (Monotis inaequivalvis Quenst., Jura 
p. 79, t. 9 f. 16, 17; Avicula sinemuriensis dOrb., Prodr. I. 7, 
No. 125)*) Dann kommen Lima gigantea ^ Sow. 77 (Zieten 
t. 51 f. 5 , Chapuis et Dewalqüe 1. c. t. 28 f. 2, t. 29 f. 1) 
und die schlecht erhaltenen Formen der riesigen gekielten 
Arieten. 

Diese Zone ist überall im südlichen Theile des Teutobur- 
ger Waldes vorhanden. Noch westlich von Germete tritt sie 
auf, aber hier als Eisensteinflötz. Die ganze Schichtenfolge 
der Juraformation, welcher hier in nicht unerheblicher Mäch- 
tigkeit entwickelt ist, scheint über den untersten Lias, d. h. 
über Quenstedt's Lias c/, nicht hinaus zu greifen. Nachdem 
man die Bänke des bunten Sandsteins und Muschelkalks, wel- 
che unter 35 Grad südwestlich einfallen , überschritten hat, 
streicht eine wechselnde Folge von kalkigen und schiefrigen 
Schichten quer über die Strasse. Ein neben dem Wege be- 
findlicher Wasserriss giebt über die innere Natur dieser Sedi- 



*) Oppel, Juraf. p. 567 versetzt die SowERBY'sche Art in die Zone 
des Amm. macrocephalus. C. v. Seebach, der hannöv. Jura p. 101, 
meint, sie gehe durch den ganzen Lias und Dtfgger. 



47 



mente die sichersten Aufschlüsse, und die in genügender An- 
zahl vorhandenen organischen Reste lassen selbst an der Stel- 
lung der einzelnen Bänke keinen Zweifel. Wir haben das 
Bett des Amm. planorbis und dasjenige des Amm. angulatus vor 
uns. Die Entwicklung ist vollkommen derjenigen gleich, wel- 
che der oben charakterisirte Eisenbahneinschnitt aufdeckte. 
Wo die Höhe steiler anhebt, kommen wir beim Saume des 
Waldes (südlich von Wethem) in die Region des Eisens. 
Von Versuchsbauen liegt hier seit einer Reihe von Jahren eine 
Menge Erz aufgeschüttet, mit dem zugleich eine grosse Zahl 
fossiler Organismen zu Tage gefördert ist. Austern (Gryphaea 
arcuata) und grosse gekielte Arieten übertreffen an Zahl der 
Individuen alles Andere und verrathen das Aequivalent des 
schwäbischen Arcuaten-Kalkes, dessen wichtigste Formen wir 
auch im Teutoburger Walde wieder erkennen. 

Durch Grösse wie durch häufiges Vorkommen zeichnet sich 
eine dem Amm. Brookii Sow. 1. 190 verwandte Form aus, wel- 
che wohl zu 

Ammonites Gmündensis Oppel (Juraf. p. 80; gehört. 
„Was diese grossen Exemplare besonders auszeichnet, ist die 
Form ihrer Mundöffnung, welche innen bedeutenden Durch- 
messer besitzt, gegen den Rücken hin aber schmäler wird. 
Letzterer trägt einen hohen Kiel, dagegen biegt die Schale un- 
mittelbar neben den seitlichen Furchen um. Die Windungen 
besitzen eine breite Suturfläche, über welcher die Rippen am 
derbsten beginnen, gegen den Rücken hin aber schwächer wer- 
den und beinahe verschwinden. Auf den inneren Windungen 
sind dieselben feiner und mehr genähert." Anfangs glaubt 
man noch eine zweite Form wahrzunehmen, welche mit Amm. 
multicostatus Sow. (t. 454, Ziet. t. 26 f. 3) einige Aehnlichkeit 
hat, doch überzeugt man sich bald, dass es nur die inneren 
Windungen des Amm. Gmündensis sind. 

Sonst zeigten sich in dieser Schicht nur noch ein Paar 
Windungsstücke von 

Ammonites rotiformis Sow. t. 453; Ziet. t. 26 f. 1; 
d'Orb. t. 89; was Quenstedt, Jura t. 7 f. 1, unter dieser Be- 
zeichnung abbildet, stimmt weniger. 

B elemnit es acutus Miller {Bei. brems Blainv.). Die- 
ser erste Belemnit tritt in dieser Tiefe nur ganz vereinzelt 
auf. Damit stimmt das Vorkommen an fremden Lokalitäten. 



48 



Oppel hebt (Juraform. p. 80) ausdrücklich hervor, dass Bei. 
acutus sich zum ersten Male in Gesellschaft des Amm. Gmün- 
densis zeige. 

Die Brachiopoden lassen sich an die folgenden drei Namen 
anknüpfen : 

Bhynchone IIa b el emnitica Quenst. Jura p. 73, t. 8 
f. 15. Unsere Exemplare zeigen nur die halbe Grösse von 
Quenstedt's Darstellung. 

Bhynchonella Deffneri Oppel, Zeitsch. d. deutsch, 
geol. Ges. Bd. XIII. S. 535; Quenst. Jura p. 73, t. 8. Von 
Quenstedt's Abbildung seiner Terebratula triplicata juvenis lie- 
gen namentlich die unter f. 20 — 23 (Jura t. 8) abgebildeten 
Formen vor. 

Spirifer Walcotti Sow. häufig. 

Lima punctata Sow. Einzelne Schalen zeigen die netz- 
förmig vertheilten Doppelpunkte parasitischer Bohrer (Quenst. 
Jura, t. 4 f. 1). 

Pecten textorius Schloth. Goldf. t. 89 f. 9. 

Avicula inaequivalvis Sow. 

Pinna cf. Hartmanni Ziet. p. 74, t. 35 f. 6. 

Thalassites gig anteus Quenst., Jura p. 81, t. 10 f. 1 
(Cardinia gigantea Chapuis, nouv. rech, sur les foss. des terr. 
second. de la prov. de Luxembourg p. 8 t. 7 f. 1), häufig. 

Modiola sp. 

Zerbröckelnde Schiefer scheinen das Hangende dieser 
Eisenbänke zu bilden, wie der Haldensturz eines alten Schach- 
tes zeigt. Fossile Reste fanden sich darin nicht. 

Schichten mit Ammonites planicosta. 

Im Einschnitte selbst schliesst der Lias mit den Arieten- 
Bänken ab; wenig nördlich aber legen -sich allmälig jüngere 
Schichten an. Es fehlt zwar an guten Aufschlüssen, doch 
fand sich: 

Ammonites planicosta Sow. t. 73 {Amm. caprjcornus 
Ziet. t. 4 f. 8; Amm. capricornus nudus Quenst., Jura t. 12 f. 3); 
cf. Oppel, Juraf. p. 87 und C. v. Seebach, d. hannöv. Jura 
p. 20, U. ScHLöNBACH, Zeitschr. d. d. geol. Ges. Bd. XV. S. 521. 

Ammonites raricostatus Ziet. t. 13 f. 4. Die Abbil- 
dung ist nicht sonderlich, besser in Quenstedt's Cephal. t. 4 
f. 3b; d'Orbigny t. 54; Quenst., Jura t. 13 f. 16, 18). 



49 



Dieselben Formen zeigten sich auch in der Willebadessener 
Mulde und daneben noch : 

Ammonites zip hu s Ziet. t. 5 f. 4 (= Amm. sparsino- 
dus Quenst., Cephal. t. 4 f. 5, Quenst., Jura t. 12 f. 2). 

Jedenfalls ist ersichtlich, dass der Lias [3 Quenstedt's mit 
Oppel's Zonen des Amm. obtusus, des Amm. oxynotus und des 
Amm. raricostatus am Teutoburger Walde nicht wie in Süd- 
deutschland entwickelt ist. Wenn sich die Schichten mit 
Amm. planicosta auch häufig der Beobachtung entziehen, so feh- 
len sie doch wohl nirgendwo. Auch in der grossen, noch sehr 
ungenügend gekannten Lias-Partie von Herford sind sie vor- 
handen. 

Schichten mit Ammonites armatus. 

Nur die ausgezeichnete Form des Amm. armatus kann den 
Namen leihen ; alles Uebrige ist weniger bestimmt. 

Diese Schicht ist im Teutoburger Walde wie in den sub- 
hercynischen Hügeln (U. Schlökbach, Zeitsch. d. deutsch, geol. 
Ges. Bd. XV. S. 465 ff.) als ein oolithischer Eisenstein ge- 
kannt und bildet in seinen Constanten, weit verbreiteten Cha- 
rakteren einen wichtigen geognostischen Horizont. Mehrfach 
(Altenbeken, Teutonia-Hütte bei Borlinghausen u. s. w.) ist er 
durch Grubenbaue gut aufgeschlossen und hat eine grosse 
Menge fossiler Reste geliefert. Zu nennen sind: 

Beiern nites elongatus Mill. (Bei. paxillosus Schloth.). 

Nautilus int ermedius Sow. t. 125. Bei Altenbeken 
und Borlinghausen häufig. Mitunter sind noch Reste der 
Schale erhalten. 

Ammonites armatus Sow. t. 95; viel besser die Abbil- 
dung bei d'Orbigny t. 78. Was Oppel, der mittlere Lias 
Schwabens t. 1 f. 4, als Amm. armatus Sow. zeichnet, ist etwas 
Anderes; auch Chapuis 1. c. t. 4 f. 4 ist zweifelhaft. Bei Alten- 
beken und Borlinghausen nicht selten. Es liegen vollständige 
Exemplare bis 1\ Zoll Durchmesser vor und Bruchstücke, wel- 
che eine noch ansehnlichere Grösse verrathen. Einzelnen Exem- 
plaren fehlt die flache Fältelung zwischen den Stachel -tragen- 
den Rippen und auf dem Rücken, doch ist die Zugehörigkeit 
zweifellos; denn andere Stücken zeigen, dass bei weiterem 
Wachsthum sich diese Skulptur theilweise verliert. 

Auch nördlich vom Harze in derselben Schicht nachgewiesen. 

Zelts. d.<h geol. Ges. XVIII 1. 4 



50 



Ammonit es br evi Spina So\v. t. 556 f. 1 {Amm. bi- 
punctatus Roem., Ool. p. 193; Schlönbach 1. c. p. 517; Cha- 
puis h c. t. 7 f. 3.) 

Ammonit es caprarius Quenst., Jura p. 131, t. 16 f. 1. 
Nur ein Exemplar bei Altenbeken. 

Ammonites Jamesoni Sow. t. 555; Quenst., Jura t. 15 
f. 1 — 5. Das kleinste bei Börlinghausen gefundene Stück von 
17 Mm. Mundhöhe stimmt gut mit den grössten Stücken von 
Diebrock, welche 15 Mm. Mundhöhe erreichen. Der jetzt ge- 
wöhnlich als Jugendzustand betrachtete Amm. Bronni Roeit. 
wurde nie beobachtet. Dies ist um so auffallender, als unter 
160 bei Diebrock gesammelten Exemplaren kaum ein Dutzend 
die Form des Amm. Jamesoni zeigen, alle übrigen den Amm. 
Bronni darstellen. 

Ammonites Oppeli Schlönb., Zeitsch. d. deutsch, geol. 
Gesellsch. Bd. XV. S. 515, t. 12 f. 2. Vier Exemplare von 
Altenbeken und Borlinghausen , bis 9 Zoll gross, stimmen in 
der äusseren Form und den Loben gut mit der Darstellung 
Schlönbach's. Schlönbach nennt ihn auch von Amberg. Was 
ich dort in gleichem Niveau fand, ist zwar in Form und 
Grösse nahestehend, aber in der Lobatur verschieden. 

Ammonites cf. Lynx d'Orb. t. 87. Ein Exemplar bei 
Borlinghausen. 

Ammonites Birchii Sow. t. 267; d'Orb. t. 86. Ein 
Exemplar von Borlinghausen noch ein wenig grösser als die 
Zeichnung bei Sowerby. Auch vorliegende Original-Stücke von 
Lyme-Regis stimmen gut. Die schwache Andeutung breiter, 
flacher Wellen zwischen den Rippen und etwas deutlicher auf 
dem Rücken lässt die Abbildung bei Sowerby vermissen; d'Or- 
bigny versucht sie zu geben. 

Ausserdem sind noch — von unbestimmbaren Fragmenten 
abgesehen — zwei Ammoniten zu nennen, welche in der Nähe 
von Borlinghausen frei gefunden wurden, von denen aber nur 
vermuthet werden kann, dass sie dem Eisensteinflötze ange- 
hört haben : 

Ammonites Taylori Sow. t. 514 f. 1*) und 
Ammonites striatus Rein. 



*) Die Darstellung Sowkkby's stimmt vortrefflich. In Süddeutsch- 
land findet sich am häufigsten eine Varietät jederseits mit zwei Knoten- 



51 



Unter den Gastropoden zeichnen sich zwei Pleurotoma- 
rien durch häufiges Vorkommen aus : 

Pleur otomari a tub erculato -costata Goldf. t. 184 
f. 10. 

PI euro tomaria Solarium Koch, Palaeont. I. t. 25. 
Pholadomyen zeigten sich in vielen und prächtigen Exem- 
plaren : 

Pholadomy a Hausmanni Goldf. t. 155 f. 4, Chapuis 

i. c t. n f. l. 

Pholadomy a ambigua Sow. t. 227. 

Inoceramus cf. ventricosus Sow. t. 443, selten. 

Pecten priscus Schlots:., Goldf 1 . t. 59 f. 5. 

Ostrea cymbii Oppel, der mittl. Lias Schwab, t. 4 f. 8. 

Gryphaea gigas Schloth., Goldf. t. 85 f. 1.*) Sehr 
häufig. Ist nicht verschieden von den Stücken, welche man 
j Meile östlich von Arnbergs auf den Feldern und in festen 
Conglomeraten gleichen Niveaus findet. 

Spirifer rostratus Schloth. 

Spirifer verrucosus Buch. 

Sp irifer M ü nsteri Davids. 

Terebratula sub ov oides Roem., Ool. t. 2 f. 9; Oppel, 
mittl. Lias Schwab, t. 4 f. 1. Schlönbach vereint die Art mit 
Ter. punctata Sow. t. 15 f. 4. 

Terebratula cf. cornuta Sow. Selten; nur drei Exem- 
plare. 

Rhynchonella rimosa Buch; Davids, t. 14 f. 6; Ziet. 
t. 42 f. 5. 

Rhynchonella Buchii Roem., Ool. t. 2 f. 16. 

Rhynchonella curviceps Quenst., Jura t. 17 f. 13 — 15. 

Pentacrinus sub t er oides Quenst., Jura p. 197 t. 24 
f. 35, 36. Ein Mal beobachtet; weiter oben gemein. 

Cidaris, 45 Mm. gross. Leider fast ganz ohne Schale und 
daher nicht sicher bestimmbar, aber jedenfalls dem Diadema 



reihen [Quknst., Ceph. t. 9 f. 21; Jura t. 16 f. 8; Zieten t. 10 f. 1 
(Amm. proboscideus)~]. Dergleichen ist im Teutoburger Walde nicht ge- 
sehen. 

*) lieber die Benennung dieser bisher als Gryphaea cymbium Lam. 
in Norddeutschland bekannten Art ist zu vergleichen: U. Schlönbach 
1. c. p. 556 und Schhüfer, über die Juraformation in Franken p. l 2ü. 

4 * 



52 



seriale Leym. bei Cotteau, Yonne p. 35 t. 1 f. 4— 8 (Desor, 
Synops. t. 14 f. 12 Diademopsis serialis) nahestehend. 

Schichten des Ammonites capricornus. 

War das Liegende des Eisensteinflötzes schlecht gekannt, 
so steht es mit dem Hangenden zur Zeit wenig besser. Es 
folgt eine mächtige Ablagerung dunkeler Thone, worin ich kein 
Fossil auffand. Selbst beim Schlämmen blieb kein Rückstand. 
Doch erhielt ich ein Exemplar von 

Ammonites fimbriatus Sow. t. 164; Quenst., Jura t. 16 
f. 13; Chapüis 1. c. t. 5 f. 4. Bei Borlinghausen ist die Art 
nicht selten, viel häufiger aber ist dort: 

Ammonites capricornus Schloth., d'Orb. t. 65; Cha- 
püis 1. c. t. 5 f. 3; cf. Amm. maculatus Quenst., Jura t. 12 f. 3; 
Oppel, Juraf. p. 156; C. v. Seebach, der hannöv. Jura p. 137; 
Schlönbach 1. c. p. 520. Auch die Lias-Insel bei Horn lieferte 
prächtige Exemplare. Die neuerlich abgeschiedene Varietät: 

Ammonites curvicornis Schlönb. 1. c. p. 522, t. 12 f. 4 
wurde ebenfalls bei Börlinghausen beobachtet. Auch vermuthe 
ich, dass 

Ammonites Centaurus d'Orb. t. 76 f. 3 — 6, Oppel, 
mittl. Lias Schwab, p. 56, t. 3 f. 8, Quenst., Cephal. t. 14 
f. 9 und Jura p. 135, t. 16 f. 16 dieser Schicht angehört. Die- 
selbe Vermuthung kann nur gelten von 

Ammonites Loscombi Sow. (Amm. heterophyllus numis- 
malis Quenst., cf. Oppel, Juraf. p. 162, welcher in zwei Exem- 
plaren eingebracht ist. 

Amaltheenthone. 
Die vielfach versuchte Trennung der Amaltheenthone in 
eine untere Abtheilung mit Amm. margaritatus (Amm. amaltheus) 
und in eine obere mit Amm. spinatus (Amm. costatus) hat sich 
im Teutoburger Walde noch nicht durchführen lassen. Bei 
Altenbeken sind diese Schichten nicht mehr gekannt, dagegen 
weiter südlich, bei Borlinghausen, in reicher Fülle entwickelt. 
Durch das Vorkommen zahlreicher Foraminiferen knüpft sich 
hier noch ein besonderes Interesse an dieselben. Zugleich 
sind die Amaltheenthone hier von technischer Bedeutsamkeit, 
indem sie mehrere Sphärosideritflötze einbetten, welche abge- 
baut und verhüttet werden. 



53 



Mit den Amaltheenthonen schliesst derLias und die Jura- 
formation überhaupt im südlichen Theile des Teutoburger 
Waldes ab. Jüngere Gesteine dieser Periode finden sich nur 
im nördlichen Theile des Gebirges. 

So finden sich die Posidonienschichten in erheblicher 
Mächtigkeit südlich von Oerlinghausen mit Belemnites acuarius 
Schlot., Amm. communis Sow. etc. — 

t Kreideformation. 

Schichten mit A mmonites bi di chotomus. 
Von der mächtigen Sandsteinbildung der unteren Kreide 
gehören in unserem Profile nur die untersten 45 Fuss dem 
Neocom oder Hils an. Dieser durch Amm. bidichotomus cha- 
racterisirte Sandstein ruht bald auf Muschelkalk, bald auf Keu- 
per, bald auf Lias. Zwar wurden im Tunnel selbst keine or- 
ganischen Reste beobachtet, doch sind deren nördlich und 
südlich gekannt. Abgesehen von einigen neuen Funden hat 
F. Roeuer die wichtigsten Versteinerungen schon früher nam- 
haft gemacht. Die Funde bei Neuenheerse wurden 1852 im 
Jahrbuche für Mineralogie etc. p. 185 aufgezählt. Ueber die 
Einschlüsse nördlich gelegener Punkte ist derselbe Autor zu 
vergleichen 1. c. 1850 p. 385— 417, 1848 p. 786, 1845 p. 269. 
— Eine häufig vorkommende Lingula beschrieb Du^ker 
fPalaeont, Bd. L S. 130, Taf. XVIII. Fig. 9) als Lingula 
Meyeri, vielleicht identisch mit Lingula truncata Sow. (David. 
Brit. Cret. Brach. S. 6, Taf. I. Fig. 27, 28, 31). — 

Schichten mit Amnionitis Martini. 

Der gelbe Hilssandstein ist nach den im Tunnel erlangten 
Aufschlüssen durch eine 14 Fuss mächtige Grünsandbank von 
dem rothen Gaultsandstein getrennt. Der Grünsand besteht 
zum Theil aus einem äusserst festen, quarzigen Gestein mit 
eingestreuten Glaukonitkörnern, zum Theil aus einer Anhäu- 
fung meist lose verbundener Glaukonitkörner, zum Theil aus 
einem glaukonitischen Gestein, dessen Grundmasse ein thoniger 
Eisenstein von röthlicher Farbe bildet. 

Durch das Auffinden des Amm. Martini (d'Orb. p. 195, 
pl. 95 f. 7 — 10), welcher vollkommen mit den kleineren Exem- 
plaren der Barler Brege bei Ahaus übereinstimmt, wird ein 
Theil jenes Grünsandes mit Bestimmtheit als Aptien oder un- 



54 



terer Gault charakterisirt. Zugleich wird durch diesen Fund 
wahrscheinlich gemacht, dass Gesteine des unteren Gault, welche 
bisher nur an dem der holländischen Grenze zugekehrten 
Rande des westphälischen Kreidebeckens bekannt waren, sich 
in grösserem Maasse an der Zusammensetzung dieses Becken 
betheiligen und namentlich an der gesammten Nord- und Ost- 
Grenze in ihren Ausgehenden werden nachgewiesen werden. 

Schichten mit Ammonit es Milletianus. 

Die obere Partie des eben gedachten Grünsandes hat eine 
Reihe fossiler Reste geliefert, welche beweisen, dass hier die 
Folge der Versteinerungen dieselbe ist wie in den nördlich vom 
Harze gelegenen Gegenden, und dass dieser Theil des Grün- 
sandes dem mittleren Gault entspreche. Namentlich zeigten sich 
mehrere Exemplare von Amm. Milletianus d'Orb. t. 77; Amm. 
Raulinianus d'Orb. t. 68; Hamites cf. elegans d'Orb. pl. 133. 

Ferner Area carinata Sow. t. 44, 23 (d'Orb. pl. 313 
f. 1 — 3. Pictet u. Roux, Geneve p. 462, t. 37 f. 1). 

Pecten Darius d'Orb,. Prod. II. p. 139. (Wahrscheinlich 
nicht verschieden von Pecten orbicularis Sow. t. 186). 

Lima sp. ? 

Turbo sp.? 

Wahrscheinlich streicht auch diese Schicht durch den gan- 
zen Teutoburger Wald ; denn nahe an seinem Endpunkte fand 
ich im Bette der Ems im Liegenden der Schichten , welche 
sich durch Belemnites minimus und Amm. lautus als oberen 
Gault darstellen, Thone mit Eisensteingeoden, aus welchen 
sich zahlreiche Exemplare von Amm. tardefurcatus Leym. 
(Aube t. 18 f. 3, d'Orb. t. 71 f. 5) und Amm. Milletianus 
ausgelöset hatten. 

Schichten mit Ammonites splendens. 

Dem Grünsande des mittleren Gault ruht ein rother, eisen- 
schüssiger Sandstein auf, dessen Mächtigkeit 145 Fuss beträgt. 
In diesem Sandsteine steht das westliche Mundloch, des Tun- 
nels. Versteinerungen sind in dieser Ablagerung nicht selten. 
Namentlich zeigten sich: 

B e lemni tes minimus Lister, jedoch nur Exemplare 
mit verlängerter Spitze; cf. d'Orb., Pal. fr. t. 5 f. 6. 

Amm. splendens Sow., d'Orb. pl. 63, 64. Nicht selten. 



55 



Amm. auritus Sow., d'Orb. pl. 65. 

Amm. cf. Renauxianus d'Orb. pl. 27, nur im Abdruck. 
Hamites rotundus Sow., d'Orb. pl. 132. 
Tro chus sp. ? 

Trigonia sp. ? Mit dicken, wulstigen Rippen. 

Pinna sp. n. Bis 9 Zoll gross. Nicht selten. 

Ino c er amus concentricus Park., d'Orb. pl. 404. 
Häufig. v 

Pecten cf. Rauldnianus d'Orb. pl. 433 f. 6 — 9. 

Pecten Darius d'Orb., Prod. II. p. 139 (= ? Pect, or- 
bicularis Sow.); häufig. 

Janira Albensis d'Orb. Prod. II. p. 139. 

Terebratula sp. Grosse biplicate Form; ist breiter und 
hat schärfere Falten wie Ter. Dutempleana d'Orb. 

Holaster latissimus Agass. (-f- Hol. amplus d'Orb.), 
d'Orb. pl. 836, 837, 838 ; häufig. Ebenso in Frankreich in 
gleichem Niveau. 

Cardiaster sp. nov. Nicht selten. 

Der rothe Sandstein wird von einem weissen, gewöhnlich 
festen und dann in eckige Brocken zerfallenden, seltener 
erdigen, vielfach zellig zerfressenen und zuweilen knollig sich 
ablösenden Quarzgesteine überlagert, welches im weiteren Strei- 
chen sich in ächten Flammenmergel verwandelt. Die unteren 
2 Fuss sind mergelig und glaukonitisch. 

In dieser unteren Schicht wurden nur Spuren unbestimm- 
barer Zweischaler wahrgenommen. In den oberen Schichten 
fand sich ausser Pecten Darius 

Ammonites inflatus Sow. t. 778. 

Die in Rede stehenden Schichten sind an vielen Punkten 
deutlich aufgeschlossen, vorzüglich zwischen dem Bahnhofe 
von Altenbeken und dem Tunnel einerseits und Bahnhofe und 
dem Dorfe andererseits. Die Ansicht, welche zwei Schichten- 
complexe von der angegebenen Beschaffenheit im Gebirge zu 
sehen vermeinte, ist durchaus irrthümlich. Die scheinbare 
Wiederholung der Schichten mit Amm. inflatus und der sogleich 
zu erwähnenden beruht auf einer Verwerfung. Die Verwer- 
fungskluft selbst ist an den beiden genannten Punkten in sel- 
tener Deutlichkeit offen gedeckt und ihrem Fallen und Strei- 
chen nach zu beobachten. 

Das jüngste, sandige, nun folgende Gebilde der unteren 



* 



56 



Kreide ist ein rauher, lockerer, bunter Sandstein von grüner, 
violetter und rother Farbe. An fossilen Resten haben sich 
in demselben nur Spuren von Belemniten gefunden. 

Hierauf beginnen mit dem Sommer-Berge die kalkigen und 
mergeligen Gesteine der oberen Kreide; die unmittelbare Auf- 
lagerung derselben auf den Gault ist jedoch verdeckt. Doch 
ist ein einzelner Punkt vorhanden, an dem man die Schichten 
kennen lernt, welche das unmittelbare Hangende des Buntsan- 
des bilden. Durch die Senkung eines* Gebirgsstückes an der 
oben erwähnten Kluft ist ein vor dem Einflüsse der Denuda- 
tion mehr geschützter Raum entstanden, welcher von einem 
aschgrauen, lockeren, thonigen Gestein, welches sich beim 
Schlämmen gänzlich aufwäscht, ausgefülli ist. Die Organismen 
desselben 

Arnim onit es splend ens und 

Avicula gryphaeoides 
scheinen mit Sicherheit die Zugehörigkeit dieser Schichten zum 
Gault darzuthun. Denn kennt man auch Avicula gryphaeoides 
noch in der Tourtia nördlich des Harzes, so ist sie hier doch 
keine so häufige Erscheinung wie im oberen Gault, und Amm. 
splendens ist bisher, so weit uns bekannt, noch niemals in 
cenomanen Gesteinen, nur im Gault aufgefunden worden. 

Versteinerungsarmer Plänermergel 

von hellgrauer Farbe, bröckliger Beschaffenheit, lagenweise 
geordnete, kopfgrosse Kugeln eines sehr festen, thonigen Kal- 
kes von gleicher Farbe umschliessend, bildet, etwa 80 Fuss 
mächtig, die liegendste Schicht des Pläners, welche als solche 
schon von Becks gekannt ist. (Geog. Bern. üb. einige Theile 
des Münsterlandes, Karsten's Archiv Bd. 8.) Da dieser Mer- 
gel den Atmosphärilien keinen nachhaltigen Widerstand ent- 
gegensetzen kann, so bildet er an der Ostseite steile Abfälle, 
während er nach Westen zu von den schützenden, festen Varians- 
Schichten überdeckt ist. Besonders deutlich ist sein Verhalten 
zu beobachten am Sommer-Berge, der sich unmittelbar am 
Bahnhofe Altenbeken erhebt, und an der kleinen Egge, westlich 
von den Extersteinen, an der Strasse von Horn nach Schlangen. 
(Diese Lokalität wurde schon von F. Hoffmakk 1825 in den 
Annalen der Physik p. 30 beschrieben.) Ziemlich mit Recht 
gilt dieser Mergel als versteinerungslos. Erst nach langem, 



57 



sehr wiederholtem Suchen gelang es, ein Bruchstück einer 
specifisch nicht näher bestimmbaren Scyphia, ein Exemplar 
von Inoceramus striatus und Amm. varians aufzufinden. Diese 
Funde weisen nur auf Cenoman überhaupt hin, eignen sich 
aber zur genauesten Feststellung des Alters nicht. Dagegen 
können diese Mergel nach den Lagerungsverhältnissen kaum 
etwas Anderes als ein Aequivalent der Tourtia darstellen, dem 
die fossilen Reste in keiner Weise widersprechen. 

Schichten mit Ammonit es varians. 

Das Gestein ist ein bläulicher, fester Kalk, abgesondert 
in dicken Bänken, in Folge dessen er zu grossen Werkstücken 
besonders geeignet ist. Vielfach wird er von weiten Klüften 
durchsetzt, welche von Brauneisenstein angefüllt sind, der in 
früheren Jahrhunderten und auch gegenwärtig wieder bei 
Schwanei bergmännisch gewonnen wird. Wohl nirgendwo ist 
der Varians - Pläner in so grossartiger Weise aufgeschlossen 
als hier bei Altenbeken, zu beiden Seiten des „grossen Via- 
ducts", indem er zur Ausmauerung des Tunnels und zur Auf- 
führung der grossen Viaducte das Material lieferte. 

Unter den vielen fossilen Resten, welche er umschliesst, 
sind zu nennen : 

Ammonites varians Sow., d'Orb. pl. 92, Sharpe t. 8. 
So häufig auch dies Fossil ist, so wurde hier doch nie die 
aufgeblähte Varietät {Amm. Coupei Brongn., ISnv. de Paris pl. 6 
f. 3, Sharpe~ t. 8 f. 1 — 4) beobachtet. 

Ammonites navicularis Mast., Sharpe t. 18. Die Haupt- 
form Amm. Mantelli Sow. hat sich nicht gezeigt. 

Der am Harze diesem Niveau angehörige Amm. falcatus 
Mant. wurde, obwohl er dem westphälischen Becken nicht 
fremd ist (A. Roemer citirt ihn von der Waterlappe, und ich 
selbst hob ihn bei Essen auf), nicht gefunden. Dagegen fand 
sich eine andere Form, welche in den subhercynischen Hügeln 
constant höher zu liegen scheint, in zwei Exemplaren, nämlich: 

Ammonites Botomagensis Defr., Brongn. 

Dass Amm. Mayorianus d'Orb. trotz der sehr bedeuten- 
den- Aufschlüsse sich nicht zeigte, ist immerhin eine bemer- 
kenswerthe Thatsache, da er in der älteren Tourtia Westpha- 
lens und in dem jüngeren Rotomagensis-Pläner nördlich vom 
Harze häufig auftritt. Doch ist zu bemerken, dass diese Form 



58 



im Varians - Pläner am Harze anfangs gleichfalls vermisst 
(Jahrb. für Min. 1857 p. 785), später als Seltenheit aufgefun- 
den wurde (Zeitsch. d. deutsch, geol. Ges. Bd. XI. S. 33). 

Turrilites tuberculatus Bosc, Sharpe t. 25 f. 1 — 4, 
d'Orb. t. 144. 

Turrilites Scheuchzer ianus Boso., Sharpe t. 26 
f. 1-3, d'Orb. t. 146. 

Turrilites costatus Lam., Sharpe t. 27 f . 1 — 5, selten. 

Ino ceramus striatus Mant., Goldf. t. 112 f. 2. 

Pecten Beaveri Sow. t. 131. 

Pecten depr es sus Goldf. t. 92 f. 4. 

Plicatula inflata Sow. t. 409 f. 2. 

Pholadomya sp. n. 

Terebratula cf. biplicata Broc. 

Bhy nch orte IIa cf. Mantelliana Sow. t. 537 f. 5. 

Epiaster distinctus Ag. sp. (d'Orb. t. 861; Cotteau 
et Triger, Sarthe t. 26 f. 6, 7; Alb. Gras, Isere p. 55, t. 4 
f. 1, 2. Ueberall aus Cenomanien genannt. 

Holaster sp. ? häufig! Eine kleine globose Form, ähnlich 
der Darstellung des Holaster subglobosus bei Cotteau et Tri- 
ger, Sarthe t. 33 f. 7, 8. Vielleicht gleich Holaster altus Agass., 
Echin. Suiss. t. 3 f. 9, 10. — Gleiche Stücke lieferte der jün- 
gere cenomane Grünsand bei Dortmund, namentlich auch der 
Zeche Westphalia. 

Holaster nodulo sus Goldf. p. .149, t. 45 f. 6 = Ho- 
laster carinatus d'Orb., terr. cret. Echin. p. 104, t. 818. Da 
d'Orbigky sich auf Lamarck (An. sans vert. III. p. 26 No. 6) 
beruft, Lamarck selbst aber die Bezeichnung von Leske (Klein, 
natur. disp. Echin. p. 245, t. 51 f. 3, 4) entlehnt, die beige- 
gebene Abbildung aber sicherlich nicht den Spatangus nodulo- 
sus und wahrscheinlich überhaupt keinen Holaster darstellt, 
vielmehr nicht bestimmbar ist, so muss die von Goldfuss ge- 
gebene Bezeichnung aufrecht erhalten werden. 

Discoidea cylindrica Agass., Echin. Suiss. t. 6 f. 13, 
15; = Galerites canaliculatus Goldf. t. 41 f. 1. In normaler 
Grösse, aber selten. Früher schien die Art nach v. Strombeck 
am Harze auf den Rotomagensis - Pläner beschränkt zu sein, 
doch hat sie sich nach neueren Mittheilungen auch dort im 
Varians-Pläner gezeigt (Zeitsch. d. deutsch, geol. Ges. Bd. XV. 
S. 114). 



59 



Discoidea subuculus Kl. Die specifische Bestimmung 
ist wegen sehr ungünstiger Erhaltung nicht zweifellos. 

Schichten mit Ammonites *Rotomag ensis. 

In dem ersten Eisenbahneinschnitte westlich von dem grossen 
Viaducte finden sich zuerst mergelige Gesteine, sodann weisse 
feste Kalke, die dem unteren, harten Brongniarti-Pläner gleichen. 
In beiden herrscht völlige Versteinerungslosigkeit ; denn ausser 
einem grossen Zahne von Ptychodus, welcher frei gefunden 
wurde und vielleicht noch dem Varians - Pläner entstammt, 
wurde kein Fossil gesehen. Wir haben es mit armen Roto- 
magensis'Schichten zu thun. So wenig diese Bänke auch dem 
Paläontologen darbieten, so haben sie doch für den Mineralo- 
gen Interesse, indem sie von flachen Kalkspathgängen durch- 
setzt werden, welche Skalenoeder umschliessen, die eine Grösse 
von 4 und 5 Zoll erreichen. 

Die Armuth an fossilen Resten ist übrigens nur sehr loka- 
ler Natur. So wie man sich nur wenig südlich wendet, trifft 
man an der nach Buke führenden Chaussee ein Paar unbe- 
deutende Aufschlusspunkte, in denen sich charakteristische Pe- 
trefakten in Menge zeigten: Amm. Rotomagensis, Amm. varians, 
Turrilites costatus, T. Scheuchzerianus, Scaphites obliquus, Plicatula 
inflata, Pecten orbicularis u. s. w. Das letzte Fossil hat uns 
vom Aptien an durch alle Schichten begleitet und spielt hier 
also eine ähnliche Rolle wie Monotis decussata in der Porta 
Westphalica. 

So lässt sich dieses Niveau nördlich und südlich verfolgen. 
Die befriedigendsten Aufschlüsse finden sich bei Lichtenau, wo 
in grösster Zahl alle jene Formen auftreten, welche nördlich 
vom Harze den Rotomagensis-Pläner charakterisiren : 

Ammonites Rotomagensis Defr. , Brongn. in Cuv. 
oss. foss. tom. II. p. 606, t. 6 f. 2; d'Orb. terr. cret. pl. 105; 
Sharpe t. 16 f. 1 ; mit Uebergängen zu Amm: Sussexiensis Mant. 
bei Sharpe t. 15 f. 1 und Amm. Cenomaniensis d'Archiac bei 
Sharpe t. 17 f. 1 ; wird 16 Zoll gross. Zerschlägt man ein 
grosses Exemplar, so tragen die inneren Windungen bei 1,5 Zoll 
Scheibendurchmesser in der Medianlinie des Rückens schmale, 
verlängerte Höcker, welche zusammenhangend einen knotigen 
Kiel bilden und stellenweise einen Knoten mehr tragen als die 
Seiten (Sharpe t. 18 f. 1 b). Bei 2,5 Zoll verschwindet diese 



60 



Bildung und bei 5,5 Zoll Grösse beginnen die Rippen über 
den Rücken fortzusetzen. — Sehr häufig. 

Ammonites varians Sow. Häufig. 

Ammonites navicularis Mant., Sharps t. 18 f. 1 — 3. 
Sehr selten. Nur zwei Exemplare wurden beobachtet. 

Ammonites M aj orianus d'Orb.? Bis 16 Zoll gross; 
nicht selten, aber alle Stücke ohne Einschnürungen. 

Nautilus elegans Sow. t. 116; d'Orb. t. 19; Sharpe 
t. 3 f. 2, t. 4 f. h 

Nautilus expansus Sow. t. 485; Sharpe t. 2 f. 3 — 5 
= Naut. Archiacianus d'Orb. t. 21. Durch die Nabelkante und 
feine Streifung der Schale leicht kenntlich. 

Scaphites aequalis Sow. t. 18 f. 1 — 3. 

Turrilites S cheuchzerianus Bosc. 

Turrilites lub erculatus Bosc. 

Hamites cf. armatus Sow. t. 168. Mit vier runden, 
dicken Knoten. 

Pleuroto maria perspectiv a Sow. t. 428; d'Orb. t. 196. 
Inocer amus striatus Mant., d'Orb. t. 405. 
Pecten depressus Goldf. t. 92 f. 4. 
Pecten Beaveri Sow. t. 138; Goldf. t. 92 f. 5. 
Lima intermedia d'Orb. t. 421 f. 1 — 5. 
Plicatula in f lata Sow. t. 409 f. 2; d'Orb. t. 463. 
Rhynchonella cf. Mantelliana Sow. 
Ter ebratula biplicata Broc. 

Discoid ea cylindrica Lam. (Galerites cylindricus Lam. 
Anim. sans vert. tom. III. p. 23 No. 13 == Galerites canalicu- 
latus Goldf. p. 128 t. 41). 

Ho last er cf. nodulosus Goldf. 

Holaster sub glob osus Leske. Klein, nat. disp. Echin. 
p. 240 t. 54 f. 2, 3; Agass., Echin. Suiss. (in Neue Denkschr. 
der Schweiz. Ges. für d. Naturw. Bd. III.) t. 2 f. 7— 9; die 
beste Darstellung bei Forbes, Mem. of the geol. Survey, dec. 
IV., t. 7 f. 1—4. Sehr häufig. 

Holaster sp. n. Der vorigen Art verwandt, aber mehr 
kugelig, mit abgestutzter Vorderseite und schmalen Fühlergän- 
gen. Sehr häufig. 

Von den genannten Formen waren Amm. Mantelli und 
Pecten Beaveri lange nur im unteren Cenomän gekannt, sind 
jedoch auch dort in jüngerer Zeit im Rotomagensis - Planer 



61 



aufgefunden worden (s. Zeitsch. d. deutsch, geol. Ges. Bd. XV. 
S. 114 u. 118). Scaphites aequalis, Turrilites Scheuchzerianus 
und tuberculatus scheinen auch bis jetzt dort in diesem Niveau 
noch nicht aufgefunden zu sein. 

, Da Nautilus elegans, N. expansus, Scaphites aequalis und 
Pleurotomaria perspectiva bei Altenbeken im Varians-Pläner wohl 
nur zufällig nicht gesehen sind, indem sie an anderen Punkten 
Westphalens in gleichem Niveau, wie bei Dortmund und Bo- 
chum und zum Theil bei Rheine, nicht selten beobachtet wur- 
den, so beruht die Verschiedenheit des Rotomagensis - und 
des Varians-Pläners wesentlich nicht auf der Verschiedenheit 
der Species, sondern auf der grösseren oder geringeren Indi- 
viduenzahl einiger Arten. — Ganz besonders ist noch die ver- 
tikale Verbreitung des gmm. Rotomagensis hervorzuheben. Am 
Harze auf den Rotomagensis - Pläner beschränkt, fanden wir 
ihn in Westphalen schon in den Varians-Schichten, und er- 
scheint er selbst schon in der noch älteren Tourtia. Hier zeigte 
er sich unweit Essen in den Schächten Prosper, Neu-Essen 
und Hoffnung und in den seit langer Zeit für Tourtia-Petre- 
fakten berühmten Fundpunkten, dem Böhnertschen Steinbruche 
und den Brüchen bei Frohnhausen, wo wir ihn selbst aufhoben. 

Schichten mit Inoceramus my tiloides. 

Auf der Bahn nach Westen weiter schreitend, findet man 
im Hangenden der Rotomagensis-Schichten den ziemlich festen, 
zerklüfteten, mergeligen, rothen Pläner anstehend. Da er weder 
beim Ackerbau, noch zu architektonischen Zwecken verwendet 
werden kann, so bietet er nirgendwo gute Aufschlussstellen. 
Doch ist er nach den auf den Feldern umherliegenden Brocken 
im Streichen gut zu verfolgen. So in der Richtung nach 
Schwanei und Herbram. Von Petrefakten wurde keine Spur 
angetroffen. Hiernach könnte man geneigt sein, diese Schich- 
ten den armen Rotomagensis-Schichten zuzuzählen, wenn nicht 
das Verhalten an anderen Lokalitäten unzweifelhaft ergäbe, 
dass der rothe Pläner den Mytiloides-Schichten angehöre. Ein 
solcher Punkt findet sich an der Ostseite des Teutoburger 
Waldes bei Stupelage zwischen Detmold und Bielefeld. Hier 
wechs«llagert rother und weisser Pläner, und beide sind er- 
füllt von zahlreichen Exemplaren des Inoceramus mytiloides. 

Kehren wir in unser enges Gebiet zurück, so sehen wir 



62 



den rothen Pläner von grauweissem, vielfach zerklüftetem Mer- 
gel überlagert, welcher zwischen den Wärterhäuschen 54 und 55 
in das Niveau der Eisenbahn tritt. Paläontologisch ist dieses 
Gestein charakterisirt durch das massenhafte Auftreten des 
Inoceramus my tiloides Ma^nt., Süss. t. 28 f. 2 ('= Myti- 
loides labiatus Brongn. in Cuv., oss. foss. t. 3 f. 4; = Inoce- 
ramus problematicus Sohloth. sp. bei d'Orb. t. 406), Goldf. 
t. 113 f. 4. Leicht an diesem nirgendwo fehlenden Fossil 
kenntlich, bildet dieser Mergel eine wichtige Stufe im West- 
phälischen Pläner. In südlicher Richtung tritt er dicht unter 
dem Gipfel des hohen Brocksberges, vom festeren Bron- 
gniarti-Pläner geschützt, hervor, streicht in ziemlich gerader 
Richtung weiter, dicht östlich an Lichtenau vorbei, nimmt hier 
eine westliche Richtung an und ist in dieser stetig am ganzen 
Südrande des westphälischen Kreidebeckens zu verfolgen. Auch 
nordwärts ist er gekannt, und selbst an dem äussersten Punkte 
des Plänervorkommens überhaupt, bei Oeding, ist sein Niveau 
angezeigt. 

Das an zweiter Stelle häufigste Fossil ist 
Bhynchonella Cuvieri d'Orb. t. 497; Davids, t. 10. 
Mit Uebergehung einiger anderer Brachiopoden ist das Vor- 
kommen kleiner Discoideen, welche an keiner Lokalität zu 
fehlen scheinen, hervorzuheben. 

Ehemals wurden alle hierhergehörigen kleinen Formen als 
Galerites subuculus zusammengefasst. Seitdem sind von Agassiz, 
Desor und Cotteau eine Menge Arten unterschieden und ver- 
schiedenen geognostischen Niveaus zugetheilt worden. Die 
Erkennung dieser Arten setzt Exemplare von vorzüglichster 
Erhaltung voraus, an denen alle Details deutlich sichtbar sind. 
Eines der vorliegenden Stücke zeigt auf jeder Ambulacraltafel 
nur ein Porenpaar, wodurch sofort zwei Arten: Discoidea mi- 
nima Ag. und Discoidea pentagonalis Cott. mit drei Paar Pedi- 
cellen-Oeffnungen auf einer Platte von der Betrachtung ausge- 
schlossen werden. Der Scheitelschild besteht aus 5 Augentäfel- 
chen und 5 völlig normal entwickelten und regelmässig gestell- 
ten Genitalstücken, deren jedes von einer Ovarial - Oeffnung 
durchbrochen ist. Hiernach liegt auch Discoidea subuculus Klein, 
mit nur vier normalen, durchbohrten, unregelmässig gestellten 
Genitalstücken, nicht vor. Diese Art ist auch noch sonst ver- 
schieden, ihre Basis mehr eingedrückt, ihr Peristom grösser 



63 



u. s. w. Discoidea decorata, conica und turrita, dem Gault 
angehörig, sind durch den Scheitelschild und anderweitig hin- 
reichend unterschieden. Da auch Discoidea cylindrica nicht in 
Frage kommen kann, so bleiben nur noch Discoidea infera und 
Discoidea Archiaci übrig. Letztere, durch ein rundes Periproct 
kenntlich, muss auch von der Untersuchung ausgeschlossen 
werden. Es erübrigt also nur Discoidea infera Desor, von der 
Cotteau angiebt, dass sie ein regelmässiger Begleiter des Ino- 
ceramus mytiloides sei. Der von Cotteau vergrössert gezeich- 
nete Scheitetschild (Pal. franc., terr. cret. t. 1013 f. 6) stimmt 
gut mit unserem Stücke überein. Dagegen zeichnet Cotteau 
ibid. f. 4 die Poren nebeneinander statt schräg übereinander und 
stellt auf den Interambulacraltafeln die in vertikaler Reihe 
stehenden grossen Tuberkeln nicht in die Mitte der Tafel, son- 
dern nähert sie den Ambulacren. Ausserdem giebt er bis sie- 
ben grössere Stachelwarzeil auf einer Platte an, während wir 
nicht mehr als drei dergleichen sehen. Diese Widersprüche 
lösen sich grossentheils durch die Darstellung, welche in den 
Echinides du departement de la Sarthe par Cotteau et Triger 
t. 63 f. 4 (wozu leider der Text noch fehlt) gegeben wurde. 
Hier stehen die Poren schräg und die Hauptstachelwarzen 
ziemlich in der Mitte der Tafel. Auch erkennt man hier besser 
die Anordnung der feinen Granula in Reihen, welche alle der 
im Mittelpunkte stehenden, grösseren Stachelwarze zustrahlen. 
So bleibt nur noch d'er einzige Unterschied, dass auch hier 
die Zahl der Stachelwarzen zu gross angegeben wird. Vor- 
läufig kann diese Verschiedenheit nicht als eine specifisch be- 
trachtet werden und ist deshalb die vorliegende Art mit Dis- 
coidea infera Des. zu vereinen. 

Viel häufiger als die eben betrachtete ist eine zweite 
Art, an der selbst mit scharfer Lupe weder die Poren noch 
die einzelnen Tafeln des Scheitelschildes zu erkennen sind. 
Der Rand und die Unterseite sind mehr aufgebläht als bei der 
vorigen Art, und die feine Granulation ist so dicht gedrängt, 
dass kein freier Zwischenraum bleibt. Sie hat Merkmale von 
Discoidea minima (Pal. fr. t. 1012 f 1—7; Echin. Sarth. t. 63 
f. 6 — 8) und Discoidea pentagonalis Cott. (Pal. fr. t. 1012 
f. 8 — 12). Die grössere Zahl der, vorliegenden Stücke theilt 
Grösse und Form mit Discoidea minima. 



64 



Weniger häufig ist die zierliche 

Salenia gr anulo sa Forbes. 
Sie wurde in mehreren Exemplaren am Uhrenberge bei Her- 
bram, bei Ebbinghausen und zwischen Dortmund und Hörde 
aufgefunden. * 

In Frankreich wird die Art aus Senonien von Beauvais 
u. s. w. und in England aus dem Lower Chalk von Dover 
erwähnt. Forbes führt sie zuerst auf fraglich als Salenia scu- 
tigera in Dixon's Geologie of Sussex p. 340 und gab t. 25 
f. 24 eine fast unkenntliche Abbildung. Vier Jahre später 
führte er sie (in Morris Catal. of Brit. Foss.) als neue Art 
unter dem Namen Salenia granulosa ein. Desor (Synop. des 
Echin. foss. p. 152) führt sie als Salenia incrustata Cott. auf. 
Cotteau endlich gab Pal. franc., terr. cret., Echin. irreg. p. 167^ 
t. 1089 f. 6 — 21 eine treffliche Darstellung der Art, wodurch 
erst eine Vergleichung ermöglicht ist. Leicht kenntlich ist die 
Art an dem grossen eigenthümlich granulirten Scheitelschilde. 
Der Rand desselben ist, was Cotteau übersieht, gewöhnlich 
mit einem Kranze feiner Körner, am deutlichsten an den Augen- 
täfelchen, umsäumt. Die ganze Gestalt sehr niedrig. Zahl der 
Interambulacraltafeln vier, daher nur zwei bis drei grosse 
Stachelwarzen. 

Ausser einigen weniger bedeutenden Vorkommnissen ist 
noch eines wichtigen Fossils zu gedenken, des 

Ammonites Cunningtoni, 
den Sharpe, Descrip. of the Fossil Remains ofMolluska found 
in the Chalk of England p. 35 t. 15 darstellt. Er ist mit dem 
Amm. Rotomagensis verwandt, was ersichtlich wird, wenn man 
durch Zerschlagen eines Stückes die inneren Windungen bloss- 
legt. Bei Essen, Bochum, Langendreer, Dortmund, Fröhmern 
ist die Art an keiner Stelle selten. Dort ist sicher darauf zu 
rechnen, dass, wo der Mytiloides-Mergel -ansteht, man auch den 
Amm. Cunningtoni zu Gesicht bekömmt. 

Herr v. Strombeck hat den Amm. Rotomagensis in zwei 
4 bis 5 Zoll grossen Exemplaren bei Fröhmern im Mytiloides- 
Mergel gefunden (Zeitsch. d. deutsch, geol. Ges. Bd. XI. S. 47). 
Ohne Zweifel sind auch "dies innere Windungen von Amm. 
Cunningtoni. 

Ammonites Leivesiensis Mant. (cf. v. Strombeck 1. c. p. 46) 
im südlichen Westphalen weniger häufig als der eben ge- 



65 



nannte wurde gleichfalls in unserem Distrikte noch nicht auf- 
gefunden. 

Schichten mit Inoceramus Brongniarti. 

Den Mergeln des Mytiloides-Pläners ist eine Schichten- 
folge aufgelagert, welche unten feste, häufig zellig angefressene 
Kalke, weiter oben mergelige, dem normalen Plänervorkommen 
petrographisch ähnliche, dünngeschichtete Bänke zeigt. Hin 
und wieder bemerkt man geringe Ausscheidungen von Horn- 
stein und gelegentlich lockere, erdige Partien. 

Die von diesen Gesteinen umschlossene Fauna ist eine 
der Arten- wie Individuenzahl nach sehr geringe. Eine Spon- 
gie fällt durch die zierliche, regelmässige Form auf. Es ist 
ein doppelt kegelförmiger, oben niedrig kugelförmiger, unten 
verlängerter, in einen Stiel verlaufender Schwamm. Die Ober- 
seite zeigt eine grosse centrale Oeffnung mit vorstehendem 
Rande. Das Gewebe ist an der Oberfläche dicht, im Innern 
etwas lockerer. Unregelmässige Eindrücke wie bei Scyphia 
fungiformis Goldf. t. 65 f. 4 fehlen gänzlich. Es ist eine neue 
Art der Gattung Camerospongia , welche sich zwischen Cam. 
fungiformis und Cam. campanulata stellt (vergl. Roemer, Spongit. 
in Palaeont. $d. XIII. 1. und 2. Lief. p. 5). 

Holaster planus Mant. sp. (Sussex, t. 27 f. 9 u. 21, 
schlecht; d'Orb., Pal. franc., Echin. t. 821). Selten. 

Infulaster exc entricus (— Spatangus excentricus Rose, 
in Woodward's Geology of Norfolk 1. 1 f. 5 ; — Cardiaster ex- 
centricus Forbes, Geol. Survey Decad. IV. t. 10 f. 1 — 18; 
= Cardiaster Hagenowi d'Orb., Paleont. franc., Echin. t. 832 
f . 1 — 7; == Infulaster Borchardi Hag. in Desor, Syn. des Echin. 
foss. p. 348, t. 39 f. 1 — 5). Selten. 

Diese beiden Echiniden wurden ebenfalls als grosse Sel- 
tenheit in den Galeriten-Schichten von Graes bei Ahaus beob- 
achtet. Dort zeigte sich auch die aus dem Mytiloides-Mergel 
bekannte Salenia rugosa, welche auf Unter-Turon beschränkt ist. 

Das verhältnissmässig häufigste Fossil ist 

Inoceramus Brongniarti Mant., Sussex, t. 27 f. 6, 
t. 28 f. 1 u. 4 (die beiden letzten Abbildungen von Maktell 
Inoceramus Cuvieri genannt); Golde, t. 111 f. 3 und Inocera- 
mus annulatus Goldf. t. 110 f. 7; Inoceramus cordiformis Sow. 

Zeitsehr. A. A geol Ges. X VIII. 1 . 5 



66 



t. 440, bei Goldf. t. 110 f. 6 b.'; v. Stromb. Zeitsch. d. deutsch, 
geol. Ges. Bd. XL S. 49, Bd. XV. S. 321. 

Ammonites Woolgari Mant., Fossils of the South 
Downs t. 21 f. 16, t. 22 f. 7; Sow., Min. Conch. t. 587 f. 1 
Sharpe t. 11 f. 1, 2 (non Arnim. Woolgari Mant. bei d'Orb., 
terr. cret. t. 108 f. 1 — 3 — Amm. Vielbancii d'Orb., Prodr. IJ. 
p. 189); -f- Amm. Carolinus d'Orb., terr. cret. t. 91 f. 5-6; 
-\- Amm. Bravaisianus d'Orb. ibid. t. 91 f. 3 — 4 und Sharpe 
t. 28 f. 7. Die. Art wurde namentlich südlich von Haaren und 
auch nördlich von Büren im Brongniarti - Pläner beobachtet. 
Aus dem gesammelten Material ergiebt sich, dass diese Art in 
der That in den verschiedenen Alterszuständen die Formver- 
schiedenheiten zeigt, wie sie recht gut bei Sharpe dargestellt 
sind. Es ergiebt sich aber auch weiter, dass in der Jugend 
nur ein glatter Rückenkiel vorhanden ist; erst bei 30 bis 
35 Mm. Durchmesser wird der Kiel sägeförmig. Deshalb ist 
auch der glatt gekielte, sonst völlig übereinstimmende Amm. 
Bravaisißnus d'Orb. synonym mit Amm. Woolgari. 

Ammonites Leiu esiensis Mant., Fossils of the South 
Downs t. 22 f. 2, Sharpe p. 46, t. 21 f. 1. Die Stücke sind alle 
wenigstens fussgross, und wie bei den Vorkommnissen der Myti- 
loides-Mergel bildet die steile Suturfläche mit der Seite eine 
Kante. Die Seiten sind mit kurzen, wulstartigen Rippen ver- 
sehen , welche den Rücken nicht erreichen. Auf dem letzten 
Umgange zählt man 15 Rippen. Die Exemplare aus den Myti- 
loides-Mergeln zeigen nur 10 und zugleich weniger stark her- 
vortretende Rippen. 

Schichten mit Micr aster Leskei. 

Oestlich vom Dorfe Neuenbeken gelangt man in eine Zone, 
wo in der Gesteinsbeschaffenheit, namentlich auch gegen den 
oberen, noch zu besprechenden Pläner, ein auffälliger Gesteins- 
wechsel stattfinde. Keine Absonderung in glatte, parallele Bänke. 
Das Gestein löset sich unregelmässig wulstig ab, ist fester, 
dunkeler und zeigt auf den Ablösungsflächen einen dunkelgrauen 
bis schwarzen Anflug. Zuweilen bemerkt man auch Glaukonit- 
körner, bald vereinzelt, bald mehr gehäuft. 

Diese Schichten bilden weithin das Liegende der viel 
mächtigeren Ablagerung mit Epiaster brems. Südlich folgen sie 
der Linie, welche auf der v. Dechen' sehen Karte die Verbrei- 



67 



tung der nordischen Geschiebe angiebt und werden namentlich 
an derselben Stelle von der Chaussee geschnitten, welche von 
Paderborn nach Lichtenau führt. Südlich von Paderborn bil- 
den sie die Klippen bei Hamborn, welche v. Dechen durch 
grüne Farbe schon hervorhob u. s. w. 

Mit dem Gesteinswechsel zeigt sich auch eine sehr auf- 
fallende Veränderung in der Fauna, welche gleichmässig von 
den liegenden wie von den hangenden Schichten verschieden 
ist. Zunächst ist dieselbe negativer Natur. Von Inoceramen 
fanden sich nur wenige unbestimmbare Spuren. Von dem im 
jüngsten Pläner so häufigen Epiaster brevis wurde kein Exem- 
plar gesehen. Statt dessen tritt 

Micraster Leskei Desm. sp., d'Orb., Pal. fr., Echin. t. 869 
in grosser Häufigkeit auf. Die kurze Charakteristik Desor's 
„Espece facilement reconnaissable ä sa forme allongee et deprimee, 
a son sommet ambulacraire central et ses ambulacres tres - courts 
et ä peine concaves" stimmt zu unseren Exemplaren recht gut, 
doch hätte statt „central" richtiger ein wenig nach vorn ge- 
rückt gesagt werden können. 

Die grossten aufgefundenen Stücke gleichen sehr dem 
Epiaster Koechlianus d'Orb. (t. 856, 857), über dessen genaues 
Vorkommen nichts gekannt ist. Nur giebt Astier an, er 
stamme aus der Gegend von Castellane (Basses Alpes). Ob 
bei Castellane über Neocom und Cenoman noch jüngere Kreide- 
schichten erkannt, scheint nicht erwiesen, ist jedoch nach der 
Darstellung, welche Scipion Gras (Statist, miner. du depart. des 
Bass. Alpes p. 102) giebt, sehr wahrscheinlich und dürfte 
Epiaster Koechlianus diesen Schichten entstammen. Jedenfalls 
ist es eine Form, welche älterer Kreide fremd ist. 

Wie Micraster Leskei, so ist auch 

T er ebratula semi globosa Sow. in grösster Fülle der 
Individuen vorhanden, so dass hier das Hauptlager dieses 
Brachiopoden ist. 

Auch zeigte sich Spondylus spinosus Sow. Die Bänke sind 
überhaupt reich an mancherlei Vorkommnissen, doch war bis- 
her noch nicht möglich, dem festen Gesteine weitere deutliche 
und bestimmbare Formen abzugewinnen. Spuren zeigten sich 
von Scyphia, Pleurostoma, Salenia, Holaster, Pentacrinus, 
Asterias, Rhynchonella und Lima. An den von den Atmosphä- 
rilien angefressenen Flächen treten ausserdem viele Foramini- 

5* 



68 



feren und Bryozoen hervor; bemerkenswerth darunter die weit 
verbreitete Truncatula carinata d'Orb., Terr. cret. tom. V. p. 
1058 t. 797. 

Auffallend ist das gänzliche Fehlen der Cephalopoden, 
doch theilen die in Rede stehenden Schichten diese Eigentüm- 
lichkeit mit dem längst gekannten Turon-Grünsande im süd- 
lichen Theile des Kreidebeckens. Beide, zwischen Brongniarti- 
und Cuvieri- Pläner eingelagert, entsprechen den Scaphiten- 
Schichten nördlich vom Harze. Wenn die Lagerungsverhält- 
nisse dies auch schon höchst wahrscheinlich machen, so wird 
es doch noch weiter bewiesen, wenn man diese Schichten im 
Streichen nordwärts verfolgt. Nachdem sie sich bei Kohlstädt 
völlig versteinerungslos erwiesen haben, umschliessen sie bei 
Berlinghausen und Bielefeld alle die eigenthümlicnen Formen, 
welche am Harze die Scaphiten-Schichten charakterisiren, ins- 
besondere die Helicoceren, Turriliten und Hamiten u. s. w. 
Die häufigsten Fossile sind dort zwei Echiniden: Micraster 
Leskei und Infulaster excentricus. Das letztere gehört zu den 
charakteristischsten organischen Einschlüssen der Scaphiten- 
Schichten Westphalens. Während es in den Brongniarti- und 
Cuvieri-Schichten nur selten einmal gesehen wurde, liegt es im 
Scaphiten-Pläner in grosser Fülle der Individuen. Auch auf 
Wollin, von wo der mit unserer Art synonyme Infulaster Bor- 
cliardi Hag. stammt, kommt er gemeinschaftlich mit Micraster 
Leskei vor; denn Micraster Hagenowi Boroh. in Mns. ist eben 
nichts Anderes als Micraster Leskei. 

Schichten mit E piaster brevis 
(Cuvieri-Pläner.) 

Der Gesteinsbeschaffenheit nach besteht diese mächtige 
Schichtenfolge aus weissgrauem , magerem, dünngeschichtetem 
Kalke von geringer Festigkeit. Nur selten treten wenig mäch- 
tige y Lagen zerbröckelnder Mergel auf. Dieser Pläner setzt 
die der Stadt Paderborn zunächst liegende Erhebung fast auf 
eine Meile weit zusammen und ist bis zu den Orten Borchen, 
Dörenhagen und Bensen in vielen bedeutenden Steinbrüchen 
aufgedeckt. 

Eine blosse Liste der gefundenen fossilen Reste würde 
ein gänzlich falsches Bild von dem Charakter der Fauna dieser 
Schichten liefern. Denn unter den verschiedenen zu nennenden 



69 



Formen sind kaum mehr als zwei, welche überall in grosser 
Häufigkeit vorhanden sind, und nach denen man sich auch an 
den kleinsten Aufschlussstellen nicht vergebens umsieht. 

Das wichtigste Fossil ist ein Echinid aus der Abtheilung 
der Spatangiden, welches schon Goldfuss von Paderborn als 
Spatangus gibbus (p. 156, t. 48 f. 4) abbildete und beschrieb. 
Von späteren Schriftstellern ist die Selbstständigkeit dieser Art 
bezweifelt worden und dieselbe namentlich durch d'Orbigny mit 
Micraster cor anguinum vereint worden. Diese Bestimmung ist 
um so weniger richtig, als wir es mit einem Micraster in d'Or- 
BiGNY'schem Sinne nicht zu thun haben, sondern mit einer Art 
der Gattung Epiaster, d. i. einem Micraster ohne Subanal - 
fasciole. 

Vergleichen wir weiter Lamarck, welcher die Art Spatan- 
gus gibbus (Animaux sans vertebres p. 33 No. 18) aufstellte, 
und die Abbildung Encycl. method. pl. 156 f. 4, 5, 6 citirt, so be- 
finden wir uns in dem bei älteren Abbildungen von Spatangi- 
den seltenen Falle, mit ganzer Sicherheit die Art wieder erken- 
nen zu können. Nach diesem Vergleich gehört Micraster gibbus 
Lam. dem jüngsten Senon an. Zwar selten, scheint die Art 
doch weit verbreitet zu sein. Ich fand sie bei Krakau, Haldem, 
Holtwick, Aachen und besitze sie ohne nähere Kenntniss des 
Fundortes aus England , und endlich liegt sie (ohne Schale) 
aus der Gegend von Nizza vor. Sie hat eine flache Basis, 
einen tiefen Einschnitt der Vorderfurche, einen hervortretenden, 
schön gebogenen Kiel und ist hoch pyramidal. Eine Subanal- 
fasciole ist nicht vorhanden. Die Art von Paderborn ist ringsum 
so gewölbt, dass die ganze Gestalt grosse Aehnlichkeit mit 
Holaster subglobosus hat. Die Vorderfurche macht nur eine 
schwache Einbuchtung; der Kiel am Rücken tritt kaum hervor, 
und ebenso ist der Scheitel durchaus nicht ungewöhnlich er- 
haben. Dagegen ist die hohe, pyramidale Gestalt sehr charak- 
teristisch bei Spatangus gibbus in Encycl. meth. t. 156 f. 6 
wiedergegeben. Goldfuss entging dieser Unterschied nicht, 
und er lässt deshalb in seiner Diagnose den LAMARCK'schen 
Zusatz „vertice elato" fort. 

Die Paderborner Form steht in den grössten Exemplaren 
nahe dem Micraster Matheroni Des. (d'Orb. p. 203 t. 864 und 
865). D'Orbigny giebt die Art auch als charakteristisch für 
sein etage turonien an. An die Zugehörigkeit zu dieser Art ist aber 



70 



nicht zn denken, da d'Orbigny das Vorbandensein einer brei- 
ten, querovalen Subanalfasciole betont, welche entschieden an 
unseren Echiniden nicht vorhanden ist. 

Im Catalogue raisonne des Echinides (Annales des sciences 
naturelles, zool., tom. VIII. 1847, p. 24) begründet Desor die 
Art Micraster brevis auf Micraster latus Sism. (Mem. Echin. foss. 
Nizza p. 29, t. 1 f. 13, in Memorie de la Reale Aeademia delle 
Science di Torin o 1844) und Spatangus gibbus Goldf. (non 
Lam.) p. 156, t. 48 f. 4. Sismonda giebt zwar nur die obere 
Ansicht, wodurch die Wiedererkennung sehr erschwert wird, der 
Umstand aber, dass der Zwischenraum zwischen den Poren- 
gängen eines Ambulacrum doppelt so breit und noch breiter 
ist, als ein Porengang selbst, macht es unzweifelhaft, dass 
Spatangus gibbus Goldf. nicht vorliegt, wenn auch sonst der 
Umriss stimmt. Die Bezeichnung Micraster brevis kann deshalb 
nur auf die Art von Goldfuss angewendet werden. 

Sehr richtig erkennt Desor 1. c. p. 24 den richtigen Mi- 
craster gibbus Lam., wofür er nur Encycl. meth. t. 156 f. 4 — 6 
citirt, wohin noch als zweite Darstellung gehört Dixon, Geol. 
of Sussex t. 24 f. 5, 6 und vielleicht Spatangus rostratus Maht., 
Foss. of the South Downs p. 192, t. 17 f. 10 u. 17. In der 
Synopsis des Echinides p. 365 ändert , Desor die Ansicht und 
vereinigt den Spatangus gibbus Goldf. mit Spatangus gibbus 
Lam. Wir können hier Desor nicht beipflichten und behalten 
die Bezeichnung 

Epiaster brevis Desor sp., Cat. rais. (non Micraster 
brevis Desor, Synop. p. 364; Syn. Spatangus gibbus Goldf., 
non Lam.) bei. Cotteau und Triger stellen neuerlich Micraster 
gibbus Goldf. und Micraster brevis Des. zu Micraster cor testu- - 
dinarium Goldf., Ag. (Echinides du departement de la Sarthe 
p. 32Q.) 

Von Micraster Leskei Desm. wurden ein paar Exem- 
plare beobachtet. Als grosse Seltenheit wurde auch Infulaster 
excentricus gefunden. 

Häufiger als auf die beiden letztgenannten Echiniden stösst 
man auf Ananchytes ovatus Lam. = Echinocorys vulgaris 
Breyn, d'Orb., wie gegenwärtig die Species aufgefasst wird. 
Alle Exemplare sind etwas kugelig, kurz und hoch, zwischen 
Basis und Seiten gerundet. Die am meisten zutreffende Ab- 
bildung bei d'Orbigny, Pal. franc., terr. cret. t. 805 f. 3. Die 



71 



verlängerten Formen, welche zugleich weniger hoch, deren 
Seiten weniger gewölbt sind, und deren durchschnittliche Grösse 
zugleich viel erheblicher ist. kenne ich nur aus der Belemni- 
tellen-Kreide (d'Orb, t. 804). 

Von anderen Echiniden fanden sich nur Bruchstücke von 
Cidariden. und zwar einzelne Täfelchen und grosse gekörnte 
oder gedornte Stacheln von 

Cidaris s c eptife r a Ma^"t., Desor, Synop. p. 13, t. 5 
f. 28; Cotteae Pal. franc. t. 1056. 

Von Bivalven beherrschen Inoceramen ausschliesslich das 
ganze Gebiet und bestimmen wesentlich den Gasammtcharakter 
der Fauna. Die deutlichste und häufigste Form ist Inoceramus 
Cu vieri Goldf. t. 111 f. 1. Die Darstellung bei Sowerby 
t. 441, auf welche Goldfcss sich beruft, ist nicht mit Sicher- 
heit zu erkennen. 

Auch Inoceramus latus Sow. t. 582 f. 1, 2 ist nicht selten. 
Die sonst noch citirten Abbildungen sind weniger zutreffend. 

Hierneben findet sich die leicht in die Augen fallende Form 
des Inoceramus Brongniarti, und zwar die flachere von Goldfuss 
Inoceramus annul atus (p. 114. t. 110 f. 7} benannte Va- 
rietät. Dies Vorkommen fällt weniger auf, sobald man sich 
erinnert, dass dieselbe Art ebenfalls der nächst älteren Schich- 
tenfolge als Seltenheit angehört. Namentlich wurde sie im 
Grünsande bei Unna beobachtet. 

Von Ostrea. Exogyra, Spondylus und Lima haben sich 
nur undeutliche Reste gezeigt. Dasselbe gilt von Patella und 
Pleurotomaria. 

Von Cephalopoden sind Belemniten im ganzen Gebiete 
der Turon- Bildungen nicht gekannt und haben sich auch in 
den in Rede stehenden Schichten noch nicht gezeigt. *>) 

Von Nautilus findet sich eine glatte Art, aber stets in 
verdrückten Exemplaren, welche nicht näher bestimmbar sind. 

Ammonites p er amplus Mant. fand sich in mehreren 
Exemplaren, doch nur das, was als Jugendform gilt und von 
d'Orbig>~y Arnim. Prosperianus genannt wurde. Unsere'Stüeke stim- 

*} Dagegen finden sie sich im älteren Cenoman. So ist Belemnites 
vera in gewissem Niveau des Grünsandes mit Ammonites oarians die häu- 
figste "Erscheinung an allen Aufschlusspunkten bei Essen, Bochum, Lan- 
gendreer u, s. w. Belemnites idtimus, der Tourtia von Essen angehörig, 
zeigt sich weniger häufig. 



72 



men gut mit den Abbildungen von d'Orbigny (t. 100 f. 3, 4), 
Sharpe (t. 10 f ; 2, 3), Geinitz (Quad. t. 5. f. 1) und Dixon 
(Geol. of Süss. t. 27 f. 22). 

Ammo nit es May orianu s d'Orb t. 79 (-— Amm. planu- 
latus Sow. t. 570 f. 5, Sharpe, Descr. of the foss. Remains 
of Moll, found in the Chalk of England t. 12 f. 4), in mehreren 
2| bis 6 Zoll grossen Exemplaren bei Paderborn und Rothen- 
felde gefunden, ist in diesen jungen Schichten eine sehr auf- 
fallende Erscheinung, da die Art sonst nur in oberem Gault 
und im Cenoman bekannt , ist. Alle Stücke zeigen zahlreiche 
nach vorn gebogene Rippen auf dem runden Rücken, welche 
bis zu ~ der Seiten hinabreichen und sich dann verlieren. 
Ueberhaupt stimmt die ganze Form und alle Einzelheiten, so- 
weit verschiedene Erhaltung einen Vergleich zulässt, mit Exem- 
plaren aus cenomanen Schichten Westphalens und dem Gault 
des südlichen Frankreichs bis auf den Umstand, dass bei 
unseren jüngeren Vorkommnissen die Einschnürungen der Schale 
keine ^förmige Biegung auf den Seiten darstellen, wie alle 
Stücke aus älterem Niveau zeigen, sondern gleich von der 
Sutur an eine schwache Neigung nach vorn l^aben und mit 
Beginn der Rippen sich stärker der Mündung zuneigen. Be- 
stätigt es sich, dass - die Art durch Mytiloides-, Brongniarti- und 
Scaphiten-Schichten nicht hindurchgeht, so dürfte in jener Ver- 
schiedenheit ein specifisches Merkmal gefunden werden. 

Die Angabe, dass die Rippen nur auf der Oberfläche der 
Schale sichtbar seien, kann ich nicht bestätigen. Die mir zahl- 
reich vorliegenden Stücke, die auch von Escragnolles nicht 
ausgenommen, sind alle nur Kerne ohne Schale und zeigen - 
dennoch vollkommen deutlich die Rippen. Was übrigens die 
Artbezeichnung angeht, so dürfte der SowERBY'sche Name in 
der That Anspruch haben, wieder aufgenommen zu werden. 
(Vergl. auch F. v. Hauer, Sitzungsberichte der kais. Akad. d. 
Wissensch. Bd. 44 p. 654.) 

Ammo nites s ub tri carinatus d'Orb., Prodr. II p. 212 
(— Amm. tricarinatus d'Orb., Pal. franc., terr. cret. I. p. 307, 
pl. 91, f. 1, 2.) Die Zahl der Umgänge, die geringe Involu- 
bilität und Windungszunahme, die Zahl der an der Sutur in 
einem Knoten beginnenden und in 1 oder 2 Knoten gegen 
den Rücken zu endenden Rippen hat unser Vorkommen mit 
dem französischen gemein. Doch ist die charakteristische 



73 



Rückenbildung kaum mehr wahrzunehmen, da das einzige 
bisher aufgefundene Exemplar völlig zusammengedrückt ist. 
Trotzdem erleidet die Richtigkeit de£ Bestimmung keinen 
Zweifel. 

Die Art hat eine weite Verbreitung. Durch Drescher 
neuerdings auch in Schlesien bei Kesselsdorf unweit Löwen- 
berg und bei Ullersdorf bei Naumburg am Queis nachgewiesen 
(Zeitsch. d. d. geol. Ges. Bd. XV, S. 331), der Vergesellschaf- 
tung nach (ScapMtes inflatus, Panopaea gurgitis, Pholadomya no- 
dulifera, Goniomya designata, Trigonia aliformis, Pinna diluviana) 
dem nächst jüngeren Niveau angehörig, welchem in Westphalen 
die untersenonen, sandigen Ablagerungen von Haltern, Dülmen 
etc. entsprechen. 

Ausserdem wird die Art soeben aus weiter Ferne, aus 
Californien, gemeldet (J. D. Whitney , geological Survey of 
California 1865, Jahrb. f. Mineral, etc. 1865, p. 731). Stoliczka 
in Calcutta hat sie ebenfalls aus Ostindien beschrieben (Memoirs 
of the Geol. Surv. of India, III, 1, p. 54, t. 31 f. 3). 

Endlich liegt noch ein Ammonit vor, der zu jenen kleinen, 
glatten, unbestimmten Formen gehört, deren Forbes mehrere 
von Pondicherry als Amm. Garucla, Sorna, Chrishna beschreibt 
(Geol. transact., 2 Ser. vol. 7, p. 102, 103, t. 7 und 9); zu 
näherer Bestimmung und Charakterisirung ist das vorhandene 
Material nicht geeignet. 

Ausser diesen eigentlichen Ammoniten sind auch noch 
mehrere andere vorhanden , deren Windungen sich nicht be- 
rühren, deren Deutung aber — sie sind nur in Bruchstücken 
überliefert — noch manche Zweifel übrig lässt. Hamites 
ellipticus Maht. aus Scaphiten - Schichten wohl bekannt, liegt 
nicht vor. Vermuthungsweise gehört der grösste Theil der 
Stücke zu Hamites plicatilis Sow. t. 234 f. 1, Mant. t. 23 
f. 1, 2. Doch scheinen constant mehr feinere Rippen (etwa 5) 
zwischen zwei etwas stärkeren, mit Knoten versehenen Rippen 
vorhanden zu sein , als die englischen Autoren angeben. Das 
Verhältniss, in welchem diese Formen zu ähnlichen aus ceno- 
manem Plärer stehen, wird noch näher zu untersuchen sein. 

Von 

S cap hites Geinitzi d'Orb., Prodr. tom. II. p. 214, 
von dem noch immer eine gute Darstellung fehlt, wurden ein 
Dutzend Exemplare gefunden. Er erreicht eine Grösse von 



74 



2,5 Zoll rh. Gewöhnlich ist er in Folge des Druckes flach, 
-doch liegen auch ganz normale Exemplare vor, und diese 
zeigen dann, dass die äussere Knotenreihe der dicken Seiten- 
rippen nicht nur dem gestreckten Mittelstücke angehört, sondern 
nach innen und aussen zu weiter fortsetzt. Durch die innere 
Knotenreihe ist die Art in auffallender Weise von dem jüngeren 
Scaphites inßatus verschieden, mit dem die Form im Uebrigen 
verwandt ist. Doch ist letztere auch durch die Grösse (bis 
5 Zoll) ausgezeichnet. 

Von höheren Thieren fanden sich nur ein Paar Zähne 
von Corax hetero dort Agass. 

Das von niederen Organismen eine Menge schlecht er- 
haltener Bruchstücke von Spongien sich zeigen , ist bekannt. 
Häufig ist 

Tremospongia grandis Roem., Spongit. p. 40, t. 15 f. 3. 
Cos cinop ora cribrosa Roem., Nord. Kr. p. 9, t. IV, f. 2. 
Ma eandro spongia M orchella Roem., Spongit. t. XVIII 
f. 8 etc. 

Schichten mit Belemnitella qua dr ata. 

Am Fusse des Gebirges bemerkt man einzelne flache 
Erhebungen, welche offenbar einst zusammengehangen haben. 
Sie erstrecken sich zunächst zwischen Paderborn und Salz- 
kotten und werden nordwärts ungefähr durch die Orte Schar- 
mede und Neuhaus begrenzt. Zwischen Wewer und Neuhaus 
hat die Alme ein breites, flaches Thal in diesem Hügel aus- 
gewaschen. Die Ostseite des Hügels wird von der Pader be- 
spült. Die Fortsetzung dieser Erhebung tritt nach einer Unter- 
brechung durch Haide- und Wiesen -Terrain dicht am Bade- 
orte Lippspringe wieder hervor. Von hier ab verliert sie sich 
unter den Sandmassen der Senner-Haide, ist aber auch weiter 
in nördlicher Richtung ab und zu aufgedeckt, so bei Schlangen 
und* beim Gute Gierkenhof. 

Die gedachten Hügel bestehen ihrer petrographischen Zu- 
sammensetzung nach aus einem grauen, thonig kalkigen Mergel, 
der als solcher auf den Acker gebracht wird. Zuweilen werden 
die Schichten sandig, und an einzelnen Stellen finden sich feste, 
fueoidenreiche Platten. Diese Platten wurden namentlich S. 
W. von Elsen gewonnen und fanden bei der Verkoppelung der 
Grundstücke eine weite Verwendung als Grenzsteine. 



75 



Die südliche Grenze dieser Mergel kann bis auf wenige 
Schritte genau angegeben werden, indem der Bahnhof bei 
Paderborn schon auf oberstem Pläner steht, dem Bahnhofe aber 
quer gegenüber an der Nordseite der Chaussee, welche nach 
Salzkotten führt, ein Brunnen abgeteuft wurde, der unter einer 
Lehmdecke unseren Mergel zeigte. Der Mergel wurde in einer 
Mächtigkeit von zehn Fuss aufgeschlossen , das Liegende 
desselben aber nicht erreicht. Weitere Aufschlusspunkte sind 
die Langesche Ziegelei am Wege nach Elsen , wo die Sohle 
der Lehmgruben aus Mergel gebildet wird; ferner das östliche 
Ufer der Alme; mehrere flache Gruben und Gehänge südlich 
vom Hofe Kleemeier und besonders deutlich der Einschnitt, 
durch den die Curve der Eisenbahn nach Salzkotten gelegt ist. 

Wie petrographisch, so ist auch stratigraphisch das Ver- 
halten des Mergels von dem des Pläners verschieden. Im 
Pläner bemerkt man an jedem Aufschlusspunkte einen Fall- 
winkel von mehreren Graden , der Mergel dagegen lagert, wo 
überhaupt eine Schichtung sichtbar ist, söhlig. Durch diese 
Umstände wird anf eine Grenze im Schichtensysteme hinge- 
wiesen. Die organischen Reste ergeben ein gleiches Resultat. 
Versteinerungen sind allerdings selten, aber nach einigem 
Suchen fanden sich Bruchstücke von Ostrea und Pollicipes und 
endlich auch mehrere Exemplare von Belemnitella quadrata 
Blainville, Mem. sur les Belemnites t. I f. 9, und zwar nicht 
nur in den lockeren Mergeln, sondern auch in den festen 
fucoidenreichen Platten. Damit ist die Zugehörigkeit zum 
Senon, und zwar zum unteren Senon, dargethan, nachdem sich 
ergeben hat, dass die Trennung des Senon in Mucronaten- und 
Quadraten - Schichten nicht eine lokale Eigenthümlichkeit der 
nördlich vom Harze gelegenen Gegenden ist , sondern sich in 
gleicher Weise von Maastricht bis Krakau darstellt. 

Die Schichten des oberen Senon sind erst in grösserer 
Entfernung abgesetzt. 



In dem behandelten Districte waren bisher gekannt: Muschel- 
kalk, Keuper, Lias mit Gryphaea arcuata, Hilssandstein, rother 
Gaultsandstein mit Ammonites auritus und Pläner. Nur der 



76 



Berg- und Hütten-Ingenieur A. Vüllees kennt schon eine ge- 
nauere Gliederung des Gebirges. 1859 bezeichnete er in 
Nr. 64 der Zeitschrift „der Berggeist" im Pläner vier Ab- 
theilungen und trennte den Gault ebenfalls mit vier Gliedern 
vom Hilssandsteine. Leider konnte aber auf diese Unter- 
scheidung weiter keine Rücksicht genommen werden, da Vüllers 
in seinem Aufsatze, welcher, wesentlich technischer Natur ist, 
nur bei Zeichnung eines Durchschnittes diese specielleren Ab- 
theilungen angiebt, ohne sie näher zu erörtern. 



77 



6. Geogriostische Skizzen aus Virginia, Nordamerika. 

Von Herrn Hermann Grednkb aus Hannover. 

Eine die beiden letzten Monate des verflossenen Jahres 
in Anspruch nehmende Explorationstour in die Mineraldistrikte 
des östlichen Virginiens und eines Theiles von Nord-Carolina 
bot mir Gelegenheit, die geognostischen Verhältnisse jener Ge- 
genden mit besonderem Bezug auf ihren mineralischen Reich- 
thum kennen zu lernen. In einer der diesjährigen Nummern 
der berg- und hüttenmännischen Zeitung habe ich eine kurze 
Schilderung der Goldvorkommen Virginias gegeben, heute soll 
es versucht werden, einen allgemeinen Ueberblick über 
die Geologie desjenigen Theiles dieses Staates zu geben, wel- 
cher sich von den Gestaden des atlantischen Oceans bis nach 
den Allegany's ausdehnt. 

Im Osten des Kettengebirges der Allegany's ziehen sich 
zwei Granitzonen in vollständiger Parallelität unter sich selbst 
und mit dem ersterwähnten Gebirge, also in nordöstlicher Rich- 
tung durch Nord-Carolina und Virginia. Die eine von ihnen, 
die westliche, bildet im Verein mit der durch die Graniteruption 
bedingten Hebung der durchbrochenen silurischen Schichten 
den Gebirgskamm der Blue-ridge, während die andere, die öst- 
liche, mehr den Charakter eines bergigen, zum Theil schroffen 
Plateaus hat; beiden jedoch ist der Umstand gemein, dass sie 
als geologische Barrieren , als Scheidewände eruptiven Ur- 
sprungs zwischen den sedimentären Gebilden Virginias daste- 
hen. Während nämlich die westlichen Abhänge der Blue-ridge 
durch eine langgezogene Zone von silurischen Formationen ge- 
bildet werden und sich an die östliche Grenze der zweiten 
Granitkette tertiäre Schichten anlegen, gehören die zwischen 
der letzteren und der Blue-ridge lagernden Schiefer dem vor- 
silurischen, dem takonischen Systeme an. 

Der Umstand, dass, wie bereits angedeutet, die Formatio- 
nen, welche den geognostischen Untergrund Virginias bilden, 



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78 

in Gestalt langgezogener, paralle- 
ler Zonen zu Tage treten, macht 
es möglich , durch ein einziges, 
rechtwinklig auf deren Längener- 
streckung stehendes pebirgsprofil 
ein Bild des geognostischen Baues 
der sämmtlichen östlichen und mitt- 
leren Countys von Virginien zu - 
geben. 

Der flache, 30 bis 60 Miles 
breite, zu Virginia gehörige Land- 
strich, welcher in nur geringer 
Erhebung über den Spiegel des 
atlantischen Oceans dessen west- 
liches Gestade bildet, besteht aus 
eocänen und miocänen Mergeln, 
Sanden und Thonen, welche die 
vorhererwähnte Granitzone, wie 
verschiedene Aufschlusspunkte in 
der Umgebung Richmonds beobach- 
ten lassen, unmittelbar überlagern 
und entsprechend der oberen sich 
langsam senkenden Grenze des sie 
unterteufenden Granites nur unter 
wenigen Graden gegen Osten ein- 
fallen. Auf dem eruptiven Unter- 
grunde ruht zuunterst ein brauner 
oder röthlichgrauer Sandstein und 
auf diesem eine nur wenige Fuss 
mächtige Schicht eines groben Con- 
glomerates, welches aus abgerun- 
deten, aus den westlichen Theilen 
Virginias stammenden Gerollen 
und einem eisenhaltigen, äusserst 
harten Cemente besteht. Dieses 
Conglomerat wird von einem grün- 
lichgrauen, plastischen Thon über- 
lagert, welcher Haifischzähne und 
Schalen einer Astarte umschliesst, 
während die beiden ersterwähnten 



79 



Gebilde versteinerungsleer zu sein scheinen. An anderen fos- 
silienreichen Punkten und zu früheren Zeiten angestellte Unter- 
suchungen haben das eocäne Alter dieser Schichtenreihe fest- 
gestellt. Auf sie folgt ein 15 Fuss mächtiges Bett von schnee- 
weisser, kieseliger Infusorienerde, welche direkt vom Alluvium 
bedeckt ist, und aus welcher Ehrenberg über 100 Diatomeen- 
Species beschrieben hat. 

Die gegen Westen hin anschliessende, nächste Parallelzone, 
welche, wie bereits angeführt, aus granitischen Gebilden be- 
steht, schwankt in ihrer Breite zwischen 20 und 30 Miles und 
ist — freilich meist von 5 bis 10 Fuss hohen Alluvial-Ge- 
röllen bedeckt — von Raleigh in Nord-Carolina über Peters- 
burg und Richmond bis nach Washington zu verfolgen. Der 
Granit selbst variirt in seinem Charakter in allen möglichen 
Spielarten; seine Gemengtheile können ein fein- oder grobkör- 
körniges Gestein bilden, Feldspath, Quarz und Glimmer 
können in gleichen Verhältnissen auftreten , Glimmer kann 
beinahe völlig verschwinden oder die beiden anderen Minera- 
lien fast vollständig verdrängen, porphyrische oder gneissartige 
Struktur und platten- oder schalenförmige Absonderung können 
in kurzen Distanzen miteinander abwechseln. Lagerartige Ein- 
schlüsse von erdigem Graphit sind nicht selten, ohne techni- 
schen Werth zu besitzen. Nach seiner westlichen Grenze zu 
geht der Granit constant in typischen, glimmerreichen Gneiss 
über, welcher fussmächtige Zwischenlagen von reinem, weissem 
Feldspath enthält, die das Material für die werthvollen Kaolin- 
Ablagerungen einiger nördlichen Countys abgegeben zu haben 
scheinen. 

Auf dem Rücken dieser Granit- und Gneisszone treten uns 
in einigen sporadischen Kohlenbassins Gebilde entgegen, welche 
vorweltlichen Binnenseen ihren Ursprung verdanken. Die Stein- 
kohlenflötze umschliessende Formation, deren typisches und 
bestaufgeschlossenes Beispiel das Clover Hill Coal Bassin ist, 
besteht aus einer mächtigen Folge von grauen, grobkörnigen 
Sandsteinen, deren Material augenscheinlich von dem benach- 
barten Granite herstammt. Sie umschliessen schwächere Zwi- 
schenlagen von bituminösen, dunklen Schiefern und erreichen 
mit diesen eine Mächtigkeit von 400 Fuss. Im unteren Niveau 
dieser Schichtenreihe liegen einige schwache Kohlenschmitze 
eingebettet, bis auf der Grenze von den sedimentären Schich- 



80 



ten und deren Unterlage von eruptivem Ursprünge ein mäch- 
tigeres Kohlenflötz auftritt, welches nur stellenweise vom Gra- 
nit durch ein wenige Zoll mächtiges Lager von Schiefern ge- 
trennt wird, meist aber auf jenem direkt aufliegt. Die Mäch- 
tigkeit dieses Bettes von bituminöser Kohle schwankt zwischen 
2 und 40 Fuss, indem sich seine untere Grenze an die Con- 
turen des Granites anschmiegt und so die Unebenheiten des 
damaligen Seebodens ausgleicht, während seine obere Begren- 
zungsfläche ziemlich eben ist und nur im grossen Ganzen der 
Gestaltung des granitischen Untergrundes folgt. 

Ueber das Alter dieser Gebilde sind verschiedene Ansich- 
ten aufgestellt worden, ohne dass ein allgemein angenommenes 
Resultat erzielt worden wäre. Ihnen ist bereits eine Zuge- 
hörigkeit zum permischen Systeme , zum bunten Sandsteine, 
zum Keuper und zum Lias octroyirt worden, ohne dass den 
übrigens schlecht erhaltenen Versteinerungen ein deutlich aus- 
gesprochener permischer, triassischer oder jurassischer Cha- 
rakter aufgeprägt wäre. Nach meiner Ansicht ist es unthun- 
lich zwischen solchen sporadisch auftretenden und auf einem 
ganzen Continente isolirt dastehenden, noch dazu versteinerungs- 
armen Gebilden und anderen fast durch ein Viertel des Erd- 
umkreises davon getrennten Formationen Parallelen ziehen und 
erstere in einen scharf begrenzten Horizont der letzteren ein- 
zwängen zu wollen. 

An der nördlichen Grenze Nord-Carolinas dehnt sich ein 
ungeheurer Morast, der Great dismal Swamp aus. Sein Boden 
wird bis zu einer Mächtigkeit von 25 Fuss von einer schwar- 
zen, moderigen, vegetabilischen Substanz gebildet, auf welcher 
sich, wo sie nicht von zu hohem Wasser bedeckt wird, mäch- 
tige Farrn und Schilfgewächse bis zu 10 und 15 Fuss Höhe 
und zwischen ihnen verschiedene Eichen- und Weidenarten er- 
heben.' Bäche und Flüsschen breiten ihr Wasser in diesem 
Sumpfe aus; die warme Sonne des Landes und die feuchte 
Atmosphäre über den verdunstenden Wassern begünstigen eine 
üppige Vegetation, welche von neuem Nachwüchse erstickt 
wird oder sonst abstirbt, zu Boden sinkt und dort die bereits 
abgelagerte Schicht von vegetabilischen Verwitterungsprodukten 
schnell anwachsen macht. Ich erblicke in diesem Vorgange 
ein deutliches Bild der Ablagerung der Schichten, , welche jetzt 
durch die isolirten kleinen Kohlenbecken von Virginia und 



81 



Nord-Carolina repräsentirt werden, zugleich aber einen Finger- 
zeig über die Unthunlichkeit des Parallelisirens jener mit euro- 
päischen Formationen. Wie konnte sich auch in dem Pflanzen- 
und Thierleben eines isolirten Süsswasserbeckens eine Aehn- 
lichkeit zeigen mit dem der ausgedehnten Meeresbildungen in 
entfernten Himmelsstrichen ? Ist eine unabhängige Stellung 
derselben nicht viel natürlicher? Ich betrachte ihre Bildung 
als eine durch verschiedene, mesozoische Perioden fortgedauert 
habende und als unabhängig von der Veränderung des organi- 
schen Lebens in den Oceanen geschehen. 

Nach Westen zu wird der beschriebene Granit von einer 
mächtigen Schichtenfolge von paläozoischen Schiefern überla- 
gert, welche eine im Durchschnitte 50 Miles breite Zone bil- 
den, die wiederum in dem Granite des schroff emporsteigenden 
Gebirgszuges der Blue-ridge ihre Begrenzung findet. In diesem 
ausgedehnten Schiefergebiete walten ein sehr glimmerreicher 
Glimmerschiefer, welcher Granaten in Menge umschliesst, helle 
Talk- und grünlichgraue oder dunkelgrüne Chloritschiefer vor, 
während Thonschiefer, und zwar dann ausgezeichnete Dach- 
schiefer, körnige Quarzite mit Syenit- und Hornblende -Ein- 
schlüssen, sowie glimmerige Sandsteine in geringerem Maass- 
stabe vertreten sind. In der Mitte ihrer Längserstreckung ist 
diese Schieferzone von einem weit zu verfolgenden, der Granit- 
kette parallelen Dioritzuge, der Buffalo-ridge und den South- 
Western-Mountains, durchbrochen , durch deren Eruption die 
Schichten emporgerichtet, und auf deren Rücken einzelne Schie- 
ferschollen mit in die Höhe gerissen worden sind. So fallen 
denn die oben genannten Schiefer auf der östlichen Seite des 
betreffenden Gebirgskammes gegen Südosten, auf dessen west- 
licher Seite gegen Nordwesten, also in beiden Fällen gegen 
den Granit und Gneiss, und zwar unter einem Winkel ein, der 
mit der Entfernung von den dioritischen Gesteinen immer 
kleiner wird, während ihre Streichungsrichtung auf beiden 
Flügeln dieselbe bleibt und ebenso wie die der Granitzone 
eine nordöstliche ist. Der Hauptdioritstamm scheint sich in 
der Tiefe verzweigt zu haben und sind die Enden dieser In- 
jectionen durch einzelne auf dem Schiefergebiete zerstreute 
Dioritkuppen repräsentirt, welche häufig von einem Gürtel von 
Aktinolith - Schiefer umgeben sind. Bei der Regelmässigkeit 
der stratigraphisohen Verhältnisse und der Gleichförmigkeit, 

Zeits. d.d.geol. Ges. XVIII. 1: 6 



82 



mit welcher diese Schiefer auftreten, würden sie weniger In- 
teresse bieten, wenn ihnen nicht als Muttergestein einer grossen 
Reihe der verschiedenartigsten Erzeinlagerungen ein grosser 
technischer Werth zu Theil geworden wäre. 

Die Erzlagerstätten treten in den von mir besuchten Thei- 
len Virginias in dreifacher Gestalt, entweder als Imprägnatio- 
nen, oder in Form von erzführenden Quarzeinlagerungen, oder 
als massive Lager, in keinem Falle aber als wahre Gänge auf. 
Der Charakter der Erzimprägnationen" lässt sich, wie folgt, 
beschreiben. In den Kalk- und Chloritschiefern einzelner Ge- 
genden Virginias, z. ß. in Buckingham Co., kommen mächtige 
Zwischenlagen von dünnplattigen, ebenflächigen, körnigen 
Quarzitschiefern vor, in welchen sich in durch weite Entfer- 
nungen zu verfolgenden Zonen goldhaltige Schwefelkiese einge- 
sprengt zeigen, welche sich nach der Mitte dieser Zonen hin 
mehren und hier fast reine, nur geringe Beimischungen von 
Quarzsand und Glimmerblättchen enthaltende Lagen von kör- 
nigem Schwefelkies bilden, welche z. B. von der London-and- 
Buckingham-Mine seit langer Zeit und mit Erfolg abgebaut 
und auf Gold verarbeitet worden sind. In einer Tiefe von 
durchschnittlich 80 Fuss wird der Schwefelkies nach und nach 
von abbauwürdigem Kupferkies verdrängt, während er nach 
dem Ausgehenden zu bis zu 25 bis 30 Fuss Teufe in Braun- 
eisenstein umgewandelt ist, welcher ebenso wie das Erz, dem 
er seinen Ursprung verdankt, kleine Goldpartikelchen enthält. 

Die erzführenden Qu ar z e in 1 ag e;ru n gen haben ent- 
weder die Gestalt flachgedrückter, linsenförmiger Concretionen, 
an deren Form sich die benachbarten Talk-, Chlorit- und 
Glimmerschiefer anschmiegen , und welche dann zonenweise 
vor- und nebeneinander liegen, oder sie treten als gleichmässig 
anhaltende Lagen von weissem, dichtem oder körnigem Quarze 
auf, welche sich nur stellenweise zu 10 bis 15 Fuss Mächtig- 
keit aufblähen und sich dann wieder zu ihrer normalen Dicke 
von 1 und 2 Fuss zusammenziehen. Besondere Wichtigkeit 
haben diese Quarzitgebilde durch ihre Goldführung. Das Gold 
ist entweder in Draht-, Blatt- oder Kornform direkt im Quarze 
oder in Schwefelkiesen eingesprengt in jenen Quarzeinlagerun- 
gen enthalten. Zu diesem goldhaltigen Eisenkies können sich 
noch Kupferkies und Zinkblende, sowie silberhaltiger Blei- 
glanz — in welchem dann zuweilen freies Gold in Blatt- und 



83 



Drahtform ausgeschieden auftritt — und in seltenen Fällen, 
so in den Lagerstätten, welche von der Tellurium-Mine abge- 
baut werden, dünne Anflüge von Tellur und Körner von Pia- 
tina (?) gesellen. Nach dem Ausgehenden dieser Erzlager- 
stätten zu sind Schwefelkies, Bleiglanz und Kupferkies zu 
Brauneisenstein, Pyromorphit, Weissbleierz und Malachit zer- 
setzt und umgewandelt, in Folge dessen in ersterem das freie 
Gold in Form feiner Einsprenglinge , Blättchen oder Drähte 
mit baumförmigen Verzweigungen mit blossem Auge sichtbar 
und leichter als aus den Schwefelungen des Eisens zu gewin- 
nen ist. Auch die den goldführenden Erzeinlagerungen be- 
nachbarten Talk- und Chloritschiefer sind häufig von Gold- 
theilchen imprägnirt und dann abbauwürdig, ebenso wie die 
Flussabsätze und Anschwemmungen, deren Material von dem 
Ausgehenden der Schiefer und deren Einschlüssen abstammt, 
stellenweise sehr reich an Alluvialgold sind. 

Diesen erzführenden Quarzen ganz entsprechend, also in 
Form von zwischen den Schiefern gebetteten Lagern und mit 
diesen parallel streichend und fallend, treten die massiven 
Erzeinlagerungen Virginias auf. Sie erreichen in einzel- 
nen Vorkommen eine sich dann ziemlich gleichbleibende Mäch- 
tigkeit ^on 5 bis 15, ja 20 Fuss und bestehen aus einem homo- 
genen Materiale, haben also nicht den Charakter einer sich 
nach der Mitte zu concentrirenden Imprägnation, sind vielmehr 
im Hangenden und Liegenden durch ebene, den Schiefern pa- 
rallele Schichtungsflächen begrenzt. Am häufigsten sind Schwefel- 
und Kupferkieslager. In diesen ist das erst erwähnte Erz bis 
zu einer Tiefe von circa 30 Fuss in dichten Brauneisenstein 
umgewandelt, welches ein ausgezeichnetes Material für Eisen- 
darstellung abgiebt und z. B. nahe Victoria-Furnace , Louisa 
Co. auf meilenlangen Tagebauen gewonnen wird. In genannter 
Tiefe schneidet Schwefelkies plötzlich und ohne allmäligen 
Uebergang das oxydische Eisenerz ab und bleibt sich bis zu 
einer Tiefe von 60 und 80 Fuss in seinem Charakter völlig- 
gleich; dann treten erst einzelne und nach und nach häufigere 
Kupferkieseinsprenglinge auf, welche bald den Schwefelkies 
völlig verdrängen und höchst abbauwürdige Kupfererzlager- 
stätten repräsentiren. Eine ausgezeichnete Ausbildung des 
„eisernen Hutes", welche bei jedem von mir in Virginia unter- 
suchten, unter diese Rubrik gehörigen Lager deutlich ausge- 

6* 



84 



sprochen war. Unter den nämlichen Lagerungsverhältnissen 
und mit denselben scharfen Grenzen gegen den benachbarten 
Schiefer treten Magneteisensteine von seltener Reinheit, zuwei- 
len und dann besonders nach den Grenzflächen hin mit etwas 
Chromgehalt, sowie Manganerze auf. 

Schon nach dieser kurzgegebenen Charakteristik der „Ur- 
schieferformation" von Mittel-Virginia und ihrer mineralischen 
Einschlüsse wird hervorgehen, dass ich nicht wenig erstaunt 
war, in einem Bruche in der Nähe von New-Cauton, Bucking- 
ham Co., in welchem dem unteren Horizonte dieser Schichten- 
reihe angehörige Dachschiefer gebrochen werden, ein Fossil 
zu finden, welches trotz seines schlechten Erhaltungszustandes 
eine Koralle (eine Cyathophyllide) nicht verkennen liess. Bei 
seiner Untersuchung der Middland Countys von Nord-Carolina 
fand Emmons in einzelnen Lagern der dort auftretenden Schie- 
fer, welche als eine Fortsetzung derer von Virginien zu betrach- 
ten sind und also mit diesen zu einem und demselben Schich- 
tencomplex gehören, zwei Petrefakten in ziemlicher Häufigkeit, 
welche er Palaeotrochis major und P. minor nannte.*) Bei der 
ausgeprägten "Verschiedenheit des Charakters dieser Schiefer 
und der nahen untersilurischen Gebilde suchte er durch oben 
angeführten Fund die selbstständige Stellung seines ^vielfach 
angezweifelten taconischen Systemes zu beweisen. Der Besuch 
der Schieferzone von Nord-Carolina sowohl, wiß der von Vir- 
ginia hat mich zum Anhänger dieser seiner Ansicht gemacht. 
Als der Urschieferformation angehörig, als azoische Gebilde 
kann augenscheinlicher Weise die betreffende Sc]iichtenreihe 
der erwähnten Staaten nicht bezeichnet werden, gegen ihre 
Zugehörigkeit zum unteren Silur spricht ausser dem gänzlich 
verschiedenen mineralogischen Charakter beider die Versteine- 
rungsarmuth der ers-teren und der Reichthum an fossilen Resten 
in dem letzt genannten und die vollständige Verschiedenheit der 
bekannten beiden taconischen Petrefakten und der bis jetzt 



*) Die von Emmons gesammelten und abgebildeten Original-Exemplare 
befinden sich in meinem Besitze und denke ich dieselben, sobald mir spä- 
ter Zeit und Gelegenheit zu kritischen Vergleichungen gegeben ist, einer 
genauem Untersuchung und Beschreibuug zu unterwerfen, da mir die 
ihnen von Emmons gegebene Stellung und Benennung zweifelhaft und 
eine der beiden Species keine Koralle, sondern eine Echinoencrinus-artige 
Cystidee zu sein scheint. 



85 



aus dem Potsdam-Sandstein beschriebenen organischen 
Reste. 

Gegen Westen hin werden die taconischen Schiefer Vir- 
ginias, wie bemerkt, von den Graniten der Blue-ridge abge- 
schnitten und unterteuft, welche in ihrem Charakter denen der 
beschriebenen östlichen Granitzone gleichen und an ihrem west- 
lichen Abfalle von den Schichten des unteren Silurs , dem 
Potsdam-Sandstein, dem Trenton-Kalke und den Hudson-River- 
Schiefern überlagert werden. Die Spärlichkeit der Aufschlüsse 
in versteinerungsreichen Schichten und der eintretende Winter 
zwangen mich die beabsichtigte paläontologische Untersuchung 
dieser Formationen für diesmal aufzugeben. Erwähnen will 
ich nur noch, dass in den Trenton-Kalken und anderen noch- 
weiter westlich auftretenden Kalksteinen, welche zur Subcar- 
boniferous Series zu gehören scheinen und dann dem Bergkalke 
gleich stehen würden, ausgedehnte schlucht-, brunnen- und 
gewölbähnliche Höhlen aufgefunden worden sind, deren Boden 
von einer oft 2 Fuss hohen, erhärteten Lage von Fledermaus- 
Resten und Excrementen bedeckt ist, welche wiederum von 
einer Schicht von Kali- und Kalksalpeter überzogen wird, wäh- 
rend an den Wänden oft 2 Zoll lange Krystalle effloresciren. 
Diese Salpeterhöhlen sind während des letzten Krieges auf 
Veranlassung der conföde'rirten Regierung aufgesucht und auf 
Salpeter ausgebeutet worden und ergaben in manchem Monate 
10000 Pfund dieses dem Süden der Blokade seiner Häfen 
wegen äusserst werthvoll gewordenen Materiales zur Bereitung 
von Pulver. 

In Wythe County kommt Galmei in flötzartigen, ausge- 
dehnten Lagen im unteren Silur vor, welche bis jetzt noch 
nicht verwerthet worden sind , weil sie bei ihrer Entdeckung 
von einigen vom südlichen Gouvernement angestellten Berg- 
ingenieuren (?) für „Mountain rock" gehalten worden sind, die 
aber jetzt, wo der unternehmende Norden die Mineralschätze 
des Südens zu heben beginnt, Gegenstand eines gewinnreichen 
Bergbaues werden dürften. 



86 



7. lieber die Entstehung der Seeerze. 

Von Herrn F. M. Stapff in Falun. 

Hierzu Tafel t 

Die Geologie der Gegenwart sucht durch Bezugnahme 
auf einfache Thatsachen, die in der Natur fortwährend beo- 
bachtet, und deren Ursachen und Wirkungsart durch angestellte 
Versuche erläutert werden können, die Erscheinungen der 
Bildung und Umbildung der Erdkruste zu erklären, welche 
lange vor dem Auftreten des Menschengeschlechts Statt fanden, 
und welche so grossartig sind , dass die ehemalige Geologie 
zu ihrer Deutung Prozesse anzunehmen genöthigt war, für 
welche unsere Zeit keine Analogie darbietet. 

In vielen Fällen ist jetzt die Zeit der einzige Factor, 
welchen der experimentirende Geologe in seine Versuche nicht 
einzuführen vermag. Da die ganze geschichtliche Zeit nur als 
ein Element der Zeit des Daseins der Erde betrachtet werden 
kann, so können wir gewöhnlich auch nur die Elemente der 
Veränderungen , die noch beständig auf der Erdkruste Statt 
finden , beobachten. Durch Zusammenlegung dieser kleinen 
Veränderungen treten doch als Summen Wirkungen hervor, die 
nur durch die kühnsten Hypothesen erklärt werden konnten, 
so lange man die für dergleichen Erfolge nöthigen Zeitlängen 
nicht berücksichtigte. Es giebt jedoch geologische Erschei- 
nungen , deren Anfang und Ende der Mensch wahrnehmen 
kann ; solche sind nicht nur die plötzlichen, lokalen, aber hef- 
tigen Kraftäusserungen der Vulkane , sondern auch diejenigen, 
die von dem auflösenden Vermögen des Wassertröpfchens, und 
von dem Vermögen des niedrigsten und kleinsten organischen 
Lebens, mineralische Stoffe auszufällen, abhängen. 

Unter vielen hierher gehörenden Beispielen ist die Bildung 
der Seeerze gewiss eines der bemerkenswertheren. Sie fährt 
ununterbrochen fort und so rasch, dass die erzführenden Seen 
fortwährend Ernten geben, weshalb auch Svedenborg von dem 
Seeerze mit Recht sagt: „ — — — — estque thesaurus hic 



87 



perennis et inexhaustus". Sie giebt unmittelbare Erklärungen 
über das Entstehen vieler Eisenlagerstätten der vorgeschicht- 
lichen Zeit und Fingerzeige selbst über die Bildungsart auch 
der ältesten Eisenerzlagerstätten. 

Da die Seeerze hinlänglich bekannt sein dürften , so 
werden wir hier nur diejenigen ihrer Eigenschaften betrachten, 
die vielleicht zur Erklärung ihrer Bildung beitragen können, 
ohne in eine umständliche Beschreibung einzugehen. Die 
Wiesen- und Sumpferze stehen offenbar mit den Seeerzen in 
einem so nahen Zusammenhang, dass man von den einen nicht 
sprechen kann, ohne der anderen mit zu gedenken. Aeltere 
schwedische Mineralogen, besonders Wallerius halten die See- 
erze für weggespülte und auf dem Seeboden abgesetzte Wiesen- 
erze. Hausmann ebenso , und Bischof hat dieselbe Ansicht, 
nach welcher die Wiesenerze als die primären unter diesen 
Bildungen abgehandelt werden sollten. Wir werden jedoch 
finden, dass alle Bedingungen zur Bildung der Seeerze auf dem 
Seeboden gegeben sind, und dass viele Wiesenerze nichts 
Anderes sein können, als ehemalige Seeerze, welche durch die 
Verwandlung der Seen in Sümpfe, Moore und Festland aufs 
Trockene gekommen sind; doch soll nicht bestritten werden, 
dass fliessende W r ässer, welche Lager von Wiesenerz durch- 
schneiden, Theile davon in die Seen führen können, auch 
nicht, dass Wiesenerze und verwandte Bildungen, wie z. B. 
Dänemarks, Hollands und des nördlichen Deutschlands, Oort, 
Uurt , Oehr, Ortstein u. a. auf dem trockenen Land gebildet 
worden sind und werden. 

Geographische Verbreitung der See- und Sumpferze. 

Alte Autoren legen dem Auftreten der Sumpferze in 
schueereichen und sehr kalten nördlichen Gegenden ein grosses 
Gewicht bei und schliessen daraus, dass die „Hitze der Sonne 
und die Kälte des Herbstes" zu ihrer Entstehung mitwirken. 
Ohne zu vergessen, dass wiesenerzartige Bildungen auch in 
Kordofan, auf dem Caplande und in Ost -Indien gefunden 
sind, und ohne auf den augedeuteten, unmittelbaren Zu- 
sammenhang zwischen Klima und Erzbildung grosses Ge- 
wicht zu legen, kann nicht geläugnet werden, dass die meisten 
bekannten See- und Sumpferze dem Norden angehören. Das- 
selbe gilt auch von wirklichen Torfmooren, die auf den 



88 

Ebenen der nördlichen Halbkugel nördlich von dem 46. Breiten- 
grade und unter den Wendekreisen nur auf hohen Gebirgen, 
wo das Klima dem der nördlichen Gegenden gleicht, gefunden 
werden. Ein Zusammenhang zwischen Torfbildungen auf der 
einen Seite und Limonitbildungen anf der anderen dürfte aus 
diesem Umstand allerdings nicht gefolgert werden, wenn er 
nicht durch die Thatsache angedeutet würde, dass die meisten 
derartigen Erzlagerstätten torfreichen Gegenden angehören. 

Wir sehen kräftige Beweise dieser Behauptung in Skan- 
dinavien, wo See- oder Sumpferze zwar in keiner' einzigen 
Provinz gänzlich zu fehlen scheinen, wo sie aber hinsichtlich 
der Quantität sehr verschieden vertheilt sind. Am häufigsten 
kommen sie in Smaland, dem südlichen Oestergötland, dem 
nordwestlichen Dalarne , Herjeadalen und Theilen von Jemt- 
land und in ganz Norrland, seltener in Heisingland, Ge- 
strikland , dem südöstlichen Dalarne und Wermland vor; 
in einigen Provinzen z. B. Upland , Södermanland, Wester- 
götland u. a. fehlen sie beinah ganz uncl gar. Ueberfluss 
an Kohlen und Mangel an Bergerz mag gewiss eine Haupt- 
ursache sein, dass man in etlichen Provinzen (z. B. Smaland) 
diesen Erzen mit grösserem Fleisse nachgeforscht hat und 
darum ihre Verbreitung besser kennt, als in anderen, wo 
Vorrath von Bergerz , Mangel an Kohlen oder an Bevöl- 
kerung verursachen, dass auch bekannte See- und Wiesen- 
erze unbenutzt liegen* aber dennoch kann niemand be- 
haupten, dass Massen davon in allen Provinzen zu finden 
wären, wenn sie nur gesucht würden. Beim Forschen nach 
annehmlichen Gründen für ihre verschiedene Vertheilung im 
Lande müssen wir nach anderen Erscheinungen suchen, die 
eine ähnliche geographische Verbreitung zeigen. Die an solchen 
Erzen reichsten Provinzen haben einen sandigen Boden , sind 
wenig angebaut und reich an Wäldern und Torfmooren. Die 
letzteren machen, dass das Wasser der Bäche und Flüsse von 
gelösten Humussäuren oder humussauren Salzen jeine bräun- 
liche Farbe annimmt. Schön Lnorä bemerkte , dass derartige 
Wässer in Smaland eine Infusion von Thee schwarzfärben, 
und vermuthete ihre Thätigkeit bei der Bildung des Seeerzes. 
Dieselbe dunkle Farbe ist mehreren Flüsschen Deutschlands 
eigenthümlich, welche deshalb „schwarz" heissen , und welche 
gewöhnlich durch moorreiche, sumpferzführende Gegenden 



89 



fliessen*) (z. B. Schwarze Elster). Sprengel, und nach ihm 
viele andere Verfasser glauben, dass ein Boden von Sand 
und Grus eine Hauptbedingung für die Bildung der Torfmoore 
sei. Im Einzelnen könnte dagegen Vieles einzuwenden sein, 
aber nicht im Grossen , wenn man z. B. die Verbreitung der 
Torfmoore in Holland, durch Friesland, über Dänemark, 
Mecklenburg, Pommern und Brandenburg betrachtet, wo Sand- 
boden der herrschende ist. In Schweden findet man in 
der That Torfmoore auf allen möglichen Gesteinen; sie 
fehlen nicht auf dem Kalkstein Gotlands, auf Uplands und 
Södermanlands Mergel- und Thonboden, aber die meisten 
kommen doch in den Gegenden vor, wo der Sand, gerollter 
Kies, Glacier- Schutt und Sandstein herrschen, und dasselbe 
gilt auch von den See- und Wiesenerzen. Noch deutlicher 
spricht für obige Vermuthung die Abwesenheit des Limo- 
nits in Provinzen, wo Flötz-Kalk, kalkiger Thon und 
Mergel vorherrschen. Die verschiedene Lösbarkeit der Be- 
standteile obengenannter Berg- und Erdarten in Wasser und 
die Reaktion ihrer kalkigen Bestandtheile auf Eisenlösungen 
dürften wohl das häufige Auftreten der See- und Wiesenerze 
zusammen mit Sand und Grus besser erklären, als die Unfrucht- 
barkeit, die dünne Bevölkerung und der Reichthum an Torf- 
mooren in den Limonit-reichen sandigen Gegenden. Auch 
müssen wir hier nicht vergessen, dass das mikroskopische 
organische Leben zu diesen Erzbildungen mitwirkt, und dass 
nach de Brebisson die Desmidien in Gegenden mit kalkigem 
Boden seltener sind als in denen mit Granit- , Quarz- oder 
Schiefer-Grund. 

Da die See- und Wiesenerze Fällungen aus eisenhaltigen 
Wässern sind, so muss in seeerzreichen Gegenden eine grössere 
Menge solcher Wässer vorkommen als in solchen, wo sie fehlen. 
Der braungefärbten, eisenhaltigen Ströme wurde schon er- 



*) Im Canton Neuchätel sammelt sich in dem rings geschlossenen 
Jurathal Vallee des Ponts das Wasser in den Torfmooren dieses 
Thaies, fliesst durch die sog. „Emposieux" ab und tritt Q74 M. tiefer im 
Thale der Reuse als eine so starke Quelle zu Tage, dass davon (un- 
mittelbar am Ausflusse) 5 Räder getrieben werden. Dieses Wasser ist 
zu Zeiten von aufgelösten Humussubstanzen braun gefärbt, weshalb die 
Quelle „LaNoire aigue" heisst. Gleichen Namen führt das nahe- 
belegene Dorf und Station der Neuchatel-Pontarlier Eisenbahn. 



90 



wähnt, und an eisenhaltigen Quellen ist keine schwedische 
Provinz so reich als SmSland. Ohne Zweifel hängt das 
Vermögen des Wassers, Mineralsubstanzen aufzulösen, zunächst 
von einem Gehalt an Verwesungsproducten ab, welche in torf- 
und waldreichen Ländern am häufigsten sind ; aber eben so ge- 
gründet ist auch die Behauptung des Punkts : „tales sunt aquae, 
quales terrae per quas fluunt u , welche in den Bergen und dem 
Boden von Gegenden, wo eisenhaltige Quellen (und Seeerze) 
gefunden werden, Eisen in auflöslicher Form voraussetzt. Die 
Anwesenheit von Eisen in beinahe allen Bergarten Schwedens 
würde die Bildung der Seeerze in allen Theilen des Landes 
möglich machen; denn Svedenborg sagt gewiss mit Recht: 
„Mars per omnes Sueciae provincias sparsus est u . Nicht nur 
die meisten Bergarten, sondern auch die losen Sand-, Grus- 
und Lehm-Ablagerungen enthalten Eisen genug, um alles durch- 
strömende Wasser in Gesundbrunnen zu verwandeln, wenn es 
dasselbe zu lösen vermöchte. Die grössere oder geringere 
Auflöslichkeit des Eisens aber hängt' nicht nur von dem Ge- 
halte des Wassers an organischen oder unorganischen Säuren 
ab, sondern auch und besonders von der mineralogischen Zu- 
sammensetzung der eisenhaltigen Bergarten. Kalireiche Feld- 
spathe (z.B. gewöhnlicher Orthoklas) werden durch Säuren (z. B. 
Kohlensäure, in Wasser aufgelöst) viel langsamer und unvoll- 
ständiger zersetzt, als die natron- oder kalkreichen (z. B. 
Oligoklas , Labrador, Anorthit). Die Eisentheilchen, die sich 
im ersteren finden könnten, sind deswegen dem Wasser viel 
unzugänglicher als dergleichen in Labrador oder Anorthit. 
Augite und Amphibole werden um so leichter von saurem Wasser 
zersetzt, je reicher sie an Eisen sind; besonders sind gewisse 
Augite bei Einwirkung der Atmosphärilien der Verwitterung 
stark ausgesetzt. Die Verwitterung aller dieser so eben ge- 
nannten Mineralien wird sehr beschleunigt, wenn die Bergart, 
welche sie zusammensetzen, Schwefelkies enthält. Es mag 
uns deshalb nicht verwundern, dass ein Granit aus Orthoklas, 
Quarz und sehr schwer verwitterndem Glimmer an ein durch- 
strömendes Wasser nicht viele mineralische Bestandtheile ab- 
giebt, dass aber Mineralwasser entsteht, wenn das Wasser den 
Weg durch Bergarten nimmt, welche mit Oligoklas, Anorthit, 
Augit, Amphibolu. a. bestehen und nebenbei an Kiesen reich sind. 
Der Amphibolit, Diorit, Hyperit , Diabas , Gabbro und 



91 

Schillerstein, gewöhnlich Schwefelkies, Kupferkies, Magnet- 
kies, Magnetit und Titaneisen als accessorische Bestandteile 
enthaltend, sind in Smaland sehr gewöhnlich und unter dem 
Namen „ Grönstenar tt oder „Jernbindor" allgemein bekannte 
Bergarten, deren Einfluss auf die Bildung der See- und 
Wiesenerze von Wallerius und seinen Nachfolgern hervor- 
gehoben wurde. Bei Hausmann finden wir, wenn auch in einer 
etwas modernen Form, die Ansicht S. Ejnman's. Der letztere 
sagt nämlich: „Besonders sind allerlei „Jernbindor", die aus 
Hornblende bestehen und mit einer Menge solcher Säure 
(Vitriolsäure) versehen sind , zur Hervorbringung von derglei- % 
chen Erzen sehr geneigt." Auch im Auslande, z. B. am Harz 
und auf dem Thüringer Wald hat man einen nahen Zusam- 
menhang zwischen Hyperit und sumpferzartigen Ockerablage- 
tungen beobachtet. Der Magnetit- und Titan-Gehalt der „Grün- 
steine" ist wahrscheinlich an der Entstehung der See- und 
Wiesenerze sehr unschuldig; denn un verwitterten Sand dieser 
beiden Mineralien findet man in vielen limonitführenden Seen 
Smalands und Dalarnes. 

Forchhammer leitet jedoch die Oehre-Bildung der dänischen 
Dünen-Seen von dem Titaneisensand ab, den man auf ihrem Boden * 
trifft, und Wallerius betrachtet den Eisengehalt der schwedischen 
Berge als eine Hauptbedingung der Entstehung der Seeerze. 

Grünsteine findet man in den meisten Provinzen , wo 
Wiesen- und Seeerze vorkommen, besonders in Wermland 
und längs den skandinavischen Alpen in Herjeadalen und 
Jemtland. Es mag jedoch unrichtig sein, das Vorkommen 
dieser Bergarten in anstehenden Massen als eine unumgäng- 
liche Bedingung des Auftretens der See- und Wiesenerze in 
der betreffenden Gegend zu betrachten; denn kräftiger als auf 
feste Felsen wirkt das Wasser auf Bergarten, deren Detritus 
als Grus, Sand und Thon weit von dem Punkt abgesetzt sein 
kann, wo die fraglichen Bergarten anstehend gefunden werden. 

Legen wir die hier hervorgehobenen Erfahrungen zusam- 
men, so stellt sich heraus, dass die See- und Wiesenerze den 
Gegenden vorzugsweise angehören , welche an Wäldern und 
Torfmooren reich sind, deren Boden aus Grus und Sand be- 
steht, welche Flötz-Kalk, kalkigen Thon und Mergel entbeh- 
ren , und wo Grünsteine oder andere Bergarten vorherrschen, 
welche eisenhaltige Wasser veranlassen können. 



92 



Art des Vorkommens der Seeerze. 

Sind mehrere Seen durch ein Flüsschen verbunden , so 
enthalten gewöhnlich alle die Glieder dieses Wassersystems 
unterhalb eines erzführenden Sees mehr oder weniger Erz; 
dagegen kann man nicht mit gleicher Bestimmtheit schliessen, 
dass auch oberhalb liegende Seen und Wasserläufe erzführend 
sind. Auch ist die Erzquantität nicht durch das ganze, zusam- 
menhängende, erzführende Wassersystem gleichförmig vertheilt. 
Zwischen zwei reichen Seen kann öfters ein armer liegen, und 
die Menge des Erzes, sein Eisengehalt und seine accessori- 
schen Bestandteile , Struktur und Formverhältnisse wechseln 
nicht nur auf verschiedenen Punkten desselben Wassersystems, 
sondern sogar auf verschiedenen Stellen desselben Sees. Aeltere 
Autoren behaupten, dass in grösserer Tiefe als 6 (Sweden- 
borg), 12 bis 14 (Wallerius) Fuss Seeerze in grösserer Menge 
nicht vorkommen ; die EJrzfischer der Gegenwart geben eine 
solche Grenze bei einer Tiefe von etwa 30 Fuss an. Findet 
eine solche Thatsache wirklich statt, so wird dadurch auf das 
Bestimmteste ein Abhängen der Seeerzbildung von Wasserdruck 
und Sonnenlicht unter Vermittelung z. B. von der Mitwirkung 
des organischen Lebens angedeutet. Man darf jedoch vermu- 
then, dass man bei Anwendung von Geräthschaften , w r elche 
die Förderung des Seeerzes aus noch grösserer Tiefe erleich- 
tern, die so eben erwähnten Grenzen ferner erweitert finden 
werde, und es ist nicht unmöglich, dass grosse Erzmassen auf 
dem Boden manches tiefen Sees unberührt liegen, welcher jetzt 
als geerntet angesehen wird. Es ist gewiss, dass das Erz nicht 
über den ganzen Seeboden gleichmässig vertheilt vorkommt, 
sondern in runden oder länglichen Flecken, deren Längenaus- 
dehnung meist von Osten nach Westen gerichtet sein soll. Da 
diese Erzstreifen meistens auf Untiefen liegen, deren Richtung 
von dem Laufe der Sonne unabhängig ist, so darf man auf die 
angedeutete ostwestliche Richtung der Erzbänke kein allzu 
grosses Gewicht legen; findet sie statt, so wird dadurch wie- 
derum ein Zusammenhang zwischen organischem Leben und 
der Bildung der Seeerze angedeutet, welchen häufig vorkom- 
mende Erzabi agerungen auf seicht liegenden Schilf- und Rohr- 
bänken bestätigen. Letztere ziehen meistentheils in einiger 
Entfernung von dem Strande, ohne ihn zu berühren, und sollen 



93 



die Erzbänke dem Strande selten auf weniger als 30 bis 
40 Fuss nahe kommen. Die Richtung der Bänke in Seen 
wird ausser durch die Stromrichtung auch durch die Streich- 
richtung schieferiger Bergarten, welche das Seebassin umklei- 
den, und durch die Richtung, in welcher Glacier-Grus daselbst 
abgesetzt worden ist, bestimmt. In vielen Fällen wirken diese 
Faktoren so zusammen, dass zwischen seicht liegenden Bänken 
ein Parallelismus entsteht, welches dann auch mit den Erz- 
ablagerungen auf denselben der Fall ist. Eine Karte über die 
Erzbänke eines Sees würde dadurch in vielen Fällen Aehnlich- 
keit zeigen mit der Projection der Erzfälle eines Ganges auf 
die Gangfläche. 

Ferner soll die Beschaffenheit des Seebodens auf die Erz- 
ablagerungen von Einfluss sein, da sich diese öfters auf schlam- 
migem Boden, sandigem und feinem Grus, aber nicht gern auf 
einem Boden von groben Steinen finden. In dieser Hin- 
sicht mag jedoch die Bemerkung erlaubt sein, dass auch grosse 
Steine in erzführenden Seen öfters mit hart ansitzenden Erz- 
krusten überzogen sind, und dass es sehr schwer ist, von einem 
mit Steinen besäeten Boden Seeerz aufzuholen. Da Wasser- 
pflanzen vorzugsweise auf feinem Sand und Schlamm gedeihen, 
so würde übrigens der Einfluss der Beschaffenheit des Bodens 
auf die Bildung des Seeerzes durch den Zusammenhang letz- 
terer mit der Vegetation erklärt werden können. Schlamm 
und feiner Sand können nur in ruhigem Wasser abgesetzt wer- 
den; in Strömen werden sie weggespült und lassen Steine und 
groben Grus zurück. In Flüsschen, welche erzführende Seen 
verbinden, findet man Erz nur in tiefem, ruhigem Wasser oder 
an der convexen Seite der Krümmungen, nicht in reissenden 
Strömungen. Eine ähnliche Einwirkung der Schnelligkeit des 
Wassers auf das Absetzen des Erzes muss auch in den Seen 
stattfinden, und dadurch kann die erwähnte Verschiedenheit in 
der Ablagerung auf schlammigem und auf steinigem Boden 
verursacht werden. Ein unmittelbarer Einfluss von Strömun- 
gen auf die Vertheilung des Erzes im See wird auch durch die 
Thatsache bestätigt, dass in gewissen Seen auf derselben Stelle 
beinahe jährlich Erzgewinnung stattfinden kann. Die Bildung 
des Seeerzes geht allerdings ununterbrochen fort, und das Erz 
„wächst nach"; dieses aber geschieht so langsam, dass zu der 
Bildung einer gewinnungswürdigen Erzschicht angeblich 15 bis 



94 



30 Jahre erforderlich sind ; damit also Erzgewinnung jährlich 
an derselben Stelle geschehen könne, muss Erz daselbst ge- 
sammelt werden nicht nur durch neue Bildung, sondern auch 
durch Häufung, was nur durch Ströme geschehen kann. 

Die Mächtigkeit der Seeerze übersteigt selten lj Fuss, 
aber es wird Erz gefördert, wenn es nur 4 bis 6 Zoll oder 
noch weniger dick liegt. Die Art und Weise der Gewinnung 
erlaubt nicht, den Boden rein zu machen, und ehemals Hess 
man absichtlich ein dünnes Lager zurück, wodurch man den 
Nachwuchs zu befördern hoffte. Da die Bildung von Seeerz 
ununterbrochen fortgeht, könnte man mit Recht mächtigere 
Ablagerungen an völlig unverritzten Stellen erwarten, aber 
schon fertige Erze können auch wieder weggelöst werden, um 
anderswo abgesetzt zu w r erden, und durch eine Erzkruste kann 
eine Quelle leicht zugestopft werden, um vielleicht auf einem 
anderen Punkt hervorzubrechen und die Entstehung einer Erz- 
ablagerung zu veranlassen. Dass ohne diese Hindernisse un- 
gewöhnlich mächtige Seeerzlager gebildet werden können, wird 
z. B. im See Tisken bei Falun bestätigt, wo das Wasser aus 
der Grube und von den Schlackenhalden in der kurzen Periode 
von etwa 600 Jahren ein über den ganzen Seeboden ausge- 
breitetes Lager von Ocker abgesetzt hat, welches an mehreren 
Stellen über 10 Fuss dick ist. 

Die hier hervorgehobenen Verhältnisse erinnern wiederum 
daran, dass das Pflanzenleben auf irgend eine Weise in die 
Bildung des Seeerzes eingreifen muss, dass aber auch Ströme 
und unter dem Wasser sich befindende Quellen die Stellen 
bestimmen, wo diese Ablagerung erfolgt. Runde Erzflecken, 
die nicht auf Bänken liegen, auöh von der Strömung nicht ab- 
hängen, können nur Quellen ihren Ursprung verdanken. 

Art des Vorkommens der Sumpf- und Wiesenerze. 

Wiesenerze fehlen beinahe niemals in Seeerz-reichen Ge- 
genden und liegen zum Theil so, dass an ihrer ehemaligen 
Seeerznatur nicht gezweifelt werden kann. Sie werden nicht 
nur auf dem Boden flacher Thäler gefunden, sondern auch auf 
wenig geneigten Abhängen und auf dem Gipfel niedriger, brei- 
ter Hügel. Sie liegen bisweilen ohne andere Decke als die 
dünne Dammerde mit einer spärlichen, gelben und kränklichen 
Gras Vegetation, aber öfter werden sie von einem y Elle dicken 



95 



Lager von sandigem Thon bedeckt mit einer Sumpfvegetation, 
die nicht selten ockerig inkrustirt ist. Die Ockerabsetzungen, 
welche mitunter am Fusse der „Sandasar" eine Art losen, 
eisenhaltigen, geschichteten Sandsteins bilden, müssen auch hier- 
her gerechnet werden, sowie die Absätze an eisenhaltigen Quel- 
len, welche unmittelbare Aufschlüsse über die Entstehung eini- 
ger dieser Erze bieten. Auf dem Boden tiefer Torfmoore sind 
Wiesenerzablagerungen nicht so gewöhnlich, wie man vielleicht 
glaubt, wohl aber in deren Nähe. Ein gelb überzogenes oder 
irisirendes Wasser deutet oft Erz an, wenn nicht in dem Moore 
selbst, doch in dessen Nähe und gewöhnlich unterhalb des- 
selben. Sogenannte Moorhälse oder Engen zwischen zwei 
Mooren pflegen besonders erzführend zu sein. Als ein gutes 
Zeichen wird angesehen, wenn die Moore njcht eben sind, son- 
dern voller Löcher mit hohlen Hübelchen und verfaulten Baum- 
stümpfen besetzt, um deren Wurzeln sich das Erz in der 
Form unregelmässiger Klumpen mit zerfressener Oberfläche 
concentrirt. Ausserdem kommen die Wiesenerze an den ange- 
deuteten Stellen gewöhnlich in unregelmässig gestalteten, ab- 
gerundeten oder sternförmigen Flecken vor, von 12, 16 bis 
100 Fuss Durchmesser und von einer Mächtigkeit, welche sel- 
ten 1 Fuss übersteigt. Oft enthalten Wiesenerzlager von dieser 
Dicke Zwischenlagen von ockerigem Sand, der auch zwischen 
den verschiedenen Flecken auftritt. Als mit den Wiesenerz- 
ablagerungen in nahem Zusammenhang stehend ist hier einer 
weissen Erde zu erwähnen, welche vielerorts in Schweden 
(Ronneby, Lillhayysjön, Loka, Degernäs u. a.) besonders 
aber in Smäland vorkommt, wo sie oft unmittelbar unter 
den Wiesenerzen, öfter in deren Nachbarschaft unter Torf- 
mooren liegt. Sie wird allgemein unter dem Namen „hoit 
lera a von den Bauern zum Weissan streichen der Kamine und 
Wände benutzt und besteht hauptsächlich aus den Kieselpan- 
zern von Infusionsthieren , in Smäland aus kaolinisirtem und 
mit Infusionsthierpanzern vermengtem Glacier-Grus. (Eine ent- 
sprechende Bildung ist die sogenannte „Seekreide" der Schwei- 
zerseen, welche in der Schweiz sehr gewöhnlich unter Torf- 
mooren, bei Dürnten, Uznach u. a. O., unter der sogenann- 
ten Schieferkohle lagert.) 

Solche „hoit lera" von Hernsas in Smäland enthielt 



96 



nach einer 1861 von Herrn Tillberg im Laboratorium der 
Bergschule angestellten Analyse: 

Wasser . . 6,60 

Kieselsäure 85,00 

Thonerde . 5,80 

Eisenoxyd . 0,20 

Kalkerde . 0,65 

Talkerde . 1,10 
Summa 99,35 

und zeigte unter dem Mikroskop zahlreiche Infusionsthierpan- 
zer, namentlich Spongolithen und Pinnularien. *) Diese weisse 
Erde deutet wiederum auf eine Mitwirkung des organischen 
Lebens bei den erwähnten Erzbildungen und sagt zugleich, 
wovon ein Theil des dazu nöthigen Eisens gewonnen worden 
sei ; denn dag Bleichen des Glacier-Gruses hängt nicht nur von 
seiner Verwandlung in Kaolin ab, sondern auch von der Weg- 
führung seines Eisengehaltes. 

Wiewohl die fortdauernde Bildung der Wiesenerze nicht 
so bestimmt als die der Seeerze nachgewiesen worden ist, so 
kann sie doch in vielen Fällen kaum einem Zweifel unterlie- 
gen; es kann aber nicht geläugnet werden, dass die Bildung 
vieler Wiesenerze schon beendigt ist, wie auch, dass einige, 
welche unter Torfmooren liegen, sogar vermindert werden, an- 
statt zu wachsen. 

Physische und chemische Eigenschaften der See- und Sumpferze. 

Bei Smaländischen Hohöfen, kann man nur selten und 
in kleinen Quantitäten den Erz schlämm sehen, welcher in 
allen Seen, wo die Erzbildung fortgeht, zu finden ist; denn 
dieser wird nicht heraufgeholt oder wird bei dem Waschen des 
Erzes weggespült. In der Form solchen ockerartigen Schlam- 
mes werden jedoch die Bestandtheile der meisten Seeerze aus- 



*) 1857 stellte ich mit solcher hoit lera aus der Gegend von Klefva 
in Smuland einige Schmelzversuche an. Geschlämmt war sie plastisch 
genug, dass kleine Biscuits daraus geformt werden konnten, welche, nach 
gehöriger Trocknung im Windofen stark gebrannt , zu einem im Bruch 
wachsglänzenden, wenig durchscheinenden, schmutzigweissen Email sich 
zusammenzogen. Mit geschlämmtem Feldspath vermischt, schwanden 
die Biscuits aus „hoit lera" beim Brennen weniger und besassen nach- 
her einen weissen, porzellanähnlichen Bruch. 



97 



gefällt, ehe sie durch fernere Prozesse hart werden und Glanz, 
Farbe und Festigkeit annehmen, welche den compakten Erz- 
arten eigenthümlich sind. Dieser Schlamm ist gleich nach 
der Gewinnung schwarzgrau, bräunlich oder grünlich und voller 
Pflanzenreste in allen Stadien der Fäulniss. Er reagirt auf 
blaues Lackmuspapier und trocknet unter Entwickelung übel- 
riechender Gase zu einem grauen oder ockerfarbigen Pulver 
ohne besonderen Zusammenhang. Frisch heraufgeholt wimmelt 
er nicht selten von grossem und kleinem Gewürm, welches 
gewiss mit seiner Bildung nicht das Geringste zu thun ge- 
habt hat. 

Zu mikroskopischer Untersuchung derartigen Schlammes 
nahm ich im Winter Schlamm aus dem See Tisken vor der 
Hofraithe der Bergschule zu Falun. Folgende Analyse zeigt, 
dass er hauptsächlich wie gewöhnliches See- oder Wiesenerz 
zusammengesetzt ist. 

Ungelöst in Königswasser 39,9 

Organisches und Ammoniak .... 22,6 

Wasser 5,2 

Eisenoxyd (mit Spuren von Thonerde) 30,3 

Kupferoxyd 0,5 

Schwefelsäure . . - 0,4 

Phosphorsäure . 0,3 

Kalk, Talk, Spuren von Mangan, Verlust 0,8 

Summe 100,0. 

Unter dem Mikroskope zeigt sich besonders eine graue 
bis dunkelbraune Substanz, bestehend aus grösseren und minde- 
ren, unförmlichen, zusammengefilzten und durch Kieselsäure 
zusammengekitteten Partieen (nicht unähnlich Ackerschollen, 
deren Höhlungen mit Eis gefüllt sind) sammt gelatinöser Kiesel- 
säure. Die letztgenannte zeigt sich in grösseren und kleineren, 
eckigen oder abgerundeten Stückchen ohne bestimmte Form, 
so däss sie an Stücke von in Wasser schmelzendem Eis sehr 
erinnert. Sie ist grösstentheils wasserklar und farblos, theils 
graulich und durch ihre poröse Beschaffenheit Schneebrei- 
ähnlich; aber viele Stückchen davon enthalten braune Körner 
von Eisenoxydhydrat, andere haben eine gelbe Farbe, welche 
in dünnen Splittern sehr licht, in dickeren sehr dunkel ist, so 
dass sie im Ganzen das Ansehen des Bernsteins oder Kolopho- 
niums haben. Auch die gefärbten Partieen enthalten öfters 

Zefts. d.d. guol Ges. XVIII. 1. 7 



98 



kleine Poren und Eisenoxydhydratkörner. Die Kieselsäure in 
frisch heraufgeholtem Schlamm ist zum Theil noch gallertartig, 
wovon man sich überzeugen kann , wenn man ein wenig 
Schlamm nebst einem Wassertröpfchen zwischen zwei Glas- 
scheiben legt, welche unter dem Mikroskop in einer Rich- 
tung gegeneinander verschoben werden; es treten dann zwi- 
schen den Glasscheiben bandartige, durchsichtige Streifen her- 
vor, welche durch Querspalten in zahlreiche eckige Kieselsäure- 
splitter zertheilt werden, sobald der eingeschlossene Schlamm 
trocken geworden ist (siehe Taf. I. Fig. 2). Dieser Versuch gelingt 
nicht mit vorher getrocknetem Schlamm; auch können nicht 
alle Kieselsäurepartieen auf diese Weise in Bänder ausgezogen 
werden, und am wenigsten geschieht dies mit den Kolophonium- 
ähnlichen. Wird glühender Schlamm mit einer kochenden Lö- 
sung von kaustischem Kali oder mit Fluorwasserstoff behandelt, 
so verschwinden die kleinsten Kieselsäurepartieen ganz und gar, 
die grösseren 'aber nehmen eine zerfressene, rauhe Oberfläche 
an und werden nur durch eine fortgesetzte Behandlung mit 
dem Lösungsmittel aufgelöst. Die gelben Theile werden dabei 
wenig oder gar nicht verändert und dürften neben Eisenoxyd- 
hydrat hauptsächlich Eisensilikate sein. Dem Angriffe, von 
Alkali, Fluorwasserstoff und auch Chlorwasserstoffsäure wider- 
stehen am besten kleine ellipsoidische Körper von der Länge 
einiger Hunderttheile Millimeter; diese kommen in allen unter- 
suchten See- und Wiesenerzen vor (Fig. 3). Sie erinnern sehr 
aii organische Formen, scheinen aber nichts Anderes zu sein 
als Eisenoxydsilikate, welche durch Concretion oder durch 
Abrundnng weniger regulärer Stücke diese Form angenommen 
haben. Die braune Farbe, am intensivsten in der Mitte, wird 
gegen die Seiten lichter, bisweilen in dem Grade, dass ein 
durchsichtiger Kieselsäure- Sack die gefärbte Masse zu um- 
schliessen scheint , welche wegen der zahlreichen inneliegen- 
den dunkleren Körner oder Poren nie ganz durchsichtig ist. 
Sandkörner werden durch Kali und Fluorwasserstoff auf eine 
ganz andere Weise geätzt als die übrige Kieselsäure; sie -ha- 
ben auch einen anderen Bruch und eine andere Struktur und 
oft eine grünliche, lichtblaue oder röthliche Farbe, wodurch 
man sie unter dem Mikroskope von der gelatinösen Kieselsäure 
leicht unterscheidet, welche immer die Hauptmasse des Kiesel- 
säuregehalts der gereinigten See- und Wiesenerze ausmacht. 



99 



Dieses wird angeführt, weil die Existenz anderer Kieselsäure 
in Limonit, als mechanisch eingemengten Sandes, in der neuesten 
Zeit hauptsächlich aus theoretischen Gründen bestritten wor- 
den ist. 

Die oben genannten dunkelen, zusammengefilzten Massen 
bestehen grösstentheils aus dem Kolophonium-ähnlichen Eisen- 
oxydhydrat und aus Eisensilikat sammt gelatinöser Kieselsäure 
und sind von einer schwammigen, porösen und fasrigen Sub- 
stanz eingehüllt, in welcher man mit 280- bis 590 facher Ve'r- 
grösserung jedoch die " einzelnen Fäden nicht unterscheiden 
kann. Die Kieselsäure imprägnirt diesen braunen Filz, wel- 
cher hauptsächlich undurchsichtig ist (Fig. 1 a und b). Oftmals 
stehen farblose, durchsichtige Röhren daraus hervor, offenbar 
Kieselzellen mikroskopischer Conferven; andre kleine Algen 
(Exillarien) sitzen aussen auf wie Krystallbüschel , und im 
Allgemeinen trifft man die meisten Infusorien in der Nähe die- 
ser braunen, filzigen Massen. Durch Glühen schwinden letztere 
zusammen, werden compakter, bekommen Sprünge an den Rän- 
dern, so dass sie nun aus vielen kantigen, unregelmässig ge- 
formten Körnern von dunkelbrauner Farbe und grösserer oder 
geringerer Durchsichtigkeit zusammengesetzt erscheinen. 

Die hervorragenden, farblosen Rohren und Stäbe verändern 
beim~Glühen ihr Ansehen gar nicht. Aber durch Behandlung 
mit Alkali verschwinden sie, die Oberfläche der braunen Mas- 
sen wird gleichzeitig angefressen und rauh. Wird das Eisen 
durch Salzsäure weggelöst, so bleibt eine theils farblose, durch- 
sichtige, theils' eine grauliche, halbdurchsichtige Masse zurück, 
welche ich nicht besser als mit Schneebrei, der mit Eisstück- 
chen vermischt ist, vergleichen kann. Die Kieselskelette der 
Pflanzen sind wohl erhalten, am deutlichsten, wenn der 
Schlamm vor der Digestion mit Salzsäure geglüht worden war. 
Es zeigt sich sehr oft, dass eine Menge Conjferven-Fäden, deren 
Enden hervorragen, gleichwie in ein Knäuel zusammenlaufen, 
oder dass sie ganz allmälig und nicht deutlich begrenzt in einem 
porösen Kieselsäuregallert anfangen, woraus sie nach allen Sei- 
ten hervortreten, um so schärfer, je länger sie werden (Fig. 4 a). 
Es ist von grossem Interesse zu sehen, wie die beträchtlichste 
Eisenfällung eben um solche Gewebe mikroskopischer Algen 
stattgefunden hat. 

Nebst den eben skizzirten Theilen kommen in dem Schlamm 

7* 



100 



kurze, unregelmässig cylindrische, oft auch eckige, schwarze, 
faserige Fragmente vor, verkohlten Holzsplittern ähnlich (Fig. 5). 
In stark durchfallendem Licht und mit geringer Vergrösserung 
(280) betrachtet, nehmen sie die schönste intensiv azurblaue 
Farbe an. Da der Schlamm aus dem Tisken, worin sie zu- 
erst beobachtet wurden, ein wenig Kupfer enthält, so hielt ich 
sie für Kupfer-Indigo oder irgend ein Kupfersalz. Reagentien, 
unter dem Mikroskope angewendet, zeigten auch deutlich den 
Küpfergehalt des Schlammes an, nicht aber sein Abhängen von 
den blauen Splittern ; denn ihre Farbe \vurde durch Ammoniak, 
Salzsäure und Salpetersäure nicht verändert. Es wurde jetzt 
am wahrscheinlichsten, dass die blaue Farbe von irgend einem 
Eisenoxyduloxydsalz herrührte, da nach Bareswill die blaue, 
nach Abioh die schwarze Farbe Eisensalzen mit 3 Atomen 
Oxydul und 2 Oxyd eigenthümlich ist. Da die blaue Farbe 
nicht durch Glühen verschwand, so konnte die Säure dieses 
Salzes weder organisch (z. B. Gerbsäure), noch Schwefelsäure 
sein, und die Annahme, dass sie Phosphorsäure sei, wird 
nicht nur durch die blaue Farbe des Vivianits (wasserhaltiges 
Eisenoxyduloxydphosphat) begründet, sondern auch dadurch, 
dass Salzsäure bei längerem Kochen die blaue Farbe dieser 
Splitter sehr schwer und unvollständig zerstört. Die Farbe 
wird bei Behandlung mit Salzsäure lichter, violett, eine Mischung 
von schmutzig Ockergelb und Violett, endlich ockergelb, welche 
letztere Färbung durch lange fortgesetztes Kochen nicht voll- 
kommen verschwindet. Ich vermuthe , dass durch Salzsäure 
phosphorsaures Eisenoxydul ausgezogen wird, wobei aber der 
grösste Theil des phosphorsauren Eisenoxyds ungelöst bleibt. 
Die Anwesenheit von Phosphorsäure in der sauren Lösung wird 
unter dem Mikroskope durch Zusatz von einem Tröpfchen Mo- 
lybdänflüssigkeit entdeckt, wodurch bald kleine lichtgelbe Ku- 
geln ausgefällt werden, welche sich nach und nach in schönen 
dendritischen Krystallgruppen ordnen; es kann jedoch nicht be- 
hauptet werden, dass diese Fällung nahe an den gefärbten 
Splittern am bedeutendsten sei, wodurch indess nur bewiesen 
wird, dass die Lösung des Eisenphosphats sehr langsam ge- 
schieht. Ich habe mehrere Male beobachtet, dass nach dem 
Kochen des Seeerzes mit Salzsäure der übrigens ganz weisse 
Ueberrest von Kieselsäure äusserst kleine schwarze Punkte 
enthielt, welche unter dem Mikroskope Form und Farbe der ' 



101 



beschriebenen Splitter annahmen und also von nicht zertheil- 
tem Eisenphosphat herrühren dürften. 

Durch vorsichtige Reibung des angefeuchteten Schlammes 
zwischen den Glasscheiben konnten die blauen Körper unter 
dem Objectiv des Mikroskops bisweilen zerdrückt werden. Sie 
theilten sich dann parallel mit der langen Achse mit grösster 
Leichtigkeit in viele Messerklingen-ähnliche Lamellen (Fig. 5 b), 
welche den Spaltungsformen eines Krystalles nicht unähnlich 
sind. Zwischen ihnen sitzen nicht selten bernsteinfarbige La- 
mellen, welche den blauen Splittern fest anhängen (Fig. 5 c). 

Da die Splitter nach dem Kochen mit Salzsäure oft eine 
deutliche Pflanzenstruktur zeigen , so ist wahrscheinlich , dass 
wir es hier weniger mit Vivianit-Krystallen zu thun haben als 
mit Pflanzentheilen, welche von diesem Mineral und von Kiesel- 
säure imprägnirt sind. Ich habe unter dem Mikroskope in 
mehreren Seeerzen deutliche, runde, azurblaue, stängelförmige 
Pflanzentheile mit farblosen Fibrillen (Fig. 6 a) an den Enden 
gesehen, welche sich ganz wie diese Splitter verhielten. Auch 
ein grasgrüner und ein purpurrother und viele violette Stängel 
wurden beobachtet (Fig. 6 b, c, d). Die meisten davon ge- 
hörten nicht Conferven mit einfachen Zellreihen an, sondern zu- 
sammengesetzteren Pflanzen mit Zellgewebe, wahrscheinlich 
Gramineen. Es ist zu vermuthen, dass der Gehalt dieser Pflan- 
zen an Phosphorsäure die Ausfällung des Vivianites in ihren 
verfaulten Körpern veranlasst hat. 

Ich will hier nicht die Kieselpanzer der organisirten Kör- 
per besprechen, welche im Schlamm aus dem Tisken vorkom- 
men, weil weiter unten an einer Stelle angeführt ist, was in 
dieser Hinsicht in allen den untersuchten See- und Wiesen- 
erzen beobachtet wurde. 

Die in fester Form vorkommenden Erze bilden theils 
compakte Nester (Rusor), theils kleinere oder grössere Körner, 
Kugeln und Scheiben, theils sind sie das Inkrustirungs- oder 
Petrificirungs-Mittel von Wurzeln, Stammenden und Thieren, 
z. B. Käfern und Würmern. Wir werden auf diese verschie- 
denen Formen zurückkommen, welchen das gemein ist, dass 
sie theils (und hauptsächlich) aus einer harten, amorphen, dun- 
kelbraunen, harzglänzenden Masse zusammengesetzt sind, theils 
aus einem loseren, wenig zusammenhängenden, graugrünen, 
gelben, braunen oder schwärzen Ocker, welcher die Höhlungen 



102 



der schlackenartigen Klumpen ausfüllt oder in ihnen Schichtung 
veranlasst. In dem kugelförmigen „Penning w -Erze wechseln 
concentrische Schalen von festem, glänzendem Erz mit solchen 
von losem und ockerigem. 

Letzteres ist meist mit Sand vermischt, gleicht aber übri- 
gens ganz und gar dem oben beschriebenen Schlamm. Die 
meisten Panzer von mikroskopischen Organismen kommen in 
diesem ockerigen Theil des Erzes vor. 

Das harte, glänzende Erz zeigt unter dem Mikroskope eine 
gleichförmige, amorphe Struktur, welche man nur bei einer 
chemischen Verbindung zu sehen gewohnt ist, nicht aber 
bei einer Mischung von z. B. Eisenoxydhydrat und Kieselsäure. 
Das Pulver besteht aus scharfeckigen Splittern mit zum Theil 
muschligem Bruch. -Sie können hinsichtlich der Farbe und des 
Aussehens mit nichts besser verglichen werden als mit Stück- 
chen von Bernstein oder Kolophonium * wenn sie dünn sind, 
sind sie gelb durchsichtig, wenn dick, braunroth bis schwarz. 
Wasserklare Kieselsäurestückchen kommen zwischen ihnen sehr 
selten vor, öfters Sandkörner verschiedener Farbe. 

Die dunkeln Punkte dickerer Erzstückchen scheinen bei 
längerer Betrachtung eine intensiv dunkelblaue Farbe anzu- 
nehmen , die an jene der oben genannten Splitter in dem 
Schlamm erinnert. Sie tritt oft deutlicher hervor, wenn das 
Pulver mit Salzsäure, Salpetersäure oder sogar mit Molybdän- 
flüssigkeit angefeuchtet wird, ist aber hauptsächlich subjectiv und 
eine Folge von dem langen Verweilen des Auges auf den 
gelben und rothgelben Körnern. Durch veränderte Beleuchtung 
oder Wendung der schwarzblaufarbigen Stückchen unter dem 
Objective treten ausser den rothgelben Punkten auch weisse 
neben den blauen und an ihrer Stelle hervor. Einige" blaue 
Flecken bleiben aber unverändert, und da ich sie auch in dem 
ockerigen Theile fand, so wurden sie unter dem Mikroskope 
mit Blaueisenerde verglichen, womit die Uebereinstimmung so 
deutlich ist, dass man an ihrer Identität mit Eisenoxyduloxyd- 
phosphat nicht zweifeln kann. Es kann uns auch nicht befrem- 
den, dass in See- und Wiesenerzen Theile eines Minerals 
mikroskopisch eingemengt sind, welches in ihnen oft in recht 
beträchtlichen Massen auftritt. Versuche mit Molybdänflüssig- 
keit zeigten jedoch, dass der hauptsächlichste Theil des Phosphor- 
säuregehalts der See- und Wiesenerze beinahe gleichförmig und 



103 



unsichtbar durch die ganze Erzquantität vertheilt ist , welche 
auf einmal unter dem Mikroskope betrachtet werden kann. 

Mikroskopische Organismen. 

Von mikroskopischen Organismen sieht man wenig bei 
Betrachtung des unvorbereiteten harzigen Erzes; die wenigen 
sichtbaren (gewöhnlich grössere Conferventheile) liegen lose 
zwischen den Erzstückchen, in welchen selbst nichts Organisches 
entdeckt werden kann. Betrachtet man aber die gelatinös- 
körnige Kieselsäure, welche zurückbleibt, wenn man kleine 
Stückchen von dem Erz mit kalter Salzsäure behandelt , so 
entdeckt man in der unter dem Mikroskope einem Eis- und 
Schneebrei ähnlichen Masse eine Menge von Panzern von Dia- 
tomeen. Sie kommen jedoch nur bei einer gewissen Beleuch- 
tung zum Vorschein und gleichen leichten Schatten , deren 
Umrisse zum Theil mit der umgebenden Kieselsäure zu- 
sammengeschmolzen, während einige von ihren feinsten Streifen 
sehr scharf erhalten sind (Fig. 7). Ich habe versucht, einige 
von ihnen abzuzeichnen, aber die Figuren geben nur sehr un- 
vollständig den Zustand , in dem sie hervortreten, und eben 
dieser Zustand ist hier das Wesentliche, weil er zu zeigen 
scheint, dass die Kieselsäure des Panzers eine chemische 
Verbindung mit dem umgebenden Eisenoxyd eingegangen ist, 
so dass uns die Figur als ein Abdruck der verschwundenen 
Masse zurückblieb. Die Figuren 4. u. 6. zeigen, dass Conferven- 
Knäule, ganz wie die in dem Schlamm bemerkten, auch in der 
Kieselsäure aus dem pechähnlichen Erze hervortreten. 

Vergleicht man nach allem diesem das feste, harzige Erz 
mit dem losen, ockerigen (Schlamm), so zeigt sich jenes als 
eine chemische Verbindung zwischen Kieselsäure und Eisen- 
oxyd etc. , dieses aber als eine mechanische Mischung von 
Kieselsäure (und Sand), Theilen der so eben genannten Sili- 
cate, Eisenoxydhydrat- und Verwesungsprodukten, welche bei 
der Kieselsäure aus dem Schlamme die schwammige Struktur 
verursachen, die jener aus dem harzigen Erze ganz fehlt. Die 
Kieselsäure aus letzterem hat vor dem Trocknen gewiss auch 
eine schwammartige . Struktur, aber nur in Folge zahlreicher 
Höhlungen, die durch das Wegnehmen des Eisenoxyds ent- 
standen waren. Bei der Behandlung des harzigen Erzes mit 



104 



Salzsäure werden nebst der Kieselsäure die obengenannten 
ellipsoidischen Eisenoxydsilikatkörper erhalten (Fig. 3). 

Es bleibt uns übrig, durch Analyse die Zusammensetzung 
des Minerals oder der Minerale, welche den harzigen Theil 
des See- oder Wiesenerzes ausmachen, zu bestimmen. 

Mikroskopische Organismen kommen in allen den schwe- 
dischen und finnländischen See- und Wiesenerzen vor, welche 
ich Gelegenheit hatte zu untersuchen; aber ihre Anzahl und 
ihr Formenreichthum sind in verschiedenen Arten verschieden, 
sogar in verschiedenen Stücken derselben Erzprobe; nach dem 
Gesagten ist jedoch begreiflich, dass der grösste Theil davon 
in dem braunen , harzigen Erze aufgelöst sein kann , wodurch 
ihreForm vernichtet wurde, und dass verhältnissmässig mehrerein 
dem ockerartigen Erze gefunden werden, wie vorher bemerkt 
worden ist. Die Skelette von allen bestehen hauptsächlich 
aus Kieselsäure. Dies gilt nicht nur von den kieselgepanzerten 
(Diatomeen), sondern auch von solchen Conferven, welche nach 
Verbrennung kein zusammenhängendes Aschen-Skelett zurück- 
lassen, wie durch in dieser Hinsicht angestellte Versuche er- 
mittelt wurde. Keine einzige organische Form blieb übrig, da 
die Erze mit Kalilösung oder Fluorwasserstoffsäure behandelt 
worden waren bis zur Lösung des Kieselpanzer. Also kann Eisen- 
oxyd unmöglich ein selbstständiges Baumaterial der Skelette 
sein. Gewöhnliche mikroskopische Algen nebst kieselbepan- 
zerten Diatomeen (wie auch Conferven), welche letztere einen 
grossen Theil der von Ehrenberg als Infusionsthiere betrach- 
teten Organismen ausmachen , sind am zahlreichsten. Die 
Zellen skelette der ersteren bestehen meistenteils aus farbloser 
Kieselsäure (Fig. 8, a, b, c, d; 4, c); sehr selten sind sie 
lichtgelb j blau oder rothviolet, öfters schmuzig ockergelb 
(Fig. 8, f. e.) mit zahlreichen, sowohl auf, als innerhalb der 
Zellmembran und in der Zelle selbst liegenden Ockerkörnern 
Diese ockerbraune Farbe lässt sich äusserst schwer und nur 
sehr unvollständig durch Salzsäure wegnehmen. Die aus- 
wendig an den Zellen sitzenden Ockerkörner sind oft so zahl- 
reich, dass sie ein zusammenhängendes, höckeriges Rohr bilden, 
welches dem Rohr, womit sich die Larven von den Phryganea- 
Arten umgeben, ähnlich sieht (Fig. 1, 8, g.). Ockerkörner, 
welche in einer Zelle zu liegen scheinen, liegen in der That 
sehr oft auswendig an ihr, wovon man sich dadurch über- 



105 



zeugen kann, dass man den unter dem Mikroskope betrachteten 
Gegenstand in eine leichte Bewegung setzt. ■ Aber in gewissen 
Fällen kommen Ockerkörner in Zellen nicht nur in offenen, 
welche sehr oft durch einen Ockerpfropfen zugestopft sind 
(Fig. 8, h, i), sondern auch in ganz unversehrten und ge- 
schlossenen vor. Die in der Fig. 9. gezeichnete Conferve 
kommt sehr wohl erhalten beinahe in allen den untersuch- 
ten Erzen vor, so dass man an einem einzigen, etwa 1 Mm. 
langen Exemplar nebst 50 bis 60 Internodien die sackähnliche 
Zelle an dem einen und die feinen Fibrillen an dem andern 
Ende der Pflanze nicht selten wahrnehmen kann. Die Form 
der Pflanze erinnert sehr an die der Equisetaceen ; ihr Skelett 
besteht aus wasserklarer Kieselsäure, aber in jedem Inter- 
nodium sitzt ein rostfarbiger Propfen von Eisenoxydhydrat. 
Da durch Behandlung mit Salzsäure diese Pfropfen verschwin- 
den, und da gleichzeitig die ganze Zellenreihe mit einer citronen- 
gelben Lösung gefüllt wird, welche nur durch anhaltendes 
Auslaugen mit warmem Wasser weggenommen werden kann, 
so ist gewiss, dass die braunrothe Farbe der Internodien in 
ihnen sitzendem Eisenoxydhydrat angehört. Da ich in dem 
„ Falu a" (oberhalb des Tisken) -ganz ähnliche Conferven ge- 
sehen habe, obgleich mit farblosen Internodien, so sind 
die beschriebenen Pfropfen gewiss kein specifisches Merkmal 
der fraglichen lebenden Pflanze. Wird Seeerz vorsichtig mit 
Alkalilösung behandelt, so dass die Kieselsäureskelette nicht 
völlig gelöst werden, so zeigen die vorher ebenen Zellen mit- 
unter Zweigansätze, deren Stellung jener bei Chara- Arten 
ähnelt (Fig. 9, c). 

Schon 1836 sprach Ehrenberg die Ansicht aus, dass die 
Wiesenerze durch gewisse Infusionsthiere erzeugt werden, 
welche Panzer von Eisenoxydhydrat und Kieselsäure bauten. 
Besonders die Gaillonella ferruginea (unter dem Namen Oscilla- 
toria ochracea zu den Conferven gerechnet) soll ein fleissiger 
Eisen fabrikant sein; sie wird aber, nach Ehrenberg und Wieg- 
3IANN, nicht in dem festen Wiesenerze, sondern nur in dem 
losen Ocker gefunden; Wiegmann bestreitet ganz und gar die 
Mitwirkung dieser Infusorien bei der Bildung der Seeerze. Ich 
habe in allen den untersuchten See- und Wiesenerzen keine 
Gaillonella ferruginea finden können, theile aber in Fig 10. eine 
Abbildung davon mit, die in Poggendorff's Annalen für 1836 



106 



zu sehen ist. Da e. dieselbe 2000 Mal vergrössert zeigt, 
und die gewöhnliche, von mir angewandte Vergrösserung nur 
280 (die grösste 590) war, so ist es möglich, dass ich diese 
Form übersehen habe. Der Name kommt jedoch in Ehbek- 
berg's Mikrogeologie (1854) nicht vor, auch keine andere 
Figur, die mit der hier mitgetheilten Aehnlichkeit hat. Die 
gelbe Farbe, welche ich bei einigen Diatomeen bemerkte, ist 
gewiss nur zufällig, da sich dieselben Formen viel häufiger ganz 
farblos zeigten. Uebrigens sind sie nicht selten von Eisen- 
oxydhydratkörnern verunreinigt, auf dieselbe Weise, wie oben 
von den gewöhnlichen Conferven angeführt wurde. - 

Die in den Figuren 11 bis 19 abgebildeten Formen sind 
einige der in den Erzen am häufigsten vorkommenden , oder 
solche, welche mir am bemerkenswerthesten schienen. Sie 
wurden bei 280- (nureinige bei 590-) facher Vergrösserung, aber 
ohne Camera lucida, gezeichnet, und die Zeichnungen sind ein 
wenig zu gross ausgefallen. Sie wurden durch Vergleichung 
mit Ehrenberg's mikrogeologischen Kupferwerk bestimmt, 
nach welchem sie ohne Ausnahme Infusionsthieren, die meisten 
der Classe Polygastrica angehören. 

Nebst den eben erwähnten Formen des niedrigsten Pflanzen- 
lebens kommen in den See- und Wiesenerzen nicht selten 
mikroskopisch kleine Fragmente höher organisirter Pflanzen 
vor. Hierher gehören die oben erwähnten blauen Splitter 
Fig. 5, aber auch viele andere nicht blau gefärbte Zellgewebe. 
Fig. 20 a zeigt ein solches , wahrscheinlich von irgend einem 
Grase. Es wurde abgezeichnet, weil es im Seeerz von Bru- 
saholm sehr oft vorkommt und äusserlich an gewisse fossile 
Fenestella-Arten sehr erinnert. Die in Fig. 20, e, f, g abge- 
bildeten Körper gleichen am meisten Pollenkörnern; Fig. 20, 
c, d stellt Gewächsfragmente vor, vielleicht Spiral- und Ringfibern 
von Zellenmembranen oder Spiralgefässen. Fig. 20, b ist wohl 
ein sogenanntes Animalculum des Springfadens einer Chara-Art. 

Das Zellgewebe von in Erz verwandelten Pflanzen zeigt 
sich unter dem Mikroskope als aus beinahe farbloser bis 
dunkelgelber Kieselsäure bestehend, aus kolophoniumähnlichen 
Silicaten und aus einer undurchsichtigen, schwarzbraunen, 
lignitähnlichen Substanz. Bei feinen Längen- oder Querdurch- 
scbnitten kann man bemerken, dass die Zellen am häufigsten 
mit Kieselsäure gefüllt sind, die Zellmembranen dagegen und 



107 



die Interzellulargänge sind meistenteils verwandelt in, oder 
gefüllt ^nrit brauner oder beinahe schwarzer lignitartiger Sub- 
stanz und Eisensilikaten. 

Einige Wurzeln etc. sind durch ihre ganze Masse auf die 
eben angedeutete Weise petrificirt, andere sind nur mit festem 
oder ockerartigem Erz inkrustirt. Die Holzsubstanz ist dabei 
bisweilen ganz verschwunden, so dass röhrenförmige Stengel- 
abdrücke zurückbleiben. Oefters sind inkrustirte Pflanzentheile 
zu einer gewissen Tiefe petrificirt, während ihr Kern aus loser 
Kohle mit vielen Zwischenräumen besteht. Diese undurch- 
sichtige Kohle zeigt bisweilen die oben erwähnte blaue Farbe ; 
in ihren Poren sitzt theils wasserklare Kieselsäure, theils Eisen- 
silikat. Ist ein Erz, das sich z. B. zwischen Schilf und Rohr 
gebildet hat, von lauter petrificirten und inkrustirten Stängeln 
und Wurzeln zusammengesetzt, so bekommt es ein röhren- 
förmiges Aussehn (Pip-malm). 

Die feinen, oft eckigen Körner, welche je nach ihrer Grösse 
Pulvererz , Hagelerz etc. genannt werden , sind zum Theil 
körnig-ockerige Ausfüllungen , zum Theil das Reibungspulver 
kompakter Erdmassen, meistentheils aber sind sie Inkrusta- 
tionen von noch feinerem Sand- und Erzstaub; sie machen im 
letztern Fall die kleinsten Varietäten der abgerundeten Erzarten 
aus, welche unter dem Namen Perlenerz, Erbsenerz etc. be- 
kannt sind. Die Kugelform der letztgenannten ist bei den 
kleineren am regelmässigsten. Bisweilen sind sie durch ihre 
ganze Masse gleichförmig dicht und kompakt, aber viel häufiger 
besitzen sie eine concentrisch-schalige Structur. 

Wird die eine Hälfte solcher Erzkugeln weggeschliffen, 
so entdeckt man in ihrer Mitte einen fremdenKörper, ein Sand- 
körnchen, ein Pulvererzstückchen, ein wenig erhärtete Kiesel- 
säure oder nur einige silificirte mikroskopische Pflanzen-Ueber- 
reste, rings um welche die Schalen um so mehr excentrisch 
liegen , je grösser sie werden. Nicht selten sind zwei und 
mehrere kleinere, excentrisch zusammengesetzte Erzkörner zu- 
sammengekittet und von unter sich parallelen Schalen um- 
geben. Je nach der Anzahl, relativer Grösse, gegenseitiger 
Lage der zusammengekitteten Kugeln erhält dann die ganze 
Zusammenhäufung ein mehr oder weniger regelmässig ellip- 
soidisches oder bohnenähnliches Aussehen. Haben die Kugeln 
eine gewisse absolute Grösse erreicht (-£• bis 2 Linien), so 



108 



legen sich die folgenden Schalen oft nicht mehr sphärisch an, 
sondern sie werden ringförmig abgesetzt; dadurch entsteht 
eine plane oder schalenförmig gebogene Scheibe als die Schluss- 
form bei den Erzarten , die „ Penningerz " genannt werden 
(Fig. 21.) Die verschiedenen Schalen der centrisch zusammen- 
gesetzten Erze zeigen bisweilen unter sich so wenig Ver- 
schiedenheit hinsichtlich der Farbe und Härte, dass man sie 
nicht leicht unterscheiden kann , wenn man nicht auf den 
Durchschnitt haucht oder ihn mit Säure ätzt. Aber viel 
häufiger wechseln harte, braune Schalen mit ockerartigen losen ; 
oft kommen nur diese letzteren vor mit wenig Zusammen- 
hang in ihrer Masse und unter sich. Ja, es kommt vor, dass 
die Schalen ganz lose in einander oder nur auf wenigen 
Punkten zusammengewachsen liegen. Da die Zwischenräume 
bei der Heraufholung des Erzes mit Wasser gefüllt sind, so fallen 
die dünnen Schalen oft zusammen, sobald das Wasser ver- 
dunstet. Solche Erze stimmen mit den sogenannten „Adler- 
steinen" (Aetites Aquüini) überein, welche die Aufmerksamkeit 
älterer Mineralogen in hohem Grade erregten. Wenn man er- 
wägt , dass Linne vor 100 Jahren die Entstehung der sphäri- 
schen Struktur der kugelförmigen Seeerze (Tophis globosus) 
ganz richtig erklärt hat (natus e ferro in arena, a centro multi- 
plicatus versus periplieriam) , so muss es Erstaunen erwecken, 
dass man noch in der neuesten Zeit wahrscheinlich machen 
wollte, dass kleine Thiere die Schalen von aussen nach ein- 
wärts „spinnen" sollen. 

Haben die kugel- oder „penning"-förmigen Erze eine ge- 
wisse Grösse erreicht, so wachsen sie nicht mehr regelmässig, 
sondern sie werden unter sich zu dünnen, rauhen Krusten zu- 
sammengekittet. Diese liefern einen Theil des sogenannten 
Skraggerzes. Andere Skraggerzarten sind aber krustenartige 
Ockerabsetzungen und Ueberzüge ohne inneliegende Perlen- 
und „Penning"-Erze ; durch zwischenliegende, dünne Sandlager 
können sie eine Art Schichtung annehmen. 

Chemische Zusammensetzung von Seeerzen. 

Von schwedischen Seeerzen hat man sehr viele Analysen ; 
dass diese zu keinen stöchiometrischen Formeln korrekt führen, 
ist nicht auffällig, da sie nicht mit der harten, harzigen Masse 



109 



für sich angestellt worden sind, sondern mit der ganzen Masse 
nebst deren Verunreinigung durch Sand, Pflanzenüberreste etc. 

Lidbäck 1 s Analysen von geglühtem Seeerz von Kronobergs 
län, Gelserum und Ryd: 



Sand und Kieselsäure 


10,60 


24,2 


30,0 


Thonerde 


2,80 


1,4 


1,6 


Manganoxyd 


4,40 


1,9 


0,8 


Eisenoxydphosphat 


1,00 


6,4 


4,0 


Eisenoxyd 


78,72 


67,0 


61,0 


Schwefel 


0,01 






Summe 


97,53 


100,9 


97,4 



führen zu resp: B> Si -|- ?H, R 5 Si 3 + ?H und R 5 S i ' -\ ?H. 

Aus Stael v. Holstein' s Analyse von Pulvererz aus 
Särna : 



Phosphorsäure 


0,119 


Kieselsäure 


4,318 


Thonerde 


0,431 


Kalkerde 


0,091 


Talkerde 


0,534 


Manganoxyd 


19,297 


Eisenoxyd 


62,322 


Wasser 


12,056 


Summe 


99,168 



kann die Formel R 4 Si 3 -[- 15R 2 H 3 berechnet werden. 

Svawberg's 30 Analysen von Seeerzen, nebst zweien von 
Wiesenerzen aus Smaland , Wermland, Dalarne, Heisingland 
geben: 



Phosphorsäure 


0,051 


bis 


1,213; 


im Durchschnitt 0,476 


Schwefelsäure 


Spuren 


n 


0,430 


w 


0,070 


Kalkerde 


0,266 


r> 


3,095 


V) 


1,366 


Talkerde 


0,021 


Y) 


0,731 


- V 


0,192 


Thonerde 


1,232 


r> 


7,894 


r> 


3,581 


Kieselsäure 


5,4y8 


Ii 


41,258 


n 


12,639 


Eisenoxyd 


43,225 


5, 


75,685 


n 


62,566 


Mangan oxyd 


0,463 


Y> 


34,715 


Y) 


5,578 


Wasser (incl. Or- 












ganisches) 


7,576 


5, 


17,814 




13,532 



Summe 100,00. 



110 



und deuten auf die Formel : 

& 3 Si + 6H. 

Wiewohl weder diese, noch andere Analysen von aus- 
ländischen Wiesenerzen einen Gehalt an Eisenoxydul an- 
geben, so lässt sich doch ein solcher in den meisten mangan- 
armen Erzarten nachweisen ; es dürfte auch in den mangan- 
reichen vorkommen; da aber das Manganoxyd bei Lösung des 
Erzes in warmer Säure Sauerstoffgas entwickelt, welches das 
anwesende Eisenoxydul zu Oxyd oxydiren wird, so kann in 
solchen Erzen die Anwesenheit des Oxyduls weniger leicht 
nachgewiesen werden. Auf der anderen Seite veranlassen 
organische Substanzen bei der Auflösung des Erzes eine Re- 
duktion von Eisenoxyd, so dass Eisenoxydul in der Lösung 
vorkommen kann, ohne in dem Erze selbst zu existiren. 

Dass der harzähnliche Theil der See- und Wiesenerze ein 
Silicat ist (oder eine Mischung von mehreren solchen), folgt 
nicht nur aus seiner Homogenität und anderen äusseren 
Kennzeichen, sondern besonders auch aus dem Umstände, dass 
er bei der Auflösung gelatinöse Kieselsäure giebt. Dieses 
Silicat ist sehr basisch, dürfte aber in vielen bekannten basisch 
schwefel-, arsenik- und phosphorsauren Eisenoxyd- (und Oxy- 
duloxyd-) Salzen Analogieen haben. Dass der ockerige Theil 
des Seeerzes eine mechanische Mischung ist, kann man mit 
Hülfe des Mikroskops wahrnehmen. 

Die Schwefelsäure und besonders die Phosphor- 
säure sind an Eisenoxyd gebunden. Man hört bisweilen 
Eisenhüttenleute behaupten , dass die Wiesenerze gewöhnlich 
schwefelhaltiger als Seeerze seien, aber die bekannten Analysen 
sprechen nicht für diese Behauptung, die jedoch nicht unwahr- 
scheinlich sein dürfte hinsichtlich der Verhältnisse , unter 
welchen beide Erze entstehen. Auch- hält nicht die Ansicht 
Stich, dass schwefelhaltige Seeerze phosphorarm seien und 
vice versa, oder dass der Phosphorgehalt mit dem Eisengehalt 
steigt. Die Kalk- und Talkerde kommen immer nur in 
sehr kleinen Quantitäten vor; sie dürften meistentheils an 
Kieselsäure gebunden sein, in den ockerigen Erzen theils auch 
an organische Säuren und Kohlensäure. Nicht alle schwe- 
dischen See- und Wiesenerze enthalten letztere; sie kann mit- 
unter nicht entdeckt werden, wenn man frisch heraufgeholte Erze 
untersucht, zeigt sich aber oft, wenn die Erze mehrere Jahre 



111 



in der Luft gelegen haben. Ohne Zweifel ist sie da durch 
Verwesung organischer Substanzen entstanden. Da der Talk - 
und Ka 1 kge h al t. bisweilen zu der Sättigung der gefundenen 
Kohlensäure nicht hinreichend erscheint, so darf man mit 
WallaF annehmen, dass Verbindungen wie: AI 3 C 2 -f 4H, 
FeC + 6H; Fe 9 C + 12S existiren können. 

Die Thonerde, insofern sie nicht von mechanisch ein- 
gemichtem Thon herrührt, folgt ohne Zweifel dem Eiseuoxyd. 
Ockerscblämme enthalten sie als basisch quellsaures und quell- 
salzsnures Salz, welches unlöslich ist und Reagentien kräftig 
widersteht. Das Manganoxyd kommt am meisten in den 
weniger zusammenhängenden , körnig-ockerigen, schwarzen 
Erzarten (Pulvererz) vor und scheint sogar zu verursachen, 
dass diese zu kompakten und homogenen Massen weniger leicht 
erhärten. Gelbe , ockerige Erze sind bisweilen von Mangan - 
oxydhydrat schwarz gelleckt. Ausser den nach obigen Ana- 
lysen gewöhnlich vorkommenden Bestandtheilen enthalten viele 
See- und Wiesenerze einige andere Stoffe , allerdings nur als 
Spuren, welche aber über die Bildungsart dieser Erze Finger- 
zeige geben können. Hierher gehösen : Chlor, Arsenik- 
säure, Titan, Molybdän, Chrom, Vanadin, Kupfer 
Nickel, Kobalt, Zink. Unter ihnen habe ich in den 
Seeerzen Smalands Ch rom*) , Kupfer und Nick el gefunden, 
des Vorkommens von Vanadin aber bin ich nicht sicher. 
Im Erz aus Amungen kommen Spuren von Zink vor. Da 
Spuren von Chrom und Vanadin in den smaländischen 
Grünsteinen vorkommen, so deutet ihre Anwesenheit in See- 
land Wiesenerzen an. wovon die resp. Eisenlösungen gekommen 
sind; Nickel, Kupfer und S eh we fe 1 s ä u re deuten auf zer- 
setzte Kiese. Titan in Wiesenerzen von Walchxer, Ber- 
thier und F or CHHA3EMER ( von letzterem in den dänischen 
Erzen) gefunden , habe ich vergebens in Smaländischen See- 
erzen gesucht . wo es doch aus guten Gründen vermuthet 
werden könnte, da titanhaltige Eisenerze die dortigen Grünsteine 
reichlich imprägniren. 



"-) Lidbaeck hat (schon ISN in Seeerzen von Gelserum. Lilla 
Eyd und Kronobergs L'an (der Ort nicht näher bestimmt) Chrom ge- 
sucht. 



112 



Alle ockerartigen See- und Wiesenerze enthalten kleine 
Quantitäten von Ammoniak, welches in frisch heraufgeholten 
Erzen sich bisweilen nur dann zu erkennen giebt, wenn sie 
mit kaustischem Kali erhitzt werden; aber aus Seeerzen, welche 
mehrere Jahre der Luft ausgesetzt gewesen sind, kann kohlen- 
saures Ammoniak durch Wasser ausgezogen werden. Da alle 
Eisenerze (sogar die stahldichten Dannemora-Steine) absorbirtes 
Ammoniak enthalten, so kann seine Anwesenheit in See- und 
Wiesenerzen keine Verwunderung erregen ; wir werden aber 
finden, dass es bei der Entstehung dieser Erze keine unbedeu- 
tende Rolle spielt. 

Ich will hier nicht unerwähnt lassen, dass schon Sven 
Rinman bei der trockenen Destillation der Seeerze ein flüch- 
tiges, urinöses Salz ,,und den Geruch von Spiritus fuliginis" 
bemerkte. Er fand auch, dass kohlensäurehaltiges, gelbliches 
Wasser mit einer schwarzen, fetten, bituminösen Materie über- 
ging, so dass die condensirte Flüssigkeit (25 £ von dem Ge- 
wicht des Erzes) dick, stinkend, von stiptischem Geschmak 
war; an den Wänden des Recipienten sublimirten weisse 
Krystalle , wahrscheinlich # kohlensaures Ammoniak (vielleicht 
Pyrogallu s s äure?). Von Interesse ist auch ein anderer 
Versuch Rmman's, nach welchem aus Seeerzen durch Glühen 
ohne Kohlenzusatz in lutirtem Tiegel metallisches Eisen redu- 
cirt wurde. Die genannten theerartigen Produkte können 
allerdings durch die trockene Destillation der Pflanzenüberreste 
entstehen; aber in See- und Wiesenerzen kommen auch fertige 
harz-, wachs- und ta lg ähnliche Verbindungen vor, wovon 
kleine Quantäten durch Alkohol, Aether und Naphta ausge- 
zogen werden können. Uebrigens giebt die trockene Destilla- 
tion zuerst eine ammoniakalische, aber später eine von Holz- 
es s i g s ä u r e und Ameisensäure saure Flüssigkeit; beide 
Säuren dürften kaum in dem Erze fertig sich vorfinden; 
sie sind vielmehr Zersetzungsprodukte von darin vorkommen- 
den Humus säuren. 

Berzelius fand den Lokaocker zusammengesetzt aus: 



113 



, . . , vi ™. { Eisenoxyd 42,343 

basisch quellsaurem Eisen- ~ , , %. oo o/?n 

oxvd90 54 1 Quellsaure 33,860 

oxyciyu,ö4 Wagger u34() 



90,543 

Kohlensaurem Kalk 3,54 

Phosphorsaurer Thonerde, Spuren 

von Talkerde und Manganoxyd 0,38 
Kieselerde 5,54 



Summe: 100,00. 

Hierbei ist zu bemerken , dass das basisch quellsaure 
Eisenoxyd Ammoniak enthält, was aus der Analyse nicht er- 
sehen werden kann, weil Berzelius die Quellsäuren für stick- 
stoffhaltig ansah, als er sie in dem Lokawasser entdeckte. 

Nach Nöggerath und Mohr besteht Wiesenerz von Ma- 
rienbad aus ; 

Eisenoxyd . 39,58 

Humussäure % 20,40 

Wasser . 36,42 

Sulphate von Eisenoxydul, Talkerde, Verlust 3,60 

100,00 

Wiegmann fand die Zusammensetzung des Limonits von 
Braunschweig 



Eisenoxydul 


66 


68,5 


60 


Phosphorsäure . 


7 


7,0 


8 


Humussäure . 


14 


12,5 


3,75 


Wasser . . 


13 


10,5 


4,25 


Manganoxydul . 




1,5 


1,5 


Kieselsäure . 






22,5 



100 100,0 100,00. 
Senft giebt im Wiesenerz von Lingen (Hannover) 9 pCt., 
in solchem von Lithwinsk (Ural) 15,8 pCt., und von Mecklen- 
burg 4,56 pCt. Humussäure und Quell sa tz säure an; 
Gräger in Ortstein von der Lüneburger Haide und Mecklenburg 
Quellsäuren -. 3,128 pCt. 2,817 pCt. 
Humussäure . 2,780 ,, 1,502 „ 
Ulminsäure . 3,782 „ 3,531 „ 
Summe: Humussäuren 9,690 pCt. 7,850 pCt. 

Im Allgemeinen ist jedoch die Quantität dieser Säuren ge- 
ringer als in den eben genannten Erzarten. 

Nach Hermann enthält das Wiesenerz aus Nischnei-Nowgo- 
rod 1,08 und 2,50 Quellsäuren, nach Gottlieb das aus 
Olonetz 1,54, aus Buzias 1,72, Seeerz aus dem Santeeäuss 

Zeits. d.d.geoI.Ges. XVIII. 1 8 



114 

(Carolina) 1,64 pCt. Quellsäuren (incl. ein wenig Kalk 
und Talk; das letztgenannte ausserdem 0,37 pCt. Chlor). In 
Erz aus dem Helgasiä fand ich (1857) 3,08 pCt. organische 
Säuren, welche durch kaustisches Kali ausgezogen wurden. 

Von allen den vorstehenden Analysen gilt auch, dass der 
Gehalt der Humussäuren zu niedrig angegeben ist, sofern sie 
durch kohlensaures oder kaustisches Kali ausgezogen worden 
sind; denn keins von beiden Reagentien extrahirt sie völlig. 

Ausser den genannten organischen Säuren findet man 
Spuren von Gerbsäuren verschiedener Pflanzen in manchen 
Seeerzen, besonders in denjenigen, welche Theile von Calluna 
vulgaris und andere Pflanzen imprägniren und inkrustiren ; 
sie geben sich oft durch die schwarzblaue Farbe des Erzes 
zu erkennen. Auch ist die Einmischung von sogenannter 
Humuskohle in dem Erz nicht selten. 

Alle diese organischen Säuren sind nur in den frisch ge- 
fällten, ockerartigen Erzarten wesentlich ; in den harzähnlichen 
Silikaten kommen nur Spuren davon vor. Sie verwesen, und 
wenn das Oxyd, an welches sie gebunden sind, dabei nicht 
aufgelöst wird, so wird es mit Wasser, Kieselsäure und Kohlen- 
säure, welche eines der Verwesungsprodukte ist, vereinigt; da- 
durch dürfte erklärlich sein, dass kohlensaures Ammoniak aus 
Erzen extrahirt werden kann, die dem Zutritt der Luft x lange 
ausgesetzt gewesen sind. 

Was endlich den Wassergehalt der See- und Wiesen- 
erze betrifft, so gehört er theils dem oft genannten Eisensilicate, 
theils den basisch humussauren Oxydsalzen an; es soll aber 
nicht bestritten werden, dass viele ockerartige Erze hauptsäch- 
lich aus Eisenoxydhydraten bestehen. Hermann berechnet die 
Zusammensetzung von Quellerz aus Nischnei-Nowgorod zu 
FeH 3 ; Redtenbacher's Analysen von Sumpferz von Ivan führen 
zu (Fe, AI, Mn) H 3 , Gottlieb's von Seeerz vom Santeefluss 
zu H 3 ; die in Brauneisenstein etc. vorkommenden 
Hydrate haben gewöhnlich die Zusammensetzung: Fe H% 
Fe 2 H 3 ,FeH: aber auch Fe 2 H und 2 (Fe, Fe) + 3 H exi- 
stiren, und alle diese Hydrate können möglicherweise in See- 
und Sumpferzen auftreten. 

Von geologischem Interesse ist die Existenz von wasser- 
freien Wiesenerzen. Pf äff analysirte zwei solche aus Schleswig; 
ich habe eines dergleichen aus Oekna Locken gesehen, welches 



115 



der Rothfarbe (gebrannter Eisenocker) glich. Die gewöhnli- 
chen See- und Wiesenerze werden nur in gebranntem Zustande 
von dem Magnet angezogen, die genannten wasserfreien dage- 
gen ungebrannt, wenn auch in geringerem Grade. Pfaff fand 
das specifische Gewicht des wasserfreien Wiesenerzes 4,021, 
während gewöhnliche See- und Wiesenerze Sj bis 3|- wiegen, 
sehr verunreinigte sogar nur 2j. 

Aus dem gewöhnlichen Auftreten der See- und Wiesenerze 
in torf- und waldreichen Gegenden, aus der Art des Vorkom- 
mens des ersteren, aus den zahlreichen organischen Ueberresten, 
welche sie enthalten, konnte man schliessen, dass lebende und 
todte Organismen bei ihrer Entstehung wirkend sind; die 
Existenz der eben genannten organischen Säuren in diesen 
Erzen rechtfertigt eine solche Vermuthung, welche schon lange, 
ehe man die Existenz, die Zusammensetzung, Entstehung und 
Reaktionen dieser Säuren kannte, wie eine Ahnung ausgespro- 
chen wurde. 

Wir finden z. B. bei Urban Hjarne (1702) Folgendes: 
„Weiter ist nicht zu vergessen, was für eine grosse, reichliche 
Fettigkeit sich in den Morästen zu erkennen giebt, besonders 
in Roth- (Rödmyror) und Squacker- Mooren; denn, wenn das 
Wasser ruhig steht und nirgends fliesst, extrahirt, saugt und 
zieht es die innere Fettigkeit und Oelhaftigkeit aus dem Bo- 
den, welche dann von dem Zutritt der Sonnenstrahlen und der 
Kraft des Mondes unter dem Sommer sehr zunimmt, und end- 
lich entsteht solche Fettigkeit in dem Grade, dass schwefelhal- 
tige Erze und Mineralien, gemeiner Schwefel, Feuerstein und 
Eisen, ja mitunter wohl sogar Kupfer an solchen Orten von 
der Natur hervorgebracht werden. Wie man hier in Schweden 
an sehr vielen Stellen, auch in Finnland, ganze Gegenden von 
mehreren Meilen, besonders in Savolax und Korelen und dann 
an der russischen Grenze in Ingermanland u. s. w., sieht, was 
für eine Menge von Mooreisen und Rothschlamm da zu finden 
ist. Ja, alle röthlich gefärbte Moore sind schon mineralisch, 
Schwefel- und eisenhaltig, wie Proben sowohl im Niederschlag, 
als im Feuer zeigen. Man hat auch Exempel davon, dass, 
wenn solche Eisenerde ganz weggenommen wird, wächst sie mit 
der Zeit von Neuem nach, hier geschwinder, da langsamer, 
je nachdem der Ort grössere oder geringere Menge von Fettig- 
keit in sich hat, was ich selbst bei Medevi Hochbrunnen un- 

8* 



116 



weit der Einfassung im Rasen und bei Baggeby daselbst einige 
Jahre mit Fleiss beobachtet habe." u. s. w. 

Ein wenig deutlicher sind die Ansichten, welche Sweden- 
borg (1734) in dieser Hinsicht an mehreren Stellen ausspricht, 
z. B. „ Genesin et natales suos debere videtur succo Mo paludi- 
noso ferreo, unde etiam conspicue admodum aliquibus in locis 
derivare a paludine vicina videtur .... Ferrum enim sensim 
generali videtur in aquis stagnantibus etiam humo palustri com- 
mixtis et quasi fermentatis , praecipue cum etiam igni solari et 
frigori brumali expositae sint .... Hoc etiam indicat matricem 
esse ipsam paludem , ex qua continuo in undas fiuit succus in 
ipsa palude exclusus. c ' etc. 

Deutlich ist die Erklärung S. Rinmans (1782): „Diese zu- 
sammengeballten Ockerarten sind wahrscheinlich aus einem mit 
Schwefel oder dessen Säure mineralisirtem Eisenerz oder 
Schwefelkies entstanden , das durch den Zutritt der Luft zu 
Eisenerde verzehrt oder zersetzt worden ist; oder auch ist das 
Eisen durch vegetabilische Säuren aufgelöst und daraus auf 
verschiedene Weise ausgefällt worden." 

Die Erklärung Werner' s (1780, in der Uebersetzung von 
Cronstedt's Mineralogie) entbehrt nur des Wortes Humussäure, 
um noch heute als ganz, richtig gelten zu können. Nach ihm 
enthält das Moorwasser eine aus organischen Substanzen ent- 
standene Säure; es nimmt das Eisen aus Erde und Steinen 
auf und lässt es bei Verdunstung fallen; beim Austrocknen 
des Platzes erhärtet der so entstandene Ocker zu Sumpferz 
(bei dessen Bildung Schwefelkies nicht mitwirkend sein soll). 

In der neueren Zeit haben besonders Wiegmann (1835), 
Kindler (1837) und Senft (1862) durch Hülfe der Humus- 
säuren die Entstehung der Moorerze auf eine genügende Weise 
zu erklären gesucht. 

Aber nicht nur durch ihre Verwesung dürften organische 
Stoffe in diesem Falle mitwirkend sein, sondern auch durch 
ihren Lebensprozess, wenn auch vielleicht weniger dadurch, 
dass Gaillonellen etc. ihre Panzer von Eisenoxyd bauen 
(Ehrenberg), als auf eine mehr indirekte Weise, wie wir weiter 
unten Gelegenheit haben werden näher zu betrachten. 

Es wäre jedoch sehr einseitig, nur der werdenden oder ster- 
benden organischen Natur die Entstehung dieser Erze zuschrei- 



117 



ben zu wollen, mit welchen wir Erscheinungen nahe verknüpft 
sehen, welche der. unorganischen Natur angehören. 

Quellen, welche kohlensaures Eisenoxydul enthalten, setzen 
täglich Massen von Eisenocker ab, welcher sich nicht wesent- 
lich von gewissen Moorerzen unterscheidet, und nicht alle 
Kohlensäure leitet ihre Entstehung von verfaulten Pflanzensub- 
stanzen her. Das Wasser aus Schwefelkies- und Kupfergruben 
lässt eine Menge von Eisenocker fallen; dieser ist wohl von 
gewöhnlichen See- und Wiesenerzen ein wenig verschieden, 
aber wir werden einige sehr einfache Prozesse kennen lernen, 
wodurch er in die letzteren verwandelt wird. 

Bildungsweise der See- und Sumpferze. 

Die Bildung der See- und Wiesenerze hängt, kurz gesagt, 
davon ab, dass Eisenpartikel, welche in einer grossen Masse 
Berg- und Erdarten zerstreut sind, auf dem nassen Wege auf 
einem Punkt concentrirt werden. Sie müssen also in lösliche 
Form versetzt werden; aber dabei werden auch gleichzeitig 
andere Substanzen, je nach der Natur des Lösungsmittels und 
der angegriffenen Bergart, in grösserer oder geringerer Menge 
als das Eisen aufgelöst. Werden also aus einer solchen, viel- 
leicht innerhalb eines grossen Areales gesammelten, aber auf 
einem Punkte hervortretenden Lösung, alle mineralischen Be- 
standtheile auf einmal gefällt, so kann die Fällung in eini- 
gen Fällen reicher, in anderen auch ärmer an Eisen sein als 
die Bergart, wovon die mineralischen Substanzen genommen 
worden sind, und eine Co n c entration des Eisens findet nur 
da statt, wo entweder die Lösungsmittel solche sind, dass sie 
das Eisen wegführen, aber gleichzeitig keine andere Substan- 
zen, oder die Ausfällungsmittel solche, dass sie aus einer zu- 
sammengesetzten Lösung nur das Eisen ausfällen. 

In der Natur kommt weder das eine noch das andere mit 
mathematischer Genauigkeit vor, aber in vielen Fällen sind die 
Verhältnisse solche, dass sie sich den Bedingungen der hier 
gesetzten Extreme nähern, und nicht selten helfen sich diese 
beiden Concentrationsarten in der Weise, dass sie als Schluss- 
resultat eine sehr reine Eisenfällung hervorbringen. 

Wir werden zuerst einige der wesentlichsten Mittel be- 
trachten, welche die Natur anwendet, um die sparsam und weit 
vertheilten Eisenpartikel zu lösen und in einem gemeinsamen 



118 



Wasserlauf zu sammeln, aber wir müssen einige allgemeine 
Bemerkungen über schwedische Quellen vorausschicken. 

Tiefe, aus welcher die Quellen kommen/ Aus 
Hisinger's Zusammenstellung der Temperatur verschiedener 
schwedischen Quellen folgt, dass letztere in höherem Grade 
und öfter als anderswo von der mittleren Lufttemperatur der 
Gegend, wo sie hervortreten, abhängt; die Temperatur der 
Quellen drückt hier im Allgemeinen recht wohl die konstante 
Mitteltemperatur der Erdkruste aus; also können diese Quellen 
nicht aus einer sehr bedeutenden Tiefe kommen. Da die mei- 
sten schwedischen Mineralquellen fsiehe die Analysen weiter 
unten) Kali in einer viel grösseren Proportion gegen Natron 
enthalten , als es bei den Mineralquellen des Auslandes ge- 
wöhnlich ist, und da bei Wässern, welche feste Silikatgesteine 
durchdringen , ein entgegengesetztes Verhältniss stattfinden 
sollte in Folge der schwereren Zersetzbarkeit der kalihaltigen 
Mineralien, der leichteren aber der natronhaltigen, so hat man 
allen Grund zu vermuthen, dass dieser grosse Kaligehalt nicht 
aus dem anstehenden Gestein, sondern aus verfaulten Pflanzen- 
resten aufgenommen worden ist; die fraglichen Mineralquellen 
scheinen also nicht aus Klüften in dem festen Gestein zu 
kommen, sondern sie können schlechthin Moorwasser sein, wel- 
ches durch lose Erdschichten filtrirt worden ist. Diese Folge- 
rung wurde hinsichtlich des Adolfsbergswassers vor vielen 
Jahren von Bischof gemacht. Berzelius dagegen schliesst 
aus der konstanten Temperatur der Loka-Quelle (7 Grad), dass 
dieses Wasser aus einer grösseren Tiefe kommt. Da die Mittel- 
temperatur bei Loka etwa 5f Grad ist, so braucht jedoch diese 
Tiefe nicht grösser als ca. 150 Fuss zu sein, wenn die Erd- 
temperatur mit 1 Grad auf je 100 Fuss zunimmt. 

Falu Surbrunn hatte nach Helleday im Mai 1855 eine 
Temperatur von 5 Grad; 1865 den 27. Januar fand ich die 
Temperatur dieser Quell« -f- 4,2 Grad. Die Differenz von 
0,8 Grad, die doch nicht der Unterschied zwischen dem Tem- 
peratur-Minimum und Maximum ist, da letzteres erst im Nach- 
sommer einzutreten pflegt, giebt zu erkennen, dass die fragliche 
Mineralquelle aus einer geringeren Tiefe kommt als der, wel- 
che der konstanten Erdwärme entspricht. 

Aus allem Diesem dürfen wir schliessen, dass die schwe- 
dischen Mineralquellen im Allgemeinen nicht aus tiefen Klüften in 



119 



dem festen Gestein kommen, sondern dass sie sich zwischen 
letzterem und den losen Erdlagern sammeln oder nur zwischen 
den letzteren, von welchen also auch ihre Mineralsubstanzen 
grösstenteils herrühren müssen. 

Lösungsmittel. Die Auflösung der unorganischen Sub- 
stanzen kann vorzugsweise geschehen 

1) durch reines Wasser, 

2) durch Zersetzung von Kiesen und der dabei \ 



4) durch organische Säuren J 
Da man weiss, dass reines Wasser 0,013 pro mille von 
seinem Gewichte Glas aus Gefässen löst, worin es gekocht 
wird (Fresenius) , dass pulverisirtes Glas' von reinem Wasser 
so rasch angegriffen wird, dass ein mit feuchtem Glaspulver 
bedecktes Lackmuspapier blau gefärbt wird, so dürfte wohl 
niemand bestreiten wollen, dass auch in der Natur vorkom- 
mende Silikate in höherem oder geringerem Grade von reinem 
Wasser mit oder ohne vorhergehende Zersetzung aufgelöst 
werden können. In dieser Hinsicht mit Feldspath angestellte 
Versuche beweisen die Behauptung ebensowohl als .Islands 
kieselsäurehaltige Quellen. 

Nach Bischof wird kieselsaures Eisenoxyd von 105,000 
Theilen Wasser gelöst, Magneteisenstein von 280,000 bis 
300,000 Theilen, nach Bineau Dolomit von 10,000 Theilen, 
kohlensaurer Kalk von 200,000 bis 300,000, Eisenoxydul von 
150,000 Theilen. Auch Kalk- und Talksilikate sind nach 
Pagenstecher, Müller und Löwig in reinem Wasser löslich. 

Von viel grösserem Gewicht als die Lösbarkeit der Mine- 
ralien in reinem Wasser ist ihr Verhalten zu lufthaltigem 
und saurem ? da solches beinahe ausschliesslich in der Natur 
vorkommt und wirkt. 

Verwitternde Kiese. Nicht alles Schwefeleisen ver- 
wittert gleich leicht, wenn es der Einwirkung , feuchter Luft 
ausgesetzt ist, am leichtesten der Wasserkies, demnächst der 
Magnetkies, am schwersten der gewöhnliche tesserale Schwefel- 
kies, dieser aber in verschiedenem Grade, je nach seiner Dich- 
tigkeit und inneren Struktur. Kiese, die mit anderen Schwefel- 
metallen oder mit Gold gemischt sind, verwittern leichter als 
chemisch reine. Daraus entstand die Ansicht der alten Me- 



gebildeten Schwefelsäure 
3) durch Kohlensäure 




* 



120 



tallurgen, dass Gold vorzugsweise in rostigem, angefressenem 
oder wurmstichigem Kiese zu Hause sei, dass solche Kies- 
gänge die silberreichsten seien, deren Ausgehendes zu Braun- 
eisenerz oder Ocker (Colorados , Gossan , Eiserner Hut) ver- 
wittert ist. Kies, der in dünnen Lagen mit Blättern von 
Glimmerschiefer, Thonschiefer, Talk wechselt, verwittert leich- 
ter als solcher, der in derben Massen oder feinen Körnern in 
krystallinisch körnigen Bergarten sitzt; je leichter die umge- 
bende Bergart .durch Schwefelsäure zersetzt wird, desto leich- 
ter scheint auch der eingeschlossene Kies zu verwittern. Wie 
man in Kiesgruben sieht, beschleunigt eine gewisse gleichför- 
mige Temperatur in hohem Grade die Verwitterung. 

In Mineraliensammlungen kann man oft wahrnehmen, dass 
das erste Produkt von verwitterndem Schwefelkies Eisenoxy- 
dulsulphat ist. Dies setzt voraus, dass gegen 1 Atom Eisen- 
vitriol 1 Atom Schwefe] frei wird, oder dass 1 Atom freie 
Schwefelsäure entsteht. Die Bildung letzterer zeigt die Zer- 
störung des Papiers an, auf welchem die Kiesstufe liegt. 

Findet dieser Prozess mit eingewachsenem Schwefelkies 
statt, so muss die frei gewordene Schwefelsäure auf umliegende 
Mineralien auflösend wirken; die Vitriollösung wird in Folge 
davon von anderen Sulphaten verunreinigt. 

Aus Eisenoxydulsulphatlösung entsteht bei Zutritt der Luft 
ein neutrales Eisenoxydsulphat, aber gleichzeitig wird auch ein 
basisches Sulphat ausgefällt; beider (und in gewissen Fällen 
auch Eisenvitriol-) Lösungen zersetzen umliegende Silikate, in 
Folge wovon wiederum andere Sulphate zu dem Eisensulphate 
kommen. Eine Quelle, die Wasser führt, welches mit einge- 
wachsenem, verwittertem Kies in Berührung gewesen ist, kann 
also nebst den Metallen der Schwefelverbindung eine Menge 
anderer Basen enthalten, welche durch die Einwirkung der 
Schwefelsäure auf Mineralien entstanden sind, womit das Wasser 
in Berührung gewesen ist. 

Als ein hierhergehörendes Beispiel kann die Ronneby- 
Quelle angeführt werden, welche nach Berzelius und Wacht- 
meister in 1000 Theilen Wasser enthält: 



121 



Eisenvitriol 


. 1,0686 


Zinkvitriol 


. 0,0133 


Manganvitriol 


. 0,0260 


Kalksulphat . 


. 0,3705 


Talksulphat . 


. 0,1716 


Ammoniakalaun 


. 0,2126 


Natronalaun . 


. 0,4790 


Kalialaun . . 


. 0,0433 


Chloraluminium . 


. 0,0230 


Kieselsäure . . . 


. 0,1150 


Extractivsubstanzen 


nicht bestimmt 



Summe: 2,5229; 
spec. Gewicht: 1,00255. 

Es ist begreiflich, dass aus einem Eisenoxydulsulphat- 
haltigen Wasser, welches auf einem langen Wege mit leicht 
zersetzbaren Silikaten, besonders aber mit Carbonaten in Be- 
rührung kommt, der Eisenoxydgehalt von anderen Basen, (Kalk, 
Talk, Alkali) ausgefällt werden kann; rühren diese von Car- 
bonaten her, so kann die frei werdende Kojilensäure einen an- 
deren Theil von Carbonat in Bicarbonat verwandeln, welches 
in Wasser löslich ist; auch Eisenoxydulsulphat kann in ge- 
wissen Fällen mit Carbonaten in Eisenoxydulcarbonat und Sul- 
phat von z. B. Alkali zersetzt werden. Also kann ein ur- 
sprünglich rein vitriolisches Wasser nach längerer Berührung 
mit z. B. kalkhaltigem Thon oder Mergel seinen ganzen Eisen- 
oxydgehalt (und wenn es nur Eisenoxyd und nicht Oxydul 
enthielt, seinen ganzen Eisengehalt) verlieren und Eisenoxydul- 
carbonat, Kalkcarbonat aufnehmen. Wir können als Beispiel 
das Medevi - Wasser anführen, welches nach. Berzelius auf 
16 Unzen enthält: 
Kohlensäure und Schwefelwasserstoffgas 1,09 Volumproc. 

Natronsulphat . . 0,01 Gran 

Kalksulphat . . 0,46 ,, 

Chlornatrium . . 0,32 ,, 

Kalkcarbonat . . 0,31 ,, 

Talkcarbonat . . 0,10 ,, 

Eisenoxydulcarbonat 0,25 ,, 

Extractivsubstanzen 0,01 „ 

Summe: 1,46 Gran, 



122 



und Falu Surbrunn, in welchem Helleday fand: 

Kalisulphat .... 0,048 Gran 

Natronsulphat . . . 0,031 „ 

Kalksulphat ... 0,369 „ 

Chlornatrium . . . 0,060 „ 

Kalkcarbonat . . . 0,102 „ 

Talkcarbonat . . . 0,099 „ 

Eisenoxydulcarbonat 0,030 „ 

Kieselsäure . . . 0,097 „ 

Extractivsubstanzen . 0,129 



Summe: 0,965 Gran pro 16 Unzen. 

m 

Wird ein vitriolisches Wasser auf oben angegebene Weise 
verändert, so muss dann auf jedes Atom darin befindlicher 
Schwefelsäure 1-Atom Kohlensäure (ganz gebundene) sieb 
finden. 

Im Falu -Wasser wurde gegen 0,251 Schwefelsäure 0,107 
Kohlensäure gefunden, während davon doch 0,137 hätten sein 
sollen ; im Medevi- Wasser verhält sich die Schwefelsäure zu der 
gebundenen Kohlensäure wie 0,272 : 0,283, während die Propor- 
tion 0,272:0,156 sein müsste. Also ist aus dem Medevi- 
Wasser Schwefelsäure verschwunden, und die 1,09 pCt."1Schwe- 
felwasserstoff (und Kohlensäuregas) dieses Brunnens deuten 
darauf hin, dass Schwefelsäure (durch organische Substanzen) 
reducirt worden ist. Aehnliches findet mii vielen smälündi- 
schen Mineralquellen statt. 

Eine vitriolische Wasserader setzt während ihres ganzen 
Laufs durch z. B. kalkhaltige Bergarten basisches Salz als 
Ocker ab, was auch deutlich durch die rostfarbigen Klüfte in 
vielen Gesteinen bestätigt wird. Die Behauptung, dass See- und 
Wiesenerze in kalk- und thonreichen Gegenden gewöhnlich 
nicht vorkommen, kann also nicht weiter als unbegründet be- 
trachtet werden; denn der Eisengehalt kann in solchen Ge- 
genden hauptsächlich ausgefällt sein , ehe die Quellen an den 
Tag treten. 

Scheerer fand als Verwitterungsprodukte von Schwefel- 
kies im Alaunschiefer bei Modum Gyps, 2Fe 7 S -f- 21 H, 
NaS + 4FeS + 9H. 

Alles Eisen kommt also darin in der Form eines unlös- 



123 

liehen basischen Salzes *) vor, welches schwerlich vom Wasser 
weggeführt werden dürfte. Der grosse Schwefelkiesgehalt des 
Alaunschiefers konnte dann nicht bei der Verwitterung die Ent- 
stehung vitriolischer Quellen oder Absetzungen von See- und 
Wiesenerzen veranlassen. In den Alaunschiefer - reichen Ge- 
genden von Nerike , Westergötland und Oeland kommen auch 
nach dem, was man darüber weiss, keine solche Erze vor. 

K ohl ens äurehaltiges Wasser. Quellen, die an freier 
Kohlensäure reich sind, gehören vorzugsweise vulkanischen 
Gegenden an, wo Emanationen von Kohlensäure die Imprägni- 
rung des Wassers mit diesem Gas leicht erklären. Die in nicht- 
vulkanischen Gegenden vorkommenden Kohlensäure - haltigen 
Quellen, deren hohe Temperatur auf tiefer gehende Quelladern 
schliessen lässt, werden nach Bischof mit Kohlensäure gesät- 
tigt, dadurch dass in Wasser gelöste Kieselsäure bei höherer 
Temperatur auf kohlensauren Kalk, Talk u. s. w\ reagirt. 

In Schweden sind keine Quellen bekannt, die zu einer 
der genannten Klassen gezählt werden können. Die kleine 
Quantität freier Kohlensäure, welche in den meisten vorkommt, 
ist zum Theil aus der Luft absorbirt, grösstenteils aber aus 
verfaulten Pflnnzenüberresten aufgenommen, deren Menge in 
Proportion zu den Wäldern und Torfmooren einer Gegend steht. 
Wasser, , welches nicht tief geht, kann nur unter geringem Druck 
Kohlensaure absorbiren. Unsere Quellen sind also arm an 
Kohlensäure, obwohl ihr Wasser in Berührung mit grossen 
Quantitäten dieses Gases sein kann. 

Kohlensäure-haltiges Wasser löst alle Mineralien auf, wel- 
che auch von reinem Wasser aufgelöst werden. Einige aber 
werden viel leichter von ersterem als von letzterem aufgelöst. 
Alle in einer Quelle vorkommenden einatomigen Basen, die nicht 
mit Chlor, Schwefelsäure verbunden sind, brauchen also nicht 
notwendigerweise an Kohlensäure gebunden zu sein, sondern 
sind wohl zum Theil an die Kieselsäure gebunden, welche bei 
Analysen von Quellwassern gewöhnlich getroffen wird. 

Struckmann und Ludwig haben gezeigt, dass die in Was- 



*) Ich will hier nicht unerwähnt lassen, dass Eisenvitriol-Efflorescenzen 
auf schwedischen Alaunschiefern nicht selten vorkommen. Es' ist jedoch 
ungewiss, ob viel löslicher Eisenvitriol in einem Wasser nach dessen 
Filtrirung durch Alaunschiefer zurückbleibe. 



124 



sei* lösbare Kieselsäure einem sehr sauren, alkalischen Silikat 
angehört. 

Eisenoxydsilikat, Talksilikat, (auch Kalksilikat) kommen 
nach Bischof in Kohlensäure-haltigem Wasser gelöst vor. 

Die Lösbarkeit der Kieselsäure wird durch einen Kohlen- 
säuregehalt des Wassers nicht vergrössert. 

100 Theile reines Wasser lösen nach Struckmann 

0,021 Si, 0,09 nach Ludwig, 
100 Theile Kohlensäure - haltiges Wasser lösen nach 

Struckmann 0,0136 Si, 0,078 nach Ludwig, 
100 Theile Salzsäure-haltiges Wasser lösen nach Struck- 
mann 0,0172 Si; 
dagegen nimmt die Lösbarkeit durch Zusatz von ein wenig 
Alkali (so dass ein saures Silikat gebildet werden kann) zu. 

100 Theile Ammoniak- und kohlensaures Ammoniak- 
haltiges Wasser lösen nach Ludwig 0,02 bis 0,062 Si, 

100 Theile Ammoniak- und kohlensaures Ammoniak- 
haltiges Wasser lösen nach Struckmann 0,091 bis 
0,0986 Si. 

Nach Liebig ^ wird die Kieselsäure am leichtesten gelöst, 
wenn sie in statu nascente eine hinlängliche Quantität Wasser 
trifft, und dieses findet in den meisten Fällen statt, wenn 
Kohlensäure-haltiges Wasser auf Silikate wirkt. 

" Weiter löst Kohlensäure - haltiges Wasser alle Carbonate 
auf, dadurch dass sie dieselben in Bicarbonate verwandelt. Auf 
diese Weise wird der bei weitem grösste Theil des Kalkge- 
halts der Quellen aufgenommen, wie auch des Eisenoxyduls, 
wenn das Wasser in Berührung mit Eisenspath gewesen ist. 
Am wirksamsten ist jedoch wohl das Kohlensäure-haltige Wasser 
durch sein Vermögen, Silikate zu zersetzen, ebenso wohl wie 
z. B. verdünnte Salzsäure. Am leichtesten werden Kalk- und 
Natron - haltige Feldspatharten und eisenreiche Augite ange- 
griffen. 

Neben aufgelösten Silikaten enthalt die Lösung Alkali- 
carbonat, welches wiederum auf eine grosse Menge Silikate 
(nicht Talksilikate) zersetzend wirkt. Der Eisenoxydul- und 
Mangangehalt der Mineralien wird als Bicarbonat aufgenommen. 



125 



Die Thonerde des Feldspaths bleibt nach der Zersetzung des- 
selben hauptsächlich in einem kaolinartigen Minerale zurück. 
Hier mag an Wallace's obengenannte Eisenoxyd- und Thonerde- 
Carbouate erinnert werden, wie auch an die Behauptung Crum's, 
dass AI -f- 2H (in einer eigentümlichen Modifikation der 
Thonerde) in Wasser lösbar sei, womit ein Erkläruugsgrund 
der Erscheinung geliefert werden mag, dass Thonerde in eini- 
gen Wässern vorkommen kann, welche keine andere Säure als 
Kohlensäure enthalten. In dieser Hinsicht ist es jedoch von 
grösserem Gewicht, dass kiesel- und kohlensaure Alkalien 
aus Silikaten Thonerde ausziehen können. Kommt Kohlensäure- 
haltiges Wasser, welches die hier genannten Substanzen auf- 
genommen hatte, in Berührung mit vitriolischem Wasser, so 
treten viele Reaktionen ein, von welchen hier angeführt wer- 
den mag, dass Kalkbicarbonat und Eisenvitriol sich in Gyps 
und Eisenoxydulbicarbonat zersetzen. Je nach der Beschaffen- 
heit der Mineralien, mit welchen Carbonat-haltiges Wasser auf 
seinem Wege in Berührung kommt, ist seine ursprüngliche Zu- 
sammensetzung vielen Veränderungen ausgesetzt. Von beson- 
derem Interesse für den hier zu behandelnden Gegenstand ist, 
dass Eisenoxydulcarbonat ausgefällt wird, wenn eine Lösung 
von Eisenoxydulbicarbonat auf kohlensauren Kalk reagirt; ein 
sehr eisenreiches Wasser kann also in höherem oder geringe- 
rem Grade den Eisengehalt verlieren, wenn es einen langen 
Weg durch Mergel, Kalkstein oder kalkhaltigen Thon passirt, 
und dadurch ohne Einfluss auf die Bildung der See- und 
Wiesenerze werden. 

Die Quellen, von deren Wasser Analysen hier unten mit- 
geteilt werden, dürften vorzugsweise der Kohlensäure ihre 
mineralischen Bestandteile verdanken; aber auch verwitternder 
Schwefelkies hat dazu beigetragen, und organische Säuren sind 
ohne Zweifel gleichzeitig mit der Kohlensäure wirksam ge- 
wesen. 



126 



Adolfsberg Lund Loka Ramlösa 
(Beüzemus) (Lych\i:i.l) (Berzelits) (Bei:; in) 
Kohlensäuregas .... 0,23 pCt. — | — — 

Stickstoffgas 0,41 „ j 0,04 pCt. 

Schwefelwasserstoffgas — -,, — ) — „ — 

Kalisulphat 0,03GranO,03Gran — 0,198Gran 

Kalksulphat ...... — — 0,029Gran — 

Chlorkalium 0,03 „ 0,03 „ — 0,030 „ 

Chlornatrium — 0,06 „ 0,068 „ 0,217 „ 

Kohlens.Kali 0,10 „ 0,20 (NaC)— 

„ Lithion ... — 0,04 „ — — 

„ Kalk 0,50 „ 0,29 „ 0,051 „ 0,422 „ 

„ Talk — 0,09 „ 0,043 „ 0,113 „ 

„ Eisenoxydul . 0,11 „ 0,19 „ — 0,121 „ 

„ Manganoxydul 0,03 „ Spuren — 0,018 ,, 

Thonerde — — — 0,011 „ 

Kieselsäure 0,24 „ 0,12 „ 0,131 „ 0,180 „ 

Extractivsubstanz . . . 0,13 ,, — 0,017 ,, — 

Summa: l,17Granl,05Gran 0,339Granl,310Gran 
pr,16Unz. pr.löUnz. pr. 16Unz. pr.l6Unz. 

Alle die vorstehenden Analysen geben einen Chlor- 
gehalt an, dessen Entstehung hier nicht, wie an vielen Orten 
im Auslande, aus Steinsalzlagern abgeleitet werden kann. 

Wird er durch den Chlorgehalt verfaulter Pflanzentheile 
erklärt, so muss nachgewiesen werden, woher die Pflanzen 
das Chlor genommen haben. Unter allen Chlor-haltigen Mine- 
ralien kommt hier im Lande keines so oft vor, als der Apatit, 
dessen Chlorgehalt bis 6,8 pCt. gehen kann. Er ist in Grün- 
steinen und auf Eisenerzlagerstätten sehr gewöhnlich und wird 
leicht von Kohlensäure-haltigem Wasser aufgelöst, er wird auch 
von Alkalisilikaten in Alkaliphosphat, Kalksilikat und Chlor- 
kalium zersetzt. Wird auf diese Weise durch Apatit der Chlor- 
gehalt des Wassers ("und der Pflanzen) erklärbar, so kann man 
fragen, wohin der Phosphorsäuregehalt des Apatits gerathen 
sei, da in keiner von den obigen Analysen Phosphorsäure an- 
gegeben ist. Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, 
braucht man jedoch nur daran zu denken, dass Eisenfällungen 
aus allen diesen Wässern stattgefunden haben dürften, ehe sie 
als Quellen hervortraten, und dass Eisenoxyd, aus Phosphor- 



127 



säure-haltiger Lösung gefällt, den ganzen Phosphorsäuregehalt 
letzterer mitnimmt. 

Endlich muss bemerkt werden, dass Chloralkalien in gerin- 
gerer Menge allen aus Salzwässern abgesetzten losen Erd- 
lagern anhängen, aus welchen sie nach und nach ausgelaugt 
werden. In Bohus Län kommen mehrere Salzquellen vor, wel- 
che ihren Gehalt an Chlorkalium u. s. w. dem schwarzblauen 
Fucus-Thon verdanken dürften. Zwei solche Quellen in Elfs- 
bergs Län enthalten nach Analysen von Olbers uqd Svanberg: 

Torpa Q. (Flundre Socken). Torps Q. (Hjertums Socken). 



Temperatur == 


11 Grad 


10 Grad. 


Spec. Gewicht — 


1,0084 


1,008. 


Jodnatrium . 


1,8058 


0,4373 


Chlornatrium . 


8,3605 


8,3350 


Chlormagnesium . 


0,3090 


0,4487 


Talkbicarbonat 


1,2772 


0,7780 


Kalk 


0,1391 


0,3063 


Eisenoxydul * . 


0,0186 




Eisenoxydphosphat 


0,0186 


Spuren 


Kieselsäure 


0,0290 


0,0339 


Summa : 


11,9441 (in 1000 Tl 


leil.) 10,3392. 


Freie Kohlensäure — 


0,1962. 



Organische Säuren. Die meisten von den oben mit 
getheilten Analysen geben in den Quellen einen Gehalt an 
Extracti vstoff an, von welchem man nicht glauben darf, 
dass er ganz indifferent neben den unorganischen Bestandthei- 
len vorkomme. Diese Extractivstoffe sind Humussäuren, mit 
einem Theil der Basen verbunden, welche in den Analysen 
als an Kohlensäure gebunden angegeben sind. *) Die Humus- 
säuren entstehen bei Verwesung von Pflanzenüberresten z. B. 
in Torfmooren. Eine Folge ihrer Bildung ist die Reduktion 
von in vielen Säuren unlöslichem Eisenoxyd zu löslichem Eisen- 
oxydul, und ein Produkt ihrer Zerstörung ist die Kohlensäure, 
deren Lösungsvermögen soeben erwähnt worden ist. Ihr Ein- 



*) Die Quantität von gebundener Kohlensäure dürfte kaum in einem 
der analysirten Wässer direkt bestimmt worden sein; 6ic ist nach der 
Quantität der Basen berechnet, zu dessen Sättigung hinlänglicher Vor- 
rath an Chlor oder Schwefelsäure nicht vorhanden war. 



128 



fluss auf die See- und Wiesenerzbildung muss deswegen ein 
sehr grosser sein, und dasselbe gilt von den Torfmooren, den 
Werkstätten der Bildung der Humussäuren.*) Bei der Fäul- 
niss von vegetabilischen Stoffen unter einer gewissen niederen 
Temperatur und bei mässigem Zutritt von Luft und Wasser 
entsteht sogenannter Humus, eine Mischung von namentlich 
sieben mit einiger Genauigkeit untersuchten Stoffen: Ulmin, 
Humin, Ulminsäure, Huminsäure , Gein säur e, Quell- 
säure, Quellsatz säure, welche theils direkte Fäulnisspro- 
dukte sind, theils der eine aus dem anderen durch weitere 
Zersetzung entstehen können. Findet keine weitere Zersetzung 
statt, so heisst die betreffende unveränderliche Substanz Hu- 
muskohle oder auch todte Humuskohle. 

Bei der Entstehung der genannten Säuren aus Ulmin und 
Humin sind Alkalien sehr wirksam, namentlich Ammoniak. 
Schon 1747 giebt Wallerius „Hirschhornspiritus" als eines der 
Destillationsprodukte des Torfes an. Die Alkalien verbinden 
sich mit den entstehenden Humussäuren in statu nascente. Nach 
Mulder giebt bei derartigen Fäulnissprozessen das Wasser 
Veranlassung zur Bildung von Salpetersäure. Wir dürfen uns 
da nicht wundern, dass Quellen, welche durch humushaltige 
Erdlager geflossen sind, salpetersaure Salze enthalten. So 



fand Bahr in 10000 Theil 


en Wasser aus einem Brunnen in 


Stockholm (Drottningzaten 


No. 66) 




Kieselsäure . 




0,149 


Bas. phosphorsauren Kalk 


0,053 


Schwefelsaure 


n Kalk . . 


0,602 


Kohlensauren 


Kalk . . . 


3,648 




Talk . . . 


0,870 


Chlornatrium 




8,616 


Schwefelsaures Natron . 


1,554 


i f ftflÄu hiiSl >>i h. Ifti <m ulkt U \ 


Kali . . . 


2,330 


Salpeter sauren Kalk . . 


6,686 


ii ftfio t 


Talk . . . 


1,777 






Spur 




Summe : 


26,285. 



*) In der schwedischen Publikation dieses Aufsatzes ist die Humi- 
fikation ausführlich erörtert, hier nur das speciell für den vorliegenden 
Fall darüber Nöthigste mitgetheilt. 



129 



Die letzten Zersetzungsprodukte aller dieser Säuren sind 
Wasser, Kohlensäure und, wenn sie mit Ammoniak ver- 
bunden gewesen sind, kohlensaures (und salpetersaures) Ammo- 
niak. 

Geschieht ein solcher Verwesungsprozess ohne Zuführung 
von Sauerstoff von aussen , so wird dazu ein grösserer Theil 
des Sauerstoffgehaltes der Pflanzensubstanz verbraucht, und 
die Folge ist, dass eine gewisse Portion Wasserstoff frei wird, 
welcher theils mit Stickstoff zu dem schon erwähnten Ammoniak 
zusammentritt, theils mit Kohlenstoff, Phosphor und Schwefel 
zu dem übel riechenden Wasserstoffgas, das sich oft aus Wasser 
entwickelt , auf dessen Boden Pflanzen verwesen. Solches Gas aus 
dem See Ralangen in Smäland fand Bahr zusammengesetzt 
aus :*) 



Kohlensäure 


. 6,324 


Stickstoff . 


. 43,235 


Grubengas 


. 49,588 


Wasserstoff 


. 0,853 


Sauerstoff 


. 0,000 


Kohlenoxyd 


. 0,000 




100,000 



Es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass neben diesen 
gasförmigen auch feste oder fliessende Kohlenwasserstoffverbin- 
dungen durch Verwesung von Pflanzensubstanzen unter dem 
Wasser gebildet werden können. Aber nicht alle wachs-, 
harz-, talg- oder asphaltähnlichen Substanzen, welche oft 
genug in Torfmooren gefunden werden, müssen als auf diese 
Weise entstanden betrachtet werden, weil sie hauptsächlich in 
den Pflanzensubstanzen fertig gebildet vorkommen können, ehe 
diese zu verwesen anfingen (Chlorophyll, Harz, Terpen- 
tin). Das sogenannte „Pysslingebrödet" (mit Bernstein ge- 
mischte Asphaltkrusten , die in den Torfmooren Skanes vor- 
kommen) dürfte wohl ein Kunstprodukt sein, das von den 
Alten benutzt wurde , um Steinwaffen an Holzstielen zu be- 
festigen. 

*) Als man 1864 Solstads Grube (unweit Westerwik) gewältigte, 
auf deren Boden altes Grubenholz unter Wasser verfaulte, entwickelte 
sich Kohleuwasserstoffgas in so grosser Quantität, dass es über dem 
Wasser angezündet werden konnte und danach zu brennen fortfuhr, ganz 
wie auf Wasser gegossenes Oel. 

Zeit«, d.d.geol. Ges. XVIII 1. 9 



130 



Der zu der Humifikation nöthige Sauerstoff wird dem- 
nächst aus Oxyden aufgenommen, welche zu Oxydulen reducirt 
werden können , wie aus Eisenoxyd und Manganoxyd. Den 
auffallendsten Beweis für diese Behauptung giebt die Acker- 
erde, deren Eisenoxydulgehalt nach Versuchen von Pepys, Lewis, 
Phillips u. a, von durchströmendem Sauerstoffgas in Oxyd 
nicht verwandelt wird , so lange Humus in der Erde zu 
finden ist. 

Das Reduktionsvermögen verwesender Pflanzensubstanzen 
kann so weit gehen, dass schwefelsaure Metalloxyde in Torf- 
schlamm , Fucus-Thon u. a. in Schwefelmetalle verwandelt 
werden. In der Sammlung der Wissenschaftsakademie in Stock- 
holm befindet sich ein Stück metallisches Eisen mit ganz deut- 
licher Holzstruktur, welches auf der schwimmenden Insel des 
Seees Rai äugen gefunden wurde. Es ist jedoch fraglich, ob 
dies Eisenstück aus Oxyd auf nassem Wege reducirt oder nicht 
wahrscheinlicher Roheisen ist, das im Hohofen ein Stück 
Holzkohle durchdrungen und deren Gefüge angenommen hat. Die 
Sammlung der Bergschule in Falun besitzt ein Stück Gusseisen, 
welches auf die Weise die deutlichste Holzstruktur angenommen 
hat, dass es beim Giessen mit Tannenholz in Berührung ge- 
kommen ist, dasselbe verbrannt, aber seine vegetabilische 
Struktur bewahrt hat. Ebenso habe ich öfters beobachtet, dass 
die Holzpflöcke, womit man die Stichöffnungen schwedischer 
Rohöfen schliesst, vom Rohstem (im Heerde) ganz verbrannt 
waren, und an ihrer Stelle befand sich ein Pfropfen Rohstein 
mit deutlicher Holzstruktur. 

Unter Torfmooren entwickelt sich sehr oft auf einer Unter- 
lage von Sand oder Silikat - Bergarten ein Leben "von kiesel- 
bepanzerten Diatomeen , welche da alle Bedingungen für ihre 
Entwicklung finden. Ihr Lebensprozess bedingt das Aus- 
athmen von Sauerstoff, wodurch wiederum eine schnell 
fortschreitende Humifikation bewirkt wird, deren Produkte die- 
mikroskopischen Algen nähren. 

Endlich darf man nicht vergessen, dass verwesende Pflan- 
zensubstanzen den Sauerstoff ozonisiren, welcher dadurch um 
so schicklicher wird, die Humification zu beschleunigen. 

Die Produkte der Verwesung der Pflanzen, z. B. in einem 
Torfmoore, sind theils in Wasser unlösbar (Humuskohle, Ulmin, 
Humin, auch die resp. Säuren, da das Wasser wenig sauer ist), 



131 



theils löslich (Quellsäure, Quellsatzsäure). Anwesenheit von 
Alkalien vergrössert in hohem Grade die Lösbarkeit. 3857 Theile 
Wasser ziehen aus Torfschlamm 1 Theil Humussäuren, wovon 
der sogenannte Humusextrakt seine gelbe oder braune 
Farbe bekommt, die den meisten Wasserströmen Smalands 
und Norrlands so allgemein ist. 

Neben den jetzt erwähnten Humussäuren müssen wir auch 
an die Gerbsäuren denken, die in vielen sehr gewöhnlichen 
Pflanzen vorkommen, z. B. in- Calluna vulgaris, Ledum palustre, 
Pinus sylvestris etc. , an einen durch Säuren coagulirenden 
Körper gebunden, nach dessen Verwesung ihre Reaktionen 
hervortreten. Die Gerbsäuren aus verschiedenen Pflanzen be- 
sitzen gewiss verschiedene Zusammensetzung und Eigenschaften, 
alle aber können Eisenoxyd zu Oxydul reduciren und unlös- 
liche , schwarzblaue , grünliche oder bräunliche Eisenoxydul- 
oxydsalze geben. Aus einigen entsteht Gallussäure durch Ein- 
wirkung verdünnter Schwefelsäure oder durch Gährung. Weitere 
Zersetzungsprodukte sind die Pyr ogall u ss äure und eine 
eigene Art von Humussäuren. 

Von Interesse ist für uns die Erscheinung, dass Gerbsäuren 
Eisenoxyd reduciren, dass gerbsaures Eisenoxydul in Wasser 
löslich, gerbsaures Eisenoxyduloxyd unlöslich ist. Gerbsaure 
Alkalien sind löslich, gerbsaurer Kalk und Talk (basische Salze) 
unlöslich. 

Auch die Gallussäure reducirt Eisenoxyd zu Oxydul, 
gallussaures Eisenoxyduloxyd ist unlöslich, das Oxydulsalz da- 
gegen in Wasser löslich. Gallussaure Alkalien sind leicht 
löslich , die Kalk- und Talksalze schwer löslich , gallussaure 
Thonerde ist unlöslich. 

Thonerde (auch Kohle) absorbirt und hält grosse Quan- 
titäten Gerb- und Gallussäure fest. In Smaland findet man 
öfters im Walde Wasserlöcher, die mit einem schwarzen Schlamm 
angefüllt sind, welcher von den Bauern unter dem Namen 
„Swartjord" zum Schwarzfärben von Zeugen gebraucht wird. 
Er ist nichts als eine Mischung von Sand und dergleichen mit 
Thonerde, welche Gerb- und Gallussäuren absorbirt hat und ihre 
schwarze Farbe einem wenig Eisenoxyduloxyd verdankt. 

Ihr Auftreten in nicht geringen Quantitäten giebt zu der 
Schlussfolge Veranlassung , dass die fraglichen Säuren an 

9* 



132 



manchen Orten eine nicht unbedeutende Rolle bei der See- und 
Wiesenerzbildung spielen müssen. 

Nicht nur dadurch , dass während des Humusbildungs- 
prozesses das Eisen oxyd in den losen Erdlagern (z. B. unter 
einem Torfmoore) zu Oxydul reducirt wird, welches in kohlen- 
säurehaltigem Wasser löslich ist, wirken die Verwesungspro- 
dukte kräftig bei der See- und Wiesenerzbildung. Ihr haupt- 
sächlichster Einfluss hängt davon ab, dass sie selbst unter 
gewissen Bedingungen Eisen etc. auflösen, und dass sie unter 
anderen Verhältnissen Eisenfällungen verursachen können. 

Halten wir uns nun zuerst an ihr Vermögen, aus der 
Erde Eisen zu lösen, so wird dieses in einem jeden ockerigen 
Sandlager, wo Pflanzenwurzeln verwesen, bestätigt. Rund um 
die Wurzel ist nämlich das Eisen weggeführt und der Sand 
gebleicht, oft 1 bis 2 Zoll weit von einer 1 Linie dicken Wurzel. 
Auf diese Beobachtung gründete Kindler seine Theorie über 
die Wiesenerzbildung. 

Eisenoxyd, Manganoxyd und Thonerde geben mit den 
Humussäuren unlösliche Sähe (nach Sprengel wird jedoch 
huminsaures Eisenoxyd in 2300 Theilen Wasser, humin- und 
geinsaure Thonerde in 4200 Theilen gelöst); aber die mehr- 
basischen Säuren mit den genannten Oxyden und mit Ammo- 
niak sind leicht löslich. In der Natur ist ein jeder Humus- 
extrakt ammoniakhaltig und kann also hummussaures Eisen- 
oxyd etc. aus den Erd- und Bergarten auflösen, mit welchen 
er in Berührung kommt. In den meisten Fällen ist jedoch so 
gute Gelegenheit zur Reduktion des Eisenoxydes an allen den 
Orten gegeben, wo Humussäuren gebildet werden und wirken, 
dass man in allen den entstehenden Lösungen das Eisen als 
Oxydul voraussetzen kann. Humussaure Eisenoxydulsalze sind 
in reinem und ammoniakhaltigem Wasser leicht löslich. Humus- 
saurer Kalk wird von 2000 Theilen Wasser, huminsaurer Talk 
von 160 gelöst; auch quellsaure Talkerde ist leicht löslich. 
Quellsaurer Kalk dagegen ist schwer löslich, quellsatzsaurer 
Kalk und Talk sind in reinem Wasser unlöslich, in ammonia- 
kalischem aber löslich. 

Torfextrakt, der durch lose Erdlager oder Ritzen in Gesteine 
eindringt, kann also auch ohne Beihülfe der Kohlensäure aus der 
Erde als ein Mineralwasser hervorkommen. Dass das Torf- 
wasser wirklich Mineralsubstanzen und besonders Eisen auf- 



133 



löst, wird z. B. dadurch bewiesen, dass Grünsteine, welche 
unter Torfmooren liegen, gebleicht und sogar kaolinisirt werden, 
wie auch durch die Kaolinisation des Smaländischen Glacier- 
Gruses zu der oben erwähnten ,,Hoitlera". Verschiedene Er- 
scheinungen deuten an, dass diese Auslaugung verhältnissmässig 
sehr rasch geschieht. 

In einem Torfmoore Skanes wurde ein Messer von Feuer- 
stein gefunden, das mehrere Linien tief weiss und undurch- 
sichtig war. Berzeliüs fand in der äusseren , verwitterten 
Schale: Kali 3,2 pCt., Kalk 3,2 pCt., aber kein Eisenoxyd 
und keine Thonerde. Dagegen wurde in der inneren, beinahe un- 
veränderten Masse : Kali l,34pCt., Kalk 5,74pCt., Eisenoxyd und 
Thonerde 1,20 pCt. gefunden. Also hatte der Feuerstein aus dem 
umgebenden Torfwasser Kali aufgenommen , gleichzeitig aber 
den ganzen Eisenoxyd- und Thonerdegehalt und einen Theil 
des Kalkgehaltes an dasselbe abgegeben. 

Auf einem Torfmoore nahe Carlsjö in Smaland fand ich 
viele lose Fragmente von einem labradorreichen Diorit, welche 
das Ansehn dicker Nägel hatten. Ueber dem Moore traten 
nämlich rundliche Köpfe hervor, die alle mit' in den Torf 
versenkten Spitzen versehen waren, welche von der ringsum 
weggelösten Steinmasse zurückgeblieben sind. 

An dem Meeresufer kann man oft wahrnehmen , dass 
Muschelschalen , die zur Hälfte in Schlamm (an verfaulten 
Pflanzensubstanzen reich) stecken, wohlerhalten sind, so 
weit sie frei liegen , während der versenkte Theil ganz auf- 
gelöst ist. Der Kalkgehalt der Schalen ist hier wahrscheinlich 
von den humusartigen Säuren des Schlammes weggeführt. 

Feuersteingerölle , welche in ungeheuren Massen an de r 
Meeresküste unweit Brighton vorkommen, sind glatt und 
glänzend, wenn sie frei liegen ; solche aber, die in verfaulten 
Meertang gebettet sind, zeigen oft eine rauhe, gewissermaassen 
geätzte Oberfläche. Bei dieser beginnt eine Auslaugung, die 
dann auf eine Weise fortschreitet, worüber das oben erwähnte 
Feuersteinmesser Aufschluss giebt. 

Es ist natürlich, dass Wiesenerz unter einem Torfmoore, 
wo die Humifikation fortgeht, nicht existiren kann; es wird 
eben so leicht und vielleicht leichter als die Eisenoxydtheile im 
Grus, Thon etc. aufgelöst. Aus diesem Grunde kann Wiesenerz, 



134 



das unter Torfmooren vorkommt , nicht daselbst gebildet 
worden sein. 

Es darf mit grösserer Wahrscheinlichkeit als Seeerz be- 
trachtet werden , welches durch das Verschwinden des Sees 
auf's Trockne gerathen und vielleicht grade im Begriff ist, 
aufgelöst und weggeführt zu werden. Anders ist das Ver- 
hältniss , wenn „todte" Humuskohle über dem Wiesenerze 
liegen sollte. 

Obschon die Möglichkeit gegeben ist, dass Mineral- 
quellen nur humussaure Salze enthalten , so dürfte doch dies 
in der Wirklichkeit selten oder niemals vorkommen. Da bei 
dem Verwesungsprozess immer Kohlensäure entsteht, "so folgt 
ein Theil davon dem Humusextrakte und wirkt auf Mineral- 
substanzen auf die Weise, welche oben, wo von dem Lösungsver- 
mögen kohlensäurehaltigen Wassers die Rede war, augegeben 
wurde. Kommt Wasser, welches Bicarbonate aufgelöst enthält, in 
Berührung mit humussäurehaltigen Lösungen, so wird ein Theil 
der Bicarbonate in Humate verwandelt, und das Resultat ist 
eine Mischung von kohlensauren und humussauren Salzen , in 
Wasser gelöst. Freier Sauerstoff, der vielleicht in einem mine- 
ralischen Wasser vorkommen kann, wird von den Humussäuren 
absorbirt, sobald diese mit dem Wasser in Berührung kommen. 

In den schwedischen Mineralwässern , deren Luftgehalt 
bestimmt worden ist, werden nur Kohlensäure, Stickstoff und 
Schwefelwasserstoffgas angegeben, aber nicht Sauerstoffgas, 
und doch absorbirt Wasser bei 5 Grad C. (nach Bunsek) aus 
der Atmosphäre eine -Luft mit 63,35 pCt. Stickstoff, 2,68 pCt. 
Kohlensäure und 33.97 pCt. Sauerstoff, welche also den Sauer- 
stoff in reicherem Maass als die Atmosphäre enthält. Auch die 
Sulphate werden von den Humussäuren reducirt ; der Schwefel 
Wasserstoff in Medevi und anderen Wassern ist davon eine Folge. 

Mehrere der Quellen, von denen Analysen oben mitgetheilt 
sind , dürften ebensowohl den Humussäuren als der Kohlen- 
säure ihre mineralischen Bestandtheile verdanken. Als ein 
Beispiel von Wasser, dessen mineralische Bestandtheile haupt- 
sächlich durch Humussäuren gelöst worden sind, mag die 
Porla-Quelle gelten, welche nach Berzeliüs in 100,000 Theilen 
enthält : 



135 



Chlorkalium 0,3398 

Chlornatrium 0,7937 

Quellsaures Natron .... 0,6413 
QuelJsaures und kohlensaures 

Ammoniak 0,8608 

Kalkbicarbonat 9,0578 

Talkbicarbonat 1,9103 

Manganoxydulbicarbonat . . 0,0307 

Eisenoxydulbicarbonat . . . 6,6109 

Phosphorsaure Thonerde . . 0,0110 

Kieselsäure . . . . . . . 3,8960 

Quellsäuren 5,2535 



Summe: 29,4058. 
In „Porla Dräugstugukälla" fand Berzelius 10] Volum- 
procent Kohlensäure und ausserdem Stickstoff und Kohlen- 
wasserstoff. 

Die meisten smaländischen Mineralquellen dürften in ihrer 
Zusammensetzung dem Porla- Wasser nahe kommen. 

Im Hotsby-Wasser (Temperatur am 26. Juli 1857 7,2 Grad ; 
die Lufttemperatur 20 Grad) fand ich 1858: Quellsäuren, 
Kohlensäure, S chwef el säure, Chlor, Kieselsäure, 
Eisenoxydul, Kalkerde, Talkerde, Manganoxydul, 
Alkalien, Ammoniak. Der Eisengehalt war: 0,0043 pCt. 
Eisen oder 0,0055 pCt. Eisenoxydul. Die von dem Wasser 
absorbirte Luft bestand aus Kohlensäure, Stickstoff 
nebst Kohlenwasserstoff und Schwefelwasserstoff- 
gas. 

Der Mineralquelle von Hotsby ganz ähnlich ist jene von 
Lannaskede, gleichfalls in Smäland, worin Hamberg fand : 

In der kleinen Quelle: Feuerbeständiges 1,512; Or- 
ganisches 0,188; Summe 1,700, 
in der grossen Quelle: Feuerbeständiges 1,133; Or- 
ganisches 0,293; Summe 1,426 
in 10000 Theilen Wasser. 

Das Feuerbeständige bestand aus: kohlens aurem Eisen- 
oxydul, kohlensaurem Kalk, kohlensaurem Talk, 
Chlornatrium, Kieselsäure. 

Fällungs mittel. Wir haben keine Ursache zu vermuthen 
dass die Wässer, aus welchen See- und Wiesenerze abgesetzt 
werden, ihre mineralischen Bestandtheile in wesentlich anderen 



136 



Proportionen oder Verbindungen enthalten, als obige Analysen 
von eisenhaltigen Quellen zeigen. Wir sehen, dass die meisten 
von ihnen wiesenerzartige Ocker absetzen , und wir können 
also nicht daran zweifeln, dass ein Theil der Wiesenerze von 
ihnen herrührt. Ebensowohl wie an dem Seestrande können 
solche Quellen auch auf dem Seeboden selbst hervortreten (dass 
Quellen auf dem Boden aller grösseren Erzseen hervordringen, 
wird durch Luhme in dem neugebildeten Eis bestätigt), und 
gegen Absetzungen von Ocker unter dem Wasser giebt es keine 
chemische Gründe. 

Die mitgeth eilten Analysen zeigen , dass unter den mine- 
ralischen Bestandteilen in einem Wasser das Eisen oft einen 
sehr unbedeutenden Theil ausmacht. Von den in den Erd- 
lagern zerstreuten Eisenpartikeln hat also bei der Lösung 
keine absehbare Concentration im Quellwasser stattgefunden, 
und wenn durch eine einfache Verdampfung die mineralischen 
Bestandtheile ausgefällt würden, so würde die Fällung in den 
meisten Fällen so arm an Eisen sein, dass sie als ein Eisen- 
erz nicht betrachtet werden könnte. Wenn aus diesen Quellen 
eine Eisen - E rz bildung stattfinden soll, muss die Concen- 
tration des Eisens also hauptsächlich den auf das Mineral- 
wasser reagirenden Fällungsmitteln zugeschrieben werden, 
welche vorzugsweise Eisenoxyd präcipitiren, während sie andere 
Bestandtheile gelöst lassen. 

Fällung aus vitriolisch emWasser. Alles schwefel- 
saure Eisenoxydul, dessen Lösung mit der Luft in Berührung 
kommt, wird allmälig zu schwefelsaurem Eisenoxyd oxydirt; 
ist die Lösung neutral, so wird eine solche Oxydirung immer 
von der Ausfällung eines basisch schwefelsauren Eisenoxyd- 
salzes begleitet. 

Aus einer Lösung von neutralem Eisenoxydsulphat wird 
basisches Eisensulphat durch die Verdünnung der Lösung mit 
Wasser ausgefällt. Nach Scheerer trüben sich (bei 14 Grad) 
10,000 Theile Wasser, worin ein Theil neutrales Eisenoxyd- 
sulphat gelöst worden ist; die Ausfällung geschieht um so 
vollständiger, je mehr die Lösung verdünnt und je mehr sie er- 
hitzt wird. Von 1 Theil Salz, in 1000 Theilen Wasser ge- 
löst, wird bei gewöhnlicher Temperatur 0,9 ausgefällt. Die 
Fällung hat die Zusammensetzung 5 Fe 3 S + 9 H, enthält 
12,4 pCt. S und ist ockergelb, wird aber um so dunkler, je 



137 



mehr die Lösung verdünnt wird. Es ist unstreitig, dass eine 
solche Fällung in einem Seebassin ebensowohl als in einem 
Glasbecber stattfinden kann, aber vollständiger geschieht sie in 
ersterem in Folge von der grösseren Verdünnung. Uebrigens haben 
die Vitriolsieder lange dieses Fällungmittel gebraucht, um eine 
Vitriollösung von Eisenoxydsulphat zu befreien , welches die 
grüne Farbe des Vitriols verdecken und ihn für gewisse Zwecke 
weniger passend machen würde. In Falun wurde das vitrioli- 
sche Grubenwasser in grosse Teiche geleitet, wo es vom Regen 
(auch durch dahin geleitetes süsses Wasser) verdünnt wird; 
nach einiger Zeit bat die Eisen oxydfällung stattgefunden, und 
die klar gewordene Lösung wird gradirt. 

Da andere Sulphate durch die Verdünnung der Lösung 
nicht ausgefällt werden, so kann aus einer vitriolischen Quelle 
(z.B. der Ronneby-Quelle), die in einem See ausrinnt, eine Ab- 
setzung von beinahe reinem basisch schwefelsauren Eisen- 
oxyd entstehen und mit der Zeit bedeutend wachsen, wie man 
von dem, was oben hinsichtlich des Tisken bei Falun angeführt 
worden ist, ersehen kann. 

Liefert die Ronneby-Quelle z. B. jährlich 5 Kubikfuss 
Wasser pro Minute, so würde sie jährlich in einem See 631 Ctr. 
Eisen als Ocker absetzen. Diese Eisenmasse entspricht etwa 
1470 Ctr. gewöhnlichem Seeerz. Eine Eisenoxydfällung nimmt 
jedoch immer aus der Lösung, worin sie stattfindet, kleine 
Quantitäten von anderen Substanzen (Kieselsäure, Kalk, Talk, 
Thonerde etc.) mit, welche also einen auf diese Weise ge- 
bildeten Ocker verunreinigen. 

Demnächst entsteht die Frage, auf welche Weise das aus- 
gefällte Eisenoxydsulphat von der Schwefelsäure befreit wird, 
da die See- und Wiesenerze gewöhnlich nur Spuren dieser 
Säure enthalten. Es ist möglich, dass Wasser durch lange 
Berührung einen Theil davon auszuziehen vermag, aber schnell 
und vollständig geschieht die Extraktion durch Alkalien (z. B. 
Ammoniak) und alkalische Erdarten, frei oder an Kohlensäure 
oder Humussäuren gebunden, so wie sie in allen Torfwässern 
vorkommen. In dieser Hinsicht stellte ich einige Versuche mit 
Ockern an, die sich aus dem Grubenwasser bei Falun abge- 
setzt haben. 

Der Ocker aus dem Bach gleich unterhalb des „Drott- 
ningschachtes" enthielt, auf dem Wasserbad getrocknet: 




138 



In Säuren Unlösliches . 
Eisenoxyd mit ein wenig 

Thonerde 
Kupferoxyd . 
Schwefelsäure 
Phosphorsäure 
Wasser . 
Organisches . 
Kalk, Talk, Manganoxy 

dul, Verlust . . . 



37,2 




Ungefähr 
F 2 S-f 3H 
entsprechend. 



0,8 



100,0. 

2j Gramm von diesem Ocker wurden 16 Stunden lang mit 
humussaurem Ammoniak digerirt, welches durch Extraktion von 
Torf mit Ammoniak und die Neutralisation des Extrakts durch 
Salzsäure bereitet war. Bei der Neutralisation entstand eine 
dunkelbraune Fällung, welche von der gelben Lösung nicht 
filtrirt wurde; also wurde eigentlich zum Experiment humus- 
saures Ammoniak -f- Humussäuren angewendet. In kurzer 
Zeit wurden die aufgeschlämmten Humussäuren von dem 
Eisenocker vollständig ausgefällt, und die Lösung wurde bei- 
nahe wasserklar. Die wohl gewaschene und auf dem Wasser- 
bad getrocknete ^Fällung wog 2,67 Gramm und war zusammen- 
gesetzt aus: 

Humussäuren, Wasser, Spuren von Ammoniak (wovon 
etwa 16,4 pCt. Humussäuren) . . 23,7 
In Säuren Unlösliches 34,8 
Schwefelsäure . . 1,5 
Kupferoxyd . . . 1,7 
Eisenoxyd und ein 

wenig Thonerde 37,9 

Summe 99,6. - 
Dieselben Reaktionen, welche concentrirte und erhitzte 
Lösungen hier binnen Kurzem bewirkten , müssen sich in der 
Natur einfinden, sobald verdünnte Lösungen bei niedriger Tem- 
peratur lange auf schwefelsäurehaltigen Eisenocker wirken. 

Um die Richtigkeit dieser Behauptung zu prüfen, wurde 
der Ocker analysirt, welcher sich aus dem Grubenwasser in 
dem See Tisken (nahe an seinem westlichen Strande Daglös- 
dägten) abgesetzt hatte. Er enthielt, auf dem Wasserbad ge- 
trocknet: 



139 



In Säuren Unlösliches 34,7 

Humussäuren ... . 7,2 (mit Spuren von Ammoniak) 

Wasser 7,4 

Eisenoxyd u. Thonerde 44,1 
Kupferoxyd .... 0,2 
Schwefelsäure . . . 5,5 

Phosphorsäure . . . Spuren. 
Kalk, Talk, Mangan- 
oxydul, Verlust . 0,9 



100,0. 

Vergleicht man diese Analyse mit der obigen von Ocker 
nahe dem „Drottningschachte" genommen, welcher nur 0,8 pCt. 
organische Substanzen, aber 11,5 Schwefelsäure enthielt, so 
erscheint es unstreitig, dass die Verminderung des Schwefel- 
säuregehalts auf 5,5 pCt. keinen anderen Ursachen zuzu- 
schreiben ist als den Salzen der im Tisken gelösten organi- 
schen Säuren , von welchen im Ocker 7,4 pCt. Humussäuren 
wieder gefunden werden. 

Humussaures Ammoniak nimmt jedoch nicht allein die Schwe- 
felsäure aus schon gefällten Ockern weg, sondern vermag auch 
in Eisenvitriollösungen Eisenfällungen zu bewirken. Eine con- 
centrirte Eisenvitriollösung wurde mit einer Lösung von aus 
Torf bereitetem, humussaurem Ammoniak, in welchem Humus- 
säuren aufgeschlämmt waren, digerirt. Diese wurden bald nach 
der Vereinigung beider Lösungen ausgefällt, und die Lösung 
über der Fällung wurde klar. Die Fällung hatte nach dem 
Auswaschen und Trocknen auf dem Wasserbad eine dunkle 
Farbe, gab einen grünlichen Strich und zeigte sich zusammen- 
gesetzt aus: 

Wasser, organische Substanzen (Ammoniak) 93,08 

Schwefelsäure 0,04 

Eisenoxyd (in der Fällung theilweise Oxydul) 6,88 

100,00." 

Das ausgefällte Eisen kann grösstentheils wieder gelöst 
werden, wenn man die frische Fällung mit einem Ueberschuss 
des Fällungsmittels digerirt. Enthält der Eisenvitriol Eisen- 
oxyd, so gelingt das Ausziehen des Eisens aus der Fällung 
nicht vollständig, auch nicht, wenn die Fällung vor der Diges- 
tion getrocknet worden ist. 

Diese Versuche geben Erklärung über eine Bildungsart 



140 



von sogenanntem „Grönörke" (grünes eisenoxydulhaltiges 
Seeerz), aber sie zeigen auch, dass je nach dem Ueberwiegen 
von Vitriollösung oder Humuslösung in einem See Erz ausge- 
fällt oder schon abgesetztes Erz vielleicht wieder aufgelöst 
werden kann. 

Es wurde oben eine Analyse von Ockerschlamm aus dem 
Tisken mitgetheilt, welcher unterhalb der Bergschule an der 
östlichen Seite des Sees aufgenommen wurde. Da Falu a 
durch den See Tisken rinnt, so ist wenig wahrscheinlich, dass 
eine absehbare Quantität des Ockers , der aus dem Graben- 
bach auf der entgegensetzten westlichen Seite des Sees ab- 
gesetzt wird, jenseits des Stromlaufes zur Ausfällung gekommen 
sei. Der dortige Schlamm muss also hauptsächlich als eine 
Fällung der aus umliegenden Schlackenhalden gelösten mine- 
ralischen Substanzen durch die organischen Säuren, die Falu a 
mit sich führt, betrachtet werden. 

Oberhalb der Stadt enthält dieser Strom neben ein wenig 
Kieselsäure nur organische Substanzen (nach Gahns Analyse), 
während des Laufs durch die Stadt wird er durch Abfälle von 
Färbereien, Gerbereien etc. verunreinigt. Die Zusammensetzung 
des fraglichen Ockers war: 

Kieselsäure . . . 39,9 

Wasser 5,2 ( incl. ein wenig 

Organisches . . . 27,8 / Ammowiak 
Eisenoxyd u. Thon- 
erde . .... 30,3 
Kupferoxyd ... 0,5 
Schwefelsäure . . 0,4 
Posphorsäure . . . 0,3 
Kalk, Talk, Mangan- 
oxyd, Verlust . . 0,8 



Summe: 100,0.*) 
Diese Analyse zeigt einen Schwefelsäuregehalt, der nicht 
grösser ist als jener in vielen Wiesenerzen , und doch dürfte 
die Lösung der Mineralsubstanzen hauptsächlich durch Schwefel- 
säure geschehen sein, die bei der Verwitterung der" in der 
Schlacke sitzenden Rohsteinpartikeln entsteht. 



') Die angegebenen Zahlen ergeben die Summe 105,2. 

Anm. d. Redaktion. 



141 



Kupferoxyd wird nach Forchhammer aus neutraler Kupfer- 
vitriollösung durch Humussäuren gefällt. 

Die Analyse zeigt auch einen Phosphorsäuregehalt, der in 
dem Ocker an der anderen Seite des Sees nicht zu finden ist. 
Ich kochte Ocker aus dem Bache nahe dem „Drottning- 
schachte" mit humussaurem Ammoniak und Phosphorsalz, aber 
wiewohl der Ocker die Humusssäure ausfällte und von seinem 
Schwefelsäuregehalt befreit wurde, so nahm er doch keine 
Phosphorsäure auf. Als hingegen Eisenvitriol mit einer neu- 
tralen Lösung von humussaurem Ammoniak und Phosphorsalz 
gekocht wurde, entstand eine phosphorhaltige Fällung 
von humussaurem Eisenoxydul (Oxyd?). Wir haben daher alle 
Ursache zu glauben , dass ein ausgefällter Ocker (Seeerz) 
keinen Phosphor aus den phosphorsäurehaltigen Lösungen auf- 
nimmt, die mit dem Ocker nach seiner Präcipitation in Be- 
rührung kommen, aber dass phosphorsäurehaltiges Seeerz ent- 
steht , wenn die Fällung des Ockers aus einer phosphor- 
säurehaltigen Lösung geschieht , oder wenn der Ocker auf 
Pflanzenüberresten mit phosporsäurehaltiger Asche ausgefällt 
wird. Dass das Eisen oxy du 1 eben so gut als das Eisenoxyd 
bei der Fällung Phosphorsäure mitnimmt, wird durch die eben 
angeführten Versuche angedeutet, wie auch durch die Erschei- 
nung, dass der Vivianit in Wiesenerzen und Torfmooren ge- 
wöhnlich mit weisser Farbe vorkommt (phosphorsaures Eisen- 
oxydul), die erst bei dem Zutritt der Luft in Blau (phosphor- 
saures Eisenoxyduloxyd) verwandelt wird. 

Kommen Gerb- oder Gallussäurelösungen mit Eisenvitriol- 
lösungen zusammen, so wird, wenn die Luft Zutritt hat, ein tinten- 
schwarzes Oxyduloxydsalz ausgefällt. Dieselbe Präcipilation 
findet auch in gerbsäurehaltigen Pflanzensubstanzen statt, welche 
Eisenlösungen aufsaugen. Man sieht oft genug steinharte und 
tinten schwarze Heidekrautstengel, welche auf diese Weise mine- 
ralisirt worden sind. 

Dass kohlensaure Alkalien und alkalische Erdarten Eisen- 
oxyd (in gewissen Fällen auch Oxydul) auszufällen vermögen, 
ist eine bekannte Sache. Ich will deswegen hier nur an den 
Gehalt an kohlensauren Alkalien und alkalischen Erden in 
Torfwasser und in Quellen erinnern, wie ihn die meisten mit- 
getheilten Analysen anzeigen. 

Von besonderem Interesse ist hierbei die Beobachtung 



142 



Yorkes', dass Eisenoxydhydrat, aus einer Sulphatlösung durch 
kohlensaures Natron gefällt, die Zusammensetzung F a H 3 oder 
dieselbe wie die meisten Brauneisensteine hat.. 

Dass bei der Präcipitation von Eisenoxyd auch andere 
gelöste Substanzen mit zur Fällung kommen, ist schon be- 
merkt worden, und dadurch dürfte der Gehalt der Seeerze an 
Kalk- und Talkerde, wie auch an Kieselsäure erklärt werden 
können. Alle mitgetheilten Analysen von Quellen geben eine 
Quantität Kieselsäure an, welche, mit dem Kieselsäuregehalt 
des Quellwassers verglichen , relativ «grösser als in den See- 
erzen ist; also braucht da's Eisenoxyd keineswegs den ganzen 
Kieselsäuregehalt des Wassers mitzunehmen , um von Kiesel- 
säure so verunreinigt zu werden, wie die Seeerze zu sein pflegen. 
Es ist ziemlich allgemein angenommen, dass verwesende orga- 
nische Substanzen gelöste Kieselsäure begierig aufnehmen. 
L. v. Buch hat gezeigt, dass bei der Silifikation von Muschel- 
schalen nicht der Kalk, sondern die zwischen den Kalklamellen 
liegenden thierischen Membranen zuerst und hauptsächlich 
die Kieselsäure absorbiren. Die meisten fossilen Bäume sind 
silificirt. Pfeiler der Brücke, die Trajanus über die Donau 
unterhalb Belgrad schlagen Hess , sind durch das Wasser der 
Donau auf eine Tiefe von mehreren Zollen mit Kieselsäure 
imprägnirt'. Papier, das in eine Wasserglaslösung getaucht 
und danach gewaschen wird, hält einen grossen Theil der 
Kieselsäure des Wasserglases fest; alles dieses deutet auf das 
Vermögen organischer Substanzen hin , die Kieselsäure zu ab- 
sorbiren und festzuhalten. Findet eine Fällung von Eisenoxyd 
gleichzeitig mit einer solchen von organischen Substanzen oder 
mit deren Hilfe statt, so kann eine gleichzeitige Ausfällung 
von Kieselsäure in grösserer Menge, als vielleicht die Eisen- 
oxyde allein mitzunehmen vermögen, kein Erstaunen erregen. 
Ich will jedoch hier nicht unerwähnt lassen, dass Liebig bei 
agriculturchemischen Versuchen zu dem Resultat gelangte, dass 
gebrannter Thon grosse Quantitäten gelöster Kieselsäure absorbirt, 
aber dass dies nicht mit humusrei eher Erde der Fall ist, 
weil nach seiner Ansicht die Kieselsäure humussaure Salze zu 
zersetzen nicht vermag. Weiter unten werden "wir sehen, dass 
eine Menge von Kieselsäure durch den Lebensprozess der so- 
genannten Infusionsthiere aus Lösungen ausgefällt wird, woraus 
auch gleichzeitig Seeerze ausgefällt werden. 



143 



Hier will ich als eine weitere Art der Ausfällung der 
Kieselsäure nur noch anführen, dass aus verdünnten Wasser- 
glaslösungen ifn Lauf der Zeit eine harte Kruste von beinahe 
reiner Kieselsäure auf dem Boden des Gefässes abgesetzt wird, 
und die erwähnten Reaktionen dürften hinreichend sein, um 
den Kieselsäuregehalt des Seeerzes zu erklären, wenn sie auch 
nicht alle gleichzeitig wirkend sind. 

Den Thonerdegehalt der Seeerze zu erklären, ist in vielen 
Fällen nicht so leicht, da nach den meisten oben mitgetheilten 
Analysen von Wässern die Quellen keine Thonerde ent- 
halten. Nach Bischof werden jedoch Spuren von Thonerde in 
beinahe allen Quellen gefunden, wenn sie bei dem bei der 
Analyse ausgefällten Eisenoxyd aufgesucht werden. Dass die 
Thonerde aus quell- und quellsatzsaurer Ammoniak - Thonerde 
(die gewiss in manchem Torfwasser enthalten ist) ausgefällt 
wird, soll weiter unten erwähnt werden. Hier mag nur be- 
merkt werden, dass thoniger Schlamm einen bedeutenden Theil 
des Thonerdegehalts der Seeerze und vielleicht auch ihres 
Kieselsäuregehalts liefern dürfte nicht nur durch mechanische 
Einmischung, sondern auch dadurch, dass Eisenoxydhydrat Si- 
likate zersetzt, mit welchen es sich im nassen Zustande in 
langer Berührung befindet. 

Mündet eine vitriolische Quelle nicht auf dem Seeboden, ' 
sondern auf dem trockenen Lande aus, so finden auch da Eisen- 
fällungen von basisch schwefelsaurem Eisenoxyd statt, welches 
durch die Oxydation des Oxydulsulphats zu Oxydsulphat ge- 
bildet wird. Das gleichzeitig damit entstehende neutrale Oxyd- 
sulphat kann jedoch in diesem Falle nur durch zutretende Basen 
oder Alkali- und andere Salze mit schwachen Säuren ausge- 
fällt werden , welche gleichzeitig mit dem Eisenoxyd auch 
andere im * Wasser gelöste Oxyde präcipitiren , so dass eine 
solche Fällung (Wiesenerz) mehr durch fremde Substanzen 
verunreinigt wird als ein analoges Seeerz. Diese Fällungen 
können sich auf oder nahe an der Erdoberfläche absetzen , in 
compakten Massen oder mit Sand gemischt, welcher von ihnen 
zu einem ockerigen Sandstein zusammengekittet wird („Ort- 
stein"). 

Die Schwefelsäure dürfte auch in diesem Falle aus dem 
Ocker durch Lösungen von humussaurem Ammoniak (Torfwasser) 
entfernt werden , welche durch die Eisenfällungen ihren Weg 



144 



nehmen. Es ist leicht zu begreifen, dass diese Extraction der 
Schwefelsäure unter übrigens ähnlichen Verhältnissen in be- 
deutendem Grade durch die Einwirkung der Sonne befördert 
werden muss. Eine Beobachtung von Swedenborg dürfte für 
diese Behauptung als ein Beweis gelten, aber ich weiss nicht, 
ob die Erfahrung der Neuzeit in dieser Hinsicht die Aussage 
Swedenborg's bestätigt : „Paludes hujus generis prostant, quae 
devexo et declive solem meridianum prospiciunt, humus ibi melioris 
sanguinis venam sive ochram recondit : sed si solem declive boream 
spectat, datur vena vilioris pretii. — u 

Da nach oben mitgetheilten Versuchen Ocker keine Phos- 
phorsäure aus Lösungen aufnimmt, welche mit demselben in 
Berührung kommen , und da auf der anderen Seite die Aus- 
laugung der Schwefelsäure aus compakten Ockermassen weniger 
vollständig geschehen muss, als wenn die verschiedenen Humus- 
lösungen mit dem Ocker bei dessen Ausfällung in einem See 
in Berührung kommen, so würde es nicht sonderbarerscheinen, 
wenn aus vitriolischen Lösungen entstandene Wiesenerze ge- 
wöhnlich mehr Schwefel und- weniger Phosphor enthielten als 
die entsprechenden Seeerze, was auch mit der älteren Er- 
fahrung übereinstimmt. 

Rinnt vitriolisches Wasser durch ein Torfmoor, so muss 
dadurch die Humifikation verzögert oder verhindert werden, da 
die Schwefelsäure die Alkalien absorbirt, welche die Entstehung 
der Humussäuren beschleunigen. Damit ist die Ausfällung 
eines basischen Eisensulphates verbunden, welche jedoch auf- 
hört, sobald die ganze Torfmasse mit Vitriol getränkt ist. Wir 
können es daher nicht sonderbar finden, dass der Vitriolgehalt 
vieler Torfmoore so bedeutend ist, dass er nutzbar gemacht 
werden kann (wie in Böhmen), auch nicht, dass Efflorescenzen 
von Alaun , Bittersalz etc. in vielen Torfmooren vorkommen, 
oder dass eine beträchtlichere Ablagerung von Wiesenerz in 
Torfmooren nicht stattfinden kann, obschon vitriolisches Wasser 
durch dieselben seinen Weg nimmt, und obschon nicht nur 
humussaure Alkalien, sondern auch die Humuskohle Eisen- 
oxyde aus der Lösung auszufällen vermögen. Hellmann, 
Weppen, Chevallier , Wassington u. a. haben Versuche über 
die Ausfällung von Metalloxyden aus ihren Salzen durch nicht 
vollständig gebrannte organische Substanzen angestellt, von 
welchen Versuchen hier nur angeführt werden mag, dass aus 



145 



Lösungen von Kupfervitriol, essigsaurem Eisenoxyd, Eisen- 
chlorid, Zinkvitriol, Eisenvitriol und Chromvitriol basische 
Salze ausgefällt wurden ; Alkalien , Gyps , Alaun , Kalk (aus 
Kalkwasser) wurden dagegen nicht gefällt. In Frankreich und 
Deutschland wird Lignit anstatt Knochenkohle zum Klären von 
Zuckerlösungen gebraucht, in Indien sogenanntes Ulmin (der 
braun gewordene Saft von Acer- Arten) zu demselben Zweck. 
Thonerdehydrat hält die Humussäure fest, und dasselbe gilt 
(wie es scheint) von ganz indifferenten Substanzen , wie Gyps 
und schwefelsaurem Baryt. Es lag daher, mit Hinsicht auf 
alle diese Thatsachen , nahe, das Verhalten der Humus- 
kohle zu Eisenlösungen zu prüfen. Schlamm aus dem öst- 
lichen Tisken wurde mit Salzsäure ausgekocht und danach 
gewaschen, bis das Waschwasser Humussäuren zu lösen an- 
fing. Eine grössere Menge kochende, concentrirte Eisenvitriol- 
lösung wurde "durch diesen Schlamm filtrirt, wobei eine klare, 
braune Lösung durch das Filtrum ging. Während des Waschens 
mit heissem Wasser wurde das Filtrat von einem basischen 
Salze getrübt. 

Der vorher dunkelbraune Schlamm hatte nach dem Trocknen 
eine schmuzig ockerbraune Farbe. 0,493 Gramm von dem mit 
Säure ausgelaugten Schlamm, 0,146 Gramm Wasser und orga- 
nische Substanzen (nach dem Trocknen auf dem Wasserbad) 
enthaltend , hatte aus der Eisenvitriollösung 0,010 Gramm 
Eisenoxyd (als Oxydul in der Fällung ?) ausgefällt, d. i. etwa 
7 pCt. von dem Gehalt des Schlammes an organischen Sub- 
stanzen und Wasser. Dieser Versuch zeigt, dass nicht allein 
die humussauren Alkalien in einem Torfmoore, sondern auch 
die Humuskohle (und freien Humussäuren) aus Vitriollösungen 
Eisen auszufällen vermögen. Die geringe Quantität des ge- 
fällten Eisens sagt jedoch zugleich, dass eine solche Präcipita- 
tion aufhören muss, sobald eine relativ so unbedeutende Eisen- 
quantität zur Ausfällung gelangt ist, dass sie wohl den grossen 
Eisengehalt in der Asche vieler Torfarten, nicht aber eine ab- 
sehbare Wiesenerzbildung in einem Torfmoore erklären kann. 
Sobald die Torfsubstanz so viel Eisen ausgefällt hat , als sie 
vermag , kann natürlicherweise die Eisenvitriollösung dieselbe 
ohne weitere Zersetzung passiren. Dass die Gerb- und Gallus- 
säuren in verfaulenden Wurzeln, Stammenden etc. aus einge- 
saugten Lösungen Eisenoxyd ausfällen, wurde schon erwähnt, 

Xtüs. d.d. geul Ges. XVIII. 1. 10 



146 



und wir können aus den jetzt angeführten Versuchen schliessen, 
dass Fällungen ausserdem durch die Hitmuskohle und Humus- 
säuren bewirkt wurden, welche in verfaulenden Bäumen vor- 
kommen. Da Schwefelsäure die Holzsubstanz kohlt, so ist 
natürlich, dass solche in Erz verwandelte Holztheile meisten- 
theils gekohlt worden sind, da vitriolische Lösungen die Eisen- 
imprägnation bewirkten. 

Ueberall, wo sich schwefelkieshaltige Gesteine, Luft und 
Wasser (am liebsten kohlensäurehaltiges) finden, können auch 
vitriolische Quellen gebildet werden , welche durch eben er- 
wähnte Reaktionen die Veranlassung zur Entstehung der See- 
und Wiesenerze geben. Diese Verhältnisse kommen in den 
limonitreichsten Gegenden Schwedens vor, und man dürfte 
daher nicht bezweifeln können , dass ein Theil der See- und 
Wiesenerze aus vitriolischem Wasser auf die hier angegebenen 
Weisen gebildet wird , welche hier etwas weitläufig behandelt 
worden, weil sie wenig oder gar nicht von den neueren 
Verfassern über diese Gegenstände , wie Kindler , Wiegmann, 
Bischof, Senft berührt worden sind. 

Fällung aus kohlensauren Lösungen. Kommt 
eine Quelle , welche freie Kohlensäure und Bicarbonate von 
Kalk , Eisenoxydul, Manganoxydul etc. enthält, in Berührung 
mit der Luft , so verschwindet zuerst die freie Kohlensäure, 
demnächst die an Eisenoxydul- (und Manganoxydul-) Carbo- 
nate halb gebundene und zuletzt die an Kalkcarbonat halb 
gebundene. Die Folge davon ist , dass aus einem solchen 
Wasser zuerst Eisenoxydul- (und Manganoxydul-) Carbonat 
ausgefällt wird, also eine fractionirte Präcipitation, durch welche 
aus einem eisenarmen kohlensauren Wasser nahe an der Mün- 
dung der Quelle ein eisenreicher Niederschlag bewirkt werden 
kann. In der zuerst entstehenden Fällung wird die Präcipita- 
tion des Eisens durch die grosse Neigung des Eisenöxyduls, 
sich höher zu oxydiren, in hohem Grade begünstigt. 

Aus einer Lösung von Eisenoxydul-Bicarbonat wird nämlich 
bei dem Zutritt der Luft nicht nur Eisenoydulcarbonat, sondern 
gleichzeitig auch eine gewisse Menge Eisenoxydhydrat ausge- 
fällt, während sich Kalkbicarbonate etc. gelöst halten, je mehr, 
je niedriger die .Temperatur ist. 

Um die Richtigkeit dieser Behauptung zu beweisen, dürfte 
es hinreichend sein, einige der Analysen Ludwig's von Ocker- 



147 



fällungen, welche sich in verschiedener Entfernung von derQuell- 
öffnung des Nauheimer Sprudels abgesetzt haben, mitzutheilen : 





I. 


II. 


III. 


Kohlensaurer Kalk 


. 35,40 


83,58 


87,81 


Kohlensaurer Talk 




2,49 


9,05 


Eisenoxyd .... 


. 44,28 


2,07 | 


2,05 


Manganoxyd 


. 2,11 


5,49 / 


Kieselsäure .... 


. 2,65 


3,09 


Spuren 


Arseniksäure . . 


. 1,05 






Organisches .... 






0,12 


Wasser 

Verlust 


. 14,32 \ 
. 0,19 J 


3,28 


0,97 



100,00 100,00 100,00. 



I. ist der Ockerabsatz bei der Quellenmündung. 

II. ist der Ockerabsatz 220 Meter von der Quellen- 
mündung. 

III. ist der Ockerabsatz 400 Meter von der Quellen- 
mündung. 

Es leuchtet aus diesen Analysen nicht nur ein , dass der 
Gehalt des Absatzes an kohlensaurem Kalk und Talk mit der 
Entfernung von der Quellöffnung zunimmt, und dass in demselben 
Maasse der Eisen- und Manganoxydgehalt (der unmittelbar bei 
der Quellöffnung am grössten ist) abnimmt, sondern auch dass 
die Kiesel- und Arseniksäure hauptsächlich mit dem Eisen 
ausgefällt werden. Man weiss, dass die Phosphorsäure sich 
gegen Eisenoxyd analog der Arseniksäure verhält, und es darf 
daher nicht überraschen, dass Seeerze, welche sich aus kohlen- 
säurehaltigem Wasser absetzen, den ganzen Phosphorsäurege- 
halt der Lösung, woraus die Fällung geschieht, mitnehmen. 

Das Verhältniss zwischen Kieselsäure auf der einen und 
Eisen- und Manganoxyd auf der anderen Seite ist nach I und 
II im Durchschnitt wie 2,87 : 26,97 == 1 : 9,4 und im Durch T 
schnitt bei schwedischen Seeerzen, nach Svanberg's Analysen, 
wie 12,64:68,14 = 1:5,4. Ich mache diesen Vergleich nur, 
um zu zeigen, wie Ocker, dessen Absatz aus Quellen voj dem 
Auge liegt, relativ gegen den Eisengehalt nicht viel weniger 
Kieselsäure enthalten als die Seeerze, deren Absetzung, unserer 
Meinung nach, aus ähnlichen Quellen geschehen ist. In dem 
vorliegenden Fall wirkt jedoch nur ein Factor zu der Präcipita- 

10* 



148 



tion der Kieselsäure (nämlich das fallende Eisenoxyd), während 
wir dagegen oben gesehen haben , dass bei der Seeerzbildung 
mehrere andere gleichzeitig zur Kieselsäurefällung mitwirkend 
sein können. 

Der nicht so ungewöhnliche Kohlensäuregehalt der Seeerze, 
welcher oft grösser zu sein scheint, als dem Kalk- und Talk- 
gehalt des Erzes entspricht, kann durch die Annahme leicht 
erklärt werden, dass aus kohlensäurehaltigein Wasser gefällte 
Ocker Eisenoxydulcarbonat enthalten , welches nicht zur 
Verwandlung in Eisenoxydhydrat gelangt ist. Hier mag auch 
an die mögliche Existenz von Eisenoxyd- und Thonerdecarbo- 
naten erinnert werden , nach Angaben von Wallace (siehe 
oben) und Soubeirajn*, welcher letztere beobachtete, dass Crocus 
Marth aperitivus in feuchter Luft zu einem kohlensäurehaltigen 
Eisenoxydhydrat verwandelt wird, vielleicht von der Zusammen- 
setzung FC 3 -f-6FH 3 . In allen Seeerzen, welche Eisenoxydul 
neben mehr Kohlensäure enthalten, als der anwesende Kalk 
zu binden vermag, hat man jedoch grössere Veranlassung die 
Existenz von Eisenoxydulcarbonat zu vermuthen , als jene von 
den genannten Oxydcarbonaten. 

Bei Analysen kann man oft wahrnehmen, wie begierig 
Eisenoxyd- und Thonerdehydratfällungen kleine Quantitäten 
von Kalkcarbonat, Talk etc. mitnehmen und festhalten. Diese 
Erscheinung erklärt den geringen Kalk- und Talkgehalt der 
See- und Wiesenerze; denn die Wassermenge in einem See 
dürfte hinreichend sein, um das Iii geringer Quantität mit dem 
Eisenocker ausgefällte Kalkcarbonat ganz und gar aufzulösen, 
da letzteres (nach Fresenius) von 10,600 Theilen Wasser gelöst 
wird, sofern Spuren davon von den Eisenoxydhydraten nicht 
festgehalten wurden. *} 

Da der geringe Talkgehalt einer Quelle in den meisten 
FälLen an Kieselsäure gebunden sein muss, so kann die Talk- 
erde natürlicherweise nicht zur Ausfällung gelangen , da die 
Quelle mit einem See verdünnt wird, sofern nicht andere 
Fällungen kleine Portionen davon mitnehmen. 



*) An den Ufern einiger Smäländischen Flüsse (z. B. Emman nahe 
Holtsby) kann bisweilen eine' lose Kalkfällung beobachtet werden, die sich 
vielleicht aus kohlensaurem Wasser abgetzt hat, nachdem daraus die Aus- 
fällung des Eisenockers in den Seen stattgefunden hat. 



149 



Von dem Thonerdegehalt in aus kohlensäurehaltigem Wasser 
ausgefällten Seeerzeu gilt dasselbe , was oben bei den aus 
vitriolischen Wässern entstandenen ausgeführt wurde. 

Der Mitwirkung des organischen Lebens bei der Seeerz- 
bildung aus kohlensäurehaltigem Wasser wird weiter unten er- 
wähnt werden. 

Münden solche Quellen nicht unter dem Wasser , sondern 
auf der Erdoberfläche aus, so verdampft die freie und halb ge- 
bundene Kohlensäure schneller, das Eisenoxydul wird leichter 
oxydirt, und die Absetzung von Ocker geschieht daher rascher 
als in ersterem Falle. Ein solcher Ocker (Wiesenerz) muss 
jedoch von Kalkcarbonat etc. mehr verunreinigt sein als das 
entsprechende Seeerz; denn unter den gegebenen Verhältnissen 
werden auch die übrigen Mineralbestandtheile der Quelle leichter 
ausgefällt, und Wasser fehlt zu ihrer Wiederauflösung. 

In einem Torfmoore , wo die Humifikation fortschreitet, 
kann aus kohlensäurehaltigem Wasser Eisenoxydhydrat nicht 
abgesetzt werden , aber die Ausfällung von einfachem Eisen- 
oxydulcarbonat ist da in vielen Fällen möglich ; und wenn wir 
auchEisenspath-Sumpferze nichtkennen, welche diese Behauptung 
beweisen .könnten, so haben wir doch alle Ursache, eine beinahe 
ähnliche Entstehung bei den meisten Sphärosideriten zu ver- 
muthen, welche mit Steinkohlen etc. zusammen vorkommen. 

Dass organische Säuren , welche Fällungen in Vitriol- 
lösungen bewirken (z. B. Gerbsäuren , Gallussäure etc.) auch 
aus Eisenbicarbonatlösungen unter gewissen Verhältnissen Oxy- 
duloxydsalze präcipitiren können , leuchtet von selbst ein, und 
solche Reaktionen können ebensowohl bei der Bildung von See- 
erzen als bei der von Wiesenerz lokal wirkend sein. 

Fällung aus humussauren Lösungen. Eisen- 
oxyd, Thon erde u. a. Sesquioxyde werden aus humus- 
sauren Lösungen nicht durch Alkalien oder kohlensaures Alkali 
gefällt; denn die Humussäuren verhindern die Fällung auf die- 
selbe Weise, wie Weinsäure und andere nicht flüchtige orga- 
nische Säuren. Auch treiben die Humussäuren Kohlensäure 
aus Alkalicarbonaten aus , und in Wasser unlösliche, einfache, 
humussaure Salze nehmen das Alkali auf, um mehrbasische, 
lösliche Salze zu bilden. Es ist daher leicht zu erklären, 
dass in Torfmooren oder Seen eine Ockerfällung nicht dadurch 
bewirkt werden kann, dass sich alkalinische Quellen mit dem 



150 



Moor- oder Seewässer mischen, worin humussaure Eisenoxyde 
gelöst sind; im Gegentheil, schon gebildete Ocker, welche 
Humussäure enthalten (gewisse See- und Wiesenerze), können 
durch das Dazwischenkommen von alkalinischen Quellen theil- 
weise wieder aufgelöst werden. 

Die Ausfällung des Eisengehalts aus humussauren Lösungen - 
kann dagegen unter den in der Natur gegebenen Verhältnissen 
auf mehrfache Weise geschehen. Wirkt eine freie Säure (z. B. 
die Schwefelsäure, die in einem See vorkommt, wo aus neu- 
tralem schwefelsaurem Eisenoxydul basisches Eisenoxydsulphat 
ausgefällt worden ist) auf ein mehrbasisches , humussaures 
Sesquioxydsalz ein, welches durch seinen Ammoniakgehalt 
löslich ist, so wird dieser ausgezogen, und das Sesquioxydsalz 
wird ausgefällt. 

Dieselbe Wirkung übt auch Eisenoxydsulphat aus, und 
die dadurch entstehende Fällung besteht theils aus Eisenoxyd- 
hydrat (aus dem Sulphate), theils aus humussaurem Sesqui- 
oxyd. Enthält das mehrbasische, humussaure Salz nur Mon- 
oxyde, so wird sein Ammoniakgehalt ebenfalls von stärkeren 
Säuren ausgezogen, aber dabei entsteht keine Fällung, da auch 
die einfachen, humussauren Oxydulsalze leicht löslich sind. 
In der Lösung der letzteren findet jedoch eine eisenhaltige Fällung 
statt, sobald der Oxydulgehalt Gelegenheit hat, sich zu oxy- 
diren. 

Endlich entstehen Fällungen , sowohl aus einfachen, als 
mehrbasischen, humussauren Salzen, durch die Oxydation der 
Humussäuren und deren schliessliche Verwandlung in Kohlen- 
säure und Wasser. Quellsaures Eisenoxydul ist in Wasser 1 
leicht löslich; aber sobald die Quellsäure in Quellsatzsäure 
verwandelt wird, und das Eisenoxydul in Oxyd, entsteht ein Ocker, 
dem. von Porla ähnlich, von welchem oben eine Analyse mit- 
getheilt ist. Diese Verwandlung der Humussäuren sind Oxy- 
dationsprozesse. Wenn daher Sauerstoff nicht von aussen zu- 
geführt wird, so muss er aus dem Salz selbst genommen werden, 
z. B. von einem darin befindlichen Sesquioxyd, welches zu 
Oxydul reducirt werden kann. Da aber die resp. Oxydulsalze 
löslich sind, so kann keine Fällung entstehen, ehe ein Zu- 
schuss von Sauerstoff von aussen möglich macht, dass gleich- 
zeitig mit der Oxydation der Humussäuren das Eisenoxydul 
zu Oxyd oxydirt werden kann; oder ehe die Humussäuren in 



151 



Wasser und Kohlensäure verwandelt sind. Die Kohlensäure 
wird dann an die Oxydule des ehemaligen humussauren Salzes 
gebunden , und diese werden nach und nach aus der Lösung 
auf dieselbe Weise ausgefällt, welche wir oben hinsichtlich der 
Carbonate andeuteten. 

Bei diesen Fällungen spielt daher die Oxydation eine 
Hauptrolle, und weiter unten werden wir linden, wie der dazu 
nöthige Sauerstoff hauptsächlich durch organisches Leben zu- 
geführt wird. Ausserdem würde die Ausfällung äusserst lang- 
sam geschehen, wenn sie nicht durch vitriolische Quellen lokal 
befördert würde. 

Es folgt auch aus dem Angeführten, dass in einem zu- 
sammenhängenden System von eisenhaltigem Moorwasser die 
Verhältnisse an einem Orte für Eisenfällungen günstiger sein 
können als an einem anderen, je nachdem auf der einen Seite 
z.B. vitriolische Quellen hervordringen oder lebende Pflanzen Vor- 
rath an Sauerstoff etc. liefern, oder auf der anderen Massen von 
verfaulenden Pflanzensubstanzen Sauerstoff consumiren und die 
Oxydation des Eisenoxyduls verhindern; ferner dass an demselben 
Orte zu verschiedenen Zeiten bald Ausfällung, bald Auflösung von 
ausgefälltem Ocker stattfinden kann, je nach dem Vorrath an 
Sauerstoff, welcher auf humussaure Metallösungen oder auf 
verfaulende Pflanzensubstanzen einwirkt. Letztere entziehen 
dem Eisenoxyd Sauerstoff, verwandeln sich in Humussäuren 
und führen das Eisenoxydul weg. Gewöhnlich dürften unter 
übrigens ähnlichen Verhältnissen Oxydation und Ausfällung 
währenddes Sommers, aber Reduktion und Auflösung während des 
Winters*) überwiegen. Seeerze sind daher keineswegs sehr 



*) Das Gas. welches sich aus einem Teich im Marburger botani- 
schen Garten entwickelte, hatte nach Bunsen die Zusammensetzung: 

(im Winter) (im Sommer) 
Kohlenwasserstoff . . . 47,37 76,61 
Kohlensäure .... 3.10 — 
Sauerstoff .... 0,17 5,36 

Stickstoff . . . . . 49,39 18,03 

100,03 100,00. 
Der Gehalt an freiem Sauerstoff ist hier während des Sommers also 
31 Mal grösser als während des Winters; daher ist auch im Sommer 
31 Mal grössere Gelegenheit zur Oxydation d. i. Ausfällung von Ocker 
aus möglicherweise anwesenden Eisenlösungen. 



152 



beständig; sie können Spielbälle eines oft erneuerten Streits 
zwischen Oxydations- und Reductions -Prozessen (oder Aus- 
fällung und Wiederauflösung) sein, besonders so lange sie noch 
in dem Zustande von ockerigem Schlamm vorkommen. 

Einige Verhältnisse tragen jedoch dazu bei , dass Eisen- 
oxydhydratfällungen, welche noch nicht in compakte Massen 
verwandelt sind, besser der Wiederauflösung widerstehen kön- 
nen. Nach Ordway werden lösliche basische Salze nach der 
Ausfällung oft unlöslich. Limberg und Wittstein fanden, dass 
Eisenoxydhydrat durch ein längeres Verweilen unter Wasser 
in Säuren schwer löslich wird. Bei gewöhnlicher Temperatur 
bekommt es dabei die Zusammensetzung Fe' 2 H 3 , aber bei 
gleichzeitiger Einwirkung von Kälte F H 3 . Die Kälte soll in 
hohem Grade dazu beitragen, dass Eisenoxydhydrat unter Was- 
ser schwer löslich wird; man mag daher nicht über Sveden- 
borg lächeln, welcher die Hitze der Sonne und die Kälte des 
Herbstes als bei der Seeerzbildung wirkende Factoren (siehe 
obiges Citat) anführt.*) 



*) Hinsichtlich der Einwirkung von Kälte auf Eisenoxydhydrat habe 
ich einige Versuche angestellt, welche Folgendes ergaben: 

Eisenoxydhydrat in der Kälte gefällt, mit kaltem Wasser gewaschen 
und im Exsiccator in Laboratorium temperatur getrocknet, enthielt 80,65 Pro- 
cent Fe und 19,35 H, der Formel Fe H 2 entsprechend, welche 81,63 Fe 

und 18,37 H fordert. Ein Theil des frischgefällten und gewaschenen, vo- 
luminösen Niederschlages wurde mit Wasser begossen und das Wasser 
gefrieren gelassen, worauf der Eisklumpen sammt dem inneliegenden Ball 
Eisenoxydhydrat 4 Tage lang einer Temperatur von — 6 bis — 1Ü aus- 
gesetzt blieb. Während des Gefrierens hatte das voluminöse Eisenoxyd- 
hydrat sich zu einem kleinen Ball von concentrisch schaliger Structur 
zusammengezogen, der mitten im Eis lag, und von welchem aus durch 
das Eis zahlreiche dünne Luftröhrchen sich verbreiteten. Nach dem Auf- 
thauen des Eises zerfiel das Eisenoxydhydrat zu einer wenig voluminösen, 
wenig zusammenhängenden, rothbraünen, pulverigen Masse, welche 

nach dem Trocknen im Exsiccator 80,696 Fe und 19,304 H enthielt, 

also nach der Formel Fe H J (wie das nicht gefrorene Hydrat) zusam- 
mengesetzt war. Dies ist die Formel des Xanthosiderites. Eine 
Portion des Eisenoxydhydrates endlich wurde mit Wasser begossen und 
eine Woche lang einer Temperatur von 85 bis 90 Grad ausgesetzt. Schon 
nach 14 Tagen hatte dieses Hydrat eine blutrothe Farbe, geringes Volu- 
men und pulverige Structur angenommen. Es enthielt aber noch einzelne 
Partieen gelatinösen, braunen Hydrates, die sich unter dem Mikroskop 



153 



Die oben angegebenen Reactionen geben in erster Hand 
nur die Eisenoxyde an, aber die Reactionen der Mangaiioxyde 
sind denselben so ähnlich , dass ein Mangangehalt in Eisen- 
ocker, der aus einer von Mangan verunreinigten Lösung abge- 
setzt wird, keine Verwunderung erregen kann.*; 

Dasselbe dürfte auch von Chrom und Vanadin gelten. 

Die Thonerde ist in Huminsäuren (besonders Quellsäuren) 
löslich, da gleichzeitig Ammoniak als Base auftritt, aber nach 
der Entfernung des Ammoniaks fällt die Thonerde in einem 
basischen, unlöslichen, quellsauren und quellsatzsauren Salz, 
welches den Reagentie« kräftig widersteht. Ist die Thonerde- 
fällung mit Eisenocker gemischt, welche.r theilweise wieder 
aufgelöst werden kann (siehe oben), so wird der relative Thon- 
erdegehalt des Rückstandes vergrössert, und ganz unbedeutende 
Spuren von Thonerde in einem Wasser können dadurch im 
Ocker hervortreten. Uebrigens gilt -auch hier, was schon 
oben von der Verunreinigung der Seeerze mit Thonschlamm 
angeführt wurde. 

Die Kieselsäure folgt der Fällung von Eisenoxyd etc. aus 
demselben Grunde , der schon an einer andern Stelle angege- 
ben ist, aber bei den aus humussauren Salzen gefällten Ockern 
hat wohl die Ausfällung der Kieselsäure durch organische Sub- 
stanzen mehr Bedeutung als bei allen andern Ockern. Von 

entdecken Hessen , und welche nach 4 bis 5 Tagen völlig versehwuuden 
waren. Im Exsiccator getrocknet, bis das Gewicht konstant blieb, bestand 

das pulverisirtem Rotheisenstein gleiche Pulver aus 96,675 Fe, 3,325 H, 
entsprechend der Formel Fe 10 H 3 . Dann auf dem Wasserbad getrock- 
net, war die Zusammensetzung: Fe 97,202, U 2,798, entsprechend der 

Formel 3? 4 H. Ünmagnetisch. Unter dem Mikroskop konnte in kei- 
nem dieser Hydrate krystallinische Structur entdeckt werden; mit Aus- 
nahme der Farbe waren sie einander gleich, von splittrigem Bruch, Bern- 
stein oder Kolophonium ähnlich. Das rothe Hydrat erinnert an die oben 
erwähnten wasserfreien Sumpferze. leb sollte meinen, dass viele blutroth 
gefärbte Sedimentärgesteine weniger von Eisenoxyd als von einem dem 
dargestellten ähnlichen Eisenoxydhydrat gefärbt seien. In der Jurafor- 
mation hört die blutrothe Farbe auf, die herrschende eisenhaltiger 
Sedimentbildungen zu sein. Mag die höhere Temperatur des Wassers, 
aus welchem ältere, die niedrigere des Wassers, aus welchem j ünge re 
Schichten abgesetzt wurden, hierbei eine Rolle spielen ? 

*) In Neu - England setzen, nach Wells, viele Bäche und Flüss- 
chen Manganoxyd ab, besonders unterhalb Wasserfällen und Strömungen, 



154 



Interesse sind in dieser Hinsicht die oben mitgetheilten mikro- 
skopischen Untersuchungen , die einen nahen Zusammenhang 
zwischen Infusorienpanzern und Kieselsäure auf der einen Seite 
und humushaltigen Eisenockern auf der andern zeigen. 

Die Phosphorsäure folgt hier dem ausfallenden Eisenoxyd 
eben so gut, als wenn dieses Oxyd aus der Lösung in anderen 
Säuren ausgefällt wird. Was endlich den Kalk und Talk be- 
trifft, so sind ihre humussauren Salze so leicht löslich, dass 
sie nicht wesentlich mit dem Eisenocker ausgefällt werden; 
kämen aber diese Basen durch die Zersetzung der Humus- 
säuren auch mit Kohlensäure in Verbindung, so würden ihre 
Carbonate gewiss durch einen See wieder aufgelöst werden, 
mit Ausnahme der geringen Spuren , welche von dem Eisen- 
oxyde etc. festgehalten werden. 

Rinnt eisenhaltiger Torfextrakt aus einem Moore in ein 
anderes aus, so ist klar, dass in diesem letzteren nicht abge- 
setzt werden kann*, was in ersterem gelöst worden ist. Man 
sieht oft, dass Wassergräben in und aus Torfmooren mit Eisen- 
ocker gefüllt sind , obschon keine Spur des letzteren in und 
unter dem Moore selbst vorkommt, und man wird also auch 
erklärlich finden, dass Wiesenerze unterhalb eines Moores, 
zwischen zwei Mooren oder in den sogenannten Moorhälsen 
abgesetzt werden, obgleich in den Mooren selbst keine Erz- 
ablagerung vorkommt. Bei solchen Wiesenerzfällungen aus 
Moorwasser machen sich dieselben Reactionen geltend, welche 
die resp. Seeerzbildungen bedingen; aber in vielen Fällen kön- 
nen sie" schneller wirken, da der Zutritt der Luft freier ist. 

Die erwähnten verschiedenen Fällungsarten von See- und 
Wiesenerzen haben wir hier gesondert betrachtet, um die Dar- 
stellung nicht allzu verwickelt zu machen. Es folgt jedQch schon 
aus dem Angeführten, dass sie in der Natur gewöhnlich nicht 
isolirt, sondern in zufälligem, aber nothwendigem Zusammen- 
hange mit einander wirken. 

Mitwirkung des organischen Lebens bei der 
S e eerzbildu ng. Wir haben gesehen, dass die organische 
Natur bei der Entstehung dieser Erze eine bedeutende Rolle 
spielt, nicht durch den Lebensprozess als Organismen, sondern 
durch ihren Verwesungsprozess , besonders bei der Auflösung 
der mineralischen Bestandtheile. Wir werden jetzt untersuchen, 
ob nicht auch der Lebensprozess höherer oder niedriger Pflan- 



155 



zen zur Seeerzbildung wirkend sein kann, was durch einige 
schon mitgetheilte Erscheinungen angedeutet und von mehreren 
Verfassern angegeben wird. Wir brauchen jedoch nicht bei 
Hypothesen uns aufzuhalten, welche annehmen, dass kleine 
Würmer und andere Wasserthiere , wovon der Seeerzschlamm 
oft zu wimmeln scheint , das Seeerz spinnen , etwa wie die 
Seidenraupe die Seide; diese Thiere gedeihen im Schlamm, an 
dessen Entstehung sie gewiss eben so unschuldig sind, wie ge- 
wisse Käfer an der Entstehung der Excremente, worin sie 
schwelgen. Auch fabriciren die Larven von Phryganea- Arten 
kein Seeerz, obschon sie aus vorhandenen Erzkörnern bisweilen 
ihre röhrenförmigen Häuser bauen. 

Ehrenberg schreibt der Gaillonella ferruginea einen wesent- 
lichen Einfluss bei der Entstehung der Wiesenerze zu, da die 
Panzer dieser mikroskopischen Oscillatorien hauptsächlich aus 
Eisenoxyd und Kieselsäure bestehen. Wir dürfen jedoch hierbei 
nicht eine andere Anschauungsweise der Sache vergessen, welche 
z. B. von Liebig geltend gemacht wird, indem er sagt:*) „Man 
hat sich damit amüsirt, von den Infusionsthieren der Urwelt 
die unerhörten Lager von Kieselerde, Kalk und Eisenoxyd in 
Kieseiguhr, Polirschiefer, Trippel, Kreide, Sumpferz abzuleiten 
und ihrem Lebensverlauf die Bildung aller dieser Berglager zu- 
zuschreiben; aber dabei bedachte man nicht, dass Kreide, Kie- 
selerde und Eisenoxyd, die nothwendigen Bedingungen für ihren 
Lebens verl auf, vorher und ehe die aus diesen Stoffen gebilde- 
ten thierischen Körper sich entwickeln konnten, vorhanden sein 
mussten, und dass diese Bestandteile niemals in den Meeren, 
Seen und Sümpfen fehlen, wo diese Thierklassen vorkommen. 
Die Gewässer, in denen diese Infusionsthiere der Urwelt leb- 
ten , enthielten die Kieselerde und Kreide in einer Auflösung, 
völlig geeignet zum Absatz durch Verdunstung in Form von 
Marmor, Quarz und ähnlichen Steinarten. 

Diese Fällung würde ohne Zweifel auf gewöhnliche Weise 
stattgefunden haben , auch wenn das Wasser nicht gleichzeitig 
die dem Vergängniss unterworfenen Ueberreste todter Thiere 



*) Das folgende Citat aus LiebigV „ chemischen Briefen" ist hier aus 
der schwedischen Uebersetzung von Scheutz in's Deutsche übertragen, 
daher etwaige Unterschiede von dem Ausdrucke im deutschen Original 
zu entschuldigen sind. 



156 



enthalten hätte und damit die übrigen Bedingungen für das 
Leben der Kalk- und Infusionsthiere." 

Vielleicht unterschätzt Liebig hier den Einfluss , welchen 
sogenannte Infusionsthiere durch ihren Lebensprozess auf die 
Seeerzbildung ausüben; denn wenn wir auch kennen gelernt 
haben, dass Eisenocker auf mannichfaltige Weise durch gewöhn- 
liche chemische Reactionen ohne Zuhülfe lebender Organismen 
ausgefällt werden kann, so muss doch zugegeben werden, dass 
der LebensverJauf der Pflanzen mehrere Erscheinungen bedingt, 
welche auf eine kräftige Weise (wenn auch indirect) die Erz- 
bildung befördern müssen. « 

Es wurde oben erwähnt, wie Pflanzen Eisenlösungen be- 
gierig aufsaugen, deren Metallgehalt in sich fixiren. Dies 
scheint jedoch hauptsächlich erst dann stattzufinden, wenn die 
Wurzeln verletzt worden sind, oder wenn die endosmotische 
Kraft der Zellmembranen durch Kränklichkeit "oder Tod der 
Pflanze hinsichtlich gewisser (besonders metallischer) Lösun- 
gen gesteigert worden ist. 

Denn so wenig übereinstimmend die Resultate der vielen 
Versuche auch sind, welche angestellt wurden, um zu ermitteln, 
ob Pflanzenwurzeln mit oder ohne Auswahl die ihnen dargebo- 
tenen, organischen und unorganischen Substanzen aufnehmen, 
so scheint man doch aus diesen Versuchen schliessen zu kön- 
nen, dass gewöhnlich nur kranke oder in den Wurzeln verletzte 
Exemplare Lösungen aufsaugen, die für die Pflanzen giftig sind. 
Algen, die in Kupfervitriollösung gewachsen sind, enthalten kein 
Kupfer; auch enthält Schimmel, der sich auf arsenikhaltigem 
Kleister gebildet, kein Arsenik. 

Verschiedene Pflanzen nehmen mineralische Bestandteile 
in verschiedenen Proportionen auf, so dass die Zusammen- 
setzung der Asche ein und derselben Pflanze in der Hauptsache die- 
selbe ist, auf welchem Erdboden sie auch gewachsen sein mag. 
Daraus folgt, dass die Pflanzen solche Mineralsubstanzen in 
sich concentriren können, welche rings um dieselben im Boden 
weit zerstreut sein können. Dies ist auch der Fall mit Eisen- 
oxyd und Manganoxyd, wovon einige Land-, aber besonders 
Wasserpflanzen relativ grosse Quantitäten enthalten, z. B. 



157 



die Asche von Erica carnea 3,44 Proc. Mn und Fe, 

Eriopliorum vaginatum 4,60 „ „ „ „ 

Carex caespitosa . . . 7,20 „ „ „ „ 

Erica vulgaris . 7,3 — 9,03 „ „ " w 

Sphagnum palustre . 16,9 „ „ „ „ 

Lemna trisulca . . . 7,36 „ Fe, 

Trapa natans .... 19,65 „ Fe, 13,85 

Proc. (Mn, In) und 6,01 „ Fe P. 

Ist eine Vegetation solcher eisenreicher Pflanzen der 
Fäulniss an Ort und Stelle unterworfen, so kann der Eisengehalt 
durch die humusartigen Verwesungsprodukte wieder aufgelöst 
und durch Wasser weggeführt werden , und da dieselbe Sache 
jedes Jahr erneuert wird, so können auf diese Weise unbedeu- 
tende , in dem Boden zerstreute Eisenpartikel nach und nach 
zusammengeführt, gelöst und an anderen Orten aus der Lösung 
als Ocker abgesetzt werden. 

Wird der Eisengehalt von Wasserpflanzen (wie Sphagnum, 
Lemna, Trapa) aus dem umgebenden Wasser aufgenommen, so 
wird er entweder demselben durch Verwesung der Pflanzen 
zurückgegeben, oder er kann in gewissen Fällen (zum Theil 
wenigstens) ungelöst und gesammelt bleiben, obschon die orga- 
nischen Bestandtheile der Pflanzen und mit ihnen einige der 
unorganischen mit der Zeit verschwinden. 

Sinkt die jährliche Vegetation in einem See zu Boden, 
so kann daselbst also im Laufe der Zeit aus der Pflanzenasche 
ein eisenoxydreiches Lager oder ein Seeerz entstehen. 

Eben derselbe Prozess muss natürlicherweise eben so 
gut wie mit grösseren und höher organisirten Pflanzen auch 
mit mikroskopischen Algen (oder einigen der sogenannten In- 
fusions thie re, z. B. Gaillonella ferruginea) stattfinden kön- 
nen, sofern diese als Nahrung so viel Eisen aufnehmen, dass 
sie ein eisenoxydreiches Skelett oder einen solchen Panzer be- 
kommen. 

Nimmt eine gesunde Pflanze nur solche unorganische Sub- 
stanzen auf, welche derselben nützlich sind, so scheint sie auch 
nicht durch die Wurzel schädliche Mineralsubstanzen als eine 
Art Excrement abzusondern genöthigt zu sein , welche sie wie 
durch Missgriff neben den nützlichen aufgenommen haben sollte.*) 



*) Nach den Versuchen von Macairü-Princeps nehmen nämlich de 



158 



Dagegen wird von einigen Pflanzen behauptet, dass sie durch 
die Wurzel Substanzen absondern , welche in ihnen während 
des Lebensprozesses gebildet worden sind, z. B. Gerbsäure, 
Weinsäure, Oxalsäure u. a. , und diese Excremente 
haben für uns ein Interesse , da sie bei der See- und Wiesen- 
erzbildung auf eine indirecte Weise wirkend sein können, 
z. B. dadurch, dass die Oxalsäure und die' Weinsäure, welche 
aus auf kalksilikathaltigen Bergen wachsenden Flechten abge- 
sondert werden, die Verwitterung der Bergart, d. i. auch die 
Auflösung des darin befindlichen Eisens, kräftig einleiten. (Nach 
Bayley kommt oxalsaurer Kalk in den meisten Pflanzen vor, 
ausgenommen die Compositae, Labiatae, Gramineae, Filices, Musci, 
Algae.) In blauem und graugrünem Alluvialthon (in Schweden) 
sieht man Pflanzenwurzeln sehr oft von erhärtetem und ge- 
wöhnlich ockrigem Thon gewissermaassen inkrustirt, und diese 
Morpholithe dürften ebenfalls indirect von Pflänzenexcrementen 
herrühren. 

Auch die Notwendigkeit organischer Substanzen zur 
Unterhaltung des Pflanzenlebens ist ein bei der Erzfällung 
wirkender Factor. Es ist hier ganz gleichgültig, ob die Pflan- 
zen die Humussäuren oder ihre Zersetzungs- Producte aufneh- 
men; jedenfalls müssen wurzellose Wasserpflanzen, z. B. Algen, 
die umgebenden humussauren Metalloxydammoniaksalze zer- 
setzen können, wenn sie deren Stickstoff, Kohle etc. zu ihrem 
Unterhalt brauchen. Diese Zersetzung der Salzte bedingt 
unmittelbar die Ausfällung eines eisenoxydreichen Ockers 
(Grönöcke), welcher den Seeboden oder die Algen inkrustirt und 
dann durch Oxydation in Eisenoxydhydrat verwandelt wird.*) 



Candolle, LiuBiG u. a. an, dass die Pflanzenwurzeln mehr dem Pflanzen- 
leben schädliche Substanzen aufsaugen, welche darnach durch die- Wurzel 
wieder abgesondert würden; dieses wird von Bodssingaült u. a. be- 
stritten. 

*) Dass Pflanzen begierig auch die geringen Quantitäten von Humus- 
säuren aufnehmen , welche in gewöhnlichem Seeerz zurückbleiben , wird 
durch das kräftige Grün bewiesen, womit die Erzhaufen auf den Hütten- 
höfen der Eisenwerke schon im ersten Sommer nach der Aufholung des 
Erzes sich bedecken. Diese Vegetation absorbirt ohne Zweifel auch 
Phosphorsäure aus dem Erze, und es wäre vielleicht von wissenschaft- 
lichem Interesse, experimentell zu ermitteln , wie viel Phosphorsäure aus 
einem Seeerz dadurch entfernt werden kann, dass man in dasselbe Pflanzen 
mit phosphorreicher Asche wiederholte Male , nnd so lange das Erz die 



159 



Die Richtigkeit der Behauptung Draper's, dass die Blätter 
frischer Pflanzen Alkalicarbonate zersetzen, mit deren Lösung 
sie im Sonnenschein in Berührung kommen, ist mit Recht bestrit- 
ten worden; dagegen bestätigen vielfache Beobachtungen (be- 
sonders von Ludwig und Theobald), dass lebende Pflanzen 
Bicarbonate von Kalk, Eisenoxydul etc. zu zersetzen vermögen, 
wenn sie im Licht von deren Lösungen umgeben sind. Sie 
nehmen aus dem Bicarbonate 1 Atom Kohlensäure zu ihrem 
Unterhalt und das übrigbleibende, unlösliche, einfache Carbonat 
inkrustirt die Pflanze, welche dessenungeachtet zu leben und 
frische Schösslinge zu treiben fortfährt. Nicht allein aus koh- 
lensauren Mineralwässern findet in Wassergräben diese Aus- 
fällung durch Chara, Hypriurn,*) Algen etc. statt, sondern auch 
in sogenanntem süssem Wasser, das von gelösten Bicarbonaten 
nur Spuren enthält, werden Stängel und Blätter der erst er- 
wähnten und auch höher organisirten Pflanzen, wie Nymphaea, 
Typha, Hottonia etc. inkrustirt. 

Da das Eisenoxydulcarbonat gewöhnlich leichter als das 
Kalbcarbonat zersetzt wird, so kann man voraussetzen , dass 
lebende Wasserpflanzen, wenn sie mit einer gemischten Lösung 
von diesen beiden Bicarbonaten in Berührung kommen , vor- 
zugsweise das Eisen ausfällen. Die Analyse zeigt auch einen 
relativ grösseren Eisengehalt in solchen Incrustationen als in 
den resp. Lösungen. Daher trägt das Pflanzenleben hier nicht 
allein zur Ausfällung des Eisengehalts eines Wassers bei, son- 
dern gleichzeitig auch zu der relativen Concentration des letz- 
teren im Ocker. Diese Concentration wird dadurch fortgesetzt, 
dass das ausgefällte Eisenoxydulcarbonat bald in Eisenoxyd- 
hydrat verwandelt wird, von welchem das verhältnissmässig 
leicht lösliche Kalkcarbonat bald und beinahe vollständig von 
. gewöhnlichem Wasser wieder weggelöst werden kann. 

Von grösstem Einfluss auf die Seeerzbildung wird jedoch 
das Pflanzenleben dadurch, dass höhere und niedrigere Pflan- 



Vegetation zu unterhalten vermag, säet. Die zur Reife gekommenen 
Pflanzen müssten bei einem Versuch dieser Art von dem Erze entfernt 
werden, ehe eine neue Aussaat geschieht. 

*) Hoffmann behauptet jedoch, dass Hypnum auch im Sonnenlicht 
Kohlensäure ausathmet. Ist dieses richtig, so würden lebende Exemplare 
dieser Pflanze inkrustirtes Kalk-Carbonat leichter wiederauflösen können 
als aus Bicarbonaten solches auf sich ausfällen. 



160 



zen, besonders mikroskopisch kleine Algen (Oscillatorien), 
welche wegen eines gewissen freiwilligen Bewegungsvermögens 
theilweise zu den sogenannten Infusionsthieren gezählt werden, 
während des Lebensverlaufs Sauerstoff ausathmen : denn wir 
haben gesehen , dass die Ockerfällung in den meisten Fällen 
von der Oxydation des Eisenoxyduls bedingt wird; für den 
dazu nöthigen Sauerstoff haben wir bisher keine andere Quelle 
kennen gelernt als die Atmosphäre, da alle mit der Seebildung 
in Verbindung stehenden Verwesungsprozesse reducirend wirken. 

Nach Schultz entwickelte 1 bis 2 Loth frische Pflanzen- 
substanz, welche in einer verdünnten Salzlösung oder in 
Humusextrakt während 8 bis IjO Stunden dem Sonnenlicht 
ausgesetzt steht, 4 bis 9 Kubikzoll Sauerstoffgas. Wir können 
hier an allen Bemerkungen und Experimenten vorbeigehen, 
welche die Versuche Schultz's veranlassten, da aus ihnen 
als summarisches Resultat folgt, dass alle grünen Phanerogamen 
und die meisten Kryptogamen sowohl Kohlensäure, als Sauer- 
stoff ein- und ausathmen, und dass die erstere vorzugsweise 
des Nachts, der letztere während des Tages ausgeathmet wird, 
wenn sich die Pflanzen unter natürlichen Verhältnissen befinden. 
Werden die Quantitäten der während der ganzen Lebenszeit 
der Pflanzen ausgeathmeten Kohlensäure und des Sauerstoffgases 
mit einander verglichen , so dürfte letzteres beträchtlich über- 
wiegen. Die intensivste Entwickelung von Sauerstoffgas scheint 
jedoch von dem Lebensprozess der kleinsten Algen (sogenannten 
Infusionsthiere) bedingt zu werden. 

Grüne Infusionsthiere (z.B. Monadina virescens subsphaerica) 
entwickeln nach Morren Sauerstoffgas in Menge, wenn sie in 
kohlensäurehaltigem Wasser ctem Sonnenlicht ausgesetzt werden; 
grössere Algen athmen während der Nacht Luft von gewöhn- 
licher Zusammensetzung , im Sonnenschein dagegen Luft mit 
54 pCt. Sauerstoff aus. Blätter von phanerogamen Pflanzen 
entwickeln in der Nacht Luft mit 17 pCt. und des Tages Luft 
mit 36 pCt. Sauerstoff. 

W Ohler fand in Wasserrinnen bei dem Salzwerke Rodern- 
berg in Hessen 51 pCt. Sauerstoff und 49 pCt. Stickstoff in 
dem Gase , - welches von Frustula salina und anderen zu den 
Bacillarien gezählten Infusionsthieren in solcher Menge entwickelt 
wurde, dass in Kurzem mit demselben Hunderte von Flaschen 
hätten gefüllt werden können. 



161 



Etwas Aehnliches wurde auch bei dem Salzwerke Dürren- 
berg und an mehreren anderen Stellen beobachtet. 

In See- und Wiesenerzen kommen nicht wenige Panzer 
von Bacillarien vor, unter ihnen auch Frustulina- Arten (siehe 
Figuren) und Theile von anderen mikroskopischen Conferven. So 
lange sie in dem eisenhaltigen Wasser lebten , woraus diese 
Erze ausgefällt wurden, mussten sie Sauerstoff ausgeathmet 
haben, welcher das umgebende, gelöste Eisenoxydul nothwendig 
oxy'diren*) und dadurch die Ausfällung von Eisenoxydocker 
eben so gut aus vitriolischen wie aus kohlen- oder humussauren 
Lösungen bedingen musste. 

Die sogenannten Infusionsthiere, die in dem Seeerze be- 
graben liegen, dürfen daher nicht als ein Appendix betrachtet 
werden, welcher aller Bedeutung entbehrt; man darf nicht ver- 
gessen , dass ein jedes von ihnen während seiner Lebenszeit 
Erde für seinen Grabhügel bereitet hat. 

Grosse und kleine Algen werden in eisenhaltigem Wasser 
oft von einem Ocker- Ueberzug umgeben, welcher von dem 
Sauerstoff, den sie ausathmen , bedingt wird. Unter dem 
Mikroskop zeigt er sich aus nahe an einander liegenden Ocker- 
körnern bestehend, welche jedoch auch in das Kieselskelett selbst 
eindringen und dieses ockergelb färben. Mögen nicht die 
Gaillonella ferruginea auf dieselbe Weise mit Eisen getränkt 
sein? Die Ockerpfropfen in den Internodien der auf Fig. 9 a 
abgezeichneten Alge sind wohl auch nur eine Folge der Re- 
spiration, welche sich vielleicht lebhafter zwischen zwei Zellen 
als auf ihrer Oberfläche äussert, und auf dieselbe Weise dürften 
auch die Pfropfen , mit welchen offne Zellen oft zugestopft 
sind, erklärt werden können (Fig. 8, h, i). Die Ockerkörner 
in geschlossenen Zellen sind dagegen wahrscheinlich inkrustirte 
Chlorophyllkugeln. 

Wenn die Ockerbekleidung auf den kleinen Algen zu 
schwer wird, um von ihnen länger getragen werden zu können, 
so sinken die Algen zu Boden, verwesen und steigen darnach (wahr- 
scheinlich von entwickelten Gasen gehoben) wieder zur Wasser- 
oberfläche. Durch die Verwesung wird das Eisenoxydhydrat 
in ihrer Kruste theilweise zu Oxydul reducirt, wovon sie eine 



*) Besonders, da der Sauerstoff von umgebenden, verfaulenden Sub- 
stanzen ozonisirt wurde. 

Zeits. d.d.geol. Ges. XVIII. 1. 11 



162 



graugrüne Farbe annehmen. Nach dem Ende des Verwesungs- 
prozesses wird wieder das Oxydul oxydirt, und das Skelett sinkt 
mit seinem gelbbraunen Ockerpanzer nieder. 

Die allermeisten von den fraglichen Algen haben einen 
Kieselpanzer, wozu das Material aus dem umgebenden Wasser 
genommen wurde. Auf diese Weise wird ein nicht unbedeu- 
tender Theil der Seeerze ausgefällt. 

Da diese Organismen zu ihrer Nahrung verfaulte orga- 
nische Substanzen brauchen, und da sie während des Lebens- 
prozesses Kieselsäure und Eisenoxydhydrat ausfällen, so 
ist leicht erklärlich, warum die drei genannten Substanzen in 
dem nahen wechselseitigen Zusammenhang vorkommen, der 
sich so deutlich bei der mikroskopischen Untersuchung des 
Seeerzschlammes zu erkennen gab. Es mag gestattet sein, eine 
approximative Berechnung über die Wirkungskraft dieser In- 
fusorien bei der Erzbildung anzustellen. 

Die Infusorienerde von Degernäs enthält nach Trail 
72 pCt. Kieselsäure und 22 pCt. organische Bestandtheile. *) 
Berechnen wir mit Liebig, dass Kohle im Durchschnitt 56 pCt. 
von dem Gewicht der Pflanzensubstanzen ausmacht, so ist der 
Kohlegehalt dieser Infusorienerde 12,3 pCt. oder ungefähr ~. 
Diese Kohle ist unstreitig aus einer sauerstoffhaltigen Ver- 
bindung aufgenommen worden, welche wir der Einfachheit 
wegen als Kohlensäure ansehen wollen. Würde diese durch 
den Lebensprozess vollständig zersetzt, so müssten die Infu- 
sorien j von ihrem Gewicht Sauerstoff ausgeathmet haben. 
Wäre dieser Sauerstoff zur Oxydation von Eisenoxydul ganz 
und gar verbraucht worden, so hätte das dreifache Gewicht 
der Infusorien Eisenoxydul dadurch oxydirt oder ihr 3|faches 
Gewicht Eisenoxyd ausgefällt werden müssen. Ist dieses 
letztere mit Kieselpanzern vermischt, so würde die Mischung- 
ungefähr 0,72 Kieselsäure auf 3 j Eisenoxyd oder etwa 1 Kiesel- 
säure auf 4,6 Eisenoxyd enthalten. Svanberg's oben mitge- 
theilte Analysen von schwedischen Seeerzen geben im Durch- 
schnitt 12,6 Kieselsäure auf 62,5 'Eisenoxyd oder 1 Kiesel- 
säure auf 4,9 Eisenoxyd. 



*) Infusorienerde von Kalfvola gab 10,7 pCt. Glühverlust, 6 pCt. 
Kohle entsprechend, aber diese Erde hatte mehrere Jahre lang in der 
Sammlung der Bergschule gelegen. 



163 



Die Uebereinstimmung zwischen dieser Proportion und der 
soeben berechneten ist so überraschend, dass man verleitet 
werden könnte, ausschliesslich dem für das unbewaffnete 
Auge unsichtbaren organischen Leben die Ausfällung von dem 
Eisenocker und der Kieselsäure der Seeerze zuzuschreiben; 
aber wir dürfen nicht vergessen, dass einige Annahmen in der 
Berechnung arbiträr sind. Wir wissen nämlich nicht, ob die 
Infusorien Humussäuren oder die aus ihnen entstandene Kohlen- 
säure aufnehmen; wir wissen auch nicht, ob nur der Kohle- 
gehalt oder gleichzeitig auch ein Theil des Sauerstoffgehalts 
der Kohlensäure im Organismus zurückgehalten werde; wir 
können endlich nicht behaupten , dass die ganze ausgeathmete 
Sauerstoffquantität zur Oxydation von Eisenoxydul verbraucht 
worden sei, w r eil ein Theil davon möglicherweise zu der Oxy- 
dation der umgebenden organischen Substanzen verwendet 
worden ist (welche letztere Oxydation jedoch ebenfalls indirekt 
von Okerausfällung begleitet sein muss). Noch mehrere Be- 
merkungen könnten gemacht werden, aber es mag hinreichend 
sein, die Anzahl der Infusorien, welche nach oben gemachter 
Berechnung zur Hervorbringung von einem gegebenen Gewicht 
Seeerz nöthig ist, mit der Anzahl zu vergleichen, welche 
unter dem Mikroskope beobachtet werden kann. 

Die in den Seeerzen gewöhnlichst vorkommenden Formen sind : 
Synedra (Emi.) Fig\ ] 5 und Spongolithis (Ehr.) Fig. 11. Ich habe ver- 
schiedene Exemplare von Synedra gemessen, und im Durchschnitt 

die Länge .... 0,08 Millimeter 
„ Dicke .... 0,0075 „ 
„ Dicke des Kanals 0,0020 „ gefunden. 
Das Volum des Panzers ist mithin 0,0000033 Kubikmillim. 
und das Gewicht 0,0000066 Milligramm (das specifische Ge- 
wicht der Kieselsäure des Panzers gleich dem des Opales an- 
genommen, oder in runder Zahl — 2). 

Macht der Kieselsäuregehalt 0,72 von den Panzern der 
Fragillarien aus (siehe obige Analyse von Teäil), so würden 
zu 0,126 Milligramm Kieselsäure, die in 1 Milligramm Seeerz 
enthalten sind, 26,809 Individuen Synedra nöthig gewesen sein 
oder 2681 Stück zu Milligramm Erz. Die Kieselsäure von 
dieser letzteren Quantität kann, über das Gesichtsfeld des 
Mikroskops ausgebreitet, leicht auf einmal überschaut werden, 
aber ich habe niemals in der Kieselsäure aus Seeerz eine 

11* 



164 



Anzahl Infusorien auf einmal beobachten können, die sich nur 
entfernt jener Ziffer näherte. 

Ein grösseres, massives Exemplar von Spongolithis zeigte 
sich 0,32 Mm. lang und (im Durchschnitt) 0,015 Mm. dick: 
sein Volumen ist also 0,000056 Kubikmillim. und das Ge- 
wicht 0,000112 Milligramm, j— Milligramm Seeerz müsste daher 
hiervon 157 Stück enthalten, welche Ziffer jedochaugenscheinlich 
ebenfalls zu hoch ist. Die meisten Spongolithe sind jedoch 
viel kleiner, viele kaum ~ sjo gross als das gemessene 
Exemplar. Von diesen letzteren würden daher 157000 St. 
zu ~ Milligramm Seeerz nöthig sein. 

Viele Infusorienpanzer sind wohl durch Auflösung in dem 
harzähnlichen Eisenoxydsilikate für die Observation verschwun- 
den, und darin könnte daher eine Ursache gefunden werden, 
dass die im Erze sichtbare Anzahl von ihnen so viel geringer 
ist als die berechnete ; aber nebst Kieselsäure in Panzerform 
wird auch in allen Seeerzen solche gefunden, welche ohne Bei- 
hülfe des organischen Lebens ausgefällt worden ist, und 
daraus folgt, dass nicht alles Eisenoxyd durch den Lebens- 
prozess der Infusorien ausgefällt sein kann; denn die oben 
angeführte Berechnung setzt gegen 62,5 pCt. Eisenoxyd 13,6 
pCt. Kieselsäure voraus , welche ausschliesslich von In- 
fusorienpanzern herrühren sollte. Wenn wir daher dem Lebens- 
prozess der Infusorien eine wesentliche Rolle bei der Seeerz- 
bildung einräumen, so sind wir doch weit entfernt, demselben 
ausschliesslich die Entstehung der Seeerze zuzuschreiben, 
-welche so leicht durch einfache, rein chemische Prozesse er- 
klärt werden kann. Die Bedingungen für diese sind auch 
grösstentheils Bedingungen für die Entstehung von Infusions- 
thieren, und letztere finden sich deswegen an vielen Orten ein, 
wo Seeerzbildung stattfindet, und befördern dieselbe in hohem 
Grade durch ihren Lebensprozess. 

Viele der Erscheinungen, welche erwähnt wurden, als von 
der Art des Vorkommens der Seeerze die Rede war, und 
welche einen Zusammenhang zwischen Pflanzerileben und See- 
erzbildung andeuten, finden daher eine ganz einfache Erklärung. 
Der Eirifluss der Infusionsthiere wird hier von dem Sonnen- 
licht bedingt; wird dieses von tiefem Wasser absorbirt , oder 
wird sein Zutritt auf eine andere Weise gehindert, so ge- 
schieht keine solche Erzbildung, zu welcher die Wirksamkeit 



165 



der Infusionsthiere in Anspruch genommen wird. Wir wollen 
nicht weiter gehen und z. B. die langen , hellen Sommertage 
des Nordens in Verbindung mit seinem Reichthum an Seeerz 
bringen , um nicht Gefahr zu laufen, zu den Grübeleien der 
alten Naturforscher über den Zusammenhang zwischen den 
Constellationen der Himmelskörper und der Erzbildung und 
endlich vielleicht zu der Behauptung des Paraoelsus verleitet 
zu werden , dass der grösste Erzreichthum der Erde zwischen 
dem 60» und 70. Grad nördlicher Breite zu finden sei. 

Wie Seeerze fest werden. Nur ein Theil der See- 
erze kommt in der Form von losem Ocker oder Schlamm vor, 
welcher jedoch selten oder niemals zu den Eisenhütten geführt 
wird; die gewöhnlich so genannten See- und Wiesenerze da- 
gegen haben einen gewissen Zusammenhang, oft eine bedeu- 
tende Festigkeit und Härte. Es entsteht daher die Frage, wie 
die losen Ockerfällungen, deren Entstehung beschriehen worden 
ist, unter dem Wasser theilweise zu homogenen, amorphen, 
harten und zähen compacten Massen erhärten können. 

Nach Hoiisford erhänen Corallenkalksteine in Folge der 
Verwesung der Corallenthiere; nach Dana kittet Kalksinter 
Corallenfragmente zusammen. Im vorliegenden Fall dürfte 
jedoch die Verwesung der im Erzocker befindlichen organischen 
Substanzen keine direkte Veranlassung zur Erhärtung desselben 
geben, und der Kalkgehalt der Seeerze ist so unbedeutend, 
dass dieser auch kein hinreichendes Bindemittel sein kann. 

Vergleicht man die Analysen von losen Eisenockern und 
festen (oft stalaktitischen) basischen Eisenoxydsalzen (z. B. 
Pissophan, Delvauxit, Pitticit, Misy und anderen), welche aus 
demselben Grubenwasser abgesetzt worden sind, so zeigt sich 
gewöhnlich, dass die losen Ocker eine geringere Menge Säure 
als die festen enthalten. So z. B. wird im Bach, welcher Falu- 
Grubenwasser zum Vitriolwerke nahe an der Grube leitet, ein 
Ocker in festen zusammenhängenden Krusten abgesetzt; in 
dem weiter unten liegenden See Tisken dagegen setzt dasselbe 
Wasser einen losen , erdigen Ocker ab. Der erstere enthält 
11- pCt., der letztere 5^ pCt. Schwefelsäure. 

In den fertigen Seeerzen kommt jedoch weder Schwefel- 
säure, noch Phosphorsäure in einer sdlchen Menge vor, dass 
ihr Hartwerden dadurch erklärt werden dürfte , aber sie ent- 
halten Kieselsäure chemisch mit den Eisenoxyden verbunden, 



166 



und die Vermuthung liegt daher nahe, dass die Kieselsäure 
hier denselben Einfluss ausübt, wie die Arseniksäure, Pbos- 
phorsäure oder die Schwefelsäure in den genannten Mineralien. 

Gelatinöse Kieselsäure in Wasser in intimer Berührung 
mit Eisenoxydhydrat verbindet sich mit diesem ; denn nach 
Bischof vermag das Eisenoxydhydrat sogar Silikate zu zer- 
setzen, mit welchen es bei gewöhnlicher Temperatur in langer 
unmittelbarer Berührung ist. Für die Richtigkeit dieser Be- 
hauptung finden wir einen Beweis in vielen Erzseen, wo Frag- 
mente von Granit und anderen Silikatgesteinen oft mit einer 
so fest angewachsenen Ockerkruste überzogen sind, dass sie 
auf mechanischem Wege von dem Stein nicht getrennt werden 
kann, zwischen welchem und dem Ocker sich ein wasserhaltiges 
Eisenoxydsilikat gebildet hat. Die Verbindung der Kieselsäure 
mit dem Eisenocker kann jedoch nicht beständig werden , ehe 
die organischen Bestandtheile des Ockers zersetzt worden sind; 
denn wie wir gesehen haben , wirkt der Verwesungsprozess 
auf Eisensilikate zersetzend ein. 

Es wird also erklärlich, dass wir im Ockerschlamm Kiesel- 
säure, Humussubstanzen und Eisenoxydhydrat lose nebenein- 
ander liegend finden, und dass wir in dem homogenen, harz- 
artigen Erze mit dem Mikroskope keine absehbare Quantität 
von organischen Substanzen entdecken können. Spuren von 
solchen welche auf chemischem Wege darin entdeckt werden 
können, sind wahrscheinlich harz-, wachs- oder talgartige Ver- 
wesungsprodukte, welche unter^ den gegebenen Verhältnissen 
keiner weiteren Zersetzung ausgesetzt sind. 

Durch die Verwesung der mit. dem Ocker ausgefällten 
organischen Substanzen wird immer Eisenoxyd zu Oxydul 
reducirt. Wird dieses letztere von den Humussäuren etc. nicht 
vollständig gelöst, so wird es mit der Kieselsäure verbunden, 
und gewiss noch leichter als das Eisenoxyd. Daher muss das 
durch die Einwirkung der Kieselsäure auf den Ocker enstandene 
Silikat in vielen Fällen Eisenoxydul enthalten. 

Dass die Kieselsäure der Infusionspanzer sich auf dieselbe 
Weise mit dem Eisenoxydhydrat verbindet, wie die nicht orga- 
nische gelatinöse Kieselsäure, geht aus den oben mitge- 
theilten, mikroskopischen Beobachtungen hervor. Sandkörner 
werden von dem Eisenocker zu einem rostigen Sandstein zu- 

■f 



167 



sammengekittet , dessen eigentliches Cäment in vielen Fällen 
gewiss nichts Anderes als Eisenoxydsilikat ist. 

Das Mikroskop zeigte im Ockerschlamm aus dem Tisken 
auch nicht erhärtetes Kieselgelee; aber dagegen waren alle 
harzähnlichen Eisenoxyd s ilik ats t ücke fest. Wir können nun 
eben so wenig daran zweifeln, dass das Erz nach der Aus- 
fällung des Ockers durch die Reaktion der Kieselsäure auf 
denselben harzig wird, als dass diese Reaktion (Silikatbildung) 
das Erhärten sowohl des Eisenoxydhydrats, als des Kiesel- 
gelees bedingt, da diese in Verbindung mit einander treten. 

Es bleibt noch übrig, durch Analysen zu zeigen, in wie- 
fern dieses Silikat eine konstante stöchiometrische Zusammen- 
setzung hat oder eine regellose Mischung von verschiedenen 
Silikaten ausmacht. Da wir in dem centrisch zusammengesetzten 
Perlenerzen u. a. oft wechselnde Silikat- und Ockerschalen 
sehen, so hat man Veranlassung zu der Vermuthung, dass die 
Silikatbildung oft mit Concretion verbunden ist, welche ent- 
weder von dem Streben gleichartiger Massen, sich zu consoli- 
diren, oder von jenem ungleichartiger Substanzen, in chemische 
Verbindung mit einander zu treten, bedingt wird. Das letztere 
gilt wohl hauptsächlich im vorliegenden Fall. Die Ocker- 
lagen enthalten sowohl lose Kieselsäure als loses Eisenoxyd- 
hydrat, welche ein festwerdendes Silikat eingehen würden, um es zu 
einer stöc.hiometrischen Zusammensetzung zu bringen, sofern in 
dem letzteren Basen und Säure nicht schon in einem für die gege- 
benen Verhältnisse, passenden Sättigungsgrade vorhanden wären. 

Endlich mag man nicht vergessen, dass Eisenoxydhydrate 
erhärten, sogar krystallisiren können, ohne sich mit Kiesel- 
säure zu verbinden. Göthit, Stilpnosiderit , Brauneisenstein 
und andere Mineralien liefern dazu einen Beweis , aber wir 
vermögen nicht die Bedingungen anzugeben , welche die Ver- 
wandlung der erdigen Modifikation des Eisenoxydhydrats in die 
amorphe oder krystallinische und feste bedingen ; wahrscheinlich 
ist der Temperaturgrad dabei nicht ohne Einfluss. 

Wie SeeerzeKugel- und andere Formen annehmen. 
Auf einem Seeboden gleichförmig ausgefällter Ocker wird durch 
das Erhärten krustenähnlich , und durch zwischenliegende 
Schlamm-, Sand- und (nicht erhärtete) Ockerschichten bekommt 
er eine Art Parallelstruktur; diese Ockerkrusten werden nach 
dem Zerbrechen S k r a g g - Erz genannt. 



168 



Bei der Absetzung von Ocker zwischen Sand scheint er 
durch Concretion in dünnere, eisenreichere Lager zusammen- 
geführt werden zu können, welche die Schichtung einiger 
ockeriger Sandsteine bedingen. Auch massige , unförmliche 
Klumpen von Wiesenerz haben sich wohl aus der saudigen 
Umgebung congregirt, sofern sie nicht überdeckte Ueberreste 
ehemaliger Seeerze sind; denn wir haben gesehen, wie Seeerze 
durch den Einfluss verfaulender Pflanzensubstanzen wieder auf- 
gelöst werden können, besonders wenn sie im Lauf der Zeit 
von Torfmooren überwachsen werden. ' Das noch nicht Gelöste 
bleibt in Klumpen übrig, deren schlackige, angefressene Ober- 
fläche ein Merkmal des ringsum zehrenden Lösungsmittels trägt, 
welches durch Ritzen auch in die Masse selbst dringen kann. 
Einige kugelförmige Seeerze, die ganz homogen und ohne Spuren 
einer concentrisch-schaligen Structur sind, können auch als Ueber- 
reste von Seeerzstücken betrachtet werden, deren Ecken und 
Kanten abgerieben oder weggelöst worden sind. Man darf hier- 
bei an die Neigung der meisten massigen Bergarten denken, bei 
der Verwitterung in kugelförmigen Grus zu zerfallen. Die fein- 
körnigen, schwarzen, manganreichen Pul v er er ze scheinen da- 
gegen hauptsächlich in der Form eines körnigen Ockers ausge- 
fällt worden zu sein, der späteren Verwandlungen weniger aus- 
gesetzt gewesen ist als der manganarme Eisenocker. 

Erz, welches Wurzelstöcke und Stammenden inkrustirt und 
petrificirt hat, kommt in der Form derselben vor, auch nach- 
dem ihre Holzsubstanz im Verlauf der Zeit beinahe ganz ver- 
schwunden ist. Hierher gehört das Pipmalm, welches sich 
zwischen stehenden oder umgefallenen Schilfröhren und deren 
Wurzeln abgesetzt hat, und hierher könnte auch alles Erz ge- 
rechnet werden, das Infusionsthiere inkrustirt, oder dessen Masse 
Panzer von solchen enthält. 

Diese Ueberreste mikroskopischer Organismen können in 
einigen Fällen die innere, feinste Textur des Erzes bedingen; 
sie sind jedoch ohne allen Einfluss auf die äussere, kugelartige 
Form desselben, zu welcher die kleinen Erzpartikeln auf me- 
chanischem Wege vereinigt worden sind. Die reguläre Form 
der Erbsen-, Perlen- und anderer Erzarten in Zusammenhang 
mit Süsswassercorallen oder dergleichen zu bringen, ist gewiss 
eben so unrichtig, als sogenannte Mariekör und andere Mor- 
pholithen als versteinerte Amorphozoen zu betrachten. 



169 



Bei kalkhaltigen Quellen, welche mit einer gewissen Hef- 
tigkeit hervordringen, kann man bisweilen bemerken, wie Kalk- 
sinter (Erbsenstein, Rogenstein und auch zum Theil Sprudel- 
stein) eine oolithische oder concentrisch- schalige Structur da- 
durch bekommen, dass die Kalklagen rings um Sandkörner ab- 
gesetzt werden, welche von dem aufsteigenden Wasserstrome 
schwebend und in einer rotirenden Bewegung gehalten werden. 
Die Structur der kugelförmigen Seeerze ist ganz und gar 
oolithisch. Die Ausfällung des Eisenockers wird in einigen 
Fällen von ähnlichen chemischen Prozessen bedingt wie die des 
Kalks , und der mechanische Verlauf ist in beiden Fällen der- 
selbe ; wir können daher mit Grund annehmen , dass Perlen-, 
Erbsen-, Bonn- und andere Erze Structur und Form auf einer- 
lei Art wie die Kalkoolithe bekommen haben. 

Ein im Wasser tanzendes Korn , gleichgültig von welcher 
Materie, wird vom Eisenocker gleichförmig ringsum inkrustirt, 
da die Rotation in Kurzem alle Punkte der Oberfläche des 
Kornes in die für die Inkrustirung passendste Lage bringt. 
Erst wenn die Ockerabsetzung so zugenommen hat, dass der 
Wasserstrom nicht länger das Korn frei schwebend zu halten 
vermag, hört die gleichförmige und allseitige Inkrustirung 
auf, und die Erzkugel wächst mehr in der einen Richtung als 
in der andern , wodurch sie eine unregelmässige Form erhält. 
Dasselbe findet statt, wenn mehrere Erzkörner zusammenwach- 
sen und dann von den folgenden Ockerschalen gemeinsam 
überzogen werden. In vielen Fällen hört die shp arische, 
gleichförmige Inkrustirung auf, sobald die Körner -J — lj Linie 
dick geworden sind , aber der weitere Zuwachs geschieht in 
regulären, in einem gemeinsamen Plan liegenden Ringen, 
welche zusammen die scheibenartige Form des „Penning"- 
Erzes hervorbringen. Die ringförmige Ockerabsetzung wird 
wahrscheinlich durch Wasserströme hervorgerufen, welche ver- 
tikal gegen die Ebene des entstehenden „Penning"-Erzes ge- 
richtet sind (Fig. 21). Der Strom muss da symmetrisch um 
die Kante der Scheibe gebogen werden, wodurch ein ringför- 
miger Wirbel entsteht, in welchem vorzugsweise der Ocker ab- 
gesetzt wird. Die Bedingungen für diesen Prozess werden 
erfüllt, sobald z. B. Perlenerzkörner über einer vertikal auf- 
steigenden Wasserader schwebend, aber doch fest genug liegen, 
dass sie von dem Wasserstrome nicht weiter gewältzt werden 



170 



können. Mit dieser Erklärung stimmt die Erscheinung recht 
wohl überein, dass „Penning—Erze durch weiteren Zuwachs 
oft ein gewölbtes oder tellerähnliches Aussehen bekommen 
(Fig. 21 b). Ihre convexe Seite muss gegen die Stromrich- 
tung gewendet gewesen sein. 

Ungleich grosse, einander nahe liegende Erzkörner müs- 
sen durch fortschreitendes Zuwachsen oder Ockerabsetzungen 
endlich unter sich zu einer Art von „Skragg w -Erz verbunden 
werden, das mit Rogenstein - Conglomerat Aehnlichkeit hat. 

Wird Ocker von gleicher Zusammensetzung ununterbrochen 
ausgefällt, so muss das Erz unter den gegebenen Verhältnissen 
die beschriebenen Formen annehmen, ohne dass jedoch eine 
concentrisch-schalige Structur bervorzutreten braucht.*) Diese 
letztere wird durch den Wechsel verschi e denartiger Lager 
oder durch Structurflächen zwischen gleichartigen Lagern sicht- 
bar. Wie durch Concretion' in einer ockerigen Fällung harz- 
ähnliche oder ockerige Lager entstehen können , wurde oben 
angedeutet, und in einigen Fällen ist wohl durch diesen se- 
cundären Prozess die schalige Structur der Erbsen- und anderer 
Erze entstanden. In den meisten Fällen deuten jedoch die 
Structuroberflächen eine Unterbrechung in der Ausfällung des 
Ockers an, und verschiedenartige Schalen zeigen Verschieden- 
heiten in der Fällungsart oder eine veränderte Beschaffenheit 
des Seewassers an, in welchem die Präcipitation stattgefunden 
hat. Eine Fällung aus unklarem Wasser muss von Sand und 
Thon verunreinigt sein. Im Winter, wo das organische L e b e n 
bei der Ockerbildung nicht mitwirkt, muss diese langsamer ge- 
schehen als im Sommer und ein etwas abweichendes Resultat 
geben. Humussaure Eisenlösungen, die aus Torfmooren kom- 
men, können in verschiedenen Jahreszeiten ebenfalls von ver- 
schiedener Beschaffenheit sein u. s. vv. 

Alle diese Verhältnisse bedingen etwas verschiedene Fäl- 
lungen , welche mit einander in derselben Ordnung wechseln 
wie die Erscheinungen, durch welche die Verschiedenheiten 
hervorgebracht werden; und da diese hauptsächlich von den 
Jahreszeiten abhängen, so dürfte ein näheres Studium über die 



*) Die oben mitgetheilten Versuche deuten an, dass Eisenoxydhydrat 
durch blosses Gefrieren unter Wasser eine concentrisch-schalige Structur 
annehmen könne. 



171 



schalige Zusammensetzung der Perlenerze einen Leitfaden zur 
Bezeichnung der Zeit abgeben, welche zur Bildung eines Erz- 
kornes nöthig war. 

Oft ist der Zusammenhang zwischen aufeinanderliegenden 
Lagern sehr unbedeutend, und nicht selten verschwindet er ganz 
und gar, so dass die Schalen lose in einander liegen, ungefähr 
wie die Kugeln in den bekannten chinesischen Elfenbein-Drech- 
seleien. So lange solches Erz im See liegt, sind die Zwischen- 
räume zwischen den einzelnen Schalen mit Wasser gefüllt, 
welches nach dem Aufholen des Erzes verdampft. Dünne 
Schalen fallen demnach oft zusammen, und das Erz bekommt 
das Ansehen von „Penning"-Erz. Es ist möglich, dass durch 
das Zusammensinken solcher hohler Erzkörner (während sie 
auf dem Seeboden liegen) ein Theil des „Penning tt -Erzes wirk- 
lich entstanden ist. 

Die erwähnten Zwischenräume dürften überhaupt dadurch 
entstanden sein, dass Erzkörner von organischen Substanzen 
überzogen worden sind , welche von Ocker inkrustirt wurden 
und später verfault sind , so dass zwischen dem innern Korn 
und der äusseren Ockerkruste ein Zwischenraum entstanden ist. 
Es ist klar, dass derselbe Prozess mehrere Male um die äussere 
Ockerkruste herum wiederholt werden konnte. 

Die Wasserströme, welche die sphäroidale Form und Struc- 
tur des Seeerzes bedingen, dürften in den meisten Fällen von 
unterseeischen Quellen herrühren, und dies lässt darauf schliessen, 
dass perlen- und andere kugelförmige Erzarten vorzugsweise an 
solchen Orten vorkommen müssen, wo Löcher in dem neu ge- 
bildeten Eis hervortretende Quellen andeuten. Ich weiss jedoch 
nicht , in wie fern die Erfahrung der Erzfischer diese theore- 
tische Schlussfolge bestätigt. Die hervorbrechenden Quellen 
brauchen keineswegs das Material des Erzes mitzuführen, des- 
sen Kugelform sie bewirken, wenn das Seewasser selbst Eisen 
in einer unter den gegebenen Verhältnissen fällbaren Form 
enthält. 

Die Erzablagerungen müssen endlich die Mündung einer 
Quelle verstopfen können, so dass sie dadurch nach einem an- 
dern Punkt verlegt wird entweder in demselben See oder in 
der umliegenden Gegend. Dadurch kann in gewissen Fällen 
die Erzbildung in einem See unterbrochen werden, um vielleicht 
in einem nahe liegenden zu beginnen. 



172 



Auch andere Ströme als die von unterseeischen Quellen 
kommenden können Kugelform bei Seeerzabsetzungen bedingen. 
Ein horizontaler Strom braucht nur gegen einen Stein zu stossen, 
um Wirbel zu veranlassen, welche Sandkörner etc. frei schwe- 
bend halten, so dass sie gleichförmig und allseitig inkrustirt 
werden, wodurch endlich Perlenerz entsteht. Viele Wirbel ent- 
halten vertikal aufwärts oder abwärts gerichtete Wasserstrahlen, 
welche zu der scheibenähnlichen Form des „Penning"-Erzes 
Veranlassung geben. Es ist daher nicht unerklärlich , dass 
Kugel-, Erbsen-, Perlen-, Penning- und andere ähnliche Erz- 
arten nicht allein auf dem Boden von Seen, sondern auch in 
rinnenden Wassern vorkommen und daselbst ausgebildet wer- 
den können, wie auch unterhalb kleiner Wasserfälle hinter 
Steinen und anderen Hindernissen in einem Strom; vorausge- 
setzt, dass die Schnelligkeit des Wassers nicht so gross ist, 
dass der Ocker in demselben Augenblicke weggespült wird, wo 
er zur Ausfällung kommt. 

Aus mehr concentrischen, vitriolischen Eisenlösungen, wie 
z. B. aus Falu-Grubenwasser , wird basisches schwefelsaures 
Eisenoxyd auch in reissenden Bächen abgesetzt, nicht als loser 
Ocker, sondern in der Form harter, auf vielfache Art geboge- 
ner Krusten mit glatter Oberfläche. Zerbrochen gleichen diese 
Krusten gewissen „Skragg" - Erzen. In ruhigem Wasser da- 
gegen scheint die Entstehung festerer, regelmässig construirter 
Erze leichter aus verdünnten als aus concentrirten Lösungen 
stattzufinden. 

Auf welche Weise das Auftreten der Wiesenerze in Klum- 
pen verschiedener Form erklärt werden könne, ist schon oben 
mitgetheilt worden. Ich will hier nur anführen , dass Eisen- 
fällungen, die zwischen Sand abgesetzt werden, bisweilen eine 
sphäroidale Structur zeigen, indem sich eisenreichere und eisen- 
ärmere, sandgemischte, concentrische Ockerschalen zu kugel- 
förmigen Körpern zusammensetzten. Bisweilen liegt ein Korn 
lose in einer ringsum geschlossenen Schale; Farbe und Zusam- 
mensetzung bei Kern und Schale sind dann gewöhnlich etwas 
verschieden. Die Structur dieser sogenannten „Adlersteine" 
hängt wohl hauptsächlich von Concretion ab. Senft erzählt 
jedoch, dass in einigen Fällen inkrustirte, aber später verfaulte 
Kartoffeln die Entstehung von Adlersteinen verursacht haben, 
und Kindler glaubt, dass einige von den Adlersteinen, aber 



173 



besonders ihre schaligen Fragmente, von oberflächlichen, dün- 
nen Ockerabsetzungen herrühren, welche beim Trocknen in 
Stücke zerborsten sind. Diese Stücke sollen durch weiteres 
Austrocknen aufwärts gebogene Kanten und durch Rollen vor 
dem Winde eine mehr abgerundete Form erhalten haben. 
Diese Erklärung scheint jedoch wenig befriedigend. 

Schluss. In dem Vorliegenden habe ich einige wesent- 
lichere Momente aufzuführen gesucht, welche sich bei der 
Entstehung der See- und Wiesenerze geltend machen müssen, 
wiewohl nicht alle angeführten Prozesse gleichzeitig stattzu- 
finden brauchen. Dieser Bildungsprozess, welcher vor unse- 
ren Augen stattfindet und einer der einfachsten zu sein scheint, 
nimmt eine Menge gleichzeitig wirkender Kräfte in Anspruch, 
und er kann dadurch in speciellen Fällen sehr complicirt wer- 
den. Ebenso muss auch die Erklärung geologischer Er- 
scheinungen , auch wenn sie durch Berufung auf in der Natur 
beobachtete oder experimentell ermittelte Prozesse (und nicht 
durch leere Hypothesen) erklärt werden, doch in den meisten 
Fällen einseitig und unvollständig ausfallen; denn viele Eigen- 
schaften der ursprünglichen Producte , welche zu den bei 
ihrer Bildung wirkenden Mitteln Fingerzeige geben könnten, sind 
jetzt verschwunden, und die Zahl der auf einmal wirksamen 
Reactionen kann in Folge davon leicht zu niedrig angeschla- 
gen werden. 

Die soeben beschriebenen See- und Wiesenerze haben viel 
Aehnlichkeit mit sogenannten Bohnerzen und gewissen Braun- 
eisensteinen. Die letzteren stehen oft in einem deutlichen 
genetischen Zusammenhang mit gewissen Spatheisensteinen und 
diese und Brauneisensteine wiederum mit Magneteisensteinen 
und Rotheisensteinen. Eine Reihe von Schlussfolgerungen führt 
zu dem Resultat, dass auch diese letzteren in sehr vielen Fäl- 
len ursprünglich nichts Anderes gewesen sein können als See- 
und Wiesenerz-artige Ausfällungen, deren Natur und Lage durch 
spätere Einwirkungen verändert worden sind. 

Ich hatte gedacht, am Ende dieser Abhandlung diese Be- 
hauptung näher zu beweisen, breche aber ab, weil ich vielleicht 
schon zu lange die Aufmerksamkeit des Lesers in Anspruch 
genommen habe. 



174 



8. Marine Diluvial-Fauna in West-Preussen. 

Von Herrn G. Berendt in Königsberg. 

(Auszug aus den Schriften der Königl. physik. Gesellsch. zu Königsberg.") 

Noch vor Kurzem schloss Ferd. Roemer in diesen Blättern 
(Bd. XVI. 1864. S. 611 ff.) eine „Notiz über das Vorkommen 
von Cardium edule und Buccinum reticulatum im Diluvial -Kies 
bei Bromberg u mit den Worten: 

,,In jedem Falle ist die Auffindung von Meeresconchylien 
,,in dem Diluvium bei Bromberg eine bemerkenswerthe 
,,Thatsache, weil sie den Anfang zu der Auffindung der 
„bisher ganz unbekannten marinen Fauna des norddeut- 
schen Diluviums bildet, deren vollständigere Kenntniss 
„allein uns eine genauere Einsicht in die Bedingungen, 
„unter welchen der Absatz jener ausgedehnten und mäch- 
tigen Ablagerungen erfolgte, gewähren wird." 
In Folge einer im Juni vorigen Jahres unternommenen Be- 
reisung der Provinz Westpreussen oder vielmehr hauptsächlich 
des Aufschlüsse über den geognostischen Charakter des Lan- 
des am meisten versprechenden, breiten und tiefen Einschnittes 
des Weichseithaies ist es mir möglich , schon jetzt eine kleine 
Reihe dieser „bisher ganz unbekannten", marinen Diluvial-Fauna 
geben zu können. 

Einige zur Zeit in ihrer Vereinzelung noch unbestimmbare 
kleine Schaalreste abgerechnet, besteht dieselbe aus: 
Cardium edule L. (C. rusticum Lam.) 
Teilina solidula Lam. (T. solidula Pult.) 
Venus (stets in Bruchstücken) , unter den lebenden am 

meisten V. pullastra Mont. entsprechend. 
Buccinum (Nassa) reticulatum L. 

Cerithium lima Brüg. (C. reticulatum Lov.) , und zwar am 
meisten entsprechend var. afrum. 

*) Separat-Abdrücke mit Tafel in Commission bei Wilh. Koch in 
Königsberg 



175 



Nur zum Theil (Cardium, Tellina) gehören dieselben noch 
heute der Ostsee an. Das Buccinum ist von der Nordsee her 
nur bis zur Kieler Bucht hin beobachtet worden.*) Die Venus 
und das Cerithium gehören völlig der Nordsee an, sind aller- 
dings auch die selteneren unter den Diluvialformen. Eine weit, 
grössere Dickschaligkeit unterscheidet die gefundenen Schalen 
sämmtlicher genannten Mollusken von den lebenden auffällig 
und deutet gleichfalls auf ein salzigeres und bewegteres Dilu- 
vialgewässer, als das Brackwasser der heutigen Ostsee ist, hin. 

Was nun die Verbreitung dieser Diluvial-Fauna betrifft, 
wie solche in einem Abbildungen der gefundenen Formen und 
ein Uebersichtskärtcheii enthaltenden Aufsatze in den Schriften 
der Königl. physikalischen Gesellschaft zu Königsberg des Weite- 
ren nachgewiesen ist, so sind die Spuren derselben von Meve, 
ca. 2 Meilen oberhalb des Weichseldeltas, mit kurzen Unter- 
brechungen bis zur russisch-polnischen Grenze oberhalb Thorn 
niannichfach in den Gehängen des Weichseithaies beobachtet 
worden. In der Regel finden sich die Schalen in den liegend- 
sten 9 — 12 Zoll einer 5 — 15 und 20 Fuss mächtigen Schicht 
unteren Sandmergels unmittelbar über nordischem oder Spath- 
sand und finden sich oft ausgewittert und, durch langsames 
Abtrocknen sehr gut erhalten, lose in und auf diesem dieDos- 
sirung der Thalgehänge bildenden Sande. 

In dem oberen Theile der genannten Stromstrecke, südlich 
des preussischen Höhenzuges, in der Bromberger und Thorner 
Gegend liegen die Muschelreste jedoch innerhalb einer Grand- 
schicht des Diluviums, deren genaue Stellung zu dem eben be- 
zeichneten Niveau noch nicht hinlänglich festgestellt werden 
konnte. 

Auffällig ist es, dass zu den Seiten des Weichseldeltas in der 
Danziger Gegend und auch später in dem bereits näher unter- 
suchten Samlande sich bis jetzt auch nicht die mindesten Spu- 
ren der beschriebenen Mollusken-Fauna finden Hessen. 

Innerhalb wie südlich des preussischen Höhenzuges ist 
aber somit im Bereiche des Weichselthaies die Verbreitung einer 
marinen Fauna des Diluviums nachgewiesen. Der scheinbare 
Widerspruch dieser mit der ebenso unläugbar dastehenden 



*) Meyer und Möbius, Fauna der Kieler Bucht. 1865. Bd. I. Ein- 
leitung pag. XIII. 



176 



Thatsache einer bis jetzt ausschliesslich nur Süsswasserformen 
zeigenden Molluskenfauna in den ihrer Lagerung und Structur 
nach auffallend gleichen Diluvialschichten der Gegend zwischen 
Elbe und Oder*) und insbesondere der Potsdamer Gegend**) 
wird durch die jetzt schon allgemeineres Interesse und Be- 
achtung findende weitere Untersuchung des norddeutschen D lu- 
viums, die auch endlich eine genauere Kenntniss der alten 
Meeres-, wie Süsswasser-Strombetten und Seebecken innerhalb 
desselben zur Folge haben muss, sicher bald seine Lösung 
finden. 



*) Beykich. Bd. IV. 1852. S. 498 dieser Zeitschr. 
""""') Die Diluvial-Ablagerungen der Mark Brandenburg. Berlin. Bei 
S. M. Mittler. 



Druck von J. F. Starcke in Berlin. 



SEPT. 30, 1S8S, 



Zeitschrift 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft. 

2. Heft (Februar, März und April 1866). 



A. Verhandlungen der Gesellschaft. 

1. Protokoll der Februar -Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 7. Februar 1866. 

Vorsitzender: Herr G. Rose. 

Das Protokoll der Januarsitzung wurde verlesen und ge- 
nehmigt. 

Der Gesellschaft sind als Mitglieder beigetreten : 
Herr J. Groth, Stud. phil., zur Zeit in Berlin, 

vorgeschlagen durch die Herren Beyrioh, Rose und 
Tamnau. 

Herr F. Nitsohe, Stud. phil., zur Zeit in Berlin, 

vorgeschlagen durch die Herren Beyrioh, v. Könen 
und Künth. 
Für die Bibliothek sind eingegangen: 

A. Als Geschenke : 

G. Laube: Die Schichten von St. Cassian. 2. Abtheilung. 
Brachiopoden und Bivalven. Wien 1865. 

H. Abich : Beiträge zur geologischen Kenntniss der Ther- 
malquellen in den Kaukasischen Ländern. Tiflis 1865. 

H. Cocmus: Untersuchungen über die chemische Zu- 
sammensetzung der wichtigsten vulkanischen Gesteine von 
Madeira und Porto-Santo. — Separatabdruck aus dem Journal 
für prakt. Chemie. XCIII. 3. 

A. Favre: Sur la structure en eventail du Mont-Blanc. — 
Aus der Bibliotheque universelle et Bevue Suisse (Archives des 
sc. phys. et nat.), Livr. de Novembre 1865. 

Delesse : Carte agronomique des environs de Paris. 2 Blätter. 

Giebel : Erwiderung auf die in der Abhandlung des Herrn 

Zeits.d. d.geol. Ges. XVIII '2. 12 



178 



v. Könen: „Die Fauna der unteroligocänen Tertiärschichten 
von Helmstädt bei Braunschweig" enthaltene Kritik der Arbeit 
des Herrn Giebel: „Die Fauna der Braunkohlenformation von 
Lattorf." — Separatab druck aus der Zeitschrift für die ge- 
sammten Naturwissenschaften, herausgegeben von Giebel und 
Siewert. 1866. Bd. XXVII.. 
B. Im Austausch: 

Correspondenz des zoologisch-mineralogischen Vereins in 
Regensburg. Jahrg. 19. Regensburg 1865. 

Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthüm 
Nassau. Heft 17 und 18. Wiesbaden 1862 und 1863. 

Bulletin de la societe geologique de France. 2. Ser. Tome 22. 
feuilles 17—26. Paris 1864 und 1865. 

Bulletin de la societe imperiale des naturalistes de Moscou. 
N. III. Moscou 1865. 

Annales des mines. Sixieme Serie. Tome VIII. Livr. 4. 
Paris 1865. 

Acta universitatis Lundensis. 1864. Abtheilung für Philo- 
sophie und Abtheilung für Naturwissenschaften. Lund 18f-jr« 

The Canadian naturalist and geologist. New. Ser. Vol. II. 
Nr. 3 und 4. 1865. Montreal. 

Report on the commissioner of Patents for the year 1862. 
Arts and manufactures. Vol. I. Washington 1864. Vol. II. 
1865. 

Transactions of the royal Irish academy. Vol. 24. Anti- 
quities Part II, III, IV. Science Part IV, VI. Dublin 1865. 

Proceedings of the royal Irish academy. Vol. VII. Dublin 
1862. Vol. VIII. 1864. Vol. IX. Part I. 1865. 

The quarterly Journal of the geological society. London. 
Vol. 21. Part. 4. N. 84. 1865. 

Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanstalt. Sitzungs- 
berichte vom 19. December 1865 und 16. Januar 1866. 

Der Vorsitzende gab der Gesellschaft Kenntniss von dem 
in der Anlage zu diesem Protokoll abgedruckten Schreiben des 
Herrn Dr. Meyn zu Uetersen in Holstein an den Vorstand 
der Gesellschaft, betreffend die Berücksichtigung von Schleswig- 
Holstein bei der Entwerfung der Bodenkarten des preussischen 
Staates. Den darin niedergelegten Ansichten beistimmend 
schlug der Vorsitzende vor, eine Abschrift dieses Schreibens 
anfertigen zu lassen und dem Minister für landwirtschaftliche 



179 



Angelegenheiten zur geneigten Berücksichtigung zu überreichen, 
welchem Vorschlage die Gesellschaft zustimmte. 

Herr Eck legte hierauf aus den zwischen Piekar und Kos- 
lawagurain Oberschlesien aufgeschlossenen Sandsteinen (welchen 
die in seiner Abhandlung über die Formationen des bunten Sand- 
steins und des Muschelkalks in Oberschlesien pag. 39 und in 
dieser Zeitschrift Bd. 17 pag. 255 erwähnte Lingula und ein 
Pecten entstammen) einen weiteren Erfund vor, nämlich Ab- 
drücke und Steinkerne von Brachiopoden, welche wegen ihres 
langen geraden Schlossrandes , der gestreiften Oberfläche und 
ihrer allgemeinen Form der Familie der Strophomeniden (viel- 
Jeicht der Gattung Leptaena) zuzurechnen sind*). 

Bezug nehmend auf die in der vorigen Sitzung von Herrn 
F. Roemer ausgesprochene Ansicht, dass die vorgezeigten In- 
crustationen von Galmei auf dem Skelett einer Fledermaus der 
Jetztzeit ein sehr jugendliches Bildungsalter des oberschlesischen 
Galmeis beweisen, bemerkte der Redner ferner, dass die an 
vielen Punkten und neuerdings namentlich in den Schächten 
im Felde der Gottes-Segen-Galmeigrube bei Beuthen beobachtete 
Auflagerung mariner, miocäne Versteinerungen einschliessender 
Thone auf die oberschlesischen Erzlager zu der Annahme nöthige, 
die oberschlesischen Erzlager seien vor der miocänen Tertiär- 
zeit bereits vorhanden gewesen , und dass die Incrustationen 
von Galmei auf Ueberresten von Thieren der gegenwärtigen 
Schöpfungsperiode , ferner auf Baumblättern und auf alter 
Grubenzimmerung, wie man sie in den Bauen der Eleonore- 
galmeigrube beobachtet hat, nur die Löslichkeit des bereits 
vorhandenen Galmeis in den durchsickernden , kohlensäure- 
haltigen Tagewassern überhaupt zu beweisen scheinen. 

Herr Roth legte zur Ansicht vor H. Le Hon, Histoire 
complete de la grande eruption du Vesuve de 1631, Bruxelles, 
Mugenot 1866. Diese aus den Quellen höchst sorgfältig zu- 
sammengetragene und durch die Ortskenntniss des Verfassers 
höchst lebendige Beschreibung des grossen Vesuvausbruches 
von 1631 ist begleitet von einer Karte im Maassstab von 
1:25000, weichein farbiger Darstellung sämmtliche seit 1631 

*) Bestätigt sich die nach einer neueren Mittheilung dem Herrn 
Degenhard! geglückte Auffindung von Pflanzen der Steinkohlenformation, 
in diesen Schichten, so würden dieselben ungeachtet ihrer abweichenden 
Beschaffenheit der letzteren Formation zugerechnet werden müssen, 

12* 



180 



ergossene Lavaströme enthält. Mühsame . während längerer 
Zeit an Ort und Stelle angestellte Untersuchungen haben es 
dem Verfasser möglich gemacht, eine geographische Darstellung 
zu liefern, welche in einzelnen Punkten, namentlich in Bezug 
auf die Lava von 1631, von den bisherigen traditionellen An- 
gaben abweichend, zum ersten Male ein genaues Bild der seit 
jener Zeit ergossenen Laven giebt. 

Derselbe erinnerte bei Gelegenheit des Aeginetischen, kürz- 
lich von Damour analysirten Vorkommens von Bauxit an die 
zuerst von Scheerer, später auch von Saemann und Pisam be- 
obachtete Thatsache, dass Nephelin (und also wahrscheinlich auch 
ähnlich Silikate mit hohem Thonerdegehalt, wie namentlich Anor- 
thit) bei der Verwitterung zerfallen können in gewisseZeolithe und 
in Thonei dehydrat, das wie es scheint noch etwas Kieselsäure ent- 
hält. Mögen sich nicht alle Vorkommen von Bauxit durch 
diese Beobachtung erklären , so kann sie dock als Fingerzeig 
dienen für die Theorien, welche man über die Entstehung dieses 
merkwürdigen Minerals aufzustellen versucht. 

Derselbe legte ferner zur Ansicht vor die von ihm im 
Auftrage der Königlichen Akademie der Wissenschaften aus 
dem Nachlass von E. Mitscherlich herausgegebene Arbeit über 
die vulkanischen Erscheinungen in der Eifel. Aus dem längeren 
Vortrage, der den geologischen Bau der Eifel erörterte, soll 
hier nur hervorgehoben werden der Nachweis über die Ver- 
wandtschaft und Stellung der Eruptivgesteine der Tertiär- und 
Jetztzeit. Die Trachyte, Phonolithe und Basalte stellen eine 
Reihe dar. Im Trachyt findet sich neben dem überwiegenden 
Sanidin nicht selten Oligoklas ein, der in andern , hier nicht 
weiter zu berücksichtigenden Trachyten ohne Begleitung des 
Sanidins auftritt; im Phonolith gesellt sich zu dem Sanidin in 
geringerer oder grösserer Menge Nephelin, so dass die Grenzen 
zwischen gewissen Sanidintrachyten und gewissen Phonolithen 
sehr schwer zu ziehen sind. Die als Basalt bezeichneten Ge- 
steine bestehen dem bei weitem überwiegenden Theile nach 
aus Nephelingesteinen und Nepheliniten , zum viel geringeren 
aus Gesteinen mit Kalkfeldspathen. 

In der Eifel sind Trachyte, Phonolithe und Nephelin-Basalt 
vorhanden, und der letztere übertrifft an Quantität hier Trachyt 
und Phonolith bei weitem. Wird demnach der Phonolith das Mittel- 
glied zwischen (Sanidin-) Trachyt und (Nephelin-) Basalt, somuss 



181 



man in nächste Nähe des Phonolithes die Leucitgesteine stellen, 
in welchen neben dem Leucit nicht selten Nephelin und Sanidin 
nachgewiesen wurden. 

Herr Weddesg legte eine Probe von Bauxit vor, welcher 
ihm von dem Entdecker desselben, Herrn Direktor A. Fleckner 
aus Feistritz in der Wochein zugegangen war. Das Mineral 
hat sich auf den bereits schon früher vom Vortragenden 
genannten Lagerstätten an der Grenze des Trias- und Jura- 
Kalkes am linken Ufer der Wocheiner Sava gefunden und 
zeichnete sich durch seine grosse Reinheit vor allen bisher 
bekannten Vorkommnissen aus. Nach einer in dem Laboratorium 
der k. k. geologischen Reichsanstalt ausgeführten Analyse ent- 
hält derselbe 64,24 pCt. Thonerde (mit sehr geringer Menge 
Titansäure) , 2,40 pCt. Eisenoxyd und 6,29 pCt. Kieselsäure ; 
ausserdem 0,35 Kalkerde, 0,38 Magnesia, 0,20 Schwefelsäure, 
0,46 Phosphorsäure, Spuren von Manganoxyd, Kali, Natron, 
Lithion und 25,47 pCt. Wasser. Das specifische Gewicht ist 
-= 2,551. Die Farbe ist ein helles Röthlich - Gelb. Seine 
Struktur vollkommen dicht mit muschlichem Bruch. Er fühlt 
sich fettig an. Diese grossen Unterschiede von dem franzö- 
sischen und irischen conglomeratartigen Bauxit haben den 
Entdecker veranlasst, dem Mineral den Namen Wocheinit zu- 
zulegen. Die rothen, das Vorkommen durchziehenden Adern 
sind eisenreicherer Bauxit. Das Lager hat, wo es aufgeschlossen 
ist, 2 Lachter Mächtigkeit und fällt unter 30 Grad ein. 

Hierauf ward die Sitzung geschlossen. 

V. w. o. 

G. Rose. Beyrich. Eck. 



Anlage zum Protokoll der Februar-Sitzuiig. 

An den Vorstand der deutschen geologischen Gesellschaft 
in Berlin ! 

Die Zeitungen der letzten Tage bringen die Nachricht, dass 
das Königlich PreussischeLandes-Oeconomie-Collegi um beschlos- 
sen hat, den Herrn Minister zu bitten, er möge für das 
Schwemmland der preussischen Monarchie geognostisch- 
petrographische Karten in Angriff nehmen lassen und die Auf- 
nahme wo möglich im Maassstabe von 1 : 25000 anordnen ; 



182 



ferner den Herrn Minister zu bitten, er möge zur sofor- 
tigen Inangriffnahme die Summe von 8000 Thalern für die 
ersten Localaufnahmen jährlich bewilligen, um damit unter vier 
Dirigenten circa 8 bis 12 Aufnahmen schon 1866 beginnen zu 
lassen ; 

schliesslich, in Erwägung, dass für die ersten Aufnahmen 
die Nähe von Universitäten und landwirtschaftlichen Akade- 
mien Berücksichtigung verdient, zu Dirigenten und zu Locali- 
täten für den Anfang dem Herrn Minister vorzuschlagen: 

a) den Herrn v. Benningsen-Förder für die Umgegend von 
Berlin, 

b) den Dr. Berendt für die Umgegend von Königsberg in 
Preussen, 

c) den Professor Girard für die Umgegend von Greifs wald, 

d) den Oberberghauptmann v. Dechen für die Umgegend 
von Bonn. 



Die deutsche geologische Gesellschaft wird diese Bestre- 
bungen desLandes-Oeconomie-Collegiums mit Freuden begrüssen 
und eine gewährende Entscheidung des Ministeriums mit dop- 
pelter Freude, da gerade die Förderung der Geognosie des 
Schwemmlandes eine Hauptaufgabe der Gegenwart ist, seitdem 
die Kenntniss der Flötzgebirge und des älteren Tertiärlandes 
einen so hohen Grad von Genauigkeit erlangt hat. — Da die 
innigere Verknüpfung der Geognosie mit der praktischen Boden- 
kunde zu den erwünschtesten Ereignissen gehört und nur auf 
diesem Wege erreicht werden kann, da die bewegenden Fragen 
der Geologie, welche das Alter des Menschengeschlechts und 
sein Hineinragen in die Zeit der diluvialen Bildungen betreffen, 
nur in diesem Gebiete ihrer Lösung harren, und da somit auch 
die historischen Wissenschaften ihre Anknüpfungspunkte an 
unsern Untersuchungen finden werden, so wird die geologische 
Gesellschaft in jener Bitte des Landes-Oeconomie-Collegiums 
wahrscheinlich ihren eigensten Wunsch ausgedrückt finden. Allein 
die deutsche geologische Gesellschaft , welche durch die freie 
Thätigkeit ihrer Mitglieder bereits seit ihrer Gründung zu der 
richtigen Würdigung des Schwemmlandes und zur Feststellung 
seiner Gliederung nicht unwesentliche Beiträge geliefert hat, 
dürfte in diesem besonderen Falle ausser der Freude über das 
Geschehene auch den Beruf zu einer Initiative haben und sich 



183 



veranlasst sehen, den Bitten des Landes-Oeconomie-Collegiums 
eine weitere Bitte hinzuzufügen. 

Wenn auch die deutsche geologische Gesellschaft nicht 
unbedingt in die Gliederung des preussischen Staates eingefügt 
ist, so steht sie doch zu derselben in mannichfachen innigen 
Beziehungen. 

Die Vorgeschichte der deutschen Nordfahrt hat gelehrt, 
dass das preussische Ministerium sich den wissenschaftlichen 
Anregungen zur Thät durchaus nicht verschliesst , wenn auch 
dieselben nicht auf dem amtlichen Stufengange an dasselbe 
gelangen. Da nun wohl alle namhaften Geognosten des preus- 
sischen Staates Mitglieder unserer Gesellschaft sind, auch die 
oben in Vorschlag gebrachten Dirigenten der Schwemmlands- 
Aufnahme derselben angehören und kein zweites Institut zur 
Fällung eines wissenschaftlich ebenso competenten Urtheils 
in Sachen der norddeutschen Ebene besteht, so habe ich ge- 
glaubt, der Gesellschaft einen Schritt der Initiative bei dem 
Ministerium vorschlagen zu dürfen. 

Die ausgedehnte Fläche des norddeutschen Schwemmlan- 
des und der einzelnen, dasselbe zusammensetzenden Schichten- 
complexe, das Verschmelzen derselben an den Grenzen, durch 
welches bei der Lockerheit der Materialien oft eine beträcht- 
liche horizontale Ausdehnung aller Charaktere entkleidet wird, 
der grosse Mangel an Petrefacten auf ursprünglicher Lager- 
stätte, das Erscheinen derselben an secundärer Stelle und die 
immer noch ungenügende Beschaffenheit der vorhandenen wis- 
senschaftlichen Vorarbeiten sind Thatsachen, welche wohl über 
jeden Zweifel erhaben sind. 

Aus denselben aber entspringt die Gefahr, dass die vier 
Dirigenten, welche auf viele Meilen von einander getrennt sind, 
je mehr sie als selbstständige Forscher in der vorliegenden Auf- 
gabe gelten, um desto leichter divergirende Bestimmungen tref- 
fen können, welche erst später durch Weiterforschen, oder wenn 
sich die Grenzen der untersuchten Gebiete zu berühren anfan- 
gen, völlig wieder ausgeglichen werden können, bis dahin aber 
das Verwickelte leicht noch mehr verwickeln , das Schwierige 
leicht noch mehr erschweren. 

Die Geschichte der Erkenntniss des Flötzgebirges, von 
verschiedenen Mittelpunkten ausgehend , kann nicht als eine 
Warnung bezeichnet werden, welche genügt, um die Dirigenten 



184 



der Aufnahme gegen einen solchen Erfolg ihrer Arbeiten un- 
bedingt zu schützen; denn bei vollständiger Beherrschung des 
Materiales und grosser, vorher gesicherter Einstimmigkeit der 
Forscher in ihren Bestrebungen ist doch der Mangel an un- 
umstösslich sicheren Haltpunkten die Klippe, an der die Coin- 
cidenz und Vergleichbarkeit ihrer Arbeiten unbedingt schei- 
tern muss. 

Unter diesen Umständen müsstees sehr wünschenswerth sein, 
ein beschränktes Gebiet zu haben, auf welchem die vier berufenen 
Forscher vorweg gemeinsam die Charaktere der Hauptabthei- 
lungen feststellen könnten, deren weitere innere Gliederung an 
verschiedenen Stellen dann nicht mehr irre führen kann, und 
deren Charakteristik uns dann auch mit Sicherheit gegen Täu- 
schungen durch die in der norddeutschen Ebene oft sehr aus- 
gedehnten und durch keine Contouren der Oberfläche bezeich- 
neten Localbildungen schützen würde. 

Zu einem solchen Vorbereitungsfelde sind die Herzogtü- 
mer Schleswig-Holstein und Lauenburg unbedingt der richtige 
Platz. Schon im Jahre 1846 habe ich bei Gelegenheit der 
Versammlung deutscher Landwirthe durch eine von den Schich- 
teumustern begleitete, kleine Denkschrift nachgewiesen, dass in 
diesem schmalen Landstriche ein zusammengedrängtes Abbild 
der grossen norddeutschen Ebene gefunden wird. 

Die schmale Ostküste entspricht in ihren Bildungen der 
weitgedehnten Seenplatte der niecklenburgisch-preussischen Ost- 
seeküste und dem Lande östlich der Elbe; die Westküste ent- 
spricht den Gestaltungen am Niederrhein, in Holland und Olden- 
burg, das Mittelland trägt den Charakter des hannoverschen 
und westphälischen Schwemmlandes. Was also in der nord- 
deutschen Ebene auf eine Erstreckung von mindestens zwanzig 
Längengraden auseinandergelegt ist, das liegt hier in einer 
schmalen Halbinsel nebeneinander, die höchstens zwei, oftmals 
kaum einen Grad westöstliche Ausdehnung hat und, durch keine 
Zerrüttungen verwirrt, die verschiedenen Formationen des 
Schwemmlandes im Parallelismus der Erstreckung von Norden 
nach Süden, stellenweise sogar mit mehrfacher Wiederholung 
neben einander, aufweiset. 

Durch theilweise sehr deutliche Terrassenbildung an den 
Formationsgrenzen erläutern sich leicht andere verwischtere 
Grenzlinien, während durch diese Terrassen, wie durch die 



185 



augenscheinliche Nähe beider Meere , durch die schon von 
Leopold von Buch gewürdigten Muschelbänke , die Hebungen 
und Senkungen des Landes, von denen die Bildungen abhängig 
waren, leichter zu verfolgen sind als in irgend einem anderen 
Theile der norddeutschen Ebene. 

Dazu kommt, dass eine in Halbinseln und Inseln vielfach 
zerrissene Küste überall einen tiefern und reinlichen Einblick 
in die Lagerungen gestattet, was schon an der Elbküste bei 
Lauenburg und an der Ostseeküste bei Travemünde, also gleich 
dort beginnt, wo das Land mit dem grösseren Massiv der 
norddeutschen Ebene zusammengewachsen ist. Es dürfte 
auch für das Interesse des Ministeriums an der Sache nicht 
unwichtig sein, dass weiter gegen Norden die hauptsächlichsten 
Aufschlusspunkte über die Lagerung sich meistens an den- 
jenigen Stellen finden, welche für Preussens maritime Aufgaben 
so wichtig geworden sind und der Untersuchung nach jeder 
Richtung des menschlichen Erkennens hin werthgehalten werden 
sollten, Fehmarn, Kiel, Eckernförde, Düppel-Alsen, Sylt u. s.w. 
Bei dem verhältnissmässig grossen Mangel an originalen Or- 
ganismen in den Schichten des' norddeutschen Schwemmlandes, 
welche älter sind als das Alluvium, ist es ebenfalls von Be- 
deutung, dass in den Herzogthümern noch ein relativ grösserer 
Reichthum auf kleinerem Räume gewahrt wird. Ich brauche 
nur zu erinnern an die Cyprinenthone von Alsen, die Muschel- 
krebsthone von Tarbek, die petrefactenreichen Schichten von 
Fahrenkrug, an die diversen Austernbänke des Hochlandes und 
die merkwürdigen Ziegelthone von Glinde, in denen Coniferen- 
zapfen und Delphinknochen neben einander vorkommen, wie denn 
auch ächt diluviale Ablagerungen eines zwischen Braunkohle 
und Torf mitten inne stehenden Pflanzenresiduums nicht 
selten sind. 

Ferner kommt ganz wesentlich in Betracht, dass das Land 
der Ursprungstätte des Materiales, der skandinavischen Halbinsel 
viel näher liegt, dass die Gletscherspuren — wenn man sie als 
solche will gelten lassen — jedenfalls aber die Bewegungsspuren 
hier weit ersichtlicher sind als weiter südwärts, dass die Aufein- 
anderfolge mehrerer Eiszeiten , wie sie in anderen Ländern 
als erwiesen gilt, wenn sie für Norddeutschland ebenfalls giltig 
sein sollte, hier in den Herzogthümern zuerst und am leichtesten, 
ja vielleicht nur hier festgestellt werden kann. . 



186 



Die grosse praktische Bedeutung dieser scheinbar rein 
geologischen Frage ergiebt sich daraus , dass alle Thone, 
welche von Gletscherschlamm herrühren, ihren Kaligehalt aus den 
Feldspathen conservirt haben, während die aus Verwitterung 
entstandenen Thone vorher stets halb oder ganz kaolinisirt 
worden sind. 

Von grosser Bedeutung für die gestellten Aufgaben ist es/ 
dass auch die Berührung mit älteren Schichten und die Auf- 
lagerung auf dieselben hier zu verfolgen sein wird. Wenn 
auch nicht alle Abtheilungen der norddeutschen Tertiärforma- 
tion hier vorhanden sind, so trifft man doch einen wichtigen 
Theil derselben an immer zahlreicheren Punkten auftauchend 
und in mannichfaltigster Weise mit Diluvium und Alluvium zu- 
sammengreifend, wie denn auch ein Tertiärgebirge, dessen 
Concretionen durch die herrlichsten Petrefacten bezeichnet sind, 
fast gänzlich in das Diluvium aufgenommen ist und an den 
classischen Fundstätten in der Nähe von Segeberg, Plöen und 
Mölln Aufschlüsse über die Herkunft mancher Sandmassen des 
Diluviums geben wird, während an den Küsten die exac- 
teren Berührungsformen zwischen beiden Formationen zu ge- 
winnen sind. 

Ebenso ist die Kreide in mehreren Stufen im Lande vor- 
handen, und künstlich oder natürlich aufgeschlossen. An einer 
Stelle ist die seltsamste Verschlingung der turonischeii Ab- 
theilung mit dem Diluvium festzustellen, durchweiche die Ent- 
stehung mancher grünlichen Thone der norddeutschen Ebene 
verständlicher wird. 

Es genügt nicht, die Herkunft der löslichen Kieselsäure 
und des Kalkgehaltes in den mannichfaltigen Bodenarten Nord- 
deutschlands auf die Kreideformation zurückzuführen, in vielen 
Fällen ist auch der Kaligehalt ihr zu verdanken, und die Kennt- 
lichkeit des Glaukonites auch in dem kleinsten zerriebenen 
Körnlein giebt hier ein wundervolles Hülfsmittel sowohl für 
die geologische, als für die agronomische Untersuchung ab. 

Weniger bedeutsam für die allgemeine Kunde des Schwemm- 
landes und doch noch von hohem Interesse ist der Umstand, 
dass an bestimmter Localität dasselbe mit Petroleum durch- 
drungen ist und eine reichliche Ausbeute gewährt, und dass 
dieses Petroleum einem Gebirge von weisser Kreide entstammt, 
welches in einer Mächtigkeit von 130 Fuss davon getränkt 



187 



uud durchdrungen ist, so dass es die überliegenden Diluvial- 
schichten in wahre Pechlager verwandelte. 

Es ist bekannt, dass der Segeberger Gypsstock mit seinen 
Umgebungen viele Actenstücke zur Lösung der Frage über das Vor- 
kommen der Salzquellen in Norddeutschland liefert, dass durch 
Vergleichung der Punkte Segeberg, Stade, Lieth, Schobüll viel- 
leicht die Stellung dieses Salzes und Gypses im Flötzgebirge 
zu entscheiden ist, da die gänzlich im Diluvium verschwemmten, 
ziegelrothen Flötzgebirgsmassen, begleitet von Gyps, Stinkstein 
und Asche, mit allen Characteren der Zechsteingesteine gleicher 
Art, noch immer der Deutung harren und jedenfalls die Mit- 
wirkung eines Factors bei der Materialgewinnung des Diluviums 
erläutern werden , der bisher gar nicht beachtet wurde. 
Endlich ist zu erwähnen, dass in Holstein ausser den Bruch- 
stücken zerstörter Juragesteine, welche jetzt fast überall ge- 
troffen worden, sich bei Ahrensburg der Jura auch durch 
wahrhafte Concretionen und Septarien (keine Schichtenbruch- 
stücke) verräth, mithin auch die Einwirkung seiner in das 
Diluvium verschwemmten Thonlagen auf deren Gehalt fest- 
stellen las st. 

Hier in den Herzogthümern ist also, ausser der leichteren 
Sondirung der verschiedenen Abtheilungen des Diluviums an 
der Oberfläche und in natürlichen Durchschnitten, auch die 
Beziehung zu dem unterliegenden Flötzgestein am leichtesten 
festzustellen; denn wo dasselbe an die südlichen Flötzgebirge 
reicht, ist es oftmals zu sehr durch locale Ursachen verändert, 
während über unser Land hinweg nur die allgemeine Nord- 
hewegung des Materiales geschah, und das ist doch wohl aus- 
gemacht, da'ss, wenn auch aus dem Sande noch in entfernten 
Gegenden festzustellen ist, w r elche Schichten sein Material 
lieferten, der Antheil der Flötzgebirge an der Entstehung thoniger 
und mergeliger Diluvien doch nur am Orte der Verwaschung 
unzweifelhaft klar gemacht werden kann. 

Was endlich die jüngsten Schichten des Alluviums betrifft, 
so behaupte ich, auf Thatsachen gestützt, dass kein einziges 
Land auf so zusammengedrängtem Räume so vielfache und 
verschiedenartige Meeres- und Süsswasserbildungen neben ein- 
ander beherbergt und deren relatives Alter festzustellen ge- 
stattet als gerade Schleswig-Holstein. Und hier ist auch der 
Punkt, wo die moderne geologische Frage vom Alter des 



188 



Menschengeschlechts neue Thatsachen erwarten kann. Kein 
Theil von Deutschland ist so reich an Ueberbleibseln aus dem 
Steinzeitalter der Menschheit, und noch an" keiner Stelle des 
Landes sind sie mit Rücksicht auf ihre Fundstätte in den 
Schichten gesammelt. Der Fund aus einem einzigen Torf- 
moore in Angeln hat genügt, ein ganzes Museum zu gründen, 
um dessen Besitz noch heute diplomatisch gekämpft wird, und 
die einzige von Forchhammer constatirte Thatsache, dass ein 
heidnisches Begräbniss unter den Spiegel des Meeres bei Husum 
hinabreicht, ist Beweis genug* dass hier ein Zusammenspiel 
geologischer und archäologischer Entdeckungen zu erwarten 
steht, wenn die geeigneten Kräfte das Object anfassen. 

Eine gewiss verzeihliche Vorliebe für meine engere Heimath 
und für die Studien, denen ein angespannter technischer und kauf- 
männischer Beruf mich entzogen hat, erweckt in mir den Wunsch, 
eine geognostische Generalkarte der Herzogthümer zur Grund- 
lage und zum Ausgangspunkt der geognostischen Specialkarten 
der norddeutschen Ebene erhoben zu sehen, aber dieser Wunsch 
hat mich nicht verführt, Etwas vorzuschlagen, was ich nicht 
zugleich aus vollster Ueberzeugung für praktisch richtig hielte, 
- und was nicht voraussichtlich auch der deutschen geologischen 
Gesellschaft so erscheinen sollte. 

Wenn aber in der That in den Herzogtümern der Schlüssel 
für die Deutung des Ganzen liegt, so würde sich für die Lö- 
sung der von demLandes-Oekonomie-Collegium angebahnten Auf- 
gaben empfehlen, eine vorläufige generelle Aufnahme dieses 
Landes oder eine Reihe von Durchschnitten quer durch das- 
selbe zur Grundlage für die weiteren Aufnahmen zu machen. 

Da das Herzogthum Lauenburg den König von Preussen 
als seinen Landesherrn erkennt , und da die Beziehungen 
Preussens zu den anderen beiden Herzogthümern jetzt der 
allerinnigsten Art sind, ja in dem einen Herzogthum preussische 
Autoritäten ganz allein verfügen, und da, wie früher her- 
vorgehoben, ein grosser Theil der wichtigsten Localitäten für 
die Geognosie zugleich für andere, namentlich maritime In- 
teressen Preussens von hervorragender Wichtigkeit sind , so 
liegt in der Zumuthung, diese Generalaufnahme jenen Special- 
aufnahmen vorhergehen zu lassen, auch nicht einmal eine Auf- 
forderung, das Fremde dem Heimischen voranzustellen, und bei 
der eigenthümlichen Stellung der deutschen geologischen Ge- 



189 



Seilschaft als eine völlig freie, rein wissenschaftliche Ver- 
einigung der Fachmänner scheint gerade sie berufen zu sein, 
den aus rein wissenschaftlichen Gründen motivirten, hierauf 
abzielenden Antrag bei dem Ministerium einzubringen. 

Ich richte daher als Mitglied der deutschen geologischen 
Gesellschaft an den Vorstand derselben die ergebene Bitte, 
derselbe möge diesen meinen Vorschlag in seiner Februar- 
Sitzung discutiren, alsdann einem Comite von in Berlin leben- 
den Mitgliedern , welche mit der Anfertigung geognostischer 
Karten vertraut sind, zur Prüfung übergeben, und wenn diese 
rein wissenschaftliche Prüfung günstig für den Vorschlag 
ausfällt, dann denselben sich zu eigen machen und im Interesse 
der guten Sache zur Ersparung von Zeit, Kosten, Weitläufig- 
keiten und Irrthümern ungeachtet der mangelnden amtlichen Be- 
ziehung zum Ministerium demselben vertrauensvoll diese Bitte im 
Anschlüsse an die Bitte des Landes - Oekonomie- Collegiums 
aussprechen. 

Uetersen in Holstein, den 28. Januar 1866. 

Dr. L. Metn. 



*2. Protokoll der März-Silzung. 

Verhandelt Berlin, den 7. März 186(). 
Vorsitzender: Herr Ewald. 

Das Protokoll der Februarsitzung wurde verlesen und ge- 
nehmigt. 

Für die Bibliothek sind eingegangen: 

A. Als Geschenke : 

C. W. Gümbel: Geognostische Verhältnisse der Pfalz. 
München 1865. — Separatabdruck aus Bavaria, 4. Band, 
2. Abtheilung. 

B. Im Austausch: 

Zeitschrift des Architecten- und Ingenieurvereins für das 
Königreich Hannover. Bd. 11. Heft 4. Jahrg. 1865. Hannover. 

Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in 
Meklenburg. 19. Jahrg.' Herausgegeben von Boll. Neu- 
brandenburg 1865. 



190 



Neunter, zehnter und elfter Bericht der oberhessischen 
Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 1862 — 1865. Giessen. 

Der zoologische Garten. 6. Jahrg. N. 7 — 12. Frank- 
furt a. M. 1865. 

Sechster Bericht des Offenbacher Vereins für Naturkunde. 
Olfenbach a. M. 1865. 

Neues Lausitzisches Magazin. Bd. 42. 1. u. 2. Hälfte. 
Görlitz 1865. 

Metrische Uebersetzung einiger Psalmen. Herausgegeben 
von der oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften als 
Jubiläumsschrift. Görlitz 1865. 

Notizblatt des Vereins für Erdkunde zu Darmstadt und 
des mittelrheinischen geologischen Vereins. III. Folge. 4. Heft. 
N. 37—48. Darmstadt 1865. 

Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt in 
Wien. Sitzung vom 20. Februar 1866. 

Sveriges geologistka undersökning , j)h offentlig bekostnad 
uff'ord under ledning af A. Erdmann. N. 14 — 18. Nebst den 
Sectionen : LincUbro., Skattmansö , Sigtuna , Malmköping, 
Strengnäs. 

Herr von der Marck sprach über die Entwicklung der 
jüngsten Kreideschichten in Westphalen. Sie nehmen den 
Mittelpunkt des Beckens von Münster und Paderborn ein, 
dessen nördlicher Rand durch ältere Kreidebildungen , nämlich 
hellbraune Neocomsandsteine und theils thonige, theils sandige, 
theils als Flammenmergel entwickelte Gaultablagerungen ge- 
bildet wird; ihnen lagern sich nach Süden hin immer jüngere 
Schichten auf, von denen die oberste Kreide, namentlich das 
ältere Senon mit Belemnitella quadrata den grössten Theil des 
genannten Beckens einnimmt. Weniger mächtig sind die 
Schichten mit Belemnitella mucrohata entwickelt, welche die 
Baumberge und das Plateau von Beckum umfassen und mit 
einer oolithischen Schicht mit Fischzähnen, Haifischwirbeln 
und Belemnitella mucronata abschliessen. Ueberlagert werden 
dieselben von einer 6 — 8 Fuss mächtigen , durch zahlreiche 
Fischreste ausgezeichneten Schicht , in welche die Belemnitella 
mucronata nicht hineingeht. Von Fischen sind in derselben etwa 
40 Speeles beobachtet worden , von denen 5 in ausserordent- 
licher Häufigkeit vorkommen. Die meisten gehören der Ab- 
theilung der abdominalen Weichflosser an , 10 den Stachel- 



191 



flossern, 4 den Ganoiden, welche denen der älteren Formationen 
nicht ähnlich sind; endlich fanden sich auch Haifischreste, 
welche dem Hundshai nahe stehen. Alle , besonders die 
Stachelflosser und Ganoiden, finden ihre nächsten Verwandten 
in den Fischen der tertiären Ablagerungen des Monte Bolca 
und des Libanon. Ebenso die Krebse, welche von denen der 
Kreideformation erheblich abweichen. Leider war der einzige 
aufgefundene Echinid von zu unvollkommener Erhaltung, um 
eine Vergleichung mit Anancliytes ovata zu gestatten. Ausserdem 
wurden Reste eines nakten Cephalopoden, dicotyledone Baum- 
blätter und Fucoiden bei Stromberg und Sendenhorst beobachtet. 
Alle organischen Reste scheinen den Schluss zu rechtfertigen, 
die in Rede stehenden Schichten als ein Mittelglied zwischen 
den Ablagerungen der Kreide und des Tertiärgebirges aufzu- 
fassen; jedenfalls wird ihnen ein noch jüngeres Alter als den 
Mastrichter Kreidebildungen zuzuweisen sein. 

Herr Laspeyres legte eine Reihe von Handstücken des 
Eruptivgesteines vor , welches in den oberen Schichten des 
Unterrothliegenden nicht weit im Hangenden des quarzführenden 
Porphyrs der Rothenfelsen bei Münster - a. Stein ein concor- 
dantes , intrusives Lager bildet , das von dem Norheimer- 
Tunnel der Rhein - Nahe -Eisenbahn durchfahren worden ist. 
Dieses Gestein , das man bisher mit den Namen Grünstein, 
Trappdiorit und Melaphyr belegt hat, ist für die Chemie, Pe- 
trographie und Geologie vo,n mehrfachem Interesse. 

Einmal bildet es den Schlüssel zur Kenntniss der pfäl- 
zischen, bisher Melaphyr genannten Eruptiv-Gesteine, weil es 
ein ganz frisches Gestein ist von so grobkörnigem Gefüge, dass 
es dem Vortragenden möglich war, die einzelnen Gemengtheile 
zu einer Analyse rein auszulesen. Nach den chemischen undmine- 
ralogischen Untersuchungen besteht das Gestein aus 75,313 pCt. 
eines eingliederigen Feldspathes von der Zusammensetzung des La- 
bradors, vielleicht verwachsen mit etwas Anorthit und Oligoklas, 
ferner aus 22,167 pCt. eines normalen Diallages (Bisilikat von 
Eisenoxydul, Kalkerde, Magnesia), weiter aus Spuren von Prehnit, 
1,027 pCt. Apatit, 1,241 pCr. Magneteisen, 0,602 pCt. Titan- 
eisen , 0,343 pCt. Kupferkies , 0,066 pCt. Kalkspath und 
0,060 pCt. in Wasser löslicher Chlorverbindungen. 

Somit hat es sich unzweifelhaft herausgestellt , dass das 
vorgelegte Eruptivgestein ein normaler Gabbro ist. Derselbe 



192 



bildet den Ausgangspunkt einer petrographischen Arbeit über 
die pfälzischen Melaphyre , denen sich der Vortrageade seit 
eioem Jahre zugewendet hat. Ein grosser Theil dieser Mela- 
phyre ist ebenfalls Gabbro; was der andere Theil ist, darüber 
sind die chemischen und mineralogischen Untersuchungen des 
Vortragenden noch nicht ganz zum definitiven Abschluss ge- 
langt; vermuthlich sind diese sogenannten Melaphyre undMandel- 
steine Mischungsgesteine von Gabbro und quarzführendem Por- 
phyr, welche zum Theil die sogenannten Porphyrite bilden. 

Ein zweites, vorzugsweise chemisches Interesse hat das 
vorgelegte Gestein dadurch erlangt, dass es das erste Silikat- 
eruptivgestein ist, in welchem die beiden jüngsten Alkalimetalle, 
das Cäsium und Rubidium , vom Vortragenden schon , vor 
Jahresfrist nachgewiesen und annähernd quantitativ bestimmt 
worden sind. Seitdem hat man das Rubidium noch in mehreren* 
anderen plutonischen Gesteinen nachgewiesen, in Bezug auf 
das Cäsium ist der Norheimer Gabbro noch alleinstehend. 

Eia drittes , chemisches uad vor Alleai geologisches Li- 
teresse beansprucht der vorgelegte Gabbro noch deshalb, weil 
in ihm vom Vortragenden alle die chemischen Elemente nach- 
gewiesen sind, welche sich in den heilkräftigen, chemisch einzig 
dastehenden Soolquellen von Münster am Stein und Kreuznach 
an der Nahe und von Dürkheim an der Hardt in Rheinbayern 
wiederfinden. Diese Beobachtungen, gestützt auf viele geolo- 
gische, mineralogische und topographische Thatsachen haben 
den Vortragenden zu einer neuen Theorie über den bisher so 
zweifelhaften und mystischen Ursprung und das Alter der ge- 
nannten Soolquellen geführt , welche unzweifelhaft alle ihre 
Salze aus den bisher Melaphyr genannten Eruptivgesteinen der 
Pfalz entnehmen. 

Eine vorläufige Mittheilung über einen Theil dieser Unter- 
suchungen hat der Vortragende schon im Vorjahre in den 
Annalen der Chemie und Pharmacie (Bd. CXXXIV. S. 349 ff.) 
gegebeu. Der Abschluss dieser Untersuchungen erscheint in einem 
der nächsten Hefte derselben Zeitschrift und in den Verhandlungen 
des naturhistorischen Vereins für Rheinland und Westfalen. 

Derselbe legte ferner die von ihm in dieser Zeitschrift 
Band XVI. S. 453 beschriebenen , in der Porzellanerde von 
Dölau bei Halle a. S. befindlichen, sekundär gebildeten Aoatas- 
Krystalle vor, sowie eine Concretion eines, gestreiften Feld- 



193 



spathes mit Augit in der Nephelinlava von Niedermendig und Mayen 
in der Rheinprovinz. Der Vortragende hat den Feldspath im 
Laboratorium der Bergakademie zu Berlin analysirt und folgende 
Zusammensetzung gefunden : 

Kieselsäure . 57,287 

Thonerde . 26,783 

Eisenoxyd . Spur 

Kalkerde . 8,009 

Magnesia . 0,284 

Natron . . 6,842 (aus der Sauerstoffmenge der 
Kali . . . Spur Thonerde berechnet) 

Lithion . . Spur 
99,205. 

Der Feldspath ist mithin ein Labrador, den man wegen seines 
Sauerstoffverhältnisses 1:3:7 Andesin genannt hat, oder nach 
der Auffassungs weise des Herrn Tschermak ein Gemenge von 
einem Kalk- (Magnesia) Anorthit (1:3:4) und einem Natron- 
Albit (1:3:11, 89). 

Schliesslich verlas der Redner folgende Erklärung: 
Nachträglich bemerke ich auf Wunsch des Herren C.Lossen in 
Kreuznach zu meinem Vortrage in der Sitzung unserer Gesellschaft 
am 6. December v. J. und zu meinem in dem 4. Hefte des Jahr- 
ganges 1865 der Zeitschrift unserer Gesellschaft abgedrukten 
Aufsatze über die hohlen Kalksteingeschiebe im Rothliegenden 
nördlich von Kreuznach an der Nahe, dass die von Herrn 
Burkart als „Hohlkugeln" im Conglomerate mit Kalkstein- 
geschieben beschriebenen Hohlgeschiebe als solche letztere 
zuerst von Herrn C. Lossen erkannt und mir genannt worden 
sind, noch ehe ich den Steinbruch bei Heddesheim besucht 
hatte. Trotzdem habe ich nach der in gedachtem Aufsatze 
abgedruckten Beschreibung der Hohlkugeln durch Herrn 
Burkart jene Entdeckung diesem Forscher, nicht Herrn 
C. Lossen vindiciren zu müssen geglaubt. 

Endlich sprach Herr Rammelsberg über die borsäure- 
haltigen Dampfexhalationen in der Gegend südlich von Vol- 
terra. 

Hierauf ward die Sitzung geschlossen. 

V. w. o. 

Ewald. Beyrich. Eck. 



Zeit* d. d. geöl. Ges. XVIII. 2. 



13 



194 



3. Protokoll der April - Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 4. April 1 Sf>6. 
Vorsitzender: Herr Ewald. 

Vor dem Eintritt in die gewöhnlichen Verhandlungen er- 
theilte der Vorsitzende dem Herrn Serlo das Wort zu ^fol- 
gendem 

Nekrolog. 

Es ist für mich eine traurige Pflicht, die Gesellschaft an 
den herben Verlust zu erinnern, den dieselbe seit ihrem letzten 
Zusammensein durch den Tod ihres Archivars, des Königlichen 
Bergraths Heinrich Lottner erlitten hat. Gestatten Sie mir, 
Ihnen in wenigen Worten den Lebensgang eines Mannes vor- 
zuführen, dessen rastlos schaffende Thätigkeit, dessen reicher 
Schatz von Kenntnissen und dessen Anspruchslosigkeit Jedermann 
Achtung abnöthigte , und den wir auch als herzlich ergebenen 
Freund betrauern. Heinrich Lottner wurde am 9. September 
1828 in Berlin geboren. Nach kaum vollendetem siebenten 
Lebensjahre kam er in Folge des Todes seines Vaters in das 
Haus seines Onkels nach Düsseldorf, wo er die Realschule 
besuchte, die er im Jahre 1844 mit dem Zeugniss der Reife 
verliess. Er trat in das Bergfach und legte das Probejahr 
auf den Gruben in der Umgegend von Bochum ab. Nach sehr 
befriedigend bestandenem Tentamen bezog er im October 1845 
die Universität in Berlin, wo er bis Ostern 1849 studirte. 
Nach vollendeter Universitätszeit kehrte er nach Westphalen 
zurück, besuchte die Berg- und Hüttenwerke des Bezirks und 
wurde zeitweise zur Aushilfe bei Revierbeamten beschäftigt. 
Im December 1853 legte er die Referendariatsprüfung mit sehr 
gutem Erfolge ab und wurde als Oberbergamts-Referendar so-, 
fort zur selbstständigen Vertretung mehrerer Revierbeamten 
verwendet, wobei er sich neben dem schon erlangten Rufe aus- 
gezeichneten theoretischen Wissens auch die Anerkennung über 
seine praktische Befähigung in hohem Maasse erwarb. Die Er- 
kenntniss, dass nur auf dem fruchtbaren Boden erlangter 
wissenschaftlicher Resultate ein gedeihlicher Fortschritt in der 
industriellen Entwickelung möglich sei, und das daraus folgende 
Streben nach möglichster Verbreitung und Nutzbarmachung 
der ersteren Hessen ihn in der Berufung zum Leiter und ersten 
Lehrer an der neugebildeten Bergschule zu Bochum im October 



195 



1854 ein weites Feld längst erwünschter Thätigkeit sich ihm 
öffnen sehen. Er übernahm den Unterricht in der Bergbau- 
kunde , Maschinenlehre, Mechanik, Mineralogie, Geognosie, 
Physik und Chemie. Daneben gewann er noch Zeit zu viel- 
facher amtlicher Thätigkeit bei dem Bergamte zu Bochum, bei 
dem er die Angelegenheiten der Bergschule, des Markscheider- 
und Karten wesens bearbeitete. In letzterer Hinsicht hat er 
wesentliche Hilfe bei der Herausgabe der Flötzkarte des west- 
phälischen Steinkohlengebirges geleistet und dazu die bekannte 
Monographie „über die geographischen Verhältnisse des west- 
phälischen Steinkohlengebirges" geschrieben. In die gleiche 
Zeit fällt auch die Bearbeitung der „Bergbau- und Hüttenkunde" 
für das Werk: die gesammten Naturwissenschaften. Von son- 
stigen litterarischen Arbeiten sind diejenigen „über die Fahr- 
kunst auf der Steinkohlengrube Gewalt", „über die Anwendung 
comprimirter Luft bei Senkarbeiten im schwimmenden Gebirge" 
und „über die Grundsätze, welche bei dem Abbau der Stein- 
kohlenflötze in Westphalen zu befolgen sind, bei kritischer 
Würdigung der Abbaumethoden in Belgien , Frankreich und 
England" besonders hervorzuheben. Nachdem er im' October 
1859 das Berg-Assessor-Examen mit Auszeichnung bestanden, 
bewirkten die ausgezeichneten Erfolge seiner bisherigen Lehr- 
tätigkeit seine Berufung nach Berlin, um hier für die studiren- 
den Bergexspectanten Vorlesungen über Bergbaukunde zu halten, 
woran sich der weitere Auftrag knüpfte , Vorschläge für die 
Errichtung einer Berg- Academie abzugeben. Ich habe nicht 
nöthig, Sie auf die Umsicht und rastlose Thätigkeit hinzu- 
weisen, mit welcher er sich der Verwirklichung einer seiner 
Lieblingsideen unterzog; Sie waren selbst Zeugen davon und 
wissen, dass aus ihr das schönste Denkmal hervorging, das 
er sich selbst setzen konnte. Er selbst übernahm im October 
1860, zum Bergrath ernannt, das Directorat und die Vorlesungen 
über Bergbaukunde an dem neugeschaffenen Institute. Daneben 
bearbeitete er in dem Ministerium für Handel etc. die Ange- 
legenheiten, welche sich auf die Einrichtungen der Bergschulen 
und auf die geognostische Landesuntersuchung des preussischen 
Staates beziehen. Der letzteren besonders hat er das grösste 
Interesse zugewendet, wie überhaupt die Geologie diejenige 
Wissenschaft war, deren Entwicklung er neben seiner Be- 
rufstätigkeit mit Vorliebe verfolgte. Unserer Gesellschaft hat 

13* , 



196 



er seit December 1859 angehört; Sie wissen selbst, wie er 
durch öftere Vorträge an unseren Verhandlungen regen Antheil 
nahm und durch Uebernahme der Archivarsgeschäfte und in 
vielen anderen Hinsichten die Interessen der Gesellschaft wirk- 
sam zu fördern suchte. Im August vorigen Jahres wurde er 
durch Krankheit in seiner erfolgreichen Thätigkeit unterbrochen, 
die wieder aufzunehmen ihm nicht beschieden war. Am 16. März 
d. J. erlag er ruhig und ergeben seinen langen Leiden. Sein 
Verlust wird auch in weiteren Kreisen gefühlt und betrauert 
werden, doch „uns war er mehr." 



Die Versammlung trat nunmehr in die gewöhnlichen Ver- 
handlungen ein; es wurde zunächst das Protokoll der März- 
sitzung verlesen und genehmigt. 

Der Gesellschaft sind als Mitglieder beigetreten: 
Herr Bergreferendar Hiltrop, z. Z. in Berlin, 

vorgeschlagen von den Herren : Ewald, Serlo und 
Beyrich. 

Herr Bergeleve Schulz, z. Z. in Berlin, 

vorgeschlagen von den Herren : Beyrich , Stein 
und Eck. 

Herr Bergeleve Arlt, z. Z. in Berlin, 

vorgeschlagen von den Herren: Beyrich, Roth und 
Eck. 

Für die Bibliothek sind eingegangen : 
A. Als Geschenke: 

F. Karrer: lieber das Auftreten von Foraminiferen in den 
älteren Schichten des Wiener Sandsteins. — Sep. aus den 
Sitzungsberichten d. kais. Acad. d. Wiss. in Wien. Bd. 52. 

R. Murchison: on the gneiss and other arzoic rocks and on 
the superjacent palaeozoic formations of Bavaria and Bohemia. — 
Sep. aus dem Quart. Journ. of the geol. Soc. in London 1863. 

C. W. Gümbel: Ueber ein Vorkommen unterer Trias- 
schichten in Hochasien. — Sep. aus d. Sitzungsber. d. k. 
Acad. d. Wiss. in München 1865. II. 4. 348. 

A. E. Reuss: Die Foraminiferen undBryozoen des deutschen 
Septarienthons. Wien 1866. — Geschenk des Verfassers. 



197 



B. Im Austausch : 

Dritter und vierter Jahresbericht des Vereins von Freunden 
der Erdkunde in Leipzig für 1863 und 1864. Leipzig 18ff. 

Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften. Her- 
ausgegeben von Giebel und Siewert. Bd. 26. Heft 7 — 12. 
Berlin 1865. 

Jahrbuch des österreichischen Alpen-Vereins. Redig. v. 
E. v. Mojsisovios. Bd. I. Wien 1865. 

Sitzungsberichte der königl. bayer. Academie der Wissen- 
schaften zu München. 1865. II. Heft III und IV. München 
1865. 

Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanstalt. Sitzungen 
vom 6. und 20. März 1866. 

Amtlicher Bericht über die 39. Versammlung deutscher 
Naturforscher und Aerzte zu Glessen im September 1864. 
Herausgeg. von Wernher und Leuckart. Giessen 1865. 

Natuurkundige Verhandelingen van de Hollandsche Maat- 
schappij der Wetenschappen te Haarlem. Tweede Verzameling. 
Th. XXI, XXII, XXIII Haarlem 18ff. 

Herr Lasard sprach über die im Süden der Porta West- 
phalica bei Hausberge belegenen Diluvialhügel. Ausser den 
der jurassischen Weserkette entstammenden Eisensteinen und 
Versteinerungen finden sich in denselben Gesteine und Petre- 
fakten aus der Wealden- und Kreideformation. W ährend erstere 
wohl hauptsächlich von der Zerstörung der ursprünglich im 
Süden der Porta in grösserer Ausdehnung vorhanden gewesenen 
Schichten der Weserkette herrühren, ist die Heimath der Wealden- 
und Kreideformations-Reste im Norden der Weserkette zu suchen, 
von wo sie durch die von Norden kommende Diluvialfluth an 
ihre jetzige Lagerstätte gelangten. Die Wealden-Formation ist 
noch im Norden der Weserkette in grösserer Ausdehnung vor- 
handen; von dem einstigen Vorhandensein der Kreideformation 
gaben nur einige schwache Spuren Kenntniss , die beim Bau 
eines Festungsgrabens in Minden und des Bückeburger Bahn- 
hofes durch einige der unteren Kreideformation angehörige 
Petrefakten gefunden sind. 

Der Redner gab sodann Kenntniss einiger durch die Be- 
mühungen des Major v. Boenigk in den Porta-Schichten auf- 
gefundenen Petrefakten (Chemnitzia, Melania etc.), welche bis- 
her aus dieser Localität unbekannt gewesen waren. 



198 



Herr von Koenen bemerkte hierzu , dass er jene westlich 
der Porta gelegenen Kieshügel vor einiger Zeit untersucht 
habe und für Alluvial-Ablagerungen halte, da ihre eigenthüm- 
liche Gestalt und Lage unmittelbar oberhalb des Ausflusses 
der Weser aus dem sogenannten ehemaligen Weserbecken 
darauf hinzudeuten scheine, dass ihre Bildung mit dem Durch- 
bruch der Weser durch die Weserkette in engstem Zusammen- 
hange stehe. 

Hierauf bemerkte Herr Lasard, dass die Hügel im Süden 
gelegen, indem die Weser von Süd gegen Nord das Wesergebirge 
durchschneide; die Art der Ablagerung der Eisensteine be- 
kunde, dass dieselben nicht alluvialer Natur seien, sondern dass 
diese Sphärosiderite an ihrer ursprünglichen Lagerstätte sich 
befinden. 

Herr v. Koenen theilte ferner das Resultat einer Unter- 
suchung der Fauna des norddeutschen Mitteloligocäns mit, 
welche er vor einiger Zeit unternahm und vorläufig mit Bear- 
beitung der Gastropoden zu einem gewissen Abschlüsse ge- 
bracht hat. Es finden sich an den verschiedenen Lokalitäten, 
besonders Stettin, Hermsdorf, Neustadt, Magdeburg und 
Söllingen , im Ganzen 107 Arten von Gastropoden , worunter 
60 Siphonostomen. 27 jener Arten finden sich nur im nord- 
deutschen Mitteloligocän , von den übrigen 80 finden sich im 
Mainzer Becken 51, nämlich a. im Meeressande: 40 Arten; 
b. im Septarienthon : 23 Arten; im belgischen Thon von Boom, 
Bäsele etc. : 25 Arten ; bei Kl. Spauwen etc. : 24 Arten ; im 
Unteroligocän : 39 Arten und im Oberoligocän : 47 Arten. Die 
verhältnissmässig geringe Zahl der Arten, die das norddeutsche 
Mitteloligocän mit dem Mainzer Becken gemein hat, möchte 
wohl zum Theil daraus zu erklären sein, dass bei uns die 
brackischen Cerithienformen ganz fehlen und im Mainzer 
Becken die siphonostomen Gastropoden gegen die holostomen 
mehr zurücktreten. Ausserdem ist aber noch zu beachten, 
dass die Fauna des Mainzer Beckens im Ganzen wohl 
eine etwas mehr tropische Facies zeigt. Durch die besondere, 
nicht genug zu schätzende Güte besonders der Herren Wein- 
kauff, Grotrian, Koch und Behm hatte Redner die sämmt- 
lichen Vorkommnisse der verschiedenen Lokalitäten direkt ver- 
gleichen können und dadurch so manche interessante Identität 



199 



festgestellt, so war z. B. Borsonia decussata Beyr. — Pleuro- 
toma obliquenodosa Sandbg. — PI. uniplicata Speyer. 

Endlich zeigte der Vorsitzende Exemplare der pechkohlen- 
artigen böhmischen Braunkohle von Aussig vor, und es knüpfte 
hieran Herr Lasard die Bemerkung, dass dieser Localität — 
namentlich der Umgegend von Teplitz — eine der wenigen 
schmelzbaren Braunkohlen angehöre, welche er in seiner 
in den Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der preussi- 
schen Rheinlande und Westphalens befindlichen Arbeit über den 
Ursprung der Steinkohlen aufgeführt habe. 

Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

Ewald. Beyrich. Eck. 



200 



B. Aufsätze. 

1. Ueber die chemische Natur der Feldspathe, mit Rück- 
sicht auf die neueren Vorstellungen iu der Chemie. 

Von Herrn C. Rammelsberg in Berlin. 

Im Verlaufe der letztverflossenen zwanzig Jahre hat sich 
in der Chemie eine Reform der Ansichten vorbereitet und ent- 
wickelt, welche in dem organischen Gebiet ihren Ausgang ge- 
nommen hat. Anfangs von der Mehrzahl der älteren Chemiker, 
Berzelius an der Spitze, als phantastisch und extravagant be- 
trachtet, haben diese Ansichten im Laufe der Zeit immer mehr 
Anhänger gewonnen; sie beherrschen heute die organische 
Chemie, in deren unglaublich erweitertem Gebiet sie als Füh- 
rer dienen; denn ihnen ist es zuzuschreiben, dass das Chaos 
der Thatsachen klar und übersichtlich geworden ist. 

Wenn die Gesammtheit der theoretischen Anschauungen, 
welche das Wesen der modernen Chemie ausmachen, in dem 
einen grossen Gebiet der Wissenschaft nach langem und hef- 
tigem Kampfe siegreich geblieben ist, und Niemand es heute 
unternehmen möchte, die organische Chemie im alten Gewände 
darzustellen, so muss in diesen theoretischen Formen ein^Fort- 
schritt enthalten sein; sie müssen nothwendig als ein solcher 
im Streben nach der Wahrheit betrachtet werden. Allein es 
bedarf keines Beweises, dass sie im ganzen Gebiet der 
Chemie zur Herrschaft gelangen, auch in dem unorganischen 
Theile eine Läuterung der bisherigen Ansichten herbeiführen 
müssen. 

Es ist zunächst ein charakteristischer und wesentlicher 
Grundzug der modernen Chemie, dass sie den Gasvolumver- 
hältnissen bei der Verbindung der Körper vollständig Rechnung 
trägt. Gay-Lüssac's schönes Gesetz, wonach die Verbindung 
stets nach einfachen Volumen erfolgt, und das von Wenzel 



201 



und Richter begründete, nicht minder wichtige Gesetz der be- 
stimmten Gewichtsverhältnisse (der chemischen Proportionen) 
sind anerkannt die Grundpfeiler aller theoretischen Vorstellun- 
gen in der Chemie. Der Scharfsinn John Dalton's hatte die 
Atomistik in das Gebiet der Wissenschaft gezogen * von ihr 
geleitet, hatte er das Gesetz der Vielfachen aus den Arbeiten 
seiner Zeitgenossen entwickelt, und heute giebt es keinen 
Chemiker, vielleicht keinen Physiker, welcher nicht Atomistiker 
wäre, d. h. die ^Jothwendigkeit discreter Massentheilchen der 
Körper nicht behauptete; denn man darf dreist sagen, die ato- 
mistische Vorstellung allein gestattet chemische Begriffe, che- 
mische Theorien. 

Gay-Lussac's Volumgesetz führt uns nun zu der Annahme, 
dass gleiche Volume der Gase eine gleiche Anzahl kleinster 
Massentheilchen enthalten. 

Die Physik lehrt, dass die Volume aller Gase durch die 
Wärme um eine gleiche Grösse sich ändern; sie lehrt im 
MARiOTTE'schen Gesetz, dass das Volum der Gase sich umge- 
kehrt verhält , wie ihre Dichte oder Spannkraft. Die mecha- 
nische Wärmetheorie erblickt in der Wärme nichts als die 
Bewegung der kleinsten Massentheilchen der Körper. Sie lehrt: 
In gleichen Volumen verschiedener Gase ist (bei gleichem Druck 
und gleicher Temperatur) die gesammte lebendige Kraft der 
geradlinigen Bewegung der Moleküle gleich gross. Oder: Zwei 
Gase haben gleiche Temperatur, wenn der mittlere Werth der 
lebendigen Kraft, mit welcher sich die Moleküle in beiden 
geradlinig fortbewegen , gleich ist. Daraus folgt mit Noth= 
wendigkeit, dass die Anzahl dieser Theilchen oder 
Moleküle in gleichen Volumen aller Gase eine 
gleiche sei. 

Diese einfache Ansicht ist bereits im Jahre «1811 von 
Amadeo Avogadro entwickelt, später auch von Ampere ange- 
nommen worden. Dass sie in der Chemie nicht allgemeine 
Annahme fand (Berzelius hat für ihre theilweise Annahme 
hinsichtlich der Mehrzahl der elementaren Gase das Meiste 
gethan) , lag darin , dass man die Moleküle mit den chemi- 
schen Atomen verwechselte, die Avogadro schon vollkom- 
men unterschieden hatte. Denn da es einfache wie zu- 
sammengesetzte Gase, deren Moleküle den physikalischen Ge- 
setzen gleichmässig gehorchen, giebt, so müssen die Moleküle 



202 



der sogenannten zusammengesetzten Gase durch chemische 
Kräfte theilbar sein und mindestens aus zwei noch kleineren 
elementaren Theilchen bestehen. Dies sind die Atome. In 
einem Gemenge von Chlor und Wasserstoff befinden sich Chlor- 
moleküle und Wasserstoffmoleküle; ist dieses Gemenge aber der 
Wirkung des Lichts ausgesetzt, so verschwinden beide, und an 
ihrer Stelle findet man Chlorwasserstoffmoleküle. Das Volum- 
gesetz aber , gleichwie die mechanische Wärmetheorie verlan- 
gen, dass auch die sogenannten elementaren Moleküle Com- 
plexe von zwei Atomen seien, und so hat sich endlich die De- 
finition der heutigen Chemie ergeben: ein Molekül ist die 
kleinste Menge eines Körpers im freien Zustande; 
ein Atom ist die k le in ste M e ng e eines einfachen 
Körpers in Verbindungen. 

Die Hypothese von Avogadro, jetzt ohne Beschränkung 
angenommen, enthält demnach denSchluss: die Volumgewichte 
aller Gase verhalten sich wie die Molekulargewichte; die Vo- 
lumgewichte einfacher Gase verhalten sich auch wie die Atom- 
gewichte (Verbindungsgewichte) der Körper. Für die Volum- 
gewichte und die Atomgewichte ist der Wasserstoff die Ein- 
heit; da aber in allen Fällen ein Mol. == 2 Atomen ist, so ist 
die Mol. Einheit des Wasserstoffs — 2. 1 Mol. eines Körpers 
ist diejenige Menge, welche in Gasform den Raum von 2 Vol. 
Wasserstoff erfüllt. Wir sagen gewöhnlich: 1 Mol. ist = 2 Vol. 
Gas; das Molekulargewicht ist das Doppelte des Gasvolumge- 
wichts. 

Allerdings lässt sich nur bei gasförmigen Elementen das 
Atomgewicht und Molekulargewicht bestimmen. Für die übrigen 
muss man sich auf das auf chemischem Wege gefundene Atom- 
gewicht beschränken und dasselbe durch das DuLONG-PETrr'sche 
Gesetz controliren ; kaum dürfte die Isomorphie. ein Mittel sein," 
für die Atomgewichte der Körper eine Entscheidung herbeizu- 
führen. 

Die Erfahrung lehrt täglich , dass die chemischen Meta- 
morphosen, die Verbindungs- und Zersetzungserscheinungen mit 
Hilfe der aus Avogadro's Hypothese folgenden Atomgewichte 
die einfachste Form annehmen. Diese Hypothese hat in die 
atomistische Constitution der Körper einen Blick erlaubt, wel- 
cher zu der Hoffnung berechtigt, dereinst zu einer chemischen 
Statik der Atome zu gelangen. 



203 



Schon längst hatte man bemerkt, dass die Wasserstoffver- 
bindungen in vier grosse Kategorien zerfallen, dass die gleich 
zusammengesetzten Glieder aus jeder solcher Kategorie die 
grösste chemische Aehnlichkeit haben. Chlor, Brom, Jod, Fluor 
verbinden sich mit einem Atom Wasserstoff; alle diese Ver- 
bindungen sind physikalisch kaum verschieden , sind chemisch 
höchst ähnlich, enthalten die Bestandtheile in gleichem Grade 
verdichtet. Sauerstoff, Schwefel, Selen verbinden sich mit zwei 
Atomen Wasserstoff, und es bestehen nicht weniger Analogien 
zwischen den einzelnen Verbindungen. Stickstoff, Phosphor, 
Arsen verbinden sich mit drei Atomen Wasserstoff, und die 
Verbindungen, grossentheils den organischen angehörend, be- 
wahren mit wunderbarer Consequenz ihren gemeinsamen Cha- 
rakter. Kohlenstoff nimmt im Maximo vier Atome Wasser- 
stoff auf, und das Grubengas ist der Ausgangspunkt für ein 
ganzes Heer ähnlicher Körper. Die Elemente sind daher ver- 
schieden , je nachdem sie sich mit ein, zwei, drei, vier etc. 
Atomen Wasserstoff verbinden, und daraus entstand ihre Be- 
zeichnung als ein-, zwei-, drei-, vierwerthige Elemente, daraus 
entsprang der Begriff der Typen, indem man als Muster der 
Verbindungen einwerthiger Elemente den Chlorwasserstoff, als 
Muster derer von zweiwerthigen das Wasser, als Muster derer 
von dreiwerthigen das Ammoniak hinstellte. 

Eine Verbindung vom Typus Chlorwasserstoff ist also die 
Verbindung je eines Atoms zweier einwerthiger Elemente, und 
da das Wasserstoffmolekül oder das Chlormolekül selbst solche 
Verbindungen sind , so kann man auch Wasserstofftypus oder 
Chlortypus sagen. Ein Körper vom Typus Wasser ist die 
Verbindung von zwei Atomen Wasserstoff oder von zwei Ato- 
men eines anderen einwerthigen Elements mit einem Atom 
eines zweiwerthigen, wie Sauerstoff, Schwefel, Selen u. s. w. 
Kohlenstoff, Silicium, Titan, Zinn', Zirkonium sind vierwerthige 
Elemente; denn ein Atom von ihnen bindet im Maximo vier 
Atome Chlor oder eines anderen einwerthigen Elements. 

Diese Vorstellungen haben den grössten Einfluss, zunächst 
auf die Entwiekelung der organischen Chemie , ausgeübt. In- 
dem man bemerkte, dass in den organischen Verbindungen 
gewisse Atomgruppen — längst schon als zusammengesetzte 
Radikale bezeichnet — die Function von Elementen haben, 
dass es unter ihnen ein- und mehrwerthige giebt, gab die 



204 



typische Betrachtungsweise den Schlüssel für den ähnlichen 
Verlauf gewisser Metamorphosen , selbst bei scheinbar sehr 
verschiedenen Körpern. So sind wir dahin gelangt, Wasser, 
Salpetersäure, Kalihydrat, Alkohol, Essigsäure etc. als Körper 
von dem nämlichen Typus zu betrachten; gewisse Reactionen 
verlaufen bei allen in analoger Art. 

Wenn ein mehrwerthiges Radikal, ein einfaches oder zu- 
sammengesetztes, auf Körper von irgend einem Typus wirkt, so 
werden häufig zwei oder mehrere Moleküle des letzteren von ihm 
ergriffen, und indem es aus jedem derselben ein Wasserstoff- 
atom ausscheidet, schweisst es so zu sagen die mehreren Mole- 
küle zu einem einzigen neuen zusammen. Dies sind die viel- 
fachen oder verdichteten Typen. So schreiben wir dem 
Sulfuryl SO 2 und dem Aethylen C 2 H 4 , welche zweiwerthige 
Radikale sind, die Fähigkeit zu, zwei Moleküle Wasser dadurch 
zu vereinigen, dass sie aus jedem ein Wasserstoffatom entfernen, 
sich an die Stelle beider setzen, und nennen das neue Molekül, 
welches zwei Molekülen Wasser entspricht, im einen Fall 
Schwefelsäure, im andern Glykol. 

Verbindungserscheinungeu erklären wir jetzt fast durch- 
gängig durch Wechselzersetzung, d. h. durch Veränderung in 
der Stellung der Atome und Moleküle. Zwei einwerthige Atome 
werden durch ein zweiwerthiges , drei einwerthige durch ein 
dreiwerthiges oder durch ein zweiwerthiges und ein einwerthiges 
ersetzt u. s. w. 

So ist der Wasserstoff gleichsam auch die Einheit für die 
Grösse der chemischen Anziehung der Körper (Verwandtschaft) 
geworden. Es ist üblich geworden, zu sagen, der Wasserstoff, 
das Chlor u. s. w. hätten eine Verwandtschaftseinheit, Sauer- 
stoff, Schwefel hätten deren zwei, Stickstoff, Phosphor, Arsen 
drei, Kohlenstoff, Kiesel, Zinn, Titan vier u. s. w. 

Eine unmittelbare und nothwendige Folge der neuen An- 
schauungen ist die Aenderung der Werthe gewisser Atomge- 
wichte; ist nicht mehr — 8, sondern =16; S nicht 16, 
sondern 32, insbesondere aber sind die Atomgewichte von 
Ba, Sr, Ca, Mg und den meisten Metallen jetzt doppelt so gross 
wie früher, denn diese Metalle sind zweiwerthig, während Ka- 
lium , Natrium , Lithium , Silber als einwerthige Metalle ihren 
alten Werth haben. Eine gleiche Verdoppelung haben die 
Atomgewichte C, Si, Ti, Sn u. s. w. erlitten. 



205 



Die Formeln entsprechender Chloride und Oxyde sind dem- 
gemäss z. B. : 

KCl AgCl CaCl* PCI 3 SiCP 
K 2 Ag 2 CaO P 2 3 SiO 2 

u. s. w. 

In der Chemie Lavoisier's waren die Begriffe Säure, Basis, 
Salz sehr einfach; eine Säure war eine Sauerstoffverbindung; 
eine Basis war gleichfalls eine solche; ein Salz war eine Ver- 
bindung beider. Aber schon Berthollet lehrte die Wasserstoff- 
säuren kennen; Gay-Lussac's und ThEnard's Idee der elementaren 
Natur des Chlors fand durch Davy allgemeinen Eingang, und 
selbst Berzeliüs trat ihr endlich bei. Dadurch entstand eine 
neue Klasse von Salzen, die Haloidsalze, worin keine Säure 
und keine Basis. Der Begriff Salz wurde nun auf Körper von 
ganz verschiedener Constitution bezogen, und man verstiess 
damit gewaltig gegen das sonst stets giltige logische Princip, 
dass Körper von ähnlichen Eigenschaften und ähnlichem Ver- 
halten, wie Säuren oder Salze, auch ähnliche chemische Natur 
haben müssen. Man musste zu den unwahrscheinlichsten An- 
nahmen seine Zuflucht nehmen, um die allereinfachsten chemi- 
schen Vorgänge zu erklären (Wasserstoff aus Zink und Schwefel- 
säure oder Chlorwasserstoffsäure. Zersetzung des chlorsauren 
Kalis in der Hitze). Dieser Uebelstand rief längst Versuche 
hervor, ihn zu beseitigen, und insbesondere stellten Dulong 
und Davy eine Theorie auf, wonach alle Säuren Wasserstoff- 
säuren , alle Salze gleichsam Haloidsalze sind. Die moderne 
Chemie hat diese Idee durchgeführt und die Harmonie aller 
Säuren, Basen und Salze wiederhergestellt. 

Wasser, Salpetersäure, Kalihydrat sind für uns Körper von 
demselben Typus; die beiden letzteren unterscheiden sich vom 
Wasser dadurch, dass in der Salpetersäure das eine Wasser- 
stoffatom des Wassers durch Nitrodioxyl (Untersalpetersäure), 
in dem Kalihydrat durch Kalium ersetzt ist, durch Körper, die 
gleich dem Wasserstoff selbst einwerthig sind: 

Hj U N0 2 | U K/ U ' 

Und wenn ein Molekül Salpetersäure und ein Molekül 
Kalihydrat aufeinander wirken, so findet ein wechselseitiger 
Austausch des Wasserstoffs der Säure durch Kalium und des 
Wasserstoffs der Basis durch NO 2 statt; das neue Molekül, 



206 



welches den Typus des Wassers bewahrt, ist ein Salzmolekül, 
sogenanntes salpetersaures Kali. Der Wasserstoff beider Mole- 
küle tritt natürlich mit einem Sauerstoffatom zusammen als 
Wasser aus. 

Jede sogenannte Sauerstoffsäure ist also Wasser, dessen 
Wasserstoff zur Hälfte durch ein einfaches oder zusammenge- 
setztes electronegatives Radikal vertreten wird. Jede Basis ist 
Wasser, dessen Wasserstoff zur Hälfte durch ein electropositi- 
ves Metall vertreten wird. Ein jedes Salz ist Wasser, dessen 
beide Wasserstoffatome durch zwei solche Radikale vertreten 
werden. 

Säuren sind also die früheren Säurehydrate, Basen die 
früheren Basishydrate. Aber Wasser präexistirt nicht in ihnen, 
und eben so wie es beim Entstehen eines Salzes sich erst 
bildet, bildet es sich auch, wenn Säuren oder Basen sich in 
Anhydride verwandeln" (wasserfreie Säuren und Basen der 
früheren Chemie) , welche an und für sich weder Säuren noch 
Basen sind. 

Aber die chemische Nomenclatur, zu Ende des vorigen 
Jahrhunderts begründet, ist der wörtliche Ausdruck der älteren 
Ansichten. Sie entspricht durchaus nicht den modernen Ideen, 
und die Bezeichnungen : Kalihydrat, Untersalpetersäure, salpeter- 
saures Kali u. s. w. widerstreiten den Begriffen, die wir jetzt 
damit verbinden. Dessenungeachtet haben sie sich bis jetzt 
nicht ändern lassen. 

Salpetersäure HNO 3 und 

das Anhydrid N 2 5 , 

Kalihydrat HKO ( besser vielleicht Kaliumoxyhydrür 
oder Kaliumhydroxyd) 

und Kali K 2 
müssen ganz verschieden bezeichnet werden. 

Eine Säure oder eine Basis, welche ein Atom ersetzbaren 
Wasserstoff enthält, ist eine monohydrische Säure oder 
Basis. 

Die übrigen Säuren und Basen sind p oly hydrisch, 
dihydrisch, trihydrisch u. s. w. Sie enthalten dann 
zwei, drei Atome Wasserstoff, welche in ihren Salzen ersetz- 
bar sind. 

Zu den monohydrischen Säuren gehören : Chlorwasserstoff- 
säure, Salpetersäure, Chlorsäure, Metaphosphorsäure, Essigsäure. 



207 



Zu den dihydrischen: Schwefelsäure, schweflige Säure, phos- 
phorige Säure, Chromsäure. Zu den trihydrischen : Phosphor- 
säure, Arsensäure. 

Monohydrische Basen bilden Kaliuni, Natrium, Lithium, 
Silber; dihydrische die meisten Erd- und eigentlichen Metalle; 
trihydrische bilden Chrom, Mangan, Eiseu, Aluminium. 

Normale Salze heissen diejenigen, in welchen der ge- 
rammte typische Wasserstoff der Säure oder Basis vertreten 
sst. Findet dies bei polyhydrischen Säuren nur zum Theil statt, 
so entsteht ein saures Salz; bei polyhydrischen Basen ein 
basisches Salz. 

Es bedarf kaum der Bemerkung, dass das Verhalten der 
Salze bei der Electrolyse eine wesentliche Stütze für die neue- 
ren Ansichten abgiebt. 

Unter den organischen Verbindungen lernte man zuerst 
solche kennen, die bei gleicher Zusammensetzung im Moleku- 
largewicht sich = 1:2:3... verhalten, und hat dieselben 
polymere Körper genannt; die Ursache ist die, dass sie ver- 
schieden verdichteten Typen angehören. Die Polyäthylenver- 
bindungen , die Polyamine und Polyammoniake sind schöne 
Beispiele. Ohne Zweifel ist die Polymerie auch bei unorga- 
nischen Verbindungen nichts Seltenes. Die Submodificationen 
der Metaphosphate sind längst auf Säuren HPO und H u P u O n 
bezogen worden, und wir w r erden sogleich sehen, dass die 
Silikate des Mineralreichs in gleicher Weise betrachtet werden 
müssen. 



Die Constitution der chemischen Verbindungen, welche als 
Mineralien vorkommen, muss im modernen Sinn oft eine an- 
dere sein wie bisher. Hier sei zunächst ausschliesslich von 
den Silikaten die Rede. 

Bisher erblickte man in ihnen Verbindungen von soge- 
nannten Basen, d. h. den Oxyden von K, Na, Li, Ca, Ba, Sr, 
Mg, AI, Fe, Mn u. s. w. mit Kieselsäure. 

Wir wussten sehr wohl, dass weder synthetisch, noch 
analytisch der Beweis geführt werden kann , dass dem so sei. 
Aber man begnügte sich nicht mit der empirischen Formel; 



208 



man musste, den herrschenden Ansichten gemäss, eine Con- 
stitutionsformel, besonders für sogenannte Doppelsilikate, haben, 
und so entstanden, es darf dies wohl behauptet werden, die 
willkürlichsten Formeln. Ich will beispielsweise bloss an den 
Labrador erinnern, der als eine Verbindung von Kalk- und 
Natrontrisilikat mit Thonerdesingulosilikat bezeichnet wurde. 

Die modernen Ansichten zwingen uns, Säuren, Basen und 
Salze als ähnlich constituirte Körper anzusehen; ein Salzmole- 
kül ist hinfort ein Wassermolekül oder ein Complex von meh- 
ren Wassermolekülen, deren Wasserstoff ganz oder theilweise 
durch zwei verschiedene Radikale ersetzt ist, von welchen eins 
nothwendig ein Metall ist. Die Basen, welche zur Bildung der 
Silikate beitragen, sind theils monohydrische, wie 
HKO = Kaliumhydroxyd, 
HNaO = Natriumhydroxyd, 
HLiO j= Lithiumhydroxyd, 
theils dihydrische, wie z. B. : 

H 2 CaO 2 = Calciumhydroxyd, 
H 2 MgO 2 ==j Magnesiumhydroxyd, 
H*FeO* = Eisenhydroxydul, 
theils trihydrische, wie 

H 3 A10 3 = Aluminiumhydroxyd, 

H 3 Fe0 3 u. s. w. — Eisenhydroxyd. 
Aus mehrfachen Gründen betrachtet man diese beiden als 
hexahydrisch, den Complex von zwei Atomen Aluminium oder 
Eisen, AI oder Fe, als sechswerthig. Die Basen also 
= H 6 AI O 6 
= H 6 Fe O 6 . 

Die Kieselsäure, die wirkliche Säure, ist, da ihr Radikal 
vierwerthig ist, H 4 SiO 4 . Sie ist eine tetra hydrische Säure. 
Unter dem Einfluss der Wärme spaltet sie sich in H 2 SiO 1 
und H 2 O und sodann in SiO - (Kieselsäureanhydrid) und 
H 2 0, eine Eigenschaft, die sie mit ähnlichen Säuren, ins- 
besondere mit der Zinnsäure und Titansäure, theilt. 

Eine andere Eigenthümlichkeit der Säuren, an der Phos- 
phorsäure zuerst bemerkt, kommt auch der Kieselsäure zu. 
Wenn zwei Moleküle Phosphorsäure sich vereinigen, und es 
tritt ein Molekül Wasser aus, so entsteht die Pyrophosphorsäure; 
wenn aber aus einem Molekül der Säure ein Molekül Wasser, 
oder wenn aus n Molekülen Säure n Moleküle Wasser 



209 



sich abscheiden, so entsteht die Gruppe der Metaphosphor- 
säuren. Aehnlich ist es bei sehr vielen Säuren, und so auch 
bei der Kieselsäure. Freilich kennen wir diese Modifikationen 
nicht als solche, sondern nur in Form von Salzen, den Sili- 
katen. • 

Aus dem Molekül der ursprünglichen Kieselsäure H 4 Si0 4 
kann nur ein Molekül Wasser austreten, um die Säure H 2 SiO^ 
zu bilden (welche auch für sich bekannt ist). Wenn aber eine 
polymere Kieselsäure, d. h. ein Complex von n Molekülen 
H 4 SiO 4 ein oder mehrere Moleküle Wasser abgiebt, so entstehen 
vielfache Modifikationen. 

Bei der Umgestaltung der früheren Silikatformeln muss 
man sich erinnern, dass folgende Atomgewichte sich geändert 
haben. 

Es ist jetzt (H = 1): 

O f= 16, früher == 8 

Si = 28 „ 14 

Ca = 40 „ 20 

Mg= 24 „ 12 

Fe = 56 „ 28 

AI = 27,3 „ 13,65. 
Wir stellen hier die alten und neuen Formeln der Feld- 
spathe gegenüber, welche im Wesentlichen nur ein Alkali- oder 
ein Erdmetall enthalten: 

Alte Formel: Neue Formel: 
Anorthit (Kalkfeldspath) Ca'ÄlSi 2 Ca AlSi 2 3 
Albit (Natronfeldspath) Na AJSi 6 Na 2 AISi 6 1 6 
Orthoklas (Kalifeldspath) K AI Si 6 K 2 AISi 6 O 16 , 
und bemerken, dass aus theoretischen Gründen 54,6 Theile 
Aluminium == AI und nicht AI 2 geschrieben sind. 
Die typischen Ausdrücke sind demnach: 

Anorthit entsprechend der Kieselsäure 

^ b 2 l0 8 = H 8 Si 2 8 = 2 Mol.H 4 SiO* 
g. 2 1 (Dikieselsäure), 

entsprechend der Säure 
H 2 [ 

V 6 =H 8 Si 6 16 

ZeUs.d.d.geol.Ges.XVITI. 1 14 




210 



Diese Polykieselsäure ist eine Hexasäure, d. h. = 6 Mol. 
H 4 Si0 4 , aus welchen 8 Mol. Wasser ausgetreten sind. 

Nun giebt es bekanntlich eine Reihe von Feldspathen, 
welche, dem Anorthit und Albit in der Form gleich, den Kalk 
des einen und das Natron des andern gleichzeitig enthalten, 
Labrador, Andesin, Oligoklas. Lange Zeit glaubte man, die- 
selben hätten eine constante Zusammensetzung , also dasselbe 
Atomverhältniss AI : Si, welches auch das Verhältniss des ein. 
werthigen Na zum zweiwerthigen Ca sei. So z. B. nahm man 
an, im Labrador sei AI : Si = 2 : 6 = 1 : 3, im Oligoklas = 2:9 
Atomen. 

Denn 

Alte Formel: Neue Formel: 
Labrador (natronfrei) Ca AI Si 3 Ca AI Si 3 10 , 
Oligoklas (kalkfrei) Na 2 AI 2 Si 9 Na 4 AI 2 Si 9 2 6 . 
Tschermak ist dieser Ansicht zuerst entgegengetreten; er 
hat behauptet: das Verhältniss AI : Si in diesen Feldspathen 
hänge von dem Verhältniss Na: Ca ab; sie alle seien Mischun- 
gen von Anorthit und Albit, und mit der Zunahme des Na 
stehe auch die des Si im Verhältniss. 

Ich habe durch eine Berechnung der brauchbaren unter den 
vorhandenen Analysen gefunden,*) dass in diesen Mineralien 
in der That die relative Menge des Si mit der des Na wächst, 
wenn sich auch Ausnahmen finden, die auf Rechnung des Ma- 
terials oder der Analyse kommen dürften. Auch habe ich bei 
dieser Gelegenheit erörtert, dass Tschermak's Ansicht, welche 
sich durch die Thatsachen prüfen lässt, ganz verschieden sei 
von früheren Hypothesen Sartorius v. Waltershausen's und 
Hermann' s über diesen Gegenstand. 

In einem sehr interessanten Aufsatz (N. Jahrb. f. Mine- 
ralogie, 1865) sucht Prof. Streng in Clausthal zu zeigen, dass 
die von Tschermak behauptete Relation des Atomverhältniss es 
Na: Ca und desjenigen von AI : Si nicht existire; er sagt: die 
gefundenen Mengen Na und Ca entsprechen in den meisten 
Fällen der Rechnung nicht vollkommen; er kommt zu dem 
Schluss : die Kalknatronfeldspathe sind nicht isomorphe Mischun- 
gen der Endglieder Anorthit und Albit, sondern es sind inter- 
mediäre Mischungen, in welchen 1 At. Ca (40) durch 2 At. Na 



*J Vgl. auch meinen früheren Aufsatz in Folgend. Ann. Bd. 126, S. 39. 



211 



(2.23 = 46) ersetzt wird, d. h. im älteren Sinne 1 At. CaO 
durch 1 At, NaO. 

Streng zeigt an Beispielen, wie in isomorphen Verbin- 
dungen gleiche Atome gleichwerthiger Elemente sich vertreten, 
wie aber noch häufiger die Vertretung verschiedener Atome 
ungleichwerthiger Elemente stattfindet, und dabei meistens 
die Summe der Verwandtschafts einheiten der Vertreter gleich 
gross ist. Hierher rechnet er Na 2 = Ca, AI 2 = Si 3 , wo 
AI = 54,6, s echs werthig , R 1 (R ein zweiwerthiges Metall, 
Fe, Ca, Mn etc.) = Fe (d. h. einem Complex von zwei drei- 
werthigen Eisenatomen), 0=F1 2 . Er stellt demnach den Satz 
auf: In isomorphen Verbindungen ersetzen sich die Bestand- 
teile theils zu gleichen Atomen (monomere Isomorphie), theils 
zu ungleichen Atomen, die dann aber gleichwerthig, d. h. äqui- 
valent sind (polymere Isomorphie). 

Indem er das Molekulargewicht des Anorthits verdoppelt 
und denselben mit dem Albit vergleicht, 

Anorthit = Ca 2 AI 2 Si 4 O 16 
Albit = Na 2 AI Si 6 O 16 , 
wo Ca = Na 2 ist, findet er den Grund der Isomorphie beider 
Verbindungen darin , dass 2 Atome Si = 8 Verwandtschafts- 
einheiten im Albit die Vertreter der Gruppe Ca AI = 8 Ver- 
wandtschaftseinheiten im Anorthit sind, und er sieht in allen 
Kalk-Natronfeldspathen Verbindungen der nämlichen Art, worin 
diese Vertretung (natürlich auch Na 2 AI für Ca AI) in der ver- 
schiedensten Art erfolgt sei. 

Es ist vollkommen begründet, dass die Wechselwirkung, 
welche Moleküle verschiedener Körper auf einander ausüben, 
im Allgemeinen so erfolgt, dass die ihren Platz wechselnden 
Atome oder Atomgruppen, wenn sie gleichwerthig sind, auch 
gleich, wenn sie ungleichwerthig sind, in der Anzahl auftreten, 
wie es ihre Aequivalenz d. h. die Gleichheit ihrer Verwandt- 
schaftseinheiten fordert. Allein diese Erscheinung steht mit 
der Isomorphie, nach meiner Ansicht, in gar keinem Zusam- 
menhange. Ich habe es schon mehrfach ausgesprochen, dass 
die chemische Constitution und die Isomorphie unmöglich wie 
Grund und Folge zu einander stehen können, dass die geome- 
trische Form das Resultat der Anordnung der Moleküle, nicht 
aber der chemischen (elementaren) Atome sei, dass die an- 
erkannte Isomorphie von Elementen, sowie die von Verbindun- 

14* 



212 



geil , die nicht analog constituirt sind, ganz entschieden diese 
Auffassung bestätigen, und ich kann in dem gewöhnlichen und 
wichtigsten Fall, wo Isomorphie mit gleicher Constitution ver- 
einigt ist , nur ein paralleles , nicht ein causales Verhältniss 
erblicken. 

Die schiefe Auffassung dieses Gegenstandes rührt, wie es 
scheint , von dem Begriff her , den man mit „Vertretung" ver- 
bindet, und den man wörtlich statt bildlich gebraucht hat. 
Wenn ich sage: der Dolomit ist kohlensaurer Kalk, in wel- 
chem Kalk durch Magnesia vertreten ist, so ist dies Nichts als 
ein Bild; denn eine solche isomorphe Mischung entstand doch 
nicht dadurch , dass die einzelnen Moleküle des kohlensauren 
Kalks einen Theil Kalk verloren und die entstandenen Lücken 
sich mit Magnesia füllten , sondern dadurch , dass die fertigen 
Moleküle von kohlensaurem Kalk und die Moleküle von koh- 
lensaurer Magnesia, da sie beim Aufbau eines Krystalls gleich 
anwendbar waren, sich aneinander legten und so den Dolomit- 
krystall bildeten. 

Cu 2 S und Ag 2 S sind isomorph in ihren regulären, gleich- 
wie in ihren zweigliedrigen Formen ; aber Cu 2 S ist auch iso- 
morph mit FeS, dies mit PbS, mit ZnS. 

Welchen Sinn könnte es haben, wenn man sagen wollte, 
Silber ist mit Blei isomorph nur in dem Verhältniss von 2 At. 
mit 1 Atom? 

Wenn K CIO 4 (überchlorsaures Kali) mit KMn O 1 (über- 
mangansaurem Kali) isomorph ist, so beweist dies, dass Iso- 
morphie stattfindet zwischen Molekülen, welche aus gleich vie- 
len Atomen bestehen, nicht aber aus gleichwerthigen , da Cl 
einwerthig, Mn zweiwerthig ist. Dieser Umstand steht zu der 
Isomorphie beider Salze in keiner Beziehung. 

Ich habe schon früher zu zeigen gesucht, dass die Mon- 
oxyde und Sesquioxyde isomorph, dass die Glieder der Spinell- 
gruppe isomorphe Mischungen beider seien. Mit Bezeichnung 

ir ii in ii in 

der Werthigkeit der Elemente, also R O isomorph R 2 O 3 (R 2 

vi ii ii m n 

wird eigentlich besser als R genommen), Fe O isomorph Fe 2 O 3 . 

Ich meine aber nicht, dass man dies dadurch erklären könne, 

ii n ni ii ii in 

dass R 3 isomorph R 2 oder R^ isomorph R 2 sei. 

Aus einer Reihe von Untersuchungen über Augite und 



213 



Hornblenden zog ich den Schluss: R Si ist isomorph 
Ii m 

FeSi\ d. h.RSiO 3 = Fe 2 Si 3 O 9 . Auch hier wiederholt sich 
bloss die Erscheinung, dass die 'Zweiwerthigkeit des Eisen- 
atoms (56) in den sogenannten Oxydulverbindungen in eine 
Dreiwerthigkeit übergeht, wenn sich zwei Eisenatome aneinan- 
der reihen. Es ist wohl das Einfachste, anzunehmen, dass in 
den sogenannten Eisenoxydulverbindungen das Metall nur 
unvollständig gesättigt sei, ein Theil seiner Verwandtschafts- 
grösse so zu sagen ruhe. 

Die Untersuchung der Titaneisen hatte schon Mosander 
zu der Annahme geführt, FeTi sei isomorph Fe, d. h. FeTiO 3 
isomorph FeFeO 3 ; ich habe später gefunden, dass dasselbe 
von MgTiO 3 gilt. Da Titan vierwerthig, gleich Si, so ist auch 
hier Fe oder Mg zweiwerthig, FeFe = Fe aber sechswerthig. 

Vor Kurzem zeigte ich, dass der Braunit aus MnSi und 
Mn bestehe, d. h. aus MnSiO' und Mn MnO 1 ; hier gilt für 
das Mangan, was vorher für das Eisen. 

Ferner will ich bemerken, dass solche Glieder der Spinell- 
gruppe, welche der Formel R m R n entsprechen, jetzt gleichfalls 
sehr einfache Formeln erhalten. 
Magnoferrit ist 
Mg i 
Fe 5 lO 1 5 




während 



Fe 3 j 



Magneteisen edler Spinell 



Fe/ AI 
sind , wo AI = AI AI — 54,6 Theile Aluminium 6 Verwandt- 
schaftseinheiten repräsentiren. 

Nach diesem Allem kann ich der Annahme von Streng 
nicht beitreten, dass in den Feldspathen Na 2 AI die Stelle von 
Ca AI und von Si 2 einnehmen könne. Es ist ja diese An- 
nahme überhaupt nur aus der Behauptung entsprungen , die 
kalk- und natronhaltigen Glieder seien, den Analysen gemäss, 
nicht als Mischungen von Anorthit und Albit zu deuten. 

Es ist daher zuvörderst dieser Punkt genau zu unter- 
suchen. 



214 



Wenn alle Kalk-Natronfeldspathe (Anorthit zum Theil, 
Labrador, Andesit, Oligoklas, Albit zum Theil) isomorphe 
Mischungen zweier Endglieder sind, nämlich des Anorthits 
oder des reinen Kalkfeldspaths und des Albits oder des reinen 
Natronfeldspaths, so muss ihre Zusammensetzung eine mittlere 
sein, und es muss eine jede solche intermediäre Mischung ge- 
wisse und ganz bestimmte Beziehungen zu den beiden End- 
gliedern oder Grundverbindungen nachweisen lassen. 

Betrachten wir zuvörderst die Zusammensetzung dieser 
letzteren, und setzen wir, den unabweislichen Forderungen der 
neueren Chemie entsprechend, 

Na = 23 AI === 54,6 0=16 
Ca = 40 Si = 28 

so ist 

Anorthit , Albit 

CaAlSi 2 8 Na 2 AlSi 6 18 
Ca = 40 = 14,36 2Na = 46 = 8,77 
AI 54,6 19,60 AI = 54,6 10,41 
2Si 56 20,10 6Si =168 32,02 
80 _128_ 45,94 160 =256 48,80. 
278,6 100. 524,6 100. ~ 

Da Ca : Si im. Anorthit =1:2 
Na : Si im Albit =1:3, 
so muss in jeder Mischung beider Verbindungen 

1) R : Si zwischen 1 : 2 und 1 : 3 liegen. 
Da ferner 

AI : Si im Anorthit =1:2 
AI > Si im Albit =1:6, 
so muss in jeder Mischung 

2) AI : Si zwischen 1 : 2 und 1 : 6 liegen. 
Da endlich 

Ca : AI im Anorthit = 1:1 
Na : AI im Albit =2:1, 
so muss in jeder Mischung 

3) R : AI zwischen 1 : 1 und 2 : 1 liegen. 

Aus dem Atomverhältniss von R- : Si eines Kalk-Natron- 
feldspaths muss sich das Verhältnis s Ca: Na berechnen lassen; 
ebenso muss dies aus dem Verhältniss AI : Si möglich sein. 
Ist die Mischung des Ganzen aus Anorthit und Albit hervor- 



215 



gegangen, und ist die Analyse richtig, so müssen beide Rech- 
nungen zu demselben Resultat führen. 

Gesetzt, die Analyse hätte R: Si= 1 :2,5 = 2: 5 gegeben, 
so ist dies 1 : 2 + 1 : 3, mithin ist Ca : Na = 1 : 1 Atom vor- 
handen. Dieselbe Analyse muss dann aber auch AI :Si = l ;3,33. .. 
ergeben, weil 

Anorthit £ Ca 2 AI* Si* 
Albit = Na 2 AI Si 6 

AI 3 Si 10 = 1 : 3,33... . 

Die nachstehende Tabelle enthält die Berechnung einiger 
einfacheren Mischungen der beiden Endglieder 
Ca AI Si 2 O 8 == An 
Na 2 AI Si 6 O 16 = AI, 
betreffend das Atomverhältniss Ca : Na, R : Si, AI : Si, R : AI 
und den Procentgehalt an Natrium und Calcium : 



Mischung 



Na: Ca 



R: Si 



AI : Si 



R: AI 



Procentgehalt 
Na Ca 



An 1 2 AI 


1 


6 


1: 2,14.. 


1 : 2,308. . 


1:0,928. . 


An 6 


AI 


1 


3 


2,25 


2,57 . . . 


0,875 


An 4 


AI 


1 


2 


2,33 
2,4 


2,8 


0,833.. 


An» 


AI 


2 


3 


3 


0,8 


An 5 


AI 2 


4 


5 


2,44.. 


3,14 . . . 


0,77 . . . 


An* 


AI 


1 


l 


2,5 


3,33 . . . 


0,75 


An 3 


AI 2 


4 


3 


2,57.. 


3,6 


0,71 . . . 


An* 


AI» 


3 


2 


2,6 


3,71 . . . 


0,7 


An 


AI 


2 


1 


2,66.. 


4 


0,66 . . . 


An* 


AI 5 


5 


2 


2,71 . . 


4,22 . . . 


0,64 . . . 


An» 


AI 4 


8 


3 


2,73.. 


4,3 


0,63 . . . 


An 3 


AI 3 


3 


l 


2,75 ■ 


4,4 


0,625 


An 5 


AI 5 


10 : 


3 


2,77.. 


4,5 


0,615 


An 


AI* 


4 : 


1 


2,8 


4,66... 


0,6 

0,58 . . . 


An 2 


AI 5 


5 


1 


2,83.. 


4,86... 


An 


AP 


6 


1 


2,86.. 


5 


0,57 . . . 


An 


AI« 


12 


1 


2,92.. 


5,43 . . . 


0,54 . . . 



1,19 
2,09 
2,81 
3,38 
3,77 
4,25 
4,88 
5,13 
5,73 
6,15 
6,27 
6,48 
6,65 
6,93 
7,23 
7,45 
8,06 



12,41 
10,93 
9,76 
8,82 
8,19 
7,40 
6,37 
5,95 
4,98 
4,28 
4,09 
3,75 
3,47 
3,01 
2,52 
2,16 
1,17 



Um nun die Frage von der Natur der Kalk - Natron- 
feldspathe zu prüfen, ist das atomistische Verhältniss von 
Na:Ca:Al:Si zu berechnen. Dabei muss man K in sein Aeq. 
Na, Mg in sein Aeq. Ca verwandeln. Schwerer ist es zu ent- 
scheiden, ob das fast nie fehlende Eisen als Fe (= 56) in das 
Aeq. von Ca, oder ob es als 3?e (= 112) in das von AI zu 



216 



verwandeln sei. In den nachfolgenden Rechnungen ist das 
letztere geschehen , weil dies nach allgemeiner Ansicht das 
Wahrscheinlichste ist. 

Die nothwendig gewordene Verdoppelung der Atom- 
gewichte von Ca, AI und Si ist der Grund, weshalb das Atom- 
verhältniss R:A1, welches früher bei allen Feldspathen gleich 
= 1:1 war, jetzt nur beim Kalkfeldspath (Anorthit) = 1:1, bei den 
Alkalifeldspathen (Albit und Orthoklas) aber — 2 : 1 ist, im 
Labrador, Oligoklas etc. also zwischen beiden Verhältnissen 
liegt. Man kann indessen für alle das alte Verhältniss 1 : 1 
wieder herstellen, wenn man in dem Atom verhältniss Na: Ca: 
AI die Atomenzahl des Na halbirt. So ist in der vorher- 
gehenden Tabelle ein aus gleichen Mol. Anorthit und Albit ge- 
mischter Feldspath durch das Atomverhältniss Na: Ca =2:1, 
R : AI = 3 : 2, als Na: Ca: AI = 2 : 1 : 2 charakterisirt , welches 
dem früheren 1 :1:2 = 2: 2 = 1:1 entspricht. 

Da dieses Verhältniss oder eine möglichst grosse Annähe- 
rung an dasselbe bekanntlich ein Kennzeichen für die unzer- 
setzte Natur des analysirten Feldspaths und für die Richtigkeit 
der Analyse bildet, so sind hier zuvörderst nur solche Analysen 
zu berücksichtigen, -welche diese Bedingung erfüllen, d. h. bei 
welchen jenes ältere Atomverhältniss zwischen 0,9 : 1 und 
1,1 : 1 liegt. Mit einem Stern sind solche bezeichnet, welche 
hierin abweichen, zur Vergleichung jedoch benutzt werden 
sollten. 



Tabelle I. 







Atomverhältniss 








Na: Ca 


R:A1 


B:8i|Al:Si 


Anorthit 












Meteorit von Juvenas 


Rammelsberg 


l :8,2 


1,07:1 


,1 :2,0 


1:2,12 


Radauthal 


Streng 


5,7 


1,08 


2,03 


2,2 


Thjorsa-Lava 


Damocr 


5,1 


1,18 (1,09) 


1,96 


2,3 


Aetna (Serra Gian- 










nicola 


S. v. Walt. 


3,35 


1,13 (1,0) 


•2,67 


3,0 


Neurode (a. d. Fo- 










rellenstein) 


vom Rath 


3,1 


1,13 (1,0) 


2,27 


2,6 


Labrador 










Havnefjord ( Kalk- 












Oli goklas) 


FoRCHH* 


2,0 


1,0 (0,86) 


4,1 


4,2 


Berufjord 


Damour 


2,0 


1,16 (0,97) 


2,5 


2,93 



217 



Atomverhältniss 
Na:Ca| R:A1 |R:Si|Al:Si 



Guadelupe 

Glasgow 

Färöer 

Aetna-Lava (b 

„ . (O 

Labrador 
Egersund (c) 
Kiew 

Baste (Radautbal) 
Neurode v a. Hyper- 

sthenf.) 
Nord. Geschiebe 
Campsie 

Neurode (a. Gabbro) 

Labrador 

Lund 

Dalarne 

Mombächler Höfe 
Marmorera 
Morea 
Hitteröe 

Nord. Geschiebe 

Lavaldens (Olig.) 

Ilfeld 

Oberstein 

Pont Iean 

Ojamo 

Piz Rosag 

Odern 

Bötzen 

Esterrel Geb. 

Marmato 

Pitkäranta 

La Bresse 

Frankenstein 

Marmato 

Sala 

Baumgarten 
Pikruki 
Belfahy 
Puy de Dome 
Tyveholmen (F. des 
Rhombenporphyr) 
Servance 
lig o kla s 
Elba 
Arendal 
Albula 
Tvedestrand 
Coravillers 
Schaitansk 



Deville 
Le Hunte 
forchhammek 

J S. v. Walt. 

Abich 

Klaproth 

Kersten 

Segeth 

Rammelsbeug 

v. Rath 
Dülk 
Le Hunte 
jv. Rath 

jTsCHERMAK 

IBlomstrand 

jSvANBERG 
SCHMID 

jv. Rath* 

IDelesse 

Waage 

ml v. Walt. 

Lory 

iStre\g * 

iDelesse * 

Lauhell 
v. Ratu 
^Delesse 

I 

5, 

|Rammelsberg 
|Abich 
;Jewreinow 
Delesse 

jSCHMIDT 

|Rammelsberg 
isvanberg 



1,07: 
1,11 
1,15 
1,17 
1,18 
1,2 
1,26 
1,28 
1,33 
1,35 
1,4 
1,45 
1,48 
1,8 
1,8 
1,96 
2,09 
2,12 
2,15 



IVarrentrapp* 2.4 



|Struvf. 
IDelesse 
|Kossmann 

IDelesse 



Damour 

Rosales 

v. Rath 

Scheerer 

Delesse 

Bodemann 



;1,74 
1,6 
1,58 
1,58 
1.57 
1,55 
1,5 
1,5 
1,47 
1,43 

1,37 
1,22 
1,12 
1,1 
1,08 
1,08 
1,0 
1,0 

• l 




2,85 
2,96 

3,3 

3,4 

3,45 

3,54 

3,7 

3,8 



1,17 

1,18 

1,23 

1,32 

1,25 

1,3 

1,23 

1,27 

1.23 



1,3 

1,44 

1,34 

1,43 

1,3 

1,45 

1,4 

1,3 

1,9 

1,3 

1,26 

1,3 

1,3 

M 
1,2 

1,36 

1,45 

1,56 

1,44 

1.43 

1,48 

1,4 

1,46 

1,5 

1,6 

1,37 

1,75 

1,5 

1,4 

1,5 

1,6 
1,5 

1,7 

1,1 

1,66 
1,66 
1,55 
1,6 



1(0,96) 
(0,95) 

(1-0 
(1,07) 

(1,0) 
(1,05) 

(1,0) 
(1,02) 
(0,98) 
(0,98) 

(1,0) 

(1,1) 
(1,02) 
(1,09) 
(0,99) 
(1,08) 
(1,05) 
(0,99) 
(1,45) 
(0,96) 
(0,92) 
(0,95) 
(0,96) 
(0,89) 
(0.87; 
(0,87) 

i0,9)| 
(1.03) 

(14) 
(1,02) 

(1.0) 

(1,0) 
(0,94) 
(0,97) 
(0,99) 
(1,07) 

(0,9) 
(1,13) 
(0,97)! 

(0,9)1 
(0,97) 

(1,0) 
(0,95) 

(1,06) 
(0,95) 
(1,01) 
(1,01) 
(0,94) 
(0,97) 



218 







Atomenverhältniss 








Na : Ca | 


R 


:A1 |R:Si|AJ:Si 


Flensburg Iwolff 


1 

4,0 : 1 


1,7 




1:2,9 


1 :5,0 


Gaggenau 


Seneca 


4.0 


1,8 


Cl 09) 


2^65 


49 


Ytterby 


Berzeliüs 


4,17 


V 


(1 02) 


2^5S 


4 4 


Katharinenburg 


Francis 


ö,0 


1,8 


(1,05) 


2^6 


4,7 


Stockholm 


Berzeliüs * 


EL A 
0,U 


1,34 




3,35 


4 5 


Freiberg 


Kersten* 


z*. n 
o,u 


1,40 


(0,86) 


3,07 


4^5 


Hitteröe 


TSCHERMAK 


5,5 


4 C 

1,8 


(1,05) 


2,75 


5,0 


Arendal 


Hagen 


5,5 


1,8 


(1,05) 


2,57 


4,7 


Röttchen 


BOTHE * 


5,5 


t,5 


(0,86) 


3,0 


4,5 


Halle 


Laspeyres 


5,8 


1,66 


(0,96) 


2,7 


4,5 


Marienbad 


Kersten * 


5,8 


1,46 


(0,84) 


3.1 


4,5 


Warmbrunn 


Rammelsberg* 


6,5 


1,47 


(0,83) 


3,1 


4,6 


Tenerife 


Deville 


7,0 


1,85 


(1,04) 


2,6 


4,8 


Laacher See 


FOI'QÜE 


7,2 


1,9 


(1,07) 


2,57 


4,9 


Haddam 


Smith, Brush 


8,6 


1,75 


(0,96) 


2,9 


5,0 


Unionville 


„ 


13,2 


2,0 


(1,07) 


2,6 


5,2 


M. Somma (Eis- 














spath) 


S. v. Walt. 


15,2 


1,9 


(1,6) 


1,98 


3,76 



Die Analyse eines Feldspaths wird das Verhältniss Al:Si 
relativ am genauesten liefern, und deswegen ist von ihm zu- 
vörderst auszugehen, um so mehr, als die Grenzen desselben, 
1 : 2 bis 1:6, die relativ grössten sind. Diesem Verhältniss 
AI : Si muss dasjenige Na : Ca in der Weise entsprechen, wie 
es eine Mischung von Anorthit und Albit verlangt; letzteres, 
aus jenem berechnet, muss durch die Analyse bestätigt werden, 
wenn die Ansicht von der Natur dieser Feldspathe richtig ist. 

In der nachfolgenden Tabelle II. ist diese Berechnung 
durchgeführt. Sie enthält, ohne die besternten, 61 Analysen, 
und von diesen entsprechen etwa zwei Drittel der 
Vorauss etzung. 

Tabelle IL 



AI : Si 






Berechnet 
Na: Ca 


Gefunden 
Na: Ca 


1:2 


Anorthit, 








2,12 


Juvenas 


Rammelsberg 


1:16 


1:8,2 


2,2 


Radauthal 


Streng 


9,5 


5,7 


2,3 


Thjorsa-Lava 


Damour 


6 


5,1 


2,6 


Neurode 


v. Rath 


2,8 


3,1 


2,8 


Hitteröe 


Waage 


2 


0,87 


2,9 


Färöer 


Forchhammer 


1,72 


1,58 


2,93 


Berufjord 


Damoür 




2,0 


2,94 


Glasgow 


Le Hunte 




1,6 


2,96 


Baste 


Rammelsberg 


1,58 


1,43 



219 









Berechnet 


Gefunden 


AlrSi 














Na: Ca 


Na : Ca 


1:3,0 


Aetna (S. Giannic.) 


S. v. Walt. 


1 


1:3,35 


3,0 


Egersund (c) 


Kersten 


| 1:1,5 


1,5 


3,0 


Neurode (a. Gabbro) 


v. Rath 




1,1 


3,1 


Guadelupe 


Devillb 


} 1,32 


1,74 


3,1 


Pont Iean 


Delesse 


0,78 


3,15 
3,18 


Ilefeld 


Streng 


1,25 


0,83 


Bötzen 


Delesse 


0,7 


3,2 


Dalarne 


Svanberg 


1 i 167 

f ljlö/ 


1,0 


3,2 


Belfahy 


Delesse 


0,4 


3,26 


Mombächler Hofe 


SCHMID 




1,0 


3,26 
3,26 


Morea 


Delesse 


1 1,09 
J 


0,9 


Oberstein 


Delesse 


0,8 


3,27 


Aetna-Lava (b) 


S. v. Walt. 




1,58 


3,28 


Märkisches Geschiebe 


S. v. Walt. 




0,86 


3,3 


Lund 


Blomstrand 




1,08 


3,3 


Aetna-Lava 


Abich 




1,55 


3,3 


Campsie 


Le Hunte 


1,12 


3,3 


Nordisches Geschiebe 


Ddlk 


1 


1,22 


3,4 


Kiew 


Segeth 


} 0,9 


1,47 


3,4 


Labrador 


TsCHERMAK 


1,08 


3,46 


Aetna-Lava (c) 


S. v. Walt. 


j 


1,57 


3,5 


Labrador 


Klaproth 


1,2 :1 


0,67:1 


3,6 


Tyveholmen 


Delesse 


1,33 


2,85 


3,7 


Ojamo 


Laurell 


1,56 


1,33 


3,76 


Esterrel Gb. 


Rg. 


Jl,o7 


1,48 


3,76 


M. Somma 


S. v. Walt. 


15,2 


3,8 


Odern 


Delesse 


1,67 


1,4 


3,87 


Piz Rosag 


v. Rath 


1,75 


1,35 


3,9 


La Bresse 


Delesse 


1,96 


3,96 


Baumgarten 


Varentrapp * 




2,4 


4,0 


Marmato 


Abich 


] 


1,8 


4,0 


Servance 


Delesse 




2,96 


4,0 


Coravillers 


Delesse 


r . 


3,7 


4,1 


Pitkäranta 


Jewreinow 




1,8 


4,1 


Marmato 


Rg. 




2,1 


4,2 


Havnefjord 


FORCHH.* 




0,5 


4,2 


Lavaldens 


Lory 


2,5 


1,18 


4,2 


Sala 


Svanberg 


2,15 


4,2 


Frankenstein 


Schmidt 


) 


2,1 


4,24 


Marmorera 


v. Rath 




1,07 


4,3 
4,37 


Pikrnki 


Strüve 


2,67 


2,44 


Tvedestrand 


SCHEERER 


3,5 


4,4 


Arendal 


Rosales 


3 


3,4" 


4,4 


Ytterby 


Berzeliüs 




4,17 


4,5 


Stockholm 


Berzeliüs 




5,0 


4,5 


Freiberg 


Kersten 


| 3,33 


5,0 


4,5 


Röttchen 


BOTHE 


5,5 


4,5 


Halle 


Laspevres 




5,8 


4,6 


Warmbrnnn 


Rammelsbkrg 




6,5 


4,66 


Albula 


v. Rath 


4 


3,45 


4,7 


Katharinenburg 


Francis 


} 4,671 


5,0 


4,7 


Arendal 


Hagen 


5,5 



220 



! 

AI : Si 

1 




Berechnet 


Gefunden 


• 








Na: Ca 


Na: Ca 


1 : 4,8 
4,8 


Elba 
Tenerife 


Damodr 
Deville 


> -J,/o:l 


3,3:1 
7,0 


4,86 


Puy de Dome 


KOSSMANN 


5 


%7 


4,87 


Schaitansk 


Bodemann 




3,8 


4,9- 


Gaggenau 


Seneca 




4,0 


4,9 


Laacher See 


FoüQUE 




7/2 


5,0 


Flensburg 


WOLFF 




4,0 


5,0 


Hitteröe 


TSCBERMAK 




5,5 


5,0 


Haddam 


Smith , Brufh 




8,6 


5,'2 


Unionville 


Smith, Brush 


8 


13,2 


6 


Albit, 





Von besonderem Interesse ist der Vergleich solcher Ana- 
lysen, die bei demselben Verhältniss von AI : Si in den rela- 
tiven Mengen von Na: Ca sehr abweichen. Dies gilt z. B. für 
folgende Labrador- Analysen , bei denen auf 1 At. AI fast 
genau 3 At. Si kommen, woraus folgt, dass sie 2 At. Na gegen 
3 At. Ca enthalten müssten : Gefunden 

Na : Ca 

A. d. Gabbro der Baste Rg. 2 : 2,86 
Egersund (c) Kersten . . 2:3 
Guadelupe Deville . . .- 2 : 3,5 
Aetna (S. Giann.) S. v. Walt. 2 : 6,7 

Mithin entsprechen bloss die beiden ersten der gestellten 
Forderung, die letzte Analyse weicht aber dermaassen ab, dass 
in diesem Labrador AI : Si nicht =1:3, sondern — 1 : 2,5 
sein müsste, und auch wenn man das Eisen ausser Berechnung 
lässt, ändert sich im Wesentlichen Nichts. 

Bei den Labradoren von Lund, Campsie, aus dem Norden 
und vom Aetna (nach Abich) ist AI : Si = 1 : 3f; alle sollten 
demnach 1 At. Na gegen 1 At. Ca enthalten: in der That ist 
dies auch bei allen annähernd der Fall, nur der letzte enthält 
2 Na : 3 Ca. Im eisenfreien Zustande würde er AI : Si = 
1:3,46, und demgemäss Na: Ca = 7 : 6 = 2 : 1,7 haben müssen. 

Diejenigen Feldspathe, bei welchen AI : Si — 1 : 4 ist, sollten 
2 At. Na gegen 1 At. Ca enthalten, was auch wirklich bei 
denen von Marmato , Pitkäranta , Sala und Frankenstein zu- 
trifft , nicht aber bei denen von Servance , Coravillers und 
Lavaldens. 

Man darf indessen an die Analysen, namentlich an die 
Natronbestimmung, nicht zu hohe Forderungen machen und 
muss bedenken , dass etwa die Hälfte jenes nicht stimmenden 



221 

Drittels auch nicht das normale Atomverhältniss R:A1 zeigt. 
Wo die Abweichung von letzterem noch grösser ist, d. h. in 
den besternten Analysen, zeigt sich auch das geforderte Atom- 
verhältniss Na : Ca niemals. Und dann dürfte, auch wenn 
R : AI der Forderung entspricht, mitunter die Bestimmung von 
Na und Ca nicht der Wahrheit entsprechen , namentlich in 
älteren Analysen (Labrador, Klaproth.) Und wenn die Kry- 
stalle des Rhombenporphyrs (von Tyveholmen) oder der so- 
genannte Eisspath vom Vesuv zu den sehr abweichenden ge- 
hören, so muss daran erinnert werden, dass diese Substanzen 
ihrer Form und Struktur nach gar nicht hierher, sondern zum 
Kalifeldspath gehören. 

Ich habe diese Betrachtungen hervorgehoben, weil der Aus- 
spruch Stbeng's: „die gefundenen Mengen Na und Ca ent- 
sprechen in den meisten Fällen der Rechnnng nicht voll- 
kommen' 4 allerdings der Wahrheit gemäss ist, weil ich aber 
glaube, man dürfe von den Analysen auch nicht mehr erwarten, 
und es für vollkommen genügend halte, wenn aus zwei Dritteln 
von allen sich ergiebt: das Atomen verhältniss AI : Si be- 
stimmt dasjenige Na : Ca. 

Im gegenseitigen Austausch unserer Ansichten äussert Streng, 
dass auch er die Zunahme des Si mit dem Gehalt an Na an- 
erkenne , dass sich aber aus den Analysen die bestimmte Re- 
lation nicht mit der Genauigkeit ergebe , wie dies nöthig sei, 
wenn Tschermak's und meine Ansicht richtig wären. Er er- 
wartet eine klare Entscheidung von neuen Untersuchungen, die 
mit grösster Sorgfalt das beste Material verwenden. 

Kennen wir aber den reinen Kalkfeldspath Ca AISi 2 O 8 ? 
Giebt nicht jede Anorthitanalyse ein wenig Alkali an? 
Und wenn dies der Fall, kann die Analyse nicht Aufschluss 
darüber geben, ob dieser Anorthit eine isomorphe Mischung 
von Anorthit und Albit oder von Kalk-Anorthit und Natron- 
Anorthit ist? 

Gesetzt das Mineral enthält gegen sechs At. Ca einAt. Na, 
so ist es im ersten Fall eine Mischung 

(I.) Na 2 AI Si 6 O 16 = 1 Mol. Albit 
12 (Ca AI Si 2 O 8 ) = 12 „ Anorthit. 
Im zweiten Fall aber: 

(II.) Na 2 AI Si 2 O 8 — 1 Mol. Natron -Anorthit 
12(CaAl Si 2 8 )= 12 „ Kalk-Anorthit. 
Berechnet man diese Mischungen, so erhält man: 



222 



I. 

2 Na = 46 = 1,19 = 1,60 Natron 

12 Ca = 480 12,41 17,37 Kalk 

13 AI = 710 18,35 34,48 Thonerde 
30 Si = 840 21,72 46,55 Kieselsäure 

112 O = 1792 4 6,33 
3868 100. 

II. 

2 Na = 46 = 1,27 = 1,71 Natron 

12 Ca = 480 13,27 18,58 Kalk 

13 AI = 710 19,62 36,88 Thonerde 
26 Si = 718 19,84 42,83 Kieselsäure 

104 O =1664 46,00 
3618 100. 

Der Unterschied ist einleuchtend ; er liegt darin, dass 
das Atomverhältniss 

I. IL 

R:Si = 7:15 = l:2,143 7 : 13 = 1 : 1,857 
Al:Si= 1:2,3077 1:2 

R, AI: Si = 9: 10 = 1:1,111 27:26 = 1:0,963 
Prüfen wir nun eine Anorthitanalyse, in welcher Na : Ca 
= 1:6. ist Dieses Verhältniss (1 : 5,7) findet sich nach Streng 
im Anorthit des Radauthals, und die Analyse ergiebt (s. Tab. I.) 
R:Si = l:2,03 
AI: Si= 1:2,2 
R, AI :Si= 1:1,06 
Dieser Anorthit entspricht also der Formel I. mehr als 
der Formel II; denn die Differenzen der Atomverhältnisse sind 
gegen I. gegen II. 

R:Si - 0,11 + 0,17 
AhSi - 0,1077 + 0,2 
R, AI: Si — 0,05 + 0,097 
Es musste dieser Punkt hier zur Sprache kommen, weil 
Streng zugiebt, dass die Kalknatronfeldspathe zwar Mischun- 
gen zweier Endglieder sein können, dass diese selbst aber 
Mischungen seien von entsprechend zusammengesetzten Grund- 
verbindungen. Gleich wie er als Anorthit Mischungen aus 
nMol. Ca AI Si 2 O 8 

+ Na 2 AI Si 2 O 8 (Natron -Anorthit) 
voraussetzt, so auch als Albit Mischungen aus 



223 



nMol. Na 2 AI Si 6 O 16 

+ Ca AI Si 6 1 6 (Kalk-Albit), 
so nimmt er Labrador, Andesin, Oligoklas für Mischungen aus 
solchen selbst schon Kalk und Natron enthaltenden molekularen 
Gemischen. 

Es ist aber, wie es scheint, kein Bedürfniss zur Annahme 
solcher hypothetischen Verbindungen, wie Natron-Anorthit und 
Kalk-Albit, vorhanden, die man früher schon zu Hilfe gerufen 
hat. Aber es wird auch, und hierauf möchte ich besonderes 
Gewicht legen , eine thatsäehliche Prüfung und Entscheidung 
der Frage unmöglich, wenn in einem solchen Feldspath das 
Ca und das Na gleichzeitig zwei verschiedenen Grundverbin- 
dungen angehören. 

Ich wiederhole daher schliesslich meine Ansicht : die 
besseren Analysen beweisen, dass die Kalknatronfeldspathe 
isomorphe Mischungen von reinem Kalkfeldspath (Anorthit) 
und reinem Natronfeldspath (Albit) sind, deren Isomorphie als 
Ganze weder auf der Zahl noch der Gleichwerthigkeit (Aequi- 
valenz) der sie bildenden Elementar-Atome beruht. 



Im Vorhergehenden wurde ein natronarmer Kalkfeldspath, 
ein sogenannter Anorthit, zur Prüfung der Frage benutzt, ob 
er aus Anorthit (reinem Kalkfeldspath), und Albit (reinem Na- 
tronfeldspath) oder aus Anorthit und einer entsprechenden 
Natronverbindung (Natron-Anorthit) bestehe. Die Berechnung 
der Analyse dieses Minerals (aus dem Radauthal) sprach ent- 
schieden für die erste Annahme. 

Es ist gewiss von Interesse, auch andere natronarme 
Kalkfeldspathe (Anorthit) , gleichwie kalkarme Natronfeld- 
spathe (theils Oligoklas, theils Albit genannt) in gleicher Art 
zu discutiren. 

Anorthit vom Vesuv. 

Analyse von Abich. 

Wenn die in der Analyse enthaltenen 0,44 Eisen = 
0,215 AI, die 0,27 Magnesium = 0,16 Ca und die 0,324 Ka- 
lium = 0,191 Na genommen werden, so enthält dieser Anorthit: 



224 



Si 20,515 
AI 18,995 
Ca 13,717 
Na 0,541 
O 46,232 
100. 

Und es ist das Atomverhältniss: 

Na:Ca = 1 : 14,6 

R -AI -l 1 ' 05 ^ 
K * A1 T tl : 0,95 

AI : Si = 1 : 2,106 

R :Si = 1 : 2,0 

Angenommen Na : Ca = 1 : 14,5, dann ist die Mischung, 
je nachdem sie aus Albit und Anorthit (I.) oder aus Natron- 
und Kalk-Anorthit (II.) besteht: 



r. 




II. 






Na 2 AI Si 6 O 16 


Na 2 


AI Si 2 


O 


8 


29 (Ca AI Si 2 O 8 ) 


29 (Ca 


AI Si 2 




64 Si = 1792 = 20,83 


60 Si = 


= 1680 




20,09 


30 AI 1638 19,04 


30 AI 


1638 




19,58 


29 Ca 1160 13,48 


29 Ca 


1160 




13,87 


2 Na 46 0,53 


2 Na 


46 




0,55 


248 O 3968 46,12 


240 O 


3840 




45,91 


8604 100 




8364 




100. 


Hier ist das Atomenhältniss 














IL 






R:A1 


f 1,033:1 






U :0,97 


u 


:0,97 




Al:Si = 1 : 2,133 


1 


:2 






R :Si = 1 :2,0645 


1 


: 1,9355 



Vergleicht man hiermit die aus der Analyse berechneten 
Atomverhältnisse, so sind die Differenzen : 



für I. für II. 

AI: Si = — 0,027 = + 0,106 

r : Si = — 0,0645 = + 0,0645 ; 
die Analyse spricht also für I. 



225 



Anorthit aus Heklalava. 



Analyse von Damour. 

Dass der in der älteren Lava des Hekla, die man Thjorsa- 
Lava nennt , enthaltene und von Gekth zuerst Thorsait ge- 
nannte Feldspath Anorthit sei , habe ich schon vor längerer 
Zeit behauptet. Damoür's Analyse hat dies bestätigt. 

Wenn in derselben 0,784 Fe = 0,382 AI berechnet 
werden, so ist das Resultat: 

. Si 21,453 

'AI 18,087 

Ca 13,386 

Na 1,373 

O 45,701 



100. 

Hier ist Na : Ca = 1 : 5,6. 



Nimmt man 1 : 5,66 = 5 : 17 



an 



, so 


ist das Ganze 










I. 






II. 




Na 2 AI Si ö 


Q16 


' Na 2 


AI Si 2 O 8 




ll|(Ca AI Si 2 


O 8 ) 


Iii (Ca AI Si 2 O 8 ) 


28| 


Si = 802,66 = 


21,33 


24f Si 


= 690,66 = 19,94 




AI 695,6 


18,48 


12f AI 


695,6 20,08 


tti 


Ca 453,33 


12,04 


llf Ca 


453,33 13,08 


2 


Na 46 


1,22 


2 Na 


46 1,33 


106f 


O 1776,66 


46,93 


98} O 


1578,66 45,57 




3764,25 


100. 




3464,25 100. 



Atomverhältniss 



berechnet 

1. 

R :A1 = 1,08:1 
AI: Si = 1 : 2,324 
R :Si = 1 :2,15 
Und die Differenzen 



gefunden 



II. 

1,08:1 
1 :2 
1 :1,85 



1,19 

1 

1 



1 

2,011 
1,94 



für I. für II. 

AI : Si — 0,313 + 0,011 
R : Si - 0,207 + 0,09 
Die A nalyse spricht also mehr für II. 

Zeits. <1. d. geol. Ges. XVIII. 2. 



15 



226 

Anorthit von Bogoslowsk. 

Dieser Feldspath ist von Potykä und von Scott analysirt 
worden. 

In den Analysen ist 



Fe 


0,213 = 


AI 


0,104 P. 


Fe 


0,497 = 


AI 


0,24 Sc. 


Mg 


a,08 = 


Ca 


0,133 Sc. 


K 


0,46 y 


Na 


0,27 P. 




0,75 = 




0,44 Sc. 




P. 




Sc 


Si 


21,835 




21,145 


AI 


17,744 




18,610 


Ca 12,420 




13,185 


Na 


1,220 




2,360 



Das Atomverhältnis s Na: Ca ist 

bei Potykä = 1:6 
„ Scott = 1:3,2 
Diese grosse Abweichung liegt entweder in dem Material 
oder in den Analysen; sie vermindert aber jedenfalls den Werth 
der Berechnung in hohem Grade. 

A. Analyse von Potyka. Na : Ca = 1:6 
I. II. 
Na 2 AI Si e O 16 Na 2 AI Si 2 O 8 

12(Ca AI Si 2 O 8 ) 12 (Ca AI Si 2 O 8 ) 

Atom Verhältnis s 

berechnet gefunden 
I. II. 
R : AI = 1,077:1 1,077:1 1,12:1 

Al:Si = 1 :2,308 1 :2 1 :2,4 
R :Si = 1 :2,14 1 : 1,857 1 : 2,145 
B. Analyse von Scott. Na:Ca=l:3. 

I. II. 

Na 2 AI Si s O 10 Na 2 AI Si 2 O 8 

6 (Ca AI Si 2 O 8 ) 6 (Ca AI Si 2 O 8 ) 

Atomverhältniss 
berechnet gefunden 
I. II. 



R :A1 = 1,143 
Al:Si = 1 
R :Si = 1 



1 1,143:1 1,3:1 

2,57 1 :2 1 : 2,216 

2,25 1 :1,75 1 : 1,695 



227 



Beide Analysen geben das entgegengesetzte Resultat; die 
von Potyka spricht für L, die von Scott für IL 

Albit (Oligoklas) von Haddam. 
Analyse von Smith und Brush. 

Gefunden: At. Verh. 

Si 29,98 
AI 11,65 
Na 7,66 
Ca 1,54 

IL IL 



8,6 ^ 8f 
1 1 



26 
3 



8} 


(Na 2 


AI Si 6 


O 16 ) 


87 (Na 2 


AI Si 6 


O 16 ) 


2 


(Ca 


AI Si 2 


O 8 ) 


2 (Ca 


AI Si ü 


O t6 ) 


56 


Si = 


1568 -- 


= 32,35 


64 Si = 


1792 


= 32,10 


m 


AI 


582 


12,01 


10} AI 


582 


10,42 


m 


Na 


398,6 


8,22 


17} Na 


398,6 




2 


Ca 


80 


1,66 


2 Ca 


80 


1,43 


138} 





2218,5 


45,76 


170f O 


2730,5 


48,91 






4847,1 


100. 




5583,1 


100. 



Atomverhältniss 
berechnet 



gefunden 



R :A1 = 1,844 
Al:Si = 1 
R : Si =1 



1 

5,25 1 
2,847 1 



II. 

1,844 



1 

6 

3,254 



1,743 

1 

1 



1 

5,02 
2,88 



Die Analyse spricht entschieden für I. 



Albit (Oligoklas) von Unionville. 
Analyse von Smith und Brush. 

At. Verh. 



Gefunden: 
Si 29,99 
AI 11,28 
Na 8,79 
Ca 1,16 

I. 

13 (Na 2 AI Si 6 
2 (Ca AI Si 2 



O 16 ) 
O 8 ) 



13,2 = 13 
1 1 

II. 

13 (Na 2 AI Si ß 
2 (Ca AI Si 6 
15* 



228 



82 Si = 


2296 = 


31,12 


90 Si == 


2520 


= 32,08 


15. AI 


819 


11,10 


15 AI 


819 


10,42 


26 Na 


598 


8,10 


26 Na 


598 


7,61 


2 Ca 


80 


1,09 


2 Ca 


80 


1,02 


224 


3584 


48,59 


240 


3840 


48,87 




7377 


100. 




7857 


100. 






Atomverhältniss 








berechnet 




gefunden 




I. 




IL 






R :A1 


= 1,867 


:1 


1,867:1 


2 


:1 


Al:Si 


& 1 


: 5,467 


1 :6 


1 


:5,18 


R :Si 


- 1 


: 2,928 


1 :3,214 1 


:2,6 


uch di e s 


e Analy 


se spricht für I. 







Bary tfeldspath. 

Dass im Orthoklas eine geringe Menge Baryt vor- 
komme, der bei vielen Untersuchungen unbeachtet geblieben 
sein mag, ist von A. Mitsoherlich nachgewiesen und von mir 
mehrfach bestätigt worden. Allein es giebt, neueren Erfah- 
rungen zufolge , auch Feldspathe mit grösserem Barytgehalt, 
und diese haben die zwei- und eingliedrige Form des Ortho- 
klases, der Hyalophan aus dem Binnenthal und der Feldspath 
des Nephelinits von Meiches. 

Hyalophan. 

Wenn in der Analyse Stockau - Escher's , welche mit 
reinem schwerspathfreiem Material angestellt ist, Ca und Mg 
= Ba, Na = K berechnet wird, so hat man: 

gefunden berechnet At. Verh. 

Si 24,58 Si 24,58 

AI 11,236 AI 11,236 
Ba 13,476 Ba 14,872 1 = 1 

Ca 0,358 K 9,19 2,17 2 

Mg 0,03 
K 6,49 
Na 1,59 
Die Mischung kann sein: 

I. Baryt- Anorthit und Kali- Orthoklas, 
II. Baryt- Orthoklas und Kali- Orthoklas, 
III. Baryt- Anorthit und Kali- Anorthit. 



229 



Die letzte Annahme zu discutiren, ist unnütz, da Al:Si 
nicht =1:2 sondern 1 : 4 ist. 





I. 






II. 






Ba AI Si 


2 QS 


Ba AI 


Si 6 O 1 


6 




K 2 AI Si 


5 Q16 


K 2 AI 


Si 6 


6 


8 Si 


= 224 = 


24,03 


12 Si = 


336 = 


= 28,66 


2 AI 


109 


11,71 


2 AI 


109 


9,31 


Ba 


137 


14,69 


Ba 


137 


11,69 


2 K 


78 


8,37 


2 K 


78 


6,66 


24 


384 


41,20 


32 


512 


43,68 




932 


100. 




1172 


100. 



Wie man sieht, ist nur die erste Formel zulässig. 
Atomverhältniss 
berechnet gefunden 
I. II. 



R :A1 = 1,5 
AI :Si = 1 
R :Si = 1 



1 1,5:1 1,67:1 

4 1:6 1 :4,26 

2,66 1 :4 1 -.2,55 



B arytf eldspath von Meiches im Vogelsgebirge. 

In dem schönen Nephelinit dieses Fundorts, welcher vor- 
herrschend aus Nephelin, Augit und titanh altigem oktaedrischen 
Magneteisen besteht, und welcher von Knop in einer interessan- 
ten Arbeit genau beschrieben und untersucht ist (Jahrb. für 
Min. 1865 S. 674), finden sich Sodalith , Leucit, Titanit und 
ein Feldspath, den schon Klipstein seiner Struktur wegen für 
Orthoklas hielt. Knop hat bei der Analyse 2,27 pCt. Baryt, 
8,61 Kali und 6,55 Natron sowie 2,27 Eisenoxydul erhalten und 
erklärt ihn für einen Feldspath vom Typus des Oligoklases. 
Die Analyse gab: 

Atomverhältniss 

99,5 = 14,5 = 14 
3 3 

0,98 1 

4,0 4 
43,8 40 




100. 



230 



o 



Man wird diesen Feldspath mithin durch 

R 4 
n 
R 

AI 3 
Si 14 

bezeichnen können, d. h. als eine Mischung 

R AI Si 2 O 8 
2(R 2 AI Si 6 O 16 ). 
Das erste Glied, dem Anorthit oder vielmehr dem ersten 
Glied in der Hyalophanformel entsprechend, enthält die zwei- 
werthigen Metalle Ba , Ca und Fe in dem Verhältniss von 
1:1:2 Atomen; das zweite Glied ist ein Kali-Natron-Orthoklas, 
in welchem Na : K : 
Berechnung ergiebt: 
14 



1 : 2 At. ist. Eine hierauf gegründete 



Si 
AI 
Fe 



3 

0,5 

0,25 Ca 
0,25 Ba 
2,66 K 
1,33 Na 
40 O 

1402,71 

Demnach ist das Atomverhältnis s 
berechnet 



392 = 
163,8 
28 
10 

34,25 
104 
30,66 
640 



27,95 
11,67 
1,99 
0,72 
2,44 
7,42 
2,19 
45,62 



100. 



gefunden 



R :A1 == 


1,66 


:1 


1,69 


:1 


Al:Si = 


1 


:4,66 


1 


:4,85 


R :Si = 


1 


.2,8 


1 


:2,77 


R,Al:Si = 


1 


:1,75 


1 


:1,83 



Die im Vorstehenden mitgetheilten Berechnungen von Feld- 
spathen, welche theils viel Kalk und wenig Natron, theils viel 
Natron und wenig Kalk, theils Baryt und Kali (Natron) ent- 
halten , bestätigen den Satz , dass die Glieder der Feldspath- 
gruppe theils Grund Verbindungen, theils isomorphe Mischungen 
derselben sind. Jene sind 



231 



eingliedrig zwei- und eingliedrig 

R ein' einwerthiges Metall 
A. Natronfeldspath = Albit C. Kalifeldspath = Orthoklas 
= Na 2 AI Si 6 16 = K 2 AI Si 6 16 

R ein zweiwerthiges Metall 
B. Kalkfeldspath = Anortbit D. Barytfeldspath (hypothetisch) 
= Ca AI Si 2 8 = Ba AI Si 2 8 

Wenn der Kaligehalt im Albit und der Natrongehalt im 
Orthoklas nur in seltenen Fällen von einer Verwachsung beider 
Mineralien herrührt, so ist auch das Vorhandensein eines ein- 
gliedrigen Kalifeldspaths und eines zwei- und eingliedrigen 
Natronfeldspaths anzunehmen. 

Andererseits lehrt die Analyse des barythaltigen Feld- 
spaths aus dem Nephelinit, dass es auch einen Eisenfeldspath 
Fe AI Si 2 8 geben müsse. 

Die Berechnungen zeigen deutlich, dass die eingliedrigen 
Kalk-Natronfeldspathe isomorphe Mischungen von A und B 
sind, während die zwei- und eingliedrigen Baryt- (Kalk-Eisen-) 
Kali- (Natron-) Feldspathe ähnliche Mischungen aus C und D 
sind. 



232 



2. Heber die rotten und bunten Thone und die ihnen 
untergeordneten Glieder im südwestlichen Polen. 

Von Herrn L. Zeuschiner in Warschau. 

Die blutrothen und bunten Thone von Lublinitz und 
Woischnik in Oberschlesien und von Olkusz, Poremba, Mrzy- 
glod, Pinczyce, Kozieglowy im südwestlichen Polen haben 
Oeynhausen, Pusch, v. Carnall als eine Abtheilung der Jura- 
formation betrachtet. Mit den rothbunten Thonen verbinden 
sich in Polen und Schlesien verschiedene untergeordnete Fels- 
arten, deren Verhältnisse aber von Pusch irrthümlich beurtheilt 
wurden. Die meisten derben Kalksteine, die auf das Engste 
mit den rothen Thonen verbunden sind, hat Pusch mit dem 
weissen Jura von Krakau, also mit dem Spongitenkalke, identi- 
ficirt, die rothbunten Thone aber als Cornbrash oder Forest- 
marble und die Lager von sogenannter Moorkohle, die in 
grauem Thone eingebettet sind, als oberstes Glied der Jura- 
formation betrachtet. Alle sind daher Glieder der rothen Thone. 
Ferdinand Roemer hat in zwei Aufsätzen in der Zeitschrift der 
deutschen geologischen Gesellschaft Bd. XIV. und XV. be- 
wiesen, dass die rothbunten Thone mit den weissen Kalk- 
steinen, den breccienartigen Kalksteinen, feinkörnigen Sand- 
steinen, wie auch losen Sanden dem Keuper angehören. Im 
Durchschnitt des Zogelberges bei Woischnik sind diese Ver- 
hältnisse klar zu beobachten. Im Kalkstein finden sich cha- 
rakteristische Versteinerungen , und zwar Rippen von Notho- 
saurus mirabilis; im Thoneisensteine, der untergeordnete Lager 
im rothen Thone bildet, Estheria minuta; bei Ludwigsdorf eben- 
falls im Thoneisensteine hat Göppert mehrere Keuper-Pflan- 
zen erkannt, wie Pterophyllum Oeynhausiannm Göpp. , Pt. pro- 
pinquum G. , Pt. longifolium Ad. Brong. Somit ist das Alter 
der rothbunten Thone und ihrer untergeordneten Glieder als 
Keuper bestimmt. In Betreif der eigenthümlichen weissen 
Kalksteine und breccienartigen Gesteine, welche die Erkennung 
dieser Formation erschwert haben, macht Roemer darauf auf- 



233 



merksam, dass dieselben sich weder in Frankreich, noch in 
Deutschland finden, und ich kann weiter bemerken, dass sie 
auch in dem rothen Keuper des Sandomirer Gebirges bei 
Kunow, Nietalisko und Ruda - Maleniecka fehlen. In den bei- 
den verflossenen Sommern habe ich mich viel mit den geolo- 
gischen Verhältnissen des südwestlichen Polens beschäftigt 
und habe die RoEMER'schen Beobachtungen bestätigt gefunden. 
Dieselben untergeordneten Lager, die RoEmer beschreibt, sind 
auch in Polen entwickelt, aber es finden sich noch andere Ge- 
steine, die in Oberschlesien nicht beobachtet wurden, und zwar 

1) braune, derbe, sehr feste Kalksteine, die einen schönen 
Glanz annehmen und als Marmor verwendet werden; 

2) krystallinisch körniger Dolomit; 

3) Lager von einer eigenthümlichen Braunkohle, die Pusch 
Moorkohle benannte. 

Die rothen Thone umgrenzen an vielen Punkten in Polen 
den erwiesenen Muschelkalk , wie bei Olkusz Und Mazaniec, 
dann bei Slawköw, Chroszobrod unfern der Eisenbahnstation 
Lazy; ostwärts werden sie von dunkelgrauem Thone des 
Inferior- Oolite begrenzt, bei Blanowiec, Rudniki, Wllodowice, 
Nowa-Wies. 

Bei meinen Untersuchungen in Polen habe ich ganz ähn- 
liche Durchschnitte, wie der von Woischnik, gefunden. Einer 
der interessantesten ist bei dem Dorfe Nowa-Wies , nahe der 
Eisenbahnstation Myszkow; folgende Schichtenfolge ist in dem 
Steinbruche aufgedeckt. Zu oberst ist 

1) blutrother und braunrother Thon, der eine 3 bis 4 Fuss 
mächtige Decke bildet, die in der Richtung gegen das 
Dorf bedeutender wird und mit Flugsand bedeckt ist. 

2) Derber Kalkstein von weisser, etwas in's Grauliche fallen- 
der Farbe; einige Schichten sind dunkel-, seltener licht- 
roth, andere wieder hell braungelb. Ausser Kalkspath, der 
stellenweise sehr angehäuft ist, finden sich keine fremden 
Beimengungen, auch keine Versteinerungen. Schon der mine- 
ralogische Charakter dieses Kalksteins unterscheidet den- 
selben vom Spongiten-Kalk, der niemals so homogen ist, 
und die Tendenz zum Kreideartigen. Dieser Kalkstein 
sondert sich in deutliche Schichten ab , die 1 bis 4 Fuss 
dick werden. Das ganze Lager ist 12 bis 18 Fuss 
mächtig, , 



234 



3) Seladongrüner, grobschiefriger Thon, 4 Fuss mächtig. 

4) Blutrother Thon, der theilweise eine grobschiefrige Struc- 
tur hat oder in krummkantige Stücke zerfällt, 10 Fuss 
mächtig. 

5) Kalkbreccie von grauer Farbe, in den oberen Theilen durch 
eingemengten Thon roth gefärbt. Stellenweise durchziehen 
das Gestein unzählige Adern von weissem Kalkspath, die 
sich öfters ausbreiten und kleine Drusen bilden. Schich- 
tenabsonderungen sind in diesem Lager nicht wahrnehm- 
bar. 5 Fuss mächtig. 

6) Blutrother Thon, ähnlich Nr. 4, sehr mächtig; ein in der 
Nähe des Kalkofens gegrabener Brunnen, 72 Fuss tief, 
hatte den Thon nicht durchsunken. 

Ein ganz ähnlicher Durchschnitt findet sich im Dorfe Pinczyce. 
Mächtig entwickelt ist blutrother Thon, aus dem eine ziemlich 
fruchtbare Ackerkrume gebildet ist; darunter folgt weisser, der- 
ber Kalkstein, in 1 bis 2 Fuss dicke Schichten abgesondert; 
darunter wieder rother und bunter Thon; dann röthlichgraue 
Kalkbreccie, ziemlich mürbe durch den überhandnehmenden 
Thon, der die Bruchstücke des Kalksteins verkittet; dann zum 
dritten Mal rother Thon, der sich bis zum Fusse des Berges 
herabsenkt und bei Nowa - Wioska mit mächtig entwickeltem 
Dolomit-Gebirge in Berührung steht. 

Mitten im rothbunten Thon brechen an sehr vielen Punk- 
ten die grauen und rothen Kalkbreccien hervor, wie bei Po- 
remba , Zawiercie , Bendysz u. s. w. Bei Stara-Hutta unfern 
Pinczyce erhält die Breccie eine fast homogene Structur durch das 
Verschwimmen der selten mehr als zollgrossen Kalksteinbrocken 
mit dem dichten, kalkigen Bindemittel, dessen Farbe in's Braune 
geht. Hier und da finden sich darin Drusen von weissem Kalk- 
spath , seltener ausgefüllt mit deutlichen , schön ausgebildeten 
Zwillingen von Wasserkies ; sehr selten erscheinen erbsengrosse 
Körner von blättrigem Bleiglanz. Dieser eigenthümliche Kalk- 
stein sondert sich in mächtige Schichten ab, die gewöhnlich 4 
bis 6 Fuss dick sind. Auf den Schichtenflächen zeigen sich 
gewöhnlich eckige Bruchstücke des eingeschlossenen Kalksteins 
und fasrige, braune oder homogene, schwarze Braunkohle; öfters 
finden sich lange , schmale Stengel in glänzende Braunkohle 
umgewandelt, bis 5 Fuss lang, die von weissem Kalkspath in 
die Quere getheilt werden. Da das Gestein sehr fest ist, so 



235 



wird es als Marmor polirt und benutzt. Auf den Feldern von 
Nierada oberhalb Mrzyglod ist ein Eisenbahneinschnitt in 
einem hellgrauen, krystallinisch körnigen Kalkstein, der stellen- 
weise sehr viele Bruchstücke von schwarzer, glänzender Braun- 
kohle enthält und ebenfalls den Breccien angehört. 

Ein ausgezeichnet krystallinisch er Dolomit findet sich mit- 
ten im rothen Thone an der Eisenbahnstation Zawiercie. Ge- 
genüber dem Postgebäude ragen im Bache mächtige Felsen von 
Dolomit von rauchgrauer Farbe hervor; die deutlichen Körner 
haben etwas gekrümmte Blätter mit einem lebhaften Glasglanz, 
der sich dem Demantglanze nähert; in seiner dunklen Grund- 
masse sind etwas grössere Körner oder Schnüre von ocker- 
gelbem Dolomit eingesprengt. Wie sich dieser Dolomit zum 
umgrenzenden rothen Thone verhält, ist nicht klar; so viel ist 
.nur bestimmt, dass diese beiden Gesteine auf das Engste ver- 
bunden sind. Ein ganz ähnlicher Dolomit bildet ein kleines 
Gebirge bei Nowa - Wioska unfern des öfters erwähnten Pin- 
czyce, wo noch vor wenigen Jahren im Dolomit Bergbau auf 
Bleiglanz betrieben wurde. Viel bestimmter ist das Verhält- 
niss des Dolomits zum rothen Thon im Orte Skianna Hutta, 
wo Bergbau auf Eisenstein eine Schichtenfolge kennen lehrte. 
In einem Schachte wurde als obere Decke ein mächtiges La- 
ger von rothem Thon durchsunken, darunter ein wenige Fuss 
dickes Lager von weissem, körnigem Dolomit, dessen Körner 
lose verbunden sind , darunter ein Lager von dichtem Braun- 
eisenstein mit sehr wenig beigemengtem Thon. 

Zwischen Blanowiec, Nierada, Wllodowice und Myszkow 
berühren sich die rothen Thone mit den grauen Thonen des 
Inferior-Oolite , die durch Ammonites ParMnsoni und Belemnites 
giganteus charakterisirt sind. Wo die rothen Keuper- Thone 
Lager von Jtfoorkohle einschliessen, da werden dieselben grau 
und sind von den Thonen des Inferior-Oolite nicht zu unter- 
scheiden. Wenn diese beiden Gebilde zusammenstossen, so ist 
deshalb schwer zu bestimmen, wohin die Kohle gehört. Aber 
Bohrungen auf Kohle, von Herrn Sygetynski in Blanowiec im 
Jahre 1863 ausgeführt, haben die Sache dahin entschieden, dass 
die Moorkohlen - Flötze ohne Zweifel dem rothen Thone an- 
gehören. Die beiden folgenden Bohrregister, die mir Herr 
Sygetynski mittheilte, liefern dafür den Beweis. Das erste Bohr- 
loch hat 140 Fuss rh ein. Maas s, das zweite 82 Fuss durchbohrt. 



236 



Erstes Bohrloch, von oben angefangen 

1. Grauer Thon .10 Fuss — Zoll 

2. Braunschwarzer Thon 2 „ 6 „ 

3. Kohlenschiefer — „ 6» 

4. Blaulichgrauer Thon 3 „ — v 

5. Braunkohle — „ 8 „ 

* 6. Kohlenschiefer — „ 6 „ 

7. Gelblicher Thon mit eingemengtem Sand 12 „ 6 „ 

8. Kohlenschiefer 1 „ 6» 

9. Gelber Thon 27 „ — „ 

10. Feinkörniger, grauer Sandstein ... 4 „ — „ 

11. Blaulichgrauer Thon 6 „ — „ 

12. Rother Thon ......... 2 „ — „ 

13. Blaulichgrauer Thon . . . . . . 3 „ — „ 

14. Rother Thon 15 „ — „ ' 

15. Feinkörniger, grauer Sandstein ... 1 „ 6 „ 

16. Braunkohle 3 „ 4 „ 

17. Feinkörniger, grauer Sandstein ... 1 „ 4 „ 

18. Kohlenschiefer 1* 4 „ 

19. Rother Thon 44 „ — „ 

Das zweite Bohrloch, 44 Lachter weiter nördlich vom 
ersten gestossen, hat folgende Schichten durchsunken: 

1. Flugsand 7 Fuss — Zoll 

2. Blaulichgrauer Thon 2 „ — „ 

3. Braunkohlenflötz 1 „ 1 „ 

4. Gelber, loser Sand 7 „ 6 „ 

5. Braunkohle — „ 8„ 

6. Gelber, loser Sand 18 „ 4 „ 

7. Blaulichgrauer Thon 7 „ 6 „ 

8. Grobkörniger Sandstein ..... 2 . „ 6 „ 

9. Feinkörniger Sandstein 1 „ — » 

10. Blaulichgrauer Thon 7 „ 6 „ 

11. Rother Thon 11 „ — „ 

12. Blaulichgrauer Thon 2 „ 6 „ 

13. Grobkörniger Sandstein 2 „ 1 „ 

14. Braunkohle 1 n 4„ 

15. Blaulichgrauer Thon 2 „ 6 „ 

16. Feinkörniger, grauer Sandstein ... 2 „ 8 „ 

17. Blaulichgrauer Thon 1 r> ^ » 



237 



18. Feinkörniger Sandstein ..... 10 Fuss — Zoll 

19. Blaulichgrauer Thon 3 „ — „ 

20. Rother Thon 1 „ — „ 

Aus den angeführten beiden Bohrregistern ergiebt sich, 

dass die sogenannten Moorkohlenflötze mitten in den rothen 
Thonen eingelagert sind und mit denselben ein Ganzes bilden 
und somit dem Keuper angehören. In dem grauen Thone des 
Inferior-Oolite , der Lager von thonigem Sphärosiderit enthält, 
wurde niemals ein Lager von Kohle entdeckt; nur hier und da 
wurden einzelne Kohlenstücke oder Aeste gefunden, wie bei 
Dombrowa unfern Wielun und im Eisensteinflötze von Kostrzyna 
unfern Krzepice. An vielen Punkten trifft man mitten im 
rothen Thone sich austeilende Flötze von Braunkohle oder 
alten, verlassenen Bergbau auf Braunkohle, wie bei Stara Hutta 
unfern Pinczyce, Nierada, in den Wäldern von Kromolow, 
bei Wysoka Pilicka u. s. w. Der Mangel an thierischen 
Ueberresten ist aber charakteristisch in Polen für den Keuper, 
niemals gelang es mir eine thierische Spur zu finden. 

Ich kann nicht unterlassen, hier die Beschreibung eines 
der interessantesten Durchschnitte, in dieser Gegend folgen zu 
lassen, des Durchschnittes von Wysoka Pilicka und von Cien- 
gawice, wo einige Juraglieder die Keuperbildungen bedecken. 
Wysoka Pilicka und Ciengawice erstrecken sich auf zwei läng- 
lichen Rücken , die sich von SW. gegen NO. hinziehen und 
durch ein enges, ziemlich tiefes Thal getrennt werden. Der 
obere Theil dieser beiden Rücken ist aus 1) w eis s em, dichten, 
geschichteten Jurakalk zusammengesetzt und gehört zu der Ab- 
theilung weisser Jura ß von Quenstedt; er wird durch aus- 
gezeichnete Ammoniten charakterisirt , wie Am. cordatus, cana- 
liculatus, perarmatus, biplex, convolutus, Pecten subarmatus Goldf., 
Bhynchonelia lacunosa, Terebratula nucleata. Ob unter dieser 
Schicht die merglige a. vorkommt, Hess sich nicht genau er- 
mitteln; soviel ist sicher, dass dieselbe etwas weiter westlich 
sehr entwickelt ist, wie bei Niegowoniec, Rodaki, Pomorzany. 

Unter dem weissen Jura folgt 

2. Gelbbrauner Thon mit nicht zusammenhängenden 
Lagern von Eisenoolith und bei Ciengawice durch Ammonites 
Jason, Am. Orion Op., Terebratula pala, bei Wysoka Pilicka durch 
Bhynchonelia varians charakterisirt. Diese Formen zeigen, dass 
hier Kelloway sich entwickelt hat. Das Lager ist nicht 



238 



mächtig, 4 Fuss, höchstens 6 Fuss; anderwärts kann man es 
nicht beobachten, aber Grabungen an mehreren Punkten, die 
ich ausführen Hess, haben die braune Schicht immer aufgedeckt. 

3. Grauer Thon folgte unmittelbar unter dem hell- 
braunen, etwa 20 Fuss mächtig. Hier und da finden sich im 
Thone kleine Knollen von thonigem Sphärosiderit, ganz ähnlich 
denen von Wllodowice; sie geben den Beweis, dass dies eine 
Schicht desInferior-Oolite ist, wenn auch keine Versteinerungen 
gefunden sind. 

4. Weisser Sand, ganz rein, seltener mit eingemeng- 
ten Blättern von silberweissem Glimmer. Stellenweise finden 
sich darin dunkelbraune Flecken von Brauneisenstein, die manch- 
mal einen zusammenhängenden Sandstein ausmachen, wenn das 
färbende Mineral sich bedeutender anhäuft; besonders am nörd- 
lichen Abhänge von Wysoka Hessen sich diese Flecken be- 
obachten. In den Waldungen von Poremba nahe an den Wirt- 
schaftsgebäuden hat sich im losen Sande Brauneisenstein in 
solcher Quantität concentrirt, dass er gewonnen und im Hoch- 
ofen (1864) verschmolzen wurde. 

6. Rother Thon, öfters braunroth oder grünlichgrau 
gefleckt, ist mächtig entwickelt und bedeckt die ganze Ebene 
bis nach Chroczobrod , wo braune Muschelkalkdolomite ihn 
begrenzen. In den Waldungen von Wysoka in der Richtung 
gegen Siewierz sind alte , verlassene Baue auf Moorkohlen 
deutlich zu beobachten. 

In dem ähnlichen Durchschnitte von Ciengawice kommen 
die rothen Thone nich£ zu Tage, nur die sandige Schicht er- 
scheint. Aus den beiden Durchschnitten von Wysoka Pilicka 
und Ciengawice ergiebt sich klar, dass in Polen der Jura mit 
dem Inferior- Oolite anfängt, den mehrere Ammoniten , wie 
Am. Parkinsoni, Morrisii Op. , linguiferus charakterisiren , und 
dass keine Spur des Lias sich zeigt. Gewöhnlich bedecken diese 
Jurathone die rothen Keuperthone , ausnahmsweise in der 
Gegend von Krzeszowice den alten Kohlensandstein, bei Sanka 
rothe Porphyre. Im ganzen Osten von Europa, von Popielany 
in Lithauen und in Kurland angefangen , im ganzen mittleren 
europäischen Russland und in seinen östlichen Grenzen bei 
Symbirsk, bei Ileckaja Zaszcryta unfern Oremburg nach den 
Untersuchungen von v. Eichwald , Grewingk , Träutsohold, 
Hoffmann findet sich keine Andeutung von Lias ; nur 20 Meilen 



239 



südlich von dem oberen Warthathale hat sich im Tatragebirge 
ungemein mächtig der Lias entwickelt, dessen Kalksteine und 
Dolomite durch Ammonites Walcotti, Bucklandii, serpentinus 
charakterisirt sind. Auf dem ganzen nördlichen Abhänge der 
Tatra sind die Liaskalke von Nummuliten - Dolomit bedeckt, 
letzterer aber von eocänem Karpathensandstein, aus dem in 2 
bis 3 Meilen weiter Entfernung rothe Kalksteine durch Tere- 
bratula diphya. und graue, mergelige Kalksteine, durch Ammo- 
nites tatricus charakterisirt, hervorbrechen. Diese gehören den 
oberen und mittleren Gliedern des Jura an, stehen aber sonder- 
barerweise in keiner Verbindung mit dem polnischen Jura; die 
rothen Kalksteine von Czorsztyn , Rogoznik entsprechen wohl 
dem Obersten des weissen Jura, die grauen Kalksteine aber 
mittleren Abtheilungen des braunen Jura. 

Ich habe früher geglaubt, dass die grauen Thone mit 
Schichten und Knollen von thonigem Sphärosiderit eine untere 
Schicht des Kelloway bilden; einige Formen haben mich dazu 
verleitet, wie Belemnites calloviensis Op., den ich von B. bessinus 
d'Orb. zu unterscheiden nicht im Stande bin, dann Trochus 
bitorquatus Hebert, Deslongchamps , der dem von Montrenil 
Beilay vollkommen entspricht; aber eine grössere Anzahl von neu 
aufgefundenen Versteinerungen und eine sorgfältige Vergleichung 
in den Sammlungen der Ecole des Mines und der Sorbonne in 
Paris haben ergeben , dass die grauen Thone dem Inferior- 
Oolite, die Eisen-Oolithe, braunen Kalksteine und Sandsteine, 
welche den Thon bedecken, in den unteren Theilen dem Great- 
Oolite, in den obern dem Kelloway angehören. 

Die grauen, mächtig entwickelten Thone sind hauptsäch- 
lich durch charakteristische Cephalopoden bezeichnet. Am 
häufigsten findet sich Ammonites Parkinsoni, viel seltener Am. 
Garantianus d'Orb., dann Am. linguiferus d'Orb., Am. Morrisii 
Op., Belemnites bessinus d'Orb., B. BeyrichiOp., B. giganteus, Pho- 
ladomya Murcliisoni Sow., Trigonia zonata Ag. (Tr. interlaevigata 
Quenst.), Astarte Parkinsoni Quenst. Diese Reihe von Ueberresten 
bezeichnet die obere Schicht des Inferior-Oolite. An manchen 
Punkten werden diese Thone von einem dünnen, nur 2 bis 
3 Fuss starken Lager von thonigem Sphärosiderit bedeckt, wie 
bei KrzyweRzeka unfern Wielun, Parkoszewice bei Wllodöwice. 
An ersterem Orte enthält der Eisenstein einen sehr grossen 
Reichthum an Versteinerungen; alle sind Formen des grauen 



240 



Thones oder des Inferior- Oolite. Auf dem grauen Thone des 
Inferior-Oolite folgt eine braune Schicht, die in verschiedenen 
Gegenden aus einer verschiedenen Felsart besteht; an ihrem 
südlichen Ende ist es ein brauner, krystallinischer Kalkstein, 
der ursprünglich bläulichgrau war und durch Umwandlung des 
Eisenoxyduls in Eisenoxydhydrat verändert wurde; in der Mitte 
sind es braune Eisenoolithe, am nördlichen Ende braune Sand- 
steine, die in Quarzfels übergehen. Obgleich diese braune Schicht 
nur 6 — 8 Fuss mächtig ist, so besteht sie doch aus zwei Ab- 
theilungen, von denen die untere den unteren Schichten des 
Great-Oolite oder der Füllers earth angehört,' die obere aber dem 
Kelloway. Obgleich eine Trennung des Gesteines nicht wahr- 
nehmbar ist, hauptsächlich in den Eisenoolithen, so entscheiden 
dennoch die organischen Ueberreste, die zwei verschiedenen Zonen 
angehören. In der unteren Abtheilung oder in der Fullersearth 
sind mehrere bezeichnende Ammoniten vorgekommen, wie Am. 
Orion Op. , Am. funatus Op. , Am. curvicosta Op. , Am. fuscus 
Op., Am. biflexuosus d'Orb., Belemnites hastatus Bl., B. bessinus 
d'Orb., Pholadomya Murchisoni, P. media Ag., Cardita Luciensis 
Desh. (Hippopodium Luciense d'Orb.), Avicula Münsteri Bronn, 
Pecten textorius Goldf., Rhynchonella decorata, Terebratula ca- 
rinata Lam., Ter. Phillipsi Morris, Montlwaltia trocHoides. In 
der oberen Abtheilung sind Formen des eigentlichen Kelloway, 
wie Ammonites macrocephalus , A. hecticus Rein., Am. Jason, 
Rhynchonella Ferryi Desl., Glygmus polytypus Desl. 

Ohne dass man eine Veränderung im Eisenoolithe von 
Pomorzany bei Olkucz beobachten kann, finden sich in dieser 
beiläufig 8 Fuss dicken Schicht zuunterst Formen der Fullers- 
earth, darüber des Kelloway. Dasselbe .wiederholt sich im 
Eisenbahndurchschnitt von Baiin , wo ebenfalls Formen aus 
unteren und oberen Zonen gefunden wurden. In Blanowiec, 
Rudniki, Ciengawice, Chorun sind Formen des Kelloway be- 
kannt; in Zajaczki, Krzepice, Wielun im braunen Sandstein 
Formen der Fullersearth; im ähnlichen Sandstein von Klo- 
bucko findet sich Ammonites macrocephalus. 

Ueber der braunen Schicht haben sich die Glieder des 
weissen Jura in der Folge entwickelt, wie sie in dieser Zeit- 
schrift Band XVI. S. 574—579 beschrieben wurde. 



241 



3. Heber de*) Enargit aus Mexiko und einen neuen 
Fundort des Berthierits. 

Von Herrn C. Rammelsberg in Berlin. 

Im Jahre 1850 beschrieb Breithaupt (Poggendorff's An- 
nalen Bd. 80 S. 383) ein neues Erz, welches zweigliedrig 
krystallisirt und nach einem Prisma von 98° 11' sehr 
vollkommen spaltbar ist. Er nannte es Enargit und gab als 
Fundort den St. Francisco - Gang zu Morococha im District 
Jauli der peruanischen Cordillere an, wo es auf Kupfer ver- 
hüttet wird. Später hat Dauber (Poggendorff's Annalen Bd. 92, 
S. 237) die Krystalle des Enargits genau gemessen, während 
Plattner (a. ob. a. 0.) das chemische Verhalten und die Zu- 
sammensetzung ermittelte, wonach Schwefel, Arsen und Kupfer 
die Bestandtheile des Minerals sind, dieselben Elemente, welche 
auch den begleitenden Tennantit bilden. 

Allein der Enargit ist nicht auf jenen Fundort beschränkt. 
Breithaüpt vermuthet, dass er auch auf der Freiberger Grube 
Junge-hohe-Birke vorkomme, von welcher man das als Kupfer- 
• blende bezeichnete Arsenfahlerz kennt; später analysirte Genth 
ein prismatisch spaltbares Erz aus Südcarolina (Brewers-Grube, 
Chesterfield Co, Am. J. of Seil. Ser. XXXIII. 420), welches 
der Analyse nach Enargit sein muss; Taylor eins von der 
Grube St. Anna in Neu-Granada (ibid. XXVI. 349), Field ein 
solches von Guayacana in Chile (ibid. XXVII. 52) und v. Ko- 
bell ein derbes , nach einem Prisma von 98 Grad spaltbares 
Erz von der Grube Hediondas, Coquimbo in Chile (Anz. d. 
bayer. Akad. 1865. 161), sämmtlich durch die Analysen als 
Enargit bezeichnet. 

Ich kann noch einen anderen und zwar mexikanischen 
Fundort den genannten hinzufügen nach der Mittheilung des Hrn. 
Dr. Krantz, dem ich das Material verdanke, nämlich die Halde 
einer Grube im Revier Milpillas, sieben Leguas von Cosihui- 
rachi (Cosihuiriachic). Es ist derb und blättrig; in Drusen- 

Zeits.d.d.geol.Ges.XVIII.2. 16 



242 



räumen sitzen kleine, glänzende Krystalle, die zu einigen be- 
stätigenden Messungen gedient "haben. Es sind flache Ta- 
feln, gebildet aus der Hexaidfläche a, dem Spaltungsprisma 
p == a : b: oo c, dem zweifach und dreifach stumpferen, p 2 = a : 2b : oo c, 
p 3 — a: 3b: oo c, und der Endfläche c. 

Geht man von Dauber' s Messungen aus, wonach a:b:c 



0,8712:1:0,8248 ist, so hat man; 



p an a 
„ b 



"Berechnet: 



= 97° 53' 



Rg 



82° r 



a — 

. ^2 



P 
P 

p 2 :a 
p-:p 
p':p 
p 3 :a 
p':p 



an a = 



138° 56' 
132 56 



156 
162 
147 
163 
155 



28 
28 
38 
49 
7. 



Beobachtet : 
Dauber Breithaupt 
98° 11' 

81° 50' 
bis 82° 15' 
138 55 

155—158 
162° 25 

163 50 



Das Volumgewicht des Enargits ist 

4,43 — 4,44 Breithaupt 



Peru 



4,362 
4,39 
4,37 



Chile 
Chile 
Mexiko 4,507 
Das mexikanische Erz 
enthält hier und da etwas Schwefelkies. 

Die Resultate der frühern Analysen sind 



ist 



Kenn gott 
Field 

V. KOBELL 

Rg. 

von Quarz durchwachsen 



und 





1. 


2. 


3. 


4. 


5. 




Plattner- 


Genth 


Taylor 


Field 


V. KOBELL 


Schwefel 


32,22 


33,78 


34,50 


31,82 


32,11 


Arsen 


17,60 


15,63 


16,31 


19,14 


18,10 


Antimon 


1,61 




1,29 




0,05 Tellur 


Kupfer 


47,20 


50,59 


46,62 . 


48,50 


48,89 


Eisen 


0,56 




0,27 




0,47 


Zink 


0,23 




98,99 


99,46 


99,62 


Silber 


0,02 












99,44 


100. 








Das 


mexikanische Erz 


wurde von 


Herrn 


Dr. Luthe (a) 


und von 


mir (b) analysirt. 









243 



Nach Abzug 





6. 
a. 


b. 


Schwefel 


31,86 


32,45 


Arsen 


17,17 


15,88 


Kupfer 


50,08 


49,21 


Eisen 


0,09 


1,58 




99,20 


99,12. 


des Eisens als 


Schwefelkies 




a. 


b. 


Schwefel 


31,82 


31,73 


Arsen 


17,20 


16,45 


Kupfer 


50,19 


50,94 




99,21 


99,12. 



Ist S = 32, As =75, Cu=63,4, so ist das Atomver- 
hältniss 



. As- 


Cu 


: S 


As,Cu 


: S 


4 = 1 


3,0 


3,9 


= 1 


0,97 


1 = 1 


: 3,1 


: 4,0 




: 0,97 


5 = 1 


: 3,2 


: 4,2 




: 1 




3,24 


3,9 




0,92 


6 = 1 


3,5 


: 4.4 




0,98 


2 = 1 


: 3,8 


5,0 




1,04 



In allen Abänderungen ist also 1 Atom (Cu, As) gegen 
1 Atom S vorhanden. 

Die Reinheit des Materials und die Richtigkeit der Ana- 
lysen Torausgesetzt, schwankt aber das Verhältniss von As:Cu 
und scheint = 1:3 (in 1, 3, 4, 5) * 
= 1 : 3,5 (in 6) 
= 1:4 (in 8). 
. Die Formeln 

Cu^As S 4 Cu 7 As 2 S 9 Cu 4 As S 5 
geben: Schwefel 32,55 32,66 32,75 

Arsen 19,08 17,01 15,35 

Kupfer 48,37 50,33 51,90 

100. 100. 100. " 

Die Differenz dieser Formeln liegt wahrscheinlich in dem 
wechselnden Verhältnis s von Cu S und Gu S, 

Cu 4 i Cu 5 ) Cu 6 l 

Ou ls 8 , Cu ls 9 , Cu IS 10 . . 

As-J As 2 ) As 2 ) 



244 



Diese Ausdrücke sind jedenfalls denen vorzuziehen, welche 
As 2 S 5 in- dem Erz voraussetzen, weil nur der erste sich in 

umsetzen lässt, die beiden anderen jedoch auch dann 



Cu i Cu 4 
€u 3 l S 9 und Ou 2 



sein würden. 



As 2 j ' As 2 



Vielleicht ist der Tennantit lediglich 



Als Boulangerit theilte mir Herr Geh. Bergrath Bürkart 
ein derbes , fast dichtes Mineral vom Real San Antonio in 
Nieder-Californien mit, welches jedoch Berthierit ist, ein 
Volumgewicht == 4,062 hat und aus 

Schwefel 29,12 
Antimon 56,61 
Eisen 10,09 
Mangan 3,56 
"99^8 

besteht, mithin dem von mir früher analysirten von Bräunsdorf 
gleich und 

ist. 



245 



4. Heber die Neocomschichten Russlands. 

Von Herrn Ed. v. Eichwald in St. Petersburg. 

Hierzu Tafel II. 

Während das Studium der Paläontologie in Deutschland 
mit jedem Jahre mehr Anhänger gewinnt, scheint ihre Zahl in 
Russland immer geringer zu werden. Die Ursache mag wohl 
darin liegen, dass einige der bessern Paläontologen sich ad- 
ministrativen Aemtern zuwenden oder Landwirthe werden, 
andere die Naturwissenschaften nur nebenbei treiben, und dass 
Zoologie , Botanik und vergleichende Anatomie nicht mehr in 
dem Grade öffentlich gelehrt werden, als es früher der Fall war. 

Mit Pallas hatten die Naturwissenschaften in Russland 
festen Fuss gefasst. Seine vielen Reisen in zoologischer, bo- 
tanischer und mineralogischer Hinsicht hatten das grosse Reich 
nach allen Richtungen hin kennen gelehrt und es in die Reihe 
wissenschaftlich untersuchter Staaten gestellt. 

Mit dem Anfange dieses Jahrhunderts erwarb sich nach 
Pallas Gotthelf Fischer yon Waldheim die grössten Ver- 
dienste um die Paläontologie und die Naturwissenschaften 
überhaupt durch Stiftung der naturforschenden Gesellschaft in 
Moskau , die den Naturforschern Russlands Gelegenheit gab, 
ihre Untersuchungen ' der Oeffentlichkeit zu übergeben und sie 
zu. einem Ganzen zu vereinigen. Die grosse Humanität Fischer's 
verschaffte ihm bald allgemeine Liebe und Achtung, und Alt 
und Jung bemühte sich, das von ihm ausgehende, wissenschaft- 
liche Streben , Russland in naturwissenschaftlicher Hinsicht 
kennen zu lernen, immer mehr zu erweitern. Moskau blieb 
das punctum saliens der russischen Naturforschung, so lange 
es Fischer's Humanität belebte. 

Viele Schüler Fischer's, wie Rouillier, Fahrenkohl, Auer- 
bach, Graf Czapski, Wossinski und andere Gelehrte, wie Frears 
und Peter Jazykow, nahmen Theil an seinen paläontologischen 
Untersuchungen und bereisten zu verschiedenen Zeiten Moskau 



246 



und die nangelegenen Gouvernements. So entstand dieOryc- 
tographie von Moskau, die Fischer' s Namen als Paläon- 
tologen auch in den fernsten Westen hinübertrag. 

Durch dies Werk ward bald darauf der ausgezeichnetste 
Paläontolog der damaligen Zeit, Leopold v. Büch in Berlin, 
angeregt, Russland in geologischer Hinsicht kennen zu lernen, 
und er wandte sich an das Berginstitut in St. Petersburg mit 
der Bitte, ihm Versteinerungen aus den verschiedensten For- 
mationen Russlands zu übersenden. Ich erhielt, als Professor 
der Paläontologie am Berginstitut, den Auftrag, sie näher zu 
bestimmen, und so wurden sie Herrn v. Buch übersandt. Schon 
im Jahre 1840 lieferte er in seinen Beiträgen zur Bestimmung 
der Gebirgsformationen in Russland eine ausführliche Beschrei- 
bung derselben. 

In diesen Beiträgen finden wir der Kreidebildung des 
Gouvernements Moskau mit grosser Sicherheit gedacht und 
bewundern um so mehr den Scharfblick v. Buch's , da er auf 
sie nicht durch Autopsie, sondern nur aus den Beschreibungen 
Marqüart's und Fischer's zu schliessen angewiesen war. 

„Die Oka bestimmt, sagt L. v. Buch 1. c. pag. 68 , die 
Grenze des Vorkommens und der Verbreitung des Bergkalks. 
Südlicher entwickelt sich immer mehr die Kreide, welche sich 
endlich fast über alle südlichen Statthalterschaften ausdehnt. 
Spuren dieser Formation erscheinen aber schon in der Stadt 
Moskau selbst, und von der Moskwa herauf, vorzüglieh bei 
Tatarowa (s. Fischer pag. 92). Schwarze, sehr kiesige Schiefer 
enthalten hier viele Bruchstücke von Ammoniten mit farben- 
spielenden Schalen und auch eine grosse Menge von Belem- 
niten. Die Ammoniten mögen wohl dem grössern Theile nach 
zu dem von Dr. Marquart zuerst bekannt gemachten Ammo- 
nites virgatus gehören (s. Reise nach dem Norden durch Fiebig. 
1790. pag. 590). Pecteti quinqueco Status, welcher für die For- 
mation entscheidend ist, und Terebratula diphya finden sich in 
Marqüart's Werk abgebildet von Choroschowo; dies ist un- 
gefähr die nördlichste Grenze in Russland, in welcher noch 
irgend eine Schicht der Kreideformation aufgefunden worden ist." 

„Dass auch Schichten der Juraformation in der Nähe von 
Moskau vorkommen sollten, ist nicht erwiesen und bleibt sehr 
zweifelhaft." 

Und in der That ist der Jurathon an der Moskwa nur in 



247 



grosser Tiefe und in geringer Entwicklung sichtbar; er wird 
überall von zwei andern Formationen , der unteren Neocom- 
schicht mit Ammonites virgatus und der oberen mit Aucella 
mosquensis überlagert , so dass eine geognostische Karte des 
Gouvernements Moskau in der Nähe der Hauptstadt nur die 
untere Kreidebildung, nirgends Juraschichten anzeigen müsste. 

Ganz andere Resultate in geologischer Hinsicht lieferte 
die bald darauf unternommene Expedition J. R. Murchison's 
und seiner Begleiter; er nahm im Gouvernement Moskau nur 
Jurabildung an und liess die Kreide überall weg; selbst die 
Sandsteine von Tatarowa und Kotelniki , die er früher als 
tertiäre beschrieben hatte, wurden nunmehr zu den obersten 
Schichten der Oxford-Etage gerechnet.*) 

Worauf stützte sich jedoch, frage ich, die Annahme Mur- 
chison's von dieser Jurabildung im Gouvernement Moskau, in 
der Nähe von Choroschöwo ? Auf einige neue Arten von 
Muscheln aus der Umgegend von Moskau , die nach Herrn 
d'Orbigny auch in der Juraformation von Frankreich vor- 
kommen, wie z. B. der Astarte Duboisiana d'Orb., der Pano- 
paea peregrina d'Orb., der Perna quadrata Sow., der Ehyncho- 
nella oxyoptycha Fisch., der Terebratula Boyeriana d'Orb. u. a., 
die sich jedoch von den französischen Juraarten bei näherer 
Vergleichung in mancher Hinsicht unterscheiden. 

Zu den die Jurabildung beweisenden Fossilien gehören 
nach d'Orbigny noch folgende Arten, die er offenbar mit Un- 
recht mit bekannten identificirt: 

Ammonites Koenigii Sow.**) aus der Neocomschicht von 
Choroschöwo; diese Art ward von mir im Jahre 1846 in 
meiner (in russischer Sprache herausgegebenen) Geognosie 
Amm. nodiger genannt, da es nicht Amm. Koenigii ist, der auf 
dem Rücken eine tiefe Furche hat, welche die Rippen von ein- 
ander trennt. Ich habe aus dem britischen Musum durch eine 
paläontologische Freundin, Madame Cattley, unlängst den 
typischen Amm. Koenigii aus dem englischen Kelloway erhalten 
und mich vollkommen überzeugt, dass diese Art bei Moskau 
nicht vorkommt, und dass aus ihr also bei Moskau auf Kello- 
way nicht geschlossen werden kann. 

*) Russia and thc Ural mountains 1. pag. 258. 
**) s. de Verneüil, Paleont. de la Russie. pag. 436. PI. 35. 
Fig. 1-6. 



248 



Pecten demissus Bean. bei d'Orbigny in de Verneüil, Pa- 
leont. de la Russie Taf. 41. Fig. 16—19 und 

Pecten nummularis Phill. 1. c. Taf. 41. Fig. 20 — 23 sind 
nicht diese englischen Juraarten, sondern gehören beide zu 
Pecten orbicularis Sow. aus der Kreide Englands; die glatte 
Schale ist die rechte und die concentrisch gefurchte die linke 
des Pecten orbicularis , wie dies deutlich durch vollständig er- 
haltene und aus beiden Schalen bestehende Exemplare von 
Choroschowo bewiesen wird. 

Pecten lens (Sow.) ist nicht die Juraart, sondern eine neue, 
die ich Pecten zonarius nenne (s. Lethaea rossica, Periode moyenne 
Taf. 20. Fig. 10). Der irrig bestimmte Pecten lens d'Orb. bei de 
Verneüil, Paleont. de la Russie 1. c. Taf. 42. Fig. 1 — 2 hat keine 
concentrischen Streifen auf der Oberfläche, sondern feine con- 
centrische Leisten , die inwendig röhrenartig hohl sind und 
daher beim Abreiben als zwei Blätter oder Streifen erscheinen, 
wie sie auch in der Fig. 1—2 der Taf. 42 von d'Orbigny deut- 
lich angegeben sind. Sie bilden nicht einen Streifen, sondern 
zwei, wie dies bei Pecten lens nie vorkommt. Nächstdem hat 
diese Art auch ein anderes Ohr, das nie so schmal in die 
Länge gezogen und so tief ausgeschnitten ist; auch fehlen der 
Art von Choroschowo die punktirten Furchen. 

Exogyra reniformis (Goldf.) 1. c. Taf. 42 Fig. 9 — 10 der 
Paleontologie de la Russie aus dem Grünsande von Saragul 
bei Orenburg ist nicht die Juraart, sondern die Exogyra laciniata 
Goldf. aus der Kreide von Aachen, wie sie von Goldfuss 
Petref. Germ. II. Taf. 86 Fig. 12 c abgebildet ist; sie findet 
sich auch im Thone von Ssimbirsk, wo sie ebenfalls als Exogyra 
reniformis (Goldf.) bestimmt ist, aber zur laciniata gehört, die 
zur Exogyra conica hinneigt. 

Gervillia aviculoides (Sow.) d'Orb. bei de Verneüil, Pa- 
leont. de la tlussie Taf. 41. Fig. 14 — 15 aus dem sogenannten 
Jura von Isjum ist nicht diese Jura -Art, sondern eine neue 
Kreideart, die ich Gervillia volucris nenne, weil sie aus der Mergel- 
kreide von Isjum stammt und nicht aus der Juraetage, die tiefer 
liegt. Die Gervillia aviculoides (bei Goldfuss 1. c. Taf. 115 Fig. 8) 
ist noch einmal so gross und viel dicker als die kleine Gervillia 
volucris, die etwas nach .aufwärts gebogen ist; der vordere 
Flügel vereinigt sich unter einem stumpfen Winkel und nicht 



249 



in gerader Linie mit dem längeren Hinterflügel; auch sind die 
Bandgruben noch einmal so zahlreich in der Juraart als in 
der volucris aus der Kreide, die nur drei ungleich von einan- 
der abstehende Bandgruben besitzt. 

Schon im Jahre 1846 hatte ich in meiner Geognosie von 
Russland den Sandstein von Wydkrino und Tatarowo als zur 
Kreidebildung gehörig bestimmt und dazu auch den grauen 
Sand mit Glauconitkörnern von Choroschöwo gerechnet; ich 
hatte ferner des Kreide - Sandsteins von Klin mit den vielen 
Pflanzenresten und des Kreide-Sandsteins von Kotelniki mit 
den fossilen Seemuscheln erwähnt, ohne diese ausführlich zu 
beschreiben; ich verschob dies für meine Paläontologie von 
Russland- und nannte damals nur ganz kurz die Cucullaea an- 
gularis m. , Anopaea *) lobata Auerb. sp. , Inoceramus antiquus 
m. und Plagiostoma Fischeri m., die sich dort als Steinkerne 
finden und bisher nicht im unterliegenden Jura vorgekommen 
waren. Ein Herr Trautschold, der, mir damals ganz unbe- 
kannt, späterhin Lector der deutschen Sprache an der Univer- 
sität Moskwa ward, machte mir im Bulletin des Naturalistes de 
Moscou für 1858 die eben durch Nichts erwiesene Bemerkung, 
dass ich Unrecht hätte, die Wealdenbildung (?) von Klin und 
Tatarowo mit dem Sandstein von Kotelniki zu vereinigen, und 
meinte, ich führe fossile Muscheln auf, die den Gelehrten Mos- 
kaus völlig fremd sind; er bäte daher um eine ausführliche 
Beschreibung dieser Arten, deren Namen allein nicht im Stande 
wären, ihre Neugierde zu befriedigen. 

Aus Mangel an Zeit antwortete ich auf diese unfreund- 
lichen Bemerkungen erst im Jahre 1861 im Bulletin des Na- 
turalistes de Moscou Nr. III; ich beschrieb alle jene fossilen 
Muscheln ausführlich und fügte noch andere hinzu, vorzüglich 
die fossilen Pflanzen von Klin, von denen ich die Pecopteris 
Murchisoniana Goepp. mit der Weichselia Stiehl, aus dem Quader- 
sandsteine des Harzes für identisch erklärte und daraus auf 
eine Kreidebildung zu schliessen mich für berechtigt hielt, da 
ich noch ausserdem die Geinüzia cretacea in dem Muscites 
squamatus Bro^GN. zu erkennen glaubte. 



*) Als Druckfehler steht dort Panopaea lobata (s. die Geognosie 
von Russland pag. 515. St. Petersburg. 1846.); es sollte heissen 
Anopaea. 



250 



Zugleich erwähnte ich der Radioliten, die ich von Fischer 
als Cibicides Bozowii und Enargetes in seiner Öryctographie auf- 
geführt und abgebildet*) sah. Ich fügte zu ihnen noch die 
Beschreibung eines anderen Fossils, das von H. Rouillier für 
ein Antophyllum, von H. Trautschold als Pleurophyllum be- 
nannt, von ihnen also fälschlich zu den Korallen gerechnet 
wurde. Ich besass selbst ein schönes Exemplar, das ich hier 
in der Abbildung mittheile (s. Tafel II. Fig. 1.) und, durch die 
FisCHER'schen Radioliten verleitet, ebenfalls für einen Rudisten 
hielt, da die verkehrt kegelförmige Unterschale mir von einem 
Deckel bedeckt zu sein schien. Ich überzeugte mich jedoch 
späterhin durch ein Exemplar, das mir Dr. Auerbach aus 
seiner Sammlung in Moskau übersandte, und das ich hier 
(Fig. 3 a — c) abbilden lasse, dass die Aehnlichkeit mit einem 
Spongiarien viel grösser sei als mit einem Rudisten und da- 
her beschrieb ich in meiner Lethaea rossica, Periode moyenne, 
diese beiden Spongiarien als Cephalites und Ventriculites, 
d. h. als Gattungen , die eben so gut wie die Rudisten bisher 
nur in der Kreide vorgekommen sind und der Jurabildung als 
ganz fremd angesehen werden. Ich gebe von beiden Arten 
Abbildung und Beschreibung, wie folgt: 

Cephalites v entric o sus m. Taf. II. Fig. 1 a. b. 

Badiolites (Turrilites) ventricosus Geognosie von Russland. 
1846. pag. 490 und Bull, de Mose. 1861. Nr. 3. 

Cephalites ventricosus m., Lethaea rossica, vol. II. Stuttgart 
1865 und Bull, de Mose. 1865. Nr. III. 

Der verkehrt kegelförmige, oder vielmehr trichterförmige 
Körper ist in der Mitte verdickt, bauchig und hat auf der 
Oberfläche unterbrochene Längsrippen, die sich nach oben hin 
am Rande umbiegen und in ein stumpfes Ende übergehen, 
das nirgends die innere Höhle deutlich zeigt. Es war daher 
wohl möglich , einen Rudistendeckel da anzunehmen , wo die 
Querfurchen in gleicher Höhe die Längsrippen durchsetzen 
und undeutlich abtheilen. Die zellige Struktur, von vielfachen 
kurzen Kanälen durchsetzt, schien ebenfalls dafür zu sprechen 
und so ward die Art von mir mit dem Badiolites angeiodes Lam. 



*) S. Öryctographie de Moscou pag. 1*28, Taf. 14 und pag. 182, 
Taf. 29. 



251 



verglichen , der eine ähnliehe Gestalt und ähnliche Längs- 
rippen besitzt. Dieser Vergleich schien um so mehr statthaft, 
als ich in dem Cibicides Bozowii Fisch, die nächste Verwandt- 
schaft mit dem Badiolites agariciformis d'Orb. und in dem 
Enargetes Fisch, den Steinkern des Badiolites polyconilites d'Orb. 
sah. Jedenfalls war da an keine Koralle zu denken, obgleich H. 
Trautschold sagt*), er werde den Beweis führen, dass sein 
Pleurophyllum eine ächte Koralle sei, und wirklich heisst es 
weiter unten, er habe die vollständige Ueberzeugung, dass seine 
Ansicht von dem Wesen des Fossils die richtige sei. „Es ist 
entschieden eine Koralle. Von der Axe des Fossils gehen 
nach dem Umfange Blätter; diese Blätter, welche aus senk- 
recht über einander liegenden Rippen bestehen, erleiden keine 
Unterbrechung vom Gipfel bis zum Fusse", und „die Höhlung sei 
durch Herausfallen der Axensäule entstanden u. s. w." Nun 
ist's aber ganz unbezweifelt eine Spongiarie, in der weder Axe, 
noch senkrechte Blätter vorhanden sind , folglich ist die An- 
nahme einer Koralle eben so unrichtig als die eines Rudisten, 
und es bleibt nur übrig, in dem Fossil eine Spongiarie, einen 
Cephalites der Kreide zu sehen und dadurch die Annahme 
einer Neocomschicht zu erweisen, eben so gut, wie durch die 
Anwesenheit eines Rudisten. 

Die früheren Abbildungen scheinen sich alle auf diese 
Art zu beziehen. H. Rouillier bildete sie im Bulletin de la 
societe des naturalistes de Moscou 1849. Nr. II. PI. K. Fig. 54 
als Antophyllum ? ab und H. Trautschold als Pleurophyllum 
argillaceum im Bulletin für 1861. Nr. I. Diese Abbildung 
zeigt die Rippen schärfer, als sie in meinem Exemplare be- 
merkt werden. Die Wurzelausbreitungen der Cephaliten fehlen 
allen bisher entdeckten Exemplaren, die daher stets unvoll- 
ständig, unten abgebrochen sind. 

Ich gebe hier eine Abbildung von meinem Exemplare, das 
oben mit dem vertieften Rande versehen ist und einen Deckel 
zu haben scheint; die Abbildung ist ganz genau nach dem Ori- 
ginale, bei a ist die gewölbte Fläche mit der harten Stein- 
masse bedeckt. Die Fig. 1 b stellt ein Stück des vergrösserten 
Zellgewebes mit den dasselbe durchsetzenden Röhrchen vor; 
nirgends werden Nadeln der eigentlichen Spongien beobachtet. 

*) Bull, de Moscou 1. c. 1861. Nr. IV. pag. 437 und 448. 



252 



Die Höhe des Cephaliten beträgt 4 Zoll und seine Breite 
in der obern Hälfte 2j Zoll. 

Cephalites infundibuliformis m. Taf. II. Fig. 2 a — d. 

Die Oberfläche des trichterförmigen Körpers ist längs- 
gerippt; die Rippen sind schmäler und stehen gedrängter als 
in dem Cephalites ventricosus, wo sie dicker sind und breitere 
Furchen zwischen sich lassen. Die ästigen Wurzeln fehlen 
auch diesem Exemplare, das, wie die andern alle, unten ab- 
gebrochen ist und da selbst mehrere Schichten der kieseligen 
Schwammmasse übereinander liegend zeigt. Feine Röhren- 
mündungen durchsetzen die ganze Oberfläche und münden an 
der innern Wand der Höhle , wo sie ziemlich regelmässige 
Querreihen bilden. Der äussere Rand der Mündung dieser 
Höhle ist dick und zugerundet. Die Rippen scheinen durch 
die Schwammmasse durchzugehn und zeigen sich daher auch 
im Innern der Höhle. 

Die Fig. 2 a. zeigt den Cephalites in natürlicher Grösse; 
er ist 2y Zoll hoch und oben 2t Zoll dick. 

Die Fig. 2 b. stellt die trichterförmige Höhle in natür- 
licher Grösse dar; sie ist oben 10 Linien breit, und die Röhren- 
mündungen stehen in unregelmässigen Querreihen. 

Die Fig. 2 c. ist ein vergrössertes Stück des Zellgewebes 
mit den Röhrenmündungen bei d. 

Die Aehnlichkeit dieses Cephalites mit der Rudistengattung 
Barrettia Woodw. *) aus dem Hippuritenkalkstein von Jamaika 
ist sehr gross ; ihre dicken Wände sind von horizontalen und senk- 
rechten Kanälen durchzogen; ihr zelliger Bau und die einfache 
cylindrische Höhle vergrössern die Aehnlichkeit beider Gattungen, 
so dass die grosse Verwandtschaft der Barrettia mit dem rudisten- 
artigen Cephalites ventricosus sofort in die Augen springt. 
Vielleicht müssten daher die Rudisten mehr den Spongiarien 
als den Brachiopoden genähert werden. 

Ventriculites costatus m. Taf. II. Fig. 3 a — c. 

Der Schwamm ist breit-trichterförmig, sehr dickwandig, 
mit kurzen Längsrippen, die nicht bis zur Grundfläche herab- 



*) Barrettia, a new • fossil shell from the Hippurite limestone of 
Jamaika by S. P. Woodward, s. the Geologist. October 1862. PI. I et II. 



253 



steigen ; die Rippen sind ebenfalls unterbrochen, knotig und von 
ungleicher Länge; die Grundfläche ist unvollständig und zeigt 
keine ästigen Wurzeln, die sonst nicht fehlen dürften. 

Die innere Höhle ist sehr gross, und ihre Wand zeichnet 
sich durch längliche, meist dichtgedrängt stehende Warzen aus, 
die, durchbohrt, die Mündungen der den Schwamm durchsetzen- 
den Röhrchen enthalten, wie dies gerade Charakter der Ventri- 
culiten ist. Der Bau der innern Wand dieses Ventriculiten 
gleicht sehr dem Bau des Ventriculites radiatus aus der Kreide 
Englands. Das Zellgewebe ist unregelmässig und wird von 
vielen Röhrchen nach allen Richtungen durchsetzt. 

Das Ganze ist das Segment eines sehr breiten, fast teller- 
förmigen Schwammes , der sehr dicke Wände besass. Die 
Rippen erstrecken sich bis an den obern Rand, ohne über ihn 
hinüberzugehen oder sich im Innern zu zeigen, wie dies beim 
Cephalites bemerkt wird, dessen Wände aus den Rippen selbst 
gebildet werden. Hier besteht die Wand aus einer dichten, 
von Röhren durchzogenen Masse, die keine deutlichen Zellen 
zeigt. 

Die Dicke der Wand des abgebildeten Bruchstückes aus 
der Sammlung des Dr. Auerbach in Moskau beträgt 1 Zoll ; 
die Breite des Stückes 3 Zoll 9 Linien; seine Höhe fast 
3 Zoll. Die Breite der Höhle mochte 1 Zoll 9 Linien gewesen 
sein ; oben ist sie breiter als unten , wo sie verschmälert 
trichterförmig zuläuft. Das Bruchstück ist etwas kreisförmig 
gebogen und deutet einen breit -trichterförmigen oder teller- 
förmigen Körper an. Die 12 Rippen dieses Bruchstückes sind 
von verschiedener Länge; die längste beträgt 2 Zoll 5 Linien, 
die kürzeste nur 3 Linien. Eine oder zwei Rippen sind unter- 
brochen und nehmen die schmälere Grundfläche ein , die je- 
doch meist glatt, d. h. ohne Rippen ist. Da die Grundfläche 
abgebrochen ist, so fehlen auch hier die wurzelartig aus- 
laufenden , ästigen Fortsätze der Ventriculiten Englands. 

Die Fig. 3 a stellt den Ventriculiten von aussen , die 
Fig. 3 b von innen dar, beide in natürlicher Grösse; die 
Fig. 3 c zeigt ein vergrössertes Stück der Schwammmasse. 

Alle 3 Exemplare fanden sich in dem schwarzen, sand- 
artigen Neocom von Choroschowo bei Moskau, einer Schicht, 
die dem Hils von Hannover oder dem englischen Speeton-clay 



254 

am meisten zu entsprechen scheint und mit Unrecht zur Jura- 
formation gerechnet wird. 



Die untere Neocomschicht von Choroschöwo enthält ausser 
vielen andern Kreidearten auch einen grossen Ammoniten, den 
man ebenso wie den Ammonites nodiger verkannt und als 
Ammonites biplex aufgeführt hat. Ich nenne ihn Am. Auerbachi 
und habe ihn im Jahre 1865 in grosser Menge und in grossen 
Exemplaren an dem Flusse Jansa, in der Stadt Moskau eben 
so gut wie bei Choroschöwo und Mniowniki in der Entfer- 
nung einer deutschen Meile von der Hauptstadt, immer jedoch 
in dem schwarzen Sandstein neocomischer Bildung gefunden. 
Der Ammonites biplex Sow. ist davon ganz und gar verschieden. 
Er kommt in der typischen Form, wie ihn Sowerby (Min. conchöl. 
III. Tab. 293 Fig. 1 — 2) aus dem Jura von England und 
d'Orbigny (de Verneuil , Paleont. de la Russie Taf. 37. 
Fig. 3 — 4) aus dem Jura von Kineschma an der Wolga ab- 
bilden , bei Choroschöwo , Mniowniki und an der Jansa bei 
Moskau gar nicht vor. Er ist in der typischen Form nämlich 
von den Seiten zusammengedrückt, höher als breit und dicht 
am zugerundeten Rücken mit zweitheiligen Rippen versehen; 
der Rücken ist eben so breit als der untere Rand der Win- 
dungen an der Naht, und die zweitheiligen Rippen werden im 
breiten Nabel von der nachfolgenden Windung völlig bedeckt. 
Alles dies sieht man nicht in dem Am. Auerbachi, wie ich die 
Neocomart von Moskwa genannt habe; seine Rippen theilen 
sich viel früher, und die zweitheiligen Rippen sind daher auch 
im Nabel sichtbar; denn sie werden von der vorhergehenden 
Windung nicht ganz bedeckt. Der Rücken der Windungen ist 
immer schmäler als der untere Rand an der Naht, und die 
zweitheiligen Rippen sind auf dem Rücken stark nach vorn ge- 
wandt, also nicht grade aufsteigend wie im typischen Am. 
biplex. Die Abbildungen im Bull, de la Soc. Nat. de Mose. 
1861. I. Taf. VIII. Fig. 3 et 4, als Am. biplex truncatus und 
als . truncatus var. longifurcatus bezeichnet , gehören dieser 
neuen Art an. Sie gleicht auffallend dem Am. versicolor (Bull, 
de Mose. 1865. I. Taf. II. Fig. 3—4) aus derselben Neocom- 
schicht von Ssimbirsk , so dass ich beide vereinigen würde, 



255 



wenn nicht der Amm. Auerbachi einzelne verkümmerte Rippen 
zwischen den zweitheiligen vollständigen besässe, die dem 
versicolor fehlen; die obere Schicht von Choroschöwo, die dem 
Gault entspricht, enthält dagegen den Amm. versicolor in deut- 
licheren Exemplaren. 

Die Art scheint dem Amm. colligatus Binkh. *) aus der 
obern Kreide von Limburg sehr nahe zu stehen, so dass sie 
mit ihm leicht verwechselt werden könnte. Die Windungen des 
Amm. colligatus sind in der Mitte viel breiter als am obern 
und untern Rande, und die Loben etwas mehr getheilt als im 
Ammoniten von Choroschöwo. Ich habe jedoch an der Jansa 
ein grosses Bruchstück eines Ammoniten gefunden, den ich vom 
Amm. colligatus nicht gut unterscheiden kann und daher auch 
ihn dort annehmen möchte. 

Zu den grossen Ammoniten dieser Schicht gehört ausser- 
dem noch der Amm. Panderi m., der ebenfalls, obgleich nicht 
in dieser Grösse, in der ähnlichen Neocomschicht von Ssimbirsk 
vorkommt ; er findet sich aber eben so gross und in den äus- 
seren oder späteren Umgängen viel breiter als hoch in schö- 
nen Exemplaren im Neocom des nördlichen Ural, an der Ussa, 
von wo ich selbst das- grösste Exemplar dieser Art besitze. 

Die obere Schicht von Choroschöwo, die ich dem Gault 
vergleiche, enthält ganz andere Ammoniten, den Ammonites 
Beudanti, den catenulatus und nodiger, der, wie oben bemerkt, 
als Amm. Koenigi (Sow.) von d'Orbigky (Paleont. de la Russie 
Taf. 35, Fig. 1 — 6) abgebildet ist und auch im Necomsandsteine 
von Kotelniki und Tatarowo vorkommt. 

In demselben. Hefte von 1861 Nr. III. des Bulletins der 
naturforschenden Gesellschaft von Moskau, worin ich meine 
Abhandlung über den Grünsand von Moskau bekannt machte, 
hatte auch Herr Trautsohold seine Beobachtungen : „Recherches 
geologiques aux environs de Moscou. Fossiles de Kharaschovo 
et Supplement." mit einer Tafel Abbildungen erscheinen 
lassen. 

Da es mir bei der Herausgabe meiner Lethaea rossica, 
mittlere Periode, sehr daran lag, die Originalexemplare der 



*) Binkhorst van den Binkhorst, Monogr. des Gastropodes et Ce- 
phalopodes de la craie superieure du Limburg. Bruxelles 1861. Taf. 8 a. 
Fig. 1-3. 



256 



neuen, von H. Traut schold bestimmten Arten selbst zu sehen 
und genauer zu prüfen, so bat ich ihn um Uebersendung der- 
selben. Er übersandte mir, wie er jetzt selbst bemerkt,*) in 
seiner deutschen Gu tmüthigke it , also nicht, wie ich 
glaubte, im Interesse der Wissenschaft, eine fast voll- 
ständige Sammlung der Fossilien der oberen Schicht von Cho- 
roschöwo , wofür ich ihm in einem Briefe meinen herzlichsten 
Dank aussprach, ohne, wie er bemerkt, irgendwo über seine 
(irrigen) Bestimmungen der Fossilien als Juraarten ein Triumph- 
geschrei zu erheben. Im Gegentheil machte ich ihm den Vor- 
schlag, ehe ich meine weiteren Bemerkungen über 
diese mir von ihm übersandten Fossilien dem Pu- 
blicum übergab, unsere gegenseitigen Ansichten über sie 
in Briefen zu besprechen **) und dann unser so gewonnenes 
Resultat über das relative Alter der Formation bei Choro- 
schöwo öffentlich bekannt zu machen. 

Ich glaube nicht, dass darin etwas Anstössiges oder Naives 
lag, da es sich hier nur um die genauere wissenschaftliche Be- 
stimmung der Fossilien von Choroschöwo handelte, die unsere 
weit auseinandergehenden Ansichten vereinigen sollte ; denn ich 
sah voraus, dass ohne diese vorläufige Besprechung durch Hrn. 
Trautschold ein Scandal zur Belustigung des geologischen 



*) Zeitschrift d. deutschen geol. Gesellschaft. Berlin, 1865 pag. 456. 
**) Diese Worte befinden sich ausführlich in meinem Aufsatze über 
die Fauna und Flora des Grünsandes von Moskau, Bull. Mose. 1862, II. 
wo sie pag. 357 so tauten: „Da Hr. Trautschold mir bei Uebersendung 
seiner reichhaltigen Sammlung die Mittheilung machte, dass er über mei- 
nen oben erwähnten Aufsatz, den Grünsand von Moskwa (Bulletin 
Mose. 1861, III.), eine ausführliche Erörterung schreibe-, so machte 
ich ihm den Vorschlag, erst in brieflichen Besprechungen unsere gegen- 
seitigen Ansichten zu prüfen und dann mit den dadurch gewonnenen, 
offenbar geläuterten Ergebnissen vor dem geologischen Publicum aufzu- 
treten ; allein Hr. Tractschold zog es vor, proprio Marte in einer Schrift 
pro ara et focis, die Sache der Wissenschaft zu verfechten, und seine 
Abhandlung über die Kreideablagerungen im Gouvernement Moskau schon 
im 4ten Hefte des Bulletins der Moskauer Gesellschaft der Naturforscher 
für 1861 erscheinen ^u lassen, in der er zwar neocomische Kreide in 
Talitzi und an einigen von ihm hier zuerst aufgeführten Localitäten des 
Gouvernements Moskwa annimmt, aber den von mir bei Choroschöwo auf- 
geführten Grünsand für Jura, den bei Klin angenommenen Kreidesand- 
stein für Wealden erklärt und mancherlei Zweifel über meine Bestim- 
mungen der fossilen Kreidearten ausspricht." 



257 



Publicums entstehen würde. Er lehnte meine friedliche Ver- 
mittelung der Extreme ab und zog in der That den öffent- 
lichen Scandal vor, der ein ganz besonderes Licht auf das 
Eigenlob der deutschen Gutmüthigkeit wirft, wie sie sich, na- 
mentlich in dieser Zeitschrift, wiederholentlich ausgesprochen 
hat. Da ich nicht im Stande bin, in demselben gereizten Tone 
zu erwidern , aber die wissenschaftliche Erörterung der Frage 
mir zu sehr am Herzen liegt, so halte ich es für passend und 
anständig, auch nur auf sie Rücksicht zu nehmen und hier in 
Folge der vielen gegen mich ausgesprochenen Schmähungen nur 
so viel zu bemerken, das Hr. Trautschold mir nur einmal auf 
10 Minuten seinen Besuch schenkte, dass ich ihn seitdem nie 
persönlich wieder zu sehen Gelegenheit hatte, und er doch in 
so kurzer Zeit im Stande war, meinen Charakter so genau 
kennen zu lernen. 

Die Gutmüthigkeit des Herrn Trautschold hatte also im 
4ten Hefte des Bulletin de Moscou für 1861 den Frieden 
gebrochen und meine Ansichten über den Grünsand von Mos- 
kau und die von mir bestimmten Arten mit allerlei Nebenbe- 
merkujigen in Zweifel zu ziehen sich bemüht. Er hatte 20 Jura- 
thiere in den Aucellenschichten aufgezählt; man weise ihm 
nach, sagte er,*) dass dieselbe Schicht 21 Kreidethiere ent- 
halte, und er wolle sich gern zum Grünsande be- 
kehren. / 

Dies that ich mit leichter Mühe in einem mir auf diese 
Art abgedrungenen Aufsatze im Bulletin de Mose. 1862. II. 
pag. 371 und glaubte dadurch Herrn Trautschold zum Wort- 
halten zu bewegen und seine verheissene Bekehrung eintreten 
zu sehen. Statt dessen sind diese meine Worte die Ursache 
der gewaltigen Explosion geworden, die wir in der Zeitschrift 
der deutsch, geol. Gesellschaft für 1865 pag. 452 in so unpas- 
sender Art losbrechen sahen! 

Die von mir bezweifelten Jura-Arten von Choroschöwo 
werden hier auf's Neue kurz besprochen und die von mir bei 
Choroschöwo angenommenen 21 Kreidearten nur zur Hälfte 
und ganz kurz in Zweifel gezogen, so dass diese irrige An- 
nahme mich nunmehr veranlasst, auch meine Ansicht über die 
Schichten mit Aucella mosquensis und Ammonites virgatus in 



*) Bull, de Mose 1861. III. pag. 438. 
Zeits.d.d.gcof.Ges.XVlIL 2 



17 



258 



dieser Zeitschrift dem Publicum mitzutheilen. Da ich in Mün- 
chen bei Professor Oppel eine grosse Sammlung der Fossi- 
lien von Choroschöwo sah und andere Sammlungen der Art 
in Breslau, Berlin und Stuttgart vermuthe, so glaube ich, wer- 
den die Herren Professoren F. Roemer, Beyrich, Fraas, Oppel 
und verschiedene Andere durch meine Bemerkungen wohl in 
den Stand gesetzt sein, über die nähere Bestimmung der Arten 
jener beiden Schichten gehörig urtheilen zu können. 

T er ebratula o mit ho c ephala. 

Zuerst wird pag. 453 dieser Zeitschrift für 1865 der 
Terebratula ornithocephala aus der Aucellenschicht gedacht, 
die ich in ihr nicht gelten lasse und für die Terebratula 
Royeriana d'Orb. von 1845 halte, mit der auch d'Orbigny 
(Paleont. Russ. pag. 484) die ornithocephala vergleicht. Ich 
sagte (Bulletin de Moscou 1862. II. p. 372) sehr bestimmt, «dass 
die ornithocephala von Moskwa zu der Terebratula scabra Fisch. 
(T. striatula Fisch.), die in der Oryctogr. von Moskau p, 148, 
t. 43, f. 6 beschrieben und abgebildet ist, gehört; dort steht 
,,zu dieser neuen Art", also nicht ,, zu ei n er neuen Art", wie 
Herr Trautschold diese meine Worte nach seiner Art entstellt 
hat. Da aber Terebratula Royeriana identisch ist mit T. scabra, 
die von Fischer als neue Art schon 1837 aufgeführt wird, so 
müsste die Terebratula Royeriana der Priorität nach eigentlich 
Terebratula scabra heissen; denn die ornithocephala (Sow.) Tr. 
ist dieselbe Art. 

Terebratula sella. 

Die Terebratula sella wird von mir in der sogenannten mitt- ' 
leren Juraschicht mit Ammonites virgatus von Choroschöwo auf- 
geführt; dies ist keine Terebratula perovalis aus dem Urfteroolith 
Englands, sondern die fünfeckige Terebratula sella Sow. aus dem 
Neocom. Zu ihr gehört auch die grosse Terebratula Michalkowii 
Fahr, aus dieser Schicht; Herr Fahrenkohl hat sie in den 
Verhandlungen der mineralogischen Gesellschaft von St. Peters- 
burg für 1856, t. 3. f. 6 abgebildet und beschrieben; sie gleicht 
der Abbildung der Terebratula sella Sow. aus dem Neocom 
bei d'Orbigny (Paleont. fr., Terr. cret. t. 510, f. 6 — 12) so 
sehr, dass an ihrer Identität nicht zu zweifeln ist. Ein viel 
kleineres Exemplar mit den beiden Falten auf der undurch- 



bohrten Schale, die fast bis an den Wirbel reichen, besitze ich 
aus dem oberen Neocom oder der Gaultschicht von Choroschowo; 
dies ist ebenfalls diese Art und nicht Terebfatuta perovalis, deren 
Falten nur am unteren Rande sichtbar sind, und deren dicke 
Schale sich durch eine concentrische, stark ausgesprochene 
Lamellenbildnng auszeichnet, wodurch die Ränder stumpf 
werden und nicht scharf erscheinen wie in der sella. Die Art 
kommt mithin in beiden Schichten von Choroschowo vor. 

Pecten crassit esta A. Roem. 

Diesen Pecten von Choroschowo nahm ich 'damals und 
nehme ihn noch jetzt in einem Pecten an. der im Bull, de Mose. 
1861. I. als eine neue Art mit dem Namen Pecten sölidus t. 6. 
f. 4—5 bezeichnet ist. Ich sah darin ein junges Exemplar 
des Pecten crassitesta aus dem Hilsconglomerat, um so mehr, als 
auch Rouillier (s. die Zeitschrift d. deutsch, geol. Gesellschaft 
1861, pag. 401) mit Recht vermuthet hatte, dass der Pecten 
imperialis Keys., der mit dem crassitesta identisch*) ist, bei 
Moskau in der Aucellenschicht vorkomme, da man, heisst es 
dort, von Zeit zu Zeit Bruchstücke linde, die auf einen sehr 
grossen Pecten schliessen lassen. Der Pecten solidus konnte 
demnach sehr wohl die Grösse des Pecten crassitesta erreichen, 
dem er in der dicken Schale schon als junges Individuum sehr 
nahe kommt. Ich hielt den grossen, als Pecten demissus major 
Bull. Mose. 1. c. t. 7. f. 2) abgebildeten Peclen für einen 
Steinkern und daher ebenfalls als zum crassitesta gehörig. Jetzt 
erfahre ich , dass er eine dünne Schale hat (s. Zeitschrift der 
deutsch, geol. Gesellschaft 1865, pag. 453), und kann ihn des- 
halb nur für einen grossen Pecten orbicularis Sow. halten, da 
der typische Pecten demissus Phill.**) aus dem Kelloway Eng- 
lands länger ist als breit, einen spitzen Winkel am Wirbel und 
weit mehr Querstreifen besitzt als diese Axi von Choroschowo, 



*) Ich erhielt drei der schönsten und grössten Exemplare des Pecten 
crassitesta durch die Gire des Herrn A. v. St!U!.mbf.ck aus dem Hils- 
conglomerat des Langenheides bei Harzburg: Prof. Gei.mtz in Dresden 
sah sie und schrieb mir auf meine Anfrage, ob dieser Pecten nicht der 
Pecten imperialis Key?, sei. dass dieser von jenem nicht unterschieden 
werden könne. 

**) Geoloav of Yorkshire. T. I. t. 6, f. 5. 

17* 



260 

die ganz glatt sein soll, wie die glatte Schale des Pecten orbi- 
cularis. 

Pecten orbicularis Sow. 

Mit dieser Art ist es Herrn d'Orbigny eben so gegangen, 
wie mit dem Ammonites Koenigii ; er hat ihn verkannt und dar- 
aus sogar zwei Arten gemacht, den Pecten demissns Beän, aus 
der glatten und den Pecten nurrimularis Phill. aus der concen- 
trisch gefurchten Valve des Pecten orbicularis; davon wird sich 
Jeder überzeugen, der mit Aufmerksamkeit seine Abbildungen 
ansieht. Der Irrthum ist begreiflich. Da man früher nur lose 
Schalen fand und die concentrisch gefurchten (siehe d'Orbigny, 
de Verneuil, Paleönt. de la Russie t. 41, f. 21) als zusam- 
mengehörig ansah, so machte man aus ihnen den Pect, num- 
mularis, während die glatten (1. c. t. 41 f. 17 abgebildeten) 
Schalen ebenfalls als zusammengehörig genommen wurden und 
den Pecten demissus bilden halfen. Es fand sich aber späterhin, 
dass vollständige Muscheln aus einer glatten und einer ge- 
furchten Schale bestehen , dass also beide zusammenhängende 
Schalen zum Pect, orbicularis Sow. gehören, dessen Charaktere 
sie auch genau zur Schau tragen. Sowerby *) lässt die eine 
Schale glatt, die andere concentrisch gestreift sein ; die Strei- 
fen sind nach ihm zahlreich und stehen eine Linie weit von 
einander ab; folglich meinte er unter den Streifen die feinen 
Furchen , die zwischen den flachen und breiten bandartigen 
Streifen liegen , wie diese eben so im Pecten orbicularis von 
Choroschöwo , als auch im Pecten orbicularis aus dem untern 
Quader von Sachsen und der Tourtia von Essen in Westphalen 
vorkommen ; ganz so findet sich Pecten orbicularis auch bei 
Iletzkaja saschtshita in der Nähe von Orenburg. 

Inoceramus sulcatus Park. 

Die Art wird schon sehr richtig zugleich mit Pecten orbicu- 
laris als bei Choroschöwo vorkommend von Herrn Murchison **) 
angeführt; sie ward natürlich nicht von ihm, sondern von Herrn 
de Verneuil, seinem Begleiter und vorzüglichsten Palaeonto- 
logen, bestimmt. In dieser Zeitschrift, 1865, pag. 454, wird 



*) Min. conchol. II. p. 193. t. 186. 
**) Geology of Russia in Europe. Ii pag. 236. 



261 



an dem Vorkommen der Art in der Neocomschicht von Choro- 
schowo , und zwar mit dem Bemerken gezweifelt, die beiden 
Geologen hätten die Art mit einer grossen Bhynchonella ver- 
wechselt. Das ist wohl beleidigend für einen Palaeontologen, 
wie de Verxeuil. Ich kann jetzt dem geologischen Publicum 
versichern , dass ich den Innoceramus sulcatus auf meiner Ex- 
cursion nach Choroschowo im Jahre 1865 mit vielen anderen 
seltenen Arten selbst gefunden habe. Er muss jedoch dort 
sehr selten sein; er ist durch seine ungleichen Schalen und 
durch den längern Wirbel der dickern Valve von einer Lima 
leicht zu unterscheiden. 

Lima Hoperi Desh. 

Die Lima, die am häufigsten in Choroschowo vorkommt, 
habe ich für Lima Hoperi Desh. erklärt und halte sie noch 
dafür, weil ihre Oberfläche fein und dicht gestreift ist und die 
feinen Furchen in der Mitte der feinen Schale nicht punktirt 
sind. Der Schlossrand der Muschel bildet mit dem Vorder- 
rande , der das Mondchen und den Bvssusausschnitt enthält, 
einen stumpfen Winkel, gerade wie es die Fig. 10 t. 424 bei 
d'Orbigjsy, terr. cret,, vol. 3 zeigt. Der kreisförmig gebogene 
Unterrand erhebt sich in der Mitte weit höher als in der Lima 
Phillipsi. *) Die grosse von Herrn d'Orbigny (bei de Verneüil 
Paleontologie de la Russie pag. 478. t. 42, f. 8) abgebildete 
Lima Phillipsi d'Orb., die im Lias von Scarborough häufig ist, 
ist jedenfalls von dieser Lima Hoperi verschieden und gleicht 
so sehr der Lima abrupta d'Orb. aus der Kreide, dass ich beide 
für identisch halten möchte, wenn die Lima Phillipsi wirklich 
aus einem grauen Neocomsandsteine, und nicht aus dem Jura 
von Kineschma an der Wolga stammt. Ich selbst besitze diese 
grosse Lima abrupta aus der Neocomschicht von Choroschowo 
und eine kleine , kaum 3 Linien breite Lima Phillipsi d'Orb. 
aus dem Jurathon von Goliowa. 

Lima R o y eriana d'Orb. 

Herr d'Orbigsy (Paleontologie de la Russie t. 42 f. 5 — 6) 
bildet eine Lima consobrina d'Orb. aus dem schwarzen Neo- 
comsandstein von Choroschowo ab, die nichts Anderes ist, als 



*■) Geology of Yorkshire. f. 5. t. 10. 



262 



die Lima Boyeriana d'Orb. (Terr. cret. t. 414 f. 5 — 8) aus 
dem Neocom von Frankreich. Auf Tab. 422 f. 4 — 7 der Terrains 
cretaces ist auch eine Lima consobrina d'Orb. aus der Kreide 
abgebildet, die aber gar nicht mit der Lima consobrina d'Orb. 
in der Paleontologie de la Russie zu vergleichen ist. d'Orbigky 
hat wahrscheinlich jenen Namep für zwei verschiedene Arten an- 
gewandt, und so entstand ein Missverstand, der uns noch jetzt 
irre führt. Die Lima consobrina d'Orb. von Choroschöwo 
muss mithin als Lima Boyeriana d'Orb. aufgeführt werden, der 
sie in den groben, wenig zahlreichen Rippen und iu ihrer all- 
gemeinen Form ganz und gar gleicht, während die Lima con- 
sobrina d'Orb. aus der Kreide sich durch ihre feineren , sehr 
zahlreichen Rippen und durch concentrische Querstreifung von 
der Lima Boyeriana als andere Art vollkommen unterscheidet. 
d'Orbigny hat von ihr auf Tab. 422 f. 4 — 7 der Terrains 
cretaces eine sehr gute Abbildung gegeben; er führt aber in 
der Paleontologie de la Russie pag. 477 die Lima consobrina (also 
die Boyeriana) von Choroschöwo auch aus der mittleren Schicht 
des Jura von Trouville in Frankreich an, und das ist wohl ein 
ähnliches Versehen, wie die Annahme von zwei verschiedenen 
Limen als Lima consobrina. Ich habe jetzt schöne Exemplare 
der Lima Boyeriana in Choroschöwo selbst gesammelt und 
mich überzeugt, dass jene Lima consobrina in der Paleontologie 
de la Russie keine junge Abart der Boyeriana, wie ich früher 
meinte, sondern diese selbst ist. 

Astarte mosquen sis d'Orb. 

Auf pag. 455 dieser Zeitschrift für 1865 ist wieder 
die Wahrheit entstellt; ich mache, wird da bemerkt, aus der 
Astarte mosquensis zwei Arten Venus; das ist nicht der Fall, 
sondern Herr Trautschold hatte mir unter dem Namen Astarte 
mosquensis d'Orb. nicht diese Art, sondern die Venus obesa und 
faba übersandt , also die Astarie mosquensis nicht wiederer- 
kannt, und dies hatte ich früher angeführt (Bull, de Mose. 1862 
p. 27). Es heisst auch in der Zeitschrift der deutschen 
geologischen Gesellschaft für 1861, p. 416, dass Herr d'Or- 
bigjst die Beschreibung und Abbildung der Astarte mosquensis 
liefert, deren Schale fast nie vollkommen erhalten und deren 
Schloss unbekannt ist; sie könnte danach möglicherweise zu 
einem andern Genus gehören. Der Kiel, heisst es weiter, ist 



263 



nie so deutlich auf der Schale, wie ihn d'Orbigny abbildet,. 
Derselbe verstand es, mit ästhetischem Sinne die Natur zu er- 
gänzen. ■ ' Ich erinnere hierbei an das alte Sprüchwort: ,,rfe 
mortuis nil nisi bene u und bemerke zur Rechtfertigung des 
Todten, dass die Abbildung der Natur sehr getreu ist, dass der 
Kiel auf gut erhaltenen Exemplaren, und die meisten sind gut 
erhalten, ganz so deutlich ist, wie ihn d'Orbigny darstellt; auch 
ist dds Astartenschloss sehr deutlich, und gerade diese Bemer- 
kung über d'Orbigny' s Astarte zeigt, dass ganz andere Muscheln 
für dieselbe genommen wurden. Wir, die wenigen unpar- 
teiischen Geologen Russlands, sind Herrn d'Orbigny trotz 
mancherlei irriger Bestimmungen — denn errare humanuni — 
vielen Dank schuldig, dass er es auf sich nahm, die Jura- und 
Kreidefossilien der mittleren Gouvernements von Russland zu 
beschreiben und abzubilden; dadurch gewannen wir einen festen 
Boden, auf dem wir nur ruhig weiter bauen könnten, wenn die 
deutsche Gutmüthigkeit nicht unsern Frieden gestört und eine 
unabsehbare Polemik herbeigeführt hätte. Es sind ja jetzt 
30 Jahre verflossen, seitdem Herr de Vebneuil seine Paläon- 
tologie de la Russie veröff 'entlichte , und es kann nicht fehlen, 
dass durch eine grössere Zahl von neu aufgefundenen Fossilien 
auch die Bestimmungen der Formationen an Genauigkeit ge- 
winnen mussten. Das hebt aber unsere Verpflichtung gegen 
die Herren de Verneuil und d'Orbigny nicht auf. 

Cardium co ncinnum Buch. 

H. Murchison und de Verneuil (s. Paläontologie de la Russie 
pag. 454 t. 38 f. 11 — 13) meinten dies Cardium in Choro- 
schowo beobachtet zu haben. L. v. Buch führte es nur aus 
dem Jura von Popilani und andern Gegenden Russlands an; 
es könnte daher bei Moskau ebenfalls im Jura vorgekommen 
sein, da die Paläontologie von Russland nicht die Schicht an- 
giebt, aus der es beschrieben wurde. Jetzt wird ein Cardium 
nur aus der höhern Neocomschicht von Choroschowo ange- 
führt, wo ich es selbst in grosser Menge, aber meist ohne 
Schale gesammelt habe; die Steinkerne zeigen die strahlige 
Streifung sehr deutlich,, selten die concentrischen Streifen, die 
sehr fein und gedrängt die Oberfläche der braun gefärbten 
Muscheln bedecken. Daraus geht deutlich hervor, dass es eine 
Protocardia ist, die der Protocardia Hillana zunächst steht, wie das 



264 

schon d'Orbigny (Paleont. de la Russie pag. 454) bemerkt; 
die Protocardia Michelini Leym. scheint ihr jedoch noch näher 
zu stehen. Die concentrischen Streifen oder Querrippen zeigen 
sich vorzüglich deutlich am unteren Rande, und sind nach der 
Mitte hin stärker verwischt. 

f Ammonites fulgens Tr. 

Ich führe unter den Kreidearten von Choroschöwo auch 
mit grosser Bestimmtheit den Ammonites Beudanti Brongn. auf, 
in einem 4 Zoll grossen Exemplare, das mir H. Trautschold 
selbst als Am. fulgens mit vielen keinen Abarten desselben aus 
dem oberen Neocom von Choroschöwo übersandt hat. Das 
grosse Exemplar trägt am deutlichsten die Charaktere der Art 
an sich; es ist eben so zusammengedrückt, hat denselben 
schmalen Rücken und eine Mündung, die sichelförmig und nach 
oben zugespitzt zuläuft, ganz wie die einzelnen Wachsthums- 
ringe, die auf den grossen Exemplaren des Beudanti (s. d'Orb., 
terr. cret. t. 34) bemerkt werden. Der Nabel ist ebenfalls 
gerade so vertieft wie in der typischen Art und die Schale 
dünn und perlmutterartig glänzend. Die kleinen Exemplare 
weichen durch ihren etwas mehr zugerundeten Rücken und 
ihren trichterförmig vertieften Nabel, in dem bis auf den Grund 
alle Umgänge bemerkt werden, von der grösseren und mithin 
von dem typischen Am. Beudanti ab und könnten vielleicht 
den Namen fulgens behalten , obgleich die Loben denen der 
typischen Art gleichen. Das grosse Exemplar ist eben so in- 
volut wie die Art aus dem Grünsande Frankreichs und der 
Schweiz. Der Ammonites catenulatus Fisch, liegt neben dem 
Am. Beudanti in demselben Grünsande und zeigt dadurch, dass 
nicht nur der Sandstein von Kotelniki, wo der Amm. catenulatus 
ebenfalls vorkommt, sondern dass auch der Gault von Talitzi 
und Stepanowa, wo der Amm. Beudanti sich findet (s. Bulletin 
de Moscou 1861. IV. t. 12 f. 2.), gleichzeitige Bildungen mit 
dem obern Neocom oder Gault von Choroschöwo sind, ohne 
dass es nöthig ist, hier, wie es pag. 455 dieser Zeitschrift für 
1865 heisst, eine gewaltsame Metamorphose zu veranlassen; 
auch Inoceramus concentricus besitze ich von Choroschöwo eben 
so gut als aus dem Grünsande von Talitzi. 

Dies ist also die Kritik meiner Kreidearten von Choro- 
schöwo; sie betrifft nur die Hälfte meiner 21 Arten und ist 



265 



so beschaffen , dass ich sie mit leichter Mühe widerlegen und 
ihre Unhaltbarkeit zeigen konnte. Es bleiben aber noch folgende 
Kreidearten , die mein gutmüthiger Gegner nicht angegriffen 
hat, nämlich : 

Terebratula pectoralis Roem. 
Pecten striato-punctatus Sow. 
Pholadomya Boyana d'Orb. 
Inoceramus propinquus Goldp. 
Inoceramus regularis d'Obb. 
Cardium ventricosum d'Orb. 
Cucullaea glabra Sow. 
Area Matheroniana d'Obb. 
Trigonia carinata d'Orb. 

Venus obesa, die alle auf dieselbe untere Kreidebildung 
hinweisen und den casus belli bilden helfen. 

Da gegen dies e Kreidearten meiner Sammlung noch keine 
Einrede gemacht worden ist, so füge ich ihnen noch andere 30 
Arten hinzu und nehme wieder meine natürliche Magie (wie 
es in der Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. 1865. pag. 453 
heisst) zu Hülfe, die darin besteht, dass ich die bis jetzt 
an den mannichfachsten Arten reichste Sammlung von Fossi- 
lien aus den beiden obern Schichten von Choroschowo besitze. 
Den Grund zu ihr legte mein viel zu früh verstorbener Freund, 
Peter von Jazykow, der zu wiederholten Malen Choroschowo 
besucht hatte; eine zweite Sammlung erhielt ich von dem jetzt 
ebenfalls verstorbenen H. Fahrenkohl, und zuletzt bekam ich 
viele seltene Stücke von Madame Cattley, einer eifrigen 
Kennerin paläontologischer Schätze, die den Nachiass des ver- 
storbenen Frears in Moskau kaufte, in dem sich viele Unica 
befanden, die H. Rouillier beschrieben hatte. Endlich über- 
sandte mir noch H. Trautsohold eine schöne Sammlung von 
Choroschowo-Fossilien und gab mir dadurch, wie er mir später- 
hin schrieb, seine Waffen aus den Händen; denn ich konnte 
nur vermittelst dieser Sendung seine Bestimmungen der so- 
genannten Juraarten entziffern. Zuletzt machte ich selbst eine 
Reise nach Moskau und fand mancherlei Neues, was mir noch 
mehr Licht verschaffte, um die Zweifel über die Lagerung der 
Schichten zu beseitigen. 

Ich glaube daher mit Recht, dass meine Sammlung der 
Fossilien von Choroschowo wohl etwas beitragen könnte, um 



266 



die streitigen Punkte über Jura oder Grünsand an den Ufern 
der Moskwa und Jansa aufzuklären. 



Zu den bisher noch nicht erwähnten Kreidearten aus der 
oberen und unteren Schicht von Choroschowo gehören folgende, 
deren ausführliche Beschreibungen und Abbildungen in meiner 
Lethaea rossica, Periode moyenne, enthalten sind. 

Serpula anti quata Sow. 

Die cylindrische Kalkröhre ist anfangs spiral gewunden; die 
Umgänge werden nach oben immer breiter; der letzte Umgang 
verlängert sich oft sehr weit in grader Richtung, wenn das In- 
dividuum vollständig erhalten ist; die Oberfläche der Röhre 
ist quergerunzelt und zeigt hin und wieder Ringelwülste. So 
findet sich die Art im oberen Neocom von Choroschowo, ganz 
so im Hilsthone von Norddeutschland, ferner an der Perte du 
Rhone und im Berge Saleve bei Genf, auch in England. 

Serpula uncinella Sow. 

Die wenig gebogene Kalkröhre hat einen deutlichen Kiel, 
aber keinen Kamm, wodurch sie sich von der Serpula subrugulosa 
Qüenst. aus dem weissen Jura unterscheidet, für welche Art 
sie bisher genommen worden ist (s. Bull. Mose. 1861. I. t. 8. 
f. 5). Die feinen Querstreifen laufen in einen Kiel auf 
dem Rücken aus, der aber oft fehlt, vorzüglich gegen das 
Ende der Röhre. Sie findet sich im unteren Neocom von Mni- 
owniki, ganz so wie im Grünsande von Blackdown. 

Cidaris a reu ata Reuss. 

Die Cidarisarten haben nur Stacheln oder einzelne Schilder 
im Neocom von Choroschowo hinterlassen und sind daher 
schwer unterzubringen. Roüillier hat eine Art als Cidaris 
spinigera (Bulletin de Moscou 1849. I. t.J. f. 52— 53 und t. K. 
f. 49) beschrieben und abgebildet, die der arcuata aus der 
Kreide von Bilin nahe kommt, wenigstens ihr auffallend gleicht. 
Auch die Cidaris perornata Forb. aus dem Senon Englands 
und Frankreichs hat viele Verwandtschaft mit ihr. Im Bulletin 
de Moscou 1846. IV. t. C. f. 22. ist sie als Cidaris ßorigemma 
Phill. aus dem Jura bestimmt. 



267 



T er eb r atula M outoniana d'Orb. *) 

Die undurchbohrte Schale ist sehr dick nach dem Wirbel 
hin, und beide Wirbel stehen von einander ab (s. Davidson, 
British ool. and lias. Terebr., Palaeont. soc. 1850 pag. 42 
t. 7. f. 1 — 4). Sie ist für Terebratula lagenalis aus dem 
Jura erklärt worden (s. Bulletin de Moscou 1861. I. t. 5. f. 6), 
die am Unterrande nicht ausgebuchtet ist, wie dies he\ M ou- 
toniana beobachte; wird, während jene da grade abgestutzt und 
auf der durchbohrten Schale nicht mit einer deutlichen Ver- 
tiefung, wie diese, in ihrer Mitte versehen ist. Die Terebratula 
Alfonski Fahr. (Verhandl. d. miner. Gesellseh. zu St. Petersb. 
1856. t. 3. f. 1.) gehört auch hierher oder wenigstens in ihre 
Nähe. 

T er ebr atula Bob er to ni d'Aroh. 

Diese von d'Archiac in der Tourtia an der Grenze von 
Frankreich und Belgien beobachtete Art (s. d'Archiac rapport 
sur les fossiles du Tourtia in den Mem. de la Soc. geol. de 
France. 1846. t. 1H. f. 2.) kommt auch von derselben 
Form und derselben Grösse im Neocom von Choroschöwo vor. 
Ich habe sie t. 18. f. 22 in meiner Lethaea rossica, Periode 
moyenne abgebildet und beschrieben ; andere Exemplare von 
Biassala in der Krim sind noch einmal so dick als die ab- 
gebildete und gleichen noch mehr der Figur bei d'Archiac. 

Terebratula depressa Lam. 

Die Exemplare dieser bei Choroschöwo von mir aufge- 
fundenen Art gleichen am meisten den Figuren 5 — 7 auf 
Tafel 17 bei d'Archiac a. a. O. aus der Tourtia, wo sie als 
T. nerviensis beschrieben und abgebildet sind; ich habe die Art 
auf Taf. 18. f. 28 meiner Lethaea rossica, Periode moyenne 
abgebildet. 

Terebratula capillata d'Arch. 

Auch sie stammt ans der Tourtia und ist von H. d'Archiac 
(1. c. t. 20. f. 1 — 5) abgebildet; es ist die Terebratula Lycetti 
(Dav.?) (Bulletin de Moscou 1861. III. t. 7. f. 6) von Choro- 



*) d'Orbigny, Terr. cret. PI. 510 Fig. 1 — 5. 



268 



schowo. Ich gab von ihr Abbildungen in der Lethaea rossica 
t, 17. f. 7 und t. 18. f. 26. 

Ter ebratula pseudojurensi & Leym. 

Diese Art mag im Bulletin de Moscou sowie in dieser Zeit- 
schrift für 1861 pag. 386 als T. vicinalis oder cornuta mit- 
begriffen sein; sie gleicht jedoch am meisten der T. pseudoju- 
rensis Leym. aus dem mittleren Neocom des Berges Saleve bei 
Genf; die Fig. 21. Tafel 15 bei Loriol, Anim. foss. du mont 
Saleve. 1861. gleicht ihr ganz und gar. Ich habe sie auf 
Tafel 18 Fig. 27 dargestellt und glaube, dass sie nicht in 
die cornuta des Lias übergeht; denn ihr Wirbel ist viel dicker 
als bei dieser, die Oeffnung viel grösser und der Wirbel selbst 
viel weiter abstehend von dem Wirbel der undurchbohrten 
Schale, ganz wie bei T. pseudojurensis. 

Ter ebratula albensis Leym. 

Diese aus der Kreide des Aube - Departement in Frank- 
reich herslammende Kreideart kommt auch im Neocom von 
Choroschöwo vor; sie ist in den Mem. de la Soc. geol. de 
France 1846 V. 1. pag. IL t. 15. f. 2—4 und von mir in 
meiner Lethaea rossica, Periode moyenne t. 18. f. 27 abgebildet 
und beschrieben worden und kann darnach leicht verglichen 
werden. 

Terebratula biplicata, non plicata. 

Dies ist eine interessante, ungefaltete Abart der T. biplicata 
aus dem oberen Neocom von Choroschöwo, gerade von derselben 
Grösse und Gestalt, wie sie im oberen Grünsande von Folk- 
stone in England vorkommt, s. Davidson 1854. 1. c. t. 6. 
f. 19 — 20, 25 — 26; der untere Rand ist stets breiter als 
die Mitte, und sie gleicht darin der var. non plicata von Choro- 
schöwo , wie sie auch als T. saleoensis Loriol (description 
des animaux invertebres fossiles du mont Saleve. Geneve. 1861. 
pag. 118. t. 15. f. 11 — 16) im Grünsande des Berges Sa- 
leve vorkommt. 

Terebratula revoluta d'Arch. 

Ich führe ferner hier die T. revoluta aus der Tourtia des 
französischen Flanderns aus dem oberen Neocom von Choro- 



269 



schöwo auf, die als junge jurassische T. maxillata var. alata 
Bulletin de Moscou 1861. I. t. 5. f. 7. abgebildet ist. Die grosse 
T. maxillata erhält erst im ausgewachsenen Zustande eine sehr 
bedeutende Breite und faltet sich alsdann, während sie in der 
Jagend glatt, ohne Falten und langgezogen ist, wie die Ab- 
bildung bei Davidson 1. c. 1850. t. 9. f. 6 — 9 lehrt; da- 
gegen ist die kleine T. revoluta (d'Archiac 1. c. 1846. t. 19. 
f. 3) aus der Tourtia, grade so wie die Art von Choroschöwo, 
immer sehr breit gezogen. 

Bhynchonella plic atilis Sow. 

Diese Rhynchonella aus der unteren Kreide Englands, die der 
T. retracta Roem. vollkommen entspricht, findet sich in vielen 
Exemplaren im Bessonowschen Thone von Ssimbirsk. Ich 
habe sie auf Tafel 18. f. 18 der Lethaea rossica, Periode mo- 
yenne abbilden lassen. Sie ist von Choroschöwo als B. tetraedra 
var. compressa (Sow.) im Bulletin de Moscou 1861. 1. 1. 5. f. 9. und 
als B. triplicata (Sow.) von Rouillier im Bulletin de Moscou 
1847. II. pag. 372 beschrieben und 1848. I. t. F. f. 8 ab- 
gebildet worden. Auch die sogenannte Bhynchonella lacunosa 
(Sohloth.) Bull. Mose. 1849. II. t. M. f. 100 gehört hierher 
und bestimmt die Juraschicht als deutliche untere Kreide. 

Bhynchonella sulcata Park. 

Dies ist eine andere Kreideart, die viel häufiger im Besso- 
nowschen Thone ven Ssimbirsk als in Choroschöwo vorkommt; 
ich habe sie auf Tafel 18. Fig. 25 der Lethaea rossica, Per. moy. 
abbilden lassen. Sie ist sehr verschieden und bisher immer 
als Juraart gedeutet worden, so z. B. als Terebratula concinna 
(Sow.) im Bull. Mose. 1849. II. t. L. f. 98 und als Bhyn- 
chonella Gkbtetraedra (Davids.) im Bull. Mose. 1861. I. t. 5. 
f. 2. Sie zeichnet sich am meisten durch die Unregelmässig- 
keit der gefalteten Schalen aus und ist eine alpine Form , die 
an die Bhynch. trigona Quewst. aus der von H. Oppel neu 
aufgestellten ti thonischen Etage erinnert, wofern sie 
nicht in sie übergeht. 

Bhynchonella pecten d'Orb. 

Diese Grünsandart findet sich im oberen Neocom bei Cho- 
roschöwo in schönen Exemplaren; H. Rouillier hat von ihr 



270 



als Rhynchonella pentatoma (Fisck.) im Ball. Mose. 1846. IV. t. B. 
f. 14 i, k, 1, m. gute Abbildungen gegeben; sie findet sich 
auch im Terrain albien von Petrowskaja im Gouvernement Char- 
kow und bei Tndersk in der Kirgisensteppe. 

Lingula s ub ov alis Dav. 

Diese Lingula, die bei Davidson (Brit. cret. brachiop. 
t. 1. f. 29 — 30) aus dem Grünsande von Warminster ab- 
gebildet ist, findet sich auch im Neocom von Choroschöwo, 
von wo sie (im Bull. Mose. 1861. IV. t. 5. f. 1) als Lin- 
gula Beanii (Phill.) aus dem Jura beschrieben ist. 

Ostrea hippopodium Nilss. 

Diese Kreideart findet sich im Norden und Süden des 
Urals im Neocom, so auch bei Kursk, ferner im unteren Neocom 
von Choroschöwo, von wo ich sie selbst mitgebracht habe. 
Zu ihr gehört auch die Ostrea deltoidea (Lam.) in dieser Zeit- 
schrift 1861. pag. 395 und die von Rouillier abgebildete Art 
im Bull. Mose. 1849. IL t. N. f. 112 — 113. Ein schönes 
Exemplar, von Fahrenkohl erhalten, bewahrt die Sammlung 
der mineralogischen Gesellschaft in Petersburg auf. 

Ostrea gibba Reuss. 

Eine kleine Auster, die im unteren Neocom von Choro- 
schöwo vorkommt und von Reuss aus der Kreide von Böhmen 
t. 19. f. 6 abgebildet ist, gehört offenbar zu dieser Art, die 
auch im Plänermergel von Luschütz vorkommt. 

Gryphaea v esieul aris Lam. var. uncinella Leym. 

Ich habe diese kleine Kreideart in ihrer charakteristischen 
Abänderung im unteren Neocom von Moskau , an "der Jansa, 
selbst gefunden und finde keinen Unterschied zwischen ihr und 
der pyrenäischen Gryphaea uncinella Leym. (Mem. sur un nouveau 
type pyreneen, parallele a la craie proprement dite, in Mem. 
de la soc. geol. de France 1851. pag. 199. t. 10. f. 2 — 3). 
Eine grosse sehr gewölbte Schale aus dem unteren Neocom 
über dem Jurathon von Goliowa, von Fahrenkohl gesammelt, 
wird in der Sammlung der mineralogischen Gesellschaft zu. 
St. Petersburg aufbewahrt. 



Exogyra py renale a Leym. 

Diese gleichfalls den Pyrenäen eigentümliche Art fand 
sich in einem kleinen Exemplare im Neocom von Choroschöwo; 
sie gleicht ganz und gar der Abbildung Leymerie's (sur un 
nouveau type pyreneen , in den Mem. de la soc. geol. de Fr. 
1851. t. 10. f. 4); etwas grössere Exemplare finden sich im 
eisenschüssigen Sandsteine von Kursk. 

Exogyra conica Sow. 

Die kleine Exogyra conica aus der Kreide findet sich 
ebenfalls im Neocom von Choroschöwo. Sie ist hier als Ostrea 
acuminata (Sow.) und obscura (Sow.) aus dem Jura abgebildet 
und beschrieben worden, s. Bulletin de Moscou 1861. 1. t. 5. f. 
10 u. 11. Die Ränder sind im Innern punktirt, wie dies auch 
in der Fig. 10 a angegeben ist ; die eine Schale ist sehr ver- 
tieft (Fig. 10) und die andre ganz flach (Fig. 11 a). 

PI acu n a truncata Gew. 

Diese Art aus dem Quadersaudsteine von Böhmen findet 
sich in ausgezeichnet guten Exemplaren im unteren Neocom 
von Choroschöwo. Rouillier hat sie im Bulletin de Moscou 
1846. IV. t. C. f. 26 als Placuna jurensis Roem. abgebildet, und 
als Anomia gingensis Quenst. ist sie in dieser Zeitschrift 1861. 
pag. 396 aufgeführt. Ausser diesen Arten finden sich noch 
ein Paar Anomien, ephippiiformis und distracta m., in dieser 
Schicht von Choroschöwo; ich habe sie in derLethaea rossica, 
Periode moyenne beschrieben und abbilden lassen. 

Plicatula placunea Lam. 

Diese Art besitze ich aus dem unteren Neocom von Cho- 
roschöwo; sie findet sich auch im Neocom von Frankreich. 

Pect eri membranaceus Nilss. 

Diese Art aus der Kreide des südlichen Schwedens be- 
sitze ich aus dem unteren und oberen Neocom von Choroschöwo. 

Pecten Co.tt aldinus d'Orb. 

Dieser Pecten, als P. demissus Bean. aus dem Jura Eng- 
lands im Bulletin de Moscou 1861. III. t. 7. f.. 3 abgebildet, 



272 



findet sich nicht selten in dem oberen Neocom von Choro- 
schöwo. 

Pecten concentric e- punct atu s A. Roem. 

Die Art aus der Kreide von Nerddeutschland findet sich 
gar nicht selten mit den anderen zahlreichen Pecten-Arten im 
oberen Neocom von Choroschöwo. 

Pecten laevis Nilss. 

Die Kreideart des südlichen Schwedens findet sich gleich- 
falls im oberen Neocom von Choroschöwo, s. das Bulletin de 
Moscou 1861. I. t. VI. f. 3, wo sie als Pecten subtilis aufgeführt 
wird; das eine Ohr ist stumpfwinkelig und kleiner als das andre, 
das rechtwinkelig und breiter ist; die eine Schale ist gewölbt, 
die andere flacher; beide sind glatt und nur mit leichten An- 
wachsstreifen versehen. 

Pecten sep templicatus Nilss. 

Diese Art aus dem Grünsande des Baisberges im süd- 
lichen Schweden findet sich in dem Neocomsandsteine von 
Kotelniki. 

Lima abrupta d'Orb. 

Ich habe dieser schönen Art aus dem unteren Turonien 
von Möns in Frankreich schon oben gedacht; sie findet sich 
auch im unteren Neocom von Choroschöwo und ist wahrschein- 
lich als Lima Phillipsii d'Orb. aufgeführt. 

Lima Fischeri m. 

Diese den Neocomsandstein von Kotelniki bei Moskau 
charakterisirende Art kommt auch im oberen Neocom von Cho- 
roschöwo vor, wo sie als Lima rigida (Sow.) aufgeführt und 
abgebildet ist, s. Bulletin de Moscou 1858. IV. t. 5. f. 5. Viel- 
leicht findet sie sich auch im unteren Neocom als Lima gigantea 
Desh. im Bulletin de Moscou 1861. I. t. 6. f. 6. Die Lima rigida 
aus dem Jura hat feinere Rippen, die sich bis zum Wirbel er- 
strecken. Die Lima Fischeri zeigt dagegen die Gegend um 
die Wirbel glatt, ohne Rippen, die nur die Hälfte der Schalen 
bedecken. Die sogenannte Lima gigantea hat ähnliche Rippen, 



273 



wie jene rigida (Sow.) und ist daher identisch mit der Art von 
Kotelniki. 

Aucella mosquensis. 
Alle Aucellen sind sehr bezeichnend für die Neocom- 
bildung von Choroschöwo; sie finden sich auch in ähnlichen 
Formationen des Kaukasus, im Hochgebirge von Dagestan und 
im Norden des Urals. 

My o co ncha cretacea d'Orb. 
Diese merkwürdige Myoconcha findet sich im Turonien 
der unteren Charente in Frankreich; sie kommt auch als My- 
oconcha Helmers eniana d'Orb. im Neocomien von Choroschöwo 
und Mniowniki, ebenso wie im Grünsande des Berges Saragul 
bei Orenburg vor. d'Orbigny scheint wieder dieselbe Muschel 
mit einem neuen Namen belegt zu haben; er hatte den ältesten 
Namen vergessen, als er die Paleontologie de la Russie be- 
arbeitete. *) 

Pinna Cottae Gein. 
Diese Art aus dem Quadersandstein von Sachsen findet sich 
in schönen Exemplaren im oberen Neocom von Choroschöwo. 

Pinna cretacea Schloth. 
Dies ist eine Kreide- Art, die viele Namen erhalten hat; 
sie heisst Pinna decussata bei Goldfuss, und ich habe sie 
Pinna procera (s. Grünsand von Moskwa im Bull. Mose. 1861. 
III.) genannt; sie ist von Fahrenkohl im Sandsteine von 
Wydkrino gefunden worden und zeigt zur Genüge, dass dieser 
Sandstein* dem Quadersandsteine von Pirna entspricht. 

Pinna Bob inaldina d'Orb. 

Diese Kreideart findet sich im Quadersandsteine von 
Schandau als Pinna quadr angularis Goldf. und im Sandsteine 
von Kotelniki; eine nicht sehr deutliche Abbildung von ihr 
sieht man im Bulletin de Moscou 1858. IV. t. 5. f. 6. 



*) Mit dieser Art vereint findet sich die Myoconcha Strajewskiana im 
Neocom von Choroschöwo und des Urals ; das ist die Modiola cancellata 
Ad. Roem. aus dem Neocom von Mniowniki, wie sie d'Orbigny Paleont. 
stratigr. I. pag. 370 aufführt. 

Zeits.d.d.geol. Ges. XVIII 2. 18 



274 



Diese von mir hier angeführten, zahlreichen Kreidearten 
aus den Neoeomschichten von Choroschöwo , Mniowniki, Ta- 
tarowa, Kotelniki, Wydkrino und Klin mögen vor der Hand ge- 
nügen, meine Ansicht über die Formation zu erläutern und 
näher zu beweisen. Ich will nur noch als Stütze für meine 
schon im Jahre 1846 ausgesprochene Meinung anführen, dass 
Ferd. Roemer nach eigener Ansicht der Localitäten um Moskau 
folgendes Urtheil über den Sandstein von Kotelniki und Wyd- 
krino fällte ; eben so urtheilte er auch über den eisenschüssigen 
Sand, der auf den Worobjewschen Bergen d. h. auf der an 
200 Fuss sich erhebenden Thalwand des Moskwaufers ansteht. 

F. Roemer*) beschreibt nämlich bei Kotelniki zuoberst 
einen losen, weissen Quarzsand, unter ihm einen Sand mit ganz 
flachen, kuchenförmigen, grossen Nieren von kieseligem Sand- 
stein und dann unter ihnen die mächtigen Bänke des Kotel- 
niker Sandsteins selbst. Dieser schliesst den Inoceramus 
(Anopaea) Miobus, nächstdem einen als Natica vulgaris Reuss 
bestimmten Steinkern, ferner Ammonites catenulatus und Königii 
der Geologen von Moskau ein. „Wenn nun Trautschold und 
Eichwald, fährt F. Roemer fort, früheren Deutungen entgegen, 
dem Sandsteine von Kotelniki in der Kreideformation seine 
Stelle anweisen, so glaube ich, dass damit das Richtige ge- 
troffen ist, meine aber zugleich, dass die beiden Ammoniten 
für eine nähere Bestimmung des Niveaus, welches der Sand- 
stein in der Kreideformation einnimmt, benutzt werden können." 

Nun vergleicht F. Roemer den Am. catenulatus Fisch. 
mit dem Am. Gevrilianus d'Orb. aus dem Neocom Frankreichs 
und dem Hilsthone von Norddeutschland und den von d'Orbignt 
als Am. Koenigii bestimmten Am. nodiger m. mit dem Am. 
Astierianus d'Orb. aus dem Neocom Frankreichs und der 
Schweiz. 

,, Wenigstens kenne ich, schliesst Herr Roemer, ähnliche 
Ammoniten der Art aus den norddeutschen Hilsbildungen und 
andererseits habe ich im Sandstein von Kotelniki ein Bruch- 
stück gefunden, welches sich bedeutend mehr der typischen 
Form des Amm. Astierianus nähert. Sind wirklich die beiden 
Ammoniten-Arten mit den Arten d'Orbigky's identisch, so würde 



*) s. die Zeitschrift d. deutsch, geol. Gesellschaft 1861. Bd. XIV. 
pag. 231. 



275 



daraus die Zugehörigkeit des Sandsteins von Kotelniki zur 
Neocombildung zu folgern sein, und zugleich würde eine we- 
sentlich gleiche Stellung mit dem eisenschüssigen Sandstein an 
den Worobjewschen Bergen sich ergeben." 

Diese Ansicht Roemer's ist ohne Zweifel die naturgemäss 
richtigste und die einzig statthafte ; ich sah in Moskau in der 
Sammlung des Dr. Auerbach unter den Fossilien des Worob- 
jewschen Berges den Ammonites Astierianus in einem kleinen 
Exemplare und ausserdem noch die Thetis minor, wie sie auch 
im Neocom von Dagestan vorkommt.*) Diese und andere 
Fossilien , die ich schon früher aus dem Sandsteine von Ko- 
telniki und Wydkrino (Bull. Mose. 1861. III.) beschrieben 
habe, bestimmen den Sandstein als zur Neocombildung gehö- 
rig, und zwar als Meeres- oder Küstenbildung, während ich 
den Sandstein von Klin mit seinen vielen Pflanzen, wie z. B. 
mit der Weichselia Ludovicae Stiehl, als Landbildung betrachte 
und sie mit dem Quadersandsteine von Blankenburg**) paral- 
lelisirt habe. 

Diese Sandsteine entsprechen mithin auch dem Grünsande 
oder oberen Neocom von Choroschöwo, in dem nicht nur Am- 
monites catenulatus, Lima Fischeri von Kotelniki, sondern auch 
die oben beschriebenen unteren Kreidearten, also fast keine 
Juraarten vorkommen, und doch sehen wir, dass Herr Traut- 
schold***) trotz jener von Herrn Roemer angeführten Gründe 
plötzlich seine frühere richtige Meinung über den Kreidesand- 
stein von Kotelniki ändert und ihn nunmehr als Jurabildung 
ansieht, und zwar aus folgenden Gründen. Die in demselben 
vorkommenden Inoceramen und Natica vulgaris Retjss, sagt er, 
hätten ihn bewogen, den Sandstein zur Kreidebildung zu stel- 
len ; Herr Dr. Ewald in Berlin indessen , der selbst eine 
hübsche Sammlung der Fossilien von Kotelniki besitzt, neigt 
sich der Ansicht zu, heisst es weiter, dass Kotelniki, dem 
Gesammtcharakter der Thierreste nach zu urtheilen, eher zum 
Jura als zur Kreide zu rechnen sei. 

Das heisst doch einen Rückschritt machen, da wo uns 
der Fortschritt so nahe am Herzen liegt und Noth thut. Ich 



*) Siehe darüber Bull, de Mose. 1865. III. pag. 191. 
**) Siehe Grünsand von Moskau im Bull. Mose. 1861. III. 
***) Bull. Mose. 1862. IV. pag. 358. 

18* 



276 



kann dieser Ansicht nicht beistimmen und sehe mit Ferd. 
Roemer in den Ammoniten sowohl, als auch im Pecten septem- 
plicatus Nilss., in der Lima Fischeri m., in der Pinna cretacea 
Sohloth. (als Pinna procera von mir und undulata von Goldfuss 
beschrieben) und in der Pinna quadr angularis Goldf. ,, die mit 
der Pinna Robinaldina d'Orb. identisch ist, die RoEMER'sche 
Ansicht für die untere Kreidebildung von Kotelniki hinreichend 
erwiesen. 

Ueberhaupt hat sich im Gouvernement Moskau in den 
letzten Jahren die obere und mittlere Kreidebildung als Kreide- 
mergel und Gault in grosser Ausdehnung gezeigt. Ich habe 
dieser Entdeckung Auerbach's bei Chatkow schon in meiner 
Abhandlung über die geognostischen Karten von Russland (im 
Bull, de Mose. 1865. III.) gedacht und will daraus hier nur 
so viel bemerken, dass der Kreidemergel von Chatkow bei 
Troitza*) ausser vielen Wirbeln von Haifischen, der Lamna 
raphiodon, auch zahlreiche Schuppen von Beryx ornatus, die 
Abdrücke von Lucina lenticularis, Inoceramus Cuvieri und loba- 
tus, die Ceriopora (Reptomulticava) serpens, eine Clione ligata m. 
u. a. A. der Kreide enthält. Diese Clione besteht aus einer 
Menge kleiner, liniengrosser , sehr unregelmässiger, rundlich- 
plattgedrückter, ausgefüllter Kammern oder Kieselkörperchen, 
die durch feine Verbindungsröhrchen oder Seitenfäden mit ein- 
ander vereinigt sind und dadurch eine Verwandtschaft mit der 
Clione Conybeari Morr. aus der Kreide Englands zeigen. Die 
Kieselkörperchen sind alle compact; sie werden nach dem 
Rande der ziemlich bedeutenden Schwammmasse immer kleiner 
und erscheinen da fast nur als feine Fäden. Die so gebildete 
poröse Masse hält zwei und mehr Zoll im Durchmesser und 
wird ringsumher von Kreidemergel umschlossen. Sie sitzt also 
nicht als bohrende Calcispongia in einem Inoceramus, sondern 
tritt selbstständig auf und würde dadurch eher eine Gattung 
andeuten , die nicht zu den anbohrenden Schwämmen selbst, 
sondern zu einem eigenthümlichen Genus gehört. 



*) Die ausführliche Beschreibung dieses Kreidemergels findet sich von 
Herrn Auerbach im Bull. Mose. 1865. III., wo jedoch der Beryx ornatus 
als neue Art unter dem Namen Beryx Leuchtenbergensis Taf. V. Fig. 6 
und der Inoceramus lobatus Muenst. als Inoceramus mytiloides 1. c. Taf. V. 
Fig. 18 aufgeführt wird. 



277 



Die schönsten Abdrücke und Versteinerungen werden dort 
in einem grau schwarzen Kalksteine gefunden, der stellenweise 
gelblich ist oder in einen grünlichen Mergel übergeht. Er ent- 
hält ausser Glauconitkörnern geringe Calcedonausscheidungen, 
und selbst die kleinen Fischwirbel sind in Calcedon umge- 
wandelt. Dieser Kreidemergel findet sich im Wladimirschen, 
Chorkowschen , Räsanschen und vielen anderen Gouvernements 
im Süden von Russland. 

Er bildet im Gouvernement Moskau die obere Kreide, die 
etwas tiefer viele Coeloptychien enthält, wie sie G. v. Fischer 
von den Ufern der Sedunka und Protwa in der Nähe von 
Moskwa beschrieben *) hat. 

Noch tiefer mag der Sandstein von Tatarowo, Kotelniki, 
Wydkrino und Klin anstehen , der als feiner Sand auf den 
Worobj ewschen Bergen vorkommt, wo er mit dem eisenschüs- 
sigen Sandsteine dieser Anhöhe wechsellagert. 

Der Sandstein geht an anderen Orten in den Grünsand 
oder das obere Neocom von Choroschowo über , dem der 
Gault von Talitzi , Stepanowo und anderen Orten dem Alter 
nach zn entsprechen scheint. 

Die tiefste Schicht bildet endlich das untere Neocom von 
Choroschowo, das an der Moskwa, bei Choroschowo und 
Mniowniki, an der Jansa bei der Stadt Moskwa und bei Go- 
liowo an der Moskwa unmittelbar den schwarzen Jurathon 
überlagert, eine Schicht, die zu den höheren Oxfordschichten 
Deutschlands und Englands gehört und viele Thierreste ent- 
hält, die im westlichen Europa in dieser Schicht nicht bekannt 
sind. Zu den bekannten Arten gehören Ammonites alternans, 
cordatus, Humphriesianus Sow., Pinna radiata Muenst., Pecten 
spathulatus Roem. , annulatus Sow., fibrosus Sow., subtextorius 
Muenst. , Ostrea Marshi und sandalina Sow., Rhynchonella fur- 
cillata Theod., Terebratula ornithocephala Sow. (?), Serpula 
flagellum Muenst. , Mespilocrinus macrocephalus Quenst. , Penta- 
crinus basaltiformis Mill. und andere, die dem Jurathon am 
meisten seine Stellung in dem mittleren weissen Jura (Fraas), 
dem Spongitenlager oder dem Terrain a chailles anweisen, so 
dass der Solenhofer Kalk ihm parallel sein könnte. 

Das ist nämlich die Juraschicht, die in England den Coral- 



*) Bull, de Mose. 1843. IV. t. 15. u. 16. 



278 



rag auf sich ruhen hat und unter der unmittelbar die Oxford- 
etage anfängt. Zu ihr gehört zunächst das Argovien oder Ter- 
rain a chailles mit Ammonites alternans, cordatus und Humphrie- 
sianus, mit Rostellaria bispinosa Phill. , Gryphaea dilatata, 
Bhynchonella furcillata Theod. und anderen Arten. 

Das eigentliche Terrain corallien , das Kimmeridien und 
das Portlandien mit Ammonites biplex (typieus) und planulatus, 
mit Pteroceras Oceani , Pholadomya acuticosta, Exogyra virgula 
scheinen bei Moskwa zu fehlen und sind erst weiterhin im 
Tambowschen Gouvernement an der Oka oder im Charkow- 
schen bei Petrowskaja zu suchen. 

Es ist ferner sehr bemerkenswerth , dass in Russland bis 
jetzt nirgends die älteren Juraschichten beobachtet worden sind. 
Es fehlt durchweg in Russland der Lias mit Gryphaea arcuata 
und mit ihm der ganze schwarze Jura; nur der obere schwarze 
Jura mit den Posidonienschiefern scheint als vereinzelte und 
mit einer höheren Schicht eng verbundene-Bildung beiPopilani 
in Lithauen vorzukommen ; da sich hier Posidonomya ornati 
Quenst. , Ammonites Castor , Cerithium echinatum, Dentalium 
elongatum, Cardium concinnum, Nucula palmae u. a. A. finden, 
wodurch diese Schicht mehr zum braunen als zum schwarzen 
Jura hinneigt; denn weder Fische, noch Ichthyosauren oder 
Plesiosauren sind bei Popilani oder überhaupt im braunen 
Jura von Russland gefunden worden. 

Die ältesten Juraablagerungen finden sich dagegen mit 
Pflanzenresten im Kaukasus, im südlichen Russland bei Pe- 
trowskaja in der Nähe von Isjum und in der Krim ; sie ent- 
halten Farrnkräuter und Cycadeen , wie sie bei Scarborough in 
England, im Upper-moorland-sandstone , der etwas jünger ist 
als der Gross-Oolith von Bath, vorkommen. 

Noch höher zeigt sich der obere braune Jura bei Petrows- 
kaja, der auch in den mittleren Gouvernements von Russland 
a. v. O. vorkommt , während der eigentliche Korallenkalk als 
Coral-rag in der Krim sehr entwickelt ist; ich habe ihn soeben 
in meiner Lethaea rossica, Periode moyenne, zugleich mit den 
fossilen Pflanzen aus dem unteren Jurakalk von Petrowskaja 
beschrieben und kann daher auf diese Beschreibung in der 
Lethaea verweisen. 

Die Nerineenschicht, die dem Coral-rag parallel geht, kenne 
ich nur von Petrowskaja bei Isjum , wo sie ausser Nerineen 



279 



auch Cidaris Blumenbachi und coronata, sowie andere Arten 
dieser Schicht führt. 

Der typische Ammonites biplex Sow. aus dem Kimmeridge- 
und Portlandkalke ist von Herrn d'Orbigny sehr gut beschrie- 
ben und abgebildet in de Verneuil, Paleontologie de la Russie, 
pag. 445, t. 37, f. 3 — 4; dort sind drei Fundorte dessel- 
ben angeführt: der Berg Saragula bei Orenburg, Kineshma 
an der Wolga und Ssimbirsk, ebenfalls an der Wolga. Wir 
müssen daher an diesen Localitäten unzweifelhaft einen Kim- 
meridge- oder Portlandkalk annehmen, über dem bei Ssimbirsk 
und auf dem Berge Saragul unmittelbar die Neocombildung 
folgt, die wir soeben bei Choroschowo in der Nähe von 
Moskau beschrieben haben, wo Kimmeridge und Portland feh- 
len und das Neocom unmittelbar auf dem oberen weissen 
Jura ruht; denn was dort als Ammonites biplex in vielfachen 
Abänderungen aufgeführt wird, ist eine neue, nur da vorkom- 
mende Art, die sich vom biplex durch constante Merkmale 
unterscheidet. Es ist jedoch möglich , dass der Ammonites 
biplex typicus, dessen d'Orbigny 1. c. von Ssimbirsk erwähnt, 
ebenfalls zu dieser neuen Art von Choroschowo gehört, und 
dass mithin auch bei Ssimbirsk kein Kimmeridge oder Port- 
land ansteht. 

Während die obere Schicht von Choroschowo mit Aucella 
mosquensis und Ammonites catenulatus sich zum Grünsande oder 
Gault hinneigt oder ihm vollkommen entspricht, zeigt die un- 
tere Schicht mit Ammonites virgatus und Lima abrupta man- 
cherlei Verwandtschaft mit dem unterliegenden weissen Jura, 
so dass wir fast genöthigt werden, auch in ihr eine Ueber- 
gangsbildung zum Jura anzunehmen , durch welche Jura und 
Kreide mit einander verbunden werden, eine Bildung, die un- 
längst Herr Oppel als tithonische Etage*) aufgestellt hat. 
Ich würde in diesem Falle in der unteren Neocomschicht von 
Choroschowo einen vorherrschenden Uebergang zur unteren 
Kreide annehmen und nicht zum Jura, wie dies von Herrn 
Oppel für die tithonische Schicht in den Alpen angegeben 
wird, da ich nach den oben angeführten fossilen Thierresten 
in ihr eine grössere Hinneigung dieser Schicht zum Neocom 
als zur Jurabildung finde. 



*) Siehe diese Zeitschrift 1. c. 1865. pag. 535. 



280 



Dies sind nunmehr meine Gründe, die mich noch immer 
bestimmen, an der unteren Neocomschicht von Choroschowo 
festzuhalten. Ich glaube , dass diese Gründe auch für andere 
unpartheiische Palaeontologen hinreichen werden, meiner An- 
sicht beizustimmen , da ich nur eine oder die andere gehörig 
bestimmte Juraart in ihr aufzufinden im Stande war. Die 
meisten Schwierigkeiten machen wohl die Ammoniten, die für 
Abänderungen des Ammonites biplex, als Ammonites biplex trun- 
catus und als Ammonites biplex truncatus longifurcatus aufgeführt 
werden, aber diese neuen Namen für Abänderungen des soge- 
nannten Ammonites biplex zeigen doch wohl zur Genüge, dass 
man eben so gut neue Arten aus ihnen machen könne. Die 
Ammoniten der Juraformation von Hannover, von Würtemberg, 
von Tyrol, von den Alpen überhaupt sind in neueren Zeiten 
in so viele neue Arten getrennt worden , dass es nicht weiter 
auffallen dürfte, wenn die untere Neocomschicht von Choro- 
schowo die grosse Zahl der Ammoniten auch um ein paar 
neue Arten vermehrt. 

Schliesslich kann ich hier die Bemerkung nicht unter- 
drücken , dass Jura • und Kreidebildung in Russland bisher 
ganz stiefmütterlich behandelt worden sind, und dass diese 
Bildungen durch Dübois' und Abich's vieljährige Untersuchun- 
gen nur im Kaukasus und in der Krim als gehörig bekannt 
gelten können. Im Westen von Europa haben Quenstedt, 
Fräas, Oppel, v. Seebach, Dollfus, v. Binkhorst, Gümbel, 
Bekecke und Andere den Jura näher zu gliedern unternom- 
men und viele Ammoniten -Arten aufzustellen für nöthig er- 
achtet. Dasselbe haben Pictet , Desor, Escher von der 
Linth, de Loriol, Fischer-0 osten und Andere für die Neocom- 
bildung der Schweiz gethan. Sollten wir nicht auch in Russ- 
land diesen Beispielen folgen und vorwärts gehen , da uns 
Ferdinand Roemer für Choroschowo den Weg zu zeigen 
suchte? Die beiden Formationen, der Jura und die Kreide, 
sind in der Krim und im Kaukasus in gleicher Art entwickelt, 
wie sie auch in den flachen Gouvernements von Mittelrussland 
auftreten, und um hier ihr relatives Alter zu bestimmen, müs- 
sen wir hauptsächlich auf ihre Gruppirung im Kaukasus Rück- 
sicht nehmen, wie auch die Alpen Tyrols und der Schweiz 
jetzt viele Aufschlüsse über Jura- und Kreidebildungen des 
flachen Deutschlands gegeben haben. 



281 



5. lieber die von Gerhard Rohlfs auf der Reise von 
Tripoli nach Ghadames im Mai und Juni 1865 gefundenen 
Versteinerungen. 

Von Herrn A. Kunth in ßerlin. 

(Aus der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. 1866. 
Heft 4. S. 319—323.) 

Hierzu Tafel III. 

Der Reisende Gerhard Rohlfs (s. Petermann's Mittei- 
lungen 1866. 1 Heft.) hat von seiner im Mai und Juni 1865 
ausgeführten Reise von Tripoli über Misda nach Ghadames 
eine Anzahl Versteinerungen eingesendet, die mir zur Bear- 
beitung übergeben worden sind*). Sie erweitern unsere Kennt- 
niss von der geologischen Zusammensetzung des Gebietes 
zwischen Misda und Ghadames und ergeben, verglichen mit 
Herrn Beyrich's Arbeit**) über die von Overweg aus weiter öst- 
lich gelegenen Gegenden geschickten Versteinerungen und mit 
der Arbeit von Coquand, Geologie et Paleontologie de la region 
sud de la Province de Constantine. Marseille. 1862. einige in- 
teressante Resultate. 

Was zunächst die Petrefacten selbst anbetrifft, so sind es 
folgende: 

Ostrea arm ata Goldf. Petr. Germ. p. 13 t. 76 fig. 3. 
Taf. III. Fig. 2. Drei Stücke (zwei angewachsene und eine freie 
Klappe). Die Exemplare stimmen mit der GoLDFUSs'schen Ab- 
bildung und mit Originalen aus Westphalen sehr gut überein. 

*) Diese Versteinerungen wurden durch den Bruder des Reisenden, 
Herrn Dr. Rohlfs in Bremen, an die Redaction der Zeitschrift der Ge- 
sellschaft für Erdkunde zu Berlin gesendet und sind gegenwärtig dem 
königl. mineralogischen Museum zu Berlin einverleibt worden. 

**) Vergl. Monatsberichte über die Verhandlungen der Gesellschaft 
für Erdkunde zu Berlin N. F. IX. 1852. S. 154 und Zeitschrift der 
deutsch, geol. Ges. Bd. IV. 1852. S. 143. 



282 



Sie zeigen etwa 12 — 14 Rippen (die undeutlichen abgerechnet), 
welche im Allgemeinen stumpf sind und ein schuppiges Aus- 
sehn haben. Hier und da erheben sich die Schuppen höher 
und bilden stachelige Hervorragungen, was besondes gegen 
den Rand hin öfters zu geschehen pflegt. Die Anwachsstelle 
ist bei den beiden vorliegenden Stücken sehr gross und nimmt 
ein Viertel bis ein Drittel der ganzen Schalenoberfläche ein ; 
sie zeigt keine eigenthümliche Textur, sondern unregelmässige 
Rauhigkeiten, zwischen denen sich Spuren von Muschelschalen 
vorfinden. Die flach ausgehöhlte Innenseite trägt etwa in der 
Mitte der Schalenhöhe einen grossen, tief eingesenkten Muskel- 
eindruck; der untere Schalenrand zeigt eine nicht starke, 
wellenförmige Biegung, welche den Falten der Aussenseite 
correspondirt; da indessen die Schalen eine sehr bedeutende 
Dicke erreichen , welche die der westphälischen Stücke weit 
übertrifft und nur von Exemplaren aus dem Salzberge bei 
Quedlinburg erreicht wird, so verschwinden an einem Exem- 
plare die Falten auf der Innenseite fast gänzlich. Das Liga- 
mentfeld ist bei der freien und der abgebildeten angewachsenen 
Klappe etwa X so hoch als breit; bei der anderen angewachsenen 
erreicht die Höhe mehr als die Hälfte der Breite; die Liga- 
mentgrube nimmt etwa ein Viertel bis ein Drittel der Breite ein. 
Alle Exemplare werden gegen den Schlossrand schmaler, wie 
dies auch die Stücke aus Westphalen und vom Salzberge zeigen, 
und dies scheint ein Hauptunterscheidungsmerkmal der Art von 
0. diluviana zu sein. 

Die Dimensionen anlangend, so hat die freie Klappe 95 Mm. 
Höhe , 65 Mm. grösste Länge und 20 Mm. grösste Schalen- 
dicke; die kleinere angewachsene Klappe 75 Mm. Höhe, 45 
Mm. grösste Breite, 20 Mm. grösste Schalendicke; die grössere 
ist abgebildet. 

Der Erhaltungszustand ist sehr gut, da sich eine dünne 
Verkieselungsrinde mit deutlichen Ringen entweder ganz oder 
doch zum grössten Theile über die Oberfläche gelegt hat und 
auf diese Weise den Kalk vor weiterer Verwitterung schützte. 

Auf der kleineren angewachsenen Klappe finden sich neben 
undeutlichen Bryozoen einige Schalenfragmente, die an Spondy- 
lus striatus Sow. erinnern. Alle drei Stücke führen die Auf- 
schrift Chorm Rhaschada (oder Rhaschid) und die freie Klappe 
das Datum : 5. Juni 1865. 



283 



In die nächste Verwandtschaft der angeführten Art gehört 
die Taf. III. Fig. 3. abgebildete Auster. Sie ist wahrschein- 
lich nur eine jugendliche Form, an der die Zacken und Spitzen 
sich noch nicht ausgebildet haben. Das Gestein und der Er- 
haltungszustand sind aber anders als bei den drei Stücken der 
echten Ostrea armata. Das Versteinerungsmaterial ist nämlich 
ein rötlich weisser Kalkstein ohne jede Spur von Verkieselung. 
Da das Stück dasselbe Datum (5/6 1865) trägt, so ist wohl die 
Stelle Udi Cheil, an der es aufgehoben wurde, nicht weit von 
Chorm Rhaschada entfernt. 

Während bei Coquand sich keine Abbildung findet, die 
mit unserer typischen Ostrea armata gut vergleichbar wäre, so 
hat dies eben erwähnte Stück sehr nahe Verwandte in Ostrea 
Forgemolli l. c. t. 21 fig. 7 — 9 und Ostrea Villei t. 22 fig. 1 
bis 4, die sich beide in dem von Herrn Coqüand aufgestellten 
Etage Dordonien, d. h. Obersenon, vorfinden. 

Ostrea larva Läm. Goldf. Petr. Germ. t. 75 fig. 1. Co- 
qüand 1. c. pag. 307. Drei Exemplare. Bereits unter den von 
Overweg gesammelten und von Beyrioh (Zeitschrift d. d. geoL 
Gesellsch. IV. 153) beschriebenen Petrefacten aus Nordafrika 
befand sich ein Stück dieser Art. Die sehr ausgezeichnete 
Species ist auch in den vorliegenden Stücken nicht zu ver- 
kennen; zu bemerken ist nur, dass die Angabe von Goldfuss 
(Petr. Germ. p. 10): „die Schalen sind dünn und haben wenig 
Ueberlagerung", nur auf die Mastrichter Exemplare sich be- 
zieht, da die vorliegenden Stücke und den Abbildungen nach 
auch die französischen eine beträchtliche Dicke erreichen, 
welche an einem 50 Mm. langen Exemplare in der Nähe des 
Schlosses 10 Mm. beträgt. Der Erhaltungszustand dieser Stücke 
ist nicht so gut wie der der vorerwähnten Art. Der grau- 
lichweisse Kalk ist an vielen Stellen aufgelöst und die Stücke 
haben das Ansehen, als hätten sie beträchtliche Zeit in Salz- 
säure gelegen; vielleicht eine Wirkung der unter südlichen 
Breiten energischer angreifenden Atmosphärilien. Daher ist 
die Skulptur der Oberfläche, Ligamentfeld und Muskeleindruck 
verschwunden. Alle drei Stücke tragen die Aufschrift Djebel 
Ksehb. 

Ohne Zweifel von dem grössten Interesse sind aber drei 
Exemplare der Exogyra Ov erw egi L. v. Buch, Zeitschr. 
d. deutsch, geol. Ges. IV. p. 152 t. 4 fig. 1 und 2, welche 



284 



die Kenntniss dieser Species sehr erweitern und sie zu einer 
der interessantesten ihres Geschlechtes machen. Die hier vor- 
liegenden Stücke (Taf. III. Fig. 4 und 5) unterscheiden sich 
von der vorerwähnten Abbildung auf den ersten Blick durch 
die dicerasähnliche, pfropfenzieherartige Drehung ihres Wirbels. 
Allein unsere Figur 5 und die oben angeführte Abbildung (t. 4. 
lig. 1) sind die beiden Enden einer durch Zwischenglieder ver- 
mittelten Reihe. Der Beyrich' sehen Abbildung am nächsten 
steht das dort p. 153 erwähnte, von Frederic Warrikgton auf 
der Reise von Ghadames nach Tripoli d. h. auf derselben Tour, 
von der unsere Stücke stammen, gesammelte Exemplar; diesem 
schliesst sich unsere Abbildung Figur 4 an , und von dieser 
wird der Uebergang zu Figur 5 durch ein nicht abgebildetes 
Stück vermittelt. 

Zu der verschiedenartigen Ausbildung der Form mag wohl 
die ungleiche Grösse der Anwachsstelle viel beigetragen haben. 
Bei dem von Beyrich abgebildeten Exemplare war die An- 
wachsstelle sehr gross, und der Wirbel konnte sich demnach 
nicht so frei herausdrehen, wie bei unserem Exemplare Figur 5, 
bei welchem die Anwachsstelle kaum bemerkbar ist. Von der 
Spitze des Wirbels zieht sich ein abgerundeter Kiel über die 
Schale hin , von welchem die beiden Seiten ziemlich gleich- 
massig abfallen; durch die starke Drehung des Wirbels ent- 
steht eine Rinne, welche (Fig. 5 b), vom Schlosse aus der Dre- 
hung folgend, auf der inneren Seite des Wirbels bis zum An- 
wachspunkt entlang läuft. Ueber das Schloss und den Muskel 
lässt sich zu der von Herrn Beyrich gegebenen Beschreibung 
nach unserm Material nichts hinzufügen. Von der Oberfläche 
gilt das bei Ostrea larva Gesagte in noch höherem Grade; nur 
das kleine Bruchstück Figur 4 zeigt etwas von Skulptur. In 
der Nähe des Wirbels finden sich, ähnlich wie bei Exogyra 
columba, kleine, unregelmässige, dichotomirende Fältchen. Bei 
stärkerem Wachsthum bilden sich dann einige derselben zu 
grösseren Falten aus. Ganz auffallend ist die grosse Dicke 
der Schale; sie erreicht bei dem Figur 5 abgebildeten Stuck, 
vom Schloss zum Kiel gemessen, 20 Mm. Im allgemeinen 
Habitus hat die Art die grösste Aehnlichkeit mit der von F. 
Roemer von Neu -Braunfels in Texas beschriebenen Exogyra 
arietina; sie ist von ihr aber durch den starken Kiel und die 
Oberflächenbeschaffenheit hinlänglich verschieden. Coquand 



285 



bildet t. 19 fig. 1 — 6 unter dem Namen Ostrea Overwegi eine 
Exogyra ab, die mit unseren Stücken nichts gemein hat; es 
ist dies eine eigenthümliche , neue Art , die ihren Namen 
wechseln muss. Das Figur 5 abgebildete Stück trägt die Auf- 
schrift Djebel Mimun, die beiden andern Udi Cheil. Das Ver- 
steinerungsmaterial ist graulichweisser Kalk mit Spuren von 
Verkieselung. 

Ausser dieser Form ist noch eine andere Species der 
Gattung Exogyra unter den übersandten Stücken, welche Taf. III. 
Fig. 1 abgebildet ist und unter den beschriebenen Exogyren 
sich am meisten der Exogyra Matheroniana d'Orb., Pal. fr. t. 85 
anschliesst. Vergl. Coquand 1. c. pag. 307. Der Wirbel der 
einzigen vorhandenen , angewachsenen Klappe ist wenig vom 
Rande entfernt; von ihm geht ein Kiel aus, in dem] die 
Schale rechtwinkelig gebogen ist; derselbe trägt unregelmässige 
Höcker. Auf dem schmaleren , hinteren Theile der Schale 
finden sich einige starke, deutliche Falten, welche quer vom 
Kiel nach dem hinteren Rande verlaufen; auf dem breiteren, 
vorderen einige undeutliche (an unseren Exemplaren fast ver- 
schwundene), welche die spiralförmige Krümmung des Kieles 
mitmachen; die Innenseite stimmt völlig mit d'Orbigny's Ab- 
bildung t. 485 ßg. 7. — Ueberraschend ist die Uebereinstimmung 
unseres Stückes mit Exemplaren von Agoas Livres da outra 
Banda in Portugal , die mit der S chlotheim' s c h en Sammlung 
in das hiesige mineralogische Museum gekommen sind. 

Diesen Austern schliessen sich noch eine Anzahl Seeigel- 
stacheln an von Formen , wie sie Desor Syn. d. Echin. foss. 
t. 5. fig. 1, 12, 13, 28 abbildet. Die meisten sind in Kalk- 
spath verwandelt, bei einigen aber sind nur die äusseren Skulp- 
turen und die mittlere Axe Kalk, während das Uebrige Feuer- 
stein ist, so dass _auf dem Querbruch eine Kreisfläche von 
Feuerstein sich zeigt, deren Centrum und Peripherie von Kalk 
gebildet werden. 

Auf einigen der Stacheln sitzen Reste von Bryozoen, deren 
Erhaltungszustand indessen eine Bestimmung nicht gestattet. 

Alle vorliegenden Versteinerungen stellen ausser Zweifel, 
dass sie aus Schichten von senonem Alter herstammen und 
zeigen zugleich mit den von Overweg gesammelten, welche 
an einem 30 geographische Meilen weiter östlich gelegenen Punkte 
aufgehoben wurden, dass Schichten von gleichem Alter eine 



286 



sehr grosse Ausdehnung an dem nördlichen Rande der süd- 
lich von Tripoli gelegenen Hammada haben. 

Coquand hat die grosse Verbreitung und die Mannichfaltig- 
keit des organischen Inhalts der Kreideformationen der Pro- 
vinz Constantine nachgewiesen und gezeigt, dass Schichten von 
senonem Alter sich auch dort vorfinden. Indessen sind es, 
wenn auch verwandte, doch verschiedene Organismen, welche 
sich in den dortigen senonen Schichten zeigen ; denn nur die 
wenig ausgezeichnete Varietät der Ostrea armata, ferner Exogyra 
cf. Matheroniana und Ostrea larva sind in den westlichen Ge- 
genden vorhanden, während die charakteristischen Formen der 
Ostrea armata und Exogyra Overwegi zu fehlen scheinen. Ob 
man hieraus auf einen Wechsel der Fauna schliessen darf, 
muss bei der geringen Menge des Vergleichsmaterials zweifel- 
haft bleiben. Exogyra cf. Matheroniana und Ostrea larva 
werden von Coqüand in seinem Etage campanien aufgeführt. 



• Erklärung der Figuren auf Tafel III. 

Figur l. Exogyra cf. Malheroniana d'Oiu;. Chorm Rhaschada. 

„ 2. Ostrea armata Goldf. Chorm Rhaschada. 

„ 'S. Ostrea cf. armata Goldf. Udi Cheil. 

,, 4. Exogyra Overwegi L. v. Buch. Udi Cheil. 

,, 5. a, b. Exogyra Overicegi L. v. Bi'CH. Djebel Mimun. 



287 



6. lieber das Alter der Tertiärschichten bei Bünde in 
Westphalen, 

Von Herrn A. von Koenen in Berlin. 

Der Doberg bei Bünde ist wohl der schon am längsten 
bekannte Fundpunkt von Tertiärversteinerungen in ganz Nord- 
deutschland. Graf Münster schilderte das geognostische Vor- 
kommen nur äusserst kurz ; etwas eingehender beschrieb das- 
selbe beiläufig F. Roemer in seiner trefflichen 'Arbeit über das 
Wesergebirge und zog zu den Schichten des Doberges noch 
diejenigen, w r eiche in der Mergelgrube von Epmeier, am Fusse 
der Schwarzhörst, durch ein Bachthal vom Doberge getrennt, 
aufgeschlossen sind und früher schön erhaltene Sachen, be- 
sonders die Pleurotomaria Sismondai Goldf. , geliefert haben, 
jetzt aber schon lange ausser Betrieb sind. 

Seit nun durch Beyrich's vorzügliche Arbeiten die Grund- 
lagen- für die Klassifikation der norddeutschen Tertiärschichten 
geschaffen sind, hat w r ohl kaum Jemand, besonders Jemand, 
der mit den einzelnen Schichten und ihren respectiven Ver- 
steinerungen genau vertraut gewesen wäre, in der Epmeierschen 
Mergelgrube gründlich sammeln können oder eine von Do- 
berger Sachen gesondert gehaltene Suite aus derselben zu Ge- 
sicht bekommen. Hierdurch erklärt es sich denn, dass jene 
Schichten mit denen des Doberges zusammen seither für 
Ober- Oligocän galten. Als ich im vergangenen Jahre zum 
ersten Male von Herrn Göpne nach der ziemlich versteckt 
liegenden Epmeierschen Mergelgrube geführt wurde, fand ich 
zu wenig Versteinerungen , als dass ich aus diesen mir hätte 
irgend ein bestimmtes Urtheil bilden können ; es fiel mir aber 
sogleich die petrographische Verschiedenheit dieser Schichten auf 
von denen des Doberges; es finden sich nämlich daselbst ca. 8 Fuss 
stark sandige, gelblich- und grünlichgraue Mergel aufgeschlossen 
und über diesen ca. 10 Fuss feste , graue , plattige , sandige 
Kalkbänke, während auf dem Doberge zuoberst jene festeren, 



288 



in eigentümlich knorrige Blöcke zerfallenden Schichten mit 
den bekannten grossen Echiniden liegen und darunter ein 
dunkelgrüner, milder Mergel von bedeutender Mächtigkeit, 
welcher in seinen oberen Schichten zahlreiche Versteinerungen, 
besonders Bivalven , in guter Erhaltung einschliesst und vor 
Allem reich an Foraminiferen ist. Diese Schichten des Do- 
berges liegen in einer Mulde, welche in einer Länge von mehr 
als 1000 Schritt durch zahlreiche , tiefe Mergelgruben aufge- 
schlossen ist, und deren Flügel nach beiden Seiten zu Tage 
ausgehen und mit einigen 30 Grad nach Norden resp. Süden 
einfallen. 

Nach dem blossen Augenmaasse lässt sich ferner erkennen, 
dass, falls nicht eine Hebung des Doberges oder eine Senkung 
der Schwarzhorst stattgefunden hat, die Tertiärschichten dieser 
einem tieferen Niveau angehören müssen als die auf dem Do- 
berge aufgeschlossenen. 

Nun war neben dem Bauerhause, das gleich südlich vom 
Ausgehenden der Doberger Mulde liegt, aus einer tiefen Grube 
ein fetter blauer Thon ausgeworfen worden, und ich erfuhr 
von dem Besitzer, dass in dem dicht dabei befindlichen Brunnen 
32 Fuss dieses blauen Thones und dann noch bis auf das 
Wasser (an der Keupergrenze?) einige 40 Fuss Mergel durch- 
teuft worden wären. Diesem unteren Mergel dürfte also der- 
jenige der Epmeierschen Grube entsprechen. 

Die eigenthümlich sumpfige Beschaffenheit einer grossen 
Wiese nördlich vom Doberge und eines Theiles des Ostab- 
hanges lassen nun auf einen Untergrund von zähem Thon 
schliessen und möchte hier vielleicht jener blaue Thon zu 
Tage treten, der unter dem Doberger oberen Mergel liegt. 

Bei meiner kürzlichen Anwesenheit in Bünde, Mitte April 
d. J., ging ich, nun mit den nöthigen Werkzeugen versehen, 
wiederum nach der Epmeierschen Mergelgrube und fand eine 
grössere Anzahl leidlich erhaltener Versteinerungen, die ich 
meist aus dem Gedächtniss mit ziemlicher Sicherheit bestimmen 
konnte, ausserdem aber noch mit Hülfe Herrn Bosquet's mit 
Originalen seiner Sammlung verglichen habe. Es sind folgende 
Arten : 



289 



No. 


Schwarzhorst bei Bünde 


Ober- | Mittel- 1 Unter- 
Oligocän. 


1. 


AY)Cirrhn'i<i toiPfio^n Sp,TTT,nTPT 


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JXLUItiL LI loLlvilllo Düillli ... 


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7. 


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11 

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12 


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J.YUttt/M' JJLtlllLU ICltllolO IjKJxit • • 






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MrXcoU/Vltt II, olj. 






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17 


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JL tl tu l UlULiniZ H, 6p. } . • • 






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20. 


AvnioYip wiilticnatntn TinftQTTET 






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21 


f/Qf^ß/y o/n 








22 
— — • 


illinvnn vnrt'n'itiTi^/i r*TTTT, 

1 IU. 1 1 Itb IHK) Holl UotO JL XLlXj. • 






t 


93 








t 


94. 










9^ 


O/Vl 








9fi 










27. 


Mytilus sp 








28. 










29. 


Spondylus cf. rarispina Desh. . 






t 


30. 


Pectunculus cf. ooovatum Lam. 






t 


31. 


Limopsis granulata Goldf. . 






t 


32. 








33. 










34. 









*) Das a. a. O. von mir als oberoligocän aufgeführte Stück dieser 
Art von Bünde im Berliner Museum dürfte wohl aus eben dieser Mer- 
gelgruhe stammen. 

**) Es ist dies eine der schlanksten Formen, die ich auch von 
Lattorf etc. besitze, von Mesalia [ßlelania) Heyseana Phil, dadurch weit 
verschieden. 

***) Diese Art, ferner Aslarte Henckeliusiana und Crassatella astar- 
Zeits. d.d. geol. Ges. XVIII. 19 



290 



Schwarzhörst bei Bünde 



Cardium cingulatum Goldf 
Cardium Hausmanni Phil. 
Cytherea incrassata Sow. 
Cytherea splendida MEr. . 
Cytherea Solandri Sow. (?) 
Astarte Henckeliusiana Nyst, 
Crassatella astartiformis Nyst. 
Cr. tenuistria Desh. var. a. Nyst 
Crassatella Bosqueti Koen. . 
Astarte subquadrata Phil. (Pa 

laeontogr. I.) ... . 
Crassatella tenuistriata Desh. var 

a. Phil, non Nyst.*) . . 

Psammobia sp 

Corbula Heiickeliusiana Nyst. 
Thracia sp. . 
Echinocyamus ovatus Ag. 

(Echinoneus ovatus Golüf.) 



Ober- | Mittel- | ünter- 
Oligocän. 



t 



Ausser diesen finden sich nicht selten Bryozoen und 
Foraminiferen , und habe ich Herrn Professor Reuss eine 
Probe geschickt mit der Bitte, nach diesen das Alter der 
Schichten zu ermitteln. 

Nach den oben von mir angeführten Namen bleibt wohl 
kaum ein Zweifel, dass die Schichten an der Epmeierschen 
Mergelgrube unteroligocän sind; denn es finden sich darin 
mehrere dem Unter- Oligocän eigentümliche Arten und keine 
dem Mittel- oder Ober- Oligocän eigenthümliche. Falls der 
blaue Thon sich nun als Mittel- Oligocän erweisen sollte, so 

tiformis werden zwar vom Doberge , also oberoligocän , aufgeführt, 
sind mir aber nicht von dort bekannt , wohl aber von Lattorf, Oster- 
weddingen etc. 

*) Die Ny.ST'schen Originale dieser Art gleichen sehr wenig seiner 
Abbildung, unterscheiden sich vielmehr von dieser und der damit ziem- 
lich übereinstimmenden PmLipPi'schen Art durch die regelmässigen, gleich- 
mässigen, concentrischen Rippen, die schärfer vierseitige Gestalt und die 
scharfe Kante, die auf der hinteren Seite vom Wirbel nach dem unteren 
Rande läuft. Da Philipp! den Namen Astarte subquadrata im Nachtrage 
zu seiner Arbeit ,,Ueber die Tertiärversteinerungen der Magdeburger 
Gegend" selbst sogleich wieder eingezogen hat, so nenne ich diese Art 
jetzt Crassatella Bosqueti. 



291 



hätten wir hier die sämmtlichen Oligocänschicbten in direkter 
Ueberlagerung zusammen. Von besonderem Interesse ist jeden- 
falls das Vorkommen von unteroligocänen Schichten in dieser 
Gegend, da bisher zwischen Mastricht und Helmstädt nichts 
Derartiges bekannt war. Ich hielt es für räthlich, Vorstehen- 
des alsbald zu veröffentlichen, damit künftighin die Vorkomm- 
nisse des Doberges und der Schwarzhorst gesondert gehalten 
werden, was ja von grosser Wichtigkeit ist. 



19* 



292 



7. Ein Beitrag zur Kenntniss des baltischen Jura. 

Von Herrn A. Sadebeck in Berlin. 

Den Namen „baltischer Jura" führte Herr Professor Betrich 
in dem 13. Bande dieser Zeitschrift S. 143 in die Litteratur 
ein und gab zugleich nach einigen wichtigen Leitfossilien die 
Haupt-Horizonte des darin vertretenen braunen Jura an. Die- 
selben weiter zu verfolgen ist mit grossen Schwierigkeiten ver- 
bunden, weil bei den hier und da zerstreut sich findenden Ge- 
schieben ein Urtheil über ihr relatives Alter nicht durch Be- 
obachtung der Lagerung gewonnen werden kann. Dasselbe 
kann nur dadurch erreicht werden, dass man grössere erratische 
Blöcke, welche eine Anzahl Versteinerungen einschliessen, 
einem genaueren Studium unterwirft. Je ausgedehnter die 
Kenntniss solcher Blöcke sein wird, desto mehr wird man 
auch im Stande sein , kleinere Geschiebe , theils nach den 
Fossilien, theils nach der petrographischen Beschaffenheit ein- 
zuordnen. Diese Betrachtung hat mich bestimmt, den bei Nemitz 
unweit Gülzow in Hinterpommern auftretenden braunen Jura 
zu bearbeiten. 

Das Material habe ich theils selbst gesammelt und im 
hiesigen königlichen mineralogischen Museum niedergelegt, 
theils befindet es sich in der ehemaligen Gumprecht' s che n Samm- 
lung, welche in der geologischen Sammlung der königlichen 
Berg- Akademie aufbewahrt wird. 

Die erste Notiz über das Vorkommen von braunem Jura 
bei Nemitz giebt Wessel in einem Aufsatze im sechsten Bande 
dieser Zeitschrift „der Jura in Pommern." Er beschreibt das- 
selbe, führt einige Petrefakten auf und giebt auf der beige- 
fügten Karte genau die Lokalität an , so dass ich in dieser 
Hinsicht nur darauf zu verweisen habe. Später erwähnt Herr 
Professor Beyrich an der oben angegebenen Stelle dieses Vor- 
kommen und zeigt durch Angabe des Ammonites aspidoides 
Oppel das Niveau der Schichten an. 



293 



Der Bruch, in welchem der Jura zu beobachten ist, hat eine 
sehr grosse Ausdehnung und besteht wesentlich aus Kreidemergeln, 
von welchen Wessel vermuthet, dass sie sich auf sekundärer 
Lagerstätte befinden. Ob dies wirklich der Fall ist, wage ich 
nicht zu entscheiden , nur kann ich bestätigen , dass sich die 
fraglichen Kreidemergel von der anstehenden Kreide auf der 
Insel Wollin sehr unterscheiden. Aus diesen Kreidemergeln 
bestehen die Wände und der Boden des Bruches, in dessen 
Mitte ein Block jurassischen Gesteines sich befindet. Derselbe 
hat gegenwärtig eine Höhe von circa 5 Fuss und einen Durch- 
messer von 6 — 7 Fuss. Früher hatte er eine viel grössere 
Ausdehnung, das Gestein wurde gebrochen und zum Bauen 
verwendet, jetzt geht er durch Verwitterung mehr und mehr 
der gänzlichen Vernichtung entgegen. Wessel hielt das Ge- 
stein für anstehend, weil der darunter liegende Kreidemergel 
früher nicht aufgeschlossen war. Nach den jetzt vorhandenen 
Aufschlüssen unterliegt es keinem Zweifel, dass dieser Block 
sich auf sekundärer Lagerstätte befindet; der ganze Block scheint 
von Kreidemergeln umgeben gewesen zu sein, wodurch es 
wahrscheinlich wird , dass auch die Kreidemergel sich nicht 
mehr auf ihrer ursprünglichen Lagerstätte befinden. Die Masse 
jurassischen Gesteins lässt eine vollkommen horizontale Schich- 
tung nicht verkennen, und zwar liegt zuoberst ein festes Ge- 
stein, welches petrographisch sehr ausgezeichnet ist. Es ist 
ein feinkörniger, oolithischer Kalkstein von dunkler Farbe, in 
welchem hier und da zerstreut Knollen eingewachsen sind. Die 
Knollen sind ungefähr von der Grösse einer Hasselnus und von 
sehr verschiedener Gestalt ; sie haben eine ziemlich glatte Ober- 
fläche von brauner oder grünlicher Farbe. Wenn man sie zerschlägt , 
zeigt sich deutlich eine Rinde von Brauneisenstein und die Masse im 
Inneren ist von gleicher Beschaffenheit wie das umgebende Ge- 
stein, auch finden sich daselbst Theilchen zerbrochener Muscheln. 
Durch eine grosse Anzahl von Knollen erhält das Gestein ein 
conglomeratähnliches Aussehen, und durch Verwitterung geht 
die schwarze Farbe in eine braune über. Die Erhaltung der 
Muscheln ist insofern eine günstige, als die Schalen nicht zer- 
stört sind, was die schärfere Bestimmung erleichtert. Dieses 
Gestein wird von dem unterliegenden Kreidemergel durch 
einen an Versteinerungen ärmeren dunklen Thon geschieden. 



294 



welcher nach den darin enthaltenen Petrefakten derselben Zone 
des braunen Jura angehört. 

Aufzählung der aus Nemitz beobachteten 
Petref ak ten. 

1. Rhy nchonella varians Sohloth. Oppel, Jura 
§. 61, 98. 

2. Pectenlens Sow. Min. Conch. t. 205. f. 2. 3. 
Oppel sagt in seinem Jura p. 492. §. 61. Nr. 71, mit dieser 

Species würde häufig Pecten laminatus Sow. verwechselt. So- 
werby giebt als Merkmal letzterer Species die lamellose Struc- 
tur des rechten Ohres an, und Oppel fügt noch hinzu, dass sie 
eine geringere Grösse habe. Bei vorliegenden Exemplaren 
sind die Ohren nicht erhalten, so dass das Hauptkriterium fehlt. 
Wegen des von Oppel angegebenen Unterschiedes führe ich 
die Maasse an ; die Länge beträgt 15 Mm. und die Höhe 18 Mm., 
dasgrösste Exemplar hat eine Höhe von 5 und Länge von 25 Mm. 
Diese Maasse würden eher auf Pecten laminatus hindeuten, ich 
schliesse mich jedoch in der Bezeichnung lieber Quenstedt an, 
welcher alle Formen mit punktirter Skulptur der Schale unter dem 
Namen Pecten lens zusammenfasst, wenn sie auch in den ver- 
schiedensten Niveaus auftreten. Oppel begründet den Unter- 
schied auf die verschiedene vertikale Verbreitung, indem er 
Pecten laminatus als Bathspecies, Pecten lens als Oxfordspecies 
anführt. 

3. Pecten demissus Quenst. Jura t. 72 f. 27. cf. 
Pecten spathulatus Roemer, Ool. Geb. t. 18. f. 22. 

4. Lima duplica ta Sow. sp. 

Diese und die folgende Species lassen wegen theilweiser 
Zerstörung der Schale die feinen Nebenstreifen nicht erkennen, 
sonst stimmen sie mit den vorhandenen Beschreibungen und 
Abbildungen überein. 

5. Limea duplicata Münster, Goldf. t. 107. f. 9. 
Qüenst. Jura p. 436 t. 59 f. 16. 

6. Avicula echinata Sow. Min. Conch. 243. f. 1. 

7. Po sidonomy a Buchii A. Roemer, Ool. Geb. t. 4. 
f. 8. Beyrich, Zeitschrift d. deutsch, geol. Gesellschaft. VII. 
p. 143. 

8. Area rugosa? var. von Area Prattii Morris et Lyo. 
p. 47 t. 5. f. 2. 



295 



9. Trigonia sp. aus der Familie der Costaten. 

10. Ast arte Parkinsoni Quenst. Jura t. 67. f. 36 
p. 50<ß Vergl. Zeitsch. d. deutsch, geol. Ges. XVII, A. Kunth, 
die losen Versteinerungen in Ternpelhof bei Berlin. 

11. Ast arte depressa Münster, Goldf. t. 134. f. 14. 
v. Seebach, Hann. Jura p. 122. 

1 2. Cyp r i n a nue i/o r m i s Lyc. Quart. Journ . IX. 
p. 340 t. 14. f. 3. Die Länge und Höhe der Muschel be- 
trägt 30 Mm. und die Dicke 18 Mm. Die Wirbel sind nach 
vorn gedreht und liegen nahe bei einander. Vor ihnen befindet 
sich eine grosse, herzförmige Lunula, und hinten ist eine Kante 
schwach angedeutet. Die Skulptur -besteht in einfachen, 
schwachen, concentrischen Streifen. Nur die linke Klappe ist 
vorhanden, dieselbe zeigt neben einem langen Nebenzahn zwei 
schief stehende Hauptzähne, welche diese Form unbedingt dem 
Genus Cyprina anreihen. In der äusseren Form gleicht diese 
Art mehr einer Isocardia, und zwar steht sie der Isocardia mi- 
nima Sow. Min. Conch. t. 294 f. 1 — 3, non Goldfuss, sehr 
nahe , bei welcher nur die Schalen mehr aufgebläht sind, 
die Lunula in Folge dessen auch grösser ist und die Wirbel 
etwas mehr nach vorn liegen. Die Abbildung in Que>stedt's 
Jura t. 60 f. 17 hat grosse Aehnlichkeit, nur tritt hier mit- 
unter auch Radial skulptur auf. 

In den Geschieben der Mark findet sich diese Form 
häufig neben der kleinen /. leporina Klöden, w 7 elche radial 
gestreift ist und, wenn sie zum Genus Cyprina gehört, immer 
zu trennen sein würde. 

13. Pholad omy a radiata Schloth. sp. , Myacites ra- 
diatus Schloth. Petrefaktenkunde p. 179. Die Länge der 
Muschel beträgt 40 Mm. , die Höhe 23 Mm. und ihre Dicke 
17 Mm. Die Gestalt ist länglich oval, und die Wirbel liegen 
im ersten Drittel der Schale. Der Schlossrand verläuft nach 
hinten gerade, der vordere Rand ist beinahe halbkreisförmig, 
der untere ist geradlinig und steigt nach hinten sanft an. 
Unter den Wirbeln ist die Schale am dicksten , hinten ist sie 
stark zusammengedrückt, so dass der hintere Rand scharf wird, 
wogegen der vordere stumpf ist. Die Oberfläche ist radial ge- 
streift mit Ausnahme des vorderen und hinteren Theiles der 
Schale. Die Rippen, deren Anzahl 22 beträgt, sind nicht von 
gleicher Stärke, und nur 13 gehen von den Wirbeln aus, die 



296 



übrigen erscheinen eingeschoben. Die Rippen selbst sind 
glatt und werden nur von den Anwachsstreifen durchschnitten. 
Die beiden vorderen sind ein wenig nach vorn gerichtet, die 
übrigen biegen sich mehr und mehr nach hinten , so dass die 
letzte Kippe mit der ersten ungefähr einen Winkel von 60 Grad 
bildet. 

14. P anopaea d ecurt ata Phil. Geol. of Yorksh. t. 7. 
f. 11. 

15. Dentalium ental oides Dbsl. Oppel p. 390. D. 
ParJcinsoni Quenst. Jura t. 65 f. 5. 6. Vergleiche Brauns, Palä- 
ontographica Band XIII. p. 137. 

16. Turbo biarmatus Goldf. p. 55. t. 180 f. 2. 

17. Trochus cf. Zetes d'Orb. Pal. franc. p. 285 t. 
317 f. 5 — 8. Vergleiche A. Künth, Zeitschr. d. deutsch. Ge- 
sellsch. XVII. p. 317. 

Vorliegende Exemplare stimmen mit der d'Orbigny- 
schen Species nur insofern nicht überein , als sie nicht ge- 
nabelt sind; sie haben auf dem Spindelsaum nur eine mehr oder 
minder markirte Furche. Durch letzteres Merkmal schliessen 
sich die Formen dem Trochus bijugatus Quenst. an (Jura p. 485 
t. 65 f. 8). Von dieser Species sagt Quenstedt, dass sie in Höhe 
des Gewindes und in der Skulptur sehr variire. Die Nemitzer 
Exemplare haben aber alle ein durchaus gleichartiges Aus- 
sehen, obgleich ich verschiedene Altersstufen besitze, so dass 
ich sie mit der QüENSTEDT'schen Species nicht identificiren 
kann. 

18. Cerithium muricatum Sow. sp. Siehe A. Kunth, 
Zeitsch. d. deutsch, geol. Ges. XVII. p. 315. 

19. B elemnite s Beyrichi Oppel, Jura S. 472. 

20. Ammonites aspidoid e s Oppel, Jura S. 474. 

U. Schönbach stellt diese Form unter Ammonites subra- 
diatus (Paläontographica Bd. XIII. p. 33). 

Ferner finden sich Bruchstücke von Ammoniten aus der 
Familie der Fal eiferen, so wie dem Ammonites Parkinsoni nahe 
stehende Formen. 

Dies sind sämmtliche, mir bekannte Arten, welche natür- 
lich keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen können, 
jedoch genügen, um das Niveau festzustellen. 

Wessel führt noch folgende Arten an: 
a. aus dem festen Gestein: 



297 



1. Terebratula ornithocephala, 

2. Goniomya V-scripta, 

3. Pecten fibrosus, 

4. Astarte polita, 

5. Ostrea explanata A. Robmer. 
b. aus dem Thone : 

Ii Astarte nummulina 
2. Astarte pulla. 

In beifolgender Tabelle habe ich die vertikale Verbreitung 
der mir bekannten Arten von Nemitz nach den Werken von 
Oppel , Q Henstedt und v. Seebach angegeben.. Es ergiebt sich 
daraus auf den ersten Blick , dass die Nemitzer Schichten in 
den Versteinerungen nach Oppel's Bezeichnung am meisten 
mit dem Cornbrash, also den oberen Schichten der Bathforma- 
tion übereinstimmen, und dass sie paläontologisch dem Corn- 
brash von der Egg bei Aarau sehr ähnlich sind. Nach Quen- 
stedt's Bezeichnung würden sie zu den Dentalienthonen* des 
braunen Jura zu stellen sein, und in Norddeutschland kommt 
die grösste Anzahl der Arten in der Zone der Ostrea Knorii vor. 



298 



Species von Nemitz. 



Verbreitung nach Oppel. 



Unter- 
oolith. 



P 

■6 

N 



Bath- 
formation. 



Lagena- 
tis-Bett 



Localitäten. 



'S ft 



Q[)ENSSEDT 



Brauner 
Jura. 



T .|8'.|e*)|C 



c 


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-2 










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Kno 


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5 


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SU 


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O 




o 


3 


Os 






| Co 


Par 









Rhynchonella varians 



Pecten lens (P. lami- 
natus) l ) 



Pecten demissus 
Lima duplicata 
Limea duplicata 

Avicula echinata 
Posidonomya Buckii 

Area rugosa 2 ) 
Astarte Parkinsoni 3 ) 
Astarte depressa 



Pholadomya radiata 
Panopaea decurtata 



Dentalium entaloides 4 ) 



Turbo biarmatus 
Trochus cf. Zetes 5 ) 
Cerithium muricatum 
Belemnites Beyrichi 



Ammonites aspidoides 6 ) 
Cyprina nueiformis 7 ) 



t: I 



Aa- 
rau 



Aa- 
rau 



Aa- 
rau 

Aa- 
rau 



Bopfin- 
gen Eh- 
ningen 

Oe- 
schingen 



Ehnin- 
gen u. 
Oe- 
schingen 



Neuffen 
Ehnin- 
gen, Oe- 
schingei 



Ehnin- 
gen Ba- 
lingen 



Oe- 
schingen 
•Neuffen 
Ehnin- 
gen 



Wiitshirc 



Nord- 
hampton- 
shire 
Somer- 
setshire 



Mar- 
quise 
bei 
Bou- 
logne 



Mar- 
quise 
bei 
Bou- 
logne 
Eh- 
ninge- 
Balin- 
gen 



Scar- 
borough 



Scarbo- 
rough 



Mont d'Or 
(Calvad 



*) Das D. bedeutet Dentalienthon, das P. Parkinsonoolith. 

1) Bei Oppel ist P. laminatus in den Vergleich gezogen. 

2) Nach Morris und Lycett im englischen Grossoolith. 

3) Oppel und v. Seebach scheinen sie nicht von A. pulla getrennt zu haben. 

4) Qcenstedt führt es als D. Parkinsoni auf. 

5) TrochusZetes d'Orb. trittin demEtage bajocienauf, T. bijugatus Qu in denDentalienthonen. 

6) A. fuscus bei Quenstkdt und v. Serbach. 

7) Findet sich nach Lycett im Unteroolith von Gloucestershire. 



299 



8. Hefter das Vorkommen hohler Kalkgeschiehe 
in Bayern. 

Von Herrn Günsel in München. 

(Aus einer brieflichen Mittheilung an Herrn Beyrich d.d. 2. Juni 1866.) 

Nachdem ich den Aufsatz des Herrn Laspeyres über hohle 
Kalkgeschiebe im 2. Hefte Bd. XVII. der Zeitschrift gelesen 
habe, glaube ich, dass es eine passende Gelegenheit sei, einige 
Notizen mitzutheilen , welche ich über denselben Gegenstand 
seither gesammelt habe. 

Die hohlen Geschiebe sind in unserer süddeutschen dilu- 
vialen Nagelfluhe in ihrer ganzen Verbreitung eine so allgemeine 
Erscheinung, dass sie für uns die Bedeutung des Aussergewöhn- 
lichen völlig verliert. Hier in München lassen sich die hohlen 
Kalkrollstücke fast an jedem Bruchstück des häufig zu Bau- 
zwecken verwendeten diluvialen Conglomerats bemerken, und 
wo immer in nächster Nähe der Stadt an den hohen Isarlei-' 
then durch Kalksinter verkittetes Diluvialgeröll der Beobach- 
tung zugänglich ist, findet man auch die hohlen Geschiebe, z. B. 
an der Römerschanze bei Grünwald, in den Steinbrüchen von 
Deesenhofen und östlich von Haching u. s. w. So geht es fort bis 
zum Fusse unserer Alpen, und innerhalb dieses Gebirges beherber- 
gen alle durch Kalksinter verkittete Geröllmassen mit Dolomit- 
rollstücken , die ich als Terrassen-Diluvium bezeichnet 
habe, ausgehöhlte Geschiebe, nicht bloss das Conglomerat in 
der Breitenau bei Garmisch, sondern auch jene von Klais, 
Mittenwald und auf dem Bodenlahnsattel zwischen Kreuzfels 
und Hochalp. Die Erscheinung wiederholt sich in allen Thei- 
len unserer Alpen, beispielsweise in dem Conglomerat bei Am- 
mergau, in jenen des Biberbergs im Innthal; sie wird auch nicht 
an dem Gestein von Ramsau fehlen, obwohl ich mich nicht 
erinnere, sie dort bemerkt zu haben. 

Die hohlen Geschiebe sind auch in den Alpen nicht auf 
die diluvialen Bildungen beschränkt. Ich habe eine ganz ana- 



300 



löge Erscheinung an der breccienartigen Rauchwacke in mei- 
nem Alpenwerke beschrieben , welche so häufig an der Basis 
des Hauptdolomits über einer Gypsbildung und über den Mer- 
geln der Raibier Schichten vorkommt. Statt abgerollter Frag- 
mente sind es hier eckige Bruchstücke, deren Masse grossen- 
theils ganz fortgeführt ist. Es entsteht auf diese Weise die 
grossluckige Beschaffenheit, welche diese Rauchwacke auszeich- 
net. Doch kommen darin auch noch Stückchen vor, die in 
eine weiche, staubartige Masse aufgelockert sind, so dass bei 
leisestem Stoss oder Schlag dieser mehlartige Rückstand zer- 
stäubt. In anderen Fällen sind die scharfkantigen Gesteins- 
stückchen in einer äusseren, rindenartigen Kruste erhalten und 
nur im Inneren leer oder theilweise mit Kryställchen von Do- 
lomit- oder Kalkspath ausgekleidet. 

Auch in den tertiären Conglomeraten begegnen wir 
ähnlichen Verhältnissen. In den mitteleocänen Conglomeraten, 
den sogenannten Reiter Nummulitenschichten, beobach- 
tete ich hohle Rollstücke von Dolomit in den versteinerungs- 
reichen Conglomeraten mit sandig-kalkigem Bindemittel in der 
Blindau bei Reit im Winkel. Conglomerate ohne Dolomit- 
geschiebe und mit bloss sandigem Zwischenmittel zeigen die 
Erscheinung nicht. Nicht minder häufig kommen Hohlgeschiebe 
in der jüngsten miocänen Nagelfluh e mit kalkigen Zwischen- 
lagen, z. B. an Irschenberg bei Miesbach, in der Meeresmolasse 
an den Schweig am Ostersee, vor. 

Unter sehr bemerkenswerthen Umständen finden sich die 
in sandigstaubige Masse umgewandelten Geschiebe in den ober- 
sten Lagen unseres losen Diluvialgerölls, wo dieses unmittel- 
bar von Löss bedeckt wird, so z. B. an den Ziegelhütten bei 
Berg am Laim, bei Ramersdorf. Immer sind es nur die do- 
lomitischen Gesteine, nie die reinen Kalkrollstücke, welche 
in einen weichen, zwischen den Fingern leicht zerdrückbaren 
Dolomitsand verwandelt sind, sodass sie beim Anfassen in 
Staub zerfallen. Bei den durch Kalksinter verkitteten Geröll- 
massen fällt dieser Staub durch die Erschütterung des Stein- 
brechens heraus oder wird durch den Regen ausgewaschen. 
Daher zeigen sich die vielen Hohlräume, und das Gestein er- 
scheint nach einem Regen wie übertüncht. 

Es ist nicht zu zweifeln, dass die ganze Erscheinung be- 
dingt ist durch die dolomitische Zusammensetzung gewisser 



301 



Rollstücke und durch die auflösende Wirkung der Circulation 
Kohlensäure-haltigen Wassers. Befördert wird sie durch reich- 
liehe Zerklüftung der Rollstücke. Ich beobachtete häufig Roll- 
stücke, welche offenbar in Folge des Drucks in ihrer Lage 
innerhalb des Conglomerats zersprengt und zerklüftet sind, so 
dass ein Bruchstück gegen die anderen oft verschoben und in 
dieser neuen Lage durch Kalksinter wieder verkittet wurde. 
Ich glaube nach den Erfahrungen und Wahrnehmungen an den 
unmittelbar unter Löss liegenden Rollstücken, dass der erste 
Prözess in einer Aullockerung der Dolomitmasse zu einem mehr 
oder weniger zusammenhängenden Pulver besteht. Diese Verän- 
derung kann natürlich nach dem Zug und Einfluss des Wassers, 
nach der ursprünglichen materiellen Beschaffenheit der Roll- 
stücke und ihrer Zerklüftung an ganz benachbarten Stellen 
innerhalb des Gerölls zu sehr verschiedenen Zeiten eingetreten 
und in sehr verschiedenem Grade entwickelt sein. Waren ein- 
zelne Rollstücke schon vor dem Einsickern von Kalk-haltigem, 
Sinter-absetzenden Wasser staubartig aufgelockert, so konnte 
das Kalk-absetzende Wasser in die Oberfläche der porösen Ge- 
rolle eindringen und hier eine dichte Kalkkr u st e bilden, wel- 
che bei späterer Einwirkung Kohlensäure-haltigen Wassers in 
eben solcher Weise, wie der dichte Sinterkalk des Bindemittels 
selbst, der Auflösung widerstand, während die innere lockere 
Masse fortgeführt wurde. So denke ich mir die Entstehung 
der im Inneren hohlen Geschiebe. In gleicher Weise bildeten 
sich die zelligen oder gekammerten Hohlräume, indem theils 
schon anfänglich die Dolomitrollstücke von Kalkspathadern, 
welche der Zerstörung mehr Widerstand leisteten, durchzogen 
waren . wie man dies bei dem Hauptdolomit unserer Alpen 
durchgehends wahrnimmt; theils aber auf ihren Klüften und 
Sprüngen mit Sinterkalk durchadert wurden, welcher gleichfalls 
weniger zerstörbar als Lamellen sich erhielt. Ueber den 
chemischen Hergang bei diesen Zerstörungen und Umänderun- 
gen giebt die Analyse verschiedener Theile von hohlen Ge- 
schieben Auskunft; sie unterstützt wesentlich meine oben aus- 
gesprochene Ansicht. Ich habe folgende Analysen vorgenommen: 

I. Staubig aufgelockerter Sand im Inneren eines Dolomit- 
geschiebes. 

II. Innerer festerer Theil eines aussen staubartig weichen 
Dolomitrollstückes. 



302 



III. Aeusserer aufgelockerter Theil eines Dolomitroll- 
stückes. 

IV. Rindentheil eines im Inneren ganz hohlen Geschiebes. 



Kohlensaure Bittererde 43,0 44,4 43,4 19,7 39,2 



Die Vergleichung von L, IL, III. mitV. giebt zu erkennen, 
dass eine Fortführung von kohlensaurem Kalk durch Kohlensäure- 
haltiges Wasser als erster Akt des Prozesses betrachtet werden 
muss. Es ist dies wahrscheinlich der überschüssige kohlensaure 
Kalk über die Verbindungsmenge zum sogenannten Mitteldolo- 
mit, welcher zuerst der Auflösung im Kohlensäure-haltigen Was- 
ser verfällt. Dadurch wird das zurückbleibende Gestein reicher 
an Bittererde, und es stellt sich nach und nach eine Verbindung 
her, welche die Zusammensetzung der Dolomitkrystalle besitzt. 
Denn die pulverförmigen lockeren Dolomite I. und III. nähern 
sich sehr dieser Zusammensetzung. Auch die festeren Theile 
eines nach aussen bereits sehr zerreiblichen Dolomitrollstücks 
(II.) zeigen keine wesentlich abweichende Zusammensetzung, 
während die rindenartige Kruste eines innen vollständig hoh- 
len und leeren Geschiebes (IV.) so viel kohlensaure Kalkerde 
enthält, dass diese nur als Infiltrations ab s atz an der Oberfläche 
des bereits zersetzten Rollstücks analog dem Sinterkalk des 
Bindemittels sich erklären lässt. Mechanisch trägt zu dem Grade 
der Auflockerung und des mehr oder weniger festen Zusam- 
menhaltens der einzelnen Dolomitkörnchen die Menge und die 
Beschaffenheit der thonigen Beimengung bei. Je geringer diese 
ist, desto leichter unterliegt das angegriffene Geschiebe der 
völligen Zerstörung. Die untersuchten Proben (I. und III.) 
weisen sehr geringe Mengen dieser Rückstände auf, während 
das Gestein V. weit reicher daran ist. Unter dem Mikroskop 
lassen sich in dem staubartig zerfallenden Dolomit die kleinen 
krystallinischen Körnchen ohne Spur einer weiteren Beimen- 
gung sehr gut beobachten. 




Thoniger Rückstand 
Bit. und org. Theile 




100,0 100,0 100,0 100,0 100,0. 



303 



Die Bildung der weichen und hohlen Dolomitrollstücke 
halte ich wesentlich bedingt durch ihre zu irgend einer Zeit 
einmal- stattgehabten Lage in einer Geröllbank, welche von 
Kohlensäure-haltigem Tagewasser durchdrungen werden konnte. 
Durch Fortführung von kohlensaurem Kalk entstand zunächst eine 
Auflockerung dolomitischer Geschiebe zu einer weichen, zerreib- 
lichen Dolomitsandmasse in Form der ursprünglichen Geschiebe. 
Trat dann später Wasser in die Geröllmasse, welche Kalk in 
Lösung enthielt und diesen in Form von Sinter absetzen 
konnte, so bildeten sich dann inkrustirte Geschiebe und schliess- 
lich durch weitere Einwirkung circulirender Gew r ässer, die nie 
ruhen, die stets umändernd durch die Gesteinsmassen ein- und 
ausziehen , die letzten Formen dieser Umänderungserscheinun- 
gen, die hohlen und im Innern oft mit Kryställchen überklei- 
deten Geschiebe. 



304 



9« Die Zoaiitharia perforata der palaeozoiseken 
Periode. 

Von Herrn K. v. Seebach in Göttingen. 

Hierzu Tafel IV. 

(Aus den Nachrichten der königl. Gesellschaft der Wissenschaften , zu 
Göttingen vom 11. Juli 1866, S. 235, wo indess die Tafel nicht gegeben 
werden konnte.) 

Die erste palaeozoische Koralle aus der Section der Zo- 
aiitharia perforata wurde bekanntlich 1847 von J. Hall (Pa- 
laeont. of New- York T. I. S. 71, t. 25, f. 5) unter dem Namen 
Pontes vetusta beschrieben und leider ziemlich mangelhaft ab- 
gebildet. Nachdem d'Orbigny sie darauf 1850 (Prodome Bd. I. 
Nr. 416) zu Astraeopora M'Coy (non Blainville) gezogen, 
errichteten Milne Edwards und J. Haime 1851 (Polyp, foss. 
d. terr. paleoz. im Arch. d. mus. d'hist. nat. 1851. S. 208) für 
diese Form in der Nähe von Litharaea die Gattung Protaraea, 
die ausser j-erier nur noch die hier zuerst aufgestellte, schon 
durch ihre 30 Septa völlig unterschiedene Species Protaraea 
Verneuili umfasst. Beide Arten waren bisher nur aus dem 
unteren Silur von Nord -Amerika und die Protaraea vetusta 
Hall sp. speciell aus dem Blue limestone von Cincinnati 
und aus der Unterregion des Trenton limestone von Water- 
town bekannt geworden. 

Auf der geologischen Reise, die Herr Professor F. Roemer 
und ich im Jahre 1861 nach Russland unternahmen, fanden 
wir die erste europäische Protaraea in dem Kalkstein von 
Wesenberg in Ehstland, der, in seinem Alter wohl etwas jünger 
als der Trentonkalk. eher dem Utikaschiefer oder der Hudson- 
river-Gruppe gleich steht. Es liegen von dieser Protaraea ve- 
tusta Hall. sp. von Wesenberg nur zwei Exemplare vor, von 
denen das eine indess vortrefflich erhalten ist und mit der 
Diagnose bei Milne Edwards und Haime genau stimmt. Da- 



305 

gegen ist die von ihnen gegebene Abbildung (a. a. O. t. 14 
f. 6) wenig gelungen und lässt nicht einmal die Merkmale der 
Diagnose wieder erkennen. Die Kelche sind zu tief, die Form 
der Septa falsch und die ganze Manier der Schattirung unzweck- 
mässig und unverständlich. Ich gebe daher Taf. IV. Fig. 1. 
eine neue Abbildung in j der natürlichen Grösse. Das schlech- 
tere Wesenberger Exemplar bildet eine Kruste auf den Win- 
dungen einer Murchisonia, das bessere hat die kleinere Klappe 
einer Orthis Verneuili d'Orb. überzogen. Die polygonalen, an 
einander stossenden Kelche haben 2 Mm. im Durchmesser; sie 
sind wenig tief und zeigen 12 fast gleich starke Septa, deren 
innere Zähne eine kaum bemerkbare papillöse Anschwellung 
bilden. Die Mauern nnd Septa sind stark, die Zacken in den 
Kelchecken nur wenig deutlich. 

Ausser der Protaraea vetusta Hall sp. wurde bei Wesen- 
berg noch ein Exemplar einer anderen Koralle gefunden, die, 
obgleich mit Protaraea nahe verwandt, doch nicht mehr zu 
dieser Gattung gebracht werden kann. Diese Koralle bildet 
eine dünne Kruste, die von einem feinen Epithek umschlossen 
ist. Die einzelnen Kelche sind fast gleich gross, von 2 Mm. 
Durchmesser, wenig tief aber steil nach innen abfallend; es 
sind 12 mässig starke, deutlich crenulirte Septa vorhanden; in der 
Mitte der Kelche eine sehr stark entwickelte, schwammige Co- 
lumella, welche den halben Durchmesser des ganzen Kelchs 
einnimmt und fast ebenso hoch hervorspringt wie die Kelch- 
mauer. Die Mauer mässig stark, in den Kelchecken kleine 
Zacken. Ich war anfänglich geneigt, die stark vortretende 
Columella, die steil abfallenden Septen und die dünnere Mauer 
nur dem Erhaltungszustand zuzuschreiben und die gewöhnliche 
Ausbildungsweise der Protaraea vetusta bloss für abgeriebene 
Exemplare der in Rede stehenden Form zu halten, musste 
mich aber nach vielfältig wiederholter Untersuchung von der 
ursprünglichen Verschiedenheit beider Formen überzeugen. 

Es ist nun offenbar, dass diese Form wegen der ausser- 
ordentlich stark entwickelten Columella nicht mehr zu Prota- 
raea gerechnet werden darf. Von den bis jetzt in die weisse 
Kreide hinabreichenden Litharaeaarten unterscheidet sie sich 
aber durch die Zacken in den Kelchwinkeln, die bei ihr mindestens 
ebenso deutlich entwickelt sind wie bei Protaraea. Unter diesen 
Umständen wird man sich entschliessen müssen, für diese Ko- 

Zeits.d. d.geol. Ges. XVIII 2. 20 



306 



ralle zwischen Litharaea und Protaraea eine neue Gattung zu 
errichten, für die ich die Bezeichnung Stylaraea vorschlage. 
Die einzige bis jetzt bekannte Species nenne ich zu Ehren F. 
Roemer's Stylaraea Boemeri. 

Die Diagnose dieser neuen Gattung würde sich etwa 
folgendermaassen bestimmen lassen : 

Stylaraea gen. nov. Ein wurmförmig durchlöchertes 
Sklerenchym bildet krustenförmige, von einem feinen Epithek 
umgebene Korallenstöcke. Die einzelnen Kelche polygonal, wenig 
tief, mit einer stark entwickelten , schwammigen Columella. 
Die Mauern massig stark, in den Kelchecken Zacken tragend. 
Septa stark crenulirt, steil abfallend (2 Cyclen entwickelt). 

Einzige Art: St. Boemeri Seeb. aus bem unteren Silur 
von Wesenberg in Ehstland. Taf. IV. Fig. 2 (f>, 

Ausser diesen Korallen, die zweifellos zu der Gruppe der 
Poritina gehören, und der zu den Zoantharia perforata gehörigen 
Gattung Pleurodictyum Goldf. kennen Milne Edwards und J. 
Haime nur noch ein palaeozoisches Zoantharium perforatum. 
Es ist dies das Genus Palaeacis Haime, das 1860 (Hist. nat. 
d. corall. S. 171) zuerst aufgestellt wurde. Die einzige ihnen 
bekannte Art dieser Gattung Palaeacis cuneiformis stammt 
aus dem Kohlenkalk von Spurgen Hill (Ja.) und konnte nur 
in Abdrücken untersucht werden. Milne Edwards ist daher 
auch zweifelhaft, ob diese Form zu den Turbinarina gehört; 
ja er ist nicht einmal ganz sicher, ob dies merkwürdige Fossil 
überhaupt eine Koralle sei. Fast gleichzeitig stellten Meek 
und Worthen (Proceed. acad. nat. sc. Philadelphia 186') prin- 
ted 1861 S. 447) die 4 Arten umfassende Gattung Sphenopo- 
terium auf. Obgleich nun Meek und Worthen, eine ober- 
flächliche Analogie für wahre Verwandtschaft verkennend, 
ihr neues Genus weit ab von den Madreporiden zu den 
Fungiden stellen und zunächst mit Cyathoseris Milne Ed- 
wards und Haime vergleichen , so zeigt doch eine Ver- 
gleichung ihrer Diagnose mit der für Palaeacis gegebenen 
die Identität dieser beiden Gattungen. Ja es ist sogar kaum 
zu bezweifeln, dass die Palaeacis cuneiformis M. Edwards und 
Haime mit Sphenopoterium cuneatum Meek und Worthen iden- 
tisch ist. Die Diagnose bei diesen stimmt genau mit der Be- 
schreibung und Abbildung bei Milne Edwards und Haime, und 



307 



dazu kommt noch, dass von beiden die gleiche Formation und 
der nämliche Fundort Spurgen Hill angeführt wird. Leider 
liegen mir nun zwar keine Originale dieser Form vor; dagegen 
besitzt die hiesige Sammlung aus dem Kohlenkalk von Jowa 
und vermuthlich von Dallas-city stammende Exemplare anderer 
Species der nämlichen Gattung , welche die gegebenen Dar- 
stellungen controlliren und erweitern. J. Haime 1 s Diagnose ist 
zu eng gefasst; die Kelche stehen weder in einer Reihe, noch 
sind sie paarweise geordnet , auch sind in den vorliegenden 
Exemplaren nirgends zwei besonders hervortrende Septa in den 
„Kelchen wahrzunehmen. Meek und Worthen's Darstellung ist 
im Allgemeinen richtig, aber sie ist schwer verständlich und 
unmethodisch ; die Bedeutung des durchbrochenen Coenenchyms 
tritt nicht genügend hervor. Diese Struktur ist an unseren 
Exemplaren sehr deutlich. Die Septen sind nur als feine 
Streifen entwickelt. Die feinen Rippenstreifen auf der Aussen- 
fläche des Korallenstocks sind leider abgerieben. Das Haft- 
füsschen ist in analoger Weise wie bei Palaeocyclus entwickelt. 
Es ist dies bei Exemplaren, die zweifellos zur nämlichen Spe- 
cies gehören, bald noch deutlich erhalten, bald nicht mehr zu 
erkennen und darf daher zur Art-Unterscheidung nicht gebraucht 
werden. Es muss daher auch sehr unsicher bleiben, ob man 
diese Formen als frei bezeichnen darf. Dass diese Formen Ko- 
rallen, und zwar Zoantharia perforata, sind, erscheint sicher, 
und da die Kelchmauern wohl entwickelt und nur porös sind, 
wird man sie mit Recht den Madreporiden zurechnen müssen. 
Die bei Edwards und Haime beobachteten, stärker entwickelten 
Septa würden die Palaeacis-Arten zu den Madreporina, und nicht 
zu den Turbinarina stellen. Da jedoch diese Eigentümlich- 
keit weder von Meek und Worthen noch von mir beobachtet 
werden konnte, so muss die Gattung auch an dem Platze bei 
den Turbinarina stehen bleiben, den ihr Miline Edwards und 
J. Haime, trotz ihrer Bedenken, mit gewohntem Scharfblick 
angewiesen haben. In Bezug auf die Priorität der Benennung 
scheint nach den oben angeführten Jahreszahlen die Bezeich- 
nung Palaeacis zuerst publicirt worden zu sein, und da der zu 
eng gefassten Diagnose von Milne Edwards und Haime die gänz- 
liche Verkennung der wesentlichen Eigentümlichkeiten bei Meek 
und Worthen gegenüber steht, so wird man diesen Namen auch 

20* 



308 



beibehalten müssen. Die Diagnose lässt sich folgendermaassen 
zusammenfassen : 

Palj^aci£. J. Haime 1860. 

Sphenopoterium MefA ond Worthen 1s60, publieirt 1861. 

Das wurmformig durchbohrte Coenenchym ist stark ent- 
wickelt und bildet keilförmige Polypenstöcke, in deren Ober- 
fläche die einzelnen Kelche eingesenkt sind. Die Kelchvvände 
in ihrer Struktur von dem Coenenchym nicht verschieden, 
ziemlich dicht, aber porös ; die Kelche rundlich, in ihrer ganzen 
Länge offen, selbst das Septalsystem nur noch durch feine, 
zahlreiche (ca. 30), wenig ungleiche Streifen angedeutet; die 
Kelche vermehren sich durch intercalicinale Knospung und 
nehmen dann an den einander zugewandten Seiten eine poly- 
gonale Form an. Der keilförmige Polypenstock in der Mitte 
seiner Basis mit einem kleinen Füsschen versehen, das sich aber 
leicht verwischt. Die Oberfläche des Polypenstocks mit feinen, 
anastomosirenden, hiyifig absetzenden Streifen, die von der Haft- 
stelle ausstrahlen. Alle bekannten Arten der Kohlenformation 
angehörig. 

1. P. cuneiformis J. Haime. 

Sph. cuneatum Meek und Worthen. 
Diese Art, die man als Typus der Gattung ansehen muss, 
zeichnet sich durch ihre nur in einer Reihe gelegenen Kelche, 
ihre bedeutende Höhe und starke Compression aus. 

2. P. compressa Meek und Worthen sp. 

Gehört wegen der Einreihigkeit ihrer Kelche in die näm- 
liche Sektion wie die vorige Art, von der sie sich bei ähnlicher 
Compression leicht dadurch unterscheiden soll, dass der Ko- 
rallenstock wenig über halb so hoch als lang ist. 

(3.) P. obtusa Meek und Worthen sp. 

Diese Species \ welche die genannten amerikanischen 
Autoren für den Typus ihres Genus ansehen, beginnt die Sek- 
tion der Palaeacisarten mit mehrreihigen Kelchen. Sie ist aber 
leider so ungenügend charakterisirt worden , dass ich nicht 
sicher bin, welche der beiden mir vorliegenden, deutlich keil- 
förmigen Arten mit mehrreihigen Kelchen ich hierher rechnen 
soll; ja der angeführte Aufsatz ist so flüchtig geschrieben, dass 
die Verfasser ganz vergessen haben, die von ihnen angeführten 
Dimensionsrubra mit Zahlen auszufüllen. Es bleibt daher 



309 



nichts übrig, als bis zu einer späteren, genaueren Beschreibung 
die vorliegende Art ganz unberücksichtigt zu lassen. 

4. P. cymba sp. nov. Taf. IV. Fig. 4 a. b. (}). 
Polypenstock kaum halb so hoch als lang und ebenso 

breit als hoch, kahnfÖrmig; der untere Rand des Keils nur 
wenig gekrümmt, das Haftfüsschen sehr wenig vorspringend, 
der Rand zu beiden Seiten nicht eingebogen ; die beiden breiten 
Seiten eben oder doch um die Kelchränder nur wenig ange- 
schwollen , unter einem Winkel von 60 Grad gegen einander 
geneigt. Die in die Oberfläche eingesenkten Kelche mässig 
tief, die mittleren Kelchrnauern wenig oder nicht höher als 
die Aussenränder des Polypenstocks , die beiden grössten 
Kelche über der Kante des Keils , sehr schief zur Höhenaxe 
des Polypenstocks, die übrigen Kelche in Reihen scheinbar 
paarig angeordnet; alle Kelche mehr oder minder polygonal. 
Das best erhaltene der vorliegenden 5 Exemplare enthält 
7 Kelche; es ist 24 Mm. lang, 11 Mm. hoch und 12 Mm. breit. 
Kohlenkalk, Jowa, vermuthlich von Dallas-city. 

5. P. umb onata sp. nov. Taf. IV. Fig. 3 a. b. ({). 
Polypenstock nur wenig länger als hoch (2:3 bis 5:7), 

nicht so breit als hoch. Der untere Rand des Keils wenig 
gekrümmt, aber an beiden Seiten des Haftfüsschens eingebogen. 
Die breiten Seiten des Keils über den Kelchrändern stark aus- 
gebogen, so dass Rinnen zwischen ihnen entstehen ; der Winkel, 
unter welchem die vortretenden Kelchwände der beiden Seiten 
gegen einander stehen , errej^ht fast 90 Grad. Die Kelche 
ziemlich tief, die mittleren Kelchmauern hoch über den Rand 
der Aussenwände der Kelche emporragend. Die Kelche wenig 
polygonal; in mehreren (scheinbar drei) Reihen angeordnet. Das 
best erhaltene der drei vorliegenden Exemplare 28 Mm. lang, 
20 Mm. hoch, 18 Mm. breit. 

Kohlenkalk von Jowa, vermuthlich von Dallas-city. 

6. P. enormis Meek und Worthen. Diese letzte Art ist 
nach der Bezeichnung der amerikanischen Autoren „etwas 
kreiseiförmig (subturbinate)" und scheint demnach eine selbst- 
ständige Art zu sein. Rockford. (Ja). Das Alter dieser Spe- 
eles ist nicht ganz sicher. Meek und Worthen sagen „ver- 
muthlich von ober-devonischem Alter, aber mit Kohlenkalk-Go- 
niatiten." Wäre dies richtig, so würden die Madreporiden also 



310 



schon im Devon beginnen und Protaraea , dem Prototyp der 
Poritiden, welches bisher so auffallend isolirt stand, sich noch 
enger anschliessen. 



Erklärung der Abbildungen. 

Taf. IV. Fig. I. Protaraea vetusta Hall. sp. von Wesenberg, f mal ver- 
größert. 

„ l 2. Stylaraea Roemeri Skeb. von Wesenberg, 2 mal vergrössert. 
„ 3. Palaeacis umbonala Seeb. ausJowa, von oben gesehen. 
„ 3 a. Dieselbe von der Seite gesehen. 
„ 3 b. Dieselbe von vorn gesehen. 

„ 4. Palaeacis cymba Seüb. aus Jowa, von oben gesehen. 
„ 4 a. Dieselbe von der Seite gesehen. 
„ 4 b. Dieselbe von vorn gesehen. 



.311 



10. Beiträge zur Keuutiiiss der vulkanischen Gesteine 
des Mederrlieins. 

Von Herrn H. Laspeyres in Berlin. 

Das Material zu den folgenden Untersuchungen lieferten 
die Lokalsammlungen rheinischer vulkanischer Produkte, welche 
sich in den durch die königl. Oberberghauptmannschaft in Berlin 
angelegten geologischen Sammlungen des preussischen Staates 
theils schon aus früherer Zeit vorfanden, theils namentlich 
durch Ankauf der von Mitscherlich hinterlassenen Sammlun- 
gend enselben zugekommen sind. Die Bedeutung der letzteren 
Sammlung ist schon aus dem jüngst erschienenen Werke Mit- 
scherlich's : die vulkanischen Erscheinungen in der Eifel u. s. w., 
welches im Auftrage der königl. Akademie der Wissenschaften 
aus dem Nachlasse des Verstorbenen von Herrn Roth heraus- 
gegeben wurde, zu ersehen; sie war für die hier gegebenen 
Mittheilungen von hervorragendem Werth durch die Menge sel- 
tener vulkanischer Produkte aus der gedachten Gegend, wo 
deren Vorkommen mit jedem Jahre seltener wird. 

L Leucit-Nosean- Gesteine 

finden sich bekanntlich theils als Gebirgsart anstehend, theils 
in deren Nähe als lose Blöcke (ob als Geschiebe oder Aus- 
würflinge, ist eine Controverse) in den Leucittuffen nur in der 
Umgegend des Laacher-Sees, wo sie zum Theil, vielleicht auch 
ganz, die ältesten vulkanischen Produkte sind, welche mit den 
Basalten, Trachyten und Phonolithen Lagerungs- und Eruptions- 
art theil en. 

Diese für Chemie, Petrographie, Mineralogie und Geologie 
gleich interessanten Gesteine sind chemisch und physikalisch 
durch Herrn vom Rath untersucht worden (diese Zeitschrift 
Bd. XII., 1860, S. 29. ff., Bd. XIV., 1862, S. 655 ff., Bd. XVI., 
1864, S. 90 ff.). 

Von der Arbeits- und Geduldsmenge, die dieser Forscher 



312 



auf diese drei, jetzt in so präcise Kürze maskirten;, sehr verdienst- 
vollen Arbeiten verwendet hat, wird jeder Leser, der sich nur 
einmal mit dergleichen mühsamen Untersuchungen befasst hat, 
durchdrungen sein. 

Gerade unter so bewandten Umständen ist es um so mehr 
zu beklagen, dass Herr vom Rath diese Gesteine zu drei ver- 
schiedenen Zeiten in drei verschiedenen Arbeiten zum Gegen- 
stande seiner Untersuchungen gemacht hat, und dass er nicht 
seinem früheren Vorhaben gemäss ähnliche hierher gehörige 
vulkanische Produkte des Laacher-See-Gebietes mit in das Be- 
reich dieser Untersuchungen gezogen hat. Auf dem von ihm 
eingeschlagenen Wege hat derselbe aus einer vorhandenen 
Einheit künstlich und ganz grundlos eine „Dreiuneinigkeit" 
schaffen müssen, die auf dem eben angedeuteten Wege ohne 
Zweifel umgangen worden wäre, indem Herr vom Rath die 
Petrographie mit einer Arbeit bereichert haben würde, die für 
Jahrzehnte ähnlichen Arbeiten ein Muster hätte' sein müssen. 

Wer nämlich die fraglichen Gesteine sieht, theilt sie nach 
den ersten Beobachtungen allerdings in drei Gruppen, welche 
Herr vom Rath Nosean-Melanit-Gestein, Noseanphonolith und 
Leucitophyr genannt hat. Bei genauerem mineralogischem Stu- 
dium, noch mehr aber bei dem allen jetzt zum Vergleiche vor- 
liegenden chemischen Analysen sieht man sehr bald ein, dass 
alle diese Gesteine nur Varietäten derselben Gesteinsspecies 
sind, die durch Uebergänge unter sich verbunden sind! 

Die folgenden Zeilen sollen zeigen, dass alle Gesteine 
aus denselben wesentlichen, und zum Theil unwesentlichen Ge- 
mengmineralien bestehen und nur dadurch den unter sich ab- 
weichenden äusseren Habitus bekommen, dass in den verschie- 
denen Varietäten die Ausbildungsart und das Mengeverhältniss 
der einzelnen Gemengmineralien verschieden sind. 

Dass man diese in allen Sammlungen heimischen Gesteine 
bei bis zu 90pCt. in Salzsäure löslichen Gemengtheilen nicht, 
wie bisher noch oft genug geschehen ist, Phonolithe nennen 
kann, hat schon Herr J. Roth (Gesteinsanalysen S. XLI.) be- 
tont; sie reihen sich nur im weitesten Sinne des Wortes den 
Phonolithen an, zeigen aber chemisch und mineralogisch, wie 
ich weiter unten hervorheben werde, Uebergänge in den Ne- 
phelinit (Basalt), indem der Nephelin den Leucit und Nosean 
verdrängt. 



313 



Nach den Untersuchungen des Herrn vom Rath bestehen 
dessen drei Gesteinsarten aus: 



Nosean- 
Melanit- 
Gestein. 



Nosean- 
phonolith. 



Leucito- 
phyr. 



Nosean 

Leucit 

Sanidin 

Melanit 

Hornblende 

Augit . . . •. . . 

Titanit 

Magneteisen . . . . . 
Magnesiaglimmer .... 

Nephelin 

Unbestimmtes, quadratischkry- 
stallisirtes Mineral . 



Abgesehen von dem Nephelin und dem unbestimmten, 
quadratischkrystallisirten Minerale (Melilith?), die Herr VOM 
Rath nur durch die sorgfältigsten mikroskopischen Untersu- 
chungen in dem Noseanphonolith nachgewiesen, in den andern 
zwei Gesteinen aber wohl nur nicht gesehen oder gesucht hat, 
bestehen nach dieser Tabelle der sogenannte Leucitophyr und 
Noseanphonolith aus denselben Gemengmineralien. Beide ha- 
ben dasselbe Gefüge mit Porphyrstruktur, unterscheiden sich 
aber petrographisch dadurch, dass in ersterem die gröber kry- 
stallinische Grundmasse sehr zurücktritt, dass in ihm die gross- 
ausgeschiedenen Mineralien, abgesehen von Sanidin, Augit, Ti- 
tanit, Magneteisen, Magnesiaglimmer, neben Leucit in beinahe 
ebenso reichlicher Menge Nosean sind, und dass dieses Ver- 
hältniss auch wohl in der Grundmasse wiederkehrt, während 
in den anstehend bekannten Noseanphonolithen gar keine grossen 
Leucitkrystalle ausgeschieden sind, sich aber winzig kleine 
schon mit unbewaffnetem Auge deutlich sichtbar als stark vor- 
wiegender Bestandtheil der Grundmasse zu erkennen geben. 

Mineralogisch können beide Gesteine um so weniger getrennt, 
sondern müssen um so mehr als vollkommen ident betrachtet 
werden, als sich unter den losen Blöcken derselben in den 
Leucittuffen westlich vom Laacher-See Zwischenglieder finden, 



314 



d. h. Gesteine vom Typus des sogenannten Noseanphonolithes 
mit grösser ausgeschiedenen Leucit-Krystallen. 

Die vier analysirten sogenannten Noseanphonolithe stim- 
men in ihrer chemischen Zusammensetzung sehr genau überein ; 
dass darin die Mengen von Kali und Natron unter sich sehr 
schwanken, hat in dem Umstände seinen Grund, dass die Ge- 
steine bald mehrLeucit, bald mehr Nosean enthalten, und dass 
in dem Leucit der dortigen Gegend ein Theil des Kali durch 
Natron vertreten sein kann , während aber nach den Arbeiten 
des Herrn vom Rath die Noseane, die man bis jetzt nur am 
Laacher-See kennt, kein Kali enthalten; eine bemerkenswertbe 
Thatsache! 

Die von Herrn vom Rath analysirten Leucitophyre haben 
ebenfalls eine gut unter sich stimmende Zusammensetzung. 

F. Durchschnittliche Zusammensetzung des sogenannten 
Leucitophyrs. 

II. Durchschnittliche Zusammensetzung des sogenannten 
Noseanphonolithes. 





I. 


II. 


Kieselsäure . 


48,61 


54,10 


Schwefelsäure 


1,51 


0,57 


Chlor . . . 


0,30 


0,40 


Thonerde . 


18,44 


20,85 • 


Eisenoxydul . 


6,84 


4,40 


Kalkerde . 


5,69 


1,71 


Magnesia . 


0,96 


0,50 


Kali . . . 


6,77 


6,05 


Natron . 


8,55 


7,81 


Wasser 


1,77 


3,22 




99,44 


99,61. 



Die vorhandene Differenz in der chemischen Zusammen- 
setzung dieser zwei mineralogisch ganz identen Gesteine kann 
uns nicht befremden, da in denselben bald dieser, bald jener 
Gemengtheil den einen oder den anderen in den Hintergrund 
drängt; so muss z. B. der Kieselsäure- und Kali-Gehalt mit der 
Zunahme von Leucit gegen Nosean steigen, ohne dass die Thon- 
erdemenge sich dabei änderte. Bei der Vergleichung der Zusam- 
mensetzung beider Gesteinsvarietäten sieht man, wie durch Auf- 
nahme von ungefähr 1 Theil Schwefelsäure, 3 Theilen Thon- 
erde, 5 Theilen Kalkerde und Magnesia und 3 Theilen Alka- 



315 



lien aus 100 Theilen Noseanphonolith ungefähr 111 Theile 
Leucitophyr von der obigen Zusammensetzung werden. Gleich 
grosse Schwankungen in der chemischen Zusammensetzung 
finden wir bei vielen sehr zusammengesetzten Silikaten, die 
sogar oft ganz gleichen äusseren Habitus besitzen können; ich 
verweise in dieser Beziehung auf die durch Mitscherlich 
so bekannt gewordenen Laven der Eifel (vgl. dessen Werk: 
die vulkanischen Erscheinungen der Eifel S. 21, Tabelle). 

Wie verhält sich nun die dritte Gesteinsvarietät, das soge- 
nannte Melanit-Nosean-Gestein , das nur an einem Punkte im 
Gebiete des Laacher-Sees, am Perlerkopfe vorkommt, zu die- 
sen beiden Leucit-Nosean-Gesteinen, von dem Herr v. Dechen, 
verleitet durch die Arbeiten des Herrn vom Rath, sagt, es 
stehe petrographisch ganz vereinzelt da (diese Zeitschrift 
Bd. XVII., 1865, S. 142). 

Es ist chemisch und mineralogisch vollkommen identisch 
mit diesen. 

Das beweist einmal die von Herrn voji Rath mitgetheilte 
chemische Analyse , die durchaus mit denen des sogenannten 
Leucitophyrs übereinstimmt, und andermal die physikalische 
Analyse, verbunden mit einer gesunden Interpretation der che- 
mischen Resultate, auf die mich Herr J. Roth vor meinen 
Untersuchungen aufmerksam zu machen die Freundlichkeit hatte. 

Die Resultate über die mineralogische Zusammensetzung 
nach der Ansicht des Herrn vom Rath habe ich oben tabella- 
risch mitgetheilt. Abgesehen von den, wie in den beiden an- 
dern Gesteiusvarietäten, unwesentlichen Gemengmineralien soll 
das Gestein wesentlich aus Nosean, Sanidin und Melanit be- 
stehen. Wäre dieses Resultat richtig, so wäre die vom Rath'- 
sche Trennung dieses Gesteins von den beiden andern trotz 
der chemischen Uebereinstimmung gerechtfertigt. Wollte man 
in diesem Falle alle drei unter einen Hut zwängen, so müsste 
man den regulär krystallisirten Melanit in dem einen Gesteine 
als Vertreter des ebenfalls regulären Eeucites in den beiden 
andern ansehen, und das darf man, abgesehen von allen andern 
petrographischen Widerreden, um so weniger, als der Melanit im 
Gegensatze vom Leucit nach meinem Dafürhalten gerade so 
unwesentlich am Gemenge Theil nimmt wie der Augit, die 
Hornblende, der Glimmer, das Magneteisen u. s., w. 

Der Melanit dieses Gesteines vom Perlerkopfe ist eben 



316 



so wenig bisher in den Noseanphonolithen und Leucitophyren 
nachgewiesen worden als die Hornblende jenes Gesteins in 
diesen, oder das Magneteisen, der Magnesiaglimmer, Nephelin 
u. s. w. dieser in jenem; damit ist aber noch nicht gesagt oder 
bewiesen, dass Melanit nicht ein unwesentlicher, sehr seltener 
oder nur mikroskopischer Gemengtheil der Noseanphonolithe 
und Leucitophyre sein könne. Aber selbst zugegeben, dieses 
sei nicht der Fall , so folgt daraus noch lange nicht die Ab- 
trennung des Gesteines vom Perlerkopfe von den beiden anderen 
Gesteinsvarietäten wegen des Melanits allein , da dieser sehr 
wahrscheinlich ein zufälliger Vertreter des Augits oder der 
Hornblende ist. Wie verschiedene Mineralien aus chemisch 
gleich zusammengesetztem Teige unter modificirten Verhält- 
nissen auskrystallisiren können, lehrt uns die Petrographie auf 
allen Seiten. 

Zu dem kommt nun, dass das sogenannte Nosean-Melanit- 
Gestein, wie die beiden andern Gesteine, neben Nosean und 
Sanidiii als wesentliches Gemengmineral ebenfalls Leucit ent- 
hält, dessen Vorhandensein Herr vom Rath ganz verkannt hat, 
weil man denselben allerdings weder als Ausscheidungen noch 
als Gemengtheil der fein krystallinischen Grundmasse nach- 
weisen kann. Diese Nachweisung geschieht aber durch die 
Interpretation der chemischen Analyse, die Herr vom Rath aus 
erörtertem Grunde verfehlt hat; denn dessen Arbeit über das 
Melanit-Gestein ist aus dem Jahre 1862, die über die Noseane 
des Laacher-Sees aus dem Jahre 1864. 

Herr vom Rath sagt (1. c. Bd. XIV., 1862): „der lösliche 
Bestandteil des Melanit-Nosean - Gesteines in Salzsäure hat 
ziemlich die Zusammensetzung des Noseans, der noch nicht 
genau genug bekannt ist; denn die Untersuchungen von Klapp- 
roth, Bergemann, Varentrapp, Whitney dissoniren sehr in 
ihren Resultaten. Der unlösliche Bestandtheil muss bestehen 
aus Sanidin, Hornblende, Augit, Melanit; der lösliche nur aus 
Nosean." 

Das ist nicht richtig; denn der lösliche Theil enthält 7,27 
pCt. Kali neben 11,82 pCt. Natron, während der Nosean vom 
Laacher -See nach Herrn vom Rath (diese Zeitschrift 1864, 
Bd. XVI. S. 86) nur Spuren von Kali nachweisbar führt. We- 
gen dieses grossen Kaligehaltes muss der lösliche Bestandtheil 
ein Gemenge von Nosean (O = 1:3:4) und Leucit (0 = 1:3: 8) 



317 



sein. Der Kieselsäuregehalt des Löslichen stimmt genau mit 
dem des Noseans überein, würde also für ein Gemenge von 
Nosean (mit 36,75 pCt. SiO,) und Leucif (mit 54 pCt. SiO,) 
zu niedrig sein. Nun fand aber Herr vom Rath für seine ge- 
wiss richtige Interpretation des unlöslichen Bestandteiles in 
demselben zu viel Kieselsäure. Zieht man diesen Ueberschuss 
von Kieselsäure zum löslichen Theile, wohin er ohne Zweifel 
gehört, da es sehr schwierig ist, wie Herr vom Rath (1. c. 
Bd. XIV. S. 670) sehr richtig bemerkt, den geglühten unzer- 
setzten Antheil des Gesteines vollständig von der abgeschiede- 
nen Kieselsäure des löslichen zu trennen, so heben sich alle 
Widersprüche. 

Wer kann nach Diesem noch zweifeln, dass das Gestein 
Leucit enthält, wenngleich derselbe weder mit blossem Auge, 
noch mittelst der Lupe erkannt werden kann? 

Diese drei Pseudophonolithe bestehen also in wesentlichem 
Gemenge aus Leucit, Nosean und Sanidin ; dazu treten mehr 
unwesentlich bald in dem einen, bald in dem andern die oben 
genannten Mineralien. 

Besonders charakteristisch und allen andern Gesteinen der 
bekannten Erde gegenüber specifisch ist die Hauptbetheiligung 
des nur in der Umgegend vom Laacher-See bekannten No- 
seans an einer Gesteinsbildung, aber auch nicht minder cha- 
rakteristisch die Association dieses reinen und reichsten Na- 
tronminerals mit dem reinen und reichsten Kaliminerale, mit 
dem Leucit. Der Sanidin ist vielen, fast allen vulkanischen 
Gesteinen eigen, also den vorliegenden ebensowenig wie diesen 
typisch. Aus diesem Grunde möchte ich diese drei Gesteins- 
varietäten unter dem nicht unbequemen Namen „Nosean-Leucit- 
Gestein" in die Petrographie einführen, da ich durch das Obige 
nachgewiesen habe, dass alle bisherigen, mannichfachen Namen 
für diese Gesteine durchaus ungeeignet oder nicht den Kern- 
punkt treffend sind. Im petrographischen Systeme würde die- 
ses Gestein zwischen den eigentlichen Phonolith und den Ne- 
phelinit (Basalt) zu stehen kommen. 

Tritt nämlich in der Mischung dieses Nosean-Leucit-Ge- 
steins einmal der Gehalt an Schwefelsäure und Chlor ganz zu- 
rück, so kann sich kein Nosean bilden, sondern Nephelin [denn 
Nosean (1:3:4) f- Leucit (1:3:8) können bilden Nephelin 
(1:3:4,5)]; nimmt zweitens zugleich der Gehalt an Sanidin 



318 



und Hornblende durch Aufnahme von Kieselsäure, Kalkerde 
und Magnesia zu, so entsteht ein wahrer Phonolith. Nimmt 
dagegen der Gehalt an Kieselsäure ab, der an Kalk und Magne- 
sia bedeutend zu, kann sich zugleich wegen sehr geringen Ge- 
haltes an Schwefelsäure und Chlor, die mehr Kalk als Natron 
finden, kein Nosean, sondern nur höchstens eine Spur Hauyn 
bilden und wegen Abnahme der Alkalien, besonders des Kali, 
nur wenig Leucit neben Nephelin entstehen, so erhalten wir 
Nephelinit (Basalt, basaltische Laven). 

Denn fügt man zu 100 Theilen der oben mitgetheilten 
Zusammensetzung des sogenannten Noseanphonolithes noch 
ungefähr 5 Theile Thonerde und Eisenoxydul, 24 Theile Kalk- 
erde und Magnesia und zieht 6 Theile Alkalien und 3 Theile 
Wasser ab, so erhält man ungefähr 118,5 Theile einer Mischung 
von der procentigen Zusammensetzung: 



Kieselsäure | 


. 44,96 


Titansäure j 


Thonerde 


. 13,15 


Eisenoxyd . 


. 9,16 


Eisenoxydul 


. 4,06 


Kalkerde 


. 11,42 


Magnesia 


. 10,43 


Kali . . . 


. 2,82 


Natron . 


. 3,47 


Wasser . 


. 0,36 




99,83, 



welche genau die durchschnittliche Zusammensetzung der nieder- 
rheinischen Laven (Mitscherlich, die vulk. Erschein, der Eifel, 
S. 21 Tabelle, und diese Zeitschrift Bd. XV. S. 373, Bd. XVI. 
S. 672) und die ungefähre aller niederrheinischen Basalte ist. 

In der chemischen Zusammensetzung stehen mithin die 
sogenannten Leucitophyre und das sogenannte Nosean-Melanit- 
Gestein zwischen Basalten und den sogenannten Noseanpho- 
nolithen. 

2. Basalte und Basaltlaven. 

Die petrographische Kenntniss der nicht ubersauren Sili- 
katgesteine, die man abgesehen von ihren Altersverschieden- 
heiten früher unter dem Namen Grünsteine zusammenfasste 
und jetzt noch vielfach Pyroxengesteine nennt, liegt be- 



319 



kanntlich noch sehr im Argen. Am meisten von jeher bearbeitet 
und am besten bekannt sind darunter noch die jüngsten neu- 
plutonischen und vulkanischen Gebilde, welche den Familien- 
namen der Basalte und Basaltlaven tragen; aber welche Ver- 
wirrung, welche Meinungsverschiedenheiten herrschen bei den 
Geologen noch in diesem Punkte! 

Nach dem geologischen Alter und der Eruptionsart zer- 
fallen die Gesteine dieser Gruppe in zwei Parallelreihen : 1) äl- 
tere und plutonische oder eigentliche Basalte und 2) jüngere 
vulkanische oder Basaltlaven. 

Unter Basalt mit den Subspecies Dolerit und Anamesit 
versteht man gemeinhin ein dichtes oder kryptokrystallinisches 
resp. krystallinisches Gemenge von Labrador, Augit (thonerde- 
haltig) und Magneteisen mit mehreren andern unwesentlichen 
Mineralien, (v. Dechen, Siebengebirge S. 149, G. Bischof, 
Lehrbuch d. phys. u. ehem. Geol., 1. Aufl. II. S. 640 u. 715 und 
Andere). Hiervon zweigte man schon früh unter dem Namen 
Nephelindolerit oder Nephelinit ein Gestein ab, in welchem der 
Labrador ganz oder theilweise durch Nephelin vertreten wird. 

In der Parallelreihe, den Basaltlaven, zu denen alle 
niederrheinischen Laven gehören, unterschied man früher nur 
dichte oder Basaltlaven im engeren Sinne des Wortes und kry- 
stallinische oder Doleritlaven , den obigen älteren Gesteinen 
analog. Die dem Nephelinit entsprechenden Laven wiesen 
meines Wissens zuerst die Arbeiten des Herrn v. Dechen (geo- 
gnostischer Führer zu der Vulkanreihe der Vordereifel, Bonn, 
1861; geognostischer Führer zu dem Laacher-See, Bonn, 1864, 
und diese Zeitschrift 1865, Bd. XVII., S. 121) nach, indem 
derselbe die sogenannten Nephelinlaven von den Augit- oder 
Basaltlaven in beiden vulkanischen Gebieten unterschied , je 
nachdem er in den Poren der Laven Nephelinkrystalle gesehen 
hat oder nicht. In seinen Arbeiten macht er die Laven nam- 
haft, die er für wahre Nephelinlaven erkannt hat; in der Eifel 
kennt er sie nur an der Aarley und am Kollerknopp bei 
Uedersdorf (1. c. S. 250), sagt aber in seiner letzten Arbeit 
(1. c. Bd. XVII., 1865, S. 121): „es ist indessen zweifelhaft, 
ob die Zusammensetzung beider Gesteine nicht dieselbe ist und 
der Nephelin, wenn auch nicht wahrnehmbar, in den Basalt- 
laven enthalten ist, da chemische Analysen der sogenannten 
Basaltlaven aus beiden Gebieten zur Entscheidung dieser Frage 



320 



fehlen." Diese Annahme von Nephelinlaven acceptirt Herr 
Fuchs in seinen vulkanischen Erscheinungen der Erde S. 165. 

Gegen diese bisherige Ansicht über die mineralogische 
Zusammensetzung der Basalte spricht sich Herr F. Zirkel 
(mikroskopische Gesteinsstudien, Bd. XL VII. der Sitzungsbe- 
richte der k. k. Akad. der Wiss. zu Wien S. 248 ff.) aus. 
Durch die mikroskopische Untersuchung von den niederrheini- 
schen Basalten will er zu der Ansicht gedrängt sein, die Ba- 
salte beständen wesentlich nur aus Feldspath, Magneteisen und 
Olivin; Augit, den man meist als Bestandtheil des Basaltes 
vorauszusetzen und zu berechnen pflege, finde sich in vielen 
Gesteinen gar nicht, in allen anderen scheine dieses Mineral 
lange nicht so verbreitet zu sein, als man glaube, und wo man 
Augitkrystalle sähe, hätten sie unter dem Mikroskope völlig das 
Aussehen von zusammengehäuften Magneteisenkörnern und 
schienen auch in der That zum grössten Theile aus diesen 
zusammengesetzt. Diese Ansicht, der Augit vieler Basaltge- 
steine sei eine Pseudomorphose von Magneteisen, spricht schon 
Herr Tschermack (Sitzungsberichte der Wiener Akademie XLVI. 
(2) S. 485), aus und ihr schliesst sich in Betreff des Gesteins 
von Meiches Herr Knopp (Jahrbuch von Leonhard und Geinitz 
1865, S. 683) an. 

Die Ansicht über die Zusammensetzung des Basaltes von 
Herrn Zirkel ist eine irrige;' das beweisen alle Handstücke 
von Basalt und Basaltlava, ferner alle MiTSCHERLiCH'schen Par- 
tialanalysen der Eifeler Laven, sowie überhaupt alle chemischen 
Untersuchungen von Basalten; denn es ist ein zwar empirisches, 
aber durchweg bestätigtes Gesetz der Petrographie, dass sich 
alle Mineralien, die in einem plutonischen Silikatgesteine als 
Ausscheidungen sichtbar sind, als Gemengtheil der Grundmasse 
wiederfinden, und in allen Basaltgesteinen finden wir Augit- 
ausscheidungen und ganz besonders in den von Herrn Zirkel 
untersuchten. 

Herr J. Roth (E. Mitscherlich: über die vulkanischen 
Erscheinungen der Eifel. Berlin 1865. S. 16 und 23) hat 
chemisch und mineralogisch sehr richtig nachgewiesen, dass 
alle Laven und Schlacken der Eifel ganz dasselbe Gestein sind, 
und dass sie weder chemisch, noch petrographisch in irgend 
einer Weise von den älteren Basalten am Niederrhein getrennt 
werden dürfen, sie sind alle Nephelinlava oder Nephelinit. 



321 



Zu demselben Resultate bin ich aus gleichen Gründen für 
die Laven und Schlacken in der Vulkangruppe des Laacher- 
Sees gekommen. In der Natur, wie in der vorliegenden Samm- 
lung, lassen sich in allen Laven, sobald sie krystallinisch oder 
porös genug werden, die Nephelinkrystalle nachweisen, auch 
an denen, in welchen Herr v. Dechen sie nicht beobachtet 
hat; von vielen dieser Gesteine mache ich nur namhaft die 
Lava von der Mauerley bei Glees, vom Fornicherkopf am 
Rhein, vom Bassenheimerwald und Wannenkopf bei Saffiz, wo 
die Nephelinkrystalle ebenso schön in die Gesteinsporen hinein- 
ragen, wie bei der Lava von Mayen und Niedermendig. 

Die Nephelinkrystalle in den Gesteinsporen oder dessen 
Gemenge sieht man um so leichter und schöner, je poröser 
und krystallinischer die Gesteine werden ; in den ganz dichten, 
also vorzugsweise im Basalte, sieht man sie sehr selten oder 
gar nicht; dass sie aber darin sind, beweisen die chemische 
Analyse, die mikroskopischen Untersuchungen und das spora- 
dische Vorkommen der Nepheline in den seltenen Poren der 
sonst dichten Gesteine. Unter vielen Beispielen möge für 
diese Behauptung ein Beweis dienen. , In dem bekannten, zur 
Basaltgruppe gehörigen, sogenannten Dolerit der Löwenburg im 
Siebengebirge hat man nie als Gemengtheil den Nephelin ver- 
muthet, bis die chemischen und mikroskopischen Untersuchun- 
gen des Herrn vom Rath (diese Zeitschrift Bd. XII. , 1860, 
S. 40) ihn als unzweifelhaftes Gemengmineral kennen gelehrt 
haben. 

Da mithin alle niederrheinischen Basalte, Basaltgesteine, 
Laven und Schlacken Nephelinit sind, ist es, wie Herr Roth 
thut, ganz gleich, ob man sie ferner Nephelinit resp. Nephe- 
linitlava nennt oder Basalt resp. Basaltlava. 

Was hiermit von den niederrheinischen Gesteinen der Ba- 
saltfamilie nachgewiesen und gesagt worden ist, werden ohne 
allen Zweifel spätere Untersuchungen von allen basaltischen 
Gesteinen der Erde bestätigen, so dass man alle Trennungen 
und Absonderungen von Gesteinsarten in der Familie der Ba- 
salte wieder vereinigen kann unter dem ersten, früher einzigen 
Namen „Basalt" resp. „Basaltlava", dem die Priorität zusteht. 
War es doch der Basalt vom Wickenstein in Schlesien, von 
dem Herr Girard nachgewiesen hat, dass in ihm Nephelin 
neben Labrador vorkomme. 

Zeits. d. d. geol.Ges, XVIII. 2. 21 



322 



Die Gesteinsart Nephelinit ist für mich somit schon ganz 
wieder aufgehoben; es fragt sich nur noch, ob man von dem 
neuen Begriff „Basalt" den Dolerit mit dem Anamesit trennen 
muss, oder ob auch dieser in jenem als chemisch und minera- 
logisch dasselbe Gestein aufgehen muss. 

Um diese Frage zu entscheiden, müssen wir mineralogisch 
erst die Diagnose von Basalt suchen und feststellen. Dieses 
soll die Absicht dieses zweiten Abschnittes sein. 

• Wie verschieden die chemische Zusammensetzung der Ba- 
salte sein kann, zeigen uns sowohl die älteren Gesteinsanaly- 
sen, als ganz besonders die neuen, mit vieler Sorgfalt gemach- 
ten der niederrheinischen Basaltlaven durch die Herren Mit- 
scherlioh und vom Rath (Vulkanische Erscheinungen der Eifel 
S. 21 ff., diese Zeitschrift Bd. XV. S. 374 u. Bd. XVI. S. 672). 
•Die Differenzen in der chemischen Zusammensetzung entsprin- 
gen nicht aus einer qualitativ verschiedenen mineralogischen 
Zusammensetzung, sondern aus einer quantitativ abweichenden 
Mischung, wie Herr Roth so klar aus den Mitscherlich' sehen 
Partialanalysen nachgewiesen hat. Sehen wir ja doch unter 
den niederrheinischen und allen übrigen Basaltgesteinen bald 
den Augit oder Feldspath (in Salzsäure unlösliche Gemeng- 
theile), bald den Olivin oder Nephelin (lösliche Gemengtheile), 
vorwiegen und die übrigen Gemengtheile mehr oder weniger 
verdrängen. Diese quantitativ verschiedene mineralogische Zu- 
sammensetzung finden wir chemisch ausgedrückt in dem Pro- 
centsatze des löslichen Bestandtheiles im Gesteine durch die 
Partialanalyse. Derselbe schwankt z. B. in den so ziemlich 
gleichgearteten Eifeler Laven nach den MiTSCHERLiCH'schen Ar- 
beiten zwischen 62,60 und 94,05 pCt. , wenn Gesteinsstück- 
chen in concentrirtester Salz- oder Salpetersäure in zuge- 
schmolzenen Röhren bei 100 Grad C. lange Zeit digerirt 
wurden. 

Die niederrheinischen Basalte und die Laven des Laacher- 
See-Gebietes weichen chemisch und petrographisch unter sich 
und von denen der Eifel nicht mehr ab, als diese unter sich; 
was also von dem Einen gilt, ist auch für die Anderen maass- 
gebend. Was hier von den niederrheinischen Gesteinen der 
Basaltfamilie gesagt wird, werden ohne Zweifel spätere ver- 
gleichende Arbeiten über die Basalte und Basaltlaven im All- 



323 



gemeinen bestätigen und dadurch in einem verwirrten und ver- 
wirrenden Theile der Petrographie Ordnung schaffen. 

Was Basalt und Basaltlava mineralogisch ist, lässt sich 
wegen des meist so kryptokrystallinischen, homogenen, oft fast 
dichten Gefüges, in dem kaum ein Bestandtheil von dem an- 
deren zu unterscheiden ist, schwer sagen; dieses ist auch der 
Grund, weshalb man trotz der vielen Arbeiten und Analysen 
von diesen Gesteinen so wenig im Klaren und so verschiede- 
ner Ansicht ist, während die gleichalterigen , entsprechenden, 
sauren Silikatgesteine, die Trachyte mit ihrem oft grobkrystal- 
linischen Gefüge schon so genau bekannt sind; aus diesen 
Gesteinen hat man es nämlich ermöglichen können, die einzel- 
nen Gemengmineralien zu scheiden und für sich zu analysiren, 
während man bei den Basalten bisher nur wenige grössere 
Ausscheidungen aus der Grundmasse hat untersuchen können« 

Nimmt man auch den Basalt zur Hand, der in der Grund- 
masse das möglichst gröbste krystallinische Gefüge hat, so ver- 
geht Einem der Muth, darin die Gemengmineralien zu bestim- 
men. Man würde ganz an der Ausführbarkeit dieser Arbeit 
verzweifeln, wenn nicht sowohl Basalte als Basaltlaven ihre 
schwachen Seiten hätten , von denen man sie überlisten und 
ihnen beikommen könnte. Das eine Gestein verräth Dieses 
hierdurch, das andere Jenes dadurch, wenn man nur in der 
Natur und in guten grossen Sammlungen sorgfältig ohne ge- 
scheute Mühe nach diesen schwachen Seiten fahndet. Was 
A nicht sagt, sagt B; alle diese Beobachtungen muss man kri- 
tisch zusammenstellen und sichten, dann gelangt man zu wahr- 
heitsgetreuen Resultaten. 

Die Hinterthüren, durch die ich mich in die Geheimnisse 
der Basaltfamilie eingestohlen habe, sind etwa folgende: 

1) Sehr weit kommt man, wie vielfache Erfahrung aller 
Petrographen gelehrt hat, mit einer kritischen Interpretation 
der Gesammt- und Partialanalysen. Sehr schön in dieser Be- 
ziehung sind die Erfolge des Herrn Roth über die mineralo- 
gische Zusammensetzung der Eifeler Laven, auf welche ich 
gleich zurückkommen werde. 

2) Eine feinere Hinterthür ist das oben genannte, empiri- 
sche Gesetz von bisher ganz allgemeiner Gültigkeit in der Pe- 
trographie: was als Ausscheidung aus der Grundmasse sichtbar 
ist, bildet auch einen wesentlichen oder unwesentlichen Ge- 

21* 



324 



mengtheil der Grundmasse. Die Umkehr dieses Gesetzes ist 
möglich und sehr häufig, aber durchaus nicht nothwendig (diese 
Zeitschrift Bd. XVI., 1864, S. 681). 

3) Ein Verräther sind die sogenannten Concretionen d. h. 
grössere oder kleinere Nester im Gestein, in welchen das sonst 
kryptokrystallinische Gemenge durch allmälige Uebergänge so 
grobkrystallinisch oder körnig wird, dass man dessen Bestand- 
teile nicht nur sicher mineralogisch bestimmen, sondern auch 
für sich analysiren kann. Nur muss man hierbei vorsichtig 
zu Wege gehen, dass man nicht fremde Einschlüsse für Con- 
cretionen hält und umgekehrt. Bei längerem, auf diese Unter- 
scheidung gerichtetem Studium kann man jedem Truge entge- 
hen, nur muss man Gesteinsstücke, die Einem nur irgend wie 
zweifelhaft sind, nie als Material zu diesem wissenschaftlichen 
theoretischen Bau verwenden. 

4) Ebenso sichere Führer sind die aus der Grundmasse 
des Gesteins in etwaige Poren und Drusen beim Erstarren der 
Gesteinsmasse hineinkrystallisirten, gleichsam hineinefflorescir- 
ten, krystallisirten, primären Mineralien. Gerade so, wie man 
sich bei den Concretionen vor etwaigen Einschlüssen hüten 
muss, muss man sich hier vor sekundär gebildeten Drusen- 
mineralien in Acht nehmen, die Infiltrations- oder Zersetzungs- 
produkte sein können, wie z. B. die Zeolithe , Kalkspath, 
Arragonit, Gyps, Kieselsäure und dergleichen mehr. Uebung 
und Umsicht sind neben Vorsicht auch hier die besten Lehr- 
meister. 

Mit Hülfe des ersten Schlüssels kömmt Herr Roth (1. c. 
S. 21 ff.) für die Laven der Eifel zu folgenden Resultaten, de- 
nen ich nur, wie unten bewiesen, theilweise beipflichten kann: 

1) Der bei den Partialanalysen Mitscherlich's erhaltene 
Rückstand ist schwarzer und grüner Augit in Krystallen und 
deren Bruchstücken, bisweilen vermengt mit kleinen farblosen 
Prismen. Dieser unlösliche Bestandtheil stimmt in seiner, 
allerdings schwankenden Zusammensetzung noch immer ziem- 
lich, gut mit der des Augits aus Eifeler Laven überein, die 
Abweichungen erklären sich hinlänglich aus den beigemengten 
farblosen Prismen , die Herr Roth mit Recht nur für einen 
Feldspath halten kann. Für die Laven und Basalte der Eifel 
leugnet derselbe das Vorhandensein eines gestreiften Feldspa- 
thes, besonders des Labradors, weil man ihn noch nicht ge- 



325 



sehen hat, obwohl Herr Roth selbst sagt, dass bei der gerin- 
gen Menge und Kleinheit der Prismen im unlöslichen Rück- 
stände eine sichere mineralogische Bestimmung nicht thunlich 
ist. Weil man einen Feldspath im unlöslichen Rückstände 
anzunehmen berechtigt ist, weil man Sanidin in dem ganz ähn- 
lichen Gesteine von Meiches kennt, weil man Labrador nie 
neben Nephelin nachgewiesen hat, weil man in den labrador- 
reichen Laven (Dolerit) den Labrador nach Behandlung mit 
Salzsäure bei 160 bis 180 Grad mineralogisch nachweisen kann, 
in den ebenso behandelten Eifeler Gesteinen aber nicht, hält 
Herr Roth die farblosen Prismen nicht für Labrador, sondern 
für Sanidin. 

2) Alle übrigen Silikate und das Magneteisen der Basalte 
lösen sich vollkommen auf. Die chemische Zusammensetzung 
des löslichen Bestandtheiles weicht in den Laven sehr von 
einander ab. Der lösliche Theil besteht sicher aus den mine- 
ralogisch sichtbaren Mineralien Olivin, Nephelin, Magneteisen. 
Da dieselben aber kalkfrei oder nur sehr kalkarm sind, muss 
bei dem hohen Kalkgehalte des löslichen Theiles noch ein kalk- 
haltiges, bisher noch nicht erkanntes Mineral an der Zusam- 
mensetzung Theil nehmen. Mitscherlich war geneigt, diesen 
Kalkgehalt durch Annahme von Anorthit zu erklären; Herr 
Roth stellt dagegen die Conjectur auf, das kalkreiche Mineral 
könne Humboldtilith sein, der in der Nephelinlava vom Her- 
chenberg bei Laach und am Capo di Bove bei Rom mit Ne- 
phelin zusammenvorkommt. Ueber den hohen Kaligehalt des 
löslichen Bestandtheiles erklärt sich Herr Roth in der Arbeit 
nicht, obwohl weder Olivin, noch Nephelin, noch Humboldtilith 
denselben motiviren. 

Auf die Kritik dieser Ansicht des Herrn Roth komme ich 
bald zurück. 

In der Natur, in den vorliegenden Sammlungen und in der 
Literatur sind mir folgende Ausscheidungen bekannt geworden: 

a. im niederrheinischen Basalte: Olivin, Hornblende, ge- 
meiner Augit, titanhaltiges Magneteisen, Sanidin, gestreifter 
Feldspath (Labrador?), Enstatit, Bronzit, Diopsid, Picotit, 
Magnetkies, Schwefelkies, Hyazinth, Sapphir, Nephelin ; 

b. in den Laven des Laacher-See-Gebietes: Olivin, Augit, 
Glimmer, Hyazinth, Nephelin, Leucit, Sanidin, Hauyn, Zirkon, 
Sapphir, Granat, Magneteisen, Smaragd, Spinell, Chrysolith, 



326 



Titaneisen, Magnetkies, Hornblende, gestreifter Feldspatb (La- 
brador), Melilith (Humboldtilith); 

c. in den Laven der Eifel: schwarzer und grüner Augit, 
Sanidin, gestreifter Feldspath (Labrador?), Olivin, Glimmer, 
Hornblende, Magneteisen, Titaneisen, Hauyn. 

Als Drusenmineralien sind mir zur Kenntniss gekommen 
in den Laven der Eifel und des Laacher- Sees: Nephelin, 
schwarzer Augit, grüner Augit (Porricin) , Leucit, Melilith 
(Humboldtilith), Sanidin, Granat und ein unbestimmtes Mineral 
in feinen, lebhaft glänzenden Nadeln , welche Hoffmann vom 
Capo di Bove beschreibt (Geognostische Beobachtungen auf 
einer Reise durch Italien und Sicilien S. 48), und welche ich 
für Apatit halten möchte. 

Diese genannten Mineralien bilden in mannichfaltigen Com- 
binirungen die Concretionen, welche ich in der fraglichen Samm- 
lung beobachtet und im Folgenden beschreiben will, in dem 
ich einige theoretisch wichtige Fragen aufstellen und durch die 
beschriebenen Beobachtungen beantworten werde. 

1. Ist, wie Herr Roth behauptet, Sanidin ein Gemeng- 
theil der Basalte und Laven? 

a. Die von Herrn Roth beschriebenen, farblosen Prismen 
unter den Augitkrystallen im unlöslichen Rückstände der ana- 
lysirten Laven der Eifel befinden sich in unserer Sammlung 
und dürften ohne Zweifel wenigstens zum Theil Sanidin sein; 
eine sichere Bestimmung derselben ist allerdings unthunlich 
wegen der mikroskopischen Kleinheit. 

b. Aus dem Dolerite der Löwenburg im Siebengebirge habe 
ich früher grössere Ausscheidungen eines nicht gestreiften, gla- 
sigen Feldspathes gefunden, welche Herr vom Rath (diese 
Zeitschrift Bd. XII., 1860, S. 40 ff.) beschrieben, gemessen, 
analysirt und als Sanidin bestimmt hat. 

c. In dem mit vielen niederrheinischen Basalten und La- 
ven gleichen Nephelindolerit von Meiches hat Herr Knop 
(Jahrbuch für Mineralogie u. s. w. 1865 S. 674 ff.) den Sa- 
nidin erkannt, analysirt und gemessen; allein die Resultate der 
Analyse lassen es noch zweifelhaft, ob dieser Sanidin nicht 
mit einem kieselsäureärmeren Feldspath verwachsen vor- 
kommt; wir müssen uns in diesem Falle lieber an die Messun- 
gen halten. 

d. Nach Herrn vom Rath befinden sich (v. Dechen, geog. 



327 



Führer in die Eifel S. 79) auch kleine Sanidinkrystalle in den 
Poren der Eifeler-Lava mit Porricin und Nephelin zusammen. 

e. Manche Handstücke von Laven und Schlacken aus der 
Misoherlioh' sehen Sammlung von Bertrich, Wollmerath und 
besonders von Uedersdorf enthalten grössere Ausscheidungen 
von Sanidin, die Herr v. Dechen (1. c. S. 31) und Herr Roth 
(1. c. S. 55, 56) alle für Einschlüsse von zerbröckeltem Tra- 
chyt halten, weil sich derselbe in dem Gesteine von Bertrich 
vielfach als Einschluss findet, von denen Herr Roth mit Recht 
(1. c. S. 30) sagt: „Haben die Trachyteinschlüsse nur kleine 
Dimensionen, so kann man verleitet werden, die unverändert 
gebliebenen Sanidine für Gemengtheile der Lava zu halten ; 
allein meist weisen Theilchen von geschmolzenem Glimmer und 
Hornblende darauf hin, dass man es mit einem Einschlüsse zu 
thun hat; auch durch das körnigrissige Gefüge der (aus Trachyt 
stammenden) Sanidine wird man auf diese Ansicht geleitet." 
Das ist für einen Theil der Sanidine in der Lava von Bertrich 
ganz richtig; ein anderer Theil derselben und der von Ueders- 
dorf und Wollmerath, mit ganz von jenem verschiedenem Aus- 
sehen, kann aber nur als Ausscheidungen aufgefasst werden. 

Aus diesen fünf Belegen erhellt, dass man den Sanidin als 
einen Gemengtheil der Basaltgesteine anzusehen berechtigt und 
gezwungen ist. 

2. Ist ein gestreifter Feldspath ein Gemengtheil der Ba- 
salte, und welcher Species ist derselbe? 

Diese Frage muss, wie oben gesagt, Jedem lächerlich oder 
wenigstens müssig erscheinen, der die letzte Arbeit des Herrn Roth 
über die Basaltgesteine der Eifel nicht gelesen hat, weil man 
den Labrador bis dahin als einen wesentlichen oder den allein 
wesentlichen Gemengtheil aller Basalte und Dolerite ange- 
sehen und nie angezweifelt hat. Nun mit einem Male macht 
Herr Roth einen Strich durch die Rechnung mit der oben an- 
geführten Behauptung, kein gestreifter Feldspath, am allerwenig- 
sten ein Labrador, finde sich irgendwo als Gemengtheil der 
Eifeler Basalte und Basaltlaven. Ja, mündlichen Mittheilungen 
zufolge geht Herr Roth noch viel weiter, indem er diese Be- 
obachtung auf alle Basalte überträgt. Labrador ist nach ihm 
der wesentliche Gemengtheil der eigentlichen Dolerite , die so 
selten sind' (z. B. am Aetna), und die keinen Nephelin ent- 
halten, sondern wesentlich aus Labrador, Augit, Olivin und 



328 



Magneteisen bestehen, während alle Basalte mit den meisten 
bisher noch genannten Doleriten Gemenge wesentlich von Ne- 
phelin, Augit, Olivin und Magneteisen sind. 

Wie gerechtfertigt ist bei solcher Meinungsdifferenz die 
obige Frage und wie interessant und wichtig deren Beant- 
wortung! Thatsachen mögen entscheiden: 

a) Zwei Stücke in der Mitschbrlich' sehen Sammlung, die 
Herrn Roth bei der Aufstellung der mitgetheilten Behauptung 
entgangen sein müssen, beweisen das Vorhandensein eines ge- 
streiften Feldspathes in den Laven und Schlacken der Eifel; 
das eine Stück ist Lava vom Westrande der Falkenley bei 
Bertrich mit einem deutlich ausgeschiedenen Krystalle solchen 
Feldspaths, das zweite eine Wurfschlacke vom Dreiser Weiher 
mit vielen Devon- und Trachyteinschlüssen neben einer Concre- 
tion von gestreiftem Feldspath und Augit (also keine Ver- 
wechselung mit Trachyteinschluss) , die in keiner Weise von 
den folgenden Concretionen in der Lava von Mayen und Men- 
dig zu unterscheiden ist. 

b) Im Dolerit der Löwenburg beobachtete Herr vom 
Rath (s. diese Zeitschrift Bd. XII, 1860, S. 40) einen ge- 
streiften Feldspath. 

c) An mehreren Handstücken der Lava von Mayen und 
Niedermendig aus der MiTSOHERLiCH'schen Sammlung beobachtet 
man in der porösen, feinkrystallinischen Masse gröbere Con- 
cretionen von wasserklarem oder durchscheinendem, prachtvoll 
gestreiftem Feldspath mit schwarzem Augit. Eine fast einen 
halben Quadratzoll im Querschnitt grosse Concretion besteht 
aus einem Feldspathkrystall , der nach allen möglichen Rich- 
tungen hin von schwarzen Augitkrystallen durchwachsen ist. 
Nephelin ist natürlich in der klaren Feldspathmasse nicht zu 
sehen. Eine zweite dieser Concretionen führt als drittes Ge- 
mengmaterial noch Körner eines grünen Augits vom Aussehen 
des Epidots, aber nach meinen Messungen mit den Spaitungs- 
winkeln des Augits. Eine dritte dieser Concretionen ist sehr 
viel grösser, nämlich \~ Zoll im Durchmesser und ein so 
grobes Gemenge, dass ich von ihr hinlängliches Material zu 
einer Analyse entnehmen konnte, ohne diesem werthvollen 
Handstücke wesentlichen Abbruch zu thun. Die Streifung des 
Feldspathes ist auf vielen Flächen von 3 — 4 Quadratlinien 
deutlich mit blossem Auge zu sehen; die Concretion enthält 



329 



auf Poren und Drusen Nephelinkrystalle und Nadeln des so- 
genannten Porricins. Der vorwiegende Feldspath umsehliesst 
die schwarzen Augit-Krystalle und Körner, sowie gelbe Körn- 
chen, die nach der Farbe zu schliessen, vermuthlich Titanit 
oder weniger wahrscheinlich Melilith sind. In einer anderen 
Concretion umsehliesst der Feldspath noch blauen Hauyn und 
Körnchen eines hell röthlichen glasartigen Minerals , welches 
Zirkon oder Granat sein dürfte. In solchen Concretionen 
herrscht bald der Augit, bald der Labrador. Eine derselben 
mit Nephelin und Titanit ist am Rande zu Kaolin verwittert, 
der die Augite und Titanite umsehliesst und in kleinen Poren 
winzige, wasserklare Quarzdihexaeder enthält. 

Um zu erforschen, welcher Species dieser gestreifte Feld- 
spath zuzurechnen sei, analysirte ich den der oben genannten 
Concretion im Laboratorium der Bergakademie zu Berlin. Das 
geglühte, weisse Pulver reagirte nur schwach auf etwas Eisen 
und im Spectralapparate auf unbestimmbare Spuren von Kali 
und Lithion und ergab folgende Zusammensetzung: 

O 

Kieselsäure 57,287 30,551 7,33 
Thonerde 26,783 12,505 3 
Eisenoxydul Spur 
Kalkerde 8,009 2,2881 

Magnesia 0,284 0,114f 1 

Natron 6 ,842 1.766) 

99^05" 

Da die Analyse mit grösster Vorsicht ausgeführt wurde, 
da im Mineral die Kalimenge sich als unbestimmbar erwies, 
und da das Mineral fast ganz frisch war, berechnete ich wegen 
Mangels an Material zu einer direkten Natronbestimmung die 
obige Menge Natron nach dem Verhältniss von R:R wie 1:3 
aus den Sauerstoffmengen von den Basen. Das Sauer- 
stoffverhältniss ist hiernach 1 : 3 : 7, 33 also bedeutend zu 
niedrig für Oligoklas, der das Mineral schon wegen des hohen 
Kalkgehaltes nicht sein kann, und zu hoch für Labrador, auf 
den der hohe Kalkgehalt deutet und gegen den der grosse 
Natron gehalt nicht zeugt. 

Nach der Zusammensetzung kommt er am nächsten dem 
sogenannten Andesin, aber was ist Andesin?! 



330 



Berechnet man, der Theorie des Herrn Tsohermak folgend, 
alle Kalkerde und Magnesia als Anorthit: 

O. 

Kieselsäure 18,016 9,608 4 
Thonerde 15,433 7,206 3 
Magnesia 0,284 0,114\ , 

Kalkerde 8,009 2,288/ 

41,742 

so bleibt ein Natronfeldspath genau von der Zusammensetzung 
des Albits, nämlich 

Kieselsäure 39,271 20,943 11,89 
Thonerde 11,350 5,299 3 
Natron 6,84 2 1,766 1 

57,463 

Hierdurch wird es höchst wahrscheinlich, dass der ge- 
streifte Feldspath ein Gemenge oder eine Verwachsung von 
42 Theilen Anorthit mit 58 Theilen Albit ist, so dass in den 
Basaltgesteinen alle drei Feldspathvarietäten des Herrn Tsoher- 
mak, Orthoklas, Albit, Anorthit, sich am Gemenge bethei- 
ligen. 

Sieht man vorlänfig noch von dieser neuen Theorie ganz 
ab und hallt sich an die bisherigen Feldspathvarietäten, so 
kann man diesen gestreiften Feldspath der Basalte beim Ver- 
gleich der obigen Analyse mit denen von anderen Labradoren 
nur als solchen bestimmen , für den man ihn bisher in dubio 
immer angesprochen hatte. 

Hierdurch widerlegt sich sowohl die oben mitgetheilte 
Behauptung des Herrn Roth, die Basalte (vorzüglich die nieder- 
rheinischen) enthielten keinen Labrador als Gemengtheil, als 
auch der Stützpunkt zu dieser Behauptung, dass die Gegen- 
wart von Nephelin in einem Gesteine die des Labradors aus- 
schlösse, und in das sogenannte Gesetz der Feldspathe des 
Herrn Roth: dass nämlich die Alkalifeldspathe nie als Ge- 
mengtheile neben den Kalkfeldspathen vorkommen (diese Zeit- 
schrift Bd. XVI, 1864 S. 684), wird eine gewaltige Breche 
hindurchgeschossen. Beweisen kann ich es noch nicht, aber 
ich zweifele nicht daran , dass in einem Gesteine alle Feld- 
spathvarietäten zusammen vorkommen können und vorkommen; 



331 



das ist auch ein folgerichtiger Schluss aus der Feldspaththeorie 
des Herrn Tschermak. , 

Da bekanntlich Labrador (resp. Anorthit) in Salzsäure - 
zum Theil löslich ist, so muss bei Partialanalysen von Ba- 
saltgesteinen der lösliche Bestandtheil kalkhaltig sein. Dass 
nicht ausser dem kalkhaltigen Labrador im Basalt noch ein 
anderes kalkhaltiges Mineral (Humboldtilith) , wie Herr Roth 
(s. oben und Mitscherlich's vulkanische Erscheinungen der 
Eifel) annimmt, als Gemengtheil vorhanden sein kann, wird 
hierdurch nicht ausgeschlossen; im Gegentheil, weiter unten 
will ich beweisen, dass Herr Roth richtig interpretirt hat. 

3. Zum Beweiss, dass alle Basalte nephelinhaltig sind, 
will ich einige Beobachtungen aus unserer Sammlung über das 
Vorkommen des Nephelins mittheilen. 

Das Bekanntwerden dieses Minerals in den Laven der 
Eifel und des Laacher-Sees , im Dolerite der Löwenburg, im 
Dolerit von Meiches und vielen anderen Basaltgesteinen ist 
oben schon berührt worden. Die Bescheibungen des Aussehens 
der Labradorkrystalle in der Grundmasse der niederrheinischen 
Basalte unter dem Mikroskope durch Herrn Zirkel (Sitzungs- 
berichte der kais. Acad. d. Wissensch, zu Wien Bd. XL VII. 
S. 248 ff.) passt eben so gut auf Nephelin als auf Labrador, 
da sich zu diesen Untersuchungen derselbe nicht des polari- 
sirten Lichtes bedient hat; sodann sind die von Herrn vom: 
Rath in der Grundmasse der Lava von der Hannebacherley 
bei Laach (diese Zeitschrift Bd. XIV. S« 672) unter dem Mi- 
kroskope beobachteten, farblosen, als Anorthit oder Labrador 
bestimmten Prismen ohne Zweifel zum Theil Nephelin ; denn 
sie lösen sich mit Gallertbildung in Salzsäure auf, und alle 
Basalte gelatiniren mehr oder weniger mit Salzsäure; das kann 
nicht von Labrador, sondern nur vom Nephelin herrühren. 

In den niederrheinischen Laven sieht man die Nepheline 
(meist nur sechsseitige Säulchen mit Endfläche und seltenen 
Rhornboederflächen, aber auch nach der Endfläche tafel- 
förmige Krystalle), wie mehrfach beschrieben, in die Poren 
des Gesteins hineinragen. Im Gemenge des Gesteins erkenn- 
bar sind sie bisher nur durch Herrn v. Dechen (geogn. Führer 
a. d. Laacher-See §. 298) und Herrn vom Rath (diese Zeit- 
schrift Bd. XII. S. 30) von der Lava des Herchenberges be- 
schrieben worden , und doch ist diese Beobachtung an allen 



332 



gröber gemengten Laven [einem schon weniger geübten Auge 
möglich. Ausserdem giebt es vielfach Concretionen in den 
Laven, in denen der Nephelin eine Hauptbetheiligung hat. 

Wie nämlich die Nepheline in die Porep der Lava massen- 
weise gedrängt hineinragen mit den Nadeln des sogenannten 
Porricins , so bilden sie auch mit denselben und seltener mit 
Magneteisenkryställchen drusige, poröse Concretionen, gerade 
so wie der Labrador mit dem Augit. In die Poren der Ne- 
phelinconcretionen ragen niedliche Krystalle von Nephelin und 
Porricin hinein. Die tafelartig ausgebildeten Nepheline zeigen 
auch öfters Rhomboederflächen und sind meist grösser als die 
säulig entwickelten, oft eine Linie gross. Andere Concretionen 
bestehen fast nur aus Augit, Nephelin und Titanit. 

4. Ist der Humboldtilith oder Melilith , wie Herr Roth 
(1. c.) aus chemischen Gründen vermuthet, ein Gemengmineral 
der Basalte? 

Bisher kannte man dieses Mineral in den Basaltge- 
steinen nur vom Vesuv und Capo di Bove bei Rom vom 
Metellagrabe und in einem ganz analogen Vorkommen in 
den Poren, Drusen und Spalten der Lava vom Herchenberg bei 
Laach zusammen mit Nephelin, Porricin, feinen, lebhaft glän- 
zenden, weissen Nadeln (vielleicht Apatit) und mit Leucit, auf 
den ich sofort zurückkommen werde (diese Zeitschrift Bd. XII. 
S. 30). Dieses honiggelbe, in ganz kleinen, quadratischen, 
kurzen Säulen meist sehr undeutlich krystallisirte Mineral bildet 
in der Lava vom Herchenberge mit Nephelin ein deutlich er- 
kennbares Gemenge; ja, Herr v. Dechen sagt (1. c. S. 298): 
„dieses Gestein scheint nur aus Melilith, Nephelin und Augit 
zu bestehen wie das Gestein von Capo di Bove." 

Durch die Vermuthung des Herrn Roth auf den Melilith 
aufmerksam gemacht, beobachtete ich beim Bestimmen in der 
Sammlung in vielen Laven mit gröberem Gemenge mit Nephe- 
lin besonders einen körnigen Gemengtheil von ;der honig- 
gelben , trüben Farbe des Meliliths vom Herchenberge , der 
weder verwitterter Olivin, noch Titanit sein konnte; die Hand- 
stücke der Lava von Mühlenberg, Besberg und Rusbusch bei 
Niederbellingen, so wie vor Allem die Schlacken von Woll- 
merath nahmen mir jeden Zweifel darüber, ob wirklich der 
Melilith ein Gemengtheil der niederrheinischen Laven sei. Nach- 
dem auf dieses Vorkommen einmal die Aufmerksamkeit ge- 



333 



lenkt ist, werden die Mineralogen dieses Mineral nach und 
nach in .allen Basaltgesteinen nachweisen. 

5. Ist Leucit ein Gemengtheil der Basalte? Derselbe ist 
mehrfach als in Laven gefunden beschrieben worden, so auch 
in der Lava von Niedermendig als muschelige Stücke von glas- 
glanzartigem Fettglanz in mit Porricin ausgekleideten Höhlungen 
(v. Dechen, Führer an den Laacher -See S. 326 und diese 
Zeitschrift Bd. XVII, 1865, S. 124; Sandbbrger, Jahrbuch für 
Mineralogie u. s. w. 1845 S. 146). 

Das Ansehen noch mehr aber die Beschreibung dieser Vor- 
kommnisse ist der Art, dass man wohl, wie Herr Fuchs (die 
vulkanischen Erscheinungen der Erde S.165), verleitet werden 
kann, dieses Leucitvorkommen als ein zufälliges hinzustellen, 
indem dieses Mineral von der flüssigen Lava umhüllt worden 
sein könnte. Dem ist aber in den meisten Fällen und in 
allen mir bekannten nicht so. 

Herr A. Knop (Jahrbuch für Mineralogie u. s. w. 1865 
S. 674) hat den Leucit in dem den Eifeler- und Vesuv-Laven 
(Fosso grande) ähnlichen Nephelindolerit von Meiches nachge- 
wiesen und analysirt; die Beschreibung dieses Vorkommens ist 
sehr interessant für das gleich zu beschreibende in den nieder- 
rheinischen Laven; es ist an beiden Orten genau dasselbe. 

Eine Interpretation der durch Mitscherlioh bekannt gewor- 
denen Zusammensetzung des löslichen Bestandtheiles der Eifeler 
Laven führt schon zu der Vermuthung, das der Leucit ein Gemeng- 
theil dieser Laven sei, weil der lösliche Bestandtheil sehr kali- 
baltig ist und die bisher bekannten, löslichen Gemengmineralien der 
Basalte (Olivin, Magneteisen, Labrador, Nephelin) ganz kali- 
frei oder doch wenigstens nur sehr kaliarm (Nephelin) sind. 

In den oben beschriebenen Drusen und Klüften mit den 
efflorescirten Nephelin-, Melilith-, Porricin- und Apatit (?) -Kry- 
stallen der Lava vom Herchenberg beobachtete ich zuerst unter 
denselben Verhältnissen wie die letztgenannten Mineralien d. h. 
als Ausblühungen zahllose, kleine, mohnkorngrosse , eckig- 
kugelige Körner eines gelblichweissen Minerals, denen man 
eine gerundete Krystallform, die des Leucitoeders , sofort an- 
merkte. Nach längerem Suchen fand ich denn auch wirklich 
gut ausgebildete Leucitoederformen, und zwar nicht nur in den 
Poren der Lava vom Herchenberg, sondern unter denselben 
Verhältnissen in der porösen Schlacke von Wollmerath, in der 



334 



Lava des Altenberg bei Schalkenmehren, von Zilsdorf, vom 
Kalenberg bei Zilsdorf und vom Geisbusch bei Auel. An den 
letztgenannten Orten sind diese Leucitoeder glasig, vollkommen 
durchsichtig, farblos oder grünlich und so scharfkantig und 
spiegelnd, dass sie trotz der geringen Grösse Herr vom Rath 
gemessen und als Leucitoeder bestimmt hat (diese Zeitschrift 
Bd. XVII, 1865 S. 122; v. Dechen, Führer in die Eifel §.71). 
Weil Herrn vom Rath diese Leucitoeder aufgewachsen schienen 
wie ein sekundäres Drusenmineral, hat derselbe diese Leucito- 
eder als Analcim bestimmt; das sind sie aber nicht, denn sie 
geben beim Erhitzen kein Wasser, gelatiniren nicht in Salz- 
säure, sondern scheiden die Kieselsäure als pulveriges Skelett 
ab und zeigen selbst im Spectralapparat nur die geringste 
Spur Natron, kein Lithion, wohl aber etwas Kalk, von dem 
mit ihnen verwachsenen Melilith herrührend, und vor Allem 
Kali, welches man auch schon sehr deutlich mit Platinchlorid 
in alkoholischer Lösung durch reichlichen Niederschlag nach- 
weisen kann. 

Somit war denn der Beweis geführt, dass Leucit ein Ge- 
mengtheil der Basaltgesteine ist, und dass in einem Silikat- 
gesteine der Labrador und Nephelin den Leucit nicht aus- 
schliessen , wie Herr Roth glaubt (diese Zeitschrift 1864, 
Bd. XVI, S. 687). 

6. Ob Sodalith , den Herr Kkop (1. c.) im Gestein von 
Meiches nach der Form beobachtet haben will, aber nicht ana- 
lysirt hat, ein Gemengtheil der Basalte ist, ob er nicht etwa der 
gleich krystaliisirende Hauyn ist, der sich in den niederrheini- 
schen Laven so häufig findet, oder Nosean , den man aller- 
dings noch in keiner Basaltlava beobachtet hat, muss ich dahin- 
gestellt sein lassen. Fände man später Nosean oder den ver- 
wandten Sodalith unzweifelhaft in den Basaltgesteinen, so wäre 
dieses ein Beweis mehr für den früher ausgesprochenen Zu- 
sammenhang zwischen den Basalten undNosean-Leucit-Gesteinen. 

7. Glimmer ist mir in wenigen älteren Basalten bekannt, 
wohl aber in allen niederrheinischen Laven ; desshalb darf man 
aber noch nicht, wie Herr Fuchs (die vulk. Ersch. der Erde 
S. 165), behaupten, der Glimmer möge ein zufälliger Einschluss 
in manchen Laven, in denen er hier und da gefunden, sein. > 

Wer die Laven der Eifel und des Laacher-Sees, die ihnen 
gleichzeitigen undpetrographisch identen Schlacken, Rapilli, Sand 



335 



und Tuffe oft dicht gedrängt mit grossen und kleinen Glimmer- 
auscheidungen gesehen hat, muss eine solche Behauptung zu- 
zückweisen. Ein wesentlicher Gemengtheil in den Basaltge- 
steinen mag der Glimmer nicht sein, sondern ein oft ganz 
fehlender Vertreter der chemisch nahe verwandten Hornblende 
und des Augits, die vielfach (s. unten) mit dem Glimmer ver- 
wachsen vorkommen. 

8. Ausser dem schwarzen, gemeinen, thonerdehaltigen 
Augit, dem bekannten Gemengtheile aller Basaltgesteine werden 
in denselben noch genannt der Broncit (sogenannte Antho- 
phyllit), ein grüner Augit und der sogenannte Porricin. Dazu 
treten noch, wie ich gleich zeigen werde, Diopsid und Enstatit, 
welche sich eng mit dem Olivin und einem Chromeisenspinell, 
dem sogenannten Picotit, associiren. 

Die vom einfachen Olivinkörnchen bis kopfgrossen so- 
genannten Ausscheidungen von körnigem Olivin in den nieder- 
rheinischen und allen übrigen Basalten finden sich grade so in 
den Laven und Schlacken der Eifel und des Laacher-Sees und 
bilden dort bei vielen vulkanischen Eruptionen (besonders Dreis, 
Dockweiler, Steffeln, Meerfeldermaar, Pulvermaar, Dannermaare, 
Held bei Steinborn, Gerolstein, Bekeldorf, Firmerich bei Daun) 
die weitbekannten sogenannten Olivinbomben. 

Auf die Aehnlichkeit dieser rheinischen körnigen Olivin- 
masscn in den Basaltgesteinen einmal mit denen im Basalte 
von Beyssac bei le Pui (Dep. Haute Loire) und von Mähne 
und andermal mit der körnigen Olivinmasse , welche in den 
Pyrenäen, besonders am See von Lherz (Dep. de l'Arriege) 
Lager zwischen den Kalken der krystallinischen Schiefer bildet, 
und die man mit dem bequemen Namen Lherzolith belegt hat, 
hat zuerst in einer kurzen, aber wahrhaft klassischen Beschrei- 
bung Herr A. Des Cloizeaux die Aufmerksamkeit gelenkt. 
(Manuel de Mineralogie. 1862 S. 541, 65, 542.) 

Wer diese genannten Gesteine sieht, unter sieh und noch 
mit dem Dunit des Herrn Hochstetter, dem derben Olivin - 
fels im Gabbro von Dun Mountain bei Nelson auf Neuseeland, 
sowie mit dem Olivinfeis im Glimmerschiefer der Seefeldalpe 
im Ultenthale (Tyrol) vergleicht, muss sich allerdings sehr 
vor Verwechselungen hüten. 

Dass sich in den rheinischen Olivineinschlüssen ein Augit 
findet, der auch selbständige Ausscheidungen im Basalte bildet, 



336 



und den man Broncit oder blätterigen Anthophyllit genannt 
hat (v. Dechen, Siebengebirge S. 153; Nöggerath, Rheinland- 
Westphalen III. S. 285 und dessen Bergschlupf von Unkel 
S. 11), war eher bekannt, als Herr DesCloizeaux darauf auf- 
merksam machte , dass diese Olivinmassen ein körniges Ge- 
menge von vier Mineralien Enstatit, Diopsid, Olivin und Picotit 
seien, deren chemische Zusammensetzung wir durch Herrn 
Damour (Bull, de la soc. geol. de France XXIX 1861/62 
p. 413) und deren physikalische Eigenschaften wir clurch 
Herrn DesCloizeaux kennen gelernt haben. 

Da man trotz des fast regelmässigen Prädominirens des 
Olivins ein Gemenge von vier wesentlichen Gemengmineralien 
nicht gut, wie bisher, körnige Olivinmasse nennen konnte, schlug 
Herr Des Cloizeaux für die von Lherz den Namen Lherzolith 
vor. Obwohl nun der Lherzolith aus den krystallinischen 
Schiefern von den mineralogisch gleichartigen Olivinmassen in 
den Basaltgesteinen im Alter, Lagerungs- und Entstehungsart 
sehr verschieden ist, glaube ich doch diesen bequemen Namen 
auf diese Gesteine übertragen zu dürfen von rein mineralogi- 
schem Standpunkte aus. 

Der rheinische Lherzolith besteht vorherrschend aus öl- 
grünen oder olivingrünen, auch gelben, bald helleren, bald 
dankleren , grossen oder kleineren glasglänzenden, im Bruch 
muscheligen , selten spaltbaren , theilweise bunt angelau- 
fenen , theilweise blasigen Körnern , sehr selten (v. Dechen, 
Führer in die Eifel S. 107) Krystallen von Olivin. Da- 
zwischen liegen mehr Stücke als Körner von krystallinisch- 
blätterigem, ölgrünem bis nelkenbraunem Enstatit, der durch 
Verwittern in Broncit übergeht. In den Basalten ist er kry- 
stallinischer als in den Bomben, wo er bei einer Oberfläche, 
die wie geschmolzen aussieht , meist muschelig im Bruch ist, 
wie so manchmal der gemeine Augit gerade in den Laven der 
niederrheinischen Vulkane. Dadurch erinnert er an dunkelen 
Olivin , löst sich aber nicht in Säuren und wird beim Ver- 
wittern spaltbar. Wird in manchen Bomben das Gefüge gröber, 
so erhält er die Spaltbarkeit des Enstatits, ohne seine anderen 
genannten Eigenschaften zu verändern; manchmal glaubt man 
sogar einzelne Krystallflächen beobachten zu können. In 
manchen Bomben gewinnt der Enstatit gegen den Olivin die 
Ueberhand und umschliesst nur einzelne Körner von Olivin 



337 



und den beiden anderen Mineralien; in diesem Falle bekommt 
er ganz die Augitnatur und wird viel dunkelet* 7 fast schwarz. 

Der dritte Gemengtheil , in manchen Bomben und Aus- 
scheidungen der zweithäufige, sind kleine, runde, an der Ober- 
fläche wie eingedrückte und gefrittete, smaragdgrüne Körner 
oder Haufwerke derselben, die im Gestein von Lherz nach Herrn 
Damour die Zusammensetzung des Diopsids haben. 

Der vierte Bestandteil sieht genau so aus wie das be- 
kannte, titanhaltige, muschelige Magneteisen in den niederrhei- 
nischen Basalten und Laven; da er aber weder dem Magnete 
folgt, noch sich in Salzsäure löst, kann er bei der Aehnlich- 
keit mit dem Picotit von Lherz nur dieser, d. h. nach Herrn 
Damour ein Chrommagnesiaspinell sein. Die Oberfläche dieser 
Körner ist wie rund geschmolzen und bunt angelaufen, manch- 
mal glaubt man an ihr Krystallflächen beobachten zu können, 
doch dann täuschen zufällige Bruchflächen. 

Es wäre sehr interessant und wichtig, wenn diese mine- 
ralogischen Bestimmungen der Gemengmineralien des nieder- 
rheinischen Lherzoliths und deren Identificirung mit denen des 
eigentlichen Lherzoliths durch chemische Analysen des ersteren 
bestätigt würden. Das Material dazu habe ich gesammelt, 
allein mir fehlte die Zeit zu diesen vier Analysen; auch trug 
ich, sie zu machen, Bedenken, da gleichzeitig Herr Rammels- 
berg mich bat, ihm das nöthige Material zu beschaffen ; möch- 
ten diese Resultate bald die Wissenschaft bereichern! 

Da diese Lherzolithe Ausscheidungen aus den Basaltge- 
steinen und deren Gemengmineralien auch für sich ausge- 
schieden sind, so unterliegt es keinem Zweifel, dass dieselben 
Gemengmineralien der Basalte sind. Ausser diesen Augiten 
habe ich besonders in den Laven von Niedermendig und Mayen 
einen grünen Augit für sich allein sowohl, als auch mit dem ge- 
meinen schwarzen Augit zusammen nicht nur in einzelnen Kry- 
stallausscheidungen, sondern auch in körnig-krystallinischen Con- 
cretionen an Handstücken aus der Mitsoherlich' sehen Samm- 
lung beobachtet. 

Die eine Concretion dieses krystallinisch-körnigen, pista- 
ziengrünen Augits von 1 bis 2 Zoll Durchmesser entwickelt 
sich allmälig aus der porösen, sehr nephelinhaltigen Lava von 
Niedermendig; an einer Seite nur indirekt, indem zwischen bei- 
den Massen eine 1 bis 2 Linien schmale Zone von schwarzem 

Zeits. d. d. geol.Ges. XVIII. 2. 22 



338 



körnigem Augit sich befindet, der langsam in den grünen über- 
geht, den man wegen der Farbe und des fremden, vom Augit 
sonst so abweichenden Ansehens leicht für Epidot halten kann. 
In einzelnen Drusen in dieser Concretion ragen bis 1 Linie 
grosse Krystalle dieses Augits hinein , die sehr flächenreich 
und scharf ausgebildet zu sein scheinen , es aber unter der 
Lupe betrachtet nicht sind; denn sie bieten nur eine noch eben 
im Reflexionsgoniometer messbare Säule mit den Winkeln des 
Augites, die- Kopffiächen derselben sind unbestimmbar. An 
einigen Stellen ist der grüne Augit durch beginnende Verwitte- 
rung, d. h. durch Oxydation des Eisenoxydulgehaltes, intensiv 
rothbraun geworden , aber sonst hart und frisch geblieben, 
eine beim Olivin der Basalte und Laven so alltägliche Erschei- 
nung. Viele der grösseren Hohlräume in dieser Ausscheidung 
sind mit Nephelinkrystallen bewandet, doch so, dass sich der 
Nephelin allmälig durch Efflorescirung entwickelt; ein zweiter 
Beweis, dass diese Augitmasse kein Einschluss, sondern eine 
massige Ausscheidung ist. 

Eine andere Concretion ohne umhüllende Lava besteht in 
der Hauptmasse aus einem lamellar-krystallinischen, schmelz- 
baren, pistaziengrünen, hornblendeähnlichen, aber unter Augit- 
winkel spaltbaren Augit, der zum Theil grünlichschwarz und 
körnig wird oder sich an einzelnen Stellen von aussen nach 
innen 1 bis 2 Linien tief röthet. Diese Augitmasse enthält 
kleine und grössere, rundliche und schnurartige Ausscheidungen 
eines farblosen, weissen oder Höht fleischfarbenen Minerals, das 
oft Poren enthält, in welche kleine, farblose Krystalle des 
sechsgliedrigen Systems, die mit der genannten mütterlichen 
Masse wohl Nephelin sind, und kleine Säulchen oder Tafeln 
eines schwarzen Augites, nach den von mir gemessenen Säu- 
lenwinkeln zu schliessen, hineinragen. Auf diesen Mineralien 
sitzen wiederum mikroskopisch kleine, dunkel honigbraune und 
gelbe Krystalle, wie es scheint Granatoeder, also wohl Gra- 
naten. Mitten zwischen den Augitlamellen der Hauptmasse be- 
finden sich honiggelbe, bis 1 Linie grosse Körnchen eines Mi- 
nerals, das wie Titanit aussieht, aber auch Granat oder Meli- 
lith sein kann, obwohl es heller ist als die Granaten in den 
beschriebenen Nephelindrusen. Ganz ähnliche Concretionen 
liegen in der Sammlung auch vom Römerberge bei Gillenfeld 
in der Eifel. 



339 



Welcher Varietät, und ob einer der vorhin genannten, 
diese grünen Augite angehören, können nur chemische Analy- 
sen entscheiden; vermuthlich sind sie identisch mit dem soge- 
nannten Porricin. Dieses meines Wissens „als sogenannter 
Porricin" zuerst von Herrn Sandberger (Jahrbuch für Minera- 
logie 1845, S. 140) in die Literatur eingeführte Mineral bildet 
in den porösen Laven der Eifel und des Laacher-See-Gebietes, 
vorzüglich in denen von Mayen und Niedermendig, die niedlich- 
sten nadeiförmigen, oft haarfeinen, flächenreichen, spiegelnden, 
grünen bis grünschwarzen, oft bunt angelaufenen, in die Poren 
hineinragenden Krystalle oder Haufwerke von denselben, aus 
denen einzelne Nadeln oft bis zur gegenüberliegenden Porenwand 
herausschiessen. An diesen Nadeln sitzen wieder Kryställchen 
derselben Substanz und bilden so gleichsam Knoten an den 
feinen Haaren. Nach den Winkelmessungen dieser feinen Säul- 
chen, die Herr vom Rath angestellt und ich wiederholt habe, 
sind dieselben Augit, für welchen sie schon die Herren von 
Dechen, Sandberger, Haidinger u. A. angesprochen haben, 
während noch Andere sie für Epidot oder Pistazit gehalten 
haben. Die schönsten Povricine finden sich in den grösseren 
Poren, welche zugleich ein Stück Quarz oder Sanidin einge- 
schlossen haben. Sie sind kein sekundäres oder sogenanntes 
Drusenmineral, sondern eine Ausscheidung der Lavamasse in 
die Poren, genau so wie die Nepheline, Melilithe, Leucite u. s.w.; 
das sieht man an jeder Porenwand und daran, dass sie mit 
Nephelin Concretionsmassen bilden, welche die Porenwand oft 
umhüllen oder gar Kammerwände in den grossen Poren bil- 
den; aus dieser Concretion entwickeln sich in die Poren hinein 
sowohl Nephelinkrystalle, als Porricinnadeln. 

Ob dieser Porricin gemeiner schwarzer Augit ist, der nur 
wegen der feinen Vertheilung in so dünne Nädelchen grün er- 
scheint, oder einer andern Varietät entspricht, wird man aus 
Mangel an Material zu einer Analyse sobald noch nicht ent- 
scheiden können. 

Die übrigen oben genannten Gemengmineralien, die meist 
sehr selten auftreten, haben deshalb ein sehr bedingtes, mehr 
mineralogisches als petrographisches Interesse, und unsere 
Sammlung erzählt von ihnen nichts Neues ; ich lasse sie des- 
halb unberührt. 

Dass sich in einem Silikate, dessen chemische Zusammen- 

22* 



340 



Setzung quantitativ und qualitativ so sehr verschieden sein 
kann, und das bald diesen, bald jenen seltenen Stoff (z. B. Zir- 
kon, Chlor, Schwefelsäure u. s. w.) noch dazu aufnehmen 
musste, neben den wesentlichen Gemengmineralien seltenere 
sporadisch bilden mussten, ist ein natürlicher Zwang in Folge 
der chemischen Anziehung der Elemente und deren Bestreben, 
individualisirte und krystallisirende Körper, d. h. Mineralien, zu 
bilden. Ein Beispiel möge genügen zur Erklärung. War in 
dem flüssigen Silikate an einem Punkte mehr Thonerde, als die 
thonerdehaltigen Mineralien brauchten, so bildeten sich thon- 
erdehaltige Augite hier, während anderswo thonerdefreie oder 
thonerdearme; bei noch grösserem Ueberschuss von Thonerde 
bildete dieser den Sapphir; oder umgekehrt, hatte in irgend einem 
Basaltteige aus irgend welcher Laune die Thonerde Lust, 
Ausscheidungen von Sapphir zu bilden, dann mussten in dessen 
Nähe manche Mineralien thonerdearm werden, z. B. die Augite. 

Mag auch noch auf diesen Wegen dieses oder jenes Mi- 
neral als seltener Gemengtheil der Basalte beobachtet werden, 
so werden doch die häufigeren und wesentlichen Gemengmine- 
ralien im Obigen namhaft gemacht worden sein; es fragt sich 
nur noch, welche von den genannten Mineralien wesentliche 
Gemengtheile sind. Die Beantwortung dieser Frage muss sehr 
subjectiv ausfallen; nach meiner Ansicht sind als solche anzu- 
sehen: Augit, Nephelin, Labrador, Olivin, Magneteisen, Leucit 
und Melilith. 

Durch das Vorherrschen oder Zurücktreten bald dieses, 
bald jenes Gemengminerals entstehen in der Familie der Ba- 
salte gewisse Reihen, die verschiedenen äusseren Habitus be- 
sitzen und deshalb auch verschiedene Namen erhalten haben. 
So findet man in den bisher vorzugsweise Basalt genannten 
Gesteinen einen grossen Reichthum an Olivin, der in den so- 
genannten Doleriten sehr zurücktritt. In diesem Herrschen und 
gleichzeitigem Verschwinden fällt uns eine grosse Regelmässig- 
keit auf; ein Mineral verdrängt immer dasselbe andere, welches 
ihm mineralogisch nahesteht. In dieser Wechselbeziehung fin- 
den sich ganz besonders Labrador und Nephelin, und unter 
allen Reihen hat diese sogenannte Labrador-Nephelinreihe aus 
mancherlei Gründen für uns das grösste Interesse. 

Sie scheint nämlich die einzige mit zwei v/ahren Endglie- 
dern, mit reinem Nephelin- und reinem Labrador -Basalt zu 



341 



sein, welche, wie oben bewiesen, durch eine Scala von Mittel- 
gesteinen verbunden sind. Das Vorhandensein der letzteren 
leugnet Herr Roth und nennt das erstere Endglied Basalt, das 
letztere Dolerit und glaubt nur in diesem Sinne den alten 
Namen Dolerit beibehalten zu dürfen. Durch meinen Nachweis 
des Ueberganges dieser beiden Endglieder muss also der Be- 
griff Dolerit, und folglich auch Anamesit, fallen gelassen wer- 
den; denn es ist ein petrographischer Unsinn, ein Gestein von 
gleicher mineralogischer und chemischer Zusammensetzung, von 
gleichem Alter, gleicher Lagerungs- und Eruptionsart mit zwei 
oder mehr Namen belegen zu wollen, einzig und allein aus 
dem Grunde, weil dieses Gestein durch langsamere oder sehnel- 
lere Erkaltung bald gröber, bald feiner krystallinisch erstarrt 
ist; fragen wir doch nicht beim Granite, bevor wir ihn taufen, 
wie grob das Gefüge sei; deshalb können und müssen nach 
meiner Ueberzeugung die Namen Dolerit, Anamesit, Nephelinit, 
Nephilindolerit aus der wissenschaftlichen Nomenklatur ent- 
fernt werden; der Name Basalt bezeichnet alle Gesteine sehr 
gut und hat Prioritätsrechte. 

3. Einschlüsse iu den niederrheinischen Laven. 

Wesentlich verschieden und bei einiger Uebung immer mit 
Sicherheit unterscheidbar von den genannten Concretionen aus 
der Lavamasse sind die Einschlüsse fremder vulkanischer und 
nichtvulkanischer Gesteine und Mineralien in der Lava. Dass 
vulkanische und plutonische Gesteine, erstere aber mehr als 
letztere, Bruchstücke von den Gesteinen umschlossen und an 
die Erdoberfläche gebracht haben, welche sie bei ihrer Eruption 
„durchbrechen mussten, um selbst aus dem Erdinneren an deren 
Oberfläche zu gelangen, und dass sie vermöge ihrer Hitze, ihres 
Flüssigkeitszustandes und ihrer chemischen Zusammensetzung 
diese Einschlüsse mehr oder weniger chemisch und physikalisch 
verändern , metamorphosiren können — nicht müssen — , ist 
ein altes Lied, aus dessen erster Strophe folgt, dass alle Ein- 
schlussgesteine in grösserer oder kleinerer Nähe vom vulkani- 
schen Eruptionspunkte, sei es zu Tage oder unterirdisch, an- 
stehen müssen. So liefern uns manchmal Eruptivgesteine ein 
erweiterteres, geognostisches Bild einer Gegend im Vergleich zu 
dem, welches wir an der Erdoberfläche oder durch Steinbruchs- 
und Grubenbetrieb erlangen können; denn der sogenannte vul- 



342 



kanische Herd liegt tiefer, als der jetzige und zukünftige Berg- 
mann zu erteufen vermag. 

Was alle Vulkane uns bieten, gewähren uns die nieder- 
rheinischen in Hülle und Fülle. 

Das zu Tage gekannte Grundgebirge der letzteren sind be- 
kanntlich am Laacher-See die unterdevonischen Sandsteine und 
Thonschiefer, Tertiärschichten und die alten Basalte mit man- 
chen Leucit-Nosean-Gesteinen, abgesehen vom älteren Diluvium, 
dagegen in der Eifel dasselbe Unterdevon, der mitteldevonische 
Kalkstein, etwas Oberdevon, der bunte Sandstein und die alten 
Basalte, Trachyte und Phonolithe; Tertiär und Diluvium errei- 
chen nicht diese Meereshöhe. 

In den Laven erwarten und finden wir Bruchstücke von 
diesen Gesteinen, daneben aber noch besonders an der Vul- 
kangruppe des Laacher-Sees Einschlüsse von Granit und Gneis, 
welche den Beweis, den uns der Hunsrück liefert, noch ver- 
stärken, dass das rheinische Devon auf Granit und Gneis auf- 
liegt, und zwar nicht bloss lokal, sondern zum grossen Theile; 
denn die übrigen rheinischen Basalte, besonders der des Mende- 
berges bei Linz, haben ebenfalls Bruchstücke von Granit aus 
der Tiefe zu Tage gefördert; anstehend unter dem rheinischen 
Devon kennt man nur Granit- und Gneiss-Gesteine im Huns- 
rück und dem entsprechenden Taunus. 

Ganz besonders den Einschlüssen dieser Gesteine und 
deren Metamorphosirung durch die Laven sollen die folgenden 
Zeilen gewidmet sein. 

1. Die Einschlüsse von Devongesteinen, Thonschiefer, 
Grauwacke, Quarz — die Kalke scheinen von dem Lavasilikat- 
teige ganz assimilirt zu sein — sind besonders schön bekannt 
von Bertrich, Boos und dem Roderberge bei Rolandseck am 
Rheine, sowie mehrfach bearbeitet und beschrieben. Theils 
sind diese Gesteine unverändert geblieben, theils sind sie durch- 
glüht und dadurch eigenthümlich abgesondert worden, wie der 
bunte Sandstein der Rhön, theils gefrittet und gesintert, theils 
an der Oberfläche emailirt, schwerlich oder weniger durch 
Schmelzung ihrer eignen Substanz als durch Zusammenschmel- 
zung dieser sauren mit der weniger sauren der Lava. Dabei 
rissen die Einschlüsse vielfach, die Oberflächen der Berstun- 
gen wurden ebenfalls emailirt, und die Schlacken- oder Lava- 
masse drang in die Risse ein. Diese Emailrinde ist papier- 



343 



dünn, bis 1 Linie stark, manchmal tropfenartig zusammenge- 
flossen, homogen oder blasig, farblos oder hellgelb, grünviolett 
u. s. w. und ganz zersprungen, wohl nicht durch plötzliche Ab- 
kühlung, Abschreckung, sondern vermöge des verschiedenen 
Ausdehnungs- und Zusammenziehungscoefficienten des Glases 
und der umhüllten Substanz. 

Von vielen Schiefereinschlüssen in der Lava von Mayen 
und Niedermendig, die bekanntlich auf tertiärem Thon auflie- 
gen, kann man nicht sagen, ob sie aus dem Devon stammen 
oder Stücke dieses Thones sind; sie sind röthlich oder gelblich, 
meist aber grau, vollkommen geschmolzen und porös und glei- 
chen genau der geschmolzenen Ziegelsteinmasse. Bei der 
Schmelzung sind sie wie ein Buch aufgeblättert worden, und 
zwischen die Blätter, die der früheren Schichtung zu entspre- 
chen scheinen, ist die poröse Lava eingedrungen. 

Aus dem rheinischen Devon stammen auch ohne Zweifel 
viele der eingeschlossenen Quarzstücke in den Laven, aber nicht 
alle, wie ich gleich beweisen werde; ebenso aus einem zu 
Tage unbekannten Kupfererzgange das von Herrn v. Dechen (diese 
Zeitschrift Bd. XVII., 1865, S. 124) erwähnte Quarzstück mit 
Kupferglanz, Buntkupfererz und Kieselkupfer in der Lava von 
Mayen. Einen ganz analogen Ursprung muss ich einem Ein- 
schlüsse von einem Gemenge von Magneteisen mit Quarz in 
der Lava von Mayen aus der MiTSCHERLiCH'schen Sammlung 
zuschreiben. Das derbe, grauschwarze, metall- bis graphit- 
glänzende, im Bruch muschelige, bunt angelaufene Magneteisen 
ist durchzogen von farblosem, durchsichtigem, ganz bröckligem 
Quarze. Das Ganze sieht aus wie ein zu Magneteisen meta- 
morphosirter Spatheisenstein mit Quarzschnüren aus einem 
Eisensteingange des rheinischen Devons. Eine Ausscheidung, 
wie sonst die von Magneteisen in den Laven ist es nicht we- 
gen des durchwachsenen Quarzes. Dass aus Spatheisenstein 
durch Einwirkung von der Hitze vulkanischer Massen Magnet- 
eisen entsteht, lehrt bei Siegen die Grube „Alte Birke 44 , wo 
ein Spatheisensteingang und ein Basaltgang sich mehrfach um- 
schlingen und an den Contactstellen der Eisenstein zum Magnet- 
eisen umgewandelt ist. (Vergl. Karsten und v. Dechen's Archiv 
Bd. XXII., 1848, S. 103 ff.) 

2. Von Graniteinschlüssen besitzt unsere Sammlung durch 
Mitscherlich eine reiche Suite; sie stammen fast ausschliess- 



344 



lieh aus den Laven von Mendig und Mayen am Laacher-See. 
Diese ganz kleinen bis kopfgrossen Einschlüsse eines grob- bis 
ganz feinkörnigen, sehr verschiedenartig aussehenden Granites 
bestehen aus farblosem, durchsichtigem, auch bläulichem und 
röthlichem, splitterigem, sehr zersprungenem Quarz mit Speck- 
glanz, aus weissem, oft aber noch ganz glasigem Orthoklas (vergl. 
v. Dechen geognost. Führer zum Laacher -See S. 86), der sehr 
gegen den Oligoklas zurücktritt, aus weissem , oft auch noch 
glasigem Oligoklas, der weniger zersprungen als der Orthoklas 
ist, und auf dessen grossen Spaltungsflächen die Zwillingsstrei- 
fung mit blossem Auge deutlich sichtbar ist, und aus schwar- 
zem Magnesiaglimmer. Dass der gestreifte Feldspath Oligoklas 
ist, beweist eine Kieselsäurebestirnmung desselben von mir; er 
enthält 62,5 pCt. Kieselsäure, stimmt also mit dem Oligoklas 
überein , den Herr Fouque (v. Dechen 1. c. S. 87) als losen 
Auswürfling am Laacher-See gefunden und analysirt hat. Der 
Gehalt dieser Granite an Glimmer ist sehr ungleich; in man- 
chen Stücken ist er ungemein häufig, in manchen sucht man 
ihn vergeblich. 

Selten sind diese Granite von der Hitze der Lava unbe- 
rührt geblieben^ am meisten ist der schmelzbare, eisenhaltige 
Glimmer verändert worden. In Einschlüssen, in denen er ein 
häufiger Gemengtheil ist, bildet er oft, sei es durch Hitze oder 
oxydirende Tagewasser, ein rothes, erdiges Pulver, wie in den 
Porphyren vom Sandfelsen bei Halle (diese Zeitschrift Bd. XVI. 
S. 395) von der Form des Glimmers. Meist ist er -aber ganz 
oder theilweise geschmolzen, wohl nach seinem Eisengehalte 
bald zu einem magnetischen, bald zu einem nicht magnetischen, 
braunen oder schwarzen Glase, welches zu einer unregelmässi- 
gen Masse oder Kugel an einer Seite des alten Glimmerrau- 
mes contrahirt ist. Da der geschmolzene Glimmer weniger 
Raum einnimmt als der krystallisirte, oder da er durch Sprünge 
ganz aus dem Granite ausgeflossen sein kann, wird der Granit 
durch das Schmelzen des Glimmers porös. Diese Poren ent- 
halten ausser dem Glase noch bei diesem Schmelzprocesse ge- 
bildete kleine Magneteisenkrystalle, ein gelbes Zersetzungs- (?) 
oder Schmelzprodukt und feine, grüne Nädelchen, die dem 
Porricin gleichen. 

Der Quarz dieser Granite ist unverändert geblieben, nur 
wie die Feldspathe durch die Hitze zersprengt worden und mit 



345 



dem aus Glimmer entstandenen Email bezogen, auf welchem 
sieh die Porricin-ähnlichen Nädelchen wiederfinden. Die Feld- 
spathe dagegen sind in der Nähe der Lava, die durch Sprünge 
oft tief in das Innere der Einschlüsse gedrungen ist, gefrittet, 
d. h. an der Oberfläche zu einem farblosen oder grünlichen 
Email geschmolzen. 

Einzelne Theile des Einschlusses sind beim Umhüllen los- 
gerissen worden und liegen als Separateinschlüsse (Trabanten) 
in der Lava um den Muttereinschluss. Werden hierbei die 
verschiedenen Gemengmineralien von einander getrennt, was 
bei den grobkrystallinischen Graniten leichter möglich und sicht- 
bar ist, so entstehen die Einschlüsse von Quarz, Orthoklas 
und Oligoklas, über deren wahre Natur man leicht zweifelhaft 
sein kann. So hält man den Quarz leicht für devonischen 
Ursprungs, obwohl sich dem geübten Auge beide Quarze an 
ihren optischen Verschiedenheiten unterscheiden; ferner hält 
man den Orthoklas- und Oligoklaseinschluss gerade bei ihrem 
noch glasigen Zustande gar gern für eine Ausscheidung von 
Sanidin oder Labrador aus der Lava. Aus diesem Irrthume 
entreisst dann meist entweder noch an dem Feldspath haf- 
tender Quarz oder Glimmer mit seinen Schmelzprodukten 
oder eine deutlich den Einschluss charakterisirende Umhüllungs- 
art der Lava oder im Nothfalle, wie es beim Oligoklas mir 
zuerst erging, eine quantitative Kieselsäurebestimmung. 

Die Lava schliesst meist dicht an den Einschluss an, ist 
aber auch oft von ihm abstehend, und dann ist diese Druse, wie 
die der Laven, mit Nephelin, Porricin und Leucit bewandet. 

Die Feldspathe in den Graniten sind meist, soweit sie 
nicht als Einschlüsse der Verwitterung ausgesetzt waren, noch 
ganz frisch und, wie gesagt, meist so glasig wie der vulkanische 
Sanidin, wie Herr y. Dechen (geogn. Führer zum Laacher-See 
S. 86) bestätigt; ein schlagender Beweis für meine früher aus- 
gesprochene Vermuthung und Behauptung, der Orthoklas aller 
plutonischen Gesteine sei früher glasig oder Sanidin gewesen, 
ehe der letztere durch beginnende Verwitterung in den erste- 
ren, den wir jetzt meist beobachten, übergeführt sei (diese 
Zeitschrift Bd. XVI., 1864, S. 395). Ein Beweis, den neuer- 
dings Herr Zirkel von mir verlangt hat. 

Bis zu der Tiefe, in der vor der Eruption diese einge- 



346 



schlossenen Granite anstanden, konnten die Atmosphärilien 
nicht gelangen; die Granite niussten also ihren primären Zu- 
stand bewahren , bis sie durch die Lava den atmosphärischen 
Einflüssen ausgesetzt wurden. Da dieses fast gleichzeitig mit 
der Bildung des bisher ausschliesslich Sanidin genannten Feld- 
spathes erfolgte, sind der Orthoklas dieser Granite und der 
Sanidin der vulkanischen Produkte gar nicht verschieden. 
Ebenso bestätigt sich meine andere frühere Behauptung, aller 
Oligoklas, kurz alle Feldspathe seien ursprünglich glasig ge- 
wesen. 

4. Das von den Graniteinschlüssen Gesagte gilt auch in 
allen Beziehungen von den Gneiseinschlüssen, nur zeigen diese 
die metamorphischen Zustände des Glimmers schöner, weil sie 
reicher an diesem Minerale zu sein pflegen, und weil dasselbe 
nicht in einzelnen Krystallen zwischen den übrigen Gemeng- 
theilen sich zerstreut findet, sondern bekanntlich ganze Lagen 
und Flasern bildet. Ob diese Bruchstücke wahrem Gneise ent- 
stammen oder doch Granit sind, lasse ich dahin gestellt; ich 
nenne alle Einschlüsse mit parallel lamellarer Anordnung des 
Glimmers zwischen Quarz, Orthoklas und Oligoklas Gneis. 
Noch weit schwieriger als die Unterscheidung von unveränder- 
tem Gneis und Granit in Handstücken ist die dieser theilweise 
geschmolzenen Einschlüsse. Es ist ja auch im Grunde ganz 
gleich, ob diese Einschlüsse dieses oder jenes Gestein sind, 
geht doch überall der Granit in Gneis und umgekehrt über 
(Schwarzwald). 

Ein sehr interessanter Einschluss unserer Sammlung aus 
der Mits cherlich' sch en bestand vor der Umhüllung von Lava 
aus j bis lj Linien dicken Stängeln von einem Gemenge von 
Quarz, Orthoklas und Oligoklas, indem der Quarz wieder lin- 
senartige Lagen bildete. Um diese Stängel wanden sich sehr 
regelmässig im ganzen Handstücke J- bis j Mm. dicke Lagen 
von Glimmer (vermuthlich schwarzer, eisenreicher Magnesia- 
glimmer). Durch die Hitze der Lava ist nun der Quarz fett- 
glänzend und durchsichtig geblieben, aber ganz zersprungen 
wie rasch abgekühltes Glas; der Orthoklas und Oligoklas sind 
nicht mehr zu unterscheiden und vielfach an der Oberfläche 
geschmolzen. Der Glimmer ist vollkommen geschmolzen zu 
einem gelblichweissen Email, das die - Wände des früheren 
Glimmerraumes, den es nur zum kleineren Theile erfüllt, be- 



347 



deckt; Glasfäden verbinden häufig diese verglasten Wände, wo- 
durch das Gestein im Querbruche (senkrecht durch die Rich- 
tung gedachter Stängelchen) genau das Aussehen des bekannten 
Pleurodictyurn problematicum erhält. Wo die Glimmerlamellen 
dicker als oben genannt waren , befindet sich das Email in 
grösseren, nierenförmigen Anhäufungen mit silber- oder asch- 
grauer Farbe. 

In einzelnen, bis erbsengrossen Hohlräumen, die manchmal, 
perlschnurartig an einander gereihet, parallel den früheren Glim- 
merlagen liegen, befinden sich einzelne oder zusammengereihete, 
grössere und kleinere, schwarze, magnetische Kugeln, deren 
Oberfläche mit rabenschwarzen, diamantartig glänzenden Kry- 
stallen (reguläre Octaeder und sechsseitige Tafeln) bedeckt ist; 
diese sind Magneteisen und Eisenglanz. Zieht man aus diesen 
Kugeln mit Salzsäure diese Mineralien aus, so bleibt eine Ku- 
gel zurück, die aussen aus einem gelblichgrauen, durchsichtigen, 
unlöslichen Email besteht und im Kerne ans einem röthlichen 
Minerale mit muscheligem Bruche, ohne Zweifel das unverän- 
derte Mineral, aus dem in der Hitze das Email und die Eisen- 
mineralien entstanden sind. Nach dem frischen Kerne dieser 
Kugeln, nach der Form der Hohlräume, in denen sich jene 
jetzt befinden, und welche früher von dem unveränderten Mine- 
rale ausgefüllt wurden, ist letzteres ohne Zweifel Granat ge- 
wesen, der im Gneis so häufig ist, und den man auch in den 
unveränderten Gneisauswürflingen des benachbarten Laacher- 
Sees beobachtet hat. 

Ich habe somit im Obigen behauptet, dass in den von 
heisser Lava umhüllten Gneis- und Graniteinschlüssen (wir 
werden dasselbe auch gleich beim eingeschlossenen Trachyt 
wiederfinden) die eisenreichen Singulosilikate der Glimmer und 
der Granat* in der Hitze bei mehr oder weniger Zutritt von 
Luft und Wasserdämpfen zerlegt werden in freies Eisenoxyd 
oder Eisenoxyduloxyd, die dabei auskrystallisiren zu Eisenglanz 
und Magneteisen und in ein eisenfreies (oder eisenarmes) 
saueres Silikat von Thonerde und Monoxyden, welches zu einem 
Glase zusammenschmilzt. 

Widerspricht das nicht den Grundsätzen der Chemie und 
anderen Beobachtungen? 

Nein, im Gegentheile; ich habe früher (Journal für prak- 
tische Chemie Bd. XCIV. S. 18 ff.) durch Versuche nachgewie- 



348 



sen, dass sich bei Luftzutritt schon in der Rothgluht ein eisen- 
oxydulhaltiges Silikat zerlegt in freies Eisenoxyd und ein kie- 
selsäurereicheres Silikat oder ein Gemenge des Silikates mit 
freier Kieselsäure. Könnte man bei diesem Versuche den Luft- 
zutritt, die Dauer und Intensität der Erhitzung, kurz alle Um- 
stände so reguliren, wie sie bei der Umhüllung der Gneis- und 
Granitfragmente von der Lava staltgefunden haben, so könnte 
man wohl aus dem kieselsauren Eisenoxydul Eisenoxyduloxyd 
frei machen, dasselbe oder das freie Eisenoxyd durch Schmel- 
zung oder Sublimation zum Krystallisiren, sowie das zurück- 
bleibende Silikat durch Schmelzen zu einem Email bringen, wie 
es die Natur in den beschriebenen Einschlüssen gethan hat. 

Wollte man annehmen, die Krystalle von Magneteisen 
(Eisenglanz) wären vom ursprünglichen Glimmer und Granat 
eingeschlossen gewesen, wie die in den Augiten und Hornblen- 
den der vulkanischen Gesteine, und wären erst beim Schmel- 
zen dieser Mineralien sichtbar an die Oberfläche getreten, so 
müssten die unveränderten Glimmer magnetisch sein wie die 
Augite und Hornblenden, was nicht der Fall ist. Hierdurch 
erklärt es sich auch, weshalb die metamorphosirten Glimmer 
bald magnetische, bald nicht magnetische Gläser geworden sind; 
bei den ersteren hat sich der Eisengehalt vorzüglich in Magnet- 
eisen umgesetzt, bei letzteren in Eisenglanz. 

Ganz dieselben umgeänderten Graniteinschlüsse kennt man 
schon durch Herrn G. Rose vom Xorullo, noch bekannter sind 
die" in den Lavaströmen der Auvergne , die über Granit ge- 
flossen sind. 

5. Die Trachytein Schlüsse in den Laven und Schlacken 
der Eifel sind besonders bekannt geworden durch die mehrfach 
genannten Arbeiten Mitscherlich's und des Herrn Roth. 

Die von der Grösse der Einschlüsse und dem Hitzgrade 
der Lava abhängende Veränderung dieser Trachyte schwankt 
zwischen zwei Modifikationen, abgesehen davon, dass auch 
viele Einschlüsse ganz unverändert geblieben sind. 

a. Die eisenreichen , kieseisäureärmeren Silikate , Augit, 
Hornblende und Glimmer, sind zu einem blasigen, bouteillen- 
grünen Glase, besonders am Rande der Einschlüsse, geschmol- 
zen und an gewissen Stellen , besonders in den Klüften, zu- 
sammengeflossen; dadurch ist der Trachyt rissig oder sogar 



349 



bimssteinartig porös geworden. Die Feldspathe sind dagegen 
nur rissig geworden und durchiränkt vom Email. 

b. Der Feldspath und vielleicht auch ein Theil der umge- 
benden Lava haben sich an der Schmelzung und Bildung des 
grünen Glases betheiligt ; in diesem Falle sind die Einschlüsse 
mit einer dicken, theils homogenen, theils blasigen Rinde von 
diesem Glase umgeben oder ganz dazu umgeschmolzen, falls die 
Einschlüsse nicht grösser als Wallnüsse waren. 

Einen Theil dieses grünen Glases erklärt sich Herr Roth 
(1. c. S. 29) entstanden durch wiederholtes Schmelzen der aus 
der Lava auskrystallisirten Augite. Das glaube ich nicht, da 
man das Glas nur mit den Trachyteinschlüssen in engster 
Verbindung findet; auch kann ich mir keinen klaren Begriff 
davon machen, wie der zuerst aus der Lava erstarrte Augit 
in derselben Lava wieder zum Fluss hätte kommen können, 
ohne wieder beim späteren Erkalten in die frühere Krystallisa- 
tion zu treten. 

Solche Trachyteinschlüsse findet man am häufigsten in 
den Laven von Bertrich, Mosenberg, Hohenfels und Papenkaule. 

In den Laven von Mayen und Mendig finden sich Ein- 
schlüsse, die den dortigen von Granit und Gneis sehr ähnlich 
sind, in denen man aber keinen Quarz als Gemengtheil er- 
blicken kann, wohl aber Orthoklas und Oligoklas neben den 
veränderten Glimmern; ich glaubte sie deshalb für Trachyt- 
einschlüsse, analog denen der Eifel, halten zu müssen. Die aus 
eisenreichen Silikaten entstandenen Krystalle vor Magneteisen 
und Eisenglanz auf dem Email beobachtet man noch besser 
als bei dem Gneis und Granit; in einem Handstücke sieht man 
z. B. einen sehr schönen buntangelaufenen Eisenglanzkrystall 
mit zwei Rhomboedern und der Endfläche. 

6. Die häufigen Quarzeinschlüsse, vorzüglich in den La- 
ven von Mayen und Mendig, stammen entweder aus den vielen 
Gängen von milchweissem Quarz in dem Devon oder aus dem 
Granite. Immer sind sie ganz zersprungen wie abgeschrecktes 
Glas und deshalb, weil man seine Härte nicht prüfen kann, 
sehr schwer von ebenso zersprungenem Sanidin zu unterschei- 
den, da derselbe die Spaltbarkeit sehr eingebüsst hat. Die 
Quarzeinschlüsse sind entweder milchweiss , undurchsichtig 
oder glasig und farblos ; erstere sind die aus den Quarzgän- 
gen, letztere Gemengtheile des Granites, was dadurch bewie- 



350 



sen wird, dass an diesen häufig noch Stückchen der drei an- 
deren Granitbestandtheile hangen geblieben sind. 

Meist liegen diese Einschlüsse in grossen Gesteinsporen 
und haften nur an wenigen Punkten fest an der Lava. Die 
Wände dieser Poren scheinen vorzugsweise, wohl wegen deren 
Grösse, der Lieblingsaufenthalt von auskrystallisirtem Porriciu 
und Nephelin zu sein, die sich sogar auf der Oberfläche und 
den Sprüngen des Quarzeinschlusses befinden. 

Herr Roth und Mitscherlich sagen (1. c. S. 29) der Quarz 
in diesen Laven sei nie geschmolzen, und doch besitzt die 
Sammlung einen Quarzeinschluss, dessen Oberfläche ganz rund 
geschmolzen ist, wie die Grauwackeneinschlüsse von Boos und 
Roderberg, abgesehen von mehreren Handstücken, in denen 
der eingeschlossene Quarz an der Oberfläche deutlich ge- 
frittet ist. Ob die Lava wirklich so heiss gewesen ist, um 
den so gar strengflüssigen Quarz an der Oberfläche zum Schmel- 
zen zu bringen, oder ob der Quarz mit einem ihn berührenden 
Gemengtheile der Lava oder mit dieser selber ein Silikatglas 
gebildet hat, das den Quarz gerundet und umflossen hat, lasse 
ich dahingestellt. Man sieht nur über dem Quarze einen dün- 
nen, farblosen oder selten gelblichen, quarzharten Glasüberzug 
mit dem Farbenschein des Edelopals. 

Abgesehen von der für die Geognosie so überaus wichti- 
gen Frage, ob die Hitze der Basaltlaven den Quarz an der 
Oberfläche zum Fluss bringen kann, widerlegen schon die an- 
deren Mittheilungen über die Einschlüsse in den niederrheini- 
schen Laven die Behauptung des Herrn Fuchs (d. vulk. Ersch. 
d. Erde S. 238 f.): „die Temperatur der Laven dürfte über- 
haupt nicht so hoch sein, wie man gewöhnlich anzunehmen 
geneigt ist. Darum ist auch eine Schmelzung nicht vulkani- 
scher Massen eine Seltenheit. A. v. Humboldt berichtet zwar 
von einem Falle, wo in einer Lava Stücke von Granit vor- 
kommen, in welchen theilweise der Glimmer und Feldspath 
zusammengeschmolzen sind. Diese Thatsache ist noch immer 
eine vereinzelte Erscheinung. u 

4. Auswürflinge des Laacher- Sees. 

Die unter dem Lokalnamen „Lesesteine" bekannten Aus- 
würflinge des Laacher-Sees sind vielfach in der Literatur be- 



351 



sprochen worden, aber noch lange nicht erschöpfend; denn die 
mineralogische Kenntniss beschränkt sich auf einige sehr in- 
teressante Arbeiten des Herrn vom Rath ausser den älteren 
von Herrn Sakdberger und Noggerath ; die chemische Unter- 
suchung hat sich auch wenig auf diese vulkanischen Produkte 
erstreckt, und die Petrographie hat diese sporadischen Gebilde 
ebenfalls sehr stiefmütterlich behandelt. Keins dieser drei Fel- 
der kann ich hier erschöpfend behandeln, jedes erheischte grosse 
und lange Untersuchungen und mehr Zeit und Raum, als mir 
augenblicklich vergönnt sind. Die folgenden Zeilen sollen nur 
einen kleinen Beitrag zur Petrographie dieser vulkanischen Ge- 
bilde liefern. 

Herr v. Dechen unterscheidet wesentlich zwei Arten von 
Auswürflingen: die „ Sanidin-Gesteine " und die „Laacher-Tra- 
chyte". Ich werde vorläufig diese Trennung beibehalten und 
so die Auswürflinge besprechen, aber gleichzeitig dabei zu be- 
weisen suchen , dass beide Bildungen nur Erstarrungs-Modifi- 
kationen derselben Substanz und Masse sind, etwa wie Granit 
und Porphyr, nur mit dem Unterschiede, dass diese verschie- 
denen Alters sind, jene dagegen vollkommen gleichzeitige Ge- 
bilde; denn sie gehen ineinander über und beide wiederum in 
Bimsstein, wenngleich der Trächyt mehr als das Sanidingestein, 
und jener umhüllt sehr oft nach Art der Bombenbildung dieses. 

Diese Nachweisung dürfte uns dann wohl zwingen, die 
Zweitheilung des Herrn v. Dechen wieder fallen zu lassen, 
um so mehr, da man beim Namen „ Trachyt" und „Gestein" mehr 
an grössere anstehende Massen zu denken gewohnt ist als an 
sporadische, höchstens kopfgrosse, lose Vorkommnisse, Aus- 
würflinge. 

a. Die Sanidingesteine. 

Die in denselben bisher bekannt gewordenen Mineralien 
hat Herr v. Dechen (geogn. Führer zum Laacher-See S. 84) 
zusammengestellt. Von diesen 24 Mineralien sind als häufig 
und mehr oder weniger wesentlich zu bezeichnen: Sanidin, 
Augit, Hornblende, Magneteisen, Titanit, Apatit, Magnesia- 
glimmer, Olivin , Nosean , Leucit, Dichroit, Granat, Hauyn, 
welche nach den in unserer Sammlung befindlichen Handstücken 
in folgenden Combinationen sich gruppiren: 



352 



Hauyn. 


MMMMMMM 


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Di- 


MMMM MMMM MMi 


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Leucit. 


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sean. 


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Olivin. 




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1 Glim- 
mer. 


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Apatit. 
















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nic 














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M 


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net- 
eisen. 




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Horn- 
blende. 








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1 Augit. 
















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Sani- 
din. 






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IN CO -f 


iO !>D h> CC Oi-O -HiMrO-fl' iC^t^QOCJO 



353 



Diese Mineralgemenge bilden sehr fein- bis sehr grobkör- 
nige, krystallinische, theils geschlossene, aber meist mürbe, 
bröcklige, theils löcherige, drusige, poröse und selbst bims- 
steinartige, kleine bis über kopfgrosse Massen mit der bekann- 
ten Auswürflings-Gestalt und Oberfläche. Die Krystalle, be- 
sonders der Feldspath und Hauyn, sind ganz zersprungen, zer- 
brochen, bröcklig, an den Kanten abgerundet und zerstossen, und 
zwar um so mehr, je poröser das Gefüge wird, also am meisten 
beim Bimsstein. In die Drusen und Höhlungen, die mit der Grob- 
heit des Gemenges an Unregelmässigkeit zunehmen, ragen die 
Gemengmineralien, besonders die selteneren, in der Tabelle nicht 
aufgeführten, in zierlichen Krystallen hinein, die zum Theil 
Herr vom Rath monographirt hat. Durch grössere ausgeschie- 
dene Krystalle bald dieses, bald jenes Minerals in der körni- 
gen Masse bekommen die Auswürflinge das Ansehen des 
porphyrartigen Granites. Wird in solchen Fällen die Haupt- 
masse immer feinkörniger, womit gleichzeitig ein Schaumig- 
werden verbunden ist, so erhält man die mannichfachen Ueber- 
gänge dieses Sanidingesteins in den Laach er-Trachyt. Diese 
Uebergänge entwickeln sich häufig in demselben Auswürfling 
vom Kerne zum Rande, so dass die Sanidingesteine mit einer 
Hülle von Laacher-Trachyt umgeben zu sein scheinen, beson- 
ders wenn der Uebergang nicht sichtbar, sondern der Gesteins- 
wechsel plötzlich ist. 

Den Uebergang aus geschlossenen Sanidingesteinen in 
Bimsstein kann man leicht an einer Suite von Auswürflingen 
nachweisen; er erfolgt sowohl direkt, als indirekt durch den 
Laacher-Trachyt. Dass diese schaumigen Sanidingesteine meist 
feinkörnig sind, liegt in der Natur der Bildungsart. Recht 
interessant ist an vielen Auswürflingen die schichtenweise oder 
gneisartige Anordnung der Gemengmineralien, indem sich der 
blätterige Glimmer, Augit und Hornblende in gewissen, nahe- 
zu parallelen Lagen anreichern und fast reine Sanidinlagen 
zwischen sich nehmen. Bei einzelnen Stücken könnte man 
zweifelhaft sein über ihren vulkanischen Ursprung und sie für 
krystallinische Schiefer halten. Verfolgt man aber die ganze 
Reihe von Uebergangsstufen, findet man keine Spur Quarz oder 
weissen Glimmer, sieht man sie bimssteinartig in manchen La- 
gen werden und immer etwas porös, so hebt sich jeder Zweifel. 
Wird in solchen Gesteinen nun gar der zur porösen Bildung 
Zeits. d. d. geol. Ges. xviii. 2. 23 



354 



neigende Sanidin mehr und mehr oder ganz verdrängt von 
Augit, Hornblende und Glimmer, so entstehen Gesteine, die, 
aus ihren Uebergängen gerissen, genau wie Gneis, Glimmer- 
schiefer, Hornblende-Gesteine und -Schiefer aussehen und viel- 
fach dafür gehalten worden sind. 

Von diesen Gesteinen spricht Herr v. Dechen (geogn. Führer 
zum Laacher-See S. 86 und 589) mit einiger Behutsamkeit und 
manchem Zweifel über ihre Entstehungsart und ihr Alter: 
„ Gneis, Glimmerschiefer und Hornblende- Gesteine kommen 
unter den ausgeworfenen Massen in den Umgebungen des Laa- 
cher-Sees vor, in welchen ein Theil der genannten Mineralien 
(Spinell, Stilbit, Leucit, Magneteiseh, Olivin, Titaneisen) sich 
finden." 

Dass Gneis und Granit unter den Auswürflingen vorkom- 
men, unterliegt keinem Zweifel; es sind dieselben Gesteine, 
wie die in den Laven von Mayen und Mendig, in denen der 
Quarz keinen Zweifel über Alter und Herkommen lässt. Aber 
deshalb brauchen nicht alle damit ähnlichen Gesteine dasselbe 
zu sein, am wenigsten wo man keinen Quarz sieht, dagegen 
aber die oben genannten , für vulkanische Produkte sehr cha- 
rakteristischen Mineralien. 

„ Glimmerschiefer von grauer Farbe, feinschiefrig und 
häufig mit feinen Wellen der Schichtungsflächen ist in zahl- 
reichen Stücken im Tuffe bei Wassenach vorgekommen." 

Sicher ist man bei solchen losen Gesteinsstücken nur, 
wenn man Quarz und Kaliglimmer in ihnen beobachtet; denn 
diese Mineralien sind der vulkanischen Bildungsfähigkeit fremd. 

„In den grösseren Quarzausscheidungen dieses Gesteins 
findet sich lauchgrüner Augit und Eisenglanz in kleinen Kry- 
stallen." 

Das ist dem Inhalte nach ein wunderbarer Satz ; hier dürfte 
vielleicht ein Irrthum eingeschlichen sein; einmal ist der Augit 
ein seltener, noch vielfach bezweifelter Gemengtheil in den älte- 
sten plutonischen Gesteinen, und darin grüner Augit, der für 
die Vulkane der Eifel charakteristisch ist, noch nie gesehen 
worden; zweitens deutet der Eisenglanz auf vulkanische Bildung, 
und drittens habe ich oben gesagt, dass und aus welchen Grün- 
den in den Auswürflingen des Laacher-Sees und der Eifel der 
Quarz vielfach gar nicht dem Ansehen nach vom Sanidin un- 
terschieden werden kann. Ohne die dem Herrn v. Dechen 



355 



vorgelegene Stufe lässt sich nichts weiter aussprechen über 
dieses räthselhafte Vorkommen. 

„Zu manchem Bedenken giebt dabei das Aussehen des feld- 
spathartigen Gemengtheils dieser Gesteine Veranlassung, indem 
derselbe häufig dem Sanidin im äusseren Ansehen gleicht." 

Nach dem früher von mir Beigebrachten will das nichts 
sagen; denn der Sanidin ist ein Gemengtheil der ältesten Ge- 
steine. 

„Zu den in diesen Gesteinen eingeschlossenen Mineralien 
gehören ferner: Spinell, Sapphir, Zirkon, Smaragd, Staurolith, 
Dichroit, Titanit, Sodalith (nach den Untersuchungen des Herrn 
vom Rath)." 

Kennt man diese Mineralien zum Theil auch in älteren 
plutonischen Gesteinen, so sind sie doch gerade charakteristisch 
und bekannt für die vulkanischen Sanidingesteine des Laacher- 
Sees, und gerade ihr Vorkommen in den den krystallinischen 
Schiefern ähnlichen Auswürflingen bestärkt mich in meiner An- 
sicht, dass die meisten, bisher für Gneis, Granit, Glimmerschiefer 
und Hornblendegesteine gehaltenen Auswürflinge des Laacher- 
Sees vulkanische Gebilde, Concretionen vorzüglich von Glim- 
mer, Hornblende, Augit und Sanidin neben seltenen Minera- 
lien sind. 

Diese Ansicht theilt auch Herr vom Rath (diese Zeitschrift 
1864, Bd. XVL, S. 77). 

Diese Hornblendegesteine sind meist durch Verwitterung 
in allen Bestandtheilen rothbraun geworden. Einschlüsse die- 
ser Gesteine führt Herr v. Dechen noch in den Schlacken des 
Ellringer Bellenberg bei Mayen an. Auch solche finden sich 
in unseren Sammlungen in schönen, zahlreichen Exemplaren 
und gleichen zum Verwechseln denen des Laacher - Sees , so 
dass man sie auch für vulkanische Concretionen ansehen muss, 
nicht für ältere Einschlüsse. Grosse Aehnlichkeit haben beide 
Gesteine auch mit den blättrigen Augitconcretionen in der Lava 
von Mayen und Mendig, die ich oben beschrieben habe, wo 
sie durch Verwittern rothbraun werden. Dieses braune, blätte- 
rige Mineral habe ich gemessen und als Augit bestimmt; das 
war mir bei dem Ellringer und Laacher Hornblendegesteine 
wegen der Feinheit der Lamellen, wegen der Hauptblätterigkeit 
des Minerals nach einer Richtung und wegen ihrer regellosen 
Verwachsung mit spiegelnden Glimmerblättchen unmöglich. 

23 * 



356 



Sollten diese sogenannten Hornblendegesteine Augitgesteine 
sein? Ich glaube es fast wegen der überraschenden Aehnlich- 
keit jener mit der krystallographisch bestimmten Augitconcre- 
tion, und weil, wie ich gleich näher besprechen werde r die Au- 
gite in den Auswürflingen oft gar nicht ohne Messungen im 
Reflexionsgoniometer von den Hornblenden unterschieden wer- 
den können. Dass diese sogenannten Hornblendegesteine bei 
nicht spitzfindigen Beobachtungen Aehnlichkeit haben mit man- 
chen alten Hornblendeschiefern, ist nicht zu leugnen. 

Ich spreche das Vorhandensein von Granit- und Gneis- 
fragmenten unter den Auswürflingen des Laacher Maares nicht 
ab, im Gegentheile sind sie mir wohl bekannt als solche, die 
nicht von den unveränderten und veränderten Einschlüssen in 
der Lava von Mayen und Mendig zu unterscheiden sind. Auch 
eigenthümliche , Kaliglimmer- haltige Schiefer kenne ich, von 
denen ich nicht zu unterscheiden wage , ob sie aus den kry- 
stallinischen oder Devonschiefern stammen, doch sind sie un- 
gemein selten. 

Aus der obigen Combinationstabelle der Mineralien ergiebt 
sich schon , dass die Sanidingesteine ein sehr verschiedenes 
Ansehen haben müssen, je nach ihrer Zusammensetzung. Am 
unterschiedlichsten sind die weissen und die schwarzen Lese- 
steine; erstere bestehen ganz oder vorzugsweise aus Sanidin, 
letztere besonders aus den eisenreichen Mineralien , Glimmer, 
Hornblende, Augit, Magneteisen, und diese sind so überaus 
reich an Apatit. Beide Arten von Lesesteinen sind durch voll- 
kommene Uebergänge verbunden. Unter den weissen Lesestei- 
nen im engeren Sinne des Wortes kann man wieder scheiden 
solche mit und solche ohne Nosean oder Hauyn; diese ver- 
mitteln die Trachytsubstanz mit den Noseangesteinen. Das 
Vorhandensein von Oligoklas in den Sanidingesteinen habe ich 
nicht ermitteln können ; manche Feldspathe schienen mir aller- 
dings gestreift zu sein; die Vermuthung spricht auch für dieses 
Vorkommen. 

Ganz dieselben Sanidingesteine, nur nicht so häufig und 
nicht so reich an seltenen Mineralien als in den Tuffen um 
den Laacher-See, kennt man in den Tuffen der Eifel, beson- 
ders um deren Maare; unsere Sammlung besitzt davon eine 
ausnehmend reiche Suite, zu deren Bestimmung ich aber noch 
nicht gekommen bin. Vollkommen unbekannt sind dagegen 



357 



wunderbarerweise in der Eifel die in allen Tuffen , besonders 
den jüngsten, so überaus häufigen, ja ausschliesslich mächtige 
Bänke zusammensetzenden 

2) sogenannten Laacher-Trachyte, die in Bimsstein überge- 
hen und fast alle Bimssteine zu der meilenweiten Bedeckung 
geliefert haben; denn, wie gesagt, nur wenige Bimssteinstücke 
haben das Gefüge der Sanidingesteine. 

Diese Auswürflinge bestehen aus denselben Gemengmine- 
ralien, wie die Sanidingesteine; nur beobachtet man sehr selten 
oder gar nicht die schon in diesen sporadischen Mineralien. 
Die gewöhnlichen Gemengmineralien aller Trachytauswürflinge 
sind: Sanidin, Augit, Hornblende, Magneteisen, Titanit, Hauyn 
und Olivin; sehr selten fehlt eins dieser Mineralien, Hauyn so 
gut wie nie. 

Nach der Menge der eisenhaltigen Mineralien, besonders 
des Magneteisens, unterscheidet man graue und schwarze Laa- 
cher-Trachyte; jene geben beim Schaumigwerden weisse und 
diese graue oder auch, aber selten, schwarze Bimssteine. 

Die in Krystallen oder deren Bruchstücken vorhandenen, 
oben genannten Mineralien liegen in einer dichten oder fein- 
körnigen oder krystallinischen, nie glasig amorphen, homogenen 
Grundmasse, die ohne Zweifel aus denselben Mineralien ge- 
bildet ist, besonders aus Feldspath und Magneteisen; denn sie 
ist immer magnetisch, um so mehr, je grauer sie in der Farbe 
ist. Die Grundmasse ist so gut wie immer porös und geht in 
rund- und gezogen-blasigen Bimsstein über, der dieselben Aus- 
scheidungen in zahlloser Menge umschliesst, weshalb er nicht 
den technischen Werth der italienischen Bimssteine besitzt. Je 
poröser diese Auswürflinge werden, desto mehr zersprungen 
und zerbröckelt sind alle Ausscheidungen, besonders der spröde 
Sanidin und Hauyn. Ist die Grundmasse wirklich einmal gar 
nicht porös ausgefallen, so haben die Auswürflinge grosse 
Aehnlichkeit mit manchen Trachyten und Phonolithen. 

Dass diese Gesteine Hüllen um Sanidingesteine bilden und 
meist in diese Kerne übergehen, ist oben beigebracht; ist 
der Kern, wie sehr häufig, gegen die Umhüllung sehr klein, 
oder sind mehrere solcher Kerne vorhanden , so bilden sie 
gleichsam Einschlüsse von Sanidingestein im Trachyt. 

Aber auch alle Gesteine, die sich lose ausgeworfen im Tuffe 
oder mit Lava und Schlacken hervorgetreten finden, bilden Ein- 



358 



Schlüsse in diesen trachytischen Auswürflingen ; ich will sie 
deshalb nicht noch einmal namhaft machen. Die Hauptsache 
war mir, zu zeigen, dass beide Arten von Auswürflingen mine- 
ralogisch ident sind und nur in ihrer Erstarrungsart abweichen 
können. 

Noch eine mineralogische Bemerkung möge hier eingescho- 
ben werden. Herr v. Dechen (geogn. Führer zum Laacher-See 
S. 84) und Herr Sandberger (Jahrbuch für Min. u. s.w. 1845 
S. 141) sagen, der Augit in den Auswürflingen sei selten ge- 
gen die Hornblende, also gerade umgekehrt wie bei den thäti- 
gen Vulkanen. Dieses beruht nach meinen Beobachtungen auf 
einer leicht möglichen Verwechselung. Der Augit besitzt näm- 
lich nach einer Richtung eine so ausgezeichnete Spaltbarkeit und 
solchen Glanz darauf, wie sie sonst nur der Hornblende eigen sind, 
während sie nach der anderen Spaltungsrichtung so mangelhaft 
ist, dass man an Unterscheidung des Hornblende- und Augit- 
winkels gar nicht denken kann. Die seltenere Hornblende in 
diesen Auswürflingen hat aber beide Spaltungsrichtungen deut- 
lich. Diese nach einer Richtung ausgezeichnet spaltbaren, für 
Hornblende angesprochenen Augite ragen sehr oft in Krystal- 
len in die Drusen der Auswürflinge hinein und können kry- 
stallographisch als Augit bestimmt und gemessen werden; man 
findet sie hier oft recht flächenreich. Diese Ausbildungsart des 
Augits findet man auch in den Auswürflingen der Eifel und 
in anderen vulkanischen Produkten. 

Die Feldspathkrystalle, die in solche Drusen ebenfalls 
hineinzuragen pflegen, bilden seltene Zwillinge, nämlich säulen- 
förmige Carlsbader, also eine fast regelmässige sechsseitige 
Säule mit einem Kopfende von sechs regelmässig radial gestell- 
ten Dachgiebeln, so dass jede Giebelfront mit einer Säulen- 
fläche zusammenfällt, und dass sechs einspringende und sechs 
ausspringende Winkel entstehen; durch welche Flächen, lässt 
sich nicht sagen, weil die mir zu Gebote stehenden Krystalle 
ungeeignet zu Messungen sind. 

Alle diese Gesteinsmodifikationen erklären sich nur und 
leicht durch eine rein vulkanische Thätigkeit mit ihren ver- 
schiedenen Erkaltungs- und Erstarrungsbedingungen. 

Erstarrte nämlich die flüssige Gesteinsmasse, in der sich 
unterirdisch schon viele Mineralien auskrystallisirten, an ein- 
zelnen Punkten gänzlich, so entstanden die körnigen Sanidin- 



359 



gesteine, die drusig und porös wurden durch gleichzeitige Gas- 
entwickelung in oder durch die Masse ; bei rascher Erkaltung 
konnte auch so schon Laacher- Trachyt erstarren, der vom Be- 
ginn einer Eruption an in grösserer Menge demnach gebildet 
wurde; die gespannten Gase unter der Lava schleuderten er- 
starrte und noch nüssige Massen, aber mit ausgeschiedenen 
Krystallen, als Auswürflinge heraus; erstere gaben reine Sani- 
dingesteinsbomben von gröberem und feinerem Korn und von 
jeder Porosität bis zum vollständigen Bimsstein; letztere lie- 
ferten nach den Umständen Laacher-Trachyte mit den furcht- 
baren Massen Bimsstein und allen Uebergängen jenes in diesen, 
sowie bei meist grösseren Auswürflingen Uebergänge eines 
langsam erkalteten Kernes von Sanidingestein in die rascher 
erstarrte Rinde von Laacher-Trachyten. Bomben mit scharf be- 
grenztem Kern und scharf begrenzter Hülle mögen dadurch ent- 
standen sein, dass reine Sanidingesteine in die flüssige Lava 
des Kraters zurückfielen, um mit einem neuen Teige, der nur 
zu Trachyt erstarren konnte , mehr oder weniger dick um- 
geben, sofort wieder ausgestossen zu werden. 

Die flüssige Masse hatte ein solches Bestreben zum Kry- 
stallisiren, dass eine Bildung von amorphen, obsidianartigen 
Auswürflingen ganz ausgeschlossen bleiben musste. 

Dass die Modifikation der rascheren Erkaltung, die Laacher- 
Trachyte, bei Weitem mehr poröse Massen und vor Allem Bims- 
steine geliefert hat, liegt in der Natur der Sache, weil die 
Schnelligkeit der Erstarrung mitbedingt ist von der Menge der 
durchströmenden Gase. 

Sehr auffallend ist in vielen Bomben die gneisartige 
Gruppirung der Gemengmineralien, welche mit der Zunahme von 
Glimmer, Hornblende und Augit in einem direkten Verhältnisse 
zu stehen scheint; entweder sind diese Auswürflinge Bruch- 
stücke von Lavaschollen , die im Krater an der Oberfläche 
eines grösseren Lavaspiegels erstarrt sind, nach Analogie der 
krystallinischen Schiefer und des Gneises, oder die schichtweise 
lamellare Anordnung der Gemengmineralien in einem feurig- 
flüssigen Silikate ist nicht die Folge einer Erstarrung von einer 
grossen Oberfläche aus, wie man bei der Bildung der kry- 
stallinischen Schiefer bisher anzunehmen pflegt , sondern eine 
eigentümliche, schichtweise polare Attraction der gleichen Ge- 
mengmineralien in einer Masse, die jeden möglichen Raum er- 



360 



füllen, also auch die Grösse und Form eines vulkanischen Aus- 
würflings haben kann; analog wie die meisten sogenannten 
Granitgänge und Adern in Graniten und Gneisen keine wahren 
späteren Ganggebilde in älteren Gesteinen sind, sondern eben- 
falls gekrümmtflächig polare Attractionen öder gangartige Con- 
cretionen in der gleichzeitig erstarrten Gesteinsmasse. Hier- 
durch erklärt es sich, wodurch der Granit in Gneis und um- 
gekehrt übergeht, sei es auf grosse Massen oder in kleineren 
Concretionen , die man so vielfach mit Einschlüssen zu ver- 
wechseln geneigt ist. Ein Reichthum oder Ueberschuss an 
Augit, Glimmer und Hornblende scheint in den meisten Fällen 
die Ursache einer schichtenartigen, polaren Attraction zu sein; 
denn die Krystallform, Blätterigkeit und lamellare Ausbildungs- 
art dieser drei Mineralien haben das Bestreben, Schichten und 
schieferige Massen zu bilden sowohl auf neptunischem, als auch " 
auf plutonischem Wege. Treten andere Mineralien, besonders 
Quarz und andere Feldspathe, zwischen diese Mineralien, so 
werden letztere gezwungen , sich als eigenes Gemenge in 
Schichten und Lagen zwischen die der drei Mineralien zu 
legen d. h. sich den Anordnungen und Erstarrungsprincipien 
dieser zu fügen. Herrschen dagegen Quarz und Feldspath im 
Gemenge, so müssen sich der Glimmer und die Hornblende 
fügen und körnige Massen , z. B. Granit und Syenit, bilden. 
Dieselben Erscheinungen finden wir sehr deutlich wieder bei 
den glimmerarmen und glimmerreichen Porphyren (Minette); 
letztere haben stets ein gneisartiges Gefüge, und auch bei vielen 
glimmerreichen Melaphyren sehen wir eine ähnliche lamellare 
Anordnung des Glimmers. 

Hieraus folgt unzweideutig, dass diese Auswürflinge nicht, 
wie so viele andere in den Tuffen um den Laacher - See und 
in der Eifel, losgerissene Bruchstücke älterer zu Tage oder 
unterirdisch anstehender Gesteine sind und sein können. 

Diese Ansicht scheint allerdings Herr v. Dechen , der 
beste Kenner und Beobachter der niederrheinischen Vulkane 
nicht zu theilen, wenn er (diese Zeitschrift Bd. XVII S. 142 f.) 
sagt: „die grauen Tuffe um den Laacher-See enthalten Stücke 
eines eigenthümlichen Trachytes , welcher anstehend in der 
ganzen Gegend nicht bekannt ist und überhaupt zu einer der 
seltensten Varietäten dieser merkwürdigen Gebirgsart gehören 
dürfte." 



361 



Herr Roth (1. c. S. 8) glaubt, weil die vulkanischen Pro- 
dukte der Eifel Trachyteinschlüsse (meist von mittelkörnigem 
Gemenge) enthalten, alle die bekannten grossen Auswürflinge 
von Sanidin der dortigen Gegend für Gemengtheile eines älteren, 
nur unterirdisch in der Nähe der Vulkanspalten anstehenden, 
grobkörnigen Trachytes halten zu müssen; möglich ist das zwar, 
aber nicht nothwendig; denn so gut wie die plutonisch hervor- 
getretenen Trachyte solche grossen glasigen Feldspathe haben 
erzeugen können, eben so gut ist das den vulkanisch hervorgetre- 
tenen trachytischen Massen möglich gewesen, die wir als Sanidin- 
gesteine, vollkommen denen des Laacher-Sees gleich, um alle 
Eifeler Maare sammeln können, nur nicht so häufig und reich 
an seltenen Mineralien. 

5. Palagonit im Leucittuff. 

Den Palagonit als Bindemittel der früher losen Tuff- 
schichten an vielen Orten der Eifel haben die Herren Roth 
und Mitscherlich (1. c. S. 26 f.) erkannt, analysirt und seine 
Entstehung aus den vulkanischen Produkten des Basaltgesteins 
durch blosse Einwirkung von kohlensäurehaltigem Wasser durch 
Verlust von Kieselsäure und Alkalien, Aufnahme von Wasser 
und Oxydation alles Eisenoxyduls nachgewiesen. 

In unserer Sammlung befinden sich mehrere Stücke eines 
Leucittuffes von Bell und „am Boder" beim sogenannten Gänse- 
hals von Rieden , die aus einer gelblich graubraunen dichten 
Grundmasse mit kleinen Leucitkrystallen bestehen und durch 
kleine, bis ein viertel Zoll grosse Bruchstücke von Devonge- 
steinen, noch mehr aber durch solche von den Leucit-Nosean- 
Gesteinen conglomeratisch werden. Einzelne dieser letztge- 
nannten Bruchstücke sind nicht zu unterscheiden von dem 
hornartigen, braunen Palagonit von Seljadalr in Island. Sehr 
interessant ist es , dass man durch noch unveränderte, einge- 
schlossene Krystalle von Leucit und Nosean im Palagonit 
deutlich erkennt, dass derselbe nicht, wie in der Eifel und den 
anderen Orten seines Vorkommens, aus Basaltmassen entstanden 
ist, sondern aus einer in der Umgegend des Laacher-Sees an- 
stehend nicht bekannten Varietät des Leucit-Nosean-Gesteins. 
In kleinen Poren und Rissen finden wir eine Zeolithsubstanz 
an den Wänden in feinen Nädelchen krystallisirt. 

Beim Glühen giebt dieser Palagonit viel Wasser, wird 



362 



dunkler, so dass aus ihm die schneeweisseh Leucite und Ze- 
olithe schön herausleuchten und in ihm Glimmerblättchen erkenn- 
bar werden. 

Wie hat man sich nun wohl den chemischen Vorgang bei 
der Umbildung von Leucit-Nosean-Gestein zu Palagonit ungefähr 
zu denken ? 

Abstrahiren wir von der leicht erklärbaren Wasseraufnahme, 
so besteht nach den oben gedachten Arbeiten des Herrn vom 
Rath das Nosean-Leucit-Gestein vom Laacher-See durchschnitt- 
lich aus: 



Kieselsäure 


52,60 


Schwefelsäure 


1,07 


Chlor 


0,36 


Thonerde 


20,12 


Eisenoxyd 


6,39 


Kalkerde 


3,79 


Magnesia 


0,74 


Kali 


6,56 


Natron 


8,37 




100,00, 



die durchschnittliche Zusammensetzung des wasserfreien Pala- 
gonites von Noveligsberg und Steffelerberg in der Eifel, von 
Island und von Sicilien aus: 



Kieselsäure 


47,80 


Thonerde 


16,75 


Eisenoxyd 


16,75 


Kalkerde 


7,21 


Magnesia 


7,30 


Kali 


2,94 


Natron 


1,25 




100,00. 



Nehmen wir, und das wohl mit Fug und Recht, den 
Thonerdegehalt (16,75 pCt. im Palagonit) als Constanste bei 
derUmwandelung an, so geben 83,21 Theile Nosean-Leucit-Ge- 
stein 100 Theile wasserfreien und 110 bis 114 Theile wasser- 
haltigen Palagonit, und zwar durch Verlust von 

0,88Theilen Schwefelsäure 

0,29 „ Chlor 

2,52 „ Kali und 

5,71 „ Natron 



363 



und durch Aufnahme von 

4,01 Theilen Kieselsäure 
11,44 „ Eisenoxyd 

4,06 „ Kalkerde 

6,69 „ Magnesia. 
Diese Umwandelung ist ebenfalls vollkommen denkbar und 
wahrscheinlich, einzig und allein durch Einwirkung von kohlen- 
saurem Wasser auf Gesteinsmassen, wobei ein Theil derselben, 
welcher jetzt die Grundmasse des Tuffconglomerates bildet, die 
.Verwitterung in Kaolin unter Entbindung gelöster Kieselsäure 
und von kohlensaurem Eisenoxydul, kohlensaurer Kalkerde, Mag- 
nesia und kohlensauren Alkalien erleidet und der andere die Um- 
bildung zu Palagonit unter Entbindung von schwefelsauren, kohlen- 
sauren und Chlor- Alkalien, die mit den kohlensauren Alkalien des 
zu Kaolin verwitterten Gesteins in Quellen fortgeführt werden, 
und unter Aufnahme der bei der Kaolinisirung freigewordenen 
Kieselsäure, des Eisenoxyds, der Magnesia und Kalkerde. 

Wie viel nun noch andere Einschlüsse in dem Leucittuffe 
sich an dieser Palagonitbildung mögen betheiligt haben, kön- 
nen wir gar nicht absehen ; war es doch bei der obigen 
Betrachtung auch nur meine Absicht, ein mögliches Bild der 
Palagonitbildung aus den Nosean-Leucit-Gesteinen mir zu ver- 
gegenwärtigen, um mich nicht bloss an dem Factum dieser Um- 
bildung genügen zu lassen. Soviel glaube ich erreicht und be- 
wiesen zu haben, dass diese Palagonitbildung allein durch die 
Atmosphärilien möglich ist, und dass sie wesentlich abweicht 
von der aus den Gesteinen der Basaltfamilie, deren Skizze 
ich im Eingange dieses Abschnittes aus dem Mit scherlich 'sehen 
Werke wiederholt habe, und der ich in allen Beziehungen nur 
beitreten kann, da sie bloss mit Grössen zu thun hat, welche 
überall auf die Gesteine einwirken , nämlich mit Luft und 
Wasser. 



364 



11. Heber die Brachiopoden aus dem unteren Oault 
(Aptien) von Ahaus in Westphalen. 

Von Herrn U. Schloenbach jun. in Salzgitter. 

Unter einer grösseren Anzahl von Kreide-Brachiopoden, 
die mir kürzlich durch die Güte der Herren Dr. Ewald zu 
Berlin und Prof. Hosius zu Münster mitgetheilt wurden , be- 
finden sich auch zwei kleine, aber höchst interessante Suiten 
von den Barler Bergen bei Ahaus in Westphalen aus der Zone 
des Ammonites Martini d'Orb., welche bekanntlich dem unteren 
Gault v. Strombeck' s (— Aptien d'Orb.) angehört. Dieselben ver- 
dienen vielleicht um so eher einige Beachtung, als sich unser 
norddeutscher Gault sonst im Allgemeinen so arm an Arten 
und Individuen dieser Classe erweist. Wegen speciellerer 
Auskunft über das schon länger bekannte Vorkommen darf 
ich auf die gründlichen Arbeiten von A. v. Strombeck (Ver- 
handl. d. naturh. Ver. f. d. pr. Rheinl. u. Westph. , 1858, 
S. 443), Ewald (Monatsberichte d. k. Akad. d. Wiss. z. Ber- 
lin, 1860, p. 332) und Hosius (Verh. nat. Ver. Rheinl. 
Westph. 1860, p. 294) verweisen. 

Die von mir untersuchten Arten sind folgende: 
1. T erebratula Moutoniana d'Orb. Mit diesem Namen 
bezeichne ich in Uebereinstimmung mit v. Strombeck die häufigste 
der vorkommenden Arten, von der sich in der EwALü'schen 
Suite 4, in der Hosius'schen 11 Exemplare befinden, die zum 
grossen Theile beträchtliche Dimensionen (55 Mm. Länge) er- 
reichen. So sehr auch alle diese Exemplare unter einander 
in Bezug auf das Verhältniss der Breite zur Länge und Dicke 
variiren , so stimmt doch kein einziges derselben mit den 
Typen der Terebratula bijilicata Sow. aus dem Upper-Green- 
Sand oder der Craie chloritee überein; dagegen dürfte eine 
vollständige Identität mit den älteren Formen stattfinden, die 
sich der T. sella Sow. nähern, wie sie namentlich in unseren 



365 



norddeutschen Hilsbildungen in so ausgezeichneter Mannichfaltig- 
keit vorkommen. Indessen giebt doch die grosse Flachheit, 
namentlich der undurchbohrten Dorsalklappe, der breite, über- 
gebogene, von einem grossen Foramen fast parallel zur Längs- 
achse abgestutzte Schnabel und die meist nur undeutlich oder 
schwach biplicate Stirn der Art einen ausgezeichneten Habitus, 
der meiner Ansicht nach für d'Orbigny's Abtrennung derselben 
von T. sella als einer selbständigen Art spricht. Eine vortreff- 
liche Darstellung dieses Habitus giebt d'Orbigny's t. 510, f. 1 — 3, 
doch ist bei solcher Grösse das Foramen der norddeutschen 
Exemplare meist schon etwas weiter. 

Ganz eigenthümlich und mir fast unerklärlich ist die Deu- 
tung, welche Dr. Herm. Credner*) der Terebratula Moutoniana 
d'Orb. giebt, und noch auffallender wird dieser Irrthum dadurch, 
dass unabhängig von ihm und fast gleichzeitig in England 
Meyer einen ganz - ähnlichen Fehler macht**). Was Herm. 
Credner abgebildet hat, ist allerdings, wie er richtig bemerkt, 
eine Waldheimia in dem Sinne , wie dieser Name bisher 
meistens gebraucht wird; auch steht die CREDNER'sche Art der 
RoEMER'schen Terebratula longa (= faba d'Orb., non Sow., 
Dav.) allerdings sehr nahe, so nahe, dass ich nach meinem 
sehr grossen Material sie nicht davon zu trennen wage. Meyer's 
Waldheimia Moutoniana dagegen , soviel sich aus der blossen 
Abbildung schliessen lässt , scheint eher sich auf die im Fol- 
genden gleich näher zu erörternde Megerlia tamarindus zu 
beziehen. Ganz anders aber verhält es sich mit der Art, 
die d'Orbigny mit dem Namen Terebratula Moutoniana belegt 
hat, wie ich nicht nur nach Vergleichung der d'Orbigny' sehen 
Abbildung, sondern auch nach Untersuchung der D'ORBiGNY'schen 
Originale, sowie zahlreicher Exemplare, die ich unter dieser 
Bezeichnung in vielen französischen Sammlungen gesehen, 
mich überzeugt habe. Terebratula Moutoniana d'Orb. ist, wie 
bisher auch alle hiesigen Paläontologen immer angenommen 
haben, und worauf namentlich schon v. Strombeck (Neues Jahrb. 
1857, S. 653) sehr entschieden hingewiesen hat, eine un- 
zweifelhafte, echte Terebratula im engeren Sinne, ohne Dorsal- 



*) Zeitschr. d. d. geol. Ges. Bd. XVI, S. 561, t. 21, f. 1—5. 
**) The geological Magazine, Dec. 1864, t. 1 v 2 (verdruckt: 11), 
f. 12 14. 



366 



septum und scharfe Schnabelkanten und mit kurzer Schleife 
und gehört in die Gruppe der Terebratulae biplicatae, wenn auch der 
Sinus in der Regel nur schwach entwickelt ist. Von einer Identität 
mit dem, was Herm. Credner als Terebratula {Waldheimia) 
Moutoniana bezeichnet hat, kann daher keine Rede sein. 

2. Me gerlia t amarindu s Sow. sp. ist in der Ho- 
sius'schen Sammlung durch 10 Exemplare vertreten, während 
sie in der EwALD'schen fehlt. Dieselben stimmen auf's Voll- 
ständigste mit allen Formen dieser Art überein, welche David- 
son (Monogr. of Brit. Cret. Brach., t. 9, f. 26 und 29 — 31) aus dem 
Lower-Green-Sand abgebildet hat; namentlich zeigt sich auch 
die Aufbiegung der Stirn nach der Seite der kleinen Klappe 
bei einigen Exemplaren in sehr ausgezeichneter Weise, während 
dieselbe bei den zu dieser Art zu rechnenden Vorkommnissen 
aus unserem Hils selten so ausgesprochen ist. Im Uebrigen 
findet dieselbe Variabilität in Bezug auf die Formenverhält- 
nisse statt wie im Hils. 

Davidson und mit ihm Ooster*) und Herm. Credner rechnen 
Terebratula tamarindus Sow. zur Untergattung Waldheimia, in- 
dem ersterer ihr eine lange, bis nahe zur Stirn reichende 
Schleife zuschreibt, von welcher Credner 1. c. t. 21, f. 15 ein 
Fragment abbildet. Zwei der mir vorliegenden Exemplare 
von Ahaus, nämlich eine Dorsal- und eine Ventralklappe lassen 
den inneren Bau z. Th. sehr deutlich erkennen, der hinsicht- 
lich der Anordnung und Form der Muskeleindrücke ziemlich genau 
mit der schönen Abbildung übereinstimmt, welche Euo. Des- 
longchamps **) als charakteristisch für seine Section Wald- 
heimia giebt ( Waldheimia pala Büch sp.) ***). Das Dorsalseptum 



*) Oosteü, Synopsis des Brachiopodes fossiles des Alpes Suisses, 186 i, 
p. 32, t 12, f. 4, 5. 

**) Paleontologie franc., Brach, jurass., t. 6, f. 2, 3. 

***) Ich möchte mir hier die vorläufige Bemerkung erlauben , dass 
in Bezug auf den Namen Waldheimia Etg. Dkslonchamps sich wie mir 
scheint, eine Inkonsequenz hat zu Schulden kommen lassen. Die Formen, 
für welche von Kixg ursprünglich der neue Gattungsname Waldheimia 
aufgestellt worden ist (W. King, Monograph of the Permian Fossils, 
1850, in Palaeontographical Society für 1848, p. 145), namentlich auch 
King's Typus Waldheimia ßavescens Lau. sp. ( = australis Quoy), werden 
von Eue. Dkslongcuamps in die Section Eudesia (Typus: Eudesia cardium 
Lam. sp. gestellt, während seine Section Waldheimia eine andere Formen- 



367 



ist nach meinen Beobachtungen an den Exemplaren aus dem 
unteren Gault, sowie an zahlreichen aus dem Hils, stets viel 
kürzer, als es Credner gezeichnet hat (bei einem Exemplar 
aus dem Niveau des Speeton-Clay) , und erreicht gewöhnlich 
noch nicht einmal die Hälfte der Länge der kleinen Klappe. 
Von der Schleife sind an den Gault-Exemplaren nur die ersten 
divergirenden Anfänge der Lamellen erhalten. Dagegen ist es 
mir durch sorgfältige Schliffe an mehreren Stücken aus dem 
Hils gelungen, dieselbe ihrem ganzen Verlauf nach darzustellen. 

Die nebenstehende Skizze ergiebt besser als 
eine Beschreibung ihre Gestalt, die mit dem 
Typus der . Section Waldheimia Eug. Desl. 
allerdings durch die nur einfache Anheftung 
an die Schlossplatte (nicht auch an das Sep- 
tum, wie bei Terebratella und meistens auch 
bei Megerlia etc.) einige Aehnlichkeit hat, 

reihe umfasst, welche, wenn sie auch in Bezug auf den Bau der Schleife über- 
einstimmt, doch in Bezug auf den Schnabel und die Anordnung der Muskel- 
eindrücke Abweichungen zeigt, die nach meiner Ansicht die von Deslong- 
champs vorgenommene Abtrennung als Section von der an Terebralula ( Wald- 
heimia) flavescens sich anschliessenden Formenreihe ausreichend begründen. 
Inconsequent erscheint es mir aber, für diese neu begründete Section, 
als deren erste Beispiele Eug. Deslongchamps die "jurassischen Terebralula 
carinata und pala anführt, den Namen Waldheimia anzunehmen, welchen 
King selbst später (1. c. p - 246) als wahrscheinlich gleichbedeutend mit 
Eudesia anerkannt hat, und welcher jedenfalls nur für Formen wie Tere- 
bralula flavescens u s. w. gelten könnte, wenn man ihn dem von King 
nicht scharf begründeten und deshalb von ihm selbst aufgegebenen Na- 
men Eudesia vorziehen will. Freilich war man seit einigen Jahren ge- 
wohnt, den Namen Waldheimia als Gattungs- oder Untergattungs-Namen 
für alle Arten anzunehmen, welche eine einfach angeheftete, lange Schleife 
und ein Dorsalseptum besitzen, und hieraus scheint Deslongchamps die 
Veranlassung genommen zu haben, die beiden vorhandenen Namen Eu- 
desia und Waldheimia für die beiden in der Juraformation vorkommen- 
den Sectionen, denen diese Eigenschaft zukommt, zu benutzen, ohne zu 
berücksichtigen, dass jene beiden Namen von ihrem Begründer nur für 
verschiedene Arten einer und derselben Section geschaffen sind, der letz- 
tere also nicht für die andere Section gebraucht werden kann. Für 
diejenige Section, auf welche Deslongchamps den Namen Waldheimia 
beschränkt, scheint es daher noch an einem besonderen Namen zu fehlen, 
falls nicht die 1859 von King begründete Gattung Macandrewia dieser 
Abtheilung entspricht: leider ist es mir noch nicht möglich gewesen, die 
Schrift (Natur. Hist. Review, VI, p. 516 — ;V20) zu Gesicht zu bekommen, 
in welcher jener ausgezeichnete Kenner fossiler Brachiopoden diese und 




368 



aber doch daneben auch viel Eigenthümliches, was bei Wald- 
heimia E. Desl. in solcher Weise nicht bekannt ist. 

Zu diesen Eigenthümlichkeiten gehört in erster Linie die 
Art, wie die absteigenden Lamellen der Schleife in die zurück- 
kehrenden Lamellen je einen in divergirender Richtung fast 
bis zur Stirn reichenden Fortsatz besitzen. Dazu kommt zwei- 
tens, dass die absteigenden Lamellen ihrer ganzen Länge nach 
an ihrer Aussenseite mit langen , fast bis an die Ränder rei- 
chenden, senkrecht abstehenden Dornen unregelmässig besetzt 
sind, während dieselben an den rückkehrenden Lamellen fehlen. 
Die Schleife bekommt hierdurch, abgesehen von der fehlenden 
Anheftung an das Septum, eine ganz merkwürdige Aehnlichkeit 
mit derjenigen der Megerlia Ewaldi Suess*). So unerwartet 
und unwahrscheinlich auf den ersten Blick eine solche An- 
näherung an diese Gattung oder Untergattung erscheinen mag, 
so dürften doch die neueren Beobachtungen von Charles Moore 
und Eug. Deslongchamps dieselbe weniger auffallend machen. 
Der Güte des genannten englischen Gelehrten verdanke ich 
zwei zu einem im dritten Bande der Zeitschrift The Geologist 
gedruckten Aufsatze gehörige Tafeln, deren Bedeutung mir aber, 
da es mir leider nicht gelungen ist, den Text zu erhalten oder 
auch nur einzusehen , nicht bekannt ist. Soviel scheint in- 
dessen aus den auf t. 2 enthaltenen Darstellungen (nament- 
lich aus f. 13, 2, 3, 4, 9, 1) hervorzugehen, dass zwischen 
dem einfachen Armgerüste, wie es Kingia Deslongchampsi (Eug. 
Desl., Pal. franc., Brach, jur., t. 33, f. 9) bietet, und dem so 
ausserordentlich complicirten inneren Bau, den man bei Arten, 
wie Kingia (oder Megerlia) lima und Megerlia Ewaldi, findet, 
gewisse Zwischenstufen vorhanden sind, die es misslich er- 
scheinen lassen dürften, diese Arten in verschiedene Sectionen 
oder gar Gattungen zu stellen. Diesen Beobachtungen Moo- 
re^ schliessen sich die von Eug. Deslongchamps an, deren 
Resultate derselbe namentlich I. c. p. 55 ff. und p. 140 ff. aus- 



mehrere andere neue Brachiopoden-Gattungen, deren Namen mir nur aus 
einer beiläufigen Notiz von Suess (N. Jahrb., 1861, S. 154) bekannt sind, 
näher beschrieben hat. 

*) — Terebralula pectunculo'ides Quknst., Handb. d. Petref, S. 464, 
t. 37, f. 15-18 und Jura, S. 742, t. 90. f. 47—51; ferner Davidson in 
Annais and Magaz. of Nat. Hist., "id. ser. V, p. 449, t. 15, f. 5; Suess, 
Class d. Brach, v. Dav., S. 49; Suess, Brachiop. d. Stramb. Sch., S. 4. 



369 



gesprochen hat. In diese Reihe von Zwischenstufen fügt 
sich nun , wie es scheint , auch der Bau der Schleife unserer 
Terebratula tamarindus Sow. sehr naturgemäss ein ; auch wird 
die Richtigkeit der systematischen Einreihung der Art an 
dieser Stelle noch wahrscheinlicher gemacht durch zwei Eigen- 
schaften , auf die ich noch etwas näher eingehen muss, und 
die auf mehr Beziehungen der Terebratula tamarindus zur Des- 
longchamps' sehen Section Kingia (Kingena) Dav. hinzudeuten 
scheinen; dieselben liegen im Bau des Schnabels und in der 
Schalenstructur. 

Nach der Diagnose, die Eug. Deslongchamps 1 c. p. 55 
von dieser merkwürdigen Section giebt, ist der Schnabel „von 
einem ziemlich grossen Foramen durchbohrt, welches unten 
im erwachsenen Zustande von einem Deltidium begrenzt wird, 
das erst sehr spät seine vollständige Entwickelung erreicht." 
Diese letztere Bemerkung bezieht sich darauf, dass die beiden 
Plättchen des Deltidiums bei den bis jetzt bekannten Arten 
fast nie mit einander verwachsen sind, sondern das Foramen 
bis zum Wirbel der kleinen Klappe reichen lassen. Derselbe 
Fall findet in der Regel auch bei dem überhaupt verhältniss- 
mässig grossen Foramen der Terebratula tamarindus Sow. statt, 
indem selbst bei Exemplaren von bedeutender Grösse (18 Mm. 
Länge) das Deltidium noch aus zwei durch das Foramen 
getrennten Stücken besteht; indessen ist dies bei unserer Art 
durchaus kein constantes Merkmal, da nicht selten bei anderen, 
sowohl kleineren als grösseren, sonst ganz mit jenen überein- 
stimmenden Exemplaren die beiden Deltidialplatten mit ein- 
ander verwachsen sind und das Foramen nach unten vollständig 
abschliessen. 

Die Schalenstructur der Terebratula tamarindus beschreibt 
Credner mit folgenden Worten: „Auf der Oberfläche ist eine 
weitläufige Chagrinirung schon mit blossem Auge sichtbar; 
sie besteht aus Linien von Grübchen, welche sich unter spitzen 
Winkeln schneiden. 44 Dabei hat er jedoch das Eigenthümlichste 
noch übersehen, was aber freilich nur bei ganz vorzüglich guter 
Erhaltung der Schalenoberfläche sichtbar wird und .ganz ver- 
schwindet, sobald dieselbe nur etwas abgerieben ist. Ich 
meine die eigenthümliche Körnelung, welche Davidson und 
Deslongchamps als Merkmal der Untergattung oder Section 
Kingia beschreiben, und die aus feinen, runden Wärzchen von 
verschiedener Grösse besteht, welche unabhängig von den die 
Schale durchbohrenden Poren die Schalenoberfläche bedecken. 
Die Anordnung und Entfernung derselben ist nicht constant 
eine regelmässige (in Form der Quincunx), sondern dieselbe 
ist sowohl bei den Individuen einer Art, als an verschiedenen 
Stellen der Oberfläche eines Individuums wechselnd, so dass 
es mir scheint, als ob man hierin nicht, wie Deslongchamps — 

Zeits. d. d. geol.Ges. XVITI. 2. 24 



370 



im Gegensatz zu Davidson — will*), ein Unterscheidungs- 
Merkmal für die Arten der Abtheilung Kingia suchen dürfe; 
eine grosse Veränderlichkeit habe ich in dieser Beziehung- 
namentlich auch an Kingia lima aus der cenomanen Kreide, 
Davidson's Typus dieser Untergattung, beobachtet, so dass mir 
die von Deslongchamps versuchte Wiederabtrennung der Kingia 
sexradiata Sow. sp. und Hebertiana d'Orb. sp. nicht unbedenklich 
erscheint. Die diesen letzteren beiden Namen entsprechenden 
Formen kommen in ganz übereinstimmender Weise an gewissen 
Localitäten auch bei uns häufig vor, ohne dass es mir bis jetzt 
möglich gewesen wäre, irgend w r elche constante Unterschiede 
von der ebenfalls nicht zu seltenen cenomanen Form festzu- 
stellen. Von dieser eigenthnmlichen Schalenstructur zeigen 
sich an einigen der mir vorliegenden Gault -Exemplare der 
Terebratula tamarindus mehr oder weniger deutliche Spuren; 
sehr schön ist dieselbe dagegen an einer grösseren Anzahl 
von Exemplaren aus verschiedenen Schichten des norddeutschen 
Hils oder Neocom erkennbar, die allerdings aus einem Vor- 
rath von mehreren Tausenden ausgelesen sind. 

Wenn ich nun schliesslich über die Frage entscheiden soll, 
zu welcher Section oder Untergattung der grossen Gattung 
Terebratula die Species T. tamarindus naturgemäss zu stellen 
ist, so scheint es mir, als ob nach den obigen Mittheilungen zu- 
nächst die Section Waldheimia, entgegen den Ansichten Da- 
vidson's und H. Credner's, von der Wahl ausgeschlossen werden 
müsste; dagegen würde es sich meines Erachtens nur um die 
Sectionen Kingia und Megerlia (— Ismenia King**), welcher 
Name, streng genommen, die Priorität hat, nachdem die ge- 
nerische Identität von Ismenia und Megerlia festgestellt 
ist) handeln. Kingia (Davidson schreibt Kingena, eine dem 
allgemeinen Gebrauche widersprechende Namenbildung), wurde 
1852***) auf die einzige Art Kingia lima Defr. sp. begründet, 
später aberf) als nur unwesentlich von Megerlia abweichend 
wieder fallen, gelassen. Neuerdings hat nun Eug. Eudes-Des- 
longchamps diesen Namen neben Megerlia als Bezeichnung 
für eine seiner Sectionen der Gattung Terebratula wieder auf- 
genommen, indem er als charakteristisches Merkmal, wie es 
scheint, ausschliesslich die Oberflächen-Beschaffenheit der Schale 
gelten lässt. Trotzdem bleiben in seiner Section Megerlia 
aber noch so verschiedenartig gestaltete Formen , dass es bei 
der sonstigen Uebereinstimmung wohl richtiger sein möchte, 
die zu Kingia gehörigen Arten, wenn dieselben auch eine na- 
türlich begrenzte Gruppe bilden, nicht als gleich werthige Section 
neben Megerlia zu betrachten. 

*) Etudes critiques sur des Brachiopodes etc., p. 45 ff. 
**) King, Permian Fossils, p. 142. 
***) Monogr. Cret. Brach., p. 40. 
f) Ibidem, p. 104, Anm. 7; 1855. 



371 



Hiernach würde also Terebratula tamarindus 
Sow. zur Untergattung oder Section Megerlia und 
innerhalb derselben zu der unter dem Namen Kin- 
gia zusammengef assten Gruppe zu ziehen sein. 

Die verticale Verbreitung der Megerlia tamarindus erstreckt 
sich im nordwestlichen Deutschland nicht nur über die ganze 
Hils - (oder Neocom -) Formation , sondern auch über den 
Speeton-Clay (cf. Herm. Credner 1, c.) und, wie aus Obigem 
hervorgeht, auch über die zum unteren Gault gehörige Zone 
des Amm. Martini, ja vielleicht sogar noch höher hinauf. Da- 
vidson giebt für England an das Vorkommen im Lower-Green- 
Sand, Kentish-Rag und Upper - Green - Sand of Farringdon. 
Erstere beiden Schichten-Angaben würden mit dem Niveau von. 
Ahaus annähernd übereinstimmen; das Alter des Upper-Green- 
Sand of Farringdon, oder gewöhnlich Farringdon-Sponge-Gra- 
vel genannt, ist der Gegenstand einer, wie es scheint, noch 
immer nicht endgiltig entschiedenen Controverse zwischen vie- 
len englischen Geologen, indem einige denselben zum Lower- 
Green-Sand, andere (z. B. Davidson) zum Upper-Green-Sand 
rechnen und Sharpe gar ihn als Aequivalent der Schichten von 
Mastricht betrachten wollte. Indessen scheint nach Allem, 
was mir darüber bis jetzt bekannt geworden ist, Davidson's 
Ansicht die grösste Wahrscheinlichkeit zu haben. Aber selbst 
unter dieser Voraussetzung dürfte doch das Vorkommen der 
Megerlia tamarindus in Schichten cenomanen Alters als ein 
noch nicht ganz sicher festgestelltes zu betrachten sein, da es 
nach Davidson's Abbildungen (1. c. t. 9, f. 27, 28) zweifelhaft 
erscheint, ob bei den Exemplaren von Farringdon das für die 
Art charakteristische Dorsalseptum vorhanden ist und über- 
haupt bei der angegebenen grossen Seltenheit der Art an je- 
ner Localität die Bestimmung vielleicht nicht mit der gewohn- 
ten Schärfe ausgeführt werden konnte. D'Orbigny beschränkt 
im Prodrome das Vorkommen unserer Art auf das eigentliche 
Neocom. 

3. Als Terebratella Astieriana d'Orb. bezeichne ich 
eine höchst interessante Form, von der mir leider nur ein 
mangelhaft erhaltenes Exemplar aus der Hosius'schen Samm- 
lung vorliegt, welches mit keiner anderen bekannten Art besser 
übereinstimmt. Die Oberfläche der Schale ist nicht erhalten 
und der Schnabel nicht ganz von dem anhaftenden Gesteine 
zu befreien. Die Art und Weise der Berippung stimmt gut 
mit d'Orb., Terr. Cret. IV, t. 516, f. 6, doch ist bei dem nur 
etwa zwei Drittel der Grösse der französischen erreichenden 
Ahauser Exemplare der Wulst etwas breiter und nicht ganz so 
stark hervortretend, sowie die Umrisse der Schale nicht so 
abgerundet; auch liegt die grösste Breite näher nach dem 
Schnabel zu. 

24* 



372 



Das Lager der Terebratella Astierlana in Frankreich, wo 
d'Oebigny sie im Aptien namentlich des Yonne - Departements 
angiebt, entspricht ganz dem norddeutschen Vorkommen ; auch 
dort ist sie überall, wie hier, von Terebratula Moutoniana be- 
gleitet. In Norddeutschland ist Ahaus meines Wissens der 
erste Fundort für diese Art. 

Eine der Terebratella Astieriana ähnliche Art wurde neuer- 
dings *) von Loriol als Terebratella Arzierensis aus dem Valan- 
ginien von Arzier (Ct. Waadt) beschrieben; dieselbe unter- 
scheidet sich jedoch leicht dadurch, dass beide Klappen längs 
der Mitte einen Sinus haben, während bei Terebratella Astieriana 
dem Sinus der grösseren Klappe ein Wulst auf der kleineren 
entspricht; auch sind bei ersterer die Rippen gekörnt, was bei 
Terebratella Arzierensis nicht der Fall ist. 

4. Rhy n chonella antidicho tonia Buv. sp. Drei 
Exemplare in Ewald's und ein sehr schönes und grosses in 
der Hosius'schen Sammlung. Ueber das Verhältniss dieser 
schönen Art zu der von ihm gründlich studirten Rhynchonella 
depressa Sow. sp., deren Varietäten zum Theil allerdings jener 
ziemlich nahe kommen, hat sich Dr. Herm. Credner sehr aus- 
führlich ausgesprochen. Obgleich er keine Uebergänge zwi- 
schen beiden nachweisen kann, kommt er doch 1. c. p. 557 
zu folgendem Resultate : „Geht man bei der Aufstellung der 
hierher gehörigen Brachiopoden- Arten darauf aus, extreme For- 
men zu vereinigen, sobald Uebergänge zwischen ihnen aufge- 
funden werden können, welche ihre gegenseitige Verwandtschaft 
beweisen, vereinigt man demnach Terebratella oblonga und Pu~ 
scheana, so muss auch analog Diesem, mit Rücksicht auf die 
Vorkommen vom Hilter und Ahlten (antidichotome Varietäten 
der Rhy nchonella plicatilis und der, wie mir scheint, nicht da- 
von zu trennenden Rhynch. octoplicata U. Sohl.), Rhynch. anti- 
dichotoma nur als eine Varietät von Rhynch. depressa aufgefasst 
werden." 

Ich kann mich diesem Schlüsse nicht anschliessen und 
halte es namentlich für sehr bedenklich und trügerisch, auf 
gewisse Analogien hin von den Varietäten einer Art auf die 
einer anderen zu schliessen, da die allerdings viel verbreitete 
Ansicht, dass analoge Arten auch immer analog variiren, durch- 
aus nicht in der Wirklichkeit begründet ist. So würde z. B. 
Nichts unrichtiger sein als die nach dieser Theorie sehr nahe 
liegenden Schlüsse, dass Rhynch. rimosa dieselbe Veränderlich- 
keit in Bezug auf das Verhältniss zwischen Länge, Breite und 
Dicke zeigte, wie die doch gewiss sehr analoge Rhynch. plica- 
tilis ; oder dass die feinen Rippen der ersteren sich in gleicher 



*) Memoires de la Soc. de Phvs. et d'Hist. nat. de Geneve, 1864, 
XVII, II, p. 441, f. 11-13. 



373 



Weise, wie oft die der nahestehenden Rhynch. furcillata, bevor 
sie antidichotomiren , durch wirkliche Dichotomie vermehrten; 
oder dass Rhynch. paucicosta Roem. sp. in Bezug auf die An- 
zahl der Rippen ebenso variire, wie die analoge Rhynch. sub- 
serrata Münst. sp.; u. s. w. So sehr ich daher auch mit 
Herrn Dr. Credner in Bezug auf die Zusammengehörigkeit der 
bezeichneten Varietäten der Rhynch. plicatilis Sow. sp. über- 
einstimme (ohne mir jedoch die nach mündlicher Versicherung 
auch von Herrn v. Strombeck schon seit längerer Zeit wieder 
verlassene Ansicht von der specifischen Untrenn barkeit der 
Terebratella oblonga und Puscheana anzueignen), muss ich doch 
die schöne, stets nur in jüngeren Schichten vorkommende Rhynch. 
antidichotoma so lange als specifisch verschieden von Rhynch. 
depressa betrachten, bis das wirkliche Vorhandensein deutli- 
cher Uebergangsformen zwischen beiden nachgewiesen wird. 

Ob das, was Davidson aus dem Farringdon-Sponge-Gravel 
als Varietät der Rhynch. latissima Sow. sp. aus dem Upper- 
Green-Sand ansieht, hierher gehört, wage ich nicht zu ent- 
scheiden. Davidson selbst scheint über die Zugehörigkeit die- 
ser Formen zu der Art von Büvignier sehr zweifelhaft. 

Die mir vorliegenden Exemplare variiren sehr in Bezug 
auf das frühere oder spätere Eintreten der Antidichotomie 
(ähnlich wie Rhynch. furcillata), sowie hinsichtlich der Bildung 
des Sinus. Während einige fast ganz gleichmässig gewölbt 
und ohne Sinus sind, besitzen andere einen ungemein tiefen 
Sinus und entsprechend stark hervortretenden Wulst (nament- 
lich einige Exemplare aus der Gegend von Braunschweig), 
und wieder andere zeigen eine unsymmetrische Entwicklung 
der Stirn nach Art der Rhynch. inconstans. Von Strombeck *) giebt 
auch als Merkmal der Ahauser Form an, dass bei ihr „die ver- 
einigten Falten nicht so hoch und scharf erscheinen", wie bei 
der aus der Braunschweiger Gegend; doch beweisen die mir 
vorliegenden Exemplare, dass auch dies Merkmal keineswegs 
constant ist. 

Rhynchonella antidichotoma, welche in Frankreich von d'Or- 
bigny in's Albien gestellt wird, ist auch in Norddeutschland nicht 
auf das Niveau des Aptien oder unteren Gault beschränkt, son- 
dern tritt zuerst schon in dem durch den Speeton-Clay (Stromb.) 
davon getrennten Crioceras-Schichten auf, welche v. Strombeck 
als oberste Schicht der norddeutschen Hilsformation betrachtet 
und die wohl zum Theil dem Urgonien d'Orb. entsprechen. 
Sie ist in dieser Schicht an mehreren Localitäten , besonders 
aber im sogenannten Bohnenkamp bei Querum unweit Braun- 
schweig aufgefunden, wo sie namentlich in Gesellschaft des 
Crioceras Emerici d'Orb. erscheint. Ueber dem Niveau des 
Aptien ist sie dagegen bei uns noch nicht nachgewiesen. 



*) Verh. naturh. Ver. Rheinl. 1858, Westph., S. 447. 



374 



5. Rhynchonella Gibbsiana Sow. sp. Die vor- 
trefflichen Abbildungen, welche Davidson (Mon. Cret. Br., t. 12, 
f. 11, 12) .von dieser eleganten Art gegeben hat, schliessen in 
Verbindung mit der Vergleichung guter englischer Typen, die 
ich von Atherfield auf der Insel Wight besitze, jeden Zweifel 
an der Richtigkeit der Bestimmung der vorliegenden vier Exem- 
plare von Ahaus aus, von denen je zwei den beiden unter- 
suchten Sammlungen angehören. Je eine derselben zeichnet 
sich durch etwas bedeutendere Grösse aus, als bei englischen 
Exemplaren vorzukommen pflegt, sonst findet aber eine voll- 
kommene Uebereinstimmung statt, die jede weitere Beschrei- 
bung überflüssig macht. 

Die Gaultschichten von Ahaus scheinen bis jetzt der erste 
und einzige zuverlässige Fundort der Rhynch. Gibbsiana in Nord- 
deutschland zu sein. Es dürfte dies Vorkommen ein neues 
Moment für die Ansicht bieten, dass wenigstens ein Theil des- 
sen, was die Engländer Lower-Green-Sand nennen, dem nord- 
deutschen „unteren Gault" (nach Ewald) — Aptien d'Orb. ent- 
spricht, wofür schon so manche wichtige Thatsache — nament- 
lich von Ewald*) — vorgebracht worden ist. Zwar finden 
sich in der geognostischen Literatur über die norddeutschen 
Flötzformationen schon mehrfache Citate von Rhynch. Gibbsiana, 
so z. B. bei A. Roemer, Verst. d. nordd. Kreidegeb., p. 37; 
doch bezieht sich dies Citat auf eine deutlich abweichende Art 
aus der oberen Kreide mit Belemnites quaclratus. Aus Frank- 
reich scheint d'Orbigny unsere Art nicht zu kennen; denn 
Rhynch. sulcata Park, sp., zu welcher er Terebratula Gibbsiana 
Sow. als Synonym zieht, weicht durch gröbere und höhere 
Rippen, sowie durch weniger dreieckige Form und gänzlich 
verschiedenen Sinus davon ab, wie sich schon aus der Ver- 
gleichung der Abbildungen beider Arten bei Davidson ersehen 
lässt. — Die grösste Aehnlichkeit dürfte noch Rhynch. lata 
d'Orb. (t. 491, f. 8 — 17) haben, doch scheint auch diese durch 
spitzen und geraden Schnabel, sowie durch schärfere Schnabel- 
kanten verschieden zu sein. Einige Aehnlichkeit bietet auch 
Rhynch. Bertheloti Orb.**), welche von d'Orbigny in das Ce- 
nomanien gestellt wird, während sie nach Herrn Saemann's 
Mittheilung dem Albien angehört. Die mir vorliegenden fran- 
zösischen Exemplare lassen sich jedoch leicht durch geringere 
Breite und spitzeren Schnabelwinkel bei geringerer Grösse von 
Rhynch. Gibbsiana unterscheiden. 

Die Deutung, welche einige schweizerische Paläontologen, 



*) Monats-Ber. der kön. Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1860, 
p 332-348. 

**) Prodrome de Pal., 20e. et., no. 536, II, p. 172. 



375 



namentlich neuerdings Ooster*) der Bhynch. Gibbsiana unter- 
legen, muss nach Davidson's Darstellung einigermaassen zwei- 
felhaft erscheinen. Einerseits stimmen schon die OosTER'schen 
Abbildungen zum grössten Theile durchaus nicht mit denen 
Davidson's überein, indem viele derselben das auch der Bhynch. 
Valangiensis Loriol **) zukommende eigentümliche Merkmal der 
Längsdepression in der Mitte der kleinen Klappe statt eines 
vorstehenden Wulstes erkennen lassen , was bei der ächten 
Bhynch. Gibbsiana noch nie beobachtet ist; auch das Hinauf- 
reichen des Sinus bis in den Schnabel (Ooster h c. f. 2) kennt 
man bei letzterer nicht. Andererseits werden eine Reihe von 
Synonymen zu Bhynch. Gibbsiana gezogen, welche zum Theil 
mindestens unerwiesen, zum Theil geradezu unrichtig sein dürf- 
ten. Es sind vorzüglich Bhynch. lata d'Orb. und parvirostris 
Dav. , zweifelhaft auch Bhynch. latissima und nuciformis Dav. 
Ueber erstere habe ich mich schon ausgesprochen. Bhynch. 
parvirostris (Sow. sp.) Dav. zeichnet sich durch grössere Breite, 
geradere Schlosskanten, geringere Rippenzahl u. s. w. aus; 
Bhynch. latissima (Sow. sp.) Dav. durch schwächeren und un- 
regelmässigeren Sinus, geraderen Schnabel u. s. w. , Bhynch. 
nuciformis durch geringere Breite und geraderen Schnabel u. s. w. 
In neuester Zeit citirt Bachmann ***) Bhynch. Gibbsiana aus dem 
schweizerischen alpinen Neocomien und aus dem Aptien in 
Begleitung von Terebratula Kaufmanni Bachm. sp. nov. , tama- 
rindus Sow. und celtica Morris, welches letztere Niveau unse- 
rem vorliegenden entsprechen würde. 

Fassen wir nun zum Schluss die Angaben über das Vor- 
kommen der besprochenen Arten noch einmal übersichtlich 
zusammen, so sehen wir die aus der Gesammtheit der Ahauser 
Gault-Fauna, wie sie von v. Strombeck und Ewald dargestellt 
ist, sich ergebende Thatsache, dass nämlich diese Fauna fast 
nur solche Arten enthält, die auch anderweit gleichzeitig und 
unter ähnlichen Verhältnissen gelebt haben, in den Brachiopo- 
den gleichfalls bestätigt. In der That findet sich unter letzte- 
ren keine einzige neue Art oder auch nur erheblich von den 
bekannten Vorkommnissen abweichende Varietät. Aus anderen 
Lokalitäten im nordwestlichen Deutschland sind von den be- 
sprochenen Arten folgende bekannt: 

Terebratula Moutoniana, Megerlia tamarindus, Bhynch. 

antidichotoma ; 
aus England kennt man 

Megerlia tamarindus, (Bynch. antidichotoma?) , Bhynch. 

Gibbsiana ; 

*) Synopsis des Brachiop. foss. d. Alpes suisses, 1863, p. 53, t, 18 
f. 1-12. 

**) Mein. Soc. Phys. nat. Geneve, 1864, XVII. IL p. 442, f 14-17. 
***■) Mittheil. d. naturf. Ges. z. Bern, 1864, p. 190 ff. 



376 



aus Frankreich: 

Terebratula Moutoniana, Megerlia tamarindus , Terebra- 

tella Astieriana, Rhynch. antidichotoma ; 
aus der Schweiz: 

Terebratula Moutoniana, Megerlia tamarindus, Rhynch. 

antidichotoma und Gibbsiana. 
Hinsichtlich der vertikalen Verbreitung ergiebt sich, 
dass nur Terebratula Astieriana ausschliesslich auf das Aptien 
oder den unteren Gault beschränkt zu sein scheint. Alle übri- 
gen reichen aus tieferen Schichten herauf: Terebratula Mouto- 
niana, die nach v. Strombeok's Angaben schon im unteren Neo- 
com beginnt und bis in die obersten Schichten des unteren 
Gault (Niveau der Gargas-Mergel) fortsetzt; Megerlia tamarin- 
dus, in gleicher Tiefe beginnend, war bisher nur bis hinauf 
zum Speeton-Clay (von Credner) verfolgt, während wir sie jetzt 
noch im unteren Gault von Ahaus kennen gelernt haben, ja 
es scheinen selbst Spuren nicht zu fehlen, dass sie vielleicht 
bis in das Niveau der Gargas - Mergel hinaufreicht; Rhynch. 
antidichotoma wurde von v. Strombeck schon in den als ober- 
stes Niveau des Hils betrachteten Crioceras-Schichten nachge- 
wiesen und geht nach den französischen Angaben sogar bis 
in's Albien hinauf; endlich Rhynch. Gibbsiana, die nach fremden 
Angaben in der Schweiz im Neocom beginnt, mit Sicherheit 
aber erst im Aptien (Lower-Green-Sand) nachgewiesen ist. 

Es liegt in diesen Thatsachen wiederum ein Beweis, wie 
eng unsere Hils- und Gault-Formation mit einander verbunden 
sind; eine Erscheinung, von der die Unsicherheit der norddeut- 
schen Geognosten über die Frage, wo die Grenze zwischen 
beiden gezogen werden müsse, eine natürliche Folge ist. Wie 
ich über solche Fragen denke, habe ich schon mehrmals aus- 
zusprechen Gelegenheit gehabt und brauche es daher hier nicht 
zu wiederholen. 

Dass auch in England und Frankreich nicht nur zwischen 
dem Aptien und Albien, sondern auch zwischen dem ersteren 
und dem Neocomien in jeder Hinsicht die engsten Beziehungen 
stattfinden, zeigen u. a. besonders die schönen Arbeiten von 
Cornuel. *) 

*) Bull, de la Soc. geol. de France, 2e serie, XVII, p. 736 ; XX, 
p. 575; XXI, p. 350 etc. 



Druck von J. F. Starcke in Berlin. 



KOT. 17, 186& 



Zeitschrift 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft, 

3. Heft (Mai, Juni und Juli 1866). 



A. Verhandlungen der Gesellschaft. 



1. Protokoll der Mai - SitzAing. 

Verhandelt Berlin, den 2. Mai 1866. 

Vorsitzender: Herr G. Rose. 

Das Protokoll der April - Sitzung wird verlesen und ge- 
nehmigt. 

Für die Bibliothek sind eingegangen: 
A. Als Geschenke: 

M. Daubree, experiences synthetiques relatives aux meteorites. 
Paris. 1866. — Extr. des Comptes rendus des seances de Vaca- 
demie des sciences, tome 62. 

A. Müller und Escher von der Linth, Alpenpanorama 
vom Höhenschwand. Nebst Erläuterungen von A. Müller. 

M. Sadebeck, zwei Vorträge über die Schneekoppe. Bres- 
lau. 1864. 

A. Müller, über die Wiesenbergkette im Basler Jura. 

A. Müller, über die krystallinischen Gesteine der Umge- 
bungen des Maderanerthales. 

H. Abioh, Apergu de mes voyages en Transcaucasie en 1865. 
Moscou 1865. 

R. Pumpelly, notice of an account of geological observations 
in China, Japan and Mohgolia. 1866. — Sep.-Abdr. aus dem 
American Journal of Science and arts. Vol. 41. 

A. Boue, über die mineralogisch-paläontologische Bestim- 
mung der geologischen Gebilde, sammt Beispiele über Anwen- 
dung zur Feststellung der Geologie des Erdballs. Wien. 1865. 
Sep.-Abdr. aus d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. Bd. 52. 

Erster Jahresbericht über die Wirksamkeit der beiden Co- 

Zeits. d. d. geol.Ges. X VIII. 3. 25 



378 



nrites für die naturwissenschaftliche Durchforschung von Böh- 
men im Jahre 1864. Prag. 1865. 

Staring, geologische Kaart van Nederland ; Sectionen: Peel, 
Texel, Kennemerland. 

Dublin, international exhibition 1865. Kingdom of Italy. 
Second Edition. Turin. 1865. 
B. Im Austausch: 

Berichte über die Verhandlungen der naturforschenden Ge- 
sellschaft zu Freiberg i. B. Bd. I. Heft 1—4. 1855—1858. Bd. II. 
Heft 1—4. 1859-1862. 

Biäletin de la societe imperiale des naturalistes de Moscou. 
N. 4 Jahrg. 1865. Supplement au N. 4 de 1865. Moscou. 
1865. 

Verhandlungen der kais. Gesellschaft für die gesammte 
Mineralogie zu St. Petersburg. 1864. Jahrg. 1863. 

Verhandlungen der naturforschenden Gesellschaft zu Basel. 
4. Theil, 2. Heft. Basel. 1866. 

Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt von 
Petermann. 1865 N. 12; 1866 N. 2 u. 3. Gotha. 

Verhandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt in Wien. 
Sitzungen vom 6. Februar und 17. April 1866. 

Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland, herausg. 
von Erman. Bd. 24 Heft 2. Berlin. 1865. 

The quarterly Journal of the geological society. Vol. 22 Part. I. 
N. 85. London. 1865. — List of the geological society of Lon- 
don. 1865. 

Journal of the royal geological society of Ireland. Vol. I. 
Pari. I. 18^1 . Edinburg 1865. 

Annales des mines. Sixieme Serie. Tome VIII. Livr. 5 de 
1865. Paris. 

Abhandlungen der Senkenbergischen naturforschenden Ge- 
sellschaft. Bd. 5. Heft 3 u. 4. Frankfurt a. M. 1865. 

Annales del Museo publico de Buenos Aires. Por Bürmei- 
ster. Entrega primera. 1864. 

Catalogue of the collections of fossils in the museum ofprac- 
tical geology. London. 1865. 

Catalogue of the contents of the mining record office in the 
museum of practica! geology. London. 1858. 

Catalogue of the rocks-specimens in the museum of practical 
geology. London. 1862. 



379 



Catalogue of the mineral-coUections in the museum of prac- 
tica! geology. London. 1864:. 

Catalogue of the geological, mining and metaUurgical models 
in the museum of practical geology. London. 1865. 

Catalogue of the publisked maps, sections. memoirs and other 
puhlications of the geological survey of the wiited kingdom. Lon- 
don 1865. 

Appendix to the mineral statistics of the united kingdom of 
Great-Britain and Ireland for theyearlSßl. London. 1862. — 
Mineral-statistics etc. for 1862. London. 1863. — Mineral-sta- 
tistics etc. for 1863. London. 1864. — Mineral-statistics etc. for 
1864. London. 1865. 

Memoirs of the geological survey of Great-Britain and of 
the museum of practica! geology. London. 1859: 2 Hefte. — 
1860: 4 Hefte. — 1861: 8 Hefte. — 1862: 5 Hefte. — 1864: 
5 Hefte. 

Memoirs etc. Figures and descriptions of British organic re- 
mains. Monograph L. London. 1859. Mit 1 Heft Abbildungen. — 
Monograph IL London. 1864. Mit 1 Heft Abbildungen. — De? 
cade XL London. 1864. 

Ausserdem wurde vorgelegt: 

Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft. Bd. 17 
Heft 4. Berlin 1865. In 3 Exemplaren. 

Ferner wurde der Gesellschaft Kenntniss gegeben von einer 
durch die Herren Fr. Trlschera, G. Costa, E. Pesslna und 
S. de Rengi unterzeichneten Einladung zur Betheiligung an dem 
am 9. bis 23. September d. J. in Neapel abzuhaltenden ausser- 
ordentlichen, naturwissenschaftlichen, italienischen Congress. 

Herr Rammelsberg sprach hierauf über die chemische Zu- 
sammensetzung der Feldspathe mit Rücksicht auf die in den 
Sitzungsberichten der kais. Akademie- der Wissenschaften zu 
Wien Bd. 50, 1. Abtheilung, S. 566 f. von Tscheriiak aufge- 
stellte Theorie derselben, welcher sich der Vortragende an- 
schloss. (Vergl. den betreffenden Aufsatz in dieser Zeitschrift 
Bd. 18 S. 200.) 

Herr Weddlxg legte ein Stück krystallisirter Schlacke vor, 
welche beim Verschmelzen der Mansfelder Kupferschiefer jetzt 
nicht selten fällt, nachdem man die Schlacke beim Ablaufen 
aus dem Heerde in tiegelartigen Gefässen zu sammeln pflegt, 
um etwa eingemengtem Stein Gelegenheit zu geben, sich ab- 

25* 



380 



zusetzen. Der Unterschied dieses langsam abgekühlten, in der 
Grundmasse vollkommen steinigen Produkts gegen das früher 
bei schneller Abkühlung erzeugte, beinahe glasige ist sehr in 
die Augen fallend. Nach Herrn Rammelsberg ist die Krystall- 
form die des Augits. * 

Herr Tamnaü sprach über verschiedene« von ihm vorgelegte 
Gegenstände, die Herr Baron v. Büggenhagen, ein geborener 
Pr'eusse, der seit vielen Jahren auf seinen Besitzungen auf 
Banda, einer der östlichsten kleinen Mollucken, lebt, bei sei- 
nem Besuch von dort mitgebracht hat. 

Zuvörderst eine Reihe von Stücken der sogenannten ess- 
baren Erde , Tanah poang der Malayen , die sich auf ver- 
schiedenen Punkten der Insel Ceram , besonders zu Celar 
und zu Ta auf der Südküste der genannten Insel findet. Es 
sind dies weissgraue, zuweilen bräunlichrothe, mehr oder minder 
verhärtete Thone oder lehmartige Massen, die sich im Wasser 
erweichen, und die dann als Brei genossen werden. In Zeiten 
der Noth sollen ganze Stämme der Malayen und der Papuas 
auf Borneo, Celebes, Ceram, Neu-Guinea u. s. w. fast aus- 
schliesslich von dieser Erde leben, die in der Form von flachen 
Ziegelsteinen als Waare auf vielen Märkten jener Gegenden 
verkauft wird. Wahrscheinlich enthalten diese Erden grössere 
oder geringere Mengen von Infusorien, analog dem ähnlichen 
Vorkommen namentlich in der essbaren Erde aus Patagonien, 
doch mussten die Untersuchungen darüber wegen Herrn Ehren- 
berg's Krankheit noch aufgeschoben werden. 

Sodann eine Sammlung der merkwürdigen und so überaus 
seltenen sogenannten Cocos-Perlen. Es sind dies milchweisse, 
zuweilen gelbliche, kugelrunde, mitunter eirunde, selten birnför- 
mige, den gewöhnlichen Perlen sehr ähnliche, steinartige Massen, 
die sich als sehr grosse Seltenheiten in dem Kern von Cocos- 
Nüssen , und noch seltener in einigen andern Früchten des 
südöstlichen indischen Archipels finden. Die vorliegenden 
Stücke sind von der Grösse eines Stecknadelknopfes bis zu 
der einer Kirsche. Sie sind zuweilen glänzend und etwas 
durchscheinend, und sie werden dann von den Rajahs und 
Malayen-Fürsten jener Gegenden sehr hoch geschätzt, wie ge- 
wöhnliche Perlen bezahlt und als Schmuck oder Edelgestein 
getragen. Die Härte der Cocos-Perle ist nach Bacon ziemlich 
die des Feldspathes und übersteigt also die der gewöhnlichen 



381 



Perle bedeutend. Die erste Nachricht über die Cocos-Perlen 
verdanken wir Roiphius, der sie in seinem Herbarium Am- 
boinense (I. p. 21) ausführlich beschreibt, auch angiebt, dass 
sie in den Cocos- Nüssen von Macassar auf Celebes weniger 
selten als an anderen Punkten erscheinen. Er brachte eine 
derartige Perle mit nach Europa, die er im Jahr 1862, in einen 
Ring gefasst, dem damaligen Grossherzoge von Toskana zum 
Geschenk machte. In neuerer Zeit hat J. Bacon in den 
Proceedings of the Boston society of natural history (T. VII. 
p. 270. 1860) eine Untersuchung einer derartigen Perle bekannt 
gemacht, die in Singapoor angekauft war. Er fand sie aus koh- 
lensaurer Kalkerde mit sehr geringer organischer Beimischung 
eines eiweissartigen Stoffes bestehend, und es erscheint dies 
um so merkwürdiger, da weder die Milch noch der Kern der 
Cocos -Nuss kohlensaure Kalkerde enthält. Bei starker Ver- 
größerung findet man, dass die Cocos-Perle aus concentrischen 
Lagen ohne irgend einen Kern gebildet ist. Diese Lagen 
scheinen aus sehr kleinen krystallinischen Theilchen zusam- 
mengesetzt; ob aber diese krystallinischen Theilchen rhomboe- 
drisch sind und dem Kalkspath zugehören , oder prismatisch 
(rhombisch) und dem Arragonit zugezählt werden müssen, 
hat sich bisher nicht bestimmen lassen. 

Endlich eine Partie sogenannter Edelsteine, die der Rei- 
sende in Fante de Galle auf Ceylon bei der Durchreise ge- 
kauft hatte. Es sind abgerundete Geschiebe, Krystallbruch- 
stücke und Krystalle, an denen man nur wenige Flächen unter- 
scheiden kann, von der Grösse einer kleinen Erbse bis zu der 
einer kleinen Haselnuss. So weit sie sich bestimmen lassen, 
bestehen sie aus Sapphir in heilern und dunkleren blauen Fär- 
bungen , Zirkon . Spinell (Ceylanit) , Granat, Quarz u. s. w. 
Sie stammen wahrscheinlich von Ratnapura auf Ceylon, wo sie 
aus einer mit grösseren und kleineren Geschieben angefüllten 
Erdschicht gewonnen und aus dem jene Erdschicht durchbre- 
chenden Strome aufgefischt oder ausgewaschen werden. 

Endlich sprach Herr Eck über die Versteinerungen des 
Grenzdolomits bei der Bodenmühle unweit Bayreuth. In dem 
Jahrbuche der kais. königl. geologischen Reichsanstalt zu Wien, 
Jahrg. X., 1859, S. 22 hatte Herr Gümbel (in einem Aufsatze 
über die Aequivalente der St. Cassianer Schichten im Keuper 
Frankens) aus dem Grenzdolomit zwischen der Lettenkohlen- 



382 



gruppe und dem Keuper an den Ufern des Mains unterhalb 
der Bodenmühle bei Bayreuth eine Anzahl Versteinerungen auf- 
geführt, welche, als Cardita crenata, Myophoria Kefersteini 
Goldf., Myophoria lineata Münst., Myophoria curvirostris, Myo- 
phoria Whateleyae Buch, Bakewellia costata var. genuina Schaur., 
Area impressa Münst. , Nucula sulcellata Münst. , Lingula te- 
nuissima Bs,., Orbicula diseoides bestimmt, ihn veranlassten, den 
Grenzdolomit des deutschen Keupers für ein Aequivalent der 
Cardita- oder Raibier Schichten in den alpinen Triasablage- 
rungen zu erklären. Auch in desselben Autors geognostischer 
Beschreibung des bayerischen Alpengebirges und seines Vor- 
landes, Gotha, 1861, wurden S. 213 die Bestimmungen der an- 
geführten Versteinerungen aufrecht erhalten. Lässt man von 
den letzteren diejenigen Arten ausser Betracht, welche zu einer 
Vergleichung bestimmter Niveaus deutscher und alpiner Trias- 
Ablagerungen überhaupt nicht geeignet sind, und zwar theils 
wegen ihres Vorkommens in mehreren Schichtengruppen, theils 
weil sie ihr Citat nach des Autors eigener Angabe nur der 
Identificirung deutscher Triasformen mit alpinen verdanken, — 
nämlich: Orbicula diseoides, Lingula tenuissima, Bakewellia 
costata, Myophoria curvirostris (wohl M. curvirostris Goldf. 
== M. elegans Dunk., nicht M. curvirostris Schloth.), Myopho- 
ria Kefersteini, mit welcher die Myophoria pes anseris, ferner 
Area impressa, mit welcher Myacites longus Sch., endlich Myo- 
phoria lineata, mit welcher die Myophoria Struckmanni Stromb. 
zusammengefasst wurde, — so bleiben nur Cardita crenata, 
Myophoria Whateleyae und Nucula sulcellata als Versteinerun- 
gen übrig, welche zu einer Vergleichung des einschliessenden 
Dolomites mit den Raibier Schichten berechtigen würden. Bei 
einer Excursion in die Gegend von Bayreuth, auf welcher der 
Redner Herrn Beyrich begleitete, wurden an der bezeichneten 
Lokalität unter rothen und grünen Mergel- und Sandsteinschie- 
fern zunächst ein gelblichgrüner Sandstein, dann wiederum 
rothe Mergel- und Sandsteinschiefer mit den bekannten Pseudo- 
morphosen nach Steinsalz und mit einer grünen Kalkbank, 
welche zahlreiche undeutliche Zweischaler einscbliesst, ferner 
ein grobkörniger Arkosesandstein und endlich rothe Mergel- 
schiefer als Ablagerungen, welche dem mittleren Keuper ange- 
hören, vorgefunden. Ihnen folgt nach unten der Grenzdolomit 
in der gewöhnlichen petrographischen Beschaffenheit, in wel- 



383 



chem zwar Myophoria Goldfussi Alb. (auf den Abdrücken mit 
den charakteristischen Rippen auf dem Analfelde, welche diese 
Art von der ähnlichen Myophoria costata Zenk. unterscheiden, 
und mit dem Eindrucke der Muskelleiste auf den Steinkerrien), 
wie überall in dem erwähnten Niveau, in grosser Häufigkeit, 
ferner Myophoria intermedia Schaur., Myophoria vulgaris Schl. 
sp., Gervillia costata Sohl, sp., Gervillia, lineata Cred. u. s. w., 
aber keine alpinen Versteinerungen aufgefunden wurden. Da 
nun Myophoria Goldfussi in dem von Herrn Gümbel gegebenen 
Verzeichnisse nicht aufgeführt wird, dieselbe aber an der be- 
zeichneten Stelle in .ausserordentlicher Häufigkeit angetroffen 
wird, so ist es in hohem Grade wahrscheinlich, dass Exem- 
plare dieser Art von dem genannten Autor als Cardita crenata 
und Myophoria Whateleyae gedeutet worden sind. Diese Ver- 
muthung wird fast zur Gewissheit, da in einer späteren Arbeit 
desselben Autors über die geognostischen Verhältnisse des 
fränkischen Triasgebietes in der Bavaria, Bd. 4 Heft XL, 
1865, der oben aufgeführten Versteinerungen nicht mehr Er- 
wähnung geschieht. Da indess auch eine ausdrückliche Zu- 
rücknahme der obigen Bestimmungen nicht erfolgt ist, so schien 
es bei der Wichtigkeit des Gegenstandes angemessen, darauf 
hinzuweisen, dass dieselben in Zukunft zu einem Ausgangs- 
punkte für Vergleichungen bestimmter Schichtencomplexe in 
dem deutschen Keuper mit alpinen Triasablagerungen nicht 
gemacht werden dürfen. 

Hierauf ward die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

G. Rose. Beyrioh. Eck. 



2. Protokoll der Juni - Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 6. Juni 1800. 
Vorsitzender: Herr G. Rose. 

Das Protokoll der Mai -Sitzung wurde verlesen und ge- 
nehmigt. 

Der Gesellschaft ist als Mitglied beigetreten: 



384 



Herr Berginspector Hauchecorne in Berlin, 

vorgeschlagen durch die Herren Beyrich, G. Rose 
und Ewald. 
Für die Bibliothek sind eingegangen: 

A. Als Geschenke: 

K. A. Zittel, die Bivalven der Gosaugebilde in den nord- 
östlichen Alpen. 1. Theil 2. Hälfte. Wien. 1866. - Sep. aus 
den Denkschriften der math.-naturwiss. Klasse der kais. Akad. 
d. Wiss. Bd. 25. 

A. E. Reüss, die Foraminiferen und Ostracoden der Kreide 
am Kanara-See bei Küstendsche. — Sep. aus den Sitzungsbe- 
richten d. kais. Akad. d. Wiss. zu Wien. Bd. 52. 

Delesse, recherches sur Vorigine des roches. Paris. 1865. — 
Geschenk des Verfassers. 

H. Le Hon, histoire complete de la grande eruption du Ve- 
suve de 1631. Bruxelles. 1866. — Geschenk des Verfassers. 

C. W. Gümbel, über das Vorkommen von Eozoon im ost- 
bayerischen Urgebirge. — Sep. aus d. Sitzungsber. d. k. Akad. 
d. Wiss. in München. 1866. I. 1. 

G. Laube, die Bivalven des braunen Jura von Baiin. — 
Sep. aus d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissens, in Wien. 
Bd. 53. 1866. 

G. Laube, die Echinodermen des braunen Jura von Ba- 
iin. — Sep. ebendaher. 

A. Reuss, die Bryozoen, Anthozoen und Spongiarien des 
braunen Jura von Baiin. — Sep. ebendaher. 

W. Staring, over oude meer-oeverbanken op Java. Amster- 
dam. 1866. — Sep. aus d. Mittheil. d. k. Akad. d. Wiss., Abth. 
für Naturkunde, 2. Reihe, Th. 1. 

Berg- und hüttenmännische Zeitung von B. Kerl und F. 
Wimmer. Jahrg. 25. N. 9. 1866. 

B. Im Austausch: 

Bericht über die Thätigkeit der St. Gallischen naturwissen- 
schaftlichen Gesellschaft während des Vereinsjahres 1863 — 64. 
St. Gallen. 1864. 

Mittheilungen der naturforschenden Gesellschaft in Bern 
aus dem Jahre 1865. N. 580—602. Bern. 1866. 

Bulletin de la societe geologique de France. Ser. II. Tome 
XXII. Feuilles 27—36. Tome XXIII. Feuilles 1—12. Paris. 



385 



Actes de la Societe Helvetique des sciences naturelles reunie 
ä Geneue les 21, 22 et 23 aoüt 1865. Adme session. Compte 
rendu 1865. Genece. 

Neue Denkschriften der allgemeinen schweizerischen Ge- 
sellschaft für die gesammten Naturwissenschaften. Bd. 21 od. 
3. Dekade, Bd. I. Zürich. 1865. 

Geschichte der schweizerischen naturforschenden Gesell- 
schaft zur Erinnerung an den Stiftungstag, den 6. October 1815, 
und zur Feier des 50jährigen Jubiläums in Genf am 21., 22. 
und 23. August 1865. Zürich. 1865. 

Annales de la societe d'agriculture, sciences, arts et commerce 
duPuy. Tome XXV. 1862. Tome XXVI. 1863. Le Puy. lgjfi 

Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland. Herausg. 
v. Ermas. Bd. 24 Heft 4. Berlin. 1866. 

Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt von 
A. Peteräaxs. 1866. IV. Gotha. 

Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der preuss. 
Rheinlande und Westphalens. Herausg. v. Andrä. Jahrg. 22. 
3. Folge, 2. Jahrg., 1. u. 2. Hälfte. Bonn 1865. 

The Journal of the royal Irish society. N. 34. Dublin. 1865. 
2 Exemplare. 

Proceedings of the American philosophical society, held at 
Philadelphia. Vol. X. X. 73 u. 74. 1865. 

Transactions of the American philosophical society, held at 
Philadelphia. Vol. XIII. New Series. Part II. Art. VII: on 
the Myriapoda of North America. Philadelphia 1865. 

Ausserdem sind der Gesellschaft im Austauch gegen die 
dreizehn ersten Bände ihrer Zeitschrift von der naturforschen- 
den Gesellschaft zu Hannover zugegangen: 

J. J. Scheuchzer, Kupferbibel, in welcher die Physica 
Sacra oder geheiligte Naturwissenschaft derer in Heil. Schrifft 
vorkommenden natürlichen Sachen deutlich erklärt und bewährt. 
Augspurg und Ulm 1731. 5 Abtheilungen. 

J. G.Ebel, über den Bau der Erde in dem Alpengebirge. 
2 Bände. Zürich. 1808. 

M. Reixecke, Maris protogaei Nautilos et Argonautas. Co- 
burgi. 1818. 

F. Mohs, Versuch einer Elementarmethode zur naturhisto- 
rischen Bestimmung und Erkennung der Fossilien. 1. Theil. 
Wien. 1812. 



386 



O. Volger, Versuch einer Monographie des Borazites. 
Hannover. 1855. 

H. G. Bronn, System der urweltlichen Conchylien. Hei- 
delberg. 1824. 

C. C. Leonhard, J. H. Kopp und C. L. Gärtner, Propä- 
deutik der Mineralogie. 1 Bd. Text und 1 Bd. Atlas. Frank- 
furt a. M. 1817. 

Herr Lasard sprach über die geognostischen Verhältnisse 
Helgolands unter Erwähnung des vorhandenen literarischen 
Materials von Wiebel, Volger, Meyn und Hallier. Die älte- 
ste dieser Arbeiten, die von Wiebel, nimmt noch immer die 
hervorragendste Stelle ein, während in Hallier's „Nordseestu- 
dien" in geognostischer Hinsicht Irrthümer untergelaufen sind, 
welche bereits von Meyn widerlegt worden. Der Redner legte 
fossile, dem Muschelkalk angehörige, bei Gelegenheit seiner 
im Sommer 1864 gemachten, geognostischen Untersuchungen 
Helgolands acquirirte Saurierreste vor. Sie charakterisiren sich 
als Reste von Macrotrachelen, wie selbe im Muschelkalk von 
Jena vorkommen. Die Macrotracheli gehören bekanntlich ebenso 
wie die Brachytracheli zu den Nexipoden. Der vorliegende 
Wirbel ist gut erhalten, vorzüglich aber der Oberarmknochen, 
an welchem das charakteristische Loch deutlich wahrnehmbar 
ist (vergl. H. v. Meyer, die Saurier des Muschelkalks. Frank- 
furt a. M. 1847—1855. S. 52). Obgleich auch noch ein Stück 
vom Beckenknochen und ein Stückchen einer Rippe vorhan- 
den, vermochte der bedeutendste Kenner fossiler Reptilien, H. 
v. Meyer, nicht, mit Sicherheit zu bestimmen, ob diese Reste 
dem Nothosaurus, Conchiosaurus , Pistosaurus , Simosaurus, 
und ob sie einer der benannten oder neuen Species zuzuzählen 
sind. Die in der hiesigen Universitäts-Sammlung befindlichen 
Saurierreste von Helgoland (aus Stücken einer Rippe beste- 
hend), welche Herr Professor Beyrioh dem Vortragenden zur 
Untersuchung zu überlassen die Güte hatte, entstammen im 
Gegensatz zu obigen, an der Witen-Klif gefundenen Resten 
dem anstehenden Gestein von Helgoland, das von Wiebel für 
bunten Sandstein, von Volger für Keuper gehalten wird. Nach 
Mittheilung des letzteren hätte derselbe ähnliche wie die vor- 
liegenden Muschelkalk-Saurierreste vor 20 Jahren auf Helgoland 
gefunden; ausser einer kurzen Notiz in Leonhard und Bronn's 
Jahrbuch, 1848, findet sich keine nähere Angabe darüber vor. 



387 



In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Reste bittet der Redner 
die Helgoland besuchenden Geognosten, ihre Aufmerksamkeit 
denselben zuwenden zu wollen. 

Herr Eck bemerkte hierzu, dass sich ein weiteres Beleg- 
stück für die Existenz des Muschelkalks bei Helgoland in der 
Sammlung des Herrn Dr. Roth befinde, nämlich eine mit Myo- 
phoria orbicularis dicht bedeckte Kalksteinplatte, welche von 
Herrn Roth am Nordhorn aufgelesen wurde und besonders 
deshalb von Interesse ist, weil sie das Vorhandensein eines 
bestimmten Niveaus der genannten Formation , nämlich der 
oberen Abtheilung des unteren Muschelkalks, erweise. 

Herr Sadebeck legte einige Petrefakten vor, welche er 
bei Nemitz unweit Gülzow in Hinterpommern gesammelt hatte. 
Von derselben Lokalität sind Versteinerungen schon von Wessel 
und Herrn Professor Beyrich angeführt worden. Wessel hielt 
das Gestein für anstehend; aus dem jetzigen Aufschluss geht 
jedoch hervor, dass es sich auf secundärer Lagerstätte befindet. 
Der Bruch besteht nämlich aus Kreidemergeln, und nur in der 
Mitte befindet sich ein Block jurassischen Gesteins, unter wel- 
chem jedoch wieder die Kreidemergel aufgeschlossen sind; auch 
an den Wänden des Bruches findet sich keine Spur des Ge- 
steins. Die Hauptmasse dieses Blockes besteht aus einem 
feinkörnigen, oolithischen Kalkstein von schwarzer Farbe, wel- 
cher durch unregelmässig in seiner Masse zerstreute Knollen 
ein sehr charakteristisches Aussehen erhält. Unter diesem Kalk- 
stein befindet sich ein schwarzer Thon, welcher dieselben orga- 
nischen Reste einschliesst. Von Petrefakten wurden folgende, 
für die Altersbestimmung besonders wichtige hervorgehoben : 
Bhynchonella varians Schloth., Pecten Uns Sow., Avicula echi- 
nata Sow. , Astarte Parkinsoni Querst. , Dentalium entaloides 
Desl. , Belemnites Beyrichi Oppel und Ammonites aspidoides 
Oppel, welchen neuerlichst U. Schlökbach zu Ammonites sub- 
radiatus Sow. gestellt hat. 

Vergleicht man diese Arten mit den OpPEL'schen Angaben 
über ihre vertikale Verbreitung in England, Frankreich, der 
Schweiz und der schwäbischen Alp, so stellt sich als ihr Ni- 
veau die Zone der Terebratula lagenalis der Bathformation her- 
aus, und zwar der obere Theil derselben ; es sind also Schich- 
ten, die dem englischen Cornbrash gleichstehen. Nach Quek- 
stedt's Eintheilung sind die Schichten den Dentalienthonen des 



388 



braunen Jura a aequivalent, und im nordwestlichen Deutsch- 
land entsprechen sie der Zone der Ostrea Knorri Seeb. 

Herr G. Rose legte ein Stück Granitit vor, das sich als 
Geschiebe auf der Insel Wollin gefunden hatte und eine grosse 
Aehnlichkeit hat mit dem bei Wiborg am Finnischen Meerbu- 
sen vorkommenden Granitite, der in Petersburg vielfältig zu 
Bauten und Monumenten aller Art benutzt wird. Dieser Gra- 
nitit ist durch seine grossen eingeschlossenen Feldspathkrystalle 
ausgezeichnet, die stets mit einer oft mehrere Linien dicken 
Hülle von grünlichweissem Oligoklas, der mit ihm regelmässig 
verwachsen ist, umgeben sind, woran er leicht wieder zu er- 
kennen ist. Dieser Feldspath findet sich auf eine gleiche Weise 
in dem Geschiebe von Wollin und ebenso auch alle übrigen 
Gemengtheile in gleicher Beschaffenheit. Von allen Geschieben 
der norddeutschen Niederung nimmt man bekanntlich eine Ab- 
stammung aus dem Norden an; es ist aber immer interessant, 
wenn man Geschiebe findet, die mit Gebirgsarten einer ganz 
bestimmten Gegend so viel Aehnlichkeit haben , dass man an 
ihrer Uebereinstimmung nicht zweifeln kann. Der Redner 
machte noch darauf aufmerksam , dass die Geschiebe auf der 
Insel Wollin eine halbe Meile südlich von Misdroi zu langen 
Hügelreihen zusammengehäuft vorkommen, wie dies auch zwi- 
schen Oderberg und Werbellin der Fall ist, und hier wie dort 
wie in einem Steinbruch gewonnen werden. 

Endlich legte Herr Beyrioh einen von Herrn Dr. Küsel im 
Septarienthon von Freienwalde aufgefundenen Carcharodonzahn 
vor. Zähne dieser Gattung waren in gleichalterigen Bildungen 
bisher nur in den Thonen von Boom in Belgien, nie in der 
Umgegend von Berlin gefunden worden, wo überhaupt Fisch- 
reste im Septarienthon (man kennt nur Zähne einiger Arten 
der Gattung Lamna und Notidanus von Hermsdorf) zu den 
Seltenheiten gehören. Nach Herrn Lasard soll diese Zahnform 
in Ablagerungen gleichen Alters auch am Doberge beobachtet 
worden sein. 

Hierauf ward die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

G. Rose. Beyrich. Eck. 



389 



3. Protokoll der Juli - Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 4. Juli 1866. 
Vorsitzender: Herr G. Rose. 

Das Protokoll der Juni- Sitzung wurde verlesen und ge- 
nehmigt. 

Der Gesellschaft ist als Mitglied beigetreten: 

Herr W. Bölsche aus Braunschweig, z. Z. in Göttingen, 
vorgeschlagen durch die Herren Beyrich, v. See- 
bach, Eck. 
Für die Bibliothek sind eingegangen: 

A. Als Geschenke: 
H. Abich, Einleitende Grundzüge der Geologie der Halb- 
insel Kertsch und Timan, nebst Karten und Profilen. St. Pe- 
tersburg. 1865. — Sep. aus den Memoires de Vacademie impe- 
riale des sciences de St. Petersbourg. Ser. VII. Tome IX. N. 4. 

A. Winchell and O. Marcy, Enumeration of fossils collected 
in the Niagara limestone at Chicago, Illinois. Cambridge. 1865. 
— Sep. aus den Memoirs read before the Boston society of na- 
tural history. Vol. I. N. 1. 

A. Winchell, Some indications of a northward transporta- 
tion of drift materials in the lower peninsula of Michigan. — 
Sep. aus dem American Journal of Science and arts. Vol. XL. 
Nov. 1865. 

A. Winchell, Descriptions of new species of fossils, from 
the Marshall Group of Michigan, and its supposed equivalent, in 
other States. — Sep. aus dem Journal of natural sciences of 
Philadelphia. 

J. Marcou, Le Niagara quinze ans apres. — Sep. aus dem 
Bulletin de la societe geologique de France. Ser. II. Tome XXII. 
pag. 190. 

J. Marcou, Notice sur les gisements des lentilles trilobiti- 
feres taconiques de la Pointe-Levis, au Canada. — Sep. aus dem 
Bulletin de la societe geol. de France. Ser. II. t. XXI p. 236. 

J. Marcou, Une reconnaissance geologique au Nebraska. — 
Sep. aus dem Bull. d. I. soc. geol. de France. Ser. II t. XXI. 
p. 132. 

J. Marcou, Letter to M. Joachim Barrande, on the Taco- 
nic rocks of Vermont and Canada. Cambridge. 1862. 



390 



J. Marcou, Observations on the terms „Peneen", „Permian" 
and „Dyas". — Sep. aus den Proceedings of the Boston Soc. 
of Nat. hist. Vol. IX. Febr. 1862. 

J. Marcou, Notes on the cretaceous and carboniferous rocks 
of Texas. — Sep. aus den Proceed. of the Boston Soc. of Nat. 
Hist. Vol. VIII. Jan, 1861. 

H. Wolf, Bericht über die Wasserverhältnisse der Um- 
gebung der Stadt Teplitz zum Zwecke einer entsprechenden 
Wasserversorgung von Teplitz. — Sep. aus dem Jahrb. d. k. 
k. geol. Reichsanst. Bd. XV. 1865. S. 403. 

H. Wolf, Barometrische Höhenmessungen in der Dobrud- 
scha, ausgeführt durch Herrn Professor Dr. K. Peters im 
Sommer 1864, berechnet durch H. Wolf. — Sep. aus dem 
Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. Bd. 15. 1865. Heft 4. 

Catalogo di MbH sui vulcani e tremuoti vendibili in Napoli, 
presso Alberto Detken. Napoli. 1866. 
B. Im Austausch: 

Jahrbuch des naturhistorischen Landesmuseums von Kärn- 
then. Heft 7. 18f4. 

Jahresbericht der naturforschenden Gesellschaft Graubün- 
dens. Neue Folge. 8. u. 9. Jahrg. Chur. 1863 und 1864. 

Archiv es Neerlandaises des sciences exactes et naturelles. 
Red. par v. Baumhauer. Tome I. Livr. 1 et 2. La Haye 1866. 

Zweiter Jahresbericht des Vereines der Aerzte in Steier- 
mark. 18f4. Graz. 1866. 

The quarterly Journal of the geological society. Vol. XXII. 
Part. 2. May 1866. N. 86. London. 

Verhandlungen und Mittheilungen des Siebenbürgischen 
Vereins für Naturwissenschaften zu Hermannstadt. Jahrg. XVI. 
1865. 

Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt. Jahrg. 1865. 
Bd. 15. N. 4. Jahrg. 1866. Bd. 16. N. 1. Wien. 

Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanstalt. Sitzung am 
15. Mai 1866. 

Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie cier Wissen- 
schaften zu München. 1866. I. Heft I. u. II. 

Verhandlungen des naturhistorischen Vereins in Carlsruhe. 
Heft 1. 1864. Heft 2. 1866. 

Annales des mines. Sixieme Serie. Tome VIII. et IX. 1866. 
Paris. 



391 



Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften. 
Math.-naturwiss. Klasse. Abth. I. Bd. 51 Heft 3, 4, 5. Bd. 52 
Heft 1 u. 2. Abth. II. Bd. 52 Heft 1 bis 5. Wien. 1865. 

Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland. Her- 
an sg. von Erman. Bd. 25 Heft 1. Berlin. 1866. 

Ausserdem wurde vorgelegt: Zeitschrift der deutschen geo- 
logischen Gesellschaft. Bd. 18 Heft 1. Berlin. 1866. In 3 Exem- 
plaren. 

Der Gesellschaft war ferner mit den Sitzungsberichten der 
kais. Akademie der Wissenschaften in Wien zugesendet worden 
die von Frau Elisabeth Freiin v. Baumgartner , den Herren 
Franz Baumgartner und Andreas Baumgartner und Frau Fran- 
ziska Otto unterzeichnete Anzeige von dem am 30. Juli 1865 
erfolgten Ableben des Herrn Andreas Freiherrn v. Baumgart- 
ner, Dr. der Philosophie an den Universitäten zu Wien und 
Prag u. s. w. 

Herr Beyrich gab Mittheilung von einem Briefe des Herrn 
Gumbel, worin derselbe, veranlasst durch den Aufsatz des Herrn 
Laspetres im 4. Hefte der Zeitschrift von 1865, über von ihm 
beobachtete Vorkommen hohler Geschiebe in Bayern berichtet. 
Die Ansicht des Herrn Gümbel, dass die breccienartigen Rauch- 
wacken. welche in den Alpen über einer Gypsbildung an der 
Basis des Hauptdolomits verbreitet vorkommen , analogen Ur- 
sachen ihre Entstehung verdanken, wie die hohlen Geschiebe 
in den diluvialen und tertiären Conglomeraten, gab dem Vor- 
tragenden Veranlassung, seine Beobachtungen über das Vor- 
kommen gleichartiger breccienartiger Rauchwacken in der 
Zechsteinformation am südlichen Harzrande mitzutheilen. In 
der Gegend von Nordhausen, Ellrich und Walkenried, wo ein 
regelmässig geschichteter, versteinerungsreicher Dolomit oder 
dolomitischer Kalkstein den dort nur theilweise in Gyps ver- 
wandelten Anhydritmassen aufliegt, zeigen sich die breccien- 
artigen Rauchwacken überall an der Grenze des Anhydrits oder 
Gypses und des Dolomits. Eckige Bruchstücke des Dolomits 
sind durch ein kalkiges Bindemittel verbunden; sie lockern sich 
auf zu Dolomitsand, der nachher herausfällt, so dass die eigen- 
thümlich luckigen Gesteine zurückbleiben, welche kein Dolo- 
mit sind. Augenscheinlich ist hier die Aufblähung des Ge- 
steins bei der Veränderung des Anhydrits in Gyps zunächst 
die Ursache der Zertrümmerung der unmittelbar aufliegenden 



392 



Dolomitschichten gewesen; der die später verschwindenden 
Dolomittrümmer cementirende Kalk ist, wie auch Herr Gümbel 
bei den ähnlichen Erscheinungen annimmt, ein Sintergebilde, 
für welches die das aufliegende dolomitische Gestein durch- 
sickernden und theilweise auflösenden Gewässer das Mate- 
rial lieferten. Näher dem Harzrande finden sich Stellen , wo 
breccienartige Rauchwacken, ohne von Gypsen begleitet zu 
sein, unmittelbar auf Gliedern der unteren Zechsteinformation 
(Zechstein, Kupferschiefer, Weissliegendes) aufliegen; ihre Er- 
scheinung an solchen Stellen kann überall als ein Beweis gel- 
ten, dass die auch hier ohne Zweifel früher vorhanden gewe- 
senen Gypse und Anhydrite durch lange dauernde Erosionen 
vollständig verschwunden sind. 

Herr Wedding sprach über eine von de Cizäncourt auf- 
gestellte, durch viele wissenschaftliche und technische Journale 
unbeanstandet gegangene Theorie, nach welcher es zwei allo- 
tropische Zustände des Eisens, gewissermaassen zwei Metalle, 
geben solle, deren eines, als Ferrosum bezeichnet, das Metall 
der oxydulischen Erze, das andere, als Ferricum bezeichnet, 
das Metall der oxydischen Erze sei. Das erstere ist hiernach 
sehr zu Kohlenstoff verwandt, daher geneigt, Spiegeleisen zu 
geben. Das daraus hergestellte Schmiedeeisen lässt sich leicht 
in Stahl überführen. Das Ferricum verbindet sich nur bei ho- 
hen Temperaturgraden mit Kohlenstoff, den es bei langsamem 
Erkalten als Graphit ausscheidet, ist die Grundlage des grauen 
Roheisens und liefert weiches, schwer in Stahl überzuführendes 
Schmiedeeisen. Der Stahl ist eine Vereinigung beider allo- 
tropischen Eisenarten. — Abgesehen von der Unnahbarkeit 
dieser Theorie und der daran geknüpften Folgerungen in wissen- 
schaftlich-chemischer Beziehung, sprechen auch zahlreiche Bei- 
spiele aus der Praxis für deren Fehlerhaftigkeit. Es müsste 
das aus Rotheisensteinen erzeugte Roheisen ungeeignet zur 
Stahlfabrikation sein. Gerade die englische Puddelstahl- und 
Feinkorneisenindustrie ist beinahe ganz auf ein solches Roh- 
eisen angewiesen. Während in England im Allgemeinen die 
Sphärosiderite, also oxydulische Erze, als Grundlage der Erzeu- 
gung sehnigen Eisens dienen, verwendet man das aus den 
Cumberländer Hämatiten dargestellte Roheisen zu Feinkorn- 
und Puddelstahl und zum Bessemerprozess und führt es selbst 
oder die Erze zu diesen Zwecken an vielen Orten Englands 



393 



ein. Es erklärt sich dies aus den allgemein bekannten Eigen- 
schaften, welche ein Roheisen geeignet zur Stahlfabrikation 
machen, und unter denen in erster Reihe die Reinheit von Phos- 
phor steht. In Schlesien verwendet man zur Puddelstahl-Dar- 
stellung stets graues Roheisen, weil es dünnflüssig einschmilzt, 
obwohl es doch Ferricum enthalten müsste, auch grösstentheils 
aus dem oxydischen Brauneisenerz erzeugt ist. Ebenso kann 
man daselbst aus demselben Erz bei hinreichendem Mangan- 
gehalt, auf den es also wesentlich ankommt, Spiegeleisen er- 
zeugen. Es wurden von dem Vortragenden noch zahlreiche 
andere Beispiele aus der Praxis angeführt, die de Cizancoürt's 
Theorie als durchaus hinfällig erscheinen lassen, namentlich 
auch noch, dass es ganz gleichgültig sei, ob ein Stabeisen, 
welches in Cementstahl umgewandelt werden solle, aus Eisen- 
oxyd oder eisenoxydhaltigem Erz oder dem beides enthalten- 
den Magneteisenstein erzeugt sei, wenn es nur sonst die nö- 
thigen Eigenschaften, namentlich Reinheit, zeige. 

Herr Rakmelsberg bemerkt hierzu, dass de Cizancourt's 
Ansicht in chemisch-wissenschaftlicher Beziehung so unhaltbar 
sei, dass ihr eigentlich zu viel Ehre geschehe, wenn man sie 
als Theorie bezeichne. 

Herr Rammelsberg sprach dann zunächst über die che- 
mische Constitution der Carlsbader Feldspathzwillinge. In einer 
Abhandlung in der berg- und hüttenmännischen Zeitung hatte 
Herr Breithaupt das specifische Gewicht derselben zu 2,6091 
bis 2,6098, die chemische Zusammensetzung nach Herrn H. 
Rössler in folgender Weise: 



angegeben und dieselben in Folge des vom Orthoklas abwei- 
chenden specifischen Gewichts und der abweichenden chemi- 



Thonerde 
Eisenoxyd 
Natron . 
Kali . . 
Kalkerde 
Magnesia 
Baryterde 
Wasser . 



Kieselsäure 




99,94 



Zeits. d. d. geol. Ges. XVIII. 3. 



26 



394 



sehen Zusammensetzung zu einem neuen Minerale erhoben, wel- 
ches er mit dem Namen Cottait belegte. Von älteren Analy- 
sen liegt nur eine von Titow ausgeführte, unbrauchbare vor. 
Die Untersuchungen des Redners haben indessen das speeifi- 
sche Gewicht der Carlsbader Zwillinge zu 2,573 und die che- 
mische Zusammensetzung in folgender Weise ergeben : 

Sauerstoff. 

Kieselsäure 63,02 33,61 33,61 = 11,8 

Thonerde . 18,28 8,55 8,55 =± 3 
Kali. . . 15,67 2,66 



Natron . . 2,41 0,62, 
Baryterde . 0,48 0,05 [ ö ^ ~ 
Magnesia 0,14 0,06 J 
100,00. 

Andere Krystalle von röthlichem Ansehen besassen ein 
speeifisches Gewicht von 2,55 und enthielten nach einer von 
Herrn C. Bulk in dem Laboratorium des Redners ausgeführ- 
ten Analyse: 

Sauerstoff. 
Kieselsäure 65,23 34,8 12,1 
Thonerde . 18,26 8,54 1 

Eisenoxyd . 0,27 0,08/ 
Kali . . . 14,66 2,49 1 

Natron . . 1,45 0,38/ 
Kalkerde . Spuren 
99,87. 

Die Krystalle besitzen daher die gewöhnlichen Eigenschaf- 
ten des Orthoklases; der Name Cottait erweist sich als über- 
flüssig. 

Der Redner berichtete ferner über einige Mineralproducte, 
welche Herr Alexis Julien in einer Arbeit: on Metabrushite, 
Zeugite, Ornithite and other minerals of the Key of Sombrero 
in dem American Journal of Science and Arts, Vol. XL, 1865. 
beschrieben hat. Sombrero, der Rest einer Koralleninsel, in 
18° 36' nördl. Breite und 63° 27' westl. Länge gelegen, 
15 — 40 Fuss hoch, mit 95 Acres Oberfläche, ist in neuerer 
Zeit durch den Guano bekannt geworden, welcher in Adern 
im Kalkstein der Insel lagert. Der Kalkstein ist in beträcht- 
lichem Grade in Kalkphosphat verwandelt, indem lösliche Phos- 



395 



phate die Guanobedeckung durchdrangen. Erzeugnisse dieser 
Einwirkungen sind der 

Brushit, derb, weiss, glasglänzend, durchscheinend, mit 
unebenem Bruch; Härte 2,76; spec. Gew. 2,95 — 3,0; giebt 
beim Erhitzen Wasser, welches von der Phosphorsäure sauer 
reagirt, glüht mit grünem Licht, schmilzt mit Anschwellen zu 
einer kristallinischen Masse, löst sich leicht in Säuren. Der- 
selbe besteht aus 

Phosphorsäure 39,95 
Kalkerde . . 32,11 
Thonerde ^ ^ 
Eisenoxyd j ' 
Schwefelsäure 0,78 
Wasser . . 25,95 
99,12. 

Von dem Wasser gehen 20 pCt. bei 240 Grad, der Rest durch 
Glühen fort. Das Mineral hat daher die 

alte Formel Ca 2 P + H -f 4 aq. 
neue Formel H 1 

Ca O 3 + 2aq. 

PO I 

Dasselbe kommt nach Pless in nadeiförmigen Krystallen im 
Centraigewebe von Tectonia grandis vor und ist von Boedeker 
künstlich dargestellt worden. 

Metabrushit; nach Dana 2 -f- 1 gliedrig , klinodiagonal 
leicht spaltbar; die Krystalle sollen mit dem krystallisirten 
Brushit von Aves Island (Moore in Americ. Journ. 2. Ser. 39 
bis 43) nahe übereinstimmen und gleichen dem Gyps. Sie sind 
oft von beträchtlicher Grösse, die Flächen uneben und matt. 
Spec. Gew. 2,288 — 2,362. Gelblichweiss ; verhält sich che- 
misch wie Brushit, von dem er sich dadurch unterscheidet, dass 
er (nach der älteren Formel) 1 At. Wasser weniger enthält. 

Aeltere Formel: Ca 2 P -)- H + 3 aq. 
Neuere Formel: /H 1 \ 

2 I Ca l O 3 I + 3aq. 

26* 



396 



Gefunden wurden: 



Phosphorsäure 


.... 


41,84 






32,95 






5,28 






15,83 J 


Phosphorsaure 


f Thonerde 


f 1,05 


[ Eisenoxyd 


Phosphorsaure 


Magnesia . 


1,15 


Schwefelsaurer 


Kalk . . 


0,07 


Organische Substanz . . 


0,72 


Feuchtigkeit 




1,49 



Die künstliche Verbindung ist von Berzelius und Ralwsky 
beschrieben. 

Zeugit nennt der Verfasser eine Pseudomorphose von 
Metabrushit. Spec. Gew. 2,971. Schmilzt nicht vor dem Löth- 
rohr, giebt nur wenig Wasser. Besteht nach dem Mittel der 
Analysen aus 

Phosphorsäure . . . . 46,55 

Kalkerde 44,21 

Magnesia 3,59 

Thonerde, Eisenoxyd . . 0,66 

Schwefelsäure 0,19 

Kohlensäure 0,24 

Chlornatrium . . . .. . 1,08 

Wasser, organische Substanz 3,02. 

Nach Abzug von 



CaS+2aq. 


= 0,49 


CaC 


=" 0,54 


Mg 3 P 


& 7,86 


AI \ ,: 






= 1,10 


NaCl 


= 1,08 



bleiben 

Sauerstolf. 

Phosphorsäure 42,28 = 47,5 26,76 5 15 

Kalkerde . . 43,78 = 49,2 14,06 2,63 7,89 

Wasser . . . 2,98 = 3,3 2,93 0,5 1,5. 
89,00 100,0. 



397 



Der Verfasser erklärt die Substanz für Ca 8 P s . Sie muss 
aber Wasser enthalten und ist daher 

ältere Formel 2Ca 3 P + HCa 2 P 
neuere Formel H 

Ca 4 \ 0\ 

3PO ) 

Sie ist daher gleichsam eine Verbindung von Brushit und 
dem unten zu beschreibenden Ornithit. Berzelius hat gezeigt, 
dass man diese Verbindung, die er früher schon aus Knochen- 
asche erhielt, durch Eintröpfeln von CaCl 2 in ein überschüssi- 
ges Gemisch von reinem und phosphorsaurem Ammoniak er- 
hält (Ann. d. Chem. u. Pharm. 53. p. 286), bis nur etwa die 

Hälfte der Phosphorsäure gefällt ist; später fällt Ca 3 P. 

Ornithit, in kleinen gypsähnlichen Krystallen in Höhlun- 
gen des Madreporenkalks, klinodiagonal vollkommen spaltbar, 
weiss, giebt beim Erhitzen Wasser, ist vor dem Löthrohr un- 
schmelzbar. Besteht aus 

Phosphorsäure 40,14 

Kalkerde . . 45,77 

Thonerde | 

Eisenoxyd j ' 4 ' 62 

Wasser . . . 9,45. 

Der Verfasser erklärt die Krystalle für Ca 3 P + 2 aq. 
d. h. für Ca 3 l a , rt 

2PO ( 0*+2aq. 

4 pCt. Wasser gingen bei 250 Grad fort, der Rest beim Glühen. 

Der Redner theilte ferner das Resultat einer chemischen 
Untersuchung von einem th eilweise angeschliffenen Gesteins- 
stück, welches Herr Hunt an Herrn Ehrenberg mit der 
Bezeichnung Eozoon canadense gesendet hatte, mit. Das die 
Hauptmasse, bildende weisse Mineral ist weisser Augit 
(Diopsit), aus 52,54 pCt. Kieselsäure, 24,64 Kalk, 19,85 Ma- 
gnesia, 3,06 Eisenoxydul und Thonerde bestehend. Der Augit 
enthält kleine Mengen Kalkspath und weisse oder gelbliche, 
sechsseitige Glimmerblättchen. Er ist mit einem dunkelgrünen 
Mineral verwachsen, welches Serpentin zu sein scheint und 
z. Th. parallelfaserige Lagen (Chrysotil) enthält. 

Herr G. Rose legte mehrere Eisenglanzkrystalle vor, die 



398 



Herr vom Rath in Bonn in einer sich unregelmässig ver- 
ästelnden Spalte des grossen Eiterkopfes, eines der vielen in 
der Nähe von Andernach befindlichen Schlackenkegel, gesammelt 
hatte,*) wobei er die interessante Beobachtung gemacht hatte, 
dass die Krystalle des Eisenglanzes fast sämmtlich mit einzel- 
nen kleinen gelben Kryställehen besetzt waren, welche er bei 
näherer Untersuchung als Augit erkannt hat. Ungeachtet 
ihrer Kleinheit konnte er doch ihre Winkel mit dem Re- 
flexionsgoniometer messen , und einige Löthrohrversuche be- 
stätigten das Resultat der Messung. Die Augitkrystalle sind 
so mit dem Eisenglanz verbunden, dass man für beide eine 
gleichartige Entstehung annehmen muss , und da es jetzt kei- 
nem Zweifel unterworfen ist, dass sich die Eisen glanzkrystalle 
durch Sublimation und spätere Oxydation von Eisenchlorid ge- 
bildet haben, so muss der Augit ebenfalls durch Sublimation 
und Oxydation von Chlorverbindungen entstanden sein. 

Schon früher hatte Scacchi behauptet, dass viele schön 
krystallisirte Silikate, wie Melanit, Sodalith, Hornblende, Feld- 
spath , Glimmer u. s. w. , die in den Spalten der Laven des 
Vesuvs vorkommen, durch Sublimation gebildet wären, weil 
sie ganz verschieden sind von den Krystallen, die in der Masse 
der Laven zu erkennen sind. Da indessen für diese Silikate 
noch andere Bildungsweisen möglich sein konnten, so war der 
von Scacchi angegebene Grund für seine Behauptung nicht 
überzeugend genug, um sie unbedingt anzunehmen, daher man 
auch noch vielfältig Zweifel hegte, ob jene Silikate auf die 
angegebene Weise entstanden wären und überhaupt so entste- 
hen könnten. Diese Zweifel sind nun durch die Beobachtung 
von vom Rath gehoben; es ist dadurch bewiesen, dass ein 
Silikat wie der Augit durch ähnliche Sublimation wie der 
Eisenglanz gebildet werden kann, und es ist daher anzuneh- 
men , dass die von Scacchi beobachteten Silikate ebenso ge- 
bildet sind. 

Solche neu gebildete Augitkrystalle finden sich aber nicht 
bloss auf den Eisenglanzkrystallen in der Fumarolenspalte, sie 
finden sich auch auf den 2 bis 3 Linien grossen, schwarzen 
Augitkrystallen, die in der zwischen den Schlacken neben der 



*) Die Spalte war durch einen in dem Schlackenkegel angelegten 
Steinbruch siebtbar geworden. 



399 



Fumarolenspalte befindlichen Asche vorkommen, die ebenso wie 
die Spalte selbst von den Fumarolendämpfen durchzogen wer- 
den konnte. Sie sind mit kleinen, gelben Augitkrystallen, die 
in paralleler Stellung aufsitzen bedeckt, und auf eine ganz 
ähnliche Weise kommen auch andere schwarze Hornblende- 
krystalle in der Asche ebenfalls mit kleinen, gelben, neugebil- 
deten Hornblendekry ställchen bedeckt vor. Herr vom Rath 
hatte auch von diesen Augit- und Hornblendekrystallen Proben 
eingeschickt, die vorgelegt wurden. 

Diese Krystalle erklären nun, wie Herr G. Rose bemerkte, 
andere Fälle, die lange bekannt waren. Auf den Feldern vom 
Wolfsberge bei Czernozin finden sich Hornblendekrystalle, 1 bis 
2 Zoll gross und von schwarzer Farbe, die mit einer Menge 
kleiner, dicht neben einander stehender, braunrother, prismati- 
scher Krystalle von Hornblende umgeben sind, die sie in pa- 
ralleler Stellung bedecken. Da die Hornblende sehr vollkom- 
men spaltbar ist, die grossen Krystalle an manchen Stellen 
bestossen sind, so kann man sich leicht von dem Parallelis- 
mus der Spaltungsflächen des darunter liegenden Krystalls mit 
den Seitenflächen der vielen bedeckenden, kleinen Krystalle 
überzeugen. Diese Hornblendekrystalle befinden sich nicht mehr 
auf der ( ursprünglichen Lagerstätte, offenbar sind aber die be- 
deckenden kleinen Hornblendekrystalle auf eine ähnliche Art 
gebildet wie bei den von vom Rath beobachteten Augit- und 
Hornblendekrystallen in der Asche des grossen Eiterkopfes. 
Auch die Hornblendekrystalle des Wolfsberges wurden vorgelegt. 

Herr Tamnau machte schliesslich der Gesellschaft die Mit- 
theilung, dass die grössten, bisher beobachteten Bleiglanzkry- 
stalle, deren Hexaederkanten die Länge von 6 bis 8 Zoll 
erreichen, und welche auf der Grube Bleialf in der Eifel vorge- 
kommen sind, sich im Besitz der hiesigen Diskontogesellschaft 
befinden. 

Hierauf ward die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

G. Rose. Beyrich. Eck. 



400 



B. Briefliche Mittheilungen. 

1. Herr Arlt an Herrn Beyrich. 

Saarbrücken, den 31. Juli 1866. 

Die beifolgende Sammlung von Muschelkalkpetrefakten 
habe ich während meines Aufenthaltes in Bischmisheim, etwa 
eine Meile südöstlich von Saarbrücken, zusammengebracht. 
Da ich nicht weiss, ob Ihnen diese Lokalität aus eigener An- 
schauung bekannt sein mag, so erlaube ich mir, hieran fol- 
gende Bemerkungen zu knüpfen. 

Das Saarbrücker Steinkohlengebirge ist im Süden und 
Westen von dem bunten Sandstein bedeckt, auf welchen, jedoch 
in geringerer oberflächlicher Ausdehnung der Muschelkalk folgt. 
Das Saarthal ist südlich von Saarbrücken tief in den bunten 
Sandstein eingeschnitten, so dass man den Muschelkalk erst 
auf der Höhe der Ausläufer des lothringer Plateaus antrifft. 
Dies ist auch die Lagerung bei Bischmisheim. Die Nähe der 
Stadt Saarbrücken und die industriellen Werke des Saarthaies 
mit_ ihrem grossen Kalkbedarf haben zu einem ziemlich be- 
deutenden Kalksteinbruchbetriebe Veranlassung gegeben. Diese 
Kalksteinbrüche befinden sich sämmtlich im oberen Muschel- 
kalke, wie sich aus folgendem Verzeichniss der von mir dort 
gefundenen Versteinerungen ergiebt. Es fanden sich: Gervillia 
socialis, Pecten discites, Lima striata, Myophoria laevigata (?), 
M. simplex, M. elegans (?), Terebratula vulgaris, Natica grega- 
ria, Chemnitzia scalata (?), Dentalium laeve, Encrinus liliiformis, 
Ceratites nodosus, Bhyncholithus avirostris, Zähne und Knochen. 
Die Versteinerungen weichen in ihrem Vorkommen und ihrer 
sehalenlosen Erhaltung von den gewöhnlichen des nördlichen 
Deutschlands durchaus nicht ab, und nur die Terebratula vul- 
garis hat zu eifrigerem Sammeln und zu einigen Bemerkungen 
Veranlassung gegeben. 

Die Schichten des oberen Muschelkalkes, soweit sie durch 
den Steinbruchsbetrieb aufgeschlossen sind, bestehen aus einem 



401 



Wechsel von versteinerungsreichen und versteinerungsarmen 
oder versteinerungsleeren Schichten. Die unterste bemerkens- 
werthe Schicht ist die untere Terebratelbank, die ihren Namen 
mit vollem Rechte führt, da sie ganz aus Steinkernen der Te- 
rebratula vulgaris besteht. Weiter oben folgt die grosse Encri- 
nitenbank, welche fast ausschliesslich aus den Stielgliedern des 
Encrinus liliiformis zusammengesetzt ist. Endlich folgt noch 
höher hinauf die obere Terebratelbank, welche für die vorlie- 
gende Sammlung von Terebrateln das Material geliefert hat. 
Diese Bank zeichnet sich durch das massenhafte Vorkommen 
von Feuersteinknollen aus. Dieser grosse Reichthum der Schicht 
an Kieselsäure und die Erhaltung der Terebratel schalen ver- 
anlasste mich, zu untersuchen, ob nicht auch das Brachialge- 
rüst erhalten sein sollte. Bei der Behandlung mit Chlorwasser- 
stoffsäure lösten sich bei einigen die Schalen auf, viele wurden 
aber dadurch nicht angegriffen. Die Terebratula vulgaris kommt 
in schönen, grossen Exemplaren vor, doch sind gerade sie zum 
Präpariren der Brachialgerüste wenig geeignet, weil die Lös- 
lichkeit dieser zarten Theile und der Ausfüllungsmasse in Chlor- 
wasserstoffsäure bei beiden ungefähr gleich ist. Dagegen stell- 
ten sich nach mehrfachen Versuchen die Exemplare einer ganz 
dünnen Schicht der oberen Terebratelbank als recht brauchbar 
heraus. Diese Schicht, die ich anstehend nicht habe finden 
können, ist ausgezeichnet durch kleine Stylolithenbildungen von 
bis 1 Zoll Höhe , welche meist durch die Terebrateln her- 
vorgebracht sind. Hier sind die Terebrateln klein, doch löst 
sich ihre Ausfüllungsmasse in Chlorwasserstoffsäure leichter als 
die Brachialgerüste; diese sind in dieser Säure aber auch kei- 
neswegs unlöslich, sondern sie erhalten sich nur so lange, als 
noch Ausfüllungsmasse zum Auflösen vorhanden ist. Deshalb 
darf man die Behandlung mit Salzsäure nicht bis zum Ver- 
schwinden der Ausfüllungsmasse fortsetzen. Da die letztere 
auch noch unlösliche Theile enthält, so besteht das Verfahren 
in abwechselnder Behandlung mit ziemlich concentrirter Chlor- 
wasserstoffsäure und vorsichtigem Abspülen der unlöslichen 
Theile mit Wasser. Auf solche Weise ist es mir geglückt, das 
Brachialgerüst, so weit es erhalten ist, in vielen Exemplaren 
zu präpariren; leider habe ich aber auch die Erfahrung be- 
stätigt gefunden, dass die Schleife nur in sehr seltenen Fällen 
vollständig erhalten ist. Ich habe bisher nur in einem einzigen 



402 



Exemplare, und zwar in dem kleinsten von allen, eine ge- 
schlossene Schleife gesehen, und auch diese brach leider beim 
Aufkleben ab. Diese grosse Zerbrechlichkeit des Gerüstes 
nach dem Ableben des Thieres muss wohl der Grund sein, 
weshalb dieses so selten vollständig erhalten ist. Die Präpa- 
rate zeigen den gestreckten Theil des Gerüstes bis hinter die 
Schenkel, in einigen Fällen sogar bis zum Anfange der Um- 
biegung, wodurch dieselben scheinbar an ihren Enden einen 
ganz feinen Haken erhalten. Wenn ich die Abbildung der 
Waldheimia australis in Wood ward's Manual of the Mollusca 
p. 216 zum Vergleich nehme, so ist bei der Terebratula vulga- 
ris die Entfernung vom Schloss zu den Schenkeln etwas län- 
ger, das Stück von da bis zur Umbiegung der Schleife bedeu- 
tend kürzer im Vergleich zur Grösse der kleinen Klappe. In 
Betren der Schlosstheile kann ich auf die Schilderung des 
Herrn v. Seebach in der Zeitschrift der deutschen geologischen 
Gesellschaft Bd. XIII. verweisen , obgleich ich nach der dort 
gegebenen Abbildung nicht glaube, dass seine Exemplare so 
deutlich waren wie die vorliegenden Präparate. 



2. Herr Weiss an Herrn Bevrich. 

Saarbrücken, den 31. Juli 1866. 

In Folgendem will ich , kurz referiren , wie weit ich 
mit der Bearbeitung des Saar -Rheinbeckens bin. Ich meine 
dabei nur diejenigen Schichten, welche noch Kohlen und orga- 
nische Reste führen, die sich an die Steinkohlenformation an- 
schliessen, theils auch ihr unmittelbar folgen. Letztere sind 
das untere Rothliegende, wobei man nicht leugnen kann, dass 
der GüMBEL'sche neu erfundene Ausdruck „Ueberkohlengebirge" 
ein recht passender wäre; nur müsste man ihn eben als gleich- 
bedeutend mit „unteres Rothliegendes" aulfassen, nicht aber, 
wie Gümbel will, darunter etwas Besonderes, eine neue For- 
mation zwischen Steinkohlenformation und unterem Rothliegen- 
den verstehen; auch die Abgrenzung des Begriffs müsste eine 
andere sein. 

Was nun diese Schichten betrifft, soweit sie bei uns auf- 
treten, so finde ich auch nach den neuesten Excursionen, welche 



403 



recht ergiebig waren, im Allgemeinen meine vorjährige Unter- 
scheidung von vier Zonen bestätigt. Ohne auf die Einzelhei- 
ten einzugehen, die natürlich noch manche Arbeit vor ihrer 
ganz genügenden Aufklärung erfordern r muss ich doch erwäh- 
nen , dass namentlich die Verbreitung von Acanthodes - und 
Xenacanthus-Resten, welche mir jetzt sehr viel vollständiger 
bekannt geworden sind, von theoretischer Wichtigkeit erscheint. 
Sie finden sich mit andern Dingen (Anthracosien, anderen Fisch- 
resten, Pflanzen, auch Estherien) unmittelbar über einem Koh- 
lenflötzchen, welches in der Pfalz grosse Verbreitung hat. Dass 
dieser Umstand noch allgemeinere Bedeutung hat, glaube ich 
ebenfalls gefunden zu haben. Bei Wettin nämlich sind eben- 
falls Reste vorgekommen, die offenbar mit den unsrigen iden- 
tisch sind. Germar bildet, nur unter anderem Namen, Acan- 
thodes-Stacheln ab (Taf. 29 Fig. 4), und, wie ich sicher glaube, 
auch ein Stück eines Xenacanthus- Stachels mit seinen zwei 
Reihen Widerhaken (a. a. O. Fig. 8); es scheint auch wenig- 
stens einer der abgebildeten Zähne auf letzteren Fisch bezogen 
werden zu müssen, dessen Gebiss bekanntlich noch nicht be- 
kannt ist, da die GoLDFUSs'sche Abbildung nach nicht genü- 
gendem Reste geliefert ist und der Fisch zweierlei Zähne 
hat. Andere Zähne von Wettin dürften vielleicht mit solchen 
identisch sein, die ich kürzlich aufgefunden habe. 

Füge ich noch hinzu, dass auch die Flora unserer Schichten 
gewisse auffallende Eigenthümlichkeiten mit jener von Wettin 
besitzt, dass namentlich dahin das Vorkommen von Pecopteris 
elegans, truncata, Bredovii, Diplazites longifolia, welche z. Th. 
ausser Wettin noch nirgend bekannt waren, gehört, auch das 
Vorkommen von Walchia piriformis , und zwar die genannten 
fünf Formen bei uns in den „Ottweiler Schichten", welche ich 
noch zur Steinkohlenformation ziehe, — so kann ich wohl mit 
Grund die Ueberzeugung laut werden lassen, dass das Wettiner 
Auftreten von Kohle-führenden Schichten die nächste Ver- 
wandtschaft mit dem in unserm Saar-Rheinbecken habe, dass 
mithin auch dort, bei Wettin, Schichten vorkom- 
men müssen, welche zum unteren Rothliegenden oder 
Ueberk o hlengebirge gehören. Leider weiss man nicht 
viel über die vertikale Verbreitung der organischen Reste von 
Wettin. Bei uns treten Acanthodes, Xenacanthus u. s, w. ent- 



404 



schieden höher auf als die Schichten mit den obigen Pflanzen- 
formen. 

Die Flora unseres Schichtencomplexes habe ich soweit be- 
arbeitet, als nicht entschieden neue oder doch bei dem mir 
zugänglichen literarischen Hülfsmaterial unbestimmbare Formen 
vorliegen, und soweit das bis jetzt Vorhandene reicht. Es ist 
nicht zu leugnen, dass die oberen Abtheilungen, besonders die 
Lebacher Schichten manches Eigenthümliche zeigen, aber ebenso 
wenig, dass sie Manches mit den tieferen Lagen gemein ha- 
ben. Allmälig nimmt ja aber die Zahl der identischen Species 
in beiden Formationen, der Steinkohlenformation und dem un- 
tern Rothliegenden , zu , wie die neuste Arbeit von Göppert 
noch beweist; — kein Wunder also, wenn bei uns noch einige 
Arten gefunden werden, welche früher nur unten, nicht oben 
bekannt waren. Ist doch auch das Umgekehrte mehrfach der 
Fall, dass gewisse aus dem Rothliegenden beschriebene Arten 
hier tiefer auftreten! 



3. Herr Weiss an Herrn Beyrich. 

Saarbrücken, den 10. November 1866. 

In der beifolgenden Kiste sende ich ein paar Neuigkeiten, 
welche ich in den kohleführenden Schichten unseres Gebirges 
zwischen Saar und Rhein gefunden habe und der öffentlichen 
Mittheilung nicht unwerth sein möchten. 

1) Eine kleine Muschel form, von Gestalt einer Corbula, 
vom Booser Tunnel der Rhein-Nahe-Eisenbahn bei Staudern- 
heim (oberhalb Kreuznach), ein interessanter Fund. Sie gleicht 
zwar den im Gebiete häufigen Estherien durch concentrische 
Streifen, Umriss und Grösse, dennoch bin ich geneigt wegen 
der Dicke ihrer kalkigen Schale mit starker Krümmung, 
starken Wirbeln und etwas steilem Abfall der Seiten die Form 
für eine wahre Muschel zu halten und nicht jener Muschelkrebs- 
Gattung zuzurechnen. Da nun, was Ludwig als eine Cyclas 
von Saarbrücken beschrieben hat, wohl mit Recht von Geinitz 
für Estheria gehalten wird, so wäre dieser Fund, wenn meine 
Deutung richtig ist, die erste neue Muschelgattung in unserem 



405 



Gebiete; denn bisher war aus den kohleführenden Schichten 
des Saar-Rheinbeckens nur Anthracosia bekannt geworden. — 
Das Vorkommen dieser Zwergmuschel ist eigenthümlich. Am 
oberen Ende des Tunnels nämlich befindet sich, wie gewöhnlich, 
ein tiefer Einschnitt mit schön entblössten Schichten. Hier ist * 
es eine schwarze schiefrige Kalkschicht, welche deshalb am 
meisten auffällt, weil sie — wie die Proben zeigen — fast 
ganz aus Hunderttausenden der kleinen Muschel gebildet ist, 
zwischen der man nur selten eine Fischschuppe bemerkt. Auf 
Sandstein als Unterlage liegt eine wohl an 40 Fuss dicke Schiefer- 
zone, dann wieder Sandstein ; Farbe aller Schichten grau. In 
dieser Schieferzone nun, etwa 4 Fuss über dem unteren Sand- 
stein und 4 Zoll über einer grauen Sandsteinbank von 4 Zoll, 
liegt der schwarze muschelführende Kalk, 5 Zoll mächtig, wo- 
von eine 3 zöllige untere Lage fest und zum Theil dicht ist, 
2 Zoll darüber in Schiefer übergeht; hierauf folgt schwärzlicher 
Schiefer und Schieferthon mit sehr viel Cyproiden und Fisch- 
schuppen, 5 oder mehr Fuss mächtig. Sowohl im Liegenden 
als Hangenden dieser Schichten , nur einige 100 Schritt ent- . 
fernt, treten Walchia-Sandsteine auf und zwar habe ich gerade 
im Liegenden, am Abhänge gegen die Nahe hin, 200 Schritt 
vom Tunnel deutliche Zweige von Walchia piniformis sowohl 
als besonders auch von W. ßliciformis gefunden. Mithin ge- 
hört die Muschel dem ächten unteren Rothliegenden an, wie ich 
glaube dessen oberer Zone, welche ich (N. Jahrb. f. Min. 
1865, S. 838 ff.) als „Lebacher Schichten" bezeichnet habe. 
Das (reducirte) Streichen der Schichten ist hier h. 6} bis 6f- 
mit 25 bis 30 Grad Nordfallen. 

2) Von demselben Fundort und schon näher bezeichnet, 
sind Schiefer mit sehr deutlicher Candona oder Cythere, 
welche in unserem Gebiete zwar schon seit einigen Jahren be- 
kannt, doch so deutlich wohl noch nicht vorgekommen waren. 

3) Der hier beifolgende Lebacher Fisch dürfte wohl von 
Jedem als Ambly pteru s nemopterus Ag. nach Vergleich 
mit dieses Autoren Abbildung (Poissons foss. tome II. p. 107 
u. t. 4b f. 1, 2) anerkannt werden, woraus also folgt, dass 
bei uns — aber in der oberen Abtheilung des unteren 
Rothliegenden, mit Xenacanthus, mit Acanthodes, mit Wal- 
chia piniformis und filiciformis und anderen Leitformen des Roth- 
liegenden zusammen - mindestens ei n e aus schottischer Stein- 



406 



kohlenformation (nämlich von New-Haven bei Leith) beschrie- 
bene Species auftritt. Es möchte nicht ohne Werth sein, die 
englischen Vorkommen einer genauen Revision zu unterwerfen, 
um die Verwandtschaften und Beziehungen der in Deutschland 
sogenannten Formation des unteren Rothliegenden zu entfern- 
teren Bildungen einer weiteren Aufklärung entgegenzuführen; 
um so mehr als auch bei New-Haven das Vorkommen der 
Fische in Sphärosideritnieren jenen von Lebach sehr ähnlich 
ist. — Agassiz macht (a. a. O.) auf die Aehnlichkeit des Fi- 
sches mit Ambl. macropterus von Lebach und Berschweiler auf- 
merksam, hebt jedoch mit Recht als specifischen Unterschied 
den bei Ambl. nemopterus weniger gekrümmten, gestreckteren 
Rücken und die geringere Breite des Rumpfes, welcher nur 
etwa zweimal so breit als der Schwanzstiel ist und wodurch 
der Fisch überhaupt schlanker erscheint, hervor; die Schuppen 
sind fast glatt wie Agassiz' s Figur 2, jedoch unter der Lupe 
mit erkennbaren feinen erhabenen Streifen versehen , welche 
von Anwachsstreifen schwer unterscheidbar sind. Die mir vor- 
liegenden Exemplare lassen sich auf den ersten Blick von den 
anderen Lebacher Arten unterscheiden, doch ist es überhaupt 
nöthig ganze Exemplare zu untersuchen, wenn man die Arten 
dieser Lokalität sicher bestimmen will. 

4) Zum Obigen füge ich, dass ich auf zahlreichen Excur- 
sionen dieses Sommers auch im bayrischen Gebiete meine schon 
früher gegebene Eintheilung (a. a. O. S. 839) bestätigt gefun- 
den habe. Von der grössten Wichtigkeit ist in dieser Bezie- 
hung, dass auch hier — was man bisher nicht wusste — die 
Acanth od e s- Schichten eine sehr weite und ausserordentlich 
regelmässige Verbreitung besitzen. Zwar sind es nur Flossen- 
stacheln dieses Fisches, welche ich hier fand, jedoch an so 
zahlreichen Orten und unter so gleichen Verhältnissen, dass an 
der Identiät aller dieser Schichten so wenig zu zweifeln ist als 
an der Leitfähigkeit dieser Reste selbst, so mindestens bei 
uns. — Es zieht sich um den Königsberg (Offenbach — Lohn- 
weiler — Striet mit Fortsetzung im Geisborn und bei Hefers- 
weiler) ein schwaches Kohlenflötz , welches als Dach einen 
meist kieseligen Kalk führt, auf welchem ziemlich mächtige 
graue Schieferthone folgen. Dasselbe setzt in einiger Entfer- 
nung nach Nordosten noch zweimal bogenförmig auf, doch ist 
bei der ersten Wiederholung (Kronenberg — Nussbach) Kohle 



407 



und Kalk durch ein Zwischenmitte] getrennt, die Kohle wohl 
auch nicht überall vorhanden ; während die zweite Wiederho- 
lung (Odenbach — Adenbach — Reifelbach — Waldgrehweiler) 
wieder dieselbe Beschaffenheit wie früher bringt. In derselben 
nordöstlichen Richtung tritt dasselbe Flötz zuletzt als Rand 
einer elliptischen Insel zwischen Schiersfeld und Niedermoschel 
auf, in welcher der früher berühmte Moschellandsberg, Queck- 
silber-führenden Angedenkens, liegt. Ueberall hier bin ich so 
glücklich gewesen, Acanthodes-Stacheln im Kalk und Schiefer- 
thon nachzuweisen, so dass die Lebacher Schichten in der Pfalz 
eine sehr grosse Verbreitung und Beständigkeit besitzen. 

Zugleich mit diesen Resten fand ich immer noch andere 
Fischreste, nämlich glatte und gestreifte Schuppen (die schon 
vielfach bekannt waren), Anthracosien (Unionen, ebenfalls an 
manchen Orten schon früher gefunden), Estherien, ja bei Oden- 
bach auch einen X e nacan t hu s - Stachel und einen Diplo- 
dus genannten Fischzahn, leicht erkennbar an seinen 3 Zacken, 
von denen der mittlere kleiner als die 2 seitlichen ist (im 
Senkenberg's ch e n Museum in Frankfurt a. M. erinnere ich mich 
Aehnliches aus unserem Gebiet gesehen zu haben). Walchien 
kommen in ganz benachbarten, zum Theil auch denselben 
Schichten vor. — Im Uebrigen muss ich mir ausführlichere 
Mittheilungen bis zur Veröffentlichung des gesammelten Mate- 
rials vorbehalten. > 

5) Nicht versagen kann ich es mir an dieser Stelle, auf 
meinen früheren Brief zurückweisend, nochmals der Verwandt- 
schaften zu gedenken, welche sich mir beim Studium unserer 
hangenden Schichten im Vergleich mit dem Wettin-Löbejüner 
Kohlenbecken aufdrängten. Denn nicht sowohl ist die Aehn- 
lichkeit der Flora in unseren „Ottweiler Schichten" mit jener 
durch Germar und Andrä beschriebenen auffallend (ich ver- 
weise z. B. nur auf das Vorkommen von Pecopteris elegans, 
Bredovii, truncata, Neuropteris ovata, Sigillaria Brardii in bei- 
den Gebieten), wobei beachtenswerth ist, dass auch nach Gei- 
nitz Walchien dort vorkommen, — sondern vermehrt wird diese 
Aehnlichkeit durch gewisse thierische Reste in beiden entfern- 
ten Lokalitäten. So sind auch bei Wettin Anthracosien, und 
zwar theils unter, theils über den Flötzen bekannt, sowie 
aus den oberen Schichten verschiedene Fischreste, welche ich 
zum Theil mit den unsrigen in den Lebacher Schichten iden- 



408 



tisch halten muss. Am wichtigsten sind darunter die von 
Germar auf seiner Tafel 29 (Verst. d. Steinkohlenform. v. 
Wettin und Löbejün) abgebildeten, und, wie schon früher her- 
vorgehoben, auf Acanthodes und Xenacanthus zu beziehenden 
Reste. Das Vorkommen von Amblypterus, Blattinen und, nach 
Geinitz, von Candona bietet weitere Analogien zu unseren 
Lebacher bis Ottweiler Schichten. 

6) Endlich erwähne ich kurz, dass ich so glücklich ge- 
wesen bin, diesen Sommer auch in der Steinkohlenformation 
der Pfalz, nämlich in den dort eben allein auftretenden Ott- 
weiler Schichten, Insektenreste aufzufinden, im Schieferthon 
des Hangenden eines Kohlenflötzchens der Grube am Remigius- 
berg südöstlich CuseL Neuerlich haben die alten Kohlen- 
Insekten das Interesse wieder angeregt. Bei uns waren sie 
bisher aus der tieferen Zone der sogenannten „Saarbrücker 
Schichten" durch Goldenberg, sowie aus den „Lebacher Schich- 
ten" durch denselben Forscher und durch Dohrn (Eugereon 
Böckingi) bekannt geworden. Jetzt liegen also auch aus einer 
mittleren Zone solche Reste vor. 



409 



i 



C. Aufsätze. 

1. Aus dem thüringischen Schiefergefoirge, 

Von Herrn R. Richter in Saalfeld a. S. 

Hierzu Tafel V. und VI. 
III. 

Der Schichtencomplex, welcher im thüringischen Schiefer- 
gebirge den Raum zwischen den Graptolithen-führenden Alaun- 
schiefern (Basis von Barrandes Etage E) und den devonischen 
Dachschiefern einnimmt, besteht, wie schon in zwei vorange- 
gangenen Aufsätzen (vgl. diese Zeitschr., Jahrg. 1863 S. 659 ff. 
und Jahrg. 1865 S. 361 ff.) gezeigt worden ist, von unten nach 
oben aus buntfarbigen Kalken, Tentakuliten schichten (Geinitz) 
mit Kalkconcretionen , Nereitenschichten mit Conglomeraten 
und aus den Tentakuliten schiefern. Nach Ausweis der organi- 
schen Einschlüsse stehen die drei zuletzt genannten, oberen For- 
mationsglieder in engster Beziehung zu einander, während die 
Kalklager mehr in einem ähnlichen Verhältnisse zu den Alaun- 
schiefern zu stehen scheinen, wie die Kalke der Etage E in 
Böhmen zu den dortigen Alaunschiefern. 

Die räumliche Ausbreitung der in Rede stehenden Schich- 
ten hatte sich seither nur an den Lokalitäten, welche früher 
(vgl. diese Zeitschr., Jahrg. 1853 S. 439 und 440) wegen des 
Vorkommens der Kiesel- und Alaunschiefer , sowie der Kalk- 
lager und der Nereitenschichten namhaft gemacht wurden, in 
vollständiger Entwickelung nachweisen lassen. Neuerdings sind 
diese Schichten auch bei Grünau, Wurzbach, Lichtenberg und 
Steben erkannt worden und dürften nach Handstücken selbst 
der Umgebung von Hof nicht fremd sein. Ferner finden sich 
dieselben bei Weida und nach den von den Herren Eisel und 
Röder in Gera gesammelten und behufs der Bestimmung mit- 

Zeits. d. d.geol.Ges. XVIII. 3. 27 



410 



getheilten Handstücken und Petrefakten in nicht geringer Aus- 
dehnung bei Ronneburg (von Liebschwitz und Gessen bis 
Postersteiii). 

Die Frage nach dem relativen Alter unserer Schichten 
lässt sich aus alleiniger Berücksichtigung der Lagerungsverhält- 
nisse nicht endgültig beantworten. Es ist daher in den vor- 
ausgegangenen Aufsätzen die Discussion auf Grund der organi- 
schen Einschlüsse aufgenommen und nach der Betrachtung der 
Crustaceen bis zu jener der einschaligen Mollusken fortgeführt 
worden. Da die überwiegende Mehrzahl der Petrefakten bisher 
noch unbeschrieben war, so konnten Anhaltspunkte fast nur 
in den Gattungen gefunden und aus diesen auf obersilurischen 
Charakter der Schichten geschlossen werden. Die nachste- 
hende Aufzählung der bisher aufgefundenen zweischaligen Mol- 
lusken dürfte der bezeichneten Anschauungsweise eine breitere 
Basis gewähren. 

131, Mollusken. 

B. Pteropoden. 

1. Conularia reticulata n. sp. 
Vgl. diese Zeitschr., Jahrg. 1865 S. 369 Taf. XI. Fig. 3. 
In der von den Herren Eisel und Röder in Gera -mitge- 
theilten Sammlung findet sich ein Exemplar dieses Pteropods 
aus den Tentakulitenschiefern von Liebschwitz, welches, ob- 
gleich zusammengedrückt und der Spitze beraubt, doch die 
Dimensionen der Form und deren Verhältnisse zu erkennen 
gestattet. Hiernach würde die Gesammthöhe des pyramidalen 
Gehäuses 82 Mm. bei einem Gehäusewinkel von 20 Grad be- 
tragen haben, während die Breite der Hauptseite an der Mün- 
dung 22 Mm. , demnach unter Einrechnung der eingekehlten 
Ecken die Diagonale der Mundöffnung ungefähr 40 Mm. beträgt. 

2. Styliola ferula n. sp. (Taf. V. Fig. 1, 2.) 
Die Länge des kegelförmigen Schälchens beträgt 2,5 bis 
3,0 Mm. Das Jugendende ist etwas abgestumpft, und die Zu- 
nahme geschieht anfangs etwas schneller als später, wo sie 
gleichmässig bleibt. Die Mundbreite verhält sich zur Länge 
wie 1,0 : 4,3. Das übrigens glatte Schälchen trägt auf der 
Aussenseite 20 bis 24 gerade Längsrippen, die fast um das 



411 



Doppelte ihrer Breite von einander abstehen. Bei starker Ver- 
größerung werden sehr feine und gedrängt stehende Anwachs- 
streifen sichtbar, welche den Längsrippen, über die sie hin- 
weglaufen, ein gekörneltes Ansehen geben. 

In den Tentakulitenschiefern Thüringens und des Oster- 
endes (Schmirchau bei Ronneburg) nieht selten, aber meist 
vereinzelt. 

D. Pelecypoden. 

3. Cardiola interrupta Broderip. (Taf. V. Fig. 3.) 
Murchison, Siluria, 1859, t. 23 f. 12. 

Die gleichklappige, ziemlich hoch gewölbte Schale ist schief- 
oval, fast so lang als hoch, mit etwas vorwärts geneigtem Wir- 
bel, von welchem zahlreiche, einfache Radialrippen mit abge- 
rundetem Rücken und coneaven Zwischenräumen ausgehen. Die 
Zwischenräume haben nur auf den Steinkernen die Breite der 
Rippen; auf der Schale Selbst sind dieselben schmaler. Die 
Continuität der Rippen wird durch tiefe, concentrische und den 
Anwachsstreifen parallele Furchen unterbrochen, so dass die 
Rippen sich in Reihen von Längswülsten auflösen, die gegen 
den Bauchrand der Muschel hin, wo die concentrischen Fur- 
chen immer enger aneinanderrücken , kürzer und verhältniss- 
mässig breiter werden. 

In den Kalklagern, selten. 

4. Cardiola striata Sow. (Taf. V. Fig. 4.) 
Murchison, a. a. O. t. 23 f. 13. 

Die gleichklappige, wenig gewölbte Schale ist oval, höher 
als lang, mit etwas nach vorn geneigtem Wirbel, von welchem 
sehr zahlreiche , vollkommen einfache Rippen mit convexem 
Rücken ausstrahlen. Die Rippen werden gegen den Bauch- 
rand der Muschel hin immer breiter, während die coneaven 
Intervalle, die in der Nähe des Wirbels dieselbe Breite wie 
die Rippen besassen, unverändert bleiben. Die Anwachsstrei- 
fen sind nur durch leicht concentrische Linien angedeutet und 
werden erst am Bauchrande wahrnehmbarer. 

In den Nereitenschichten und deren Conglomeraten, sowie 
in den Tentakulitenschiefern. 

27* 



412 



5. Avicula p ernoides n. sp. (Taf. V. Fig. 5, 6.) 

Von fast bohnenförmigem Umrisse, gleichklappig, ziemlich 
gewölbt, mit stark nach vorn gekrümmtem Wirbel, höher als 
lang. Der geradlinige Schlossrand bildet nach hinten ein so 
stumpfes Ohr, dass die Abrundung desselben mit dem Hinter- 
rande der Muschel einen flachen Bogen bildet. Um so ausge- 
sprochener ist das vordere Ohr, welches bis unter die concave 
Byssusrinne der rechten Klappe ziemlich tief eingezogen ist, 
bevor der Vorderrand der Schale sich in einem weit vorsprin- 
genden Bogen mit dem Bauchrande vereinigt. Die Ohrgegend 
ist äusserlich wie innerlich bis dahin, wo der Vorderrand vor- 
zuspringen beginnt, durch eine im Allgemeinen horizontale, 
nach dem Rande zu aber etwas convergirende Streifung aus- 
gezeichnet, die sich mit den an den Rändern besonders deut- 
lichen Anwachsstreifen kreuzt. Auf der Wölbung der Muschel 
erscheinen statt der Anwachsstreifen manchmal concentrische 
Runzeln. 

In den Tentakulitenschiefern, häufig. 

E. Brachiopoden. 

6. Ter ebratula tenuissima n. sp. (Taf. V. Fig. 7.) 

Breit-oval, fast kreisrund, die Ventralschale in der Spitze 
des Schnabels durchbohrt. Die deutlichen Anwachsstreifen sind 
so dicht gedrängt, dass deren 18 bis 20 auf die Breite eines 
Millimeters kommen. Die beiden vorliegenden Exemplare, von 
denen es zweifelhaft bleibt, ob sie zusammengedrückte Schalen 
oder Abdrücke sind, bieten den Anblick der äussersten Zartheit, 
indem sie dem unbewaffneten Auge wie glänzende Häutchen 
auf den Schieferflächen erscheinen und nur erst unter der Lupe 
weitere Details erkennen lassen. 

In den Tentakulitenschiefern. 

7. Terebratella Haiding eri Barr. (Taf. V. Fig. 8, 9.) 
Barrande, Brachiop. der silur Schichten von Böhmen, 1S47, f. 
p. 59 t. 18 f. 8, 9. 

Dreiseitig mit hervorragendem, in der Spitze durchbohrtem 
Schnabel der Ventralschale. Die Dorsalschale hat in der Me- 
dianlinie eine seichte Einsenkung, welche mit einer eben sol- 
chen der Ventralschale correspondirt. Die einfachen Radial- 



413 



rippen, die bei den kleineren Exemplaren in grösserer Zahl 
vorhanden sind als bei den grösseren, sind stumpfkantig und 
durch entsprechende, gleichbreite Intervalle von einander ge- 
schieden. Die zwei bis drei mittelsten, in der Einsenkung ge- 
legenen Rippen reichen nicht bis zum Wirbel hinauf und sind 
daher etwas schmäler und niedriger als die übrigen. 

Auch die von Barrande (a. a. 0. S. 60) beschriebene und 
(Fig. 11) abgebildete Varietät suavis von stumpf fünfseitigem, 
sehr verschmälertem Umrisse kommt hier vor. Sie zeigt be- 
sonders deutlich die Einschiebung der mittelsten Radialrippen 
zwischen die übrigen. 

In den Nereitenschichten und in den Tentakulitenschiefern. 

8. Spirifer cf. plicatellus L. 
Murchison, a. a. O. t. 9 f. 25 und t. '21 f. 2. 
In den Kalklagern finden sich nicht selten Spiriferen, die 
zwar allzusehr verunstaltet sind, als dass sie eine sichere Be- 
stimmung zuliessen, aber doch im Ganzen die grösste Aehn- 
lichkeit mit dem citirten Petrefakt aus dem Wenlockkalkstein 
der Malverns darbieten. 

9. Spirifer lietero clytus Defr. (Taf. V. Fig. 10, 11.) 
Barrande, a. a. O. IL p. 2b t. 14 f. 3. 

Einer eingehenderen Beschreibung dieses bekannten Pe- 
trefakts, welches nur als Beweisstück abgebildet worden ist, 
bedarf es wohl nicht. Einzig behufs der Unterscheidung von 
den zugleich vorkommenden Specien sei hervorgehoben, dass 
die Höhe der flachen Area zur Länge (Breite) wie 1 : 2,5, die 
Höhe der dreieckigen Oeffnung zur Länge (Breite) der Area 
wie 1,0:6,0 sich verhält, die wenig zahlreichen, breiten 
und convexen Rippen durch ziemlich scharf einge- 
schnittene Rinnen gesondert werden und die con- 
cave Bucht nebst dem convexen Sattel ziemlich 
breit sind. Die Anw ach s streif en sind von unglei- 
cher Deutlichkeit. 

In den Nereitenschichten und deren Conglomeraten. 

10. Spirifer Amphitrites n. sp. (Taf. V. Fig. 12, 13.) 
Die Breite beträgt nicht ganz das Doppelte der Höhe, die 

flache, horizontal gestreifte Area ist viermal breiter als hoch 
und die Basalbreite der dreieckigen Oeffnung verhält sich zur 



414 



Breite der Area wie 1,0:5,5. Sattel und Bucht, neben 
denen die Schalen jederseits noch 7 bis 8 einfache 
Falten mit abgerundetem Rücken und gleichbrei- 
ten concaven Zwischenräumen tragen, sind Ver- 
hältnis sm äs sig schmal und besonders die Bucht ist 
dadurch au&gezeichnet, dass die Concavität der- 
selben einer tiefen Rinne mit ausgerundeten Nu- 
then gleicht. Die scharf ausgeprägten Anwachs- 
streifen laufen in grösster Regelmässigkeit über 
die Schalen. 

In den Nereitenschichten und deren Conglomeraten. 

11. Spirifer Nerei Barr. (Taf. V. Fig. 14, 15.) 
Barrande, a. a. 0. II. p. "27 t. 15 f. 4. 

Aeussere Dimensionen wie" jene des Vorigen, dagegen ist 
die concave Area weit niedriger. Sattel und Bucht 
sind breit und ebenso wie die jederseits derselben 
befindlichen 5 bis 6 einfachen Radialfalten stumpf- 
kantig mit gleichb reiten stumpfwinkeligen Inter- 
vallen. Die ziemlich dicht gedrängten Anwachsstreifen 
zeigen die grösste Regelmässigkeit, aber die kur- 
zen Radiallinien dicht amRande d er An w ach s strei- 
fen und senkrecht auf denselben, die an den böh- 
mischen Kalkexemplaren als blosse Eindrücke er- 
scheinen, werden vermöge des Erhaltungszustan- 
des der hiesigen Exemplare zu wirklichen Riss en, 
so dass die Schalen durchbrochen erscheinen, wie 
feinstes Spitzengewebe. 

In den Nereitenschichten und deren Conglomeraten, sowie 
in den Tentakulitenschiefern. 

12. Spirifer Falco Barr. (Taf. V. Fig. 16.) 
Barrande, a. a. 0. IL p. 36 t. 17 f. 4. 
Der Beschreibung Barrande's (a. a. O.) ist nichts beizu- 
fügen, als dass die hiesigen Exemplare zahlreichere Anwachs- 
streifen am Stirnrande zeigen, als die citirte Abbildung. 
In den Tentakulitenschiefern. 

13. Spirigera obovata Sow. (Taf. V. Fig. 17, 18, 19, 20.) 
Mürchison, a. a. 0. t. 22 f. 16. 
Bis jetzt ist nur ein einziges Exemplar von der Grösse 



415 



der Figur 17 vorgekommen; alle übrigen haben nur die Grösse 
der Figuren 18 bis 20, weshalb auch der schon an sich seichte 
Sjnus dieser Form meist ziemlich undeutlich ist. Desto schär- 
fer erscheinen die charakteristischen Anwachsstreifen, an denen 
auch die am häufigsten vorkommenden Abdrücke und Hohl- 
räume sofort zu erkennen sind. 

In den Nereitenschichten und in den Tentakulitenschiefern. 

14. Spiri gerin a reticularis L. var. orbicularis Sow. 

(Taf. V. Fig. 21, 22.) 
Morchison, a. a. 0. t. 9 f. 4, 5. 
Bis jetzt hat sich in unseren Schichten blos diese Varietät, 
die Mürohison aus den Llandovery-Rocks der May-Hills ab- 
bildet, gefunden und zwar ausschliesslich in den Conglomera- 
ten der Nereitenschichten. 

15. ? S pirig erina micula n. sp. (Taf. V. Fig. 23, 24.) 
Die grössten Exemplare dieser fast kreisrunden Muschel 

haben höchstens 3 Mm. Durchmesser, meist nur 1 Mm. Die 
Dorsalschale ist flach, die Ventralschale etwas gewölbt und 
zwar am meisten in der Wirbelgegend. Beide Schalen sind 
von concentrischen Bändern borstiger Zotten bedeckt. Sollte 
hier ein Jugendzustand der vorigen Art vorliegen? 
In den Tentakulitenschiefern. 

16. Rhynchon ella succisa n. sp. (Taf. V. Fig. 25, 26.) 

Queroval, am Stirnrande auf die Breite des flachen Sattels 
und der ebenso seichten Bucht gerade abgestutzt. Der flache 
Schnabel der Ventralschale ist so übergebogen, dass Durch- 
bohrung und Deltidium verdeckt werden. Beide flachgewölbte 
Schalen glatt, nur am Stirnrande der Ventralschale erscheinen 
deutliche eng zusammengedrängte Anwachsstreifen in ähnlicher 
Weise wie bei Spirifer Falco Barr. So wahrscheinlich es ist, 
dass auch die Dorsalschale solche Anwachsstreifen zeigen werde, 
so haben sieh doch dieselben noch nicht beobachten lassen. 

In den Tentakulitenschiefern. 

17. Bhynchonella Grayi Davids. (Taf. VI. Fig. 1.) 
Murchison, a. a. O. p. 250 f. 6. 
Eine eigentümliche Form mit kurzem, gebrochenem Schloss- 
rande, welche durch den Sattel der Dorsalschale und die ent- 



416 



sprechend tiefe und scharf eingeschnittene Bucht der Ventral- 
schale in zwei völlig unsymmetrische Seiten zerfällt, so dass die 
rechte Seite der Ventralschale fast um das Doppelte höher 
und breiter ist als die linke. Die Oberfläche der Schalen lässt 
namentlich nach dem Stirnrande hin deutliche Anwachsstreifen 
erkennen. Da die wenigen hiesigen Exemplare rücksichtlich 
der Lage der beiden unsymmetrischen Seiten vollständig mit 
der Abbildung in der Siluria übereinstimmen, so erscheint die 
Vermuthung, dass hier eine Verdrückung vorliege, nicht hin- 
reichend gerechtfertigt. 

In den Tentakulitenschiefern. 

18. Rhynchonella deflexa Sow. (Taf. VI. Fig. 2.) 
Murchison, a. a. O. t. 22 f. 10. 
Der Abbildung Murchison' s, sowie der Beschreibung und 
Abbildung Barrande's (a. a. O. I. p. 49 t. 20 f. 15) ist nichts 
beizufügen. 

In den Nereiten schichten und deren Conglomeraten. 

19. Rhynchonella Nympha Barr. (Taf. VI. Fig. 3, 4.) 
Barrande, a. a. O. I. p. 66 t. 20 f. 6. 

Auch hier ist der Beschreibung und Abbildung bei Bar- 
rande nichts beizufügen. Die Abbildung soll als Beweisstück 
dienen. 

In den Nereitenschichten und deren Conglomeraten, wie 
auch in den Tentakulitenschiefern. 

20. Pentamerus oblongus Sow. (Taf. VI. Fig. 5 bis 7.) 

Murchison, a. a. O. t. 8 f. 1—4. 

Oval, unter dem Wirbel rasch verbreitert. Die Schale sehr 
dick. Der schmale und seichte Sinus, dem ein eben solcher 
Sattel entspricht, macht sich schon vom Wirbel aus wahrnehm- 
bar. Die Anwachsringe sind regelmässig, treten aber wenig 
hervor. Die Bestimmung von Figur 6 (broather variety Murch.) 
ist zweifelhaft und am meisten, wenn der Kern Figur 7 wirk- 
lich dazu gehört. 

In den Nereitenschichten und deren Conglomeraten. 

21. Orthis distorta Barr. (Taf. VI. Fig. 8, 9, 10.) 
Barrande, a. a. O. II. p. 53 t. 19 f. 5. 

Diese Orthis ist bisher in unseren Schichten nur in einer 



417 



Grösse von 3 Mm. Breite und entsprechender Höhe gefunden 
worden, würde also gegenüber den böhmischen Exemplaren 
als Jugendform zu betrachten sein. Es würde demnach die 
Form im Jugendzustande regelmässig, im vorgerückteren Alter 
unregelmässig sein , wie Aehnliches bei OrtMsina pelargonata 
Schloth. der Dyas und bei Hinnites comtus Goldf. der Trias 
u. s. w. beobachtet wird. Der Schlossrand ist geradlinig, die 
dreieckige Area sehr hoch, die schmale dreieckige Oeffnung 
zum grösseren Theile verschlossen. Die flache Dorsalschale 
und die am Wirbel sackförmig vertiefte, dann aber plötzlich 
zu einem halbkreisförmigen Schirme sich ausbreitende Ventral- 
schale tragen zahlreiche einfache, aus der Fläche der Schalen 
sich leistenartig erhebende Radialrippen, in deren breitere Zwi- 
schenräume etwas jenseits der Schalenmitte sekundäre Rippen 
sich einschieben. 

In den Nereitenschichten und deren Congiomeraten, sowie 
in den Tentakulitenschiefern. 

22. f Orthis sp. (Taf. VI. Fig. 12.) 
Häufig, aber immer nur fragmentarisch vorkommende Scha- 
len mit zweifach dichotomen Radialrippen. 
In den Nereitenschichten. 

23. Orthis callactis Dalm. (Taf. VI. Fig. 13.) 
His. Leth. Suec. p. 70 t. 20 f. 9. Morcbison, a. a. 0. t. 5 f. 8. 

Schlossrand geradlinig, grösste Breite der fast halbkreis- 
förmigen Muschel etwas unter dem Schlossrande; die wenig 
zahlreichen Radialrippen haben einen schmalen Rücken und 
sind durch merklich breitere, concave Zwischenräume von ein- 
ander getrennt. Anwachsstreifen wenig bemerkbar. 

In den Congiomeraten der Nereitenschichten. 

24. Orthis cf. pecten Sow. (Taf. VI. Fig. 14, 15, 16, 17.) 
Morchison, a. a. O. t. 6 f. 4. 

Der geradlinige Schlossrand bezeichnet zugleich die grösste 
Breite, die sich zur Höhe wie 4 : 3 verhält. Die wenig ge- 
wölbten Schalen sind dicht mit einfachen fädlichen Radialrippen 
bedeckt, welche bei den kleineren Exemplaren sehr bald se- 
kundäre, bei den grösseren Exemplaren endlich auch noch 
Rippen dritten Grades zwischen sich nehmen. Auf dem con- 



418 



vexen Rücken der Rippen bilden die dicht zusammengerückten 
Anwachsstreifen dem Stirnrande zugewandte Bogen, während 
in den Zwischenräumen die Bogen sich dem Wirbel zuwenden. 
Auf den Kernen ist die Wirbelgegend glatt und die Rippen- 
spuren erscheinen erst gegen die Ränder hin. 

In den Conglomeraten der Nereitenschichten. Auch ein 
Fragment aus den Kalken scheint hierher zu gehören. 

25. S trop homena imbrex Davids. (Taf. VI. Fig. 11.) 
Murchison, a. a. 0. p. -251 f. 6. 
Schlossrand geradlinig, grösste Breite der Muschel unge- 
fähr im ersten Viertheil der Höhe, wo vom Wirbel aus die 
Wölbung der Schale die Seitenränder erreicht, so dass oberhalb 
eine fast ohrförmige Abplattung entsteht. Zwischen die vom 
Wirbel ausstrahlenden, einfachen, stumpfkantigen Hauptrippen 
schieben sich vom ersten Viertheil der Höhe an ebenfalls ein- 
fache, sekundäre Rippen ein. Eine Anwachsstreifung ist nicht 
wahrnehmbar. 

In den Conglomeraten der Nereitenschichten, selten. 

26. Strophomena depressa Dälm. 
Von dieser ausgezeichneten Species haben sich mehrere 
Fragmente in den Conglomeraten der Nereitenschichten gefunden. 

27. Strophomena curta n. sp. (Taf. VI. Fig. 18, 19, 20, 21.) 

Schlosskante geradlinig, die grösste Breite, die ungefähr 
in der halben Höhe sich zeigt, verhält sich zur Höhe wie 2 : 1. 
Die knieförmige Umbiegung beschreibt einen rechten Winkel. 
Die übrigens glatte Schale ist von feineu und engen concentri- 
schen Anwachsstreifen bedeckt, findet sich aber selten erhalten. 
Meist findet sich das Petrefakt in der Gestalt eines grob und 
unregelmässig gerippten Steinkerns (Figur 20) und es ist augen- 
scheinlich, dass diese Form nur aus dem Zusammenfliessen der 
manchmal (Figur 21) noch deutlich unterscheidbaren einzelnen 
Kiemenspitzen entstanden ist. 

In den Conglomeraten der Nereitenschichten und in den 
Tentakulitenschiefern. 

28. Leptaena laevig at a Sow. (Taf. VI. Fig. 22.) 
Murchison, a. a. 0. t. 20 f. 15. 
Die grösste Breite am Schlossrande verhält sich zur Höhe 



419 



wie 3 : 2. Die übrigens glatte Schale zeigt mit grosser Deut- 
lichkeit und zwar am meisten an den Rändern die regelmässi- 
gen Anwachsstreifen. 

In den Conglomeraten der Nereitenschichten. 

29. Leptaena corrugata Portl. (Taf. VI. Fig. 24 bis 28.) 
Barbande, a. a. 0. IL p. 75 t. 21 f. 16. 

Diese unter allen Brachiopoden am häufigsten vorkom- 
mende Species *) lässt sich in allen Alterszuständen beobach- 
ten. Die grösste Breite an der gekerbten Schlosslinie verhält 
sich zur Höhe wie 3 : 2, was an den rundlich vierseitigen Ju- 
gendformen auffallender hervortritt als an den mehr halbkreis- 
förmigen ausgewachsenen Exemplaren. Die jüngsten Exem- 
plare von 1 Mm. Schlossbreite zeigen sow r ohl auf der flachen 
Dorsalschale, als auch auf der ziemlich tief napfförmigen Ven- 
tralschale nur erst Anwachslamellen, welche wie aus feinsten 
Stiftchen gewobene Borten erscheinen. Ist die Bildung der 
dritten oder vierten Anwachslamelle vollendet, so erheben sich 
und zwar am deutlichsten auf der Ventralschale zuerst 5 ein- 
fache Radialrippen über die Bänder (Figur 26), zwischen wel- 
che sich allmälig neue, noch zum Wirbel reichende, dann aber 
immer kürzer und schärfer bleibende Rippen einschieben. Zu 
gleicher Zeit werden die Anwachslinien undeutlicher und ver- 
schwinden endlich, wenn im erwachsenen Zustande auch die 
feinen, zwischen den Rippen liegenden Radiallinien sich zu 
wirklichen -Rippen verdickt haben, fast gänzlich. Daneben fin- 
den sich seltene Exemplare, die bis in ein späteres Alter nur 
die ursprünglichen 5 Hauptrippen bewahren, dafür aber desto 
deutlicher die Anwachsstreifen behalten. Die Jugendexemplare 
liegen fast immer aufgeklappt (Figur 24) auf den Gesteinsflä- 
chen , während die ausgewachsenen Schalen nur einzeln vor- 
kommen. 

Von den böhmischen Exemplaren unterscheiden sich die 
hiesigen Vorkommnisse nur durch geringere Grösse und da- 
durch, dass die Anwachslamellen vollkommen den Seitenrän- 
dern und dem Stirnrande parallel laufen. 

In den Conglomeraten der Nereitenschichten und in den 
Tentakuliten schiefern. 



*) In dieser Zeitschr. 1865 S. 367 Z. 7 v. o. ist zu lesen Leptaena 
statt Chonetes. 



420 



30. Leptaena vi. fugax Bare. (Taf. VI. Fig. 29, 30.) 
Barrande, a. a. 0. II. p. 81 t. 21 f. 12. 
Breite und Höhe gleich. Von den böhmischen Exempla- 
ren nur dadurch unterschieden, dass die Radialrippen etwas 
enger stehen. 

In den Nereitenschichten und deren Conglomeraten. 

31. Leptaena f lata Buch. (Taf. VI. Fig. 23.) 

Mürchison, a. a. 0. t. 9 f. 23 und t. 34 f. 18. 
Grösste Breite in der halben Höhe zur Höhe wie 2:1. 
Die ganze Schale ist von äusserst feinen und eng zusammen- 
gedrängten Radiallinien bedeckt. Diese sehr zarte Form findet 
sich in den Conglomeraten der Nereitenschichten und in den 
Tentakulitenschiefern. 

(32. Leptaena Verneuili Barr." Taf. VI. Fig. 31.) 
Barrande, a. a. O. II. p. 67 t. 21 f, 13—15. 
Die grösste Breite am Schlossrande verhält sich zur Höhe 
wie 4 : 3. Die Schalen, von denen die Ventralschale merklich 
vertieft ist, sind von einfachen, sich allmälig verstärkenden 
stumpfkantigen Rippen mit stumpfwinkeligen Intervallen be- 
deckt. Anwachsstreifen wenig wahrnehmbar. 

In den Tentakulitenschichten und in den Conglomeraten 
der Nereitenschichten. 

33. Discina Forbesi Davids. (Taf. VI. Fig. 32.) 
Mürchison, a a. O. p. 250 f. 11. 

Fast kreisrund, die schmale Stielöffnung der Ventralschale 
von einem schmalen Wulst umgeben. Glatt und glänzend mit 
scharf hervortretenden Anwachslinien. Einige Schalen zeigen 
eine bräunlich- bis gold-gelbe Färbung. 

In den Kalklagern bis herauf in die Tentakuliten schiefer. 



Unter den 33 Speeien, die vorstehend theils aufgezählt, 
theils beschrieben worden sind, befinden sich neun, welche 
zum ersten Male veröffentlicht worden. Von den übrigen, schon 
bekannten 24 Arten reichen drei, nämlich Spirifer heteroclytus, 
Spirigerina reticularis und Strophomena depressa, und wenn man 
Spirigera 'obovata mit Sp. concentrica und Strophamena imbrex 
mit Str. Phillipsi Barr. (a. a. O. II. t. 21 f. 10 und de Prado, 



421 



Geol. <T Almaden, p. 70 pl. XXVIII. f. 10) vereinigen will, 
auch noch diese beiden , also im Ganzen 5 Species aus dem 
Silursystem hinauf in das devonische System. Alle übrigen 
mit Ausnahme von Spirigerina reticularis, Pentamerus oblongus, 
0. (?) pecten (? 0. sol Barr.) und Leptaena lata, die schon aus 
älteren Schichten bekannt sind, gehören ausschliesslich dem 
obersilurischen Terrain Böhmens, oder Schwedens, oder Eng- 
lands, oder Frankreichs, oder endlich Nordamerikas an, wie 
nachstehende Tabelle veranschaulichen wird. 





Thüringen. 


Böh- 




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Sp. Fat co Barr 








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Spirigerina reticularis L. . . . 








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Rh. deflexa Sow 






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0. (?) pecten Sow. (? 0. sol Barr ) 






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Strophomena imbrex Dav. 






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Leptaena laevigata Sow. . 






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*) Portlock hat die irische Fundstelle nicht näher nach ihrem rela- 
tiven Alter charakterisirt. 



422 



Hiernach dürfte die Annahme gerechtfertigt erscheinen, 
dass der Beweis für den silurischen und zwar speciell ober- 
silurischen Charakter des in Thüringen den Raum zwischen 
den Graptolithen führenden Alaun schiefern und den devoni- 
schen Dachschiefern einnehmenden und aus buntgefärbten Kalk- 
lagern, Tentakulitenschichten, Nereiten schichten und Tentaku- 
litenschiefern bestehenden Schichtencomplexes in genügender 
Weise geführt sei, und dass es einer weiteren Erhärtung dieses 
Beweises durch die Constatirung des Vorkommens von Grapto- 
lithen bis herauf in die Tentakulitenschiefer gar nicht bedürfe. 

Die aus der Tabelle sich ergebenden Beziehungen der 
Nereitenschichten und der Tentakulitenschiefer namentlich zu 
Etage F in Böhmen und zu den englischen Wenlockgesteinen 
sind so augenfällig, dass dieselben nicht unerwähnt bleiben 
durften; doch ist eine specielle Parallelisirung nur dieser For- 
mationsglieder mit Ausschluss der übrigen nicht angezeigt, da 
die Zahl der hier zur Vergleichung sich darbietenden Petrefak- 
ten an sich klein und nur auf eine Klasse beschränkt ist. 

Eines Umstands, welcher der gesammten Fauna der ober- 
silurischen Schichten Thüringens ein eigentümliches Gepräge 
verleiht, mag hier noch gedacht werden, nämlich der Kleinheit 
der Dimensionen, welche fast sämmtliche Formen charakteri- 
sirt. Am meisten fällt diese Kleinheit bei denjenigen Formen 
auf, welche sich mit den entsprechenden von anderen Fundor- 
ten vergleichen lassen. Unter diesen sind es ganz vorzüglich 
Terebratella Haidingeri var. suavis, Bhynchonella deflexa, Orthis 
distorta, Strophomena imbrex und Leptaena corrugata, deren hie- 
sige Vorkommnisse ganz constant bis sechsmal , beziehungs- 
weise sechsunddreissigmal kleiner bleiben, als die böhmischen 
und englischen Lokalitäten entstammenden Exemplare. Die 
scheinbar nahe liegende Vermuthung, dass diese Verkümmerung 
Folge der engen Begrenzung der Meeresbecken, in denen die 
Thiere leben und den obwaltenden Verhältnissen gemäss sich 
entwickeln mussten, sein möge, wird dadurch zurückgewiesen, 
dass gegenüber diesen kleinen und kleinsten Formen eine nicht 
unbeträchtliche Reihe von Organismen (die Orthoceratiten der 
Kalklager, die Conularien, Euomphalus Thraso, Cardiola striata, 
Spirifer Nerei, Sp. plicatellus, Orthis (?) pecten, Strophomena 
depressa, Discina Forhesi) in denselben Meeresbecken zur vollen 
Entwickelung ihrer normalen Grösse gelangt sind und von den 



423 



Bedingungen, die dort eine Verkümmerung bewirkt haben muss- 
ten, nicht zu leiden gehabt haben. 

Eben diese verschiedenartige und doch gleichzeitige und 
in denselben Oertlichkeiten zur Vollendung gelangte Grössen- 
entwickelung ist der Annahme, dass die in ihren Dimensionen 
zurückgebliebenen Formen, die sämmtlich der Klasse der Bra- 
chiopoden angehören, also für pelagisch gehalten werden müs- 
sen, in einem auch nach Maassgabe der grossen Zahl von Crusta- 
ceen und des Mangels an Cephalopoden seichten Meere sich 
nur unvollkommen hätten entwickeln können, nicht minder un- 
günstig, als der entgegengesetzten, dass in einem ungewöhnlich 
tiefen Meere, wofür die weit überwiegende Herrschaft der Ten- 
takuliten zu sprechen scheint, Druck und Lichtmangel der kräfti- 
gen Entwickelung hinderlich gewesen seien. Da auch eine 
separate Betrachtung der Fossilreste nach den einzelnen For- 
mationsgliedern, denen sie angehören, das erwünschte Licht 
nicht giebt, so bleibt, wenn nicht das Unwahrscheinliche, dass 
die bisher in ausschliesslicher und constanter Kleinheit aufge- 
fundenen Formen nur Jugendzustände repräsentiren möchten, 
angenommen werden soll, nur die Bescheidung übrig, dass wie 
in manchen anderen Fällen, so auch hier, unsere gegenwärtige 
Kenntniss zur Herstellung der Beziehungen zwischen den beob- 
achteten Thatsachen und den dieselben bedingenden Ursachen 
noch nicht ausreicht. 



Erklärung der Figuren auf Tafel Y. imd VI. 

Tafel V. 

Tentaculites ferula n. sp., 8 /, natürlicher Grösse. 
Derselbe, Mundende, 16 /, n. Gr. 

Cardiola interrupta Brod., rechte Klappe, n. Gr. 
C. striata Sow., rechte Klappe, 7t n. Gr. 
Avicula pernoides n. sp., linke Klappe, 4 /i n. Gi\ 
Dieselbe, rechte Klappe, 3 /j n. Gr. 

Terebratula tenuissima n. sp., Ventralschale, n. Gr. 
Terebratella Haidingeri Barr , t / 1 n. Gr. 
Dieselbe, var. suavis Barr., 4 /i n. Gr. 



Fig. 



424 



Fig. 10. Spirifer keteroclytus Defr., Area, 2 /i n « Gr. 

11. Derselbe. Dorsalschale, 2 / t n. Gr. 

12. Sp. Ampkitrites n. sp., Ventralschale, Vi n Gr. 

13. Derselbe, Area, 1 / 1 n. Gr. 

14. Sp. iVerei Barr., Ventralschale, Vi n. Gr. 

15. Derselbe, Schalenstück, 3 /, n. Gr. 

16. Spirifer Falco Barr., Ventralschale, Yj n. Gr. 

17. Spirigera obovata Sow., Vi n. Gr. 

18. Dieselbe, Dorsal des Kerns, 1 / J n. Gr. 

19. Dieselbe, Ventral des Kerns, Vi n. Gr. 

20. Dieselbe, voller Kern, Yi n - Gr. 

21. Spirigerina reticularis L., Ventralschale, i / l n. Gr. 

- 22. Dieselbe, Kern, 1 / l n. Gr. 

23. Sp. micula n. sp., Dorsalschale, 2 /i n - Gr. 

24. Dieselbe, Ventralschale, 2 /, n. Gr. 

25. Rhynchonella succisa n. sp., Vi n - Gr. 

26. Dieselbe, Ventralklappe, Vi n - Gr. 

Tafel VI. 

Fig. 1. Rhynchonella Grayi Dav., Ventralklappe, Yi n - Gr. 

2. ÄA. deßexa Sow., Ventralklappe, 2 /j n. Gr. 

3. Rh. nympha Barr., Yj n » Gr. 

4. Dieselbe, Stirnrand, Yi n « Gr. 

5. Pentamerus oblongus Sow., Ventralklappe, Yi n - Gr. 

6. ? Derselbe, breitere Varietät, Ventralklappe, Yi n « Gr. 

7. ? Derselbe, Kern, Yi n. Gr. 

8. Orthis distorta Barr., Ventralklappe, i / l n. Gr. 

- 9. Dieselbe, Profil, Vi n. Gr. 

- 10. Dieselbe, Area, 4 /i n - Gr. 

- 11. Strophomena imbrex Dav., Ventralklappe, Yj n * Gr. 

- 12. Orthis sp., Yi n - Gr. 

- 13. 0. callactis Dalm., Dorsalklappe, 2 /i n - Gr. 

- 14. 0. (?) pecten Sow., Ventralklappe, T /i n - Gr. 

- 15. Dieselbe, Kern, Vi n - Gr. 

- 16. Dieselbe, ausgewachsenes Exemplar (an den Ecken restaurirt), 

Vi n. Gr. 

- 17. Dieselbe, Schalenstück, 4 /i n - Gr. 

- 18. Strophomena curta n. sp., Ventralklappe, Vi 11 ■ Gr. 

- 19. Dieselbe, Profil, Vi n - Gr. 

- 20. Dieselbe, Kern, Vi n - Gr. 

- 21. Dieselbe, Kern, »/, n. Gr. 

- 22. Leptaena laevigata Sow. Dorsalklappe, Vi n - Gr. 



425 



Fig. 23. Leptaena (?) lata Buch, Abdruck der Dorsalklappe, n, Gr. 

24. L. corrugata Portl., jung, aufgeklappt, l / t n. Gr. 

25. Dieselbe, Kern, 2 /i n - Gr. 

26. Dieselbe, jung, 1 °/ l n. Gr. 

27. Dieselbe, erwachsen, 2 /i n « Gr. 

28. Dieselbe, Schalenstiick, ''*/, n. Gr. 

29. L. fugax Barr., Ventralklappe, '/, n. Gr. 

30. Dieselbe, Kern, '/, n. Gr. 

31. L. Verneuili Barr., Ventralklappe, n. Gr. 

32. Discina Forbesi Dav., Ventralschale, V, n. Gr. 



Zeits. d. d. geol.Ges. X VIII. 3. 



28 



426 



2. Ueber die Reiclieusteiiier Quarzzwillinge. 

Von Herrn Heinrich Eck in Berlin. 

Unter denjenigen Mineralien, welche der Königl. Berg- 
Akademie zu Berlin aus der Sammlung des Königl. Ober-Berg- 
Amtes zu Breslau zugekommen sind, fand sich auch ein Stück 
Serpentin von Reichenstein vor, welches in seinen Drusen die 
von Herrn G. Rose in Poggendorff's Annalen Bd. LXXXIII. 
S. 461 beschriebenen und Taf. II. Fig. 16 u. 17 abgebildeten 
Quarzkrystallgruppirungen beobachten lässt. Zu näherer Ver- 
gleichung gestattete mir Herr G. Rose auch eine Untersuchung 
der beiden in dem hiesigen Universitäts -Museum befindlichen 
Exemplare, welche der oben erwähnten Arbeit zu Grunde 
gelegen haben, wofür ich demselben meinen besten Dank aus- 
zusprechen nicht verfehle. 

Herr G. Rose hatte aus dem ihm vorliegenden Materiale 
gefolgert, dass die in Rede stehenden Krystallgruppirungen 
Vierlinge bilden, indem an einen mittleren Krystall drei Indi- 
viduen so angewachsen seien, dass eine Hauptrhomboederfläche 
von jedem der letzteren mit je einer der drei Hauptrhomboeder- 
flächen des mittleren Krystalls in gleicher Ebene liege. Die 
Zvvillingsebene wäre hiernach eine Hauptrhomboederfläche ; die 
Krystalle wären aber nicht mit dieser, sondern mit einer darauf 
senkrechten Fläche mit einander verwachsen. Der Winkel der 
Axen zweier zwillingsartig verbundenen Krystalle und der Winkel 
der beiden Prismenflächen, worauf die gemeinschaftlichen Rhom- 
boederflächen aufgesetzt sind, musste demnach 103° 34' betragen. 

Gegen diese bisherige Deutung machte Herr Hessenberg, 
ohne das in Rede stehende Vorkommen in Wirklichkeit gese- 
hen zu haben, in v. Leonhard und Bronn's neuem Jahrbuch 
für Mineralogie u. s. w., Jahrg. 1854, 'S. 306 den Einwand, 
dass bei der angegebenen Gruppirung nicht diejenige allsei- 
tige Symmetrie, deren eine Gruppe von vier Quarzkrystallen 
fähig sei, stattfinden könne, weil nämlich die Axen der drei 



427 



seitlichen Individuen unter sich nicht dieselbe Neigung (von 
103° 34') haben könnten, wie die Axe des mittleren Krystalls 
zu jeder Axe der drei seitlichen Individuen. Herr Hessenberg 
glaubte mit grösserer Wahrscheinlichkeit die Existenz einer 
solchen vollkommenen Symmetrie bei den in Rede stehenden 
Krystallgruppirungen annehmen zu dürfen, bei welcher die ge- 
meinschaftliche Fläche einem Rhomboeder mit 120 ! Endkanten- 
winkel angehören müsse, die gegenseitige Neigung aller vier 
Hauptaxen 109° 28' betragen würde, je zwei der Hauptrhom- 
boederflächen nicht mehr in ei n er Ebene liegen, sondern einen 
Winkel von 174° 6' mit einander machen würden, und die 
Zwillingsebene demzufolge parallel — | R. sein würde. 

Berechnete man indessen aus einem Rhomboeder -| R. 
von 120° Endkantenwinkel rückwärts das Hauptrhomboeder 
und dessen Neigung zur Hauptaxe, so ergab sich für diese der 
Winkel von 141" 50' 47", welcher von dem aus den Ktjpffer'- 
schen Messungen für diese Neigung berechneten Winkel von 
141° 47 zwar nur um 3' 47" abweicht, aber überhaupt mit 
demselben differiren muss, da ein Rhomboeder von 120 End- 
kantenwinkel im hexagonalen Systeme wohl nicht vorkommen 
kann. Ausserdem entbehrte dieser Einwand der thatsächlichen 
Begründung. 

Ein genaueres Studium der erwähnten Krystallgruppirun- 
gen hat mich zu folgendem Resultate geführt. 

Die vorliegenden Stücke Serpentin, welche kleine Arseni- 
kalkieskrystalle in grosser Zahl eingesprengt enthalten, werden 
mehrfach von kleinen Quarzgängen durchsetzt. „Der Quarz ist 
2 — 3 Linien hoch auf den Saalbändern der Gänge rechtwinklig 
aufgewachsen und , wo die Gänge sich erweitern und in der 
Mitte Drusen bilden, (in der Combination der sechsseitigen 
Säule mit dem Haupt- und Gegenrhomboeder) auskrystallirt" ; 
er ist ziemlich durchsichtig. In diesen Drusen liegen unmittel- 
bar auf diesem älteren Quarze hier und da Kalkspathkrystalle 
zerstreut, welche in allen vorliegenden Fällen ausschliesslich 
das erste stumpfere Rhomboeder als Endigung beobachten las- 
sen und entweder aus diesem allein, oder aus der Combination 
desselben mit der ersten sechsseitigen Säule oder einem schär- 
feren Rhomboeder, wahrscheinlich Hauy's dilate, bestehen. Auf 
diesen Kalkspathkrystallen finden sich Krystalle eines jüngeren 
Quarzes aufgesetzt, welche ebenfalls lediglich aus der Combi- 

28 * 



428 



nation der sechsseitigen Säule mit dem Haupt- und Gegen- 
rhomboeder bestehen, sich aber von dem älteren Quarze durch 
geringere Durchsichtigkeit unterscheiden. Die Krystalle dieses 
jüngeren Quarzes allein bilden die oben erwähnten Krystall- 
gruppirungen. Es ist zum Verständniss der letzteren durchaus 
wesentlich, dass die Krystalle des jüngeren Quarzes stets auf 
den Flächen des ersten stumpferen Kalkspathrhomboeders auf- 
gewachsen sind, und zwar haben sie sich auf dieselben mit einer 
Hauptrhomboederfläche. immer so aufgesetzt, dass die Combina- 
tionskante zwischen der sechsseitigen Säule und dem Haupt- 
rhomboeder beim Quarz sich parallel legte der horizontalen 
Diagonale der rhombischen resp. pentagonalen Fläche des ersten 
stumpferen Kalkspathrhomboeders. Traten zu diesen drei Quarz- 
individuen drei weitere in derselben gesetzmässigen Verwach- 
sung mit dem Kalkspathe hinzu, aber mit dem Unterschiede, 
dass, wenn jene ersten drei Quarzindividuen die Spitze ihrer 
Dihexaederfläche der Spitze des ersten stumpferen Kalkspath- 
rhomboeders zuwendeten, die drei neuen Quarzindividuen um- 
gekehrt der Spitze des ersten stumpferen Kalkspathrhomboe- 
ders die Basis ihrer Dihexaederfläche zukehrten, so entstand 
eine Gruppe von drei Quarzzwillingen, von denen je ein Zwil- 
ling einer Fläche des ersten stumpferen Kalkspathrhomboeders 
aufliegt. Jene drei ersten Quarzindividuen will ich im Folgen- 




Kalkspath. 



den als „äussere", die drei letzteren als „innere" bezeichnen. 
Bei jedem dieser Zwillinge muss natürlich eine Hauptrhom- 
boederfläche des einen Individuums mit einer Hauptrhomboe- 
derfläche des anderen in eine Ebene fallen, beide müssen der 
ihnen als Unterlage dienenden Fläche des ersten stumpferen 



429 



Kalkspathrhomboeders parallel gehen, und der Winkel der 
Axen beider Individuen und der Winkel der Prismenflächen, 
auf welche die gemeinschaftlichen Rhomboederflächen aufge- 
setzt sind, müssen demnach 103° 34' betragen. Von diesen 
drei zu einer Gruppe verbundenen Zwillingen entsprechen die 
drei äusseren Quarzindividuen den drei seitlichen Krystallen in 
Fig. 17, Taf. IL, Bd. LXXXIII. von Poggendorff's Annalen, 
die drei inneren Individuen dem mittleren Krystall derselben 
Zeichnung. 

Immer herrschen die Hauptrhomboederflächen, welche den 
Zwillingen gemeinsam sind , die Prismenflächen unter ihnen 
und die dieser Zone zugehörigen Flächen des Gegenrhomboe- 
ders sowohl bei den äusseren, als bei den inneren Individuen 
bedeutend über die übrigen Flächen vor. Dieses Vorherrschen 
der betreffenden Hauptrhomboederflächen _ß 4 , kann 

sich bei den drei inneren, an und durch einander wachsenden 
Individuen in dem Grade steigern, dass man ein einziges Rhom- 
boeder, welches den Endkantenwinkel des ersten stumpferen 
Kalkspathrhomboeders zeigen würde, zu sehen vermeint. Die 
unter den drei Zwillingsebenen der drei inneren Individuen 
liegenden Prismenflächen g^) schliessen, eben so wie 

die Hauptaxen derselben , mit der unterliegenden Fläche des 
ersten stumpferen Kalkspathrhomboeders einen Winkel von 
38° 13' ein; sie bilden ferner mit einer durch die horizontalen 
Diagonalen der Kalkspathflächen gelegten Ebene einen Winkel 
von 64° '28' 13", da sich der Winkel, der diese Ebene mit den 
Flächen des ersten stumpferen Kalkspathrhomboeders macht, 
aus dem Endkantenwinkel des letzteren von 134° 57' zu 
26' 15' 13" berechnet; sie würden endlich, gehörig ausge- 
dehnt, ein Rhomboeder mit einem Endkantenwinkel von 77° 
12' 36" bilden. Die an jene Prismenflächen angrenzenden, 
unter den Gegenrhomboederflächen liegenden Säulenflächen bil- 
den mit den entsprechenden Prismenflächen der angrenzenden 
Individuen (also g/ mit g", g/ mit g 6 ", g mit g ") einen 
Winkel von 174° 46' 34" (wie wir gleich sehen werden), fal- 
en also mit denselben beinahe in eine Ebene. Lägen sie 
wirklich in einer Ebene, so würden diese drei Ebenen das 
erste schärfere Rhomboeder desjenigen Rhomboeders darstellen, 
welches durch die Ausdehnung' der drei unter den Zwillings- 
flächen liegenden Säulenflächen (# 2 , </ 4 , g 6 ) entstehen würde, 



430 



und der Winkel, den die Flächen dieser beiden Rhomboeder 
mit einander bilden würden, inüsste demnach 120' betragen. 
Der Winkel zwischen den Flächen des letztbezeichneten Rhom- 
boeders und seines ersten schärferen Rhomboeders berechnet 
sich indess aus den obigen Angaben zu 122° 36 '43 ', ist also 
um 2° 36' 43" stumpfer, als er bei dem Zusammenfallen der oben 
bezeichneten Prismenflächen in eine Ebene sein würde. Die letz- 
teren müssen daher einen einspringenden Winkel von 174° 46 '34" 
bilden. Durch das Vorherrschen der Zwillingsflächen bei den 
drei inneren Individuen und durch das scheinbare Zusammen- 
fallen je zweier unter den angrenzenden Gegenrhomboederflä- 
chen liegenden Säulenflächen, die noch dazu durch ihre Klein- 
heit den einspringenden Winkel leicht übersehen lassen, ge- 
winnt die Gruppe der drei inneren Individuen für den ersten 
Blick das Ansehen eines einzigen Quarzkrystalls, wofür dieselbe 
bei der bisherigen Deutung der in Rede stehenden Krystall- 
gruppirungen auch gehalten worden ist. 

Nicht in allen Fällen sind indessen alle sechs zu einer 
vollständigen Gruppe gehörigen Quarzindividuen auch sämmt- 
lich vorhanden. Es wurde in einzelnen Fällen das Vorhanden- 
sein von drei äusseren Individuen mit nur zwei inneren, ferner 
von drei inneren mit nur einem äusseren, oder von zwei inne- 
ren mit nur einem äusseren, endlich von nur einem inneren 
mit dem entsprechenden äusseren Individuum beobachtet. Be- 
stehen die Kalkspathkrystalle vorherrschend oder ausschliess- 
lich aus dem ersten stumpferen Kalkspathrhomboeder und 
wachsen zwei oder mehrere derselben in gleicher Stellung, aber 
nur in der Mitte auf einander auf, so erhalten auch die unte- 
ren Flächen der Kalkspathrhomboeder Gelegenheit, auf ihrem 
freiliegenden Theile Quarzkrystalle in der oben angegebenen 
Weise sich ansetzen zu lassen, welche natürlich zwischen je 
zwei, auf den oberen Kalkspathrhomboederflächen aufgewach- 
senen Quarzindividuen zu liegen kommen. Wären in einem 
solchen Falle die Kalkspathkrystalle sehr klein, so könnten bei 
mehrfacher Wiederholung der Verwachsungen vollständige Quarz- 
rosen entstehen. 

In Folge der Ablösung des als Unterlage dienenden Kalk- 
spathkrystalls Hess sich in einem Falle die Unterseite einer 
der beschriebenen Zwillingsgruppirungen beobachten. Sie zeigt 
in der Gestalt einer dreiseitigen Hohlpyramide mit gleichseiti- 



431 



ger Basis den Abdruck eines Ueberzuges über die Spitze des 
ersten stumpferen Kalkspathrhomboeders; derselbe wird durch 
die drei Hauptrhomboederflächen gebildet, mit welchen die drei 
äusseren Quarzindividuen auf die Flächen des Kalkspaths auf- 
gewachsen sind. Leider Hess sich nicht feststellen, ob auch 
die inneren Individuen in der Gruppe vertreten sind. Die 
Hauptrhomboederflächen sind, so weit sie auf dem Kalkspath 
aufgesessen haben, matt, auf dem übrigen Theile, welcher frei 
lag, glänzend. Abdrücke dieser Hohlpyramide, welche ver- 
mittelst der von Lipowitz angegebenen Legirung von 3 Theilen 
Cadmium, 4 Theilen Zinn, 8 Theilen Blei und 15 Theilen Wis- 
muth hergestellt wurden , zeigten, mit dem Anlegegoniometer 
gemessen, in den Endkanten einen Winkel von 135^, d. h. den 
Endkantenwinkel des ersten stumpferen Kalkspathrhomboeders. 

Die Gesetzmässigkeit in der gegenseitigen Lagerung zwi- 
schen den Krystalien des jüngeren Quarzes und des Kalkspaths 
Hess ein gleiches Verhältniss auch umgekehrt zwischen den Kry- 
stalien des Kalkspaths und des älteren Quarzes erwarten oder 
wenigstens als möglich erscheinen. Da indess in der Mehrzahl 
der vorliegenden Fälle die Kalkspathkrystalle über die Köpfe 
vieler Individuen des älteren Quarzes sich ausbreiten, so war 
eine nähere Feststellung des gegenseitigen Lagerungsverhält- 
nisses nicht ausführbar. 

Wenn es nach dem Obigem keinen Zweifel unterliegen 
kann, dass wir die Entstehung der beschriebenen Gruppirung 
der drei Quarzzwillinge lediglich der gesetzmässigen Verwach- 
sung zwischen den Krystalien des jüngeren Quarzes und des 
Kalkspathrs zuzuschreiben haben, so kann doch die Frage auf- 
geworfen w r erden, ob wir den Grund für die Entstehung der 
zwiliingsartigen Verwachsung je zweier Quarzindividuen eben- 
falls lediglich in dieser gesetzmässigen Aufeinanderlagerung zu 
suchen, oder ob wir anzunehmen haben, dass das zweite, auf 
derselben Fläche des ersten stumpferen Kalkspathrhomboeders 
sich anlegende Quarzindividuum nicht durch den Kalkspath, 
sondern durch das bereits vorhandene Quarzindividuum veran- 
lasst w T ird, die zwillingsartige Stellung zu diesem anzunehmen. 
In dem letzteren Falle, also bei der Verwachsung nach einem 
dem Quarze eigenen Zwillingsgesetze, würden wir postuliren 
können, Quarzzwillinge mit gemeinschaftlicher Hauptrhomboe- 
derfläche auch da zu finden, wo von einer Prädestinirung der 



432 



Lage des zweiten Individuums durch eine Kalkspathunterlage 
nicht die Rede sein kann. Dieses ist bisher nicht geschehen. 
In dem ersteren Falle, der die Existenz eines solchen Zwil- 
lingsgesetzes beim Quarze zweifelhaft machen würde, würde 
eine ähnliche Verschiedenheit in der Lage der auf dem Kalk- 
spath abgesetzten Quarzkrystalle stattfinden, wie sie Herr 
Frankekeheim für die auf Glimmer sich ablagernden Jodkalium- 
octaeder beobachtet hat (Poggendorff's Annalen, Bd. CXI. 
S. 39), welche freilich dem regulären Systeme angehören. 

Dass wir nicht überall, wo Quarz- und Kalkspathkrystalle 
zusammen vorkommen , dieselben in der angegebenen Weise 
gesetzmässig verwachsen finden, ist um so weniger auffallend, 
als „die dünnste Schicht eines fremden Körpers, eine Schicht, 
mit der sich fast jeder Körper schon durch Liegen an der 
Luft bedeckt, hinreichend ist, jede derartige Wirkung aufzu- 
heben." 

Die Seltenheit der oben beschriebenen Quarzkrystallgrup- 
pirungen kann bei der Complicirtheit der zu ihrer Entstehung- 
erforderlichen Vorbedingungen nicht befremden. 



433 



3. lieber die Auffindung devonischer Kalksteinschichten 
hei Siewierz im Königreiche Pole«, 

Von Herrn Ferd. Roemer in Breslau. 

Der zwei bis drei Meilen breite Zwischenraum zwischen 
dem nordöstlichen Flügel des grossen oberschlesisch - polni- 
schen Steinkohlenbeckens und dem polnischen Jura-Zuge von 
Olkusz, Pilica und Czenstochau wird durch Gesteine der Trias- 
Formation ausgefüllt. Ein durch verschiedene Glieder des 
Muschelkalks gebildeter Rücken erstreckt sich mit nordwest- 
licher Richtung von Olkusz über Slawkow bis Siewierz. Am 
südwestlichen Abhänge dieses Rückens tritt der Bunte Sand- 
stein in der Form braunrother Letten hervor und bildet eine 
schmale, das Steinkohlengebirge zunächst begrenzende Zone. 
Der Boden des flachen und meistens waldbewachsenen Gebie- 
tes östlich und nordöstlich von dem Muschelkalkrücken bis 
u dem jurassischen Höhenzuge setzt dagegen eine mehrere 
undert Fuss mächtige Schichtenfolge von braunrothen und 
ünlichgrauen Thonen mit Einlagerungen von glimmerreichen, 
ürben, grauen Sandsteinen, breccienartigen oder conglomerati- 
chen Kalksteinschichten und wenig mächtigen und unreinen 
ohlenflötzen zusammen, welche bisher für jurassisch galt, in 
irklichkeit aber, wie ich früher aus den Lagerungsverhält- 
issen und dem petrographischen Verhalten nachzuweisen ver- 
suchte, jetzt aber aus paläontologischen Erfunden sicher fest- 
gestellt habe, dem Keuper angehört. 

Ringsum von diesen braunrothen Keuper-Letten umgeben, 
erhebt sich nun J Meilen nördlich von dem etwa 4 Meilen 
stlich von Tarnowitz gelegenen Städtchen Siewierz unmittel- 
ar nördlich von dem Dörfchen Dziewki ein schmaler, aber 
fast ~ Meile langer, von Osten nach Westen streichender, mit 
Buschwerk bewachsener niedriger Rücken , welcher aus einem 
ganz fremdartigen Gesteine besteht. Es ist ein dunkelblau- 
grauer, an der Luft hellgrau ausbleichender, beim Zerschlagen 



434 



stark bituminös riechender, dichter, compakter, marmorartiger 
Kalkstein. Zahlreiche auf der bewaldeten Oberfläche des Rückens 
selbst und auf den die Abhänge bildenden Feldern lose umher- 
liegende, grössere und kleinere Blöcke gewähren gute Gelegen- 
heit zur Beobachtung des Gesteins. Ausserdem tritt es aber 
auch in einzelnen kleinen, wenige Fuss hohen, anstehenden Klip- 
pen auf der Oberfläche des Rückens hervor. An diesen letz- 
teren ist denn auch mit Deutlichkeit zu beobachten, dass die 
Bänke des Kalksteins mit einem steilen Neigungswinkel gegen 
Norden einfallen. 

Der Kalkstein ist reich an organischen Einschlüssen, die 
jedoch immer nur auf der angewitterten Oberfläche der Stücke 
in Durchschnitten hervortreten, niemals aber aus der gleich- 
mässig dichten Masse des Gesteins, mit welcher sie innig ver- 
wachsen sind, sich auslösen lassen. Korallen sind weitaus 
am häufigsten. Zuweilen sind sie so dicht zusammengehäuft, 
dass das ganze Gestein als ein blosses Aggregat von Korallen- 
stücken erscheint. Am häufigsten sind Stromatopora polymorpha, 
zum Theil kopfgrosse Knollen bildend, Cyathophyllum hexago- 
num und walzenrunde, 2 Linien dicke, kleine Stämmchen einer 
Calamopora- oder Alveolites-Art, welche auch in dem dunke- 
len Kalke von Ober - Kunzendorf häufig ist. Seltener wurden 
Heliolites porosa und Calamopora cervicornis (Calamopora poly- 
morpha Goldp. var. cervicornis, Favosites cervicornis Edw. et 
Haime) und eine einzellige, kreiseiförmige Cyathophyllum-Art 
von der allgemeinen Form des Cyathophyllum ceratites Goldf. 
beobachtet. 

Diese Knollen beweisen die devonische Natur des Kalk- 
steins, und namentlich schliesst das Vorkommen der Heliolites 
porosa und Stromatopora polymorphem eine etwaige Bestimmung 
des Gesteins als Kohlenkalk aus. Dagegen genügen die ge- 
nannten Korallen-Arten kaum, um die besondere Abtheilung 
der devonischen Schichtenreihe, in welche der Kalkstein zu 
stellen ist, zu ermitteln, da den meisten jener Arten eine 
grössere vertikale Verbreitung innerhalb der devonischen Gruppe 
zusteht. Als ich daher in Gesellschaft des Herrn Berg-Asses- 
sors O. Degenhardt, der bei Gelegenheit der Aufnahme jener 
in den Bereich der Sektion Königshütte der in der Ausführung 
begriffenen geognostischen Karte von Oberscblesien fallen- 
den Gegend zuerst auf die Fremdartigkeit des Gesteins in dem 



435 



ringsum herrschenden Keuper- Gebiete aufmerksam geworden 
und Stücke mit den genannten Korallen an mich eingesendet 
hatte, im Monat August dieses Jahres die Lokalität selbst be- 
suchte, so richteten wir unsere Nachforschungen besonders auf 
die Auffindung von Schalthierresten. Wir waren in der That 
so glücklich, dergleichen zu entdecken. Gewisse Schichten des 
Kalksteins sind mit den Schalen einer grossen Brachiopoden-Art 
erfüllt, welche vollständig aus dem Gestein zu lösen zwar 
nicht gelang, welche ich aber dennoch durch Vergleichung 
der nach verschiedenen Richtungen geführten Durchschnitte 
auf den Verwitterungsflächen des Gesteins mit Sicherheit als 
Stringocephalus Burtini habe bestimmen können. Sowohl die 
mediane Längslamelle im Inneren der grösseren Klappe, als 
auch der von der Innenfläche des Wirbels der kleineren Klappe 
aufsteigende, am Ende gabelförmig getheilte Fortsatz Hessen 
sich erkennen. 

Durch dieses Vorkommen von Stringocephalus wird der 
Kalkstein von Dziewki bei Siewierz als gleichalterig mit dem 
Kalke von Paffrath bestimmt und gehört also wie dieser dem 
oberen Theile der mittel-devonischen Abtheilung oder des Eife- 
ler Kalks an. 

Jüngere paläozoische Gesteine, namentlich Kohlenkalk oder 
permische Schichten, welche man in der Umgebung dieser iso- 
lirten Erhebung devonischer Gesteine etwa erwarten könnte, 
sind nicht vorhanden. Dagegen tritt allerdings der Muschelkalk 
in der nächsten Umgebung des devonischen Kalks auf. Na- 
mentlich auf der Nordseite des Höhenzuges ist er, an mehreren 
Punkten aufgeschlossen. Es sind die durch Cylindrum annu- 
latum Eck (Nullipora annulata Schafh.) bezeichneten dolomiti- 
schen Schichten des unteren Muschelkalks, welche ebenso in 
Polen, und namentlich in einem von Olkusz bis Siewierz sich 
erstreckenden Muschelkalk - Rücken , wie in Oberschlesien ein 
regelmässiges Glied in der Schichtenreihe des Muschelkalks 
bilden. Die noch tieferen Glieder des Muschelkalks fehlen 
ebenso wie die oberen. Auch auf der Südostseite des devoni- 
schen Rückens tritt der Muschelkalk an ein Paar Punkten her- 
vor, und es ist durchaus wahrscheinlich, dass er denselben 
überhaupt mantelförmig umgiebt. Jenseits des Muschelkalks 
sind, wie schon bemerkt wurde, die rothen Keuper-Letten ver- 
breitet. 



436 



Ausser dieser grösseren Partie sind in derselben Gegend 
auch noch zwei kleinere vorhanden, deren devonische Natur 
freilich viel undeutlicher und ohne die Bekanntschaft mit der 
beschriebenen grösseren Partie kaum erkennbar sein würde. 
Die eine liegt wenig entfernt bei dem Dorfe Nowa Wioska, 
4- Meile südöstlich von Dziewki. Südöstlich von dem Dorfe 

4 

erhebt sich ein niedriger, mit Wachholdersträuchen bewachsener, 
stumpf konischer Hügel, auf dessen Oberfläche ein dunkelblau- 
schwarzer Dolomit in Blöcken und niedrigen, wenige Fuss ho- 
hen Klippen zu Tage steht. Das Gestein ist mit den cylin- 
drischen Stämmchen derselben kleinen Calamopora (Alveolites ?) 
erfüllt, welche in gleicher Weise gewisse Schichten des Kalk- 
steins von Dziewki durchzieht. Freilich erscheint sie hier in 
einer viel weniger deutlichen Erhaltung als dort, indem meistens 
nur die durch hellere Versteinerungsmasse bezeichneten Umrisse 
der fadenförmigen kleinen Koralle in dem dunkelen Gesteine 
hervortreten. Zuweilen ist die Substanz der Koralle selbst ver- 
schwunden, und daun erscheint das Gestein von den entspre- 
chenden, dicht gedrängten, wurmförmigen Hohlräumen durchzo- 
gen. Ausser dieser Koralle wurde nur noch ein undeutlicher 
Abdruck, der vielleicht zu Uncites gryphus gehören könnte, 
beobachtet. 

Der dritte Punkt liegt weiter entfernt. Wenige Schritte 
von der Eisenbahnstation Zawierzie an der Warschau - Wiener 
Eisenbahn ist in einem dicht neben der Mühle am Ufer des 
Baches gelegenen, jetzt zum Theil schon wieder verschütteten 
Steinbruche ein dunkelgrauer, fast schwarzer Dolomit mit deut- 
lich krystallinisch körnigem Gefüge aufgeschlossen, welcher, 
obgleich er keine bestimmbare, organische Reste erkennen Hess, 
doch durch sein petrographisches Verhalten sich dem Gesteine 
von Nowa Wioska so verwandt zeigt, dass er diesem im Alter 
unbedenklich gleichgestellt werden darf. Ohne die Kenntniss 
der beiden anderen Partien würde man wohl durch den Con- 
trast, in welchem das hier bei Zawierzie so vereinzelt hervor- 
tretende, dunkele Gestein gegen die ringsum herrschenden, ro- 
then Keuper- Letten und alle anderen benachbarten Gesteine 
des Flötzgebirges steht, betroffen sein, aber kaum daran den- 
ken, eine devonische Bildung vor sich zu haben. In der That 
hat auch Zeusohner in einer die rothen Keuper-Letten betreffen- 



437 



den, jüngst erschienenen Abhandlung"), welche mir erst nach 
dem eigenen, in Gemeinschaft mit Herrn Berg-Assessor Degen- 
haedt ausgeführten Besuche zu Gesicht kam, sowohl den Do- 
lomit von Zawierzie, als denjenigen von Nowa Wioska als Ein- 
lagerungen in den Keuper-Thonen betrachtet, freilich zugleich 
bemerkend, dass die Lagerungsverhältnisse nicht klar seien. 

So sind also in der Gegend von Siewierz drei 
beschränkte Partien von kalkigen devonischen 
Schichten vorhanden, welche sich insel artig isolirt 
aus den ringsum herrschenden Keuper-Thonen er- 
heben und von anderen devonischen Gebieten weit 
getrennt liegen. 

Am nächsten, aber immerhin noch gegen 7 Meilen ent- 
fernt, ist die kleine Partie von Debnik bei Krzeszowice un- 
weit Krakau, wo die schwarzen, in mehreren Steinbrüchen als 
Marmor gewonnenen Kalksteinbänke, die bisher für Kohlen- 
kalk gehalten wurden, nach paläontologischen Erfunden un- 
längst in dieser Zeitschrift als devonisch bestimmt wurden. 
Der Marmor von Debnik wird bei Czerna von ächtem Kohlen- 
kalk mit Productus giganteus überlagert, und erst auf diesen 
folgen die Schieferthone des produktiven Steinkohlengebirges, 
welche bei Tenczinek auch bauwürdige Kohlenflötze einschlies- 
sen. Die devonischen Felspartien bei Siewierz werden dagegen 
von dem produktiven Steinkohlengebirge an der Oberfläche 
durch eine breite Zone von Trias-Gesteinen getrennt, und den 
Kohlenkalk kennt man hier nicht. Aber hier wie dort bezeich- 
net das Auftreten der devonischen Gesteine die Grenze des 
grossen oberschlesisch - polnischen Steinkohlenbeckens. Ueber 
Siewierz hinaus gegen Nordosten wird jede Nachforschung nach 
Steinkohlen ohne Aussicht auf Erfolg sein. 

Eine andere Vergleichung bietet sich für die devonischen 
Kalkpartien bei Siewierz mit den allerdings weiter entfernten 
devonischen Schichten des von Pusch so genannten Sendomirer 
Mittelgebirges oder der Höhenzüge bei Kielce im südlichen 
Polen. In der That sind im Mittelgebirge devonische Kalkstein- 
schichten von ganz ähnlicher Beschaffenheit, wie diejenigen bei 
Siewierz, bekannt. Namentlich kommen in der Umgebung von 
Chencin, südwestlich von Kielce, dunkelblaugraue, devonische 



*) S. Bd. XVIII. S. 235 dieser Zeitschrift. 



438 



Kalksteinschichten vor, welche in ganz gleicher Weise mit den 
cylindrischen Stämmchen der kleinen Calamopora- Art erfüllt 
sind, wie gewisse Schichten des Kalkes bei Dziewki. Die 
Streichungslinie der Schichten bei Chencin gegen Westen fort- 
gesetzt gedacht, trifft in der That genau auf die devonischen 
Partien bei Siewierz. Man wird diese letzteren als äussersten 
westlichen Ausläufer der devonischen Erhebung des Mittel- 
gebirges betrachten müssen, obgleich sie durch einen mehr als 
20 Meilen langen, von Jura- und Kreide - Schichten ein- 
genommenen Zwischenraum von der Haupterhebung des Mittel- 
gebirges getrennt sind. 



439 



4. Di«5 Korallen des norddeutschen Jura- und Kreide- 
Gebirges. 

Von Herrn Wilhelm Bölsche in Braunschweig. 

(Hierzu Taf. Vit, VIII, IX.) 

Seitdem in Folge der classisohen Arbeiten von Milne 
Edwards und Haime die Paläontologen mehr Aufmerksamkeit 
dem Studium der fossilen Korallen geschenkt haben, sind auch 
in Deutschland die Korallen verschiedener Formationen in meh- 
reren Arbeiten monographisch behandelt. So haben die Koral- 
len der norddeutschen Tertiär-Formationen in letzterer Zeit ihre 
Bearbeiter gefunden. Es fehlte jedoch immer noch eine Arbeit, 
in der auch die Korallen der norddeutschen »Iura- und Kreide- 
Formation einem eingehenderen Studium unterworfen wären. 

Zenker*) war der Erste, der eine Koralle aus dem nord- 
deutschen Jura beschrieb. 

Erst durch die classischen Arbeiten von A. Roemer **) und 
Koch und Duncker***) wurde eine grössere Anzahl von nord- 
deutschen Korallen aus der Jura- und Kreide-Formation bekannt. 
Nachher sind noch einige neue Species hinzugefügt durch die 
Arbeiten von Giebel |) und Herm. Credner. ff) Milne Edwards 
und Haime und nach ihnen Fromentel haben versucht, die 
grössere Anzahl der aus Norddeutschland bekannt gewordenen 



*) Nova acta naturae curiosorum. T. XVII prs. 1, p. 387. 183"). 
**j Versteinerungen des norddeutschen Oolithen-Gebirgcs und Nach- 
trag dazu. Hannover. 1836 u. !83i* — Versteinerungen des norddeutschen 
Kreidegebirges. Hannover. 1841. 

Beiträge zur Kenntniss des norddeutschen Oolithgebildes und 
dessen Versteinerungen. Braunschweig. 1837. 

f) Ueber Polypen aus dem Plänermergel des subhereynischen 
Beckens um Quedlinburg, in der Zeitung für Zoologie, Zootomie und 
Paläozoologie von d'Alton und Bim meister, S. 9 u. !0 1848. 

ff) Pteroceras- Schichten der Umgebung von Hannover, in Zeit- 
schrift der deutschen geologischen Gesellschaft. Bd. 16, S. 243. 186}, 



440 



Species ihrem Systeme einzuordnen. Dabei sind jedoch von 
ihnen mehrere beim Fehlen von Original-Exemplaren meistens 
nicht zu vermeidende Irrthümer begangen. Auf Anregung Herrn 
v. Seebach's habe ich deshalb versucht, im Folgenden Alles, 
was bis jetzt von norddeutschen Jnra- und Kreide-Korallen 
bekannt war, kritisch zusammenzustellen und zugleich eine 
grössere Anzahl von neuen Species hinzuzufügen. Die für das 
hiesige paläontologische Museum angekaufte Sammlung des 
verstorbenen Herrn Armbrüst in Hannover bot mir ein reich- 
haltiges Material. Für die Erlaubniss zur Benutzung desselben 
schulde ich Herrn v. Seebach meinen aufrichtigsten Dank. 
Ausserdem bin ich auf das Höchste zu Dank verpflichtet den 
Herren v. Strombeck, Grotrian und Beckmann in Braunschweig, 
H. Roemer in Hildesheim, Credner und Witte in Hannover, 
Steinvorth in Lüneburg, Schlönbach in Salzgitter und Grotrian 
in Schöningen, die mir auf die liberalste Weise ihre reichhal- 
tigen Sammlungen- zur Benutzung zu Gebote gestellt haben. 

Bei der Beschreibung habe ich die systematische Einthei- 
lung der Korallen von Fromentel zu Grunde gelegt. Dieselbe 
hat Letzterer zuerst angedeutet in seinem Werke : ,,Description 
des polypiers fossiles de l'etage neocomien. Paris.. 1857" und 
später vollständig durchgeführt in seiner „Introduction a l'etude 
des polypiers fossiles. Paris. 1858 — 61". 

Einige unbedeutende Aenderungen findet man in den bis 
jetzt erschienenen, mir vorliegenden sieben Heften der Paläon- 
tologie frangaise, in denen Fromentel die Korallen der franzö- 
sischen Kreide und in Gemeinschaft mit Ferry die des Jura 
zu bearbeiten angefangen hat. Ebenfalls habe ich mich der. 
von Fromentel ausgesprochenen Ansicht angeschlossen, dass 
bei der Bildung der Septal-Cyclen bei den Jura- und Kreide- 
Korallen ausser der Grundzahl 6 auch noch andere Grund- 
zahlen auftreten können. — Ich habe mich bei der Aufführung 
der Synonyme meistens auf die Hauptwerke beschränkt. 



441 



Beschreibung der Arten. 

Korallen des Jura. 

I. Z oantharia aporosa M. Edw. u. Haine. 

A. Menasfrea Fuomem. 
a. Turbinolacea Froment. 
Familie: Caryophyllidae Fkoment. 

Thecocyathus M. Edw. u. Haimk. 
1. Thecocy athus mactra Goldf. sp. 

Cyathophyllum maclra Goldf., Petref. Germ. p. 56, t. 16. fig. 7. 1826. 
Thecocyathus maclra M. Edw. u. Haime, Hist. nat. d. Corall. T. II. p. 49. 
1857. 

Thecocyathus mactra Fkoment., Introd. a l'Et. d. Polyp, foss. p. 81. 
1858-61. 

Thecocyathus mactra z. Th. Fuoment. u. Ferry, Paleont. franc., Terr. jur. 
Zooph. p. 32. 1865. 

Polypenstock kurz, fast scheibenförmig. Epithek dünn, 
quergerunzelt. 4 Cyclen und die Anfänge eines fünften Cyclus. 
Kelch kreisförmig. Septen gerade, ziemlich dünn, etwas über 
den oberen Rand des Kelches hervorragend. Pfähl chen dick. 
Höhe 3-5 Mm.; Breite des Kelches 9 — 15 Mm. 

Vorkommen. Von dieser Species liegt ein Exemplar 
vor aus den Schichten mit Ammonites opalinus von den Zwerg- 
löchern bei Hildesheim. (Sammlung von H. Roemer.) Nach 
Credner*) soll sie sich auch in Schichten von gleichem Alter 
bei der Marienburg gefunden haben. 

Bemerkungen. Fromentel und Ferry haben in neuester 
Zeit in der Paleontologie francaise diese Species mit der fol- 
genden vereinigt. Dieser Ansicht kann ich nicht beistimmen. 
Nach mir vorliegenden Exemplaren von Banz muss ich die 
von Milne Edwards und Haime ausgesprochene Meinung auf- 
recht erhalten, dass sich Thecocyathus tintinnaoulum von Th. 
mactra immer durch das dickere Epithek unterscheidet. 



*) Gliederung der oberen Juraf. p. 75. 
Zeits. d. d. geol. Ges. XVIII. 3. 



29 



442 



2. Theco cyathus tintinnabulum Goldf. sp. 

Cyathophyllum tintinnabulum Goldf., Petref. Germ, p 56, t. 16 fig. 6. 
1826. 

Thecocyathus tintinnabulum M. Edvy. u. Haimk , Hist. nat. d. Corall. 

T. II. p. 48. 1S57. 
Thecocyathus tintinnabulum Frombntel, Introd. a l'Et. d. Polyp, foss. 

p. 81. 1858 -61. 

Thecocyathus tintinnabulum z. Th. Fro.mef.t. u. Ferry, Paleont. frane., 
Terr. jur. Zooph. p. 32. 186">. 

Polypenstock kurz konisch. Epithek dick, quer gerunzelt. 
Kelch kreisförmig. 3 Cyclen und die Anfänge eines vierten 
Cyclus. Septen gerade, dick, fast gleich gross, ziemlich dicht 
gedrängt. Pfählchen sehr schmal, fast cylindrisch. Höhe 4 
bis 6 Mm. ; Durchmesser des Kelches 5 — 6 Mm. 

Vorkommen. Zu dieser Species muss ein Exemplar 
gerechnet werden, welches Herr U. Schlöisbach in den Schich- 
ten mit Am. jurensis am Osterfelde bei Goslar gefunden hat. 
Der Kelch-Durchmesser beträgt 6 Mm.; die Höhe 4 Mm.; es 
scheinen ungefähr 40 Septen vorhanden gewesen sein. 

b. Trochosmilacea Fromentel. 
Familie: Lithophy 1 1 i d ae Fro'ment. 

Montlivaultia Lamolr. 
3. Mo ntliv aultia sub disp ar Fromentel. 

Montlivaultia subdispar Fromünt. , Introd. a l'Et. des Polyp, foss. p. 116. 
1858-61. 

Polypenstock verkehrt kegelförmig mit etwas gekrümmten 
Seiten. Epithek dick, stark quergefaltet, den Kelchrand nicht 
ganz erreichend. Rippen gleich stark, fein gekörnelt. Kelch 
kreisförmig oder oval. Kelch-Grube tief. 6 Cyclen von Sep- 
ten in 6 Systemen vollständig entwickelt* ausserdem die An- 
fänge eines siebenten Cyclus. Die drei ersten Cyclen gleich 
gross ; der vierte Cyclus fast dieselbe Grösse erreichend. Septen 
dicht gedrängt, gerade. Ihre Seitenflächen mit feinen, in Bo- 
gen-Linien angeordneten Warzenreihen bedeckt. Columellar- 
Raum in die Länge gezogen. Bei dem grössten Exemplare 
von 9 Cm. Höhe betrug der Längs-Durchmesser des Kelches 
60 Mm. und der Quer-Durchmesser 46 Mm. 



443 



Montlivaultia sessilis und Smithi unterscheiden sich von der 
M. subdispar leicht durch den breit angehefteten Polypenstock. 
M. turbinata zeigt ein grösseres Bestreben , sich in die Breite 
auszudehnen. 

Vorkommen: Es lagen 18 Exemplare vor. Ein Exem- 
plar stammt aus den Hersumer Schichten von Hersum (H. Roe- 
mer); die anderen haben sich in der Korallenbank des Lindner- 
Berges bei Hannover (Göttingen, Witte, Credner) und der 
Paschenburg bei Rinteln (Credner) gefunden. 

Bemerkungen. Fromentel fasste zuerst diese Species 
in ihrer richtigen Begrenzung auf; die früheren Schriftsteller 
vereinigten unter der Montlivaultia obconica und dispar For- 
men, die ihr sehr nahe verwandt sind, sich aber von denselben 
durch den runden Columellar-Raum unterscheiden. 

Die Abbildung, die Quenstedt in seinem Jura t. 86, 
fig. 8 von seinem Anthophyllum obconicum giebt, gehört der 
M. subdispar an. Von der M. dispar finden sich vortreffliche 
Abbildungen in British fossil Corals t. 14, fig. 2 u. 2 a. 1851. 

Die jüngeren Individuen der M. subdispar zeigen schon 
eine grosse Anzahl von Septen. Bei einem Exemplare von 
30 Mm. Höhe waren schon über 100 Septen vorhanden. 

4. Montlivaultia? sessilis Münst. sp. 

Anthophyllum iessile Goldf., Petref. Germ. T. I. p. 107, t. 37, fig. 15. 
- 1829. 

Montlivaultia? sessilis M. Edw. u. Haimk , Hist. nat. d. Corall. T. II. 
p.318. 1857. 

Montlivaultia P Sessilis Fromentel, Introd a l'Et. d. Polyp, foss. p. 113. 
1858—61. 

Polypenstock kurz, fast cylindrisch, mit sehr breiter Basis 
festgewachsen. Epithek dünn, erreicht nur die Hälfte der Höhe. 
Rippen etwas ungleich an Dicke, deutlich gezähnt. Kelch 
kreisförmig. Kelchgrube nur schwach angedeutet. 5 Cyclen 
vollständig ausgebildet, ausserdem die Anfänge eines sechsten 
Cyclus. Septen 1 Mm. entfernt, gerade nach aussen an Dicke 
zunehmend, die der ersten 3 Cyclen fast gleich gross. Freier 
Septalrand gezähnt? Höhe 22 Mm.; Breite des Kelches 41 Mm. 

Montlivaultia sessilis unterscheidet sich von der folgenden 
Species leicht durch das dünne Epithek. 

29* 



444 



Vorkommen. Es lag mir ein Exemplar vor aus der 
Korallenbank des Lindner-Berges (Göttingen). 

Bemerkungen. Die nach dem vorliegenden Exemplar 
gegebene Diagnose stimmt fast vollständig mit den von dieser 
Species gegebenen Beschreibungen überein , so dass ich kein 
Bedenken nahm , dasselbe zu dieser Species zu stellen. Fro 
mentel und vor ihm M. Edwards und Haime führen an, 
dass nur die Septen der ersten beiden Cyclen gleich seien, 
ein Unterschied, der wahrscheinlich nur auf eine Alters-Ver- 
schiedenheit der Exemplare hinweist. 

5. M ontliv aultia? brevis n. sp. (Taf. VII. Fig. 1.) 

Polypenstock kurz, mit breiter Basis festgewachsen, nach 
unten zu etwas verengt. Epithek sehr dick, stark quergerun- 
zelt, mit scharf vorspringendem Rande in kurzer Entfernung 
vom Kelchrande endigend. Rippen abwechselnd dicker und 
dünner, fein gekörnelt. Kelch kreisrund. 5 Cyclen vollständig 
entwickelt. Septen 1 Mm. entfernt, gerade; die der ersten 
3 Cyclen fast gleich gross. Freier Septalrand gezähnt? Höhe 
24 Mm.; Breite 34 Mm. 

Monilivaultia brevis ist der von M. Edwards und Haime 
aus dem Etage bathonien beschriebenen M. Smithi (British fos- 
sil Corals p. 110, t. 21, fig. 1. 1851.) sehr nahe verwandt, 
unterscheidet sich jedoch durch den scharf vorspringenden 
Epithekal-Rand. 

Vorkommen. Es lag mir ein Exemplar vor aus der 
Korallenbank des Lindner-Berges (Göttingen). 

Bemerkungen. Leider war an dem vorliegenden Exem- 
plare der freie Septalrand etwas abgerieben, so dass ich nicht 
mit Bestimmtheit die Zugehörigkeit zu der Gattung Montli- 
vaultia feststellen konnte. 

6. M ontliv aultia turbinata (?) Münst. sp. 

Anthophyllum turbinatum Goldf., Petvef. Germ. T. I. p. 107, t. 37, fig. 13. 
1626. 

M ontliv aultia turbinata M. Edvv. u. Haime, Hist. nat. d. Corall. T\ II. 
p. 306. 1857. 

Montlivaultia turbinata Fkoment., Introd. a l'Et. d. Polyp, foss. p. III. 
1858—61. 

,, Polypen stock konisch , gerade , breiter als hoch. Kelch 

kreisförmig, ziemlich tief. 5 vollständige Cyclen; Septen stark, 



445 



gerade, vorspringend; die der drei ersten Cyclen wenig un- 
gleich , die anderen viel kleiner. Kelch-Durchmesser 5 — 6 Cm.' 4 
(n. M. Ebw. u. Haimb). 

Vorkommen. Es lagen 3 Exemplare vor; zwei stammten 
aus der Korallenbank des Lindner-Berges (Göttingen) und eines 
aus denselben Schichten von der Paschenburg bei Rinteln 
(Credner). 

Bemerkungen. Die specifische Bestimmung dieser Art 
ist sehr unsicher. Einerseits sind die vorliegenden Beschrei- 
bungen noch nicht vollkommen genug, um eine genaue Ver- 
gleichung zu gestatten , andererseits liegen auch nur stark 
abgeriebene Exemplare vor. Das eine in der hiesigen Samm- 
lung befindliche Exemplar besitzt ein dickes, stark quergerun- 
zeltes Epithek , das nicht ganz den freien Kelchrand erreicht. 
Der Kelch ist kreisförmig und besitzt einen Durchmesser von 
5 Cm. Es sind 120 dicht gedrängt stehende, nach aussen hin 
sich verdickende, gerade Septen vorhanden. Ein anderes 
Exemplar aus der Sammlung des Herrn Credner zeigt einen 
mehr ovalen Kelch. Seine Höhe beträgt 30 Mm. , der grös- 
sere Durchmesser des Kelches 77 Mm. und der kleinere 
60 Mm. 

7. Montlivaultia ? excavata Roem. sp. 

Anthophyllum excavatum Roemer , Verstein. d. nordcl. Oolith.-G. p. 20, 
1. 1. fig. 8. 1836. 

Montlivaultia excavata M Edw. u, Haime , Hist. nat. d. Corall. T. II. 
p. 326. 1857. 

Polypenstock becherförmig, oben bedeutend breiter als 
unten. Kelch kreisförmig. Kelchgrube tief. Rippen dick, 
gleich stark. 4 Cyclen und der Anfang eines fünften in eini- 
gen Systemen. Die 6 ersten Septen erreichen fast die Mitte. 
Die anderen Septen nehmen nach der Ordnung der Cyclen 
regelmässig an Grösse ab. Septen dick, gerade. Kelch-Durch- 
messer 34 Mm. 

Montlivaultia excavata unterscheidet sich von den vorher- 
gehenden Species sogleich durch die geringe Anzahl der 
Septen. 

Vorkommen. Es lagen zwei Exemplare vor aus der 
Korallenbank des Lindner-Berges (Göttingen, Witte). 



446 



Bemerkungen. Bei beiden Exemplaren war das Epi- 
thek und die Zähnelung des oberen Septalrandes nicht zu 
beobachten. Es muss deshalb die Stellung der Species immer 
noch zweifelhaft bleiben. 

8. Montlivaultia obesa n. sp. (Taf. VII. Fig. 2.) 

Polypen stock verlängert kegelförmig, frei, allmälig in der 
Höhe an Breite zunehmend, entweder mit geraden Seiten, oder 
unten in einer Richtung etwas gekrümmt. Epithek sehr dick, 
den Kelch vollständig bis zum Rande einhüllend , stark her- 
vorragende ringförmige Wülste zeigend. Kelch kreisförmig. 
Kelchgrube tief. 4 Cyclen vollständig entwickelt, ausserdem 
die Anfänge eines fünften Cyclus. Septen gerade, dick, nicht 
über den Kelchrand hervorragend. Querleisten ziemlich zahl- 
reich. Columellar-Raum kreisförmig, eng. Höhe 50 Mm. ; Breite 
des Kelches 33 Mm. 

Das sehr dicke, bis zum höchsten Kelchrande sich aus- 
dehnende Epithek macht diese Species leicht kenntlich. Der 
freie Polypenstock, die vollständig entwickelten 4 Cyclen nebst 
Anfang eines fünften und der abgerundete Columellar-Raum 
stellen sie in die Reihe von Montlivaultia elongata, sycodes und 
Wrighti. Sie unterscheidet sich von der M. elongata durch den 
tieferen Kelch; bei M. sycodes erreicht das Epithek den Kelch- 
rand nicht ganz, und bei M. Wrighti ist das Verhältniss der 
Höhe des Polypenstockes zum Kelch-Durchmesser ganz anders. 
Grosse Verwandtschaft scheint sie mit dem Anthophyllum cir- 
cumvelatum zu haben , das Quenstedt aus den Nattheimer 
Korallenschichten beschreibt (Jura p. 709, t. 86, fig. 10.). Nach 
der gegebenen Abbildung unterscheidet sie sich von derselben 
durch das dickere Epithek. Eine gute Beschreibung von jener 
Species fehlt noch gänzlich. 

Vorkommen. Es lagen drei Exemplare vor aus den 
Schichten mit Pteroceras Oceani vom Lindner-Berge (Göttingen, 
Witte). 



447 



B. Dis astrea Füoment. 
Familie: Cal a m ophy Iii da e Froment. 

Thecosmilia m. Edw. u Haime. 

9. Theco smilia trichotoma Goldf. sp. 

Lithodendron trickotomwin Güldf. , Petref. Germ. p. 45, t. 13, fig. 6. 1826. 
Lithodendron trichotomum Roem., Verstein. d. nordd. Oolith-G. p. 19, 
t. 1, flg. 9. 1836. 

Thecosmilia trichotoma M. Edw. u. Haime, Hist. nat d. Cor T. II. p. 356. 
1857. 

Thecosmilia trichotoma Froment., Introd. a l'Et. d. Polyp, foss. p. 142. 
1858-61. 

Polypenstock in Folge von Selbsttheilung baumförmig ver- 
zweigt. Die einzelnen Zweige erreichen fast sämmtlich dieselbe 
Höhe. Zweige mehr oder weniger cylindrisch. Rippen gekör- 
nelt, gleich stark oder abwechselnd dicker und dünner. Kelch 
kreisförmig oder oval. Epithek ziemlich dick. Kelch -Grube 
flach. 4 oder 5 Cyclen. Septen ziemlich dünn, dicht gedrängt. 
Thre Seitenflächen sind granulirt. Breite der Kelche 15 bis 
22 Mm. 

Vorkommen. Es lagen sieben Exemplare vor aus der 
Korallenbank des Lindner-Berges (Göttingen). 

Bemerkungen. Das eine in der hiesigen Samm- 
lung befindliche Exemplar zeigt noch stellenweise deutlich das 
Epithek. Es ist 65 Mm. hoch und besitzt an seinem oberen Ende 
drei neben einander liegende Kelche , von denen der grösste 
einen Durchmesser von 22 Mm. besitzt. Bei' einem anderen 
Exemplare waren in einem Kelche von 22 Mm. Durchmesser 
gegen 80 Septen ausgebildet. 

Cladophyllia m. Edw. u. Haime. 

10. Cladophyllia? nana Roemer sp. 

Lithodendron nanum Roem., Verstein. d. rrordd. Oolith-G. p. 19, t. 1, fig. 3. 
1836. 

Eunomia nana d'Orb., Prod. d. paleont. T. I, p. 385. 1850. 
Cladophyllia? nana z. Th. JVI.Edw. u. Haime, Hist. nat. d. Corall. T. II. 
p. 36S. 1857. 

Cladophyllia? nana z. Th. From., Descript. d. polyp. foss. d. l'et. neoc. 
p. 29. 1857. 

Cladophyllia? nana z. Th. From., Introd. a l'Et. d. Polyp, foss. p. 146. 
1858 - 61. 

Polypenstock büschelförmig. Polypen cylindrisch, sich in 
kurzen Entfernungen unter spitzen Winkeln gabelnd. Kelch 



448 



kreisförmig. 4 Cyclen und der Anfang eines fünften. Septen 
dünn, dicht gedrängt. Kelch-Durchmesser 8 Mm. 

Vorkommen. Es Jagen zwei Exemplare vor aus der 
Korallenbank des Lindner-Berges (Roemer). 

Bemerkungen. Diese Speeles wurde zuerst von Roe- 
mer als Lithodendron nanum beschrieben. Später haben sie 
M. Edwards und Haime und, ihnen folgend, Fromentel mit 
dem aus dem oberen Hilsconglomerate des Elligser- Brink von 
Roemer beschriebenen Anthophyllum conicum vereinigt, indem 
sie letztere Species nur für junge Individuen des Lithodendron 
nanum ansahen. Beide Species gehören ganz verschiedenen 
Gattungen an. Lithodendron nanum gehört zu den Disastreen 
und Anthophyllum conicum entschieden zu den Monastreen. 

Zwei Roemer' sehe Original-Exemplare, die Herr H. Roemer 
so freundlich war, zur Untersuchung mir zu überlassen, waren 
so stark abgerieben, dass man nicht darüber entscheiden konnte, 
ob ein Epithek vorhanden gewesen ist. Wahrscheinlich ge- 
hört noch zu der vorstehenden Species ein Exemplar, das Herr 
Credker in der Nerineenbank bei Limmer gefunden hat (sein 
Lithodendron plicatum in: Gliederung des oberen Jura, p. 36). 
Es ist ein aus dicht an einander liegenden Zweigen bestehen- 
der Korallenstock. Ein fein quergerunzeltes Epithek umgiebt 
die einzelnen Polypen. Kelchgrube tief. Der Durchmesser der 
Kelche schwankt zwischen 3 und 6 Mm. 

11. Cladophyllia grandis n. sp. 

Polypenstock cylindrisch, abwechselnd etwas eingeschnürt 
und angeschwollen, sich unter einem offenen, spitzen Winkel 
gabelnd. Epithek den ganzen Polypenstock einhüllend , fein 
quergefaltet. Rippen sehr zart, gleich stark. Kelch kreisförmig. 
Kelchgrube sehr tief. 56 Septen , dicht gedrängt (auf 2 Mm. 
kommen 4 bis 5), dünn. Kelch-Durchmesser 10 Mm. 

Die aus dem französischen Jura von Michelin beschriebene 
und abgebildete Cladophyllia laevis scheint dieser Species sehr 
nahe verwandt zu sein und ist vielleicht mit ihr identisch. In 
den gegebenen Beschreibungen fehlen leider Angaben über die 
Anzahl der Septen , so dass ich vorläufig diese norddeutsche 
Koralle neu benannt habe. 

Vorkommen. Das einzig mir vorliegende Exemplar aus 
der Sammlung des Herrn Credner hat sich seiner Angabe nach 



449 



in dem oberen Corallrag vom Bielstein am Deister (als Ko- 
rallenoolith) gefunden. 

Familie: Cladocoridae Froment. 

Goniocora M Edw. u. Haime« 
12. Goniocora socialis Roem. sp. 

Lithodendron sociale Roem., Verstein. d. nordd. Oolith-G. p. 19. 1836. — 

Nachtrag p. 57, t. 17, fig. 2J. 1839. 
Goniocora socialis M. Edw. u. Haime, ßrit. foss. Corals p. 92, t. 15 

fig, 2. 185 1. 

Goniocora socialis Fuom., Introd. a l'Et. d. Polyp, foss. p. 148. 1858-61. 

Polypenstock baumförmig; die einzelnen Zweige bilden 
mit dem Hauptstamm ungefähr einen Winkel von 50°, in kur- 
zen Entfernungen von einander, zuweilen einander gegenüber- 
stehend, cylindrisch. Rippen gerade, dicht gedrängt, fein ge- 
körnelt, abwechselnd ein wenig ungleich. Kelche kreisförmig. 
3 Cyclen von Septen in 6 Systemen ausgebildet. Die ersten 
6 Septen gleich gross, bis zum Mittelpunkte des Kelches rei- 
chend; die Septen des zweiten Cyclus etwas kleiner, die des 
dritten ganz auf die Peripherie besckränkt. Septen, die einem 
vierten Cyclus von Rippen entsprechen, fehlen. Septen gerade. 
Kelch-Durchmesser 3 Mm. 

Vorkommen. Es lagen sechs Bruchstücke dieser Ko- 
ralle vor aus dem Korallenoolith, und zwar aus den Schichten 
mit Pecten varians von Hoheneggelsen (H. Roemer). A. Roemer 
führt noch als Fundort an den oberen Coralrag von Specken- 
brink und Knebel bei Uppen unweit Hildesheim. 

C. Syrrastrea Froment. 
Familie: Latimdeandridae Froment. 

Latimaeandra dOrbigny. 

13. Latimaeandra plicata M. Edw. u. Haime (Taf. VII. Fig. 3). 

Lithodendron plicatum Goldf., Petref. Germ. p. 45. t. 13, flg. 5. 1826. 
Maeandrina astroides und Astrea conßuens ibid. t. 21, fig. 3 u. t. 22, fig. 5. 
Latimaeandra plicata M. Edw. u. Haime, Hist. nat. d. Corall, T. II. 
fig. 544. 1857. 

Chorisastraea plicata Froment., Introd. a l'Et. d. Polyp, foss. p. 163, 
1858 61. 

Das einzige mir vorliegende Exemplar zeigt cylindrische 
Polypen, die neben einander an der" einen Seite eines gemein- 



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schaftlichen Stammes durch Knospung entstanden sind. Sie 
sind theils ganz frei, theils durch ihre Mauern mit einander ver- 
einigt. Die Rippen sind gleich stark und stehen dicht gedrängt. 
Kelche kreisförmig oder etwas in die Länge gezogen. Kelch- 
Grube sehr flach. In dem grössten Kelche, dessen Längs- 
Durchmesser 10 Mm. beträgt, waren gegen 60 Septen ent- 
wickelt. Die meisten Kelche besitzen einen Durchmesser von 
5—7 Mm. 

Vorkommen. Das Exemplar stammt aus der Korallen- 
bank des Lindner-Berges (Göttingen). Credner führt noch als 
Fundort an die Heersumer Schichten vom Lindner-Berge. 

Bemerkungen. Es gehört das vorliegende Exemplar 
zu den Formen der Latimaeandra plicata von Miljse Edwards 
und Haime, die eine baumförmig verzweigte Gestalt besitzen 
und von Goldfuss als Lithodendron plicatum beschrieben sind. 
Milne Edwads und Haime haben mit ihrer Latimaeandra plicata 
ausserdem noch Korallen vereinigt, die eine maeanderförmige 
und asträenförmige Gestalt besitzen. Ob diese Auffassung von 
Milse Edwards und Haime die richtige sei oder die von 
Fromektel, der nur diejenigen Formen unter seiner neuen 
Gattung Chorisastraea in einer Species vereinigt lässt, die in 
Reihen angeordnete Kelche besitzen , aber deren Reihen nicht 
durch Rippen vereinigt sind, wage ich bei Mangel von süd- 
deutschen Exemplaren nicht zu entscheiden. 

D. Polyastrea Froment. 
Familie: Stylini da e Fkomrnt. 

Stylina Lam. 

14. Stylina Labechei M. Edw. u. Haime. 

Stylina Delaiechei M. Edw. u. Haime , Brit. foss. Corals p. 79 , t. 15, 
fig. 1. 1857. 

Astraea tubulosa Quenst. (non Goldf.), Handb. d. Petrefact. p. 647, t. 57, 
fig. 19-21. 

Stylina Labechei M. Edw. u. Haimr, Hist. nat. d.